<![CDATA[foodwatch-Nachrichten und Medientipps]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[Rechtsgutachten zeigt: Verbraucher-Plattform „Topf Secret“ ist rechtmäßig – Klagewelle gegen Deutschlands Behörden – VG Mainz, VG Cottbus und VG Augsburg weisen Klagen von Lebensmittelbetrieben ab]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/rechtsgutachten-zeigt-verbraucher-plattform-topf-secret-ist-rechtmaessig-klagewelle-gegen-deutschlands-behoerden-vg-mainz-vg-cottbus-und-vg-augsburg-weisen-klagen-von-lebensmittelbetrieben-ab/Mon, 20 May 2019 14:31:00 +0200

Bürgerinnen und Bürger haben einen Informationsanspruch auf die Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen, auch wenn sie diese über die Online-Plattform „Topf Secret“ beantragen. Zu diesem Ergebnis kommt ein von der Verbraucherorganisation foodwatch und der Transparenz-Initiative FragDenStaat in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten der Kanzlei Geulen & Klinger. Derzeit klagen etliche Lebensmittelbetriebe deutschlandweit gegen Lebensmittelbehörden, um so die Herausgabe von Hygiene-Kontrollberichten zu verhindern. Die Betriebe halten vor allem die Möglichkeit einer Veröffentlichung der erlangten Informationen auf der Online-Plattform „Topf Secret“ für rechtswidrig. Das Gutachten der Kanzlei Geulen & Klinger kommt hingegen zu einem anderen Schluss.

„Ob es Gastro-Lobby gefällt oder nicht: Bürgerinnen und Bürger haben einen Anspruch auf die Hygiene-Kontrollergebnisse und sie dürfen diese auch veröffentlichen“, erklärte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. „Alles andere wäre auch absurd. Wenn laut Gesetz jeder Anspruch auf die Informationen hat, wie können sie dann Geheimsache sein?“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch, ergänzte: „Mit der Klagewelle attackieren die Lebensmittelbetriebe die Informationsrechte der Bürgerinnen und Bürger. Offensichtlich möchte die Branche mit allen Mitteln verhindern, dass Transparenz über die Kontrollergebnisse geschaffen wird. Doch damit wird die Gastro-Lobby nicht durchkommen!“

foodwatch und FragDenStaat haben „Topf Secret“ im Januar gestartet. Auf www.topf-secret.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben so einfach wie nie zu vor abfragen und später auch veröffentlichen. Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist. Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet, größtenteils wegen Hygienemängeln.

Die gesetzliche Grundlage für die Anträge auf „Topf Secret“ ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG). Laut dem Rechtsgutachten sind Behörden dazu verpflichtet, Bürgerinnen und Bürgern die angeforderten Informationen bereitzustellen - auch wenn die Anträge über "Topf Secret" gestellt wurden. Weder das VIG noch das Verfassungsrecht stünden zudem einer Veröffentlichung der herausgegebenen Informationen durch die Bürgerinnen und Bürger entgegen, heißt es in dem Papier.

Derzeit gehen zahlreiche Lebensmittelbetriebe, darunter Betriebe von drei Präsidiumsmitgliedern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA), mit Anfechtungsklagen gegen solche Behörden vor, die Bürgerinnen und Bürgern Hygiene-Kontrollergebnisse zur Verfügung stellen wollen. Bislang gibt es drei Verwaltungsgerichte, die in der Sache entschieden haben - in allen drei Fällen haben die Betriebe verloren: Das Verwaltungsgericht Augsburg hatte Anfang Mai bereits eine Klage eines Gastwirts abgewiesen und geurteilt, dass das zuständige Amt die Informationen herausgeben muss, wie die Augsburger Allgemeine berichtete. Auch das Verwaltungsgericht Mainz und das Verwaltungsgericht Cottbus haben jüngst sogenannte Eilanträge auf vorläufigen Rechtsschutz von Lebensmittelbetrieben abgewiesen und das Verhalten der Behörden als eindeutig rechtmäßig bewertet.

In hunderten anderen Fällen steht ein Urteil aus. Mehrere Gerichte hatten zwar den Anträgen der Betriebe auf vorläufigen Rechtsschutz stattgegeben, aber noch keine Entscheidung in der eigentlichen Sache gefällt.

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<![CDATA[Aktionsbündnis reicht Verfassungsbeschwerde gegen EU-Singapur-Abkommen ein]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/freihandelsabkommen/aktuelle-nachrichten/aktionsbuendnis-reicht-verfassungsbeschwerde-gegen-eu-singapur-abkommen-ein/Thu, 16 May 2019 12:52:00 +0200

Gemeinsam mit Campact und Mehr Demokratie hat foodwatch beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde gegen das EU-Handelsabkommen mit Singapur eingereicht. Die Kritik: Das Abkommen steht exemplarisch für eine neue Art von Freihandelsverträgen, mit denen weitreichende Kompetenzen auf die Europäische Union übertragen werden – ohne, dass der Deutsche Bundestag beteiligt ist.

Das EU-Handelsabkommen mit Singapur (EU-Singapore-Free-Trade-Agreement, EUSFTA) sieht ähnlich wie das bereits ratifizierte Abkommen mit Kanada (CETA) die Einrichtung von demokratisch nicht-legitimierten Handelsausschüssen vor. Diese könnten in Zukunft Entscheidungen treffen, die unter Ausschluss des Europaparlamentes tagen und tief in das Leben der europäischen Bürgerinnen und Bürger eingreifen.

Beispiele von solchen sogenannten Vertragsgremien im Rahmen des Singapur-Abkommens sind der Ausschuss für Handel, der unter anderem das Recht hat, Kennzeichnungsregeln für Lebensmittel zu erlassen oder der sogenannte SPS-Ausschuss, der Anforderungen an die Schädlingsfreiheit beim Import und Export von Lebensmitteln tierischen Ursprungs festlegen kann. Die Ausschüsse sind sogar ermächtigt, den Text und die Struktur des völkerrechtlichen Vertrags zwischen der EU und Singapur zu ändern. Die Beschlüsse der Ausschüsse sind völkerrechtlich bindend.

Bundestag muss über EU-Handelsverträge abstimmen

Am Donnerstag legten in Karlsruhe die Organisationen foodwatch, Campact und Mehr Demokratie Verfassungsbeschwerde gegen das im Februar vom EU-Parlament verabschiedete Singapur-Abkommen ein. Mehr als 13.000 Menschen aus Deutschland haben sich dem Vorhaben als Co-Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angeschlossen. Die Kritik: Mit dem Singapur-Abkommen werden Kompetenzen auf die EU-Ebene übertragen, ohne dass der Deutsche Bundestag angemessen beteiligt wird. 

Denn bei den umfassenden Handelsverträgen neuer Generation, wie es zum Beispiel das CETA-Abkommen und auch das Abkommen mit Singapur sind, geht es nicht mehr nur um klassische Außenhandelspolitik wie den Abbau von Zöllen, sondern um Regulierungen, die tiefgreifende Auswirkungen „hinter der Grenze“ haben. Die EU kann über diesen Weg ohne demokratische Kontrolle in die Mitgliedstaaten hineinregieren.

Das Aktionsbündnis forderte, dass der Bundestag über Handelsabkommen wie den EU-Vertrag mit Singapur abstimmen und klar definiert werden muss, welche Kompetenzen und Rechte auf die EU-Vertragsgremien übertragen werden. Andernfalls wird die Demokratie geschwächt und die Europäische Union bei den Bürgerinnen und Bürgern an Akzeptanz verlieren.

Das Aktionsbündnis geht davon aus, dass die Entscheidung der Karlsruher Richterinnen und Richter maßgeblich dafür sein wird, wie in Zukunft über Handelsabkommen entschieden wird.

Unzulässige Übetragung von Kompetenzen

Der Prozessbevollmächtigte des Aktionsbündnisses, Prof. Dr. Wolfgang Weiß, vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht der Universität Speyer: „Durch das EU-Singapur-Abkommen findet eine unzulässige Kompetenzübertragung vom Nationalstaat auf die Europäische Union statt – ohne die Zustimmung des Bundestages. Diese Kompetenzübertragung schwächt die demokratische Teilhabe des deutschen Parlamentes an der europäischen Politik.“

Das EU-Handelsabkommen mit Singapur ist ausverhandelt. Das Europaparlament hat dem Vertrag im Februar zugestimmt, die endgültige Verabschiedung durch den Europäischen Rat steht kurz bevor. Die Parlamente in den Mitgliedstaaten dürfen allerdings nicht abstimmen. Denn nach der Kritik an Abkommen wie dem EU-Kanada-Freihandelsabkommen CETA hat die EU ihre neuen Handelsverträge in zwei Teile aufgeteilt: Ein Teil regelt den Investitionsschutz, ein anderer Teil behandelt Handels- und Dienstleistungsliberalisierung. Dieser sehr viel weitreichendere Handelsteil wird als sogenanntes „EU only“-Abkommen eingestuft, über den ausschließlich der Ministerrat und das Europaparlament entscheiden.

„Wir dürfen die Kritik an der EU nicht den Europafeinden überlassen. Gerade weil wir für Europa sind, kritisieren wir die neuen europäischen Handelsverträge. Mit ihren undemokratischen Vertragsgremien vergrößern sie die Kluft zwischen den EU-Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern. Die Abkommen sind ein Türöffner für einen noch stärkeren Einfluss von Konzerninteressen auf die Politik in Europa – zum Nachteil von Verbraucher-, Umwelt- und Gesundheitsschutz.“

Thilo Bode, Geschäftsführer von foodwatch International

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<![CDATA[Einladung zur Pressekonferenz – Vier Monate „Topf-Secret“: Ekel-Funde bei Fastfood-Ketten, Klagewelle von Lebensmittelbetrieben und rechtswidrig handelnde Behörden ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zur-pressekonferenz-vier-monate-topf-secret-ekel-funde-bei-fastfood-ketten-klagewelle-von-lebensmittelbetrieben-und-rechtswidrig-handelnde-behoerden/Thu, 16 May 2019 11:55:00 +0200Auf dem Online-Portal „Topf Secret“ können Verbraucherinnen und Verbraucher erstmals auf einfache Weise die Ergebnisse von amtlichen Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben abfragen – und später auch veröffentlichen. Seit Start der Plattform Anfang dieses Jahres sind mehr als 25.000 solcher Anträge bei Behörden in ganz Deutschland eingegangen. Die auf „Topf Secret“ veröffentlichten Berichte zeigen: In einigen Betrieben haben die Amtskontrolleure ekelerregende Zustände vorgefunden.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz wollen die Initiatoren von „Topf Secret“, die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat, eine erste Bilanz ziehen: In welchen Städten und Bundesländern wurden wie viele Anträge gestellt? In welchen Regionen erhalten die Menschen Zugang zu den Hygiene-Berichten, und in welchen nicht? Welche konkreten Hygiene-Mängel konnten durch die Plattform bereits aufgedeckt werden? Und wie reagieren die Lebensmittelbetriebe auf „Topf Secret“?

Zu unserer Pressekonferenz möchten wir herzlich einladen:

Termin: Mittwoch, 22. Mai 2019, 10:00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 1-2, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin

mit:
-    Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch
-    Arne Semsrott, Projektleiter bei FragDenStaat

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

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<![CDATA[Aktionsbündnis reicht Verfassungsbeschwerde gegen EU-Handelsabkommen mit Singapur ein – Organisationen warnen vor Schwächung der Demokratie in Europa ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/aktionsbuendnis-reicht-verfassungsbeschwerde-gegen-eu-handelsabkommen-mit-singapur-ein-organisationen-warnen-vor-schwaechung-der-demokratie-in-europa/Thu, 16 May 2019 11:54:00 +0200
  • Mehr Demokratie, Campact und foodwatch fordern: Bundestag muss über neue EU-Handelsabkommen mitentscheiden
  • „Handelsausschüsse“ treffen weitreichende Entscheidungen ohne parlamentarische Kontrolle
  • Undemokratische Handelsverträge schwächen Akzeptanz der EU

+++ Fotoaktion in Karlsruhe: Bildmaterial zur freien redaktionellen Verwendung ab ca. 15 Uhr unter www.verfassungsbeschwerde.eu +++

Ein Bündnis aus Mehr Demokratie, Campact und foodwatch hat Verfassungsbeschwerde gegen das EU-Handelsabkommen mit Singapur eingereicht. Das Abkommen stehe exemplarisch für eine neue Art von Freihandelsverträgen, mit denen weitreichende Kompetenzen auf die Europäische Union übertragen würden – ohne, dass der Bundestag beteiligt ist, erklärten die Organisationen auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Karlsruhe. Demokratisch nicht-legitimierte Handelsausschüsse könnten in Zukunft Entscheidungen treffen, die tief in das Leben der europäischen Bürgerinnen und Bürger eingreifen, etwa zur Kennzeichnung von Lebensmitteln oder zur Liberalisierung von Dienstleistungen, so die Kritik. Das Singapur-Abkommen verstoße damit gegen das deutsche Grundgesetz. Mehr Demokratie, Campact und foodwatch forderten, dass der Bundestag über Handelsabkommen wie den EU-Vertrag mit Singapur abstimmen müsse und es klar definiert werden solle, welche Kompetenzen und Rechte auf die EU-Ausschüsse übertragen werden. Andernfalls würde die Demokratie geschwächt und die Europäische Union bei den Bürgerinnen und Bürgern an Akzeptanz verlieren. Die Organisationen gehen davon aus, dass die Entscheidung der Karlsruher Richterinnen und Richter maßgeblich dafür sein wird, wie in Zukunft über Handelsabkommen entschieden wird.

„Durch das EU-Singapur-Abkommen findet eine unzulässige Kompetenzübertragung vom Nationalstaat auf die Europäische Union statt – ohne die Zustimmung des Bundestages. Diese Kompetenzübertragung schwächt die demokratische Teilhabe des deutschen Parlamentes an der europäischen Politik“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Weiß, vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht der Universität Speyer und Prozessbevollmächtigter des Aktionsbündnisses. „Das EU-Singapur-Abkommen installiert Ausschüsse, die sehr weitgehende und völkerrechtlich bindende Entscheidungen treffen können – und trotzdem keiner demokratischen Kontrolle unterworfen sind. Durch das System der Vertragsgremien wird eine neue Hoheitsebene geschaffen, die die Struktur innerhalb der EU fundamental verändert und die demokratische Teilhabe sowohl des EU-Parlaments als auch der nationalen Parlamente schwächt.“ 

Das EU-Handelsabkommen mit Singapur (EU-Singapore-Free-Trade-Agreement, EUSFTA) ist ausverhandelt. Das Europaparlament hat dem Vertrag im Februar zugestimmt, die endgültige Verabschiedung durch den Europäischen Rat steht kurz bevor. Die Parlamente in den Mitgliedstaaten dürfen allerdings nicht abstimmen. Denn nach der Kritik an Abkommen wie dem EU-Kanada-Freihandelsabkommen CETA hat die EU ihre neuen Handelsverträge in zwei Teile aufgeteilt: Ein Teil regelt den Investitionsschutz, ein anderer Teil behandelt Handels- und Dienstleistungsliberalisierung. Dieser sehr viel weitreichendere Handelsteil wird als sogenanntes „EU only“-Abkommen eingestuft, über den ausschließlich der Ministerrat und das Europaparlament entscheiden. Aus Sicht von Mehr Demokratie, Campact und foodwatch ist das nicht akzeptabel – die drei Organisationen wollen prüfen lassen, ob „EU only“ mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar ist.

„Die Verfassungsbeschwerde richtet sich nicht gegen die Europäische Union und auch nicht gegen internationalen Handel“, sagte Roman Huber, Bundesvorstand des Vereins Mehr Demokratie. „Aber wenn die EU mit ihrer EU-only-Strategie durchkommt, werden dutzende weitere Verträge folgen, bei denen die Parlamente der Mitgliedstaaten in entscheidenden Fragen außen vor bleiben. Das schwächt die Demokratie in Europa.“

Thilo Bode, Geschäftsführer von foodwatch International, erklärte: „Wir dürfen die Kritik an der EU nicht den Europafeinden überlassen. Gerade weil wir für Europa sind, kritisieren wir die neuen europäischen Handelsverträge. Mit ihren undemokratischen Vertragsgremien vergrößern sie die Kluft zwischen den EU-Institutionen und den Bürgerinnen und Bürgern. Die Abkommen sind ein Türöffner für einen noch stärkeren Einfluss von Konzerninteressen auf die Politik in Europa – zum Nachteil von Verbraucher-, Umwelt- und Gesundheitsschutz.“

Bei den umfassenden Handelsverträgen neuer Generation, wie es zum Beispiel das CETA-Abkommen und auch das Abkommen mit Singapur sind, geht es nicht mehr nur um klassische Außenhandelspolitik wie den Abbau von Zöllen, sondern um Regulierungen, die tiefgreifende Auswirkungen „hinter der Grenze“ haben. Die EU könne über diesen Weg ohne demokratische Kontrolle in die Mitgliedstaaten hineinregieren, so die Organisationen. Besonderer Kritikpunkt: Über viele Fragen zur Regulierung entscheiden neu eingerichtete Ausschüsse, sogenannte Vertragsgremien, unter Ausschluss des Europaparlamentes. Beispiele im Singapur-Abkommen sind der Ausschuss für Handel, der unter anderem das Recht hat, Kennzeichnungsregeln für Lebensmittel zu erlassen oder der sogenannte SPS-Ausschuss, der Anforderungen an die Schädlingsfreiheit beim Import und Export von Lebensmitteln tierischen Ursprungs festlegen kann. Die Ausschüsse sind sogar ermächtigt, den Text und die Struktur des völkerrechtlichen Vertrags zwischen der EU und Singapur zu ändern. Die Beschlüsse der Ausschüsse sind völkerrechtlich bindend.

Wahlberechtigte konnten sich per Vollmacht der Verfassungsbeschwerde anschließen. Mehr als 13.000 Bürgerinnen und Bürger sind somit Co-Beschwerdeführende. Die Klageschrift sowie die Vollmachten reichte das Aktionsbündnis heute mit einer Bild-Aktion beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein.

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<![CDATA[Studie: Nutri-Score-Ampel ist verständlichste Nährwertkennzeichnung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/studie-nutri-score-ampel-ist-verstaendlichste-naehrwertkennzeichnung/Wed, 15 May 2019 09:28:00 +0200

Eine unabhängige Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Nutri-Score-Ampel die verständlichste Nährwertkennzeichnung ist. Eine internationale Forschergruppe hat fünf Modelle miteinander verglichen und eine Umfrage unter Verbraucherinnen und Verbrauchern durchgeführt.

Der Nutri-Score erfreut sich in ganz Europa zunehmender Beliebtheit: In Frankreich und Belgien gibt es ihn schon, und auch die Regierungen in Spanien, Portugal und Luxemburg wollen die Nährwert-Ampel einführen und damit für mehr Transparenz bei der Lebensmittelkennzeichnung sorgen. Jetzt zeigt eine Vergleichsstudie, dass der Nutri-Score unter den am häufigsten diskutierten Nährwertkennzeichnungen die verständlichste ist. 

Fünf Modelle im Vergleich

Eine Forschergruppe der Universität Paris-Nord und der Curtin University Australien hatte in mehreren Ländern fünf Modelle zur Kennzeichnung von Nährwerten wie Zucker, Fett und Salz auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen untersucht. Neben der französischen Lebensmittelampel Nutri-Score wurden die britische Lebensmittelampel („Multiple Traffic Lights“), das in Australien und Neuseeland verwendete „Health Star Rating System“, das chilenische Warnzeichen sowie die von der Industrie entwickelte und freiwillig eingesetzte GDA-Kennzeichnung („Reference Intakes“/„Guideline Daily Amount“) verglichen. Die Nutri-Score-Ampel schnitt unter 1.000 befragten deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern am besten ab.

Ministerin Klöckner ignoriert Wissenschaft

Obwohl damit inzwischen mehr als 30 wissenschaftliche Studien zum Nutri-Score vorliegen, lehnt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner das Modell weiter ab und behauptet, es gebe weiteren Forschungsbedarf. Während sich immer mehr Länder für den Nutri-Score entscheiden, will Frau Klöckner weiter forschen und bis zum Sommer ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung vorlegen.

„Julia Klöckner ignoriert die überwältigende wissenschaftliche Faktenlage. Mit der Nutri-Score-Ampel erkennt jeder auf einen Blick, wie ausgewogen oder unausgewogen verarbeitete Lebensmittel sind. Es ist höchste Zeit, dass Ministerin Klöckner sich von der unbelehrbaren deutschen Süßwaren- und Junkfood-Industrie emanzipiert und dem besten Kennzeichnungsmodell für Europas Verbraucherinnen und Verbraucher auch in Deutschland zum Durchbruch verhilft.“

Luise Molling von foodwatch

Nicht nur foodwatch, sondern auch Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in vielen europäischen Ländern fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht – eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben ist dabei ein wichtiger Baustein. Darüber hinaus fordern die Expertinnen und Experten Beschränkungen bei der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung, verbindliche Standards beim Schul- und Kitaessen, eine Limo-Steuer sowie eine Mehrwertsteuerbefreiung für Obst und Gemüse.

20.03.2019

So entlarvt die Nutri-Score-Ampel ungesunde Produkte

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<![CDATA[Unabhängige Studie zeigt: Nutri-Score-Ampel ist die verständlichste Nährwertkennzeichnung für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/unabhaengige-studie-zeigt-nutri-score-ampel-ist-die-verstaendlichste-naehrwertkennzeichnung-fuer-deutsche-verbraucherinnen-und-verbraucher/Wed, 15 May 2019 09:22:00 +0200

Die Lebensmittelampel Nutri-Score ist die verständlichste Nährwertkennzeichnung für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland. Das belegt eine neue, unabhängige Studie, die die Verbraucherorganisation foodwatch am Mittwoch vorgestellt hat. Die Nutri-Score-Ampel schnitt unter 1.000 befragten deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern bei einem Vergleichstest am besten ab. Eine Forschergruppe der Universität Paris-Nord und der Curtin University Australien hatte in mehreren Ländern fünf Modelle zur Kennzeichnung von Nährwerten wie Zucker, Fett und Salz auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen miteinander verglichen. Obwohl damit inzwischen mehr als 30 wissenschaftliche Studien zum Nutri-Score vorliegen, lehnt Bundesernährungsministerin Julia Klöckner das Modell weiter ab und behauptet, es gebe weiteren Forschungsbedarf, kritisierte foodwatch. Während sich Frankreich, Belgien und Spanien bereits für die Nutri-Score-Ampel entschieden haben, will Frau Klöckner weiter forschen und bis zum Sommer ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung vorlegen.

„Julia Klöckner ignoriert die überwältigende wissenschaftliche Faktenlage. Mit der Nutri-Score-Ampel erkennt jeder auf einen Blick, wie ausgewogen oder unausgewogen verarbeitete Lebensmittel sind. Es ist höchste Zeit, dass Ministerin Klöckner sich von der unbelehrbaren deutschen Süßwaren- und Junkfood-Industrie emanzipiert und dem besten Kennzeichnungsmodell für Europas Verbraucherinnen und Verbraucher auch in Deutschland zum Durchbruch verhilft“, sagte Luise Molling von foodwatch.

Prof. Dr. med. Joachim Spranger, Direktor der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin an der Charité Berlin unterstrich aus medizinischer Sicht, wie notwendig eine verständliche Nährwertkennzeichnung sei: „Viele Menschen in Deutschland ernähren sich zu ungesund. Eine verständliche Kennzeichnung der Nährwerte ist ein wichtiges Instrument, um Fehlernährung zu verhindern. Trotzdem wurde eine flächendeckende Lebensmittel-Ampel immer noch nicht umgesetzt.“

Die von foodwatch vorgestellte und in der Zeitschrift Ernährungsumschau publizierte Studie ist Teil eines umfassenden internationalen Forschungsprojekts, das in zwölf Staaten untersucht hat, wie verbraucherfreundlich fünf verschiedene Systeme zur Kennzeichnung von Nährwerten auf Lebensmittelverpackungen sind. Neben der französischen Lebensmittelampel Nutri-Score wurden die britische Lebensmittelampel („Multiple Traffic Lights“), das in Australien und Neuseeland verwendete „Health Star Rating System“, das chilenische Warnzeichen sowie die von der Industrie entwickelte und freiwillig eingesetzte GDA-Kennzeichnung („Reference Intakes“/„Guideline Daily Amount“) verglichen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie hatten die Aufgabe, verschiedene Lebensmittel nach ihrer Nährwertqualität einzuordnen. Im Vergleich zu nicht gekennzeichneten Produkten erhöhten alle getesteten Kennzeichnungsmodelle die Anzahl der korrekten Antworten, der Nutri-Score erwies sich jedoch als das effektivste Modell. Die Befragten konnten mit der Nutri-Score-Ampel am besten einordnen, wie ausgewogen verschiedene Lebensmittel sind.

Nicht nur foodwatch, sondern auch Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in vielen europäischen Ländern fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht - eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben ist dabei ein wichtiger Baustein. In Ermangelung einer verbindlichen EU-weiten Regelung haben inzwischen mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Der von unabhängigen französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelte Nutri-Score wird bereits in Frankreich und Belgien verwendet, Spanien hat seine Einführung angekündigt und in Portugal, Luxemburg und der Schweiz wird über die Einführung diskutiert. Das Modell nimmt eine Gesamtbewertung der Nährwertzusammensetzung eines Produktes vor, indem es ernährungsphysiologisch günstige und ungünstige Nährwertbestandteile miteinander verrechnet und auf einer von grün nach rot abgestuften Farbskala einordnet. Mit dem Nutri-Score lassen sich so die Nährwerte verschiedener Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts auf einen Blick vergleichen.

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<![CDATA[Lebensmittelüberwachung: Klöckner will weniger Pflichtkontrollen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/topf-secret/aktuelle-nachrichten/lebensmittelueberwachung-kloeckner-will-weniger-pflichtkontrollen/Mon, 13 May 2019 16:09:00 +0200

Lebensmittelkontrolleure sollen nach Plänen des Bundesernährungsministeriums künftig deutlich seltener zu Pflichtkontrollen in die Lebensmittelbetriebe gehen. Dabei können schon jetzt zahlreiche Behörden in Deutschland wegen Personalmangels nicht annähernd so viel kontrollieren wie eigentlich vorgegeben. Ministerin Julia Klöckner erhöht mit ihren Plänen willentlich das Risiko für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Deutschlands Lebensmittelüberwachungsbehörden sind überlastet: Weil das Personal fehlt, kontrollieren viele Gesundheits- und Verbraucherschutzämter nicht so viel wie eigentlich gesetzlich vorgegeben. Dieses Problem will die zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner nun offenbar auf eine ganz spezielle Art lösen – indem selbst Risiko-Unternehmen wie fleischverarbeitende Betriebe einfach weniger häufig kontrolliert werden müssen. So steht es in einem noch unveröffentlichten Referentenentwurf einer neuen Verwaltungsvorschrift hervor, den foodwatch ins Internet gestellt hatte.  

Klöckner verspricht „intensivere“ Kontrollen

In der amtlichen Begründung für den Referentenentwurf, den foodwatch ebenfalls öffentlich machte, verspricht das Ministerium, mit der geplanten Änderung der Kontrollhäufigkeit würden „die Ressourcen der amtlichen Lebensmittelüberwachung noch wirksamer auf ‚Problembetriebe‘ fokussiert“. Denn: „Betriebe, die in der kontrollintensivsten Risikoklasse (...) eingestuft sind, sollen noch intensiver und engmaschiger anlassbezogen kontrolliert werden als bisher.“ Tatsächlich erreicht der Gesetzestext aber genau das Gegenteil: Insbesondere bei Lebensmittelbetrieben mit erhöhtem Risiko sollen künftig nicht mehr, sondern weniger Kontrollbesuche vorgegeben sein. An diesen Vorgaben orientiert sich auch die Stellenplanung in den Kontrollbehörden.

„Diese aberwitzigen Pläne müssen schleunigst in die Schublade gepackt und dauerhaft weggeschlossen werden. Wenn es an Personal mangelt, wäre die naheliegende Lösung, mehr Personal in den Ämtern einzustellen – stattdessen will Frau Klöckner nun die Kontrollhäufigkeit dem Personalmangel anpassen. Besonders dreist ist, dass das Ministerium sein Vorhaben auch noch als Effizienzsteigerung verkauft – das Gegenteil ist der Fall.“ 

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Weniger Kontrollen von Risikobetrieben

Wie oft die Behörden einen Lebensmittelbetrieb besuchen und wie viele Lebensmittelkontrolleure und Tierärzte die Ämter einstellen, orientiert sich an sogenannten Risikoklassen. Je nach Betriebsart und nach vorherigen Kontrollergebnissen werden die Unternehmen eingestuft: Eine Metzgerei in eine höhere Risikokategorie als ein Kiosk, der nur verpackte Produkte verkauft. Dementsprechend finden in der Metzgerei häufigere Routinekontrollen statt – und noch mehr, wenn die Metzgerei regelmäßig Hygieneverstöße zu verantworten hatte. Der Referentenentwurf, den foodwatch von mehreren voneinander unabhängigen Quellen erhalten hat, nimmt in diesen Risikoklassen Veränderungen bei den vorgegebenen Kontrollfrequenzen vor. Zum Beispiel müssten in Fleischbetrieben, die der höchsten Risikoklasse zugeordnet sind, in Zukunft statt täglich nur noch „häufiger als monatlich“ Routinekontrollen stattfinden. Ein Restaurant, in dem schwerwiegende Hygienemängel festgestellt wurden, wären Routinekontrollen statt viertel- nur noch halbjährlich vorgeschrieben. Durch eine Verringerung der vorgegebenen Routinekontrollen dürfte in vielen für die Lebensmittelkontrollen zuständigen Bundesländern und Kommunen zudem noch stärker als bisher am Personal gespart werden.

Bund schönt Statistik zu Lebensmittelüberwachung

Mit der geplanten Gesetzesänderung unternimmt der Bund die zweite „Verschlimmbesserung“ in der amtlichen Lebensmittelüberwachung. Bereits Anfang des Jahres verschleierte eine Statistik-Änderung Hygiene-Verstöße.

Jedes Jahr muss etwa jeder vierte kontrollierte Lebensmittelbetrieb in Deutschland beanstandet werden, überwiegend wegen Hygienemängeln. Diese vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte Beanstandungsquote blieb seit Jahren mit geringfügigen Schwankungen konstant – die zuletzt für 2017 veröffentlichte Quote lag plötzlich jedoch nur noch bei 13,6 Prozent. Grund für den vermeintlichen Rückgang der Beanstandungen ist jedoch keine Verbesserung der Hygienesituation, sondern eine Änderung der Statistik: Die Zahl umfasst nicht – wie in den Jahren zuvor für einige Bundesländer der Fall – auch sogenannte informelle Beanstandungen, also Rechtsverstöße, bei denen zum Beispiel kein Bußgeld, sondern nur eine Verwarnung ausgesprochen wurde. Die Beanstandungsquote von 2017 ist also nicht seriös mit den Quoten der Vorjahre zu vergleichen. Genau das tut aber der Bund – so in einer Grafik auf der Internetseite des BVL. Dort wird die Beanstandungsquote über mehrere Jahre als durchgehende Linie gezeigt, die plötzlich deutlich absinkt, als gäbe es große Erfolge der Kontrollbehörden zu verzeichnen. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass sich an der Situation in den Betrieben etwas signifikant verändert hätte. Auch auf Anfrage von foodwatch hat das BVL keine mit den Vorjahren vergleichbaren Daten herausgegeben.

Eine effizientere Lebensmittelkontrolle ist nur zu erreichen, indem ausreichend Personal eingestellt und die Transparenz über alle Kontrollergebnisse geschaffen wird, wie es zum Beispiel Dänemark mit seinem Smiley-System vormacht. Mehr Infos zum Smiley-System gibt es hier.

Foto: © picture alliance / sammy minkoff

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<![CDATA[Geleakte Dokumente: Klöckner-Ministerium plant Schwächung der staatlichen Lebensmittelüberwachung]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/geleakte-dokumente-kloeckner-ministerium-plant-schwaechung-der-staatlichen-lebensmittelueberwachung/Sun, 12 May 2019 16:26:00 +0200
  • Pflichtkontrollen in Betrieben sollen seltener stattfinden
  • Statistik-Änderung verschleiert zudem konstant hohe Zahl der Verstöße

Lebensmittelkontrolleure sollen nach Plänen des Bundesernährungsministeriums künftig deutlich seltener zu Pflichtkontrollen in die Lebensmittelbetriebe gehen. Das geht aus dem noch unveröffentlichten Referentenentwurf einer neuen Verwaltungsvorschrift hervor, den die Verbraucherorganisation foodwatch am Sonntag ins Internet gestellt hat. Derzeit können zahlreiche Gesundheits- und Verbraucherschutzämter in Deutschland aufgrund mangelhafter Personalausstattung nicht annähernd so viele Lebensmittelunternehmen kontrollieren wie vorgegeben. Dieses Problem will Ministerin Julia Klöckner nun offenbar auf eine ganz spezielle Art lösen – indem selbst Risiko-Unternehmen wie fleischverarbeitende Betriebe einfach weniger häufig kontrolliert werden müssen. Mit Verabschiedung der Vorschrift würden eine massive Schwächung der Lebensmittelkontrollen und ein erhöhtes Risiko für die Verbraucherinnen und Verbraucher einhergehen, kritisierte foodwatch.

„Diese aberwitzigen Pläne müssen schleunigst in die Schublade gepackt und dauerhaft weggeschlossen werden. Wenn es an Personal mangelt, wäre die naheliegende Lösung doch, mehr Personal in den Ämtern einzustellen – stattdessen will Frau Klöckner nun die Kontrollhäufigkeit dem Personalmangel anpassen“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Besonders dreist ist, dass das Ministerium sein Vorhaben auch noch als Effizienzsteigerung verkaufen will – das Gegenteil ist der Fall.“ Eine effizientere Lebensmittelkontrolle sei nur zu erreichen, indem ausreichend Personal eingestellt und die Transparenz über alle Kontrollergebnisse geschaffen werde, wie es zum Beispiel Dänemark mit seinem Smiley-System vormache.

In der amtlichen Begründung für den Referentenentwurf, die foodwatch ebenfalls veröffentlicht hat, verspricht das Ministerium, mit der geplanten Änderung der Kontrollhäufigkeit würden „die Ressourcen der amtlichen Lebensmittelüberwachung noch wirksamer auf ‚Problembetriebe‘ fokussiert“. Denn: „Betriebe, die in der kontrollintensivsten Risikoklasse […] eingestuft sind, sollen noch intensiver und engmaschiger anlassbezogen kontrolliert werden als bisher.“ Tatsächlich erreicht der Gesetzestext aber genau das Gegenteil: Insbesondere bei Lebensmittelbetrieben mit erhöhtem Risiko sollen künftig nicht mehr, sondern weniger Kontrollbesuche vorgegeben sein, wie foodwatch kritisierte. An diesen Vorgaben orientiert sich auch die Stellenplanung in den Kontrollbehörden.

Wie oft die Behörden einen Lebensmittelbetrieb besuchen und wie viele Lebensmittelkontrolleure und Tierärzte die Ämter einstellen, orientiert sich an sogenannten Risikoklassen. Je nach Betriebsart und nach vorherigen Kontrollergebnissen werden die Unternehmen eingestuft: Eine Metzgerei in eine höhere Risikokategorie als ein Kiosk, der nur verpackte Produkte verkauft. Dementsprechend finden in der Metzgerei häufigere Routinekontrollen statt – und noch mehr, wenn die Metzgerei regelmäßig Hygieneverstöße zu verantworten hatte. Der Referentenentwurf, den foodwatch von mehreren voneinander unabhängigen Quellen erhalten hat, nimmt in diesen Risikoklassen Veränderungen bei den vorgegebenen Kontrollfrequenzen vor. Zum Beispiel müssten in Fleischbetrieben, die der höchsten Risikoklasse zugeordnet sind, in Zukunft statt täglich nur noch „häufiger als monatlich“ Routinekontrollen stattfinden. Ein Restaurant, in dem schwerwiegende Hygienemängel festgestellt wurden, wären Routinekontrollen statt viertel- nur noch halbjährlich vorgeschrieben. Durch eine Verringerung der vorgegebenen Routinekontrollen dürfte in vielen für die Lebensmittelkontrollen zuständigen Bundesländern und Kommunen zudem noch stärker als bisher am Personal gespart werden, erwartet foodwatch.

Die geplanten Änderungen betreffen die „Allgemeine Verwaltungsvorschrift Rahmen-Überwachung“ (AVV RÜb). Ende dieses Jahres tritt eine neue EU-Kontrollverordnung (2017/625) in Kraft, die den europäischen Rahmen für die Lebensmittelüberwachung steckt. Im Zuge dessen will das Bundesernährungsministerium die Vorschriften in Deutschland erneuern. Es wäre aus Sicht von foodwatch in kurzem Abstand die zweite „Verschlimmbesserung“ in der amtlichen Lebensmittelüberwachung, nachdem in diesem Jahr bereits eine Statistikänderung für eine Verschleierung von Hygieneverstößen sorgt.

Statistik-Trick sorgt für plötzliche „Verbesserung“ bei Hygieneverstößen

Jedes Jahr muss etwa jeder vierte kontrollierte Lebensmittelbetrieb in Deutschland beanstandet werden, überwiegend wegen Hygienemängeln. Diese vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlichte Beanstandungsquote blieb seit Jahren mit geringfügigen Schwankungen konstant – die zuletzt für 2017 veröffentlichte Quote lag plötzlich jedoch nur noch bei 13,6 Prozent. Grund für den vermeintlichen Rückgang der Beanstandungen ist jedoch keine Verbesserung der Hygienesituation, sondern eine Änderung der Statistik: Die Zahl umfasst nicht – wie in den Jahren zuvor für einige Bundesländer der Fall – auch sogenannte informelle Beanstandungen, also Rechtsverstöße, bei denen zum Beispiel kein Bußgeld, sondern nur eine Verwarnung ausgesprochen wurde. Die Beanstandungsquote von 2017 ist also nicht seriös mit den Quoten der Vorjahre zu vergleichen. foodwatch wirft dem Bund jedoch vor, genau das zu tun – so in einer Grafik auf der Internetseite des BVL. Dort wird die Beanstandungsquote über mehrere Jahre als durchgehende Linie gezeigt, die plötzlich deutlich absinkt, als gäbe es große Erfolge der Kontrollbehörden zu verzeichnen. Tatsächlich gibt es keinen Hinweis darauf, dass sich an der Situation in den Betrieben etwas signifikant verändert hätte. Auch auf Anfrage von foodwatch hat das BVL keine mit den Vorjahren vergleichbaren Daten herausgegeben.

„Es gibt zwei zentrale Probleme bei den amtlichen Lebensmittelkontrollen: Die Beanstandungsquoten werden trotz aller Kontrollen nicht besser – und es wird dermaßen am Personal gespart, dass die Behörden ihren Kontrollpflichten nicht nachkommen können. Beide Probleme werden nun scheinbar wie von Zauberhand gelöst“, erklärte Martin Rücker von foodwatch. „Durch einen Statistik-Trick hat sich die Zahl der Betriebe mit Verstößen gegen lebensmittelrechtliche Vorgaben über Nacht nahezu halbiert – und nun schlägt das Bundesernährungsministerium auch noch vor, einfach seltenere Kontrollen vorzugeben, anstatt das nötige Personal einzustellen, um die vorgegebenen Kontrollbesuche zu schaffen. Die Probleme der Lebensmittelkontrollen werden verschleiert, ohne sie zu lösen – zu Lasten des Verbraucherschutzes.“

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<![CDATA[Wie viele Jobs haben Sie?]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/wie-viele-jobs-haben-sie/Thu, 09 May 2019 16:37:00 +0200
HALLO UND GUTEN TAG,

die meisten Menschen haben EINEN Job und sind damit voll ausgefüllt. Andere brauchen zwei, um irgendwie über die Runden zu kommen. Johannes Röring aber, einer der einflussreichsten Politiker, wenn es um unsere Lebensmittel geht, muss ein wahrer Tausendsassa sein. Er sitzt im Agrarausschuss des Bundestages und ist GLEICHZEITIG Chef eines Agrarlobbyverbandes in NRW und Präsidiumsmitglied des mächtigen Bauernverbandes – aber nicht nur: Insgesamt führt der Abgeordnete sage und schreibe 21 (!) Funktionen „nebenher“ auf. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist er selbst als Landwirt mit einem Schweinemastbetrieb aktiv. Da lobbyiert einer für die eigenen Interessen – und kann im Ausschuss und im Bundestag in eigener Sache gleich mitentscheiden…

Es darf nicht sein, dass sich Lobbyisten im Bundestag ihre eigenen Gesetze zimmern.  Zeigen Sie, dass Sie damit nicht einverstanden sind, indem Sie unsere Macht als Verbraucherinnen und Verbraucher dagegen setzen und werden Sie jetzt Förderer/Förderin von foodwatch!

Manche werden sagen: Das ist doch nur ein rein theoretisches Problem. Doch das ist es mitnichten! Erinnern Sie sich, als es vor Kurzem noch so aussah, als würde die betäubungslose Kastration kleiner Ferkel endlich verboten werden? Bauern- und Fleischlobbyisten waren in hellem Aufruhr. Die
Verbände setzten alle Hebel in Bewegung, um die grausame, aber seit Jahren praktizierte Methode wenigstens noch weitere zwei Jahre zu erlauben. Auch Johannes Röring. In seiner Funktion als Bauernverbandspräsident in Westfalen wandte er sich an die Mitglieder des Bundestages – das heißt
also an sich selbst in seiner anderen Funktion als Abgeordneter, und natürlich an seine Parlamentskolleginnen und -kollegen – und forderte eine „Fristverlängerung“ für die betäubungslose Ferkelkastration. Wie praktisch, dass der Weg vom Lobbyisten zum Gesetzgeber so kurz ist. Was ist bei Herrn Röring eigentlich Nebenjob, was Hauptberuf?

Der Rest ist Geschichte: Der Bundestag stimmte am Ende mehrheitlich dafür, die betäubungslose Kastration noch einmal zwei Jahre zuzulassen – ein echter Skandal. Bei den Ferkeln haben wir also verloren. Doch bei unserem Kampf gegen den schädlichen Einfluss der Agrar- und Lebensmittellobby dürfen wir nicht aufgeben! Wir müssen die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik offenlegen und zum Thema machen. Ich bin mir sicher, dass der Verbraucher-, Umwelt- oder Tierschutz nur dann nicht unter die Räder kommt, wenn WIR außerhalb des Bundestages Druck machen. Helfen Sie uns dabei, eine Gegenmacht der Verbraucherinnen und Verbraucher aufzubauen und schließen Sie sich uns an als Förderer/Förderin von foodwatch!

Wie ist es möglich, dass jemand ALS ABGEORDNETER GENAU FÜR DEN BEREICH ZUSTÄNDIG IST, INDEM ER ALS UNTERNEHMER UND LOBBYIST AUF EIGENE RECHNUNG ARBEITET? Die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik nimmt ein Ausmaß an, das hochproblematisch für unsere Demokratie ist! Leider geht es nicht um Einzelfälle! Zum Beispiel Peter Bleser: Jahrelang oberster Verbraucherschützer seiner Fraktion, "nebenher" Aufsichtsratschef eines Agrarhändlers mit Milliardenumsatz, 2006 "Pate" (!) für Felder mit genverändertem Monsanto-Mais – Ende 2017 machte er sich als Staatssekretär im Namen der Bundesregierung für den weiteren Einsatz des Ackergiftes Glyphosat stark, mit dem vor allem Monsanto Profit macht.

Gibt es denn gar keine Schamgrenze? Eine solche Verquickung von Interessen DARF es einfach nicht geben! Wenn Lobbyisten in Bundestag und Bundesregierung ihre eigenen Gesetze bauen und über die eigenen Subventionen entscheiden, hilft nur eins: WIR VERBRAUCHERINNEN UND VERBRAUCHER MÜSSEN DAGEGEN HALTEN! UNTERSTÜTZEN SIE UNS DABEI UND WERDEN SIE JETZT FÖRDERER/FÖRDERIN VON FOODWATCH!

DAS SCHLIMMSTE IST: Im Ernährungs- und Agrarbereich gibt es eine kaum enden wollende Zahl von Überschneidungen zwischen Unternehmen, Lobbyverbänden und der Politik. Es wimmelt nur so von
Interessenkonflikten, munter werden die Rollen gewechselt und vermischt:

FRIEDERICH-OTTO-RIPKE: erst Staatssekretär in Niedersachsen, dann Lobbyist für die Geflügelwirtschaft.  

GÜNTER TISSEN: jahrelang Regierungsdirektor im Bundesernährungsministerium, heute Cheflobbyist der deutschen Zuckerindustrie.

KARL-HEINZ-FUNKE: früher Bundeslandwirtschaftsminister, jetzt im Kuratorium der Wiesenhof-Stiftung.

CHRISTIAN VON BOETTICHER: erst Umwelt- und Agrarminister in Schleswig-Holstein, heute Lebensmittelproduzent und Vizechef des Lobbyverbandes der Ernährungsindustrie und noch immer Landeschef des einflussreichen CDU-Wirtschaftsrats.

FRANZ-JOSEF HOLZENKAMP: lange Zeit "verbraucherpolitischer Sprecher" seiner Bundestagsfraktion, jetzt (und bereits neben dem Mandat) Chef des mächtigen Raiffeisenverbandes.

SILVIA BREHER: Holzenkamps Nachfolgerin im Bundestag, erst Geschäftsführerin eines Bauernlobbyverbandes, jetzt im Agrarausschuss des Bundestages.

GERT LINDEMANN: erst Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium (das ist das Ministerium, das auch FÜR den Verbraucherschutz da ist!), danach Aufsichtsrat bei Nordzucker, einem Konzern, der zu den Top-Profiteuren von Agrarsubventionen gehört. Und dann, als ob nichts gewesen sei, plötzlich zum
Landwirtschafts- und Verbraucherminister in Niedersachsen berufen...

MATTHIAS BERNINGER: erst Verbraucherschutzstaatssekretär, dann Konzernlobbyist für Mars und Mit-Verhinderer der Ampelkennzeichnung, jetzt Lobbyist für Bayer-Monsanto - angeblich, weil er sich dort für die Welternährung einsetzen möchte.

Diese Liste ist keineswegs vollständig. Und jetzt frage ich Sie: WIE SOLL DIE LANDWIRTSCHAFT VERBRAUCHER- UND UMWELTFREUNDLICHER WERDEN, DER TIERSCHUTZ VERBESSERT, DER PESTIZIDEINSATZ REDUZIERT, DER KAMPF GEGEN LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG ERFOLGREICH GEFÜHRT WERDEN, WENN IN BUNDESTAG UND BUNDESREGIERUNG POLITIKER SITZEN, DIE SO ENG MIT DER BRANCHE VERBANDELT SIND? Wenn Abgeordnete und Staatssekretäre munter durch die Drehtür in
den Lobbyjob wechseln? Es gibt nur einen Weg, ihnen etwas entgegenzusetzen: Wir müssen es selbst tun! Wir müssen Verflechtungen recherchieren und Einflussnahmen öffentlich machen. Wir müssen es zum Thema machen, wenn einfach Wirtschaftsinteressen bedient werden – zum Schaden von uns allen. Helfen Sie uns, die Stimme der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken und eine Gegenlobby aufzubauen. Werden Sie jetzt Förderin/Förderer von foodwatch!

Diese Interessenverquickung führt unsere Demokratie ad absurdum. Die Süddeutsche Zeitung zitierte unlängst einen Politiker, der nach einer kritischen Rede von einem Agrarminister angesprochen worden sei: "Wenn du irgendwann auch auf Linie bist, dann sorgen wir auch für dich." - "Lukrative Posten" als Gegenleistung für Linientreue? Das schlägt dem Fass den Boden aus! Da sitzen Abgeordnete mit Nebenjobs, die in eigener Sache lobbyieren und dann über ihre eigenen Interessen abstimmen. Verbände und Unternehmen kaufen sich Ex-Politiker ein, die ihre Drähte in die Politik nutzen, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Und wenn einer immer noch nicht auf Linie ist, zeigt man ihm schon mal dezent, wo es lang geht. Das können wir uns nicht länger gefallen lassen! Helfen Sie uns, eine starke Gegenlobby aufzubauen: Werden Sie jetzt Förderin/Förderer von foodwatch!


Vielen Dank und herzliche Grüße

Ihr

Martin Rücker, Geschäftsführer

PS: Auf die Nennung von Parteizugehörigkeiten haben wir verzichtet, weil wir die Verquickung von politischen Aufgaben und Lobbytätigkeiten für ein strukturelles Problem unabhängig von der parteipolitischen Richtung halten.

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<![CDATA[Streit um Nutri-Score: Iglo verlässt Lobbyverband ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/streit-um-nutri-score-iglo-verlaesst-lobbyverband/Thu, 09 May 2019 16:09:00 +0200

Der Lebensmittelhersteller Iglo hat den führenden Lobbyverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) verlassen. Hintergrund ist der Streit um die Nutri-Score-Ampel: Während Iglo neben Danone und Bofrost die verbraucherfreundliche Kennzeichnung seit Anfang des Jahres schrittweise einführt, stellt sich der BLL klar gegen jede farbliche Nährwertkennzeichnung.

Der Tiefkühlkost-Hersteller Iglo hat wegen des schwelenden Streits um die Kennzeichnung von Lebensmitteln den zuständigen Branchenverband verlassen. Iglo verknüpfte den Rückzug mit heftiger Kritik an dem Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde).

Symbolpolitik statt Gestaltungswillen

Dem Verband fehle eine strategische Ausrichtung für die Herausforderungen der Branche, und er vernachlässige die Bedürfnisse von mittelständischen Mitgliedern, heißt es in einer am Donnerstag in Hamburg verbreiteten Mitteilung von Iglo. Er verharre im Gestern und betreibe Symbolpolitik anstelle eines aktiven europäischen Gestaltungswillens.

Hintergrund des Konflikts ist der Streit um die Kennzeichnung von Lebensmitteln für Verbraucherinnen und Verbraucher. Iglo will gegenwärtig für seine gesamte Produktpalette aus 140 Produkten von Fischstäbchen bis Spinat den sogenannten Nutri-Score einführen, der die gesamte Nährwertqualität der Lebensmittel in einer fünfstufigen Farbskala von A bis E auf der Verpackung zusammenfasst. Das System ist Frankreich und Belgien etabliert und breitet sich auch in anderen europäischen Ländern aus.

"Hoffentlich folgen noch mehr Hersteller dem Beispiel von Iglo und verlassen diesen Lobbyverband, der offenkundig nur die Interessen der Süßwaren- und Junkfood-Industrie vertritt. Der BLL darf sich nicht wundern, wenn sich immer mehr Unternehmen gegen seinen ewiggestrigen Kurs stellen. Viele Lebensmittelunternehmen haben erkannt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher eine verständliche Kennzeichnung von Zucker, Fett & Co. mit der Nährwert-Ampel wünschen. Der Lobbyverband schadet mit seiner rückwärtsgewandten Politik nicht nur den Verbraucherinnen und Verbrauchern, sondern auch den Herstellern, die es besser machen wollen."

Luise Molling von foodwatch

Vorreiter Iglo, Danone und Bofrost

In Deutschland haben neben Iglo auch Danone und Bofrost sowie weitere kleinere Unternehmen begonnen, ihre Produkte mit dem Nutri-Score zu kennzeichnen. Andere Unternehmen der Lebensmittelbranche haben sich jedoch gegen den Nutri-Score positioniert. Der BLL hat ein eigenes System zur Lebensmittel-Kennzeichnung veröffentlicht und empfohlen.

Zuletzt hatte das Landgericht Hamburg im April die Kennzeichnung von Iglo-Verpackungen mit dem „Nutri-Score“ per einstweiliger Verfügung vorläufig gestoppt. foodwatch kritisierte, dass Ernährungsministerin Julia Klöckner den Nutri-Score längst bei der EU-Kommission hätte anmelden können – wie es die Regierungen von Frankreich, Belgien und Spanien bereits getan haben. Womöglich wäre es dann nie zu dem Gerichtsverfahren gegen Iglo gekommen.

mit dpa

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<![CDATA[Einladung: Aktionsbündnis reicht Verfassungsbeschwerde gegen EU-Handelsabkommen mit Singapur ein – Pressekonferenz und Foto-Aktion in Karlsruhe]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-aktionsbuendnis-reicht-verfassungsbeschwerde-gegen-eu-handelsabkommen-mit-singapur-ein-pressekonferenz-und-foto-aktion-in-karlsruhe/Wed, 08 May 2019 17:36:00 +0200

Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Bündnis aus Mehr Demokratie, Campact und foodwatch wird nächste Woche Verfassungsbeschwerde gegen das neue EU-Handelsabkommen mit Singapur einreichen. Mehr als 13.000 Bürgerinnen und Bürger unterstützen die Klage in Karlsruhe als Co-Beschwerdeführende. Aber warum ist ausgerechnet das Abkommen mit dem kleinen Singapur so relevant? Welche Risiken drohen für die europäischen Bürgerinnen und Bürger? Und warum ist der Handelsdeal eine Bedrohung für die Demokratie in Europa?

Diese Fragen und warum die Verfassungsbeschwerde gerade jetzt, kurz vor der Europawahl, relevanter ist denn je, möchten wir Ihnen gerne auf einer Pressekonferenz beantworten, zu der wir Sie herzlich einladen:

  • Termin: 16. Mai 2019, 10:00 Uhr
  • Ort: Hotel am Markt, Kaiserstraße 76, 76133 Karlsruhe
  • mit:
    Prof. Dr. Wolfgang Weiß, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht der Universität Speyer und Prozessbevollmächtigter des Aktionsbündnisses
    Roman Huber, Bundesvorstand Mehr Demokratie
    Thilo Bode, Geschäftsführer foodwatch International

Im Anschluss an die Pressekonferenz werden wir die Klageschrift und die Vollmachten der Bürgerinnen und Bürger mit einer Bild-Aktion offiziell einreichen. Zu dem Foto-Termin um 11:15 Uhr direkt vor dem Bundesverfassungsgericht laden wir Sie ebenfalls herzlich ein.                

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter (0 30) 24 04 76 - 290 oder per Mail an presse@foodwatch.de.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit foodwatch

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<![CDATA[Einladung zur Pressekonferenz – Neue Studie: Das ist die verständlichste Nährwertkennzeichnung für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zur-pressekonferenz-neue-studie-das-ist-die-verstaendlichste-naehrwertkennzeichnung-fuer-verbraucherinnen-und-verbraucher-in-deutschland/Tue, 07 May 2019 17:01:00 +0200

+++ Hinweis an Redaktionen: Möglichkeiten für Bildmotive sind gegeben +++

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie sollten Verbraucherinnen und Verbraucher über den Fett-, Zucker- oder Salzgehalt in Lebensmitteln informiert werden? Derzeit wird diese Frage heiß diskutiert. Denn eine verständliche Nährwertkennzeichnung ist ein zentraler Baustein im Kampf gegen Fehlernährung – doch gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, welches das beste Modell ist. Während Frankreich, Belgien und Spanien auf die Lebensmittelampel Nutri-Score setzen, will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung entwickeln. Und während in Deutschland die Hersteller Danone und Iglo bereits angefangen haben, ihre Produkte freiwillig mit dem Nutri-Score zu versehen, hat der Lobbyverband der Lebensmittelbranche kürzlich ein eigenes Industriemodell vorgeschlagen. Gemeinsam mit der Ernährungswissenschaftlerin Dr. Chantal Julia von der Universität Paris und dem Endokrinologen Professor Dr. Joachim Spranger von der Charité Berlin möchten wir eine neue Studie vorstellen, in der erstmals untersucht wird, welches von fünf Kennzeichnungsmodellen für Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland am verständlichsten ist.

Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Pressekonferenz:

Termin: 15. Mai 2019, 10:00 Uhr

Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 0107, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin

mit:
- Dr. Chantal Julia, außerordentliche Professorin für Ernährungswissenschaften an der Universität Paris-Nord und Autorin der Studie
- Professor Dr. Joachim Spranger, Direktor der Med. Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin, Charité Berlin
- Luise Molling, Expertin für Übergewichtsprävention bei foodwatch

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Sarah Häuser

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<![CDATA[Interne E-Mails zeigen: Julia Klöckner verheimlicht Studie zur Nährwertkennzeichnung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/interne-e-mails-zeigen-julia-kloeckner-verheimlicht-studie-zur-naehrwertkennzeichnung/Mon, 29 Apr 2019 12:28:00 +0200

Ernährungsministerin Julia Klöckner hält eine wissenschaftliche Studie zurück, die offenbar der Lebensmittelampel „Nutri-Score“ ein positives Zeugnis ausstellt. Das geht aus internen E-Mails aus dem Bundesernährungsministerium hervor, die foodwatch heute veröffentlicht hat. foodwatch fordert Frau Klöckner auf, die Studie umgehend herauszugeben.

Immer mehr Länder in Europa führen die sogenannte Nutri-Score-Ampel ein, in Deutschland haben Hersteller wie Iglo und Danone begonnen, Produkte freiwillig mit dem Farbsystem zu kennzeichnen. Die deutsche Bundesernährungsministerin Julia Klöckner lehnt die Lebensmittelampel allerdings bisher ab. Und inmitten dieser Debatte kommt jetzt heraus: Frau Klöckner hält eine zentrale Studie zurück, die dem Nutri-Score offenbar ein positives Zeugnis ausstellt. Das zeigen interne E-Mails aus dem Bundesernährungsministerium (BMEL), die foodwatch durch einen Antrag gemäß Informationsfreiheitsgesetz (IFG) erhalten hatte.

Ministerin verlangte „größte Vertraulichkeit“

Die E-Mails belegen, dass das staatliche Max-Rubner-Institut bereits im Herbst 2018 dem BMEL einen Bericht vorgelegt hatte, in dem die Wissenschaftler verschiedene Systeme zur Kennzeichnung von Zucker, Fett, Salz und anderen Nährwerten untersuchten. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass die Nutri-Score-Ampel nach französischem Vorbild „grundsätzlich vorteilhaft für eine ‚Front of Pack‘-Nährwertkennzeichnung“ sei – so lautete die klare Einschätzung aus dem Bundesernährungsministerium zu den Forschungsergebnissen. Das BMEL hatte diese Studie selbst in Auftrag gegeben. In einem internen Vermerk heißt es allerdings, Ministerin Klöckner habe „ausdrücklich darum gebeten, (…) größte Vertraulichkeit sicherzustellen“. Und weiter: Das Max-Rubner-Institut habe die Ampel „lediglich wissenschaftlich bewertet“ und sich einer politischen Einschätzung enthalten. Die „Prüfung der MRI-Studie“ bedürfe noch „der Abstimmung mit anderen Referaten“.

foodwatch-Nachfrage bleibt unbeantwortet

Ein halbes Jahr später veröffentlichte das Bundesernährungsministerium dann eine offenbar überarbeitete Fassung der Studie. Bei der Vorstellung Anfang April bewertete Frau Klöckner den Nutri-Score zurückhaltend und betonte, man wolle mit Befragungen und weiteren Untersuchungen ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung entwickeln. Die ursprüngliche Studie des Max-Rubner-Instituts zur Nährwertkennzeichnung wurde bis heute nicht veröffentlicht und wurde foodwatch auch nicht im Rahmen des IFG-Antrages übermittelt. Als foodwatch nachfragte, verwies das Ministerium lediglich auf die von Frau Klöckner im April 2019 vorgestellte Fassung des Berichts. Eine weitere Nachfrage blieb vom Ministerium unbeantwortet.

„Politik auf der Basis von Wissenschaft und Fakten, wie von Frau Klöckner immer wieder betont, braucht keine Geheimhaltung von wissenschaftlichen Studien. Über das Informationsfreiheitsgesetz haben Bürgerinnen und Bürger einen Anspruch auf Informationen von Behörden und Ministerien. Es ist inakzeptabel, dass Frau Klöckner eine von Steuerzahlern bezahlte Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts einfach als ‚vertraulich‘ einstuft und die Veröffentlichung verweigert – und stattdessen nur eine überarbeitete Version herausgibt.“

Luise Molling von foodwatch.

E-Mail-Protestaktion an Julia Klöckner gestartet

foodwatch fordert unter Bezugnahme auf das Informationsfreiheitsgesetz Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, die Original-Studienergebnisse des Max-Rubner-Instituts umgehend herauszugeben. Unter www.aktion-ampelstudie.foodwatch.de können sich Bürgerinnen und Bürger der Forderung anschließen.

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<![CDATA[Interne E-Mails zeigen: Julia Klöckner verheimlicht Studie zur Nährwertkennzeichnung]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/interne-e-mails-zeigen-julia-kloeckner-verheimlicht-studie-zur-naehrwertkennzeichnung/Mon, 29 Apr 2019 00:00:00 +0200
  • Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts bewertet Nutri-Score-Ampel offenbar positiv
  • Bundesernährungsministerium weigert sich, Original-Studie herauszugeben
  • Ministerium beantwortet Informationsfreiheitsgesetz-Antrag von foodwatch unvollständig

Ernährungsministerin Julia Klöckner hält eine wissenschaftliche Studie zurück, die offenbar der Lebensmittelampel „Nutri-Score“ ein positives Zeugnis ausstellt. Das geht aus internen E-Mails aus dem Bundesernährungsministerium hervor, die die Verbraucherorganisation foodwatch am Montag veröffentlicht hat. Frau Klöckner hatte kürzlich eine in ihrem Ministerium redaktionell bearbeitete Einschätzung des staatlichen Max-Rubner-Instituts zur Nährwertkennzeichnung bei Lebensmitteln vorgestellt – die zugrundeliegende Original-Studie mit der rein wissenschaftlichen Bewertung der Experten wurde jedoch nie veröffentlicht, wie foodwatch kritisierte. Auch auf mehrfache Nachfrage hin wollte das Klöckner-Ministerium diese nicht herausgeben.

Die E-Mails aus dem Bundesernährungsministerium belegen, dass das Max-Rubner-Institut bereits im Herbst 2018 einen Bericht vorgelegt hatte. Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Nutri-Score-Ampel nach französischem Vorbild „grundsätzlich vorteilhaft für eine ‚Front of Pack‘-Nährwertkennzeichnung“ sei – so lautete die klare Einschätzung aus dem Bundesernährungsministerium zu den Forschungsergebnissen. In einem internen Vermerk hieß es allerdings, Ministerin Klöckner habe „ausdrücklich darum gebeten, (…) größte Vertraulichkeit sicherzustellen“. Die „Prüfung der MRI-Studie“ bedürfe noch „der Abstimmung mit anderen Referaten“. Ein halbes Jahr später veröffentlichte das Bundesernährungsministerium dann eine offenbar überarbeitete Fassung der Studie. Bei der Vorstellung Anfang April bewertete Frau Klöckner den Nutri-Score zurückhaltend und betonte, man wolle mit Befragungen und weiteren Untersuchungen ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung entwickeln. foodwatch forderte unter Bezugnahme auf das Informationsfreiheitsgesetz die Bundesernährungsministerin auf, die Original-Studienergebnisse des Max-Rubner-Instituts umgehend herauszugeben. Unter www.aktion-ampelstudie.foodwatch.de startete die Verbraucherorganisation eine Online-Protestaktion, über die Bürgerinnen und Bürger sich der Forderung anschließen können.

„Politik auf der Basis von Wissenschaft und Fakten, wie von Frau Klöckner immer wieder betont, braucht keine Geheimhaltung von wissenschaftlichen Studien. Über das Informationsfreiheitsgesetz haben Bürgerinnen und Bürger einen Anspruch auf Informationen von Behörden und Ministerien. Es ist inakzeptabel, dass Frau Klöckner eine von Steuerzahlern bezahlte Studie des staatlichen Max-Rubner-Instituts einfach als ‚vertraulich‘ einstuft und die Veröffentlichung verweigert – und stattdessen nur eine überarbeitete Version herausgibt“, sagte Luise Molling von foodwatch.

foodwatch hatte die internen E-Mails aus dem Bundesernährungsministerium (BMEL) aufgrund eines Antrags gemäß Informationsfreiheitsgesetz (IFG) erhalten. In den Schreiben wird unter anderem Bezug genommen auf eine Studie, die das BMEL beim Max-Rubner-Institut in Auftrag gegeben hatte, um verschiedene Systeme zur Kennzeichnung von Zucker, Fett, Salz und anderen Nährwerten zu untersuchen. „Die vorläufigen Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Studie liegen dem BMEL seit kurzem vor und werden derzeit in der zuständigen Fachabteilung ausgewertet. Es [das MRI] kommt in seinem Bericht zu dem Ergebnis, dass der Nutri-Score als [sic!] grundsätzlich vorteilhaft für eine ‚Front of Pack‘-Nähwertkennzeichnung ist“, heißt es in einer Mail vom 10. Oktober 2018. Das Max-Rubner-Institut habe die Ampel „lediglich wissenschaftlich bewertet“ und sich einer politischen Einschätzung enthalten, heißt es weiter. Ein interner Vermerk stellt klar: „Frau Bundesministerin hat (…) ausdrücklich darum gebeten, zu den vorbereitenden Arbeiten des MRI größte Vertraulichkeit sicherzustellen.“ Und weiter; „Die Prüfung der MRI-Studie in der Fachabteilung bedarf der Abstimmung mit anderen Referaten und wird daher noch Zeit benötigen.“

Diese ursprüngliche Studie des Max-Rubner-Instituts zur Nährwertkennzeichnung wurde bis heute nicht veröffentlicht und wurde foodwatch auch nicht im Rahmen des IFG-Antrages übermittelt. Als foodwatch nachfragte, verwies das Ministerium lediglich auf die von Frau Klöckner im April 2019 vorgestellte Fassung des Berichts. Eine weitere Nachfrage blieb vom Ministerium unbeantwortet.

E-Mail-Aktion von foodwatch: www.aktion-ampelstudie.foodwatch.de

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<![CDATA[Ostereier stammen massenhaft von kranken Hühnern]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/ostereier-stammen-massenhaft-von-kranken-huehnern/Wed, 17 Apr 2019 11:46:00 +0200

Die Haltungskennzeichnung bei Eiern ist völlig unzureichend für den Tierschutz. Selbst wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst zu Eiern aus Freiland- oder Biohaltung greifen, können sie sich nicht darauf verlassen, dass die Legehennen gesund sind. Die Haltungsform sagt leider nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus.

Bei frischen Eiern informiert ein Stempel über die Haltungsform: 3 steht für Käfighaltung, 2 für Bodenhaltung, 1 für Freiland- und 0 für Biohaltung. Die Gesundheit der Legehennen ist bei der Kennzeichnung allerdings kein Kriterium. Eine systematische Erfassung des Gesundheitszustandes oder Vorgaben zur Tiergesundheit gibt es bisher nicht – weder in der konventionellen noch in der ökologischen Landwirtschaft. Studien verschiedener Universitäten zeigen bei Hühnern jedoch immer wieder Gelenkerkrankungen, Brustbeinschäden, Knochenbrüche, Eileiterentzündungen, Wurmbefall und Fußballenveränderungen. 4 von 10 Eiern werden zum Beispiel von einer Henne mit Knochenbrüchen gelegt – dabei gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung, zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben.

Biohaltung keine Garantie für gute Tiergesundheit

Natürlich: Die Vorgaben zu den Haltungsbedingungen sind in der Öko- oder Freilandhaltung strenger. Die Tiere haben zum Beispiel mehr Platz und bessere Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Scharren und Picken auszuleben. Diese Faktoren sind aber keine Garantie dafür, dass ein Huhn auch wirklich gesund gelebt hat. Tiere in Biohaltung leiden leider genauso oft unter Schmerzen und Krankheiten wie Tiere aus konventioneller Haltung. Entscheidend für die Tiergesundheit ist vor allem, wie der einzelne Landwirt seinen Betrieb führt – ob er also verhindert, dass Tiere überhaupt erkranken und im Krankheitsfall schnell reagiert. Und dass regelmäßig von unabhängiger Stelle kontrolliert wird, ob die Tiere gesund gehalten werden.

„Ob die Hühner gesund waren oder an Krankheiten litten, ist für die Eierkennzeichnung völlig gleichgültig. Beim Einkauf kann niemand erkennen, wie gesund oder krank ein Huhn war – weder bei Bio-Eiern noch bei Eiern aus Bodenhaltung. Ein paar Zentimeter mehr Platz oder Auslauf ins Freie nützen den Tieren wenig, wenn sie unter Schmerzen und Krankheiten leiden. In einem gut geführten konventionellen Betrieb können die Tiere gesünder sein als in einem schlecht geführten Bio-Hof. Nötig ist daher beides: bestmögliche Haltungsbedingungen plus gesunde Tiere.“

Matthias Wolfschmidt
Veterinärmediziner und internationaler Kampagnendirektor bei foodwatch

Produkte von kranken Tieren dürfen nicht mehr in den Handel kommen!

foodwatch fordert: Bundesagrarministerin Julia Klöckner muss endlich die Gesundheit der Nutztiere in den Mittelpunkt stellen und darf nicht länger zulassen, dass Produkte von kranken Tieren in den Handel gelangen. Halter, die ihre Tiere krank machen, müssen dafür auch zur Verantwortung gezogen werden! Die Erfahrungen mit der Eierkennzeichnung zeigen, dass Initiativen wie Frau Klöckners „Tierwohl“-Siegel oder die neue „Haltungsform“-Kennzeichnung der großen Supermarktketten viel zu kurz greifen. Denn dabei geht es fast ausschließlich um die formalen Haltungsbedingungen – während die Tiergesundheit keine Rolle spielt.

Nicht nur bei Legehennen, auch bei anderen Nutztieren liefert die Wissenschaft ähnliche Befunde: Mastschweine etwa leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Milchkühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen. Die Haltungsform ist dabei offensichtlich nicht entscheidend: Bei der Tiergesundheit gibt es stärkere Schwankungen zwischen Betrieben innerhalb der gleichen Haltungsform als zwischen den verschiedenen Haltungssystemen.

Tierhaltungswende jetzt!
Wir meinen: In Zukunft darf kein Tierprodukt mehr in den Handel kommen, das nicht nachweislich tiergerecht erzeugt wurde. Schreiben Sie jetzt an Bundesminister Christian Schmidt und fordern Sie eine echte Tierhaltungswende! >>

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<![CDATA[Massenhaft Ostereier von kranken Hühnern: foodwatch kritisiert Haltungskennzeichnung – Verbraucherorganisation fordert gesetzliche Vorgaben für gute Tiergesundheit]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/massenhaft-ostereier-von-kranken-huehnern-foodwatch-kritisiert-haltungskennzeichnung-verbraucherorganisation-fordert-gesetzliche-vorgaben-fuer-gute-tiergesundheit/Wed, 17 Apr 2019 11:37:00 +0200

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Haltungskennzeichnung bei Eiern als unzureichend für den Tierschutz kritisiert. Selbst wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bewusst zu Eiern aus Freiland- oder Biohaltung griffen, könnten sie sich nicht darauf verlassen, dass die Legehennen gesund sind. Die Haltungsform sage nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus, so foodwatch. Tiere in Biohaltung litten genauso oft unter Schmerzen und Krankheiten wie Tiere aus konventioneller Haltung. Statistisch gesehen werden zum Beispiel 4 von 10 Eiern von einer Henne mit Knochenbrüchen gelegt – dabei gibt es keine Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Haltung oder zwischen kleinen und großen Betrieben, wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Entscheidend für die Tiergesundheit ist vor allem, wie der einzelne Landwirt seinen Betrieb führt – ob er also verhindert, dass Tiere überhaupt erkranken und im Krankheitsfall schnell reagiert. foodwatch forderte Bundesagrarministerin Julia Klöckner auf, endlich die Gesundheit der Nutztiere in den Mittelpunkt zu stellen und nicht länger zuzulassen, dass Produkte von kranken Tieren in den Handel gelangen. Die Erfahrungen mit der Eierkennzeichnung zeigten, dass Initiativen wie Frau Klöckners „Tierwohl“-Siegel oder die neue „Haltungsform“-Kennzeichnung der großen Supermarktketten viel zu kurz griffen. Denn dabei gehe es fast ausschließlich um die formalen Haltungsbedingungen – während die Tiergesundheit keine Rolle spiele, so die foodwatch-Kritik.

„Ob die Hühner gesund waren oder an Schmerzen und Krankheiten litten, ist für die Eierkennzeichnung völlig gleichgültig. Beim Einkauf kann niemand erkennen, wie gesund oder krank ein Huhn war – weder bei Bio-Eiern noch bei Eiern aus Bodenhaltung“, sagte Matthias Wolfschmidt, Veterinärmediziner und internationaler Kampagnendirektor von foodwatch. Zwar hätten die Tiere bei der Öko- oder Freilandhaltung mehr Platz und bessere Möglichkeiten, ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Scharren und Picken auszuleben. Diese Faktoren seien aber keine Garantie dafür, dass ein Huhn auch wirklich gesund gelebt hat. „Solange die Gesundheit der Tiere bei der Kennzeichnung keine Rolle spielt, werden uns immer wieder massenhaft Lebensmittel vorgesetzt, die von kranken Tieren stammen. Ein paar Zentimeter mehr Platz oder Auslauf ins Freie nützen den Tieren wenig, wenn sie unter Schmerzen und Krankheiten leiden. In einem gut geführten konventionellen Betrieb können die Tiere gesünder sein als in einem schlecht geführten Bio-Hof. Nötig ist daher beides: bestmögliche Haltungsbedingungen plus gesunde Tiere – das muss für jeden einzelnen Betrieb durchgesetzt werden“, so Matthias Wolfschmidt.

Bei frischen Eiern informiert ein Stempel über die Haltungsform: 3 steht für Käfighaltung, 2 für Bodenhaltung, 1 für Freiland- und 0 für Biohaltung. Die Gesundheit der Legehennen ist bei der Kennzeichnung allerdings kein Kriterium. Eine systematische Erfassung des Gesundheitszustandes oder Vorgaben zur Tiergesundheit gibt es bisher nicht – weder in der konventionellen noch in der ökologischen Landwirtschaft. Studien verschiedener Universitäten zeigen bei Hühnern jedoch immer wieder Gelenkerkrankungen, Brustbeinschäden, Knochenbrüche, Eileiterentzündungen, Wurmbefall und Fußballenveränderungen. Dabei gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen konventioneller und Bio-Haltung, zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben. Auch bei anderen Nutztieren liefert die Wissenschaft ähnliche Befunde: Mastschweine etwa leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Milchkühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen. Die Haltungsform ist dabei offensichtlich nicht entscheidend: Bei der Tiergesundheit gibt es stärkere Schwankungen zwischen Betrieben innerhalb der gleichen Haltungsform als zwischen den verschiedenen Haltungssystemen.

foodwatch kritisierte daher Vorschläge, die vor allem auf eine Kennzeichnung der Haltungsform abzielen, als nicht ausreichend – wie etwa das neue vierstufige „Haltungsform“-Label der großen Supermarktketten um Aldi, Edeka und Rewe, das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner initiierte „Tierwohl“-Label oder den Vorschlag der Grünen für eine verpflichtende 0-1-2-3 Haltungskennzeichnung bei Fleisch und Fleischprodukten. Stattdessen brauche es verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren, forderte foodwatch. Für jeden Tierhaltungsbetrieb müsse überprüft werden, ob er die Vorgaben einhält. Ziel müsse es sein, dass nur noch Lebensmittel von gesunden Tieren in den Supermarktregalen landen, so die Verbraucherorganisation.

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<![CDATA[„Scheinheilig“: foodwatch kritisiert Elternbefragung zur Schulmilchförderung in NRW]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/scheinheilig-foodwatch-kritisiert-elternbefragung-zur-schulmilchfoerderung-in-nrw/Fri, 12 Apr 2019 15:19:00 +0200Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die vom nordrhein-westfälischen Verbraucherministerium gestartete Elternbefragung zur Schulmilchförderung als scheinheilig kritisiert. Die Befragung will Ministerin Ursula Heinen-Esser zur Evaluierung des Schulmilchprogrammes heranziehen und damit als Grundlage für die Entscheidung darüber, ob NRW als letztes Bundesland an der umstrittenen Subventionierung gezuckerter Schokoladenmilch festhält. Die Befragung ist aus Sicht von foodwatch manipulativ gestaltet, zudem werden den Eltern wesentliche Informationen vorenthalten.

„Frau Heinen-Esser stiehlt sich aus der Verantwortung: Es geht nicht darum, Kindern oder Eltern bestimmte Produkte vorzuenthalten – sondern um ein steuerfinanziertes, staatliches Förderprogramm. Hier muss die Landesregierung schon selbst entscheiden, ob sie den viel zu hohen Zuckerkonsum der Schulkinder durch Subventionen noch weiter ankurbeln will oder ob sie eine gesunde Ernährung fördern möchte“, so foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Der Eindruck ist: Die Umfrage zielt nicht auf Erkenntnisgewinn, sondern soll eine Grundlage zur Rechtfertigung eines irren staatlichen Übergewichtsförderprogramms schaffen.“

Die Kritikpunkte zu der unter www.schulmilchfrage.de laufenden Elternbefragung im Einzelnen:

1. Den Eltern werden wesentliche Informationen vorenthalten:

  • Der Zuckergehalt des Schulkakaos ist an keiner Stelle erwähnt.
  • Mit keiner Silbe wird genannt, weshalb die steuerliche Förderung von Schokoladenmilch in der Kritik steht. Es bleibt unerwähnt, dass die EU mit ihrem Schulmilchprogramm nur noch ungesüßte Milchprodukte subventionieren will, NRW jedoch als letztes Bundesland in Deutschland an einer abweichenden Regelung für die Verteilung der EU-Gelder festhält. Es bleibt unerwähnt, dass die tägliche Portion gezuckerte Schulmilch darüber hinaus gegen die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) verstößt. Es wird auch nicht genannt, dass sich Verbände wie die Bundeszahnärztekammer, der Berufsverband der Deutschen Kinder- und Jugendärzte und die Deutsche Adipositasgesellschaft seit langem gegen die Subventionierung gezuckerter Lebensmittel aussprechen.
  • Die mangelnden Informationen haben besonders deshalb Relevanz, weil das Ministerium und weitere Landespolitiker das Schulmilchprogramm über Jahre hinweg immer wieder falsch dargestellt haben – so wurde zuletzt in einer Landtagsdebatte der Zuckergehalt des Schulkakaos von Rednern kleiner dargestellt als er ist, die Schulmilch als „vergünstigt“ bezeichnet, obwohl Eltern Milch im Laden oft günstiger einkaufen können als über das steuerlich geförderte Schulmilchprogramm.

2. Die Umfrage ist manipulativ, sie arbeitet mit suggestiven Fragestellungen, durch Fragen und Antwortoptionen werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stark gelenkt:

  • Eine Frage wie „Trinkt Ihr Kind trotzdem [d.h. wenn es keine Schulmilch bezieht, Anm. foodwatch] regelmäßig Milch und Kakao in der Schule?“ suggeriert, dass Kinder in dem Fall in der Schule Milch oder Kakao trinken müssten – was aus gesundheitlichen Gründen nicht erforderlich ist. Etwa der Calciumbedarf lässt sich auch auf anderem Wege decken.
  • Eine Frage wie: „Welche Produkte sollten über das EU-Schulmilchprogramm zu einem vergünstigten Preis abgegeben werden?“ schließt nicht nur von vornherein Positionen aus – etwa die von Eltern, die das Schulmilchprogramm insgesamt in Frage stellen. Zu fragen, welche Produkte „vergünstigt“ abgegeben werden sollen, ist zudem suggestiv: Die Fragestellung lädt dazu ein, möglichst viele Produkte zu nennen, weil "„günstig“ schließlich attraktiv ist – und weil aus der Frage weder die Konsequenzen der Förderung hervorgehen noch der Umstand, dass die Schulmilch im Vergleich zum Standard-Ladenpreis gerade nicht besonders günstig ist.
  • Wichtige Fragestellungen fehlen: Geht es um das Ziel, Kindern bei einer ausgewogenen Ernährung zu unterstützen, so sollte auch nach anderen Möglichkeiten des Landes gefragt werden statt nur nach dem Schulmilchprogramm (z.B. ausgewogener Mittagstisch an den Schulen, Gestaltung des Angebots am Schulkiosk, erwünschte ergänzende Angebote wie ausgewogenes Frühstück, Wasserspender etc.) – doch darum geht es dem Ministerium in seiner Befragung erkennbar nicht.

3. Die Umfrage ist manipulierbar:

  • Über die allgemein zugängliche Internetseite kann sich jeder an der Umfrage beteiligen. Menschen in NRW genauso wie Menschen von außerhalb des Landes, Eltern von Schulkindern genauso wie Dienstleister von Molkereikonzernen.
  • Der kryptische Datenschutzhinweis deutet darauf hin, dass es keine Vorkehrungen gegen Mehrfachteilnahmen gibt - hier sind keinerlei technische Hürden wie Cookies vermerkt, eine E-Mail-Bestätigung erfolgt nicht. Weil die Seite gegen rechtliche Vorgaben wie die Impressumspflicht verstößt, dürfte sie nach Einschätzung von foodwatch so nicht einmal im Netz stehen.

foodwatch forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, sich nicht hinter scheinheiligen, offenbar nicht ernst gemeinten Elternbefragungen zu verstecken. foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker: „Es fehlt nicht an Erkenntnissen, sondern an den nötigen Landesmitteln, um die Kinder statt die Milchwirtschaft zu fördern. Also: Weg mit den staatlichen Kakao-Subventionen, her mit Fördermaßnahmen für eine gesunde Ernährung – angefangen von endlich ausgewogenen Mittagsangeboten für alle Kinder in NRW.“

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<![CDATA[Dieser Top-Manager greift uns alle an!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/dieser-top-manager-greift-uns-alle-an/Fri, 12 Apr 2019 12:28:00 +0200Hallo und guten Tag,

Bääämmmm – der Satz hat gesessen: „Mit voller Hose gewinnen Sie keinen 100-Meter-Lauf“, schimpfte Werner Baumann vor einigen Tagen in einem Interview. Markige Worte, in denen es um alles ging, nur nicht um Leichtathletik: Herr Baumann ging damit mal eben verbal auf Sie und uns und ganz allgemein auf die Menschen in Deutschland los, kritisierte uns dafür, angeblich „vom Risiko beseelt“ zu sein. Wir alle leiden, so seine Diagnose, unter einer „extreme(n) Betonung des Vorsorgeprinzips“.


Vielleicht sollte ich erwähnen, wer Werner Baumann ist: Der Mann ist Chef des Bayer-Monsanto-Konzerns. Jenes Konzerns also, der sich gerade in den USA regelmäßig auf der Anklagebank wiederfindet. Tausende Menschen sind gegen das Unternehmen vor Gericht gezogen. Tausende! Sie klagen, weil sie in Monsantos Glyphosat-Produkten eine Ursache für ihre Krebserkrankung sehen. Bayer-Monsanto bestreitet das, doch bisher sieht es vor Gericht nicht allzu gut aus für den Konzern. Gerade verdonnerten ihn Geschworene in San Francisco zu einer millionenschweren Schadenersatzzahlung – sie teilten die Einschätzung eines Bauern, dass Monsantos Pestizide etwas mit dessen Krebserkrankung zu tun haben.


Und ausgerechnet der Chef von Bayer-Monsanto fordert von uns allen eine höhere Risikobereitschaft? Man will ihm zurufen: Die Menschen, die gegen Sie vor Gericht ziehen, haben nicht die Hose voll, sie haben Krebs, Herr Baumann!


Mich machen die Aussagen dieses Top-Managers fassungslos. Mit ihren Produkten haben Agrar-, Chemie- und Lebensmittelkonzerne einen solch gewaltigen Einfluss auf unsere Umwelt und auf unsere Gesundheit. Was, wenn das in den Chef-Etagen einfach nicht ernstgenommen wird? Wir von foodwatch sind fest davon überzeugt: Unsere Gesundheit darf nicht von den Profit-Interessen der Unternehmen abhängen. Der Macht der Konzerne müssen wir etwas entgegensetzen – genau dafür arbeiten wir. Bitte helfen Sie uns dabei und unterstützen Sie unsere Arbeit: Werden Sie am besten noch heute Förderin/Förderer von foodwatch!


Ich glaube nicht, dass die Äußerung des Bayer-Chefs ein Ausrutscher oder ein Einzelfall waren. Meine Diagnose lautet: Wir haben es mit Konzernen zu tun, die den Zielen des Gemeinwohls komplett entrückt sind. Die nicht mehr das Gefühl haben, dass Unternehmen für die Menschen da sein sollten, sondern die bestimmen wollen, wie sich die Welt zu drehen hat. Die alles daran setzen, die Regeln nach ihrem Gusto festzulegen – notfalls nach dem Motto: Geld regiert die Welt. Und genau dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen, denn es geht um uns, um unsere Gesundheit und um die Welt, wie wir sie für unsere Kinder schaffen. Wir von foodwatch sind zwar im Vergleich zu all den multinationalen Großkonzernen nur ein Zwerg, doch je mehr Menschen unsere Arbeit stützen, umso mehr können wir bewirken. Sind auch Sie dabei? Bitte machen Sie uns stärker und werden Sie als Förderin/Förderer ein Teil von foodwatch!

Wie viel Macht die Konzerne heute in schon in den unterschiedlichsten Bereichen ausüben, ist den meisten Menschen noch gar nicht bekannt. Deshalb hier drei Beispiele:


-    Wussten Sie, dass sich die EU von Konzernen sponsern lässt? Ja, Sie lesen richtig: Coca-Cola etwa unterstützt gerade ganz offiziell die EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens als sogenannter „Platin-Partner“. Und wohlgemerkt: Die EU ist keine Sportveranstaltung und auch keine Wettersendung. In der EU werden in wichtigen Fragen, die unser aller Leben betreffenden Weichen gestellt – und das auf Jahre. Gegenwärtig wird in ganz Europa über gesunde Ernährung, weniger Zucker oder Limo-Steuern diskutiert. Und genau in dieser Zeit tritt plötzlich Coca-Cola als EU-Sponsor auf, serviert Getränke beim Ministertreffen und stellt dekorative Coca-Cola-Sitzsäcke bereit. Damit auch keiner übersieht, woher das Geld kommt, begrüßten Teilnehmer gleich am Eingang große Aufsteller, der Aufdruck; „Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!


-    Oder wussten Sie, woher im Gesetz und auf den Lebensmittelpackungen die Empfehlungen für den täglichen Zuckerkonsum stammen? Vielleicht ahnen Sie es: Von der Lebensmittelindustrie selbst! Ihr von Großkonzernen geprägter europäischer Lobbyverband „entwickelte“ die Richtwerte in Eigenregie – und die EU übernahm sie kommentarlos, entgegen der Einschätzung von Wissenschaftlern. Wie viel Zucker wir essen sollen, sagen uns seither ganz offiziell die Lebensmittelkonzerne.


-    Und wussten Sie, wie Amazon mit einem Verbraucherschutzgesetz umgeht, das dem Handelskonzern nicht in den Kram passt? Ganz einfach: Er ignoriert es! So jedenfalls geschehen bei Amazons Lebensmittel-Lieferdienst, der den Verbraucherinnen und Verbrauchern trotz gesetzlicher Verpflichtung partout keine klaren Herkunftsangaben für vieles Obst und Gemüse machen wollte. Obwohl wir wissen, dass ein solcher Riesen-Konzern – anders als wir – gigantische Summen für Anwälte ausgeben kann, möchten wir das nicht einfach hinnehmen. Wir haben gegen Amazon geklagt und warten auf das Urteil.


Liebe foodwatch-Interessierte, auch weil unzählige Lebensmittellobbyisten die Politik in Berlin und Brüssel beeinflussen, ist es für uns nicht leicht, der Konzernmacht etwas entgegenzusetzen. Und wenn wir vor Gericht klagen müssen, damit sich Konzerne an die Gesetze halten, haben wir es mit gut besetzten Rechtsabteilungen zu tun, die sich zusätzlich von Großkanzleien vertreten lassen. Recherchen, Kampagnen, Lobbyarbeit, Prozesse – das alles kostet Geld, das wir nur mit Ihrer Unterstützung aufbringen können. Deshalb meine Bitte: Helfen Sie uns dabei, unterstützen Sie foodwatch als Förderin/Förderer!

Wir müssen die Konzerne zur Verantwortung zwingen. Denn Unternehmen sollten immer noch für die Menschen da sein, und nicht umgekehrt. Wenn Sie diese Einschätzung teilen, dann seien Sie noch heute dabei und werden Sie jetzt Förderin/Förderer von foodwatch!
Ob Bayer-Monsanto, Amazon oder Nestlé: Wir müssen uns mit den Geschäftsmodellen einiger der größten Konzerne dieser Welt anlegen. Wir werden uns nicht sagen lassen, dass wir die „Hosen voll“ haben, nur weil uns unsere Gesundheit wichtig ist – wir werden antworten, dass wir keinen Hundert-Meter-Lauf gewinnen, sondern auch über die Marathon-Distanz bestehen wollen! Bitte unterstützen Sie uns dabei – als Förderin/Förder von foodwatch.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Martin Rücker, Geschäftsführer

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<![CDATA[Neue Nährwertkennzeichnung der Industrie ist irreführend – foodwatch fordert: Julia Klöckner muss Kennzeichnungs-Wirrwarr beenden und sich für die Einführung des Nutri-Scores in Deutschland stark machen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/neue-naehrwertkennzeichnung-der-industrie-ist-irrefuehrend-foodwatch-fordert-julia-kloeckner-muss-kennzeichnungs-wirrwarr-beenden-und-sich-fuer-die-einfuehrung-des-nutri-scores-in-deutschland-stark-machen/Thu, 11 Apr 2019 15:08:00 +0200

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Vorschlag der Lebensmittelbranche für eine neue Nährwertkennzeichnung scharf kritisiert. Das am Donnerstag vom Lobbyverband der Lebensmittelwirtschaft vorgestellte Modell sei irreführend und für die Verbraucherinnen und Verbraucher erwiesenermaßen deutlich weniger verständlich als eine Kennzeichnung in Ampelfarben. Die Lösung für eine verbraucherfreundliche Nähwertkennzeichnung liege mit der Nutri-Score-Ampel längst auf dem Tisch. foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich wie ihre Kollegen in Frankreich, Belgien und Spanien endlich für die Kennzeichnung mit dem Nutri-Score stark zu machen.

„Die neue Nährwertkennzeichnung der Industrie ist ein dreister Versuch, eine verbraucherfreundliche Kennzeichnung zu verhindern. Anstatt im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher ein existierendes, von mehreren europäischen Regierungen und der Wissenschaft getragenes Modell wie den Nutri-Score zu unterstützen, versucht die deutsche Lebensmittelindustrie mit einem eigenen Modell Verwirrung zu stiften“, sagte Luise Molling von foodwatch. Im Gegensatz dazu hätten sich die französische und seit letzter Woche auch die belgische Lebensmittelwirtschaft klar für den Nutri-Score entschieden.

Das Industrie-Modell sieht fünf Kreise auf der Vorderseite der Verpackung vor, die jeweils die im Lebensmittel enthaltene Kalorienanzahl und die Menge an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz visualisieren sollen. In Form eines Tortendiagramms wird dargestellt, wie viel Prozent der empfohlenen maximalen täglichen Zufuhr dieser Nährstoffe der Verzehr von 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter des Lebensmittels ausmachen.

foodwatch kritisierte insbesondere folgende Punkte am Vorschlag der Industrie:

  • Das Modell ist weniger verständlich als die Lebensmittel-Ampel: Wissenschaftliche Studien belegen, dass eine Kennzeichnung in Ampelfarben die verständlichste Form der Nährwertkennzeichnung ist. Sie kann dazu beitragen, dass Menschen gesünder einkaufen. Eine einfarbige Kennzeichnung hat dagegen praktisch keinen Einfluss auf das Einkaufsverhalten. Das belegt eine groß angelegte Studie der französischen Regierung, die verschiedene Kennzeichnungsmodelle unter realen Einkaufsbedingungen miteinander verglich.
  • Zu hoher Referenzwert für Zucker: Die Industriekennzeichnung suggeriert, man müsse täglich eine bestimmte Menge an ungünstigen Nährstoffen konsumieren. Für Zucker etwa liegt der unter Lobbyeinfluss festgelegte Referenzwert bei 90 Gramm pro Tag. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt dagegen, dass eine erwachsene Frau täglich nicht mehr als 50 Gramm, besser noch maximal 25 Gramm an freien Zuckern zu sich nehmen sollte.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder eine Steuer auf gesüßte Getränke. In Ermangelung einer verbindlichen europäischen Regelung haben mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Das von französischen Wissenschaftlern entwickelte Modell Nutri-Score findet dabei gegenwärtig immer mehr Unterstützer: Es wurde bereits in Frankreich und Belgien eingeführt, auch Spanien hat seine Einführung angekündigt. Das Modell wurde von unabhängigen Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts lassen sich mit dem Nutri-Score auf einen Blick vergleichen.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, bis zum Sommer ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das "gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte sich bisher gegen das Konzept einer Lebensmittelampel gestellt.

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<![CDATA[NRW-Landtagsdebatte zu Schulmilch: Zuckergehalt kleingeredet]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nrw-landtagsdebatte-zu-schulmilch-zuckergehalt-kleingeredet/Thu, 11 Apr 2019 12:27:00 +0200

Der nordrhein-westfälische Landtag diskutierte über die Zukunft der Schulkakao-Förderung – und gleich mehrere Rednerinnen und Redner trafen dabei falsche Aussagen und spielten den Zuckergehalt des Schulkakaos herunter.

Anlass für die Debatte im Düsseldorfer Landtag am 21. März war ein Antrag der AfD-Fraktion. Schon darin geht es drunter und drüber: Das Dokument enthält veraltete Zahlen sowie unpräzise oder schlicht falsche Beschreibungen des Schulmilchprogramms (so gehen die EU-Beihilfen nicht an die Schulen; Ziel ist es auch nicht, dass „jedes Kind“ täglich Milch erhält) und widersprüchliche Forderungen (während in der Überschrift von einem Subventionsstopp für gezuckerte Schulmilch die Rede ist, ist im Beschlussvorschlag selbst lediglich von Zuckerreduktion die Rede).

foodwatch-Faktencheck zur Landtagsdebatte

In der Debatte selbst zeigten sich Rednerinnen und Redner von CDU, SPD, FDP und AfD schlecht informiert oder wenig faktentreu, die zuständige Landesverbraucherministerin Ursula Heinen-Esser wiederholte zudem eine sehr geschönte Darstellung des Schulmilchprogramms. Für Eltern und anderen Bürgerinnen und Bürger wird damit ein falsches Bild erzeugt, der Zuckergehalt der subventionierten Produkte verniedlicht.

Ein kurzer Faktencheck (alle Zitate sind dem Plenarprotokoll entnommen):

  • „Tatsächlich liefern wir im Augenblick nicht nur Schulmilch subventioniert an die Schulen, sondern auch Milchmischprodukte, also Kakao, Vanillemilch oder Erdbeermilch“, sagte der AfD-Abgeordnete Dr. Martin Vincentz.

    Das ist falsch – zwar wird der zuckrige Kakao in NRW weiterhin mit Steuergeldern bezuschusst, die ebenfalls gesüßten Erdbeer- und Vanillemilchprodukte werden jedoch seit dem laufenden Schuljahr nicht mehr subventioniert.
  • „Seit den Sommerferien gibt es […] nur noch Zuschüsse für Milch und zuckerreduzierten Kakao mit maximal 4 % Zuckergehalt“, sagte die CDU-Abgeordnete Bianca Winkelmann. Auch der FDP-Abgeordnete Stephan Haupt – der die u.a. vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Bundeszahnärztekammer, der Deutschen Adipositasgesellschaft und zahlreichen Experten geteilten sowie im Einklang mit den Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung befindlichen Forderung nach einem Ende der Förderung gezuckerter Milchprodukte als „ideologisch geführte Kampagne von foodwatch gegen die Milchwirtschaft und gegen unsere Landwirte“ abtat – traf am Rednerpult die Aussage: „Die Landesregierung […] fördert […] ganz bewusst nur Produkte, die maximal 4 % Zucker enthalten.“

    Richtig ist: Der Zuckergehalt des geförderten Schulkakaos liegt deutlich höher. Die weit verbreitete Landliebe-Schokomilch etwa hat einen Zuckergehalt von 8,7 % (in der fettarmen Variante) und liegt damit – in dieser Kategorie – fast im Bereich von Fanta. Die genannten „4 %“ sind lediglich der zugesetzte Zucker, wie ihn das NRW-Verbraucherministerium als durchschnittlichen Wert für die geförderten Kakao-Produkte angibt.

    Als „zuckerreduziert“ lässt sich der Kakao auch nicht ernsthaft bezeichnen: Im Handel sind zwar Produkte mit höherem Zuckergehalt zu finden, aber auch zum Beispiel ein Standard-Kiosk- und Tankstellenkakao mit frischer Milch, der einen geringeren Zuckergehalt aufweist. Richtig ist allenfalls, dass der von der EU vorgegebene maximale Rahmen von 7 % Zuckerzusatz nicht ausgeschöpft wird. Dies ist aber keine Leistung und keine Besonderheit der Schulmilchförderung in NRW, sondern in Deutschland marktüblich.
  • „Die Europäische Union hat die Förderung für gezuckerte Milchprodukte allerdings inzwischen eingestellt. Bestandteil des Europäischen Schulmilchprogramms ist lediglich noch die Förderung für einen Viertelliter ungezuckerte Milch für Kinder“, behauptete die SPD-Parlamentarierin Christina Wenig.

    Nicht korrekt: Die EU fördert ja gerade den gezuckerten Schulkakao in NRW – weil es das Land so will. Die EU hat zwar in seinem Schulmilchprogramm das Ziel ausgegeben, dass nur ungezuckerte Milchprodukte subventioniert werden sollen, es aber den in den Mitgliedsstaaten zuständigen Behörden offen gelassen, davon abweichende Regelungen zu treffen. Auf diesem Weg leitet NRW die EU-Gelder an die Molkereien weiter – auch für den zuckrigen Kakao.
  • Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sprach ebenfalls vom „zuckerreduzierten Kakao“ (siehe dazu oben) – und stellte die Schulmilch abermals als „vergünstigt“ dar.

    Richtig ist: Zwar werden Schulmilchprodukte durch EU-Mittel bezuschusst, doch macht sich das im Preis für die Eltern nur begrenzt bemerkbar. Den Zuschüssen gegenüber stehen die Mehraufwände für kleine Verpackungseinheiten und die aufwändige Logistik (tägliche Lieferungen kleiner Mengen an zahlreiche Schulen). Das frisst die Vorteile der Subventionen auf. Ergebnis: Wollen Eltern ihren Kindern täglich Milch oder Kakao geben, können sie dies mit dem Einkauf im Laden günstiger erreichen als über die „vergünstigte“ Schulmilch, wie ein Preisvergleich von foodwatch ergab.

Die Plenardebatte reiht sich damit ein in eine Vielzahl von Falschdarstellungen und unzulässigen Werbeaussagen von Unternehmen, der Landesvereinigung der Milchwirtschaft und der Landespolitik über das Schulmilchprogramm, wie sie foodwatch in seinem Report „Im Kakao-Sumpf“ dargestellt hat.

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<![CDATA[Brauche ich Fisch für eine gesunde Ernährung?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/brauche-ich-fisch-fuer-eine-gesunde-ernaehrung/Tue, 09 Apr 2019 11:34:00 +0200

Ernährungsexpertin Alice Luttropp antwortet:

Ein- bis zweimal die Woche Fisch auf den Tisch – das gehört zu den gängigen Ernährungsempfehlungen. Doch die Meere sind überfischt, und auch Fische aus Aquakulturen haben zunehmend ein schlechtes Image. Da stellt sich die Frage: Gibt es Alternativen zum Fischgenuss? In welchen Lebensmitteln sind die Fettsäuren, die Fisch so gesund machen, noch enthalten?

Besonders wertvoll: Omega-3-Fettsäuren

Fisch enthält viele Nährstoffe, etwa Eiweiß, Vitamine und das Spurenelement Jod. Fette Seefische wie Lachs, Hering und Makrele sind zudem eine wichtige Quelle für Omega-3-Fettsäuren. Diese sind essenziell für die Gesundheit – und sie lassen sich nicht so einfach über andere Lebensmittel aufnehmen. Omega-3-Fettsäuren sind zum Beispiel wichtig für das Nervensystem, den Blutdruck sowie die Sehkraft. Im Mutterleib spielen sie eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Auge und Gehirn des Fötus. Besonders relevant sind die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA.

Auch pflanzliche Öle enthalten Omega-3

Es gibt auch pflanzliche Omega-3-Fettsäuren. Vor allem Leinöl und Öl aus Chiasamen, aber auch Raps-, Walnuss- und Hanföl, enthalten besonders viel Alpha-Linolensäure. Allerdings besitzt Alpha-Linolensäure einen großen Nachteil gegenüber EPA und DHA aus dem Fisch: Sie ist im menschlichen Körper nicht annähernd so wirksam. Der Körper kann Alpha-Linolensäure zwar in EPA umwandeln, aber nur zu einem geringen Anteil, der bei maximal zehn Prozent liegt. Ursache dafür ist die Konkurrenz um das für die Umwandlung zuständige Enzymsystem. Um Omega-3 zu synthetisieren, werden bestimmte Enzyme gebraucht, die allerdings auch für die Umwandlung der Omega-6-Fettsäuren benötigt werden. Da wir in der Regel deutlich mehr Omega-6 als Omega-3-Fettsäuren zu uns nehmen, ist das System dann für den Omega-3-Weg blockiert. Dem bewusst entgegenzusteuern, ist möglich, aber sehr schwierig, da Omega-3-haltige Öle in der Regel auch Omega-6 enthalten. Auch Omega-6 ist wertvoll für unsere Gesundheit, wir nehmen es aber in der Regel ohnehin in ausreichenden Mengen auf, vor allem über den Verzehr von Fleisch, Fisch und Eiern. Um das Verhältnis der Aufnahme von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren zu verbessern, macht es Sinn, weniger tierische Fette zu sich zu nehmen und außerdem z.B. Raps- statt Sonnenblumenöl zu verwenden.

Mikroalgen sind eine gute Omega-3-Quelle

Als vegetarischen Ersatz für den Fischgenuss bieten sich Mikroalgen an. Denn auch Fische nehmen die Fettsäuren EPA und DHA durch ihre Algennahrung auf. Mikroalgen sind in Form von Öl oder Kapseln erhältlich, auch Lebensmittel werden damit angereichert. Krillölkapseln dagegen sind keine nachhaltige Alternative zum Fischgenuss. Greenpeace hat herausgefunden, dass Nahrungsergänzungsmittel aus Krillöl das empfindliche Ökosystem der Arktis gefährden.

Fische können Schadstoffe enthalten

Neben den wertvollen Inhaltsstoffen sind Meeresfische teilweise auch mit Schwermetallen belastet, etwa mit Methylquecksilber. Vor allem in Raubfischen können sich die Schadstoffe über die Nahrungskette anreichern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt Schwangeren und Stillenden deshalb, zum Beispiel auf Thunfisch zu verzichten.

Einkaufratgeber geben Orientierung

Fazit: Für die Gesundheit ist es tatsächlich ratsam, regelmäßig Omega-3-reichen Fisch zu essen. Ökologisch sinnvoll ist es, dabei auf stark überfischte Sorten zu verzichten, der Fischratgeber von Greenpeace bietet hier Orientierung. Auch der WWF  bietet einen Einkaufsratgeber an, allerdings ist das vom WWF empfohlene MSC-Siegel umstritten. Wer auf Fisch verzichten möchte, für den sind Mikroalgen eine gute Alternative.

Foto: © AdobeStock / valery121283

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<![CDATA[Was bringt das neue Fleisch-Logo von Rewe, Aldi & Co.?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/tierhaltung/aktuelle-nachrichten/was-bringt-das-neue-fleisch-logo-von-rewe-aldi-co/Wed, 03 Apr 2019 15:23:00 +0200

Die großen Supermärkte haben am 1. April ein neues Fleisch-Siegel eingeführt. Es soll auf Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel-Produkten der Eigenmarken zu finden sein und Auskunft darüber geben, unter welchen Haltungsbedingungen ein Tier gelebt hat. Das Label hat jedoch einen entscheidenden Haken.

Das neue Logo mit der Aufschrift „Haltungsform“ soll Kunden auf einen Blick informieren, unter welchen Bedingungen die Tiere gelebt haben – mit vier Stufen:

  • Stufe 1 ist der gesetzlichen Mindeststandard.
  • Stufe 2 bedeutet 10 Prozent mehr Platz und Spielmöglichkeiten für das Nutztier.
  • Stufe 3 garantiert Tieren noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt.
  • Bei Stufe 4 („Premium“) haben die Tiere außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.

99 Prozent Stufe 1

Was die Supermarktketten nicht an die große Glocke hängen: Das neue Label bringt zunächst keine Verbesserungen für die Tiere. Es gibt kein neues Prüfprogramm, die Produkte werden durch das zusätzliche Label nur neu einsortiert. Voraussichtlich werden die Stufen 2, 3 und 4 gerade mal eine Marktabdeckung von ein bis zwei Prozent haben, erklärte Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl, unter der sich die Handelsketten vereinigen, gegenüber dem ZDF. Verbraucherinnen und Verbraucher werden also fast ausschließlich Fleisch der Stufe 1 im Supermarkt finden – also Fleisch, das gerade einmal die (ohnehin unzureichenden) gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt.

Tiergesundheit Fehlanzeige

Ein noch viel schwerwiegender Makel des Labels sind jedoch die Kriterien: Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren ausschließlich etwas über die formalen Haltungsbedingungen, also Platz, Spielmöglichkeiten oder Auslauf im Freien. Die Wissenschaft ist sich jedoch einig, dass diese Faktoren keinen entscheidenden Einfluss darauf haben, wie gesund ein Nutztier gelebt hat. Und die Gesundheit der Tiere ist der einzige Faktor, der sich objektiv überprüfen lässt. Tiere sollten zwar bestmöglich gehalten werden, aber ein paar Quadratzentimeter mehr nützen ihnen nichts, wenn sie unter Krankheiten und Schmerzen leiden. Wer nur über die Haltungsbedingungen redet, lässt den entscheidenden Faktor außen vor: Nötig ist beides, gute Haltungsbedingungen UND gesunde Tiere.

Große Unterschiede zwischen Betrieben

Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Aspekten ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb. Vereinfacht gesagt: Während einige Tierhalter das Problem gut im Griff haben, gibt es auf anderen Höfen sehr viele kranke Tiere. Dabei ist es nicht entscheidend, ob es sich um konventionelle oder Bio-Haltung handelt oder um kleine Höfe oder Großbetriebe. In allen Haltungsformen und in allen Betriebsgrößen gibt es sehr gute und weniger gute Betriebe. Auch das ist ein Beleg dafür, dass die Haltungsbedingungen allein nicht entscheidend sind dafür, dass es den Tieren gut geht.

„Die neue Fleischkennzeichnung gaukelt den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Nutztierställen maßgeblich verbessern. Die Gesundheit der Nutztiere spielt aber bei der Tierwohlkennzeichnung von Aldi, Rewe & Co. überhaupt keine Rolle - das ist eine große Irreführung.“

Matthias Wolfschmidt von foodwatch

Millionenfaches Tierleid

Jedes vierte tierische Produkt stammt von einem kranken Tier: Mastschweine leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Kühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangen ihre Produkte in den Handel. Während die Krankheit der Tiere keine gesundheitliche Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher darstellt, bedeutet sie millionenfaches Leid für die Tiere.

Ministerin Julia Klöckner will freiwilliges Label

Statt Verbesserungen für alle Tiere durchzusetzen, plant Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein eigenes „Tierwohl-Label“. Das Problem: Das Label ist mal wieder nur freiwillig. Mitmachen werden wohl nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten. Sogar der Wissenschaftliche Beirat beim Bundeslandwirtschaftsministerium, also Frau Klöckners eigene Berater, erwartet für das freiwillige Tierwohl-Label einen Marktanteil von maximal 20 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Bundesregierung duldet für 80 Prozent der Nutztiere weiterhin vermeidbare Krankheiten, Schmerzen und Leiden. Egal ob „Tierwohl-Label“ von Frau Klöckner oder „Haltungsform“-Kennzeichnung von Aldi, Rewe und Co. – foodwatch findet:

Gegen Krankheit und Elend von Millionen Tieren hilft kein weiteres freiwilliges Siegel, es braucht vielmehr klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen!

Was fordert foodwatch?

foodwatch fordert Ministerin Julia Klöckner auf, zu handeln: Es braucht ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, in denen es immer wieder Probleme mit der Tiergesundheit gibt, muss es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

Tierhaltungswende jetzt!
Wir meinen: In Zukunft darf kein Tierprodukt mehr in den Handel kommen, das nicht nachweislich tiergerecht erzeugt wurde. Schreiben Sie jetzt an Bundesminister Christian Schmidt und fordern Sie eine echte Tierhaltungswende! >>

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<![CDATA[foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ gegen Kakao-Förderung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-protestiert-mit-riesen-zuckerwuerfel-gegen-kakao-foerderung/Tue, 02 Apr 2019 15:39:00 +0200

Mit einem überdimensionalen Zuckerwürfel“ hat foodwatch in Düsseldorf gegen die Kakao-Förderung an Schulen in NRW protestiert. Mit Transparenten forderten die Aktivistinnen und Aktivisten: "Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“ und „Kinder fördern statt Landliebe“. Ein Sprecher des Ministeriums stellte sich dem Protest vor Ort.

274 Tonnen Extra-Zucker subventioniert Nordrhein-Westfalen über gesüßte Schulmilchgetränke in einem Schuljahr – umgerechnet mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Mit einer Protestaktion hat foodwatch dem Land diesen Zuckerberg zurückgebracht: direkt vor die Tür des zuständigen NRW-Verbraucherministeriums. Vor dem Bürokomplex in Düsseldorf baute die Verbraucherorganisation bei starkem Wind und Regen symbolisch einen überdimensionalen „Zuckerwürfel“ auf, der dem Volumen von 274 Tonnen Zucker entspricht: 6,8 Meter breit, 6,8 Meter lang, 6,8 Meter hoch.

NRW hält als letztes Bundesland an Kakao-Förderung fest

NRW ist das letzte Bundesland, das noch an Subventionen für gezuckerte Schulmilch festhält – entgegen dem Rat von Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungsexperten. Auch Vertreter von Eltern und Lehrern in NRW hatten sich gegen die Kakao-Förderung ausgesprochen. foodwatch forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Förderung gezuckerter Schulmilch spätestens zum neuen Schuljahr 2019/2020 zu beenden.

„Es geht nicht nur um ‚mal ein bisschen Kakao‘ oder um einen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten tollen Schulmilchprogramm – NRW subventioniert einen Riesenberg Extra-Zucker für Schulkinder. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, kurbelt die Landesregierung den ohnehin viel zu hohen Zuckerkonsum von Kindern auch noch zusätzlich an. Dieses irre staatliche Übergewichtsförderprogramm muss gestoppt werden.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

274 Tonnen subventionierter Zucker-Zusatz pro Jahr

Das Landesverbraucherministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW fast sieben Millionen Liter gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr.

© Mika Volkmann / foodwatch

NRW-Ministerium: werden „ergebnisoffen entscheiden“

Ein Sprecher des Ministeriums nahm von den foodwatch-Aktivisten eine besondere Überraschung entgegen: eine vergoldete Packung Zucker – gekennzeichnet als „das letzte Kilo Zucker für die Schulkakaoförderung NRW“ und versehen mit dem „Verzehrdatum: 12.7.2019“, dem letzten Schultag in diesem Schuljahr. Der Ministeriumssprecher erklärte, dass man nicht „von heute auf morgen“ aussteigen könne. Aber die Landesregierung werde „ergebnisoffen entscheiden, wie es mit dem Schulmilchprogramm im kommenden Schuljahr weitergeht“.

Alternativen zur Kakao-Förderung

foodwatch forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionen zu streichen und stattdessen endlich die erforderlichen Landesmittel zur Verfügung zu stellen, um eine gesunde Kinderernährung zu fördern. Das Land müsse zum Beispiel eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, das Schulobst- und -gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige anbieten, Wasserspender installieren, wirtschaftsunabhängigen Ernährungsunterricht organisieren und für ausgewogene Lebensmittel am Schulkiosk sorgen. An Schulen, in denen viele Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, könnten zudem ergänzende, ausgewogene Frühstücksangebote eingerichtet werden.

Breiter Protest auch von Ärzten und Eltern

In einem Appell an die NRW-Landesregierung hatten sich bereits im September vergangenen Jahres renommierte Ärzte und Ernährungsexperten sowie Vertreter von Lehrern und Eltern gegen zuckrigen Schulkakao ausgesprochen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch fordern zudem deutschlandweit fast 30.000 Menschen ein Ende der Schokomilch-Subventionen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

Hessen, Berlin und Brandenburg haben Kakao-Subvention gestoppt

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Zur Begründung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit ist NRW das einzige Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

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<![CDATA[274 Tonnen süß: foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ vor NRW-Verbraucherministerium – Aktivisten fordern: „Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/274-tonnen-suess-foodwatch-protestiert-mit-riesen-zuckerwuerfel-vor-nrw-verbraucherministerium-aktivisten-fordern-kein-steuergeld-mehr-fuer-zuckrigen-schulkakao/Tue, 02 Apr 2019 14:50:00 +0200Pressemitteilung - Thema: Schulmilchförderung

274 Tonnen süß: foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ vor NRW-Verbraucherministerium – Aktivisten fordern: „Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“

+++ Fotos von der Aktion zur redaktionellen Verwendung unter: material-essen-und-gesundheit.foodwatch.de und Video-Material zum Download (Passwort: Foodwatch) unter owncloud-gebauer-media.prossl.de/index.php/s/ItwygyH3dIp7f0e +++

Düsseldorf, 2. April 2019. 274 Tonnen Extra-Zucker subventioniert Nordrhein-Westfalen über gesüßte Schulmilchgetränke in einem Schuljahr - umgerechnet mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Mit einer Protestaktion hat foodwatch dem Land diesen Zuckerberg am Dienstag zurückgebracht: direkt vor die Tür des zuständigen NRW-Verbraucherministeriums. Vor dem Bürokomplex am Kennedydamm in Düsseldorf baute die Verbraucherorganisation symbolisch einen überdimensionalen „Zuckerwürfel“ auf, der dem Volumen von 274 Tonnen Zucker entsprach: 6,8 Meter breit, 6,8 Meter lang, 6,8 Meter hoch. Mit Transparenten forderten die Verbraucherschutzaktivistinnen und -aktivisten: "Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“ und „Kinder fördern statt Landliebe“.

NRW ist das letzte Bundesland, das noch an Subventionen für gezuckerte Schulmilch festhält - entgegen dem Rat von Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungsexperten. Auch Vertreter von Eltern und Lehrern in NRW hatten sich gegen die Kakao-Förderung ausgesprochen. „Es geht nicht nur um ‚mal ein bisschen Kakao‘ oder um einen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten tollen Schulmilchprogramm - NRW subventioniert einen Riesenberg Extra-Zucker für Schulkinder“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Er forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Förderung gezuckerter Schulmilch spätestens zum neuen Schuljahr 2019/2020 zu beenden. „Während alle über Zuckerreduktion sprechen, kurbelt die Landesregierung den ohnehin viel zu hohen Zuckerkonsum von Kindern auch noch zusätzlich an. Dieses irre staatliche Übergewichtsförderprogramm muss gestoppt werden.“

Das Landesverbraucherministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW fast sieben Millionen Liter gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr - diese Menge würde einen Würfel mit 6,8 Metern Kantenlänge ausfüllen, wie foodwatch mit einem entsprechend großen künstlichen Zuckerwürfel veranschaulichte. Dabei ist der in der Milch natürlich enthaltene Milchzucker noch nicht einmal mit eingerechnet, sondern allein der zugesetzte Zucker.

Bei Wind und Regen nahm ein Sprecher des Ministeriums von den foodwatch-Aktivistinnen und -Aktivisten eine besondere Überraschung entgegen: eine vergoldete Packung Zucker - gekennzeichnet als „das letzte Kilo Zucker für die Schulkakaoförderung NRW" und versehen mit dem „Verzehrdatum: 12.7.2019“, dem letzten Schultag in diesem Schuljahr. Der Ministeriumssprecher erklärte, dass man „nicht von heute auf morgen“ aussteigen könne. Die Landesregierung werde aber „ergebnisoffen entscheiden, wie es mit dem Schulmilchprogramm im kommenden Schuljahr weitergeht“. 

foodwatch forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionen zu streichen und stattdessen endlich die erforderlichen Landesmittel zur Verfügung zu stellen, um eine gesunde Kinderernährung zu fördern. Das Land müsse zum Beispiel eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, das Schulobst- und -gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige anbieten, Wasserspender installieren, wirtschaftsunabhängigen Ernährungsunterricht organisieren und für ausgewogene Lebensmittel am Schulkiosk sorgen. An Schulen, in denen viele Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, könnten zudem ergänzende, ausgewogene Frühstücksangebote eingerichtet werden. „Mit den richtigen Prioritäten im Haushalt kann NRW viel für die Kinder tun, doch hier ist das Land weitgehend blank. Die Schulmilchförderung taugt noch nicht mal als Feigenblatt, denn ein zuckriger Schulkakao kann kein Ersatz für ein ausgewogenes Frühstück sein“, sagte foodwatch-Chef Martin Rücker.

In einem Appell an die NRW-Landesregierung hatten sich bereits im September vergangenen Jahres renommierte Ärzte und Ernährungsexperten sowie Vertreter von Lehrern und Eltern gegen zuckrigen Schulkakao ausgesprochen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch fordern zudem deutschlandweit fast 30.000 Menschen ein Ende der Schokomilch-Subventionen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Zur Begründung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit ist NRW das einzige Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

+++ Fotos von der Aktion zur redaktionellen Verwendung unter: material-essen-und-gesundheit.foodwatch.de und Video-Material zum Download (Passwort: Foodwatch) unter owncloud-gebauer-media.prossl.de/index.php/s/ItwygyH3dIp7f0e +++

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<![CDATA[Verbraucher-Portal „Topf Secret“: Mehrere Behörden behindern Herausgabe von Hygiene-Kontrollen – foodwatch und FragDenStaat kritisieren „Angriff auf Informationsrechte“ ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/verbraucher-portal-topf-secret-mehrere-behoerden-behindern-herausgabe-von-hygiene-kontrollen-foodwatch-und-fragdenstaat-kritisieren-angriff-auf-informationsrechte/Mon, 01 Apr 2019 15:09:00 +0200Mal werden 1.700 Euro Gebühren für eine Anfrage veranschlagt, mal werden Informationsanträge von vornherein abgelehnt: Mehrere Behörden in Deutschland versuchen, die Herausgabe von Ergebnissen der Lebensmittelkontrollen zu verhindern – obwohl sie per Gesetz zur Antwort verpflichtet sind. Das haben die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat am Montag kritisiert. Auf dem Online-Portal „Topf Secret“ haben Bürgerinnen und Bürger seit Januar die amtlichen Hygiene-Kontrollergebnisse von deutschlandweit mehr als 20.000 Gaststätten, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben angefragt. Statt die Kontrollberichte, wie gesetzlich vorgeschrieben, herauszugeben, stellen sich jedoch mehrere der zuständigen Überwachungsämter quer, so die Organisationen. Manche Behörden drohten etwa mit hohen Kosten, verlangten Ausweisdokumente oder Meldebescheinigungen – andere lehnten die Herausgabe von Informationen über Hygienemängel komplett ab. Dass es anders geht, zeigen beispielweise Ulm, München oder Karlsruhe: Dort haben die Behörden den Antragsstellerinnen und Antragsstellern bereits Informationen zu Hygienemängeln zur Verfügung gestellt.

„Was manche Überwachungsbehörden hier betreiben ist ein Angriff auf die Informationsrechte der Bürgerinnen und Bürger. Mit Drohungen und Einschüchterungen muss Schluss sein – die Ämter sind verpflichtet, die beantragten Infos zu Hygiene-Kontrollen herauszugeben. Ob sie es wahrhaben wollen oder nicht“, erklärte Arne Semsrott von FragDenStaat. „Die Behörden in Karlsruhe, München oder auch Ulm zeigen, dass es auch anders geht – dort werden die Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern ernst genommen.“

foodwatch und FragDenStaat haben das Mitmach-Portal „Topf Secret“ im Januar gestartet. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Bürgerinnen und Bürger bei den zuständigen Behörden mit wenigen Klicks einen Antrag auf Veröffentlichung der Ergebnisse amtlicher Hygiene-Kontrollen stellen. Die gesetzliche Grundlage ist das Verbraucherinformationsgesetz (VIG), das Bürgerinnen und Bürgern das Recht gibt, bei staatlichen Stellen Informationen abzufragen. Während einige Behörden die Anfragen rechtmäßig und ohne Einschüchterungsversuche zur Verfügung stellen, versuchen andere die Herausgabe der Dokumente zu verhindern. Einige Beispiele:

  • Übertriebene Kosten: Die Überwachungsbehörde in Helmstedt droht mit hohen Verwaltungskosten. Die Herausgabe eines Kontrollberichtes zu einer „Dönerstation“ soll rund 1.000 Euro kosten, der Bericht zu einer Lidl-Filiale sogar 1.757 Euro. Von den etwa 380 unterschiedlichen Behörden in Deutschland hat nach Kenntnis von foodwatch bislang keine andere solch hohe Kosten verlangt.
  • Meldebescheinigung und Ausweisdokumente: Das zuständige Amt in Magdeburg will die Auskunft nur erteilen, wenn ein Antragsteller seine aktuelle Meldebescheinigung vorlegt. Der Landkreis Harburg verlangt eine Kopie des Personalausweises, um den Antrag bearbeiten zu können. Fakt ist: Bürgerinnen und Bürger sind gemäß VIG nicht verpflichtet, ihre Identität mit der Vorlage einer Ausweiskopie oder gar durch einen Besuch in der Behörde nachzuweisen.
  • Unterstellungen: Die Behörde des Landkreises Mettmann verweigerte eine Informationsauskunft mit der Behauptung, eine Antragstellerin sei nicht an „Sinn und Zweck der Auskunftserteilung“ interessiert, sondern lediglich vom Online-Portal „an sich fasziniert“. Fakt ist: Antragsstellerinnen und Antragssteller sind nicht verpflichtet, ihr Informationsbegehren zu begründen. Vielmehr ergibt sich aus dem VIG ein voraussetzungsloser „Anspruch auf freien Zugang“. Es muss auch kein Interesse oder bestimmter Verwendungszweck nachgewiesen werden.
  • Keine Anträge per E-Mail: Das zuständige Amt im Landkreis Börde lehnt Anträge per E-Mail ab, weil es grundsätzlich „keine elektronische Antragstellung“ ermögliche. Fakt ist: Antragsstellerinnen und Antragssteller dürfen seit der Novellierung des VIG im Jahr 2012 Anträge auch formlos, per Telefon oder E-Mail, stellen.
  • Auskunft verweigert: Das Verbraucherschutzamt in Lübeck will nur solche Hygiene-Kontrollen herausgeben, die „derart schwerwiegende Beanstandungen enthalten, dass sie ohnehin durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden veröffentlich werden müssen“. Fakt ist: Jede und jeder hat gemäß VIG Anspruch auf freien Zugang zu Ergebnissen der Lebensmittelkontrollen – egal wie schwer etwaige Hygienemängel sind. Die Informationsrechte nach dem VIG sind getrennt von der Frage, welche Hygienemängel die Behörden aufgrund besonderer Schwere selbst aktiv veröffentlichen müssen.

Positivbeispiele sind hingegen Karlsruhe, München, Ulm, Landsberg am Lech und der Landkreis Harz: Dort haben die Behörden bereits Kontrollberichte mit Hygienemängeln an Antragsstellerinnen und Antragssteller übermittelt – ohne, dass die Bürgerinnen und Bürger dafür Verwaltungsgebühren zahlen oder einen Personalausweis einschicken sollten. foodwatch und FragDenStaat forderten alle Behörden dazu auf, diesen Beispielen zu folgen. Sollten einige Behörden weiter Anträge ablehnen, würden die Organisationen nicht zögern, die Antragstellerinnen und Antragsteller bei der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen – notfalls auch auf dem Rechtsweg.  

„Erstmals wird das Verbraucherinformationsgesetz tatsächlich auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern genutzt. So viele Anträge wie in den letzten Wochen hat es in den 10 Jahren zuvor nicht im Ansatz gegeben. Das darf nicht dazu führen, dass Behörden die Bürgerinnen und Bürger um ihre Informationsrechte beschneiden. Wir werden nicht tatenlos dabei zuschauen, wenn Behörden sich quer stellen – so viel ist sicher. Die Menschen haben ein Recht auf Informationen zur Lebensmittelüberwachung in Deutschland. Geheimniskrämerei in Amtsstuben hat im 21. Jahrhundert nichts mehr verloren“, sagte Oliver Huizinga von foodwatch.

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<![CDATA[foodwatch-Statement zur neuen Fleisch-Kennzeichnung der großen Handelsketten]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-statement-zur-neuen-fleisch-kennzeichnung-der-grossen-handelsketten/Sun, 31 Mar 2019 16:26:00 +0200Die großen Handelsketten Edeka, Rewe, Aldi & Co. wollen ab Montag mit einer neuen Fleisch-Kennzeichnung über die Haltungsbedingungen von Schlachttieren informieren. Dazu erklärt Matthias Wolfschmidt, Internationalen Kampagnendirektor der Verbraucherorganisation foodwatch:

Die neue Fleischkennzeichnung der großen Handelsketten ist eine Mogelpackung: Sie gaukelt den Verbraucherinnen und Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Nutztierställen maßgeblich verbessern. Aber bei der sogenannten Tierwohlkennzeichnung geht es ausschließlich um formale Haltungsbedingungen, also etwa Platz, Spielmöglichkeiten oder Auslauf im Freien. Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht – viel zu oft sind Nutztiere krank, leiden und haben Schmerzen. Die Gesundheit der Nutztiere spielt bei der Tierwohlkennzeichnung von Aldi, Rewe & Co. überhaupt keine Rolle - das ist eine große Irreführung der Verbraucherinnen und Verbraucher.

Auch das geplante staatliche Tierwohl-Label von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wird kaum etwas an den katastrophalen Bedingungen in den Nutztierställen ändern, denn das Label ist nur freiwillig. Mitmachen werden nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten. Gegen Krankheit und Elend von Millionen Tieren hilft kein weiteres freiwilliges Siegel, es braucht vielmehr klare gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen.“

Hintergrund

Ein großer Teil der Nutztiere leidet unter vermeidbaren Erkrankungen: Mastschweine leiden massenhaft unter Lungenentzündungen, Leberveränderungen oder schmerzhaft verdickten Gelenken, Kühe unter Euterentzündungen und Klauenerkrankungen, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangen ihre Produkte in den Handel.

Am 1. April starten die großen Handelsketten eine Haltungskennzeichnung in vier Stufen – für Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel. Zwar informiert die Kennzeichnung über die formalen Haltungskriterien – dies sagt jedoch nichts über den Gesundheitszustand der Tiere aus.  Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Faktoren ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb, und weniger zwischen konventioneller und Bio-Haltung oder zwischen kleinen Höfen und Großbetrieben.

Bisher gibt es keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren, die Erkrankungsraten werden nicht systematisch erfasst. foodwatch fordert ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, muss es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

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<![CDATA[Giftige Aflatoxine: dm ruft „babylove“-Produkte zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/giftige-aflatoxine-dm-ruft-babylove-produkte-zurueck/Fri, 29 Mar 2019 14:59:00 +0100

Wegen erhöhter Aflatoxin-Gehalte ruft die Drogeriekette dm mehrere Baby- und Kinderprodukte der Marke „babylove“ zurück. Aflatoxine sind krebsverdächtig und können Leber und Nieren schädigen.

Der Drogeriemarkt dm ruft verschiedene Gläschen und Quetschbeutel von „babylove“-Babynahrung zurück. Bei Eigenkontrollen wurden erhöhte Aflatoxin-Gehalte festgestellt.

Aflatoxine sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen und gehören zu den stärksten in der Natur vorkommenden Giften. Laut Bundesinistut für Risikobewertung (BfR) weisen sie ein hohes krebserzeugendes Potential auf. Bei oraler Aufnahme können sie in höheren Konzentrationen in erster Linie Nieren, Leber und das ungeborene Leben schädigen. Außerdem können Aflatoxine das Erbgut schädigen, das heißt sie wirken genotoxisch. Aflatoxine können die Gesundheit besonders dann beeinträchtigen, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden.

Folgende Produkte sind von dem dm-Rückruf betroffen:

  • „babylove Granatapfel-Mango in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15.10.2020
  • „babylove Pfirsich-Maracuja in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.10.2020
  • „babylove Erdbeere & Himbeere in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.10.2020
  • „babylove Erdbeere-Banane in Apfel mit Müsli, 90 g, ab 1 Jahr (Quetschbeutel)“ mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 16.10.2020 und 17.10.2020

Kunden können die Packungen ungeöffnet oder angebrochen in die dm-Märkte zurückzubringen, der Kaufpreis wird erstattet.

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<![CDATA[Presseeinladung – Foto-Aktion: Riesen-Zuckerwürfel vor NRW-Verbraucherministerium – foodwatch protestiert gegen Subventionen für zuckrigen Schul-Kakao ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presseeinladung-foto-aktion-riesen-zuckerwuerfel-vor-nrw-verbraucherministerium-foodwatch-protestiert-gegen-subventionen-fuer-zuckrigen-schul-kakao/Wed, 27 Mar 2019 10:12:00 +0100

Sehr geehrte Damen und Herren,

Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Schulmilchgetränke mit Steuergeldern subventioniert – obwohl Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten. Noch vor Ostern will die Landesregierung jetzt entscheiden, wie es mit dem Schulmilch-Programm weitergeht. foodwatch fordert die zuständige Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionierung endlich zu beenden. Im vergangenen Schuljahr subventionierte das Land NRW annähernd 7 Millionen Kilogramm gezuckerte Schulmilchgetränke – das entspricht einer Zuckermenge von rund 274 Tonnen oder umgerechnet mehr als 90 Mio. Zuckerwürfeln. Diesen staatlich geförderten Zuckerberg will foodwatch dem Ministerium symbolisch mit einer Aktion zurückbringen.

Wir laden Sie herzlich ein, bei der bildstarken Aktion in Düsseldorf dabei zu sein:

Tag: Dienstag, 2. April 2019

Uhrzeit: ca. 12:45 Uhr (Bei Interesse können Medien bereits zu einem früheren Zeitpunkt den Aufbau der Aktion begleiten; wir empfehlen dazu Rücksprache mit der foodwatch-Pressestelle.)

Ort: NRW-Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Schwannstraße 3, 40476 Düsseldorf

Ein Gespräch vor Ort mit Ministerin Ursula Heinen-Esser ist für 13:00 Uhr angefragt.

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler

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<![CDATA[Schulmilch: NRW entscheidet über Zukunft der Kakao-Förderung – foodwatch kündigt Protestaktion an: 274 Tonnen Zucker vor Ministerium von Ursula Heinen-Esser]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilch-nrw-entscheidet-ueber-zukunft-der-kakao-foerderung-foodwatch-kuendigt-protestaktion-an-274-tonnen-zucker-vor-ministerium-von-ursula-heinen-esser/Tue, 26 Mar 2019 11:21:00 +0100

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will noch vor Ostern entscheiden, ob gezuckerte Schulmilch auch künftig noch mit Steuergeldern gefördert werden soll. Das erfuhr foodwatch aus dem zuständigen Landesumweltministerium. Die Verbraucherorganisation forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, zum nächsten Schuljahr aus der Kakao-Förderung auszusteigen, um den ohnehin zu hohen Zuckerkonsum von Kindern nicht noch staatlich weiter anzukurbeln.

Für den 2. April kündigte foodwatch an, den über den Schulkakao steuerlich subventionierten Zucker mit einer Protestaktion symbolisch vor das Ministerium in Düsseldorf zu bringen. Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, das noch gesüßte Schulmilchgetränke mit Steuergeldern subventioniert – obwohl Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten. „Es geht nicht um ein bisschen Kakao – das Schulmilchprogramm in NRW ist ein irres, staatliches Übergewichtsförderprogramm. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, bringt die Landesregierung mit Steuergeldern Unmengen von zugesetztem Zucker an die Schulen. Von der staatlichen Zuckerförderung profitiert allein die Milchwirtschaft“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

274 Tonnen Zuckerzusatz - mehr als 90 Millionen Zuckerwürfel

Das Landesumweltministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW annähernd sieben Millionen Kilogramm gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr – das entspricht umgerechnet weit mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Dabei ist der in der Milch natürlich enthaltene Milchzucker nicht eingerechnet, sondern allein der den Milchmischgetränken zugesetzte Zucker.

Diesen staatlich geförderten Zuckerberg, den die nordrhein-westfälische Landesregierung über ihre Subventionspolitik an die Schulen bringt, will foodwatch dem Ministerium am nächsten Dienstag (2. April) mit einer Protestaktion zurückbringen – verbunden mit der Forderung, verbindlich den Ausstieg aus der Kakao-Subvention zu erklären.

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für die Reform der Förderrichtlinien verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit bleibt NRW das letzte Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

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<![CDATA[So entlarvt die Nutri-Score-Ampel ungesunde Produkte]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/so-entlarvt-die-nutri-score-ampel-ungesunde-produkte/Tue, 19 Mar 2019 17:52:00 +0100

Eine Tiefkühlpizza ist eine Tiefkühlpizza, ein Erdbeerjoghurt ein Erdbeerjoghurt? Weit gefehlt. Auf den ersten Blick ähnliche Lebensmittel weisen tatsächlich oft große Unterschiede bei Nährwerten wie Zucker, Fett und Co. auf. Das entlarvt ein foodwatch-Vergleichstest mit dem „Nutri-Score“, der französischen Lebensmittelampel.

Verbraucherinnen und Verbraucher können mit der Ampel-Kennzeichnung direkt auf der Packungsvorderseite erkennen, welches Produkt ausgewogener ist. In Frankreich und Belgien werden Lebensmittel bereits mit dem Nutri-Score gekennzeichnet, Spanien will nachziehen. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo dieses Jahr angefangen, ihre Produkte freiwillig mit dem Nutri-Score zu versehen. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich allerdings bisher gegen die verbraucherfreundliche Ampelkennzeichnung. foodwatch fordert Frau Klöckner auf, ihren Widerstand aufzugeben.

20.03.2019

So entlarvt die Nutri-Score-Ampel ungesunde Produkte

Fotogalerie (10 Bilder)
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<![CDATA[foodwatch-Vergleichstest: Lebensmittel im Ampel-Check ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-vergleichstest-lebensmittel-im-ampel-check/Tue, 19 Mar 2019 17:23:00 +0100

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine Tiefkühlpizza ist eine Tiefkühlpizza, ein Erdbeerjoghurt ein Erdbeerjoghurt? Weit gefehlt. Auf den ersten Blick ähnliche Lebensmittel weisen tatsächlich oft große Unterschiede bei Nährwerten wie Zucker, Fett und Co. auf. Das entlarvt ein foodwatch-Vergleichstest mit dem „Nutri-Score“, der französischen Lebensmittelampel. Verbraucherinnen und Verbraucher können mit der Kennzeichnung direkt auf der Packungsvorderseite erkennen, welches Produkt ausgewogener ist.

Bild: Der foodwatch-Test zeigt zum Beispiel: Der Erdbeerjoghurt von Mövenpick (rechts) enthält doppelt so viel Zucker, doppelt so viele Kalorien und vier Mal so viel gesättigte Fette wie der Arla Erdbeerjoghurt. Der Nutri-Score zeigt auf einen Blick, welcher Joghurt die gesündere Wahl ist.

In Frankreich und Belgien werden Lebensmittel bereits mit dem Nutri-Score gekennzeichnet, Spanien will nachziehen. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo dieses Jahr angefangen, ihre Produkte freiwillig mit dem Nutri-Score zu versehen. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich allerdings bisher gegen die verbraucherfreundliche Ampelkennzeichnung. foodwatch fordert Frau Klöckner auf, ihren Widerstand aufzugeben. foodwatch-Expertin Luise Molling: "Mit der französischen Nährwertampel Nutri-Score können Verbraucherinnen und Verbraucher verarbeitete Lebensmittel wie Frühstücksflocken und Tiefkühlpizzen auf einen Blick miteinander vergleichen – was nachweislich zu einem gesünderen Kaufverhalten führt. Wenn es Frau Klöckner ernst meint mit ihren Beteuerungen,  die gesunde Wahl zur einfachen Wahl machen zu wollen, muss die Ministerin sich umgehend für die Einführung des Nutri-Scores in Deutschland und der EU stark machen.“

In unserem Dossier erfahren Sie, wie der Nutri-Score funktioniert und warum die französische Ampel ein wirksames Instrument gegen Fehlernährung ist. Außerdem verrät der „Vater“ des Nutri-Score, der französische Ernährungswissenschaftler Serge Hercberg, warum das Modell keine Lebensmittel verbietet und welche Menschen besonders von einer verständlichen Nährwertkennzeichnung profitieren.

Presse-Infopaket zum Nutri-Score:

+++ Prof. Serge Hercberg steht gerne für Interviews zur Verfügung, ebenso foodwatch-Expertin Luise Molling. Den Kontakt vermittelt die foodwatch-Pressestelle. +++

 

Mit freundlichen Grüßen
Sarah Häuser

Kontakt:
E-Mail: presse@foodwatch.de
Tel.: +49 (0)30 / 24 04 76 290

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<![CDATA[Lidl ruft Käse zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/lidl-ruft-kaese-zurueck/Thu, 14 Mar 2019 16:44:00 +0100

Der Discounter Lidl ruft einen Morbier-Rohmilchkäse wegen einer möglichen Belastung mit E.coli-Bakterien zurück. Die Bakterien können schwere Durchfallerkrankungen hervorrufen.

Wegen einer möglichen Belastung mit Kolibakterien ruft der Lebensmittel-Discounter Lidl einen Rohmilchkäse der Marke Morbier zurück. Laut einer Mitteilung vom Donnerstag geht es um das Produkt „Morbier AOP mit Rohmilch hergestellt, 250g“, sofern es das Mindesthaltbarkeitsdatum 17.03.2019, die Losnummer 042 und das Identitätskennzeichen FR 25-155-001 CE des französischen Herstellers SA Perrin Vermot trägt.

Bei einer Untersuchung seien sogenannte Shiga-Toxin bildende E.-coli-Bakterien (STEC) nachgewiesen worden. STEC können Auslöser von Durchfallerkrankungen sein. Bei bestimmten Personengruppen (Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem) können schwere Krankheitsverläufe auftreten. Wer den Käse gekauft hat, solle ihn keinesfalls essen, sondern bei Lidl zurückgeben.

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<![CDATA[Schimmel und Kakerlaken in Raststätte]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/smiley-system/aktuelle-nachrichten/schimmel-und-kakerlaken-in-raststaette/Thu, 14 Mar 2019 15:28:00 +0100

In einem Autobahn-Restaurant einer „Serways“-Raststätte herrschten unapetittliche Zustände. Dies zeigen geheime Berichte der Lebensmittelüberwachung, die foodwatch und FragDenStaat auf „Topf Secret“ veröffentlicht haben.

Schimmel, schwarzer Belag an Arbeitsgeräten, Schabenbefall in der Küche: In einem Autobahn-Restaurant einer „Serways“-Raststätte haben amtliche Lebensmittelkontrolleure schwere Hygienemängel festgestellt. Das zeigen bisher unveröffentlichte Kontrollberichte, die foodwatch und die Transparenzinitiative FragDenStaat am Donnerstag auf dem Mitmach-Portal „Topf Secret“ online gestellt haben. Bei Überprüfungen von vier weiteren Serways-Raststätten, die foodwatch und FragDenStaat ebenfalls veröffentlichten, dokumentierten die Kontrolleure hingegen keine oder nur geringe Mängel. Die Öffentlichkeit wurde über die Missstände in der Raststätte nicht informiert. foodwatch und FragDenStaat riefen Bürgerinnen und Bürger auf, über „Topf Secret“ weitere Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen bei Behörden zu erfragen, um diese Geheimhaltung zu beenden. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Nutzer die amtlichen Berichte online mit wenigen Klicks beantragen und später auch veröffentlichen.

„Die bisher geheim gehaltenen Kontrollberichte zeigen einmal mehr: Die meisten Lebensmittelunternehmen in Deutschland arbeiten sauber – aber es gibt einen Bodensatz von Betrieben, die schlichtweg als ekelig bezeichnet werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht zu erfahren, welche die Ekelbetriebe sind.“

Oliver Huizinga von foodwatch

Ekelige Zustände in der Raststätte Hardtwald Ost bei Heidelberg

foodwatch und FragDenStaat hatten die Kontrollberichte durch Behördenanfragen über das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten und diese jetzt auf „Topf Secret“ veröffentlicht. Die amtlichen Berichte dokumentieren Kontrollbesuche in den Jahren 2016 bis 2018 bei insgesamt fünf „Gusticus“-Restaurants auf Serways-Raststätten, die zum Unternehmen Tank & Rast gehören. Während bei einem Restaurant keine und bei drei weiteren nur geringe Mängel festgestellt wurden, beanstandeten die Kontrolleure im Restaurant der Raststätte Hardtwald Ost auf der A5 bei Heidelberg schwere Verstöße gegen Hygienevorgaben: „Der Tischdosenöffner war im Bereich des Zapfens durch schwarze Beläge und Lebensmittelreste verunreinigt“, heißt es etwa in dem Bericht. In der Küche fand sich eine Schabe, der Getränkekühlschrank war „durch tote Insekten und leichte sporenartige weiße Beläge verunreinigt“ und „der Getränkeauslauf an der Getränkestation war durch schwarzweiße sporenartige Beläge verunreinigt“. Im Rahmen einer Nachkontrolle, welche drei Monate später stattfand, waren die Mängel laut Behörde „fast vollständig“ behoben. In keinem der Fälle wurde die Öffentlichkeit informiert.

Julia Klöckner muss sich für Transparenzsystem einsetzen

foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich endlich für ein bundesweites Transparenzsystem einzusetzen: Behörden müssten per Gesetz verpflichtet werden, ausnahmslos alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen – so wie es in Dänemark seit vielen Jahren der Fall ist. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so die Organisationen.

Foto: © fotolia / Andreas Wolf

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<![CDATA[Schwere Hygienemängel bei „Serways“-Autobahnrestaurant – foodwatch und FragDenStaat veröffentlichen geheime Berichte der Lebensmittelüberwachung auf „Topf Secret“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schwere-hygienemaengel-bei-serways-autobahnrestaurant-foodwatch-und-fragdenstaat-veroeffentlichen-geheime-berichte-der-lebensmittelueberwachung-auf-topf-secret/Thu, 14 Mar 2019 09:48:00 +0100
  • Lebensmittelkontrollbericht zeigt ekelerregende Zustände in „Serways“-Autobahnrestaurant
  • Öffentlichkeit wurde nicht über Missstände informiert
  • Auf Mitmach-Plattform „Topf Secret“ können Bürger die Ergebnisse einsehen und weitere Kontrollberichte erfragen

Schimmel, schwarzer Belag an Arbeitsgeräten, Schabenbefall in der Küche: In einem Autobahn-Restaurant einer „Serways“-Raststätte haben amtliche Lebensmittelkontrolleure schwere Hygienemängel festgestellt. Das zeigen bisher unveröffentlichte Kontrollberichte, die die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenzinitiative FragDenStaat am Donnerstag auf dem Mitmach-Portal „Topf Secret“ online gestellt haben. Bei Überprüfungen von vier weiteren Serways-Raststätten, die foodwatch und FragDenStaat ebenfalls veröffentlichten, dokumentierten die Kontrolleure hingegen keine oder nur geringe Mängel. Die Öffentlichkeit wurde über die Missstände in der Raststätte nicht informiert. foodwatch und FragDenStaat riefen Bürgerinnen und Bürger auf, über „Topf Secret“ weitere Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen bei Behörden zu erfragen, um diese Geheimhaltung zu beenden. Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Nutzer die amtlichen Berichte online mit wenigen Klicks beantragen und später auch veröffentlichen.

„Die bisher geheim gehaltenen Kontrollberichte zeigen einmal mehr: Die meisten Lebensmittelunternehmen in Deutschland arbeiten sauber – aber es gibt einen Bodensatz von Betrieben, die schlichtweg als ekelig bezeichnet werden müssen. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht zu erfahren, welche die Ekelbetriebe sind“, erklärte Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Recherche und Kampagnen bei foodwatch. foodwatch und FragDenStaat forderten Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich endlich für ein bundesweites Transparenzsystem einzusetzen: Behörden müssten per Gesetz verpflichtet werden, ausnahmslos alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen – so wie es in Dänemark seit vielen Jahren der Fall ist. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so die Organisationen.

„Topf Secret ist eine Notwehr-Maßnahme, weil Bund und Länder es jahrelang verschlafen haben, für Transparenz in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen“, sagte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat. „Die Veröffentlichung aller Lebensmittelkontrollergebnisse schafft Klarheit für die Kundinnen und Kunden, schreckt Schmuddelbetriebe ab und ist gleichzeitig die beste Werbung für alle sauber arbeitenden Unternehmen.“

foodwatch und FragDenStaat hatten die Kontrollberichte durch Behördenanfragen über das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten und diese jetzt auf „Topf Secret“ veröffentlicht. Die amtlichen Berichte dokumentieren Kontrollbesuche in den Jahren 2016 bis 2018 bei insgesamt fünf „Gusticus“-Restaurants auf Serways-Raststätten, die zum Unternehmen Tank & Rast gehören. Während bei einem Restaurant keine und bei drei weiteren nur geringe Mängel festgestellt wurden, beanstandeten die Kontrolleure im Restaurant der Raststätte Hardtwald Ost auf der A5 bei Heidelberg schwere Verstöße gegen Hygienevorgaben: „Der Tischdosenöffner war im Bereich des Zapfens durch schwarze Beläge und Lebensmittelreste verunreinigt“, heißt es etwa in dem Bericht. In der Küche fand sich eine Schabe, der Getränkekühlschrank war „durch tote Insekten und leichte sporenartige weiße Beläge verunreinigt“ und „der Getränkeauslauf an der Getränkestation war durch schwarzweiße sporenartige Beläge verunreinigt“. Im Rahmen einer Nachkontrolle, welche drei Monate später stattfand, waren die Mängel laut Behörde „fast vollständig“ behoben. In keinem der Fälle wurde die Öffentlichkeit informiert.

Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in wenigen Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – obwohl seit Jahren jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet wird, größtenteils wegen Hygienemängeln. Auf dem Portal „Topf Secret“, das foodwatch und  FragDenStaat im Januar gestartet haben, können Bürgerinnen und Bürger jetzt selber schnell und einfach VIG-Anträge bei Lebensmittelbehörden stellen und die Ergebnisse veröffentlichen. Ziel ist langfristig, ein Transparenzsystem nach dem Vorbild Dänemarks zu erreichen: Dort erfahren Bürgerinnen und Bürger im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – egal ob Autobahnrestaurant, Metzgerei oder Schulkantine. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es auch in Norwegen oder Wales – und auch dort sank die Quote der beanstandeten Betriebe nach Einführung der Transparenzregelung deutlich.

 

Online-Plattform „Topf Secret“ von foodwatch und FragDenStaat: www.topf-secret.foodwatch.de  

 

 

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<![CDATA[Presse-Statement: foodwatch zu Lebensmittelüberwachung / Veröffentlichung von Hygieneverstößen ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-lebensmittelueberwachung-veroeffentlichung-von-hygieneverstoessen/Wed, 13 Mar 2019 18:27:00 +0100

Zu dem Änderungsantrag von Union und SPD zum Lebensmittelrecht erklärt Oliver Huizinga, Leiter der Abteilung Recherche und Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Die große Koalition tut geradezu so, als ob die Lebensmittelbehörden jetzt auf einmal schnell und umfassend über Hygienemängel informieren – dabei kommt auch mit der neuen Regelung nur ein Bruchteil aller Verstöße überhaupt jemals ans Tageslicht. Es bleibt dabei: Die Bürgerinnen und Bürger werden auch in Zukunft nur in Ausnahmefällen erfahren, wenn Lebensmittelbetriebe gegen Gesetze verstoßen. Denn die Hürden für Behörden, Verstöße publik zu machen, sind nach wie vor viel zu hoch. Das ist das Kernproblem, an das sich Union und SPD gar nicht erst herangetraut haben.

Länder wie Dänemark, Norwegen oder auch Wales zeigen seit Jahren, wie es besser geht: Dort werden immer alle Ergebnisse veröffentlicht, und zwar nicht nur versteckt auf irgendwelchen Behörden-Websites in den Untiefen des Internets, sondern per Aushang direkt an der Ladentür. Die Veröffentlichung ausnahmslos aller Lebensmittelkontrollergebnisse schafft Klarheit für die Verbraucherinnen und Verbraucher, bietet einen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an Hygienevorgaben zu halten und ist gleichzeitig die beste Werbung für alle sauber arbeitenden Unternehmen.“

Hintergrund:

Auch mit der jetzt geplanten Neuregelung des §40 1a des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) bleiben die Hürden für Lebensmittelbehörden, Verstöße gegen lebensmittelrechtliche Verstöße zu veröffentlichen, sehr hoch: Nur wenn ein Bußgeld von mindestens 350 Euro verhängt wird UND die Behörden die Verstöße als „nicht unerheblich“ einstufen oder wiederholt verstoßen wurde, dürfen Behörden überhaupt etwas veröffentlichen. foodwatch kritisiert die Regelung als völlig unzureichend. Die Verbraucherorganisation fordert daher eine eindeutige rechtliche Vorgabe: Lebensmittelbehörden müssten per Gesetz dazu verpflichtet werden, immer ausnahmslos alle Lebensmittelkontrollergebnisse zu veröffentlichen, sowohl positive als auch negative. Erst das schaffe rechtliche Klarheit für die Behörden und Transparenz für die Bürgerinnen und Bürger. Vorbild müsse das erfolgreiche „Smiley-System“ in Dänemark sein. Dort erfahren Bürgerinnen und Bürger im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – egal ob Restaurant, Metzgerei oder Schulkantine. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es auch in Norwegen oder Wales – und auch dort sank die Quote der beanstandeten Betriebe nach Einführung der Transparenzregelung deutlich.

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<![CDATA[Sind glutenfreie, laktosefreie oder vegane Lebensmittel automatisch gesund?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/frage-des-monats/sind-glutenfreie-laktosefreie-oder-vegane-lebensmittel-automatisch-gesund/Wed, 13 Mar 2019 11:55:00 +0100

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp:

Glutenfrei, laktosefrei, vegan – im Supermarkt gibt es ein immer größeres Angebot an Lebensmitteln, die damit werben, frei von bestimmten Inhaltsstoffen zu sein. Für die Lebensmittelindustrie ist das ein wichtiger Trend. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher hören sich diese Produkte gesund an – doch sind sie das wirklich?

Die meisten Menschen vertragen Gluten und Laktose

Zunächst einmal: Der Anteil der Menschen, die Gluten oder Laktose nicht vertragen, ist relativ gering. In Deutschland ist etwa ein Prozent der Menschen von Zöliakie betroffen, einer entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut, die durch Gluten hervorgerufen wird. Das Klebereiweiß ist in den Samen bestimmter Getreidesorten enthalten, zum Beispiel in Weizen, Roggen oder Dinkel. Darüber hinaus gibt es das neue Krankheitsbild der Glutensensitivität. Das betrifft Menschen, die zwar keine Zölikalie haben, aber trotzdem empfindlich auf glutenhaltiges Getreide reagieren, etwa mit Magen-Darm-Beschwerden. Aber auch hiervon sind längst nicht so viele Menschen betroffen, wie die Vielzahl der Produkte im Supermarkt vermuten lässt. Der Großteil der Menschen verträgt Gluten ohne Probleme.

Gesunde Menschen sollten nicht auf glutenhaltiges Getreide verzichten

Für Menschen, die tatsächlich kein Gluten vertragen, ist die neue Produktvielfalt toll. Und auch bei Gesunden können natürlicherweise glutenfreie Zutaten eine Bereicherung des Speiseplans darstellen. Die so genannten Pseudogetreide Quinoa, Amaranth oder Buchweizen etwa punkten mit einem hohen Eiweißgehalt und wertvollen Mineralien. Für gesunde Menschen bringt es jedoch keinen gesundheitlichen Vorteil, grundsätzlich auf Gluten zu verzichten. Im Gegenteil: Ein gutes Vollkornbrot vom Bäcker ist in der Regel gesünder als industriell hergestellte glutenfreie Produkte wie Reiswaffeln oder abgepackte Brote aus Maisstärke oder Sojamehl. Auch der Ersatz eines Müslis aus Getreideflocken durch Reisflocken macht ernährungsphysiologisch wenig Sinn. Denn Vollkorn enthält viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Zudem sind glutenfreie Produkte oft deutlich teurer.

Milchprodukte enthalten wertvolle Nährstoffe

Menschen, die an Laktoseintoleranz leiden (hierzulande etwa 15 Prozent), sind auf Produkte ohne den Milchzucker angewiesen. Für alle, die Laktose vertragen, können Milchprodukte die tägliche Ernährung bereichern. Denn sie enthalten wertvolle Bestandteile wie Kalzium und Eiweiß. Zudem drosselt der Körper die Produktion des zur Verdauung von Laktose nötigen Enzyms Laktase, sobald es nicht mehr gebraucht wird. Verzichtet man freiwillig völlig auf Milchprodukte, züchtet man sich unter Umständen eine Laktoseintoleranz an. Da viele verarbeitete Produkte Milch enthalten, könnte dies zum Problem werden. Wenn man Milchprodukte gut verträgt, sollte man also am besten nicht vollständig auf sie verzichten. Etwas absurd finde ich es, wenn Hersteller den „Laktosefrei-Trend“ dazu nutzen, von Natur aus laktosefreie Lebensmittel wie etwa Parmesan als laktosefrei zu bewerben.

Vor Menschen, die aus ethischen Gründen auf tierische Lebensmittel verzichten, habe ich großen Respekt. Denn es ist ja leider wahr: Die Zustände in der Nutztierhaltung sind häufig miserabel. Aus gesundheitlicher Perspektive hat die vegane Ernährung Vorteile und Nachteile. Wichtig ist, dass man sich genauer mit ihr beschäftigt. Denn es ist gar nicht so einfach, alle Nährstoffe, die wir aus tierischen Quellen aufnehmen können, durch pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen. (Wobei ich damit nicht sagen will, dass sich Fleischesser automatisch ausgewogen ernähren). Ein Risiko ist zum Beispiel eine Mangelversorgung mit dem Vitamin B12, dessen Supplementierung für Veganerinnen und Veganer immer empfohlen wird. 

Vegane Produkte können Speiseplan bereichern

Den meisten von uns würde es gut tun, weniger Fleisch und tierische Fette zu verzehren. Auch für „Allesfresser“ spricht also nichts dagegen, vegane Lebensmittel auszutesten. Das trifft auf Obst und Gemüse natürlich ohnehin zu, aber auch verarbeitete Produkte im Supermarkt können den Speiseplan erweitern. Gerade im Bereich der Milchersatzprodukte wird nun eine Vielzahl von Varianten angeboten, wie Hafer-, Mandel-, oder Cashewdrinks. Es gibt sie auch in der mit Kalzium angereicherten Variante. Auch traditionelle Produkte wie Tofu können eine leckere und gesunde Bereicherung des Speiseplans sein. Für Vegetarierinnen und Veganer, denen es schwerfällt, auf ihr Wurstbrot zu verzichten, finde ich Fleischersatzprodukte eine gute Sache. Und auch für Menschen, die weniger tierische Fette konsumieren möchten, sind sie eine Alternative. Beachten sollte man jedoch, dass vegan nicht automatisch natürlich bedeutet. Häufig sind die Produkte hochverarbeitet und enthalten viele Zusatzstoffe. Ein aktueller Marktcheck der Stiftung Warentest zeigt, dass Veggie-Salami und Veggie-Lyoner im Durchschnitt viel weniger Fett als ihre fleischlichen Pendants enthalten. Allerdings: Ein magerer Kochschinken aus Fleisch ist meistens die fettärmste Variante. Bei Veggie-Aufschnitt lohnt es sich, auf die Qualität des Öls zu achten. Produkte mit Rapsöl punkten mit gesunden Omega-3-Fettsäuren. Kokos- oder Palmfett sind durch hohe Gehalte an gesättigten Fettsäuren nachteilig. 

Wenn man es verträgt, gerne von allem etwas

Fazit: Lebensmittel, die damit werben, glutenfrei, laktosefrei oder vegan zu sein, können den Speiseplan bereichern. Zu einer ausgewogenen Ernährung von gesunden Menschen gehören jedoch auch Getreideprodukte. Für alle Nicht-Veganerinnen und Veganer sind Milchprodukte wertvoller Bestandteil des täglichen Speiseplans. Und auch Fleisch kann zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, so lange man Maß hält.

Foto: © industrieblick / adobeStock

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<![CDATA[Presse-Statement zum ersten Amtsjahr von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-zum-ersten-amtsjahr-von-bundeslandwirtschaftsministerin-julia-kloeckner/Tue, 12 Mar 2019 12:03:00 +0100

Zum ersten Amtsjahr von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner erklärt Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch: 

„Aus Verbrauchersicht ist die Bilanz nach einem Jahr Große Koalition desaströs. Auch die Einführung einer vermurksten Musterfeststellungsklage kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es an vielen Stellen rückwärts statt voran geht. Die ersten zwölf Monate blieben sogar hinter dem zurück, was der fast gänzlich ambitionslose Koalitionsvertrag befürchten ließ. 

Die Landwirtschaftsministerin versteht ihr Amt offenbar vor allem als Möglichkeit zur öffentlichkeitswirksamen Selbstdarstellung - mit launigen twitter-Botschaften, fröhlichen Julia-Klöckner-Fotos und Pressemitteilungen, die mit den Worten 'Julia' und 'Klöckner' beginnen. Darüber ließe sich schmunzeln, wenn Frau Klöckner nicht gleichzeitig knallharte Interessenpolitik zugunsten der Wirtschaft und zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher betreiben würde. Der rote Faden in Julia Klöckners Amtszeit: Anstatt mutige Maßnahmen auch mal gegen die Interessen der Einflüsterer von Bauernverband und Lebenslobby zu ergreifen, setzt die Agrarministerin fast ausschließlich auf Freiwilligkeit – und will das auch noch als vermeintlichen politischen Kompromiss verkaufen. Doch weder die traurigen Zustände in der Nutztierhaltung noch die gewaltigen Gesundheitsprobleme durch Fehlernährung lassen sich durch rein freiwillige Maßnahmen verbessern. 

Andere Länder sind etwa im Kampf gegen ernährungsbedingte Krankheiten viel weiter: Großbritannien bittet die Hersteller von Zuckergetränken zur Kasse, Frankreich führt eine Lebensmittelampel ein, Länder wie Chile beschränken die Werbung für Kinderlebensmittel. Deutschland hinkt der internationalen Entwicklung meilenweit hinterher. Indem sie wirksame Maßnahmen unterlässt, macht sich Frau Klöckner mitschuldig an schweren ernährungsbedingten Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen. Sie stellt sich gegen Transparenz in der Lebensmittelüberwachung und lässt jede Initiative vermissen, die bekannten Schwachstellen des Lebensmittelrechts zu beseitigen, um die Menschen in Zukunft vor Lebensmittelskandalen zu schützen.“

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<![CDATA[Das ist der blanke Hohn!]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/das-ist-der-blanke-hohn/Thu, 07 Mar 2019 11:24:00 +0100Hallo und guten Tag, 

es ist eine der grausamsten Auswüchse unserer Lebensmittelproduktion: Allein in Deutschland werden jedes Jahr etwa 45 Millionen(!) männliche Hühnerküken getötet, kaum dass sie geschlüpft sind. Sie werden mit Kohlendioxid vergast oder geschreddert – im Schnitt weit mehr als 100.000 Hühnerküken Tag für Tag!

Der Hintergrund: Hähne können natürlich keine Eier legen. Gleichzeitig setzen die männlichen Tiere der Legehennenrassen nur wenig Fleisch an, weshalb sie auch nicht für die Mast geeignet sind. Ihr „Fehler“ ist: Sie bringen schlichtweg zu wenig Profit.

Aber was heißt schon „ihr“ Fehler?! Das massenhafte Töten ist die fatale Folge einer perversen Züchtungspolitik durch uns Menschen! Hühnerrassen wurden darauf getrimmt, immer mehr und noch mehr Eier legen zu können – dass sie dadurch für die Fleischproduktion unbrauchbar wurden, ist ein akzeptierter „Kollateralschaden“. Menschen nehmen es in Kauf, dass jedes zweite Tier nur noch ein Kostenfaktor ist – und damit praktisch wertlos. Doch Hühner sind intelligente und sehr soziale Tiere. Es sind fühlende Wesen. Allein schon deshalb müssen wir diese unfassbar grausame Praxis des millionenfachen Kükentötens beenden! Das wird nur passieren, wenn wir gemeinsam Druck machen.

Bisher gilt: Was nicht passt, wird passend gemacht – selbst wenn es Tiere sind, die der Profitmaximierung im Weg stehen. Das Ergebnis: Sauen im engen Kastenstand und Milchkühe in Anbindehaltung, fast jeder Möglichkeit beraubt, sich einfach nur zu bewegen. Menschen kupieren Schweinen die Schwänze, schneiden männlichen Ferkeln ohne Betäubung die Hoden ab und nehmen es in Kauf, dass Legehennen die Knochen brechen, weil ihr Körper das Kalzium in die Produktion der Eierschalen steckt und es für das eigene Skelett nicht mehr ausreicht. Statt Bedingungen zu schaffen, um Tiere so gesund und gut wie möglich halten zu können, versuchen wir, die Tiere nach unseren Bedingungen zu „optimieren“. Damit muss Schluss sein! foodwatch setzt sich für ein grundsätzliches Umdenken in der Tierhaltung und Tierzucht ein. Das ist auch eine Frage des Verbraucherschutzes, denn ich bin davon überzeugt: Viele Verbraucherinnen und Verbraucher wollen tierische Lebensmittel kaufen – aber nicht akzeptieren, wie viele Tiere heute gehalten werden. 

Immerhin hat die Bundesregierung das Thema Küken auf der Agenda. Im Koalitionsvertrag heißt es: „Das Töten von Eintagsküken werden wir bis zur Mitte der Legislaturperiode beenden“. Das hieße: Noch in diesem Jahr! Doch wir haben großen Grund zur Skepsis. Denn passiert ist bisher viel zu wenig. Und Bundesagrarministerin Julia Klöckner hat bisher noch immer ausschließlich auf „freiwillige“ Lösungen gesetzt. Aber warum sollten plötzlich alle Hühnerhalter freiwillig auf das Kükenschreddern verzichten, wenn sie dann nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können? 

Zudem sind wir – leider – an leere Versprechungen gewöhnt. Schon 2015 sagte Julia Klöckners Vorgänger als Landwirtschaftsminister, Christian Schmidt: „Mein Ziel ist es, dass das Kükenschreddern 2017 aufhört.“ Immer wieder betonte er, er wolle das Kükentöten „schnellstmöglich“ beenden. Und was ist dann passiert? Im vergangenen Jahr musste die Bundesregierung zugeben: 2017 wurden in Deutschland sogar noch einmal eine Million mehr Küken vergast und geschreddert als im Jahr zuvor! In dem Jahr, in dem eigentlich SCHLUSS sein sollte mit dem Kükentöten, stieg die Anzahl der getöteten Tiere sogar noch an. 

Es ist der blanke Hohn, und das Töten geht bis heute weiter. Und zwar ganz legal, wie das Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen bestätigte. Es urteilte, dass das massenhafte Kükentöten NICHT gegen das Tierschutzgesetz verstoße. Die Begründung: Das Gesetz erlaube das Quälen und Töten von Tieren, wenn es denn aus einem „vernünftigen Grund“ geschehe, und der sei ja mit der Wirtschaftlichkeit der Betriebe und der Versorgung der Bevölkerung gegeben. Mit anderen Worten: Die Profitinteressen der Betriebe werden höher bewertet als der Tierschutz!

Ich frage Sie: Wollen wir so eine Gesetzeslage einfach achselzuckend hinnehmen? Wollen wir, dass das Profitstreben das millionenfache Töten hilfloser Küken legitimiert? Wenn Sie diese Begründung genauso fragwürdig finden wie wir und diesen unerträglichen Zustand beenden wollen, dann helfen Sie uns dabei! 

Vielleicht sagen Sie sich jetzt: „Kein Problem, schließlich können wir ja Bio-Eier kaufen“. Leider muss ich Sie enttäuschen – denn das Vergasen oder Schreddern männlicher Küken ist auch bei Bio-Betrieben leider immer noch trauriger Alltag. Zwar gibt es eine wachsende Zahl an Initiativen von Bio-Betrieben, in denen auch die männlichen Küken aufgezogen werden. Doch im Normalfall müssen Sie auch beim Kauf von Bio-Eiern davon ausgehen, dass Sie damit das massenhafte Kükentöten unterstützen. Durch die freiwilligen Initiativen einiger Betriebe wird lediglich ein Bruchteil der männlichen Küken gerettet. Es handelt sich also nur um den berühmten Tropfen auf dem heißen Stein.

Für alle anderen männlichen Küken ändert sich nichts. Sie werden weiterhin direkt nach dem Schlüpfen umgebracht. Wenn Sie ENDLICH die Sicherheit haben wollen, beim Lebensmitteleinkauf keine Tierquälerei zu unterstützen, dann helfen Sie uns in unserer Arbeit für eine tiergerechtere Haltung und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch. 

Wir meinen: Die Bundesregierung sollte aufhören, auf freiwillige Lösungen zu setzen. Praktiken wie das sinnlose Kükentöten müssen endlich gestoppt werden. Alle Tiere müssen tiergerecht und vor allem so gesund wie möglich gehalten werden – in jedem landwirtschaftlichen Betrieb! Wir müssen den Druck auf die Politik erhöhen. Doch dazu benötigen wir Ihre Hilfe! Je mehr Unterstützerinnen und Unterstützer foodwatch hinter sich weiß, umso besser können wir uns Gehör verschaffen.  

Vielen Dank und herzliche Grüße

Ihr Martin Rücker, foodwatch

P.S.: Geld ist das eine. Die Anzahl unserer Fördererinnen und Förderer spielt aber auch eine große Rolle, um uns als Organisation Gehör zu verschaffen. Je mehr Unterstützerinnen und Unterstützer wir haben, desto leichter können wir Druck ausüben. Deshalb: Werden Sie bitte Förderin/Förderer von foodwatch und kämpfen Sie gemeinsam mit uns für Ihr Recht! 

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<![CDATA[Presse-Statement – foodwatch zu Transparenz über Lebensmittelkontrollen: „Ministerin Sütterlin-Waack darf nicht die Verantwortung auf die Bürgerinnen und Bürger abwälzen“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-transparenz-ueber-lebensmittelkontrollen-ministerin-suetterlin-waack-darf-nicht-die-verantwortung-auf-die-buergerinnen-und-buerger-abwaelzen/Thu, 28 Feb 2019 11:33:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat haben den Vorschlag der schleswig-holsteinischen Verbraucherministerin Sabine Sütterlerlin-Waack kritisiert, wonach Verbraucherinnen und Verbraucherin künftig nur auf Nachfrage die Hygiene-Kontrollberichte eines Lebensmittelbetriebes einsehen können – die Berichte aber nicht veröffentlicht werden dürfen. Die Initiatoren der Online-Plattform „Topf Secret“ fordern stattdessen ein Transparenz-System nach dem Vorbild Dänemarks.

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch, erklärt: 

„Schön, dass sich in Schleswig-Holstein überhaupt etwas tut. Aber: Es ist völlig abwegig, dass Bürgerinnen und Bürger jetzt selber Lebensmittelkontrolleur spielen sollen. Wer bitte will vor einem Restaurantbesuch den Gastwirt nach dem Lebensmittelkontrollbericht fragen? Ministerin Sütterlin-Waack darf nicht einfach die Verantwortung auf die Bürgerinnen und Bürger abwälzen. Die Ministerin sollte vielmehr über die Grenze nach Dänemark schauen: Sie muss sich dafür stark machen, dass Behörden grundsätzlich Transparenz über die Ergebnisse aller Lebensmittelkontrollen schaffen – und zwar nicht nur auf Nachfrage, sondern proaktiv, direkt an der Ladentür von allen Lebensmittelbetrieben wie es in Dänemark längst üblich ist. Erst das schafft echte Transparenz für die Bürgerinnen und Bürger und einen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an die Hygienevorgaben zu halten.

Zudem muss die Ministerin eine klare Weisung geben, dass die etwa 900 in ihrem Bundesland gestellten Anträge nach Hygieneberichten auch tatsächlich beantwortet werden. Die Bürgerinnen und Bürger haben ein Recht auf die beantragten Infos – das kann Frau Sütterlin-Waack nicht einfach ignorieren.“

 

Online-Plattform „Topf Secret“: www.topf-secret.foodwatch.de 

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<![CDATA[Internes Schreiben zeigt: Gastro-Lobby will Veröffentlichungen von Hygiene-Kontrollergebnissen auf Verbraucherportal „Topf Secret“ verhindern – foodwatch und FragDenStaat: DEHOGA schüchtert Verbraucher und Behörden ein ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/internes-schreiben-zeigt-gastro-lobby-will-veroeffentlichungen-von-hygiene-kontrollergebnissen-auf-verbraucherportal-topf-secret-verhindern-foodwatch-und-fragdenstaat-dehoga-schuechtert-verbraucher-und-behoerden-ein/Wed, 27 Feb 2019 13:03:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat haben den Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) für seinen Umgang mit der Hygiene-Plattform „Topf Secret“ scharf kritisiert: Der Verband schüchtere mit fragwürdigen Argumenten Verbraucherinnen und Verbraucher ein und setze Behörden unter Druck, die Hygienekontrollergebnisse geheim zu halten. Wie aus einem internen Schreiben hervorgeht, ruft der DEHOGA alle seine Mitglieder auf, bei Topf Secret-Anfragen die Herausgabe von Kontrollberichten durch die Behörde abzulehnen. In dem als „Antwortmuster für betroffene Betriebe“ bezeichneten Papier werden die Behörden zudem aufgefordert, „Maßnahmen zu ergreifen, um Veröffentlichungen zu unterbinden“, denn angeblich sei die Internetplattform Topf Secret „rechtswidrig“. Außerdem ist vorgesehen, dass die betroffenen Betriebe von den Behörden stets Namens und Anschrift der Antragstellerinnen und Antragsteller verlangen. Mit dieser Einschüchterungstaktik wolle der Lobbyverband die Bürgerinnen und Bürger um ihre gesetzlichen Informationsrechte beschneiden, kritisierten foodwatch und FragDenStaat.

„Die Gastro-Lobby wehrt sich mit allen Mitteln gegen mehr Transparenz bei Lebensmittelkontrollen. Der Verband schützt die Schmuddelbetriebe und arbeitet gegen den Großteil der eigenen Mitglieder. Bei drei Viertel der Lebensmittelbetriebe in Deutschland werden bei amtlichen Kontrollen keine Verstöße festgestellt – für die allermeisten Unternehmen wäre mehr Transparenz die beste Werbung“, erklärte Arne Semsrott, Projektleiter von FragDenStaat.

Unter www.topf-secret.foodwatch.de können Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und im Anschluss veröffentlichen. Rund einen Monat nach Start der Plattform wurden deutschlandweit mehr als 18.000 Anträge gestellt. Der Gastro-Verband DEHOGA wehrte sich bereits in den vergangenen Wochen gegen „Topf Secret“: Die Veröffentlichung von Hygiene-Kontrollberichten auf dem Portal sei „rechtswidrig“. foodwatch und FragDenStaat riefen angeblich zum „Rechtsbruch“ auf, denn „ausschließlich die zuständigen Behörden“ dürften über Hygienemängel informieren, schrieb der Lobbyverband in einer Stellungnahme. Diese Auffassung wird jedoch selbst vom eigenen Dachverband, dem Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft (BLL) ausdrücklich „nicht geteilt“. Das zeigt ein internes Schreiben des BLL an seine Mitglieder – darunter auch der DEHOGA. Antragsstellerinnen und Antragssteller dürfen demnach sehr wohl die erlangten Infos auf „Topf Secret“ veröffentlichen. foodwatch und FragDenStaat hatten den DEHOGA aufgefordert, die Falschaussagen zurückzuziehen. Dieser erklärte jedoch gegenüber den beiden Organisationen, an seiner Rechtsauffassung festzuhalten. Die Stadt Köln war der Auffassung des DEHOGA zunächst gefolgt und verschickte einen Hinweis an alle Antragsstellerinnen und Antragstellern, wonach eine Veröffentlichung der Kontrollergebnisse nicht erlaubt sei. Nach der Kritik von foodwatch und FragDenStaat ruderte das Umwelt- und Verbraucherschutzamt zurück und versprach, einen solchen Hinweis künftig nicht mehr zu versenden: "Alle Verbraucher sollen Anspruch auf Information über bestimmte Daten und Produkte erhalten, die den Behörden vorliegen", sagte eine Sprecherin gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist – obwohl seit Jahren jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet wird, größtenteils wegen Hygienemängeln. „Topf Secret“ will Licht ins Dunkel bringen und Druck aufbauen, damit Behörden in Zukunft ausnahmslos alle Kontrollergebnisse veröffentlichen müssen. Erst das schaffe den nötigen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten, so foodwatch und FragDenStaat. In Dänemark zum Beispiel erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher im Internet und direkt an der Ladentür anhand von Smiley-Symbolen, wie es um die Sauberkeit in Lebensmittelbetrieben bestellt ist. Wenige Jahre nach Einführung des Smiley-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf rund 15 Prozent. Ähnliche Transparenzsysteme gibt es zum Beispiel auch in Norwegen und Wales.

foodwatch und FragDenStaat forderten den DEHOGA auf, seinen Widerstand gegen mehr Transparenz über Lebensmittelkontrollen aufzugeben. „Auch in Dänemark waren viele Gastronomen zunächst gegen die Veröffentlichung von Hygiene-Kontrollergebnissen. Das hat sich geändert: Jetzt unterstützen die meisten Gewerbetreibenden mehr Transparenz, denn sie sehen: Das System ist fair – für die Kundinnen und Kunden genauso wie für die Betriebe“, sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Coca-Cola-Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaft – Beschwerde beim Rat der Europäischen Union und Rumänien ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-kritisiert-coca-cola-sponsoring-der-eu-ratspraesidentschaft-beschwerde-beim-rat-der-europaeischen-union-und-rumaenien/Tue, 26 Feb 2019 11:35:00 +0100

Amsterdam/Berlin/Paris, 26. Februar 2019. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat das Sponsoring der rumänischen EU-Ratspräsidentschaft durch Coca-Cola scharf kritisiert. In einem offenen Brief forderte foodwatch EU-Ratspräsident Donald Tusk und die rumänische Premierministerin Viorica Dăncilă auf, die Partnerschaft mit Coca-Cola unverzüglich zu beenden. Angesichts grassierender Fettleibigkeit und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes sei die Zusammenarbeit absolut unangebracht. Zudem würden solche Sponsoring-Partnerschaften das Vertrauen der Öffentlichkeit in die EU-Institutionen schwächen – dabei wäre es im Gegenteil wichtig, das Vertrauen zu stärken, so foodwatch. Die europäische Verbraucherorganisation forderte klare Regeln zum Sponsoring von EU-Organen durch Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Unter www.aktion-coke-eu.foodwatch.de startete foodwatch eine Online-Petition gegen das Sponsoring durch Coca-Cola.

„Wenn eine der wichtigsten politischen Institutionen in Europa durch den größten Getränkekonzern der Welt gesponsert wird, ist das schlichtweg inakzeptabel. Die Sponsoring-Partnerschaft der EU mit Coca-Cola schadet der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Politik in Europa", sagte Andreas Winkler von foodwatch. „In vielen EU-Staaten wird zum Beispiel gerade über eine stärke Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken diskutiert – eine politische Maßnahme, gegen die Coca-Cola seit Jahren entschieden ankämpft. Es darf niemals der Fall sein – und auch nicht der Anschein erweckt werden –, dass ein Unternehmen Einfluss auf die politische Agenda der EU hat.“

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union rotiert unter den 28 EU-Mitgliedstaaten im Halbjahres-Rhythmus. Im Januar 2019 hat ihn Rumänien übernommen. Coca-Cola ist einer von nur wenigen „Platin-Partnern“. Auch die rumänische Bierbrauereiorganisation Berarii und Mercedes unterstützen die Präsidentschaft. Journalisten von ZDF und ARD hatten sich überrascht darüber gezeigt, dass Coca-Cola als Sponsor auftritt. So wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EU-Außenminister-Treffens in Bukarest mit Aufstellern begrüßt, auf denen es hieß: "Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Es gab Coca-Cola-Sitzsäcke, Plakate und – wenig überraschend – Getränke.

Bilder: Tweets von Journalisten, die das Sponsoring der rumänischen Präsidentschaft durch Coca-Cola zeigen. (Siehe Twitter)

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

foodwatch kritisierte, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik dürfe nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts sollte vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtige, so foodwatch. Das Sponsoring von Coca-Cola sei nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert werde – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehre. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Andreas Winkler von foodwatch: „foodwatch tritt ein für eine demokratische Europapolitik, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger in den Vordergrund stellt – und nicht die Interessen von großen Konzernen. Der massive Lobbyeinfluss der Lebensmittelindustrie muss aufhören."

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

foodwatch kritisierte, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik dürfe nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts sollte vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtige, so foodwatch. Das Sponsoring von Coca-Cola sei nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert werde – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehre. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Andreas Winkler von foodwatch: „foodwatch tritt ein für eine demokratische Europapolitik, die die Interessen der Bürgerinnen und Bürger in den Vordergrund stellt – und nicht die Interessen von großen Konzernen. Der massive Lobbyeinfluss der Lebensmittelindustrie muss aufhören."

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Coca-Cola-Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaft]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/coca-cola-sponsert-die-eu/Mon, 25 Feb 2019 17:17:00 +0100

Coca-Cola finanziert als offizieller Partner die europäische Ratspräsidentschaft Rumäniens. foodwatch hat EU-Ratspräsident Donald Tusk und die rumänische Premierministerin Viorica Dăncilă aufgefordert, die Partnerschaft unverzüglich zu beenden. Angesichts grassierender Fettleibigkeit und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes ist eine solche Sponsoring-Partnerschaft absolut unangebracht – und schwächt zudem das Vertrauen der Öffentlichkeit in die EU-Institutionen.

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union rotiert unter den 28 EU-Mitgliedstaaten im Halbjahres-Rhythmus. Im Januar 2019 hat ihn Rumänien übernommen. Coca-Cola ist einer von nur wenigen „Platin-Partnern“. Auch die rumänische Bierbrauereiorganisation Berarii und Mercedes unterstützen die Präsidentschaft. Journalisten von ZDF und ARD hatten sich überrascht darüber gezeigt, dass Coca-Cola als Sponsor auftritt. So wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EU-Außenminister-Treffens in Bukarest mit Aufstellern begrüßt, auf denen es hieß: "Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Es gab Coca-Cola-Sitzsäcke, Plakate und – wenig überraschend – Getränke.

Tweets von Journalisten, die das Sponsoring der rumänischen Präsidentschaft durch Coca-Cola zeigen.

Protestaktion gegen Coca-Cola-Sponsoring 

foodwatch kritisiert die Zusammenarbeit der EU mit dem größten Getränkekonzern der Welt in einem offenen Brief als absolut inakzeptabel. Es braucht endlich klare Regeln zum Sponsoring von EU-Organen durch Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden! Unter www.aktion-coke-eu.foodwatch.de hat foodwatch eine Online-Protestaktion dazu gestartet.

Jetzt unterzeichnen!

„Die Sponsoring-Partnerschaft der EU mit Coca-Cola schadet der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Politik in Europa. In vielen EU-Staaten wird zum Beispiel gerade über eine stärke Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken diskutiert – eine politische Maßnahme, gegen die Coca-Cola seit Jahren entschieden ankämpft. Es darf niemals der Fall sein – und auch nicht der Anschein erweckt werden –, dass ein Unternehmen Einfluss auf die politische Agenda der EU hat.“

Andreas Winkler von foodwatch

Coca-Cola-Sponsoring ist kein Einzelfall

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

Sponsoring schwächt Vertrauen in die Politik

foodwatch kritisiert, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik darf nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts muss vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtigt. Das Sponsoring von Coca-Cola ist nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert wird – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehrt. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Jetzt Aktion unterzeichnen!

 

 

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<![CDATA[Alnatura ruft Kinder-Müsli und Kekse zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/alnatura-ruft-kinder-muesli-und-kekse-zurueck/Thu, 21 Feb 2019 09:57:00 +0100

Die Supermarktkette Alnatura hat Kinder-Bircher-Müsli und Müslikekse wegen möglicher Gesundheitsgefahren zurückgerufen. In den Produkten könnten sich Teile von Apfelstielen befinden.

Das Handelsunternehmen Alnatura hat aus vorsorglichen Gründen zwei seiner Produkte zurückgerufen, in denen sich nach Angaben des Unternehmens Teile von Apfelstielen befinden können. Betroffen seien das Alnatura Kinder-Bircher-Müsli mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.10.2019 und 02.11.2019 sowie die Alnatura Müslikekse für Kinder ab dem 15. Monat mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 04.09.2019, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Die Ware sei aus dem Handel genommen worden, hieß es.

Folgende Produkte sind vom Rückruf betroffen:

  • das Alnatura Kinder-Bircher-Müsli (ab 1 Jahr) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.10.2019 und 02.11.2019 sowie
  • die Alnatura Müslikekse (ab 15. Monat) mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 04.09.2019. 

Wer eine Packung mit einem der genannten Mindesthaltbarkeitsdaten zu Hause habe, könne diese zurückbringen und Ersatz erhalten. Andere Müslis oder Kekse oder Produkte mit einem anderen Mindesthaltbarkeitsdatum seien von dem Rückruf nicht betroffen, erklärte Alnatura.

dpa

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<![CDATA[Presse-Statement: foodwatch zu lebensmittelwarnung.de]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-foodwatch-zu-lebensmittelwarnungde/Tue, 19 Feb 2019 17:27:00 +0100

Zu den Änderungen an dem staatlichen Portal lebensmittelwarnung.de erklärt Martin Rücker, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Trotz aller Änderungen erfüllt das Portal noch immer nicht einmal im Ansatz das Ziel, Menschen schnell und zuverlässig vor gefährlichen Produkten zu warnen. Bereits 2011 hatten Bund und Länder schriftlich fest vereinbart, dass die Menschen über das Portal per E-Mail-Newsletter informieren lassen können – das ist bis heute nicht umgesetzt, von einer Verbreitung über viel genutzte Kanäle wie Facebook oder Instagram ganz zu schweigen.

Ministerin Julia Klöckner, die ständig von Digitalisierung redet, blamiert sich mit diesem Trauerspiel bis auf die Knochen – und versagt kläglich dabei, die Menschen vor ernsthaften Gesundheitsrisiken zu schützen. Selbst bei einem so wichtigen Thema wie Produktwarnungen ist das Internet für Bundesregierung und Länder offenbar immer noch ‚Neuland‘“.

Hintergrund:

Unter www.lebensmittelwarnung.de sollen Verbraucherinnen und Verbraucher ab sofort zum Beispiel auch bei gesundheitsschädlichen Cremes oder Shampoo, Spielzeug, Kleidung oder Schmuck gewarnt werden. Das Portal wurde um Kosmetika und Bedarfsgegenstände erweitert, teilte das zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Dienstag mit. Unternehmen und Behörden können dort ihre Rückrufe veröffentlichen.

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<![CDATA[Demokratie in Gefahr?]]>https://www.foodwatch.org/de/newsletter/demokratie-in-gefahr/Fri, 15 Feb 2019 11:13:00 +0100

Hallo und guten Tag, 

als es vor einigen Wochen so aussah, als würde die betäubungslose Kastration kleiner Ferkel endlich verboten werden, waren Bauern- und Fleischlobbyisten in heller Aufruhr. Die Verbände setzten alle Hebel in Bewegung, um die grausame, aber seit Jahren praktizierte Methode wenigstens noch weitere zwei Jahre zu erlauben. Johannes Röring etwa, Bauernverbandspräsident in Westfalen, wandte sich an die Bundestagsabgeordneten und forderte eine „Fristverlängerung“. Wie praktisch, dass der Weg nicht allzu weit war – schließlich ist Herr Röring nicht nur Lobbyist, sondern auch gleich noch selbst Bundestagsabgeordneter. Als Nebenjob, im Hauptberuf – ja, was eigentlich??

Die meisten Menschen haben EINEN Job und sind damit voll ausgefüllt. Andere brauchen zwei, um irgendwie über die Runden zu kommen. Johannes Röring aber, einer der einflussreichsten Politiker, wenn es um unsere Lebensmittel geht, muss ein wahrer Tausendsassa sein. Er sitzt im Agrarausschuss des Bundestages und ist GLEICHZEITG Chef eines Agrarlobbyverbandes in NRW und Präsidiumsmitglied des mächtigen Bauernverbandes – aber nicht nur: Insgesamt führt der Abgeordnete sage und schreibe 21 (!) Funktionen „nebenher“ auf. Und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist er selbst als Landwirt mit einem Schweinemastbetrieb aktiv. Da lobbyiert einer für die eigenen Interessen – und kann im Ausschuss und im Bundestag in eigener Sache gleich mitentscheiden… 

Bei den Ferkeln haben wir verloren: Der Bundestag stimmte am Ende mehrheitlich dafür, die betäubungslose Kastration noch einmal zwei Jahre zuzulassen – ein echter Skandal. Doch bei unserem Kampf gegen den schädlichen Einfluss der Agrar- und Lebensmittellobby dürfen wir nicht aufgeben! Wir müssen die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik offenlegen und zum Thema machen. Ich bin mir sicher, dass der Verbraucher-, Umwelt- oder Tierschutz nur dann nicht unter die Räder kommt, wenn WIR außerhalb des Bundestages Druck machen. Helfen Sie uns dabei, eine Gegenmacht der Verbraucherinnen und Verbraucher aufzubauen und schließen Sie sich uns an.

Wie ist es möglich, dass jemand als Abgeordneter genau für den Bereich zuständig ist, indem er als Unternehmer und Lobbyist auf eigene Rechnung arbeitet? Die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik nimmt ein Ausmaß an, das hochproblematisch für unsere Demokratie ist! Leider geht es nicht um Einzelfälle! Zum Beispiel Peter Bleser: Jahrelang oberster Verbraucherschützer seiner Fraktion, "nebenher" Aufsichtsratschef eines Agrarhändlers mit Milliardenumsatz, 2006 "Pate" (!) für Felder mit genverändertem Monsanto-Mais - Ende 2017 machte er sich als Staatssekretär im Namen der Bundesregierung für den weiteren Einsatz des Ackergifts Glyphosat stark, mit dem vor allem Monsanto Profit macht.

Gibt es denn gar keine Schamgrenze? Eine solche Verquickung von Interessen DARF es einfach nicht geben! Wenn Lobbyisten in Bundestag und Bundesregierung ihre eigenen Gesetze bauen und über die eigenen Subventionen entscheiden, hilft nur eins: WIR Verbraucherinnen und Verbraucher müssen dagegen halten!

Das Schlimmste ist: Im Ernährungs- und Agrarbereich gibt es eine kaum enden wollende Zahl von Überschneidungen zwischen Unternehmen, Lobbyverbänden und der Politik. Es wimmelt nur so von Interessenkonflikten, munter werden die Rollen gewechselt und vermischt:

Friederich-Otto-Ripke: erst Staatssekretär in Niedersachsen, dann Lobbyist für die Geflügelwirtschaft

Günther Tissen: jahrelang Regierungsdirektor im Bundesernährungsministerium, heute Cheflobbyist der deutschen Zuckerindustrie. 

Karl-Heinz-Funke: früher Bundeslandwirtschaftsminister, jetzt im Kuratorium der Wiesenhof-Stiftung

Christian von Boetticher: erst Umwelt- und Agrarminister in Schleswig-Holstein, heute Lebensmittelproduzent und Vizechef des Lobbyverbandes der Ernährungsindustrie und noch immer Landeschef des einflussreichen CDU-Wirtschaftsrats. 

Franz-Josef Holzenkamp: lange Zeit "verbraucherpolitischer Sprecher" seiner Bundestagsfraktion, jetzt (und bereits neben dem Mandat) Chef des mächtigen Raiffeisenverbandes.

Silvia Breher: Holzenkamps Nachfolgerin im Bundestag, erst Geschäftsführerin eines Bauernlobbyverbandes, jetzt im Agrarausschuss des Bundestages.

Gert Lindemann: erst Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium (das ist das Ministerium, das auch FÜR den Verbraucherschutz da ist!), danach Aufsichtsrat bei Nordzucker, einem Konzern, der zu den Top-Profiteuren von Agrarsubventionen gehört. Und dann, als ob nichts gewesen sei, plötzlich zum Landwirtschafts- und Verbraucherminister in Niedersachsen berufen...

Matthias Berninger: erst Verbraucherschutzstaatssekretär, dann Konzernvertreter für Mars und Mit-Verhinderer der Ampelkennzeichnung, jetzt Lobbyist für Bayer-Monsanto - angeblich, weil er sich dort für die Welternährung einsetzen möchte.

Diese Liste ist keineswegs vollständig. Und jetzt frage ich Sie: Wie soll die Landwirtschaft verbraucher- und umweltfreundlicher werden, der Tierschutz verbessert, der Pestizideinsatz reduziert, der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung erfolgreich geführt werden, wenn in Bundestag und Bundesregierung Politiker sitzen, die so eng mit der Branche verbandelt sind? Wenn Abgeordnete und Staatssekretäre munter durch die Drehtür in den Lobbyjob wechseln? Es gibt nur einen Weg, ihnen etwas entgegenzusetzen: Wir müssen es selbst tun! Wir müssen Verflechtungen recherchieren und Einflussnahmen öffentlich machen. Wir müssen es zum Thema machen, wenn einfach Wirtschaftsinteressen bedient werden - zum Schaden von uns allen. Helfen Sie uns, die Stimme der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken und eine Gegenlobby aufzubauen. 

Diese Interessenverquickung führt unsere Demokratie ad absurdum. Die Süddeutsche Zeitung zitierte unlängst einen Politiker, der nach einer kritischen Rede von einem Agrarminister angesprochen worden sei: "Wenn du irgendwann auch auf Linie bist, dann sorgen wir auch für dich." - "Lukrative Posten" als Gegenleistung für Linientreue? Das schlägt dem Fass den Boden aus! Da sitzen Abgeordnete mit Nebenjobs, die in eigener Sache lobbyieren und dann über ihre eigenen Interessen abstimmen. Verbände und Unternehmen kaufen sich Ex-Politiker ein, die ihre Drähte in die Politik nutzen, um Wirtschaftsinteressen durchzusetzen. Und wenn einer immer noch nicht auf Linie ist, zeigt man ihm schon mal dezent, wo es lang geht. Das können wir uns nicht länger gefallen lassen! Helfen Sie uns, eine starke Gegenlobby aufzubauen.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Ihr Martin Rücker,

Geschäftsführer

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<![CDATA[Rückruf bei Lidl: Kunststoffe in geriebenem Käse]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-bei-lidl-kunststoffe-in-geriebenem-kaese/Wed, 13 Feb 2019 16:35:00 +0100

Beim Discounter Lidl wird geriebener Gouda der Marke Milbona zurückgerufen. Der niederländische Hersteller Delicateur könne nicht ausschließen, dass in dem betroffenen Produkt Kunststofffremdkörper enthalten sind, teilte Lidl Deutschland am Dienstag mit.

Betroffen sei das Produkt „Milbona Gouda jung gerieben, mindestens 7 Wochen gereift, 250g“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 21.04.2019, den Losnummern 834799538051020190121 und 834799538051021190121 und dem Identitätskennzeichen NL Z 0507 i EG.

Die Packungen wurden nach Angaben des Discountunternehmens in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz verkauft. Wegen der möglichen Verletzungsgefahr sollen Kunden den betroffenen Käse nicht konsumieren. Das Produkt könne in allen Lidl-Filialen zurückgegeben werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Der Kaufpreis werde erstattet – auch ohne Vorlage des Kassenbons. Hier die offizielle Meldung auf lebensmittelwarnung.de

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

(mit dpa)

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Verfassungsgericht soll undemokratische Handelsabkommen prüfen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/freihandelsabkommen/aktuelle-nachrichten/verfassungsgericht-soll-undemokratische-handelsabkommen-pruefen/Tue, 12 Feb 2019 15:06:00 +0100

foodwatch, Campact und Mehr Demokratie wollen vom Bundesverfassungsgericht prüfen lassen, ob so genannte „EU-only“-Handelsabkommen rechtens sind. Der EU-Singapur-Deal könnte der erste Dutzender Verträge sein, bei denen die EU die Zustimmungspflicht der Mitgliedsländer umgeht. 

Anlässlich der Abstimmung im Europäischen Parlament über das Handelsabkommen zwischen der EU und Singapur (EUSFTA) haben Mehr Demokratie, foodwatch und Campact eine Verfassungsbeschwerde angekündigt. EUSFTA ist ein "EU-only-Abkommen". Diese Handelsabkommen will die EU künftig in zwei Teile aufspalten, einen für Investitionen und einen für Handel. Über den Handelsteil will sie ohne die Mitgliedstaaten entscheiden – damit will sie die Zustimmungspflicht der Mitgliedsländer umgehen.  Sollte das EU-Parlament dem Abkommen zustimmen, will das Bündnis nach Karlsruhe ziehen. Die Organisationen befürchten, dass Dutzende weiterer Verträge folgen werden, bei denen die Mitgliedstaaten beim Handelsteil außen vor bleiben.

Parlamente verlieren an Einfluss

Durch Abkommen wie dem EU-Singapur-Deal drohen mehr als nur investorenfreundliche Schiedsgerichte. Die Mitgliedstaaten können in wichtigen politischen Fragen umgangen werden. Dabei sind Umweltrecht, Sozialrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht und viele andere Bereiche unmittelbar mit dem internationalen Handel verknüpft.

foodwatch, Campact und mehr Demokratie kritisieren, dass sich so gut wie jede Regelung eines EU-Mitgliedstaats in irgendeiner Form auf den grenzüberschreitenden Wirtschaftsverkehr auswirken kann. Die EU kann über diesen Weg leicht in die Mitgliedstaaten hineinregieren, ohne dass deren Parlamente darauf Einfluss haben. Umgekehrt sind in Handelsabkommen auch Politikbereiche enthalten, die in der Kompetenz der Mitgliedstaaten liegen. 

Bürgerinnen und Bürger können sich der Beschwerde anschließen!

Ab dem 13. Februar können sich Wahlberechtigte über www.verfassungsbeschwerde.eu beteiligen und Co-Beschwerdeführende werden. Die Kosten tragen die Organisationen. Eine Einreichung der kompletten Beschwerdeschrift beim Bundesverfassungsgericht ist noch vor Jahresmitte geplant. Die Organisationen gehen davon aus, dass die Entscheidung in diesem Fall maßgeblich für weitere Handelsabkommen sein wird.

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<![CDATA[„Gremium praktisch wirkungslos“: Deutsche Diabetes Gesellschaft steigt aus Julia Klöckners Beraterkreis zur Zuckerreduktion aus – freiwillige Maßnahmen zum Scheitern verurteilt]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/gremium-praktisch-wirkungslos-deutsche-diabetes-gesellschaft-steigt-aus-julia-kloeckners-beraterkreis-zur-zuckerreduktion-aus-freiwillige-massnahmen-zum-scheitern-verurteilt/Tue, 12 Feb 2019 10:35:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Entscheidung der Deutschen Diabetes Gesellschaft begrüßt, aus dem Beraterkreis von Ernährungsministerin Julia Klöckner zur Zuckerreduktion auszusteigen. Die medizinische Fachorganisation hatte am Dienstag die Teilnahme abgelehnt, da das Gremium „praktisch wirkungslos“ sei. „Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, muss bereits jetzt als gescheitert angesehen werden“, teilte die Diabetes Gesellschaft mit. Das Expertengremium ist Teil von Julia Klöckners „Nationaler Reduktionsstrategie“, mit der die Ministerin Lebensmittelhersteller freiwillig dazu bewegen will, weniger Zucker, Fett und Salz in ihren Produkten zu verwenden. foodwatch forderte Frau Klöckner auf, anstatt freiwilliger Selbstverpflichtungen mit der Wirtschaft, verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht auf den Weg zu bringen. 

„Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems. Coca-Cola, Ferrero & Co. haben kein Interesse daran, eine gesunde Ernährung zu fördern – sie verdienen ihr Geld mit Zuckerbomben“, sagte Oliver Huizinga von foodwatch. „Julia Klöckner muss endlich ihren Job als Ernährungsministerin machen. Wir brauchen eine verständliche Lebensmittelampel, eine Limo-Steuer und Werbeverbote für ungesunde Kinderprodukte. Andere Länder zeigen längst, wie moderne Ernährungspolitik aussehen kann. Doch Frau Klöckner traut sich bisher nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf.“

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hatte Ende 2018 die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ auf den Weg gebracht. Erklärtes Ziel ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Das Papier setzt jedoch nur auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche –  und bleibt damit weit hinter den Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Erst kürzlich etwa hatten führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report effektive Maßnahmen angemahnt, um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung sei zum Scheitern verurteilt, hieß es in der im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie. Auch Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass rein freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen: Dort war ein Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert.

In Deutschland fordern Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland schon lange zum Beispiel eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert.

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<![CDATA[Diabetesgesellschaft verlässt Klöckners Beratergremium für freiwillige Zuckerreduktion]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/diabetesgesellschaft-verlaesst-kloeckners-beratergremium-fuer-freiwillige-zuckerreduktion/Tue, 12 Feb 2019 10:10:00 +0100

Es war im Dezember vergangenen Jahres, als Julia Klöckner mit großem Tamtam ihre „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ ins Leben rief. Erklärtes Ziel: „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Statt dafür aber – wie von der medizinischen Fachwelt seit Jahren gefordert – verbindliche Maßnahmen wie eine Lebensmittelampel oder eine Limo-Steuer einzuführen, sollen die Hersteller von Fertigprodukten freiwillig weniger Zucker in ihre Produkte tun. 

„Praktisch wirkungslos“

Die Initiative überwachen soll ein Beraterkreis aus Verbraucherschützern, der Lebensmittelwirtschaft und wissenschaftlichen Fachorganisationen. Doch unmittelbar vor Arbeitsbeginn hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) das Gremium bereits wieder verlassen. 

Das Gremium sei „praktisch wirkungslos“, erklärte die DDG den Schritt. „Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, muss bereits jetzt als gescheitert angesehen werden.“

„Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems. Coca-Cola, Ferrero & Co. haben kein Interesse daran, eine gesunde Ernährung zu fördern – sie verdienen ihr Geld mit Zuckerbomben. Andere Länder zeigen längst, wie moderne Ernährungspolitik aussehen kann. Doch Frau Klöckner traut sich bisher nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Freiwillige Reduktionsstrategie in den Niederlanden gescheitert

Erst kürzlich etwa hatten führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report effektive Maßnahmen angemahnt, um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung sei zum Scheitern verurteilt, hieß es in der im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie. Auch Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass rein freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen: Dort war ein Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert.

In Deutschland fordern Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland schon lange zum Beispiel eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. 

Foto: © picture alliance / Sammy Minkoff

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Umfrage unter Supermärkten: Rückruf-Aktionen haben keine Priorität]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/umfrage-unter-supermaerkten-rueckruf-aktionen-haben-keine-prioritaet/Mon, 11 Feb 2019 12:30:00 +0100

Viele Menschen bekommen nicht mit, wenn beispielsweise Lebensmittel mit Salmonellen verunreinigt oder Fremdkörper enthalten sind – was erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann. Schuld ist auch die dürftige Informationspolitik der Handelsketten. 

Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hamburg und den Rückrufportalen Produktrückrufe.de und Produktwarnung.eu appeliert foodwatch an den Handel, konsequenter und einheitlicher über Lebensmittelwarnungen zu informieren. 

Eine von den Organisationen durchgeführte Umfrage unter Supermärkten und Discountern ergab: Bei einem Großteil der 35 befragten Handelsunternehmen haben Warnungen zum Schutz ihrer Kunden offenbar keine Priorität. 

„Lebensmittelgeschäfte spielen eine zentrale Rolle bei Lebensmittelwarnungen. Mit ihrer mangelhaften Informationspolitik machen sich Handelsunternehmen mitschuldig an vermeidbaren, teils schweren Erkrankungen. Ministerin Julia Klöckner muss dem Handel vorschreiben, Lebensmittelwarnungen immer und auf allen Kanälen zu verbreiten: im Laden, per Newsletter und auf Facebook, bei Fremdmarken genauso wie bei Eigenprodukten.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

Die fünf wichtigsten Ergebnisse der Umfrage

-  Das große Schweigen: 66 Prozent des Handels antworteten gar nicht auf die Nachfragen der Verbraucherschützer.

- Wenig Einheitlichkeit: Jeder Anbieter warnt anders. Ein erheblicher Anteil der befragten Unternehmen lässt sich nicht in die Karten blicken und verweist nur auf die rechtlichen Mindeststandards. Aus Sicht von foodwatch sollte die Kommunikation über alle Händler hinweg vereinheitlicht werden, zum Beispiel durch ein gleiches Layout und gleiche Platzierung der Warnmeldung immer am Eingang, am Regal und an der Kasse, um nur die wichtigsten zu nennen. Für einheitliche gesetzliche Regelungen sprachen sich dm, Lidl und die Bünting-Gruppe (z.B. Famila) aus. Kein Unternehmen nutzt alle verfügbaren Kanäle. Gerade soziale Medien oder E-Mail-Newsletter dienen meist nur der Marketing-Kommunikation, aber nicht zur Information über gefährliche Produkte und Rückrufaktionen.

- Gute Beispiele: Unscheinbare und kaum wahrnehmbare Plakate bei Lebensmittelwarnungen sind nicht kundenfreundlich. Vielversprechende Ansätze gibt es bei Aldi oder Lidl, so können sich Kunden nach deren Angaben über eine App informieren. Onlinekunden werden bei dm per Newsletter auf den neuesten Stand gesetzt. Ein Kommunikationsmix ist am wirkungsvollsten, um alle Zielgruppen zu erreichen.

- Unterscheidung von Eigen- und Fremdmarken: Verbraucher wollen sicher gehen, dass sie gleichermaßen lückenlos und zeitnah informiert werden. Zuweilen zeigte die Befragung, dass bei den Eigenmarken besser informiert wird, die Unterscheidung ist aus Verbrauchersicht jedoch nicht sinnvoll. Dass es auch anders geht, zeigen die Händler Norma oder Aldi, die keine Trennung zwischen Eigen- und Fremdmarken machen.

- Bereitschaft zur Kommunikation: Ein Lichtblick ist die Bereitschaft beispielsweise von dm oder Lidl, sich mit Verbraucherschützern auszutauschen.

Handelsunternehmen müssen konsequent informieren!

Jede Woche werden in Deutschland im Schnitt zwei Lebensmittel zurückgerufen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Verletzungen oder Erkrankungen kommen, in einigen Fällen besteht Lebensgefahr.

foodwatch fordert: Handelsunternehmen müssten die konsequente und kontinuierliche Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung und nicht als „notwendiges Übel“ sehen.

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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Mon, 20 May 2019 14:31:00 +0200Tue, 21 May 2019 02:35:00 +0200