<![CDATA[foodwatch: Pressemitteillungen]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[Bundesregierung darf katastrophale Bedingungen in der Nutztierhaltung nicht ignorieren]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/bundesregierung-darf-katastrophale-bedingungen-in-der-nutztierhaltung-nicht-ignorieren/Tue, 11 Dec 2018 16:41:00 +0100Greenpeace, foodwatch und VIER PFOTEN fordern flächendeckende, wirksame Verbesserungsmaßnahmen der Tiergesundheit bei Nutztieren

Morgen trifft sich die Bundeslandwirtschaftsministerin erneut mit Vertretern des Lebensmitteleinzelhandels und der Gastronomieverbände, um das weitere Vorgehen bei der geplanten staatlichen Tierwohlkennzeichnung zu diskutieren. Greenpeace, foodwatch und VIER PFOTEN fordern Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dringend auf, wirksame flächendeckende Maßnahmen für mehr Tierwohl zu ergreifen, um die katastrophalen Zustände in deutschen Ställen und Schlachthöfen endlich zu beenden und dem Staatsziel Tierschutz gerecht zu werden.

„Mit dem staatlichen Alibi-Label wird die Bundeslandwirtschaftsministerin keine wirksamen Verbesserungen für Nutztiere schaffen. Das Label ist freiwillig und hat zu schwache Kriterien in der Einstiegsstufe. Verbesserungsmaßnahmen müssen alle Tiere betreffen, also flächendeckend erfolgen. Jedes vierte Tier, das auf dem Teller landet, war krank. Tagtäglich werden schwer kranke und verletzte Tiere auf deutschen Schlachthöfen angeliefert. Um diese katastrophalen Zustände in der Nutztierhaltung in Deutschland zu beenden, brauchen wir ein nationales Tiergesundheitsmonitoring und strenge Sanktionsmaßnahmen bei Tierschutzverstößen“, erklärt Rüdiger Jürgensen, Country Director VIER PFOTEN Deutschland, im Namen der Organisationen.

Bundesregierung verweigert wirkungsvolle Tierschutzpolitik in der Nutztierhaltung

Dass die Bundesregierung aktuell keinen Handlungsbedarf bei der Gesundheit von Nutztieren in Deutschland sieht, zeigt die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE: „Verbesserung der Tierschutzmaßnahmen und -kontrollen in der Nutztierhaltung“.

Greenpeace, foodwatch und VIER PFOTEN folgern aus den Antworten der Bundesregierung, dass sie weder ein Interesse an einem wirkungsvollen gesundheitlichen Nutztierschutz hat noch willens ist, zumindest die ersten, naheliegenden Schritte in diese Richtung zu gehen. Die Bundesregierung müsste jedoch umgehend für eine systematische Nutzung von Schlachthofbefunden für die Analyse – und wo nötig – Verbesserung des gesundheitlichen Tierschutzes auf problematischen Tierhaltungsbetrieben sorgen. Zugleich müssten die Aufgaben und Kompetenzen der amtlichen Überwachung klar definiert und gemeinsam mit den Ländern dafür gesorgt werden, dass diese Aufgaben konsequent erfüllt und die Öffentlichkeit darüber umfassend informiert wird. Um ausreichend Tierschutz-Kontrollen in den tierhaltenden Betrieben und auf Schlachthöfen durchzuführen, müsste zudem für eine drastische Aufstockung des Kontrollpersonals gesorgt werden. Außerdem sollten schnellstmöglich auf den gesundheitlichen Schutz der Nutztiere fokussierte, regelmäßige Schulungen für Tierhalter und Mitarbeiter am Schlachthof erfolgen. Nur mit diesen Maßnahmen sowie der Bereitstellung finanzieller Mittel für einen effektiven gesundheitlichen

Tierschutz könne den Nutztieren in Deutschland geholfen und das Staatsziel Tierschutz erreicht werden.

Pressekontakt

foodwatch: Matthias Wolfschmidt

E-Mail: matthias.wolfschmidt@foodwatch.international

Tel.: 030 / 24 04 76 - 118

 

Greenpeace: Martin Hofstetter

E-Mail: martin.hofstetter@greenpeace.org

Tel.: 0171 / 87 06 645

 

VIER PFOTEN: Maike Kant

E-Mail: presse-d@vier-pfoten.org

Tel.: 040 / 399 249 44

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<![CDATA[Pressestatement zu EU-Lebensmittelrecht / Zulassungsverfahren für Pestizide / Verbraucherschutz]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/pressestatement-zu-eu-lebensmittelrecht-zulassungsverfahren-fuer-pestizide-verbraucherschutz/Tue, 11 Dec 2018 15:29:00 +0100Zur Abstimmung im EU-Parlament über die Reform der EU-Basisverordnung für Lebensmittel ("Transparenz und Nachhaltigkeit der EU-Risikobewertung im Bereich der Lebensmittelkette") erklärte Lena Blanken von der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Im Interesse von mehr als 500 Millionen europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern hätte das Europäische Parlament die EU-Kommission zu einer grundlegenden Überarbeitung der EU-Basisverordnung für Lebensmittel drängen sollen, anstatt sich nur auf ein Teilaspekt zu konzentrieren. Beide verschließen die Augen vor aktuellen Problemen, die alle Europäerinnen und Europäer betreffen – wie einem unzureichenden Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Gesundheitsgefahren, Betrug und Lebensmittelskandalen. 

Um einen funktionierenden und sicheren Lebensmittelmarkt zu gewährleisten, müssen die Lebensmittelbehörden in ganz Europa verpflichtet werden, die Öffentlichkeit im Falle von Rechtsverstößen und Lebensmittelskandalen schnell und umfassend zu informieren. Hersteller- und Produktnamen dürfen nicht verschwiegen werden. Darüber hinaus müssen die Lebensmittelunternehmen, insbesondere der Einzelhandel, ihre Produkte systematisch auf Gesundheitsgefahren und Lebensmittelbetrug testen. Um die Einhaltung der Gesetze zu gewährleisten, müssen Verbraucherverbände das Recht haben, Behörden und Unternehmen zu verklagen, die ihren Verpflichtungen aus dem EU-Recht nicht nachkommen.“

Hintergrund 

Die „EU-Basisverordnung“, die Verordnung (EG) Nr. 178/2002, wurde 2001 als Reaktion auf die BSE-Krise (Rinderwahn) verabschiedet. Diese wird derzeit von der Europäische Kommission und dem Europäischen Parlament im Rahmen des "REFIT"-Prozesses (Regulatory Fitness and Performance Programme) überarbeitet. Im April schlug die Europäische Kommission ein Reformpaket für die EU-Basisverordnung vor, das die Bestimmungen über die Risikobewertung von beispielsweise Pflanzenschutzmitteln ändern soll. foodwatch kritisierte den Vorschlag als unzureichend mit dem Argument, dass die Kommission, anstatt sich auf ein einziges Thema zu konzentrieren, die grundlegenden Schwächen des EU-Rechts beseitigen müsse. Kürzlich hat foodwatch den umfassenden Bericht „Rechtlos im Supermarkt“ veröffentlicht, der eine eingehende Analyse des Lebensmittelrechts der Europäischen Union liefert und grundlegende Schwächen aufzeigt.

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<![CDATA[foodwatch-Protestaktion bei Coca-Cola: Getränkekonzern lehnt Goldenen Windbeutel ab – Verbraucherorganisation fordert: Supermärkte müssen Schummelprodukt aus den Regalen nehmen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-protestaktion-bei-coca-cola-getraenkekonzern-lehnt-goldenen-windbeutel-ab-verbraucherorganisation-fordert-supermaerkte-muessen-schummelprodukt-aus-den-regalen-nehmen/Tue, 04 Dec 2018 14:15:00 +0100

+++ Fotos von der Aktion zum Download unter www.foodwatch.de/material-windbeutel +++ 

„Wucher“ – „Wasser-Abzocke“ – „Dreistigkeit“: Auf Sprechblasen steht in deutlichen Worten die Kritik von Verbraucherinnen und Verbrauchern am „Smartwater“ von Coca-Cola. Aktivistinnen von foodwatch kleben die Schilder kurzerhand an die Glastüren der Deutschlandzentrale des Getränkekonzerns. Eine Demonstrantin in einem lebensgroßen Kostüm des Coca-Cola-Wassers steht vor dem knallroten Firmengebäude am Berliner Spreeufer, in der Hand ein Schild: „Ich will keine Werbelüge mehr sein!“ 

Mit dieser Protestaktion hat die Verbraucherorganisation foodwatch am Dienstag Coca-Cola den Negativpreis Goldener Windbeutel verliehen. Anders als von Hersteller Coca-Cola suggeriert, ist das „Smartwater“ nicht besser als herkömmliches Mineralwasser – trotzdem kostet das angeblich „von Wolken inspirierte“ Produkt bis zu siebenmal mehr. Bei der Online-Abstimmung von foodwatch wählte fast ein Drittel der rund 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das „Smartwater“ daher zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Coca-Cola wollte den Negativpreis heute allerdings nicht annehmen. Als foodwatch zur Preisübergabe an der Konzernzentrale eintraf, verwehrten zwei Security-Mitarbeiter freundlich, aber bestimmt den Zutritt. Nach einigen Minuten dann stürmte ein Coca-Cola-Manager an dem foodwatch-Team und den wartenden Fernsehkameras vorbei und gab einige Meter entfernt von dem Gebäude ein vorbereitetes Statement ab: Man halte „die Kritik für nicht gerechtfertigt“. Transparenz sei für Coca-Cola „sehr wichtig“, auf dem Etikett seien „alle wichtigen Informationen“ angegeben und vor allem: „Die Verbraucher sind es, die entscheiden, ob sie das Produkt kaufen möchten oder nicht.“ Damit verschwand der Coca-Cola-Vertreter nach wenigen Augenblicken wieder fluchtartig hinter der Glastür der Firmenzentrale. Auf ein Gespräch wollte er sich nicht einlassen, zu der Kritik der Verbraucherinnen und Verbraucher: kein Wort.

„Der Weltkonzern Coca-Cola zeigt den Verbraucherinnen und Verbrauchern die kalte Schulter und ignoriert das Votum zehntausender Menschen“, sagte Sophie Unger von foodwatch, „Wahlleiterin“ beim Goldenen Windbeutel 2018. Die Verbraucherorganisation forderte alle Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels auf, jetzt zu reagieren: „Solange Coca-Cola sich stur stellt ist der Handel gefragt, denn an jeder Flasche Smartwater verdient er kräftig mit. Supermärkte & Co. müssen das dreiste Schummelprodukt von Coca-Cola aus den Regalen räumen“, so Sophie Unger. 

Coca-Cola, der größte Getränkehersteller der Welt, vermarktet sein „dampfdestilliertes Wasser“ sehr aufwendig mit Werbeaussagen wie „von Wolken inspiriert“. Dabei ist das Verfahren, das dahinter steckt – das Wasser wird zunächst verdampft und dann wieder aufgefangen – ernährungsphysiologisch völlig unnütz, wie foodwatch kritisierte. Trotzdem kostet das Coca-Cola-Wasser mit 1,65 Euro pro Liter bis zu siebenmal mehr als normales Mineralwasser. Aus Sicht von foodwatch eine dreiste Abzocke mit dem Grundnahrungsmittel Wasser: „Weil sich mit ganz normalem Wasser nicht so viel Geld verdienen lässt, hat sich Coca-Cola für sein ‚Smartwater‘ ein völlig überflüssiges Verfahren ausgedacht – nur um den Verbraucherinnen und Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen“, so Sophie Unger von foodwatch.

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein. Das Ergebnis im Detail:

1. Platz: Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)

2. Platz: Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)

3. Platz: Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)

4. Platz: Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)

5. Platz: Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Erstmals konnten in diesem Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Vier der fünf nominierten Produkte waren Vorschläge von Usern: die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das „Smartwater“ von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert. 

Mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel will foodwatch auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. Die Verbraucherorganisation fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen. 

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.

Ergebnisse der Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018: www.goldener-windbeutel.de

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<![CDATA[Coca-Cola gewinnt Goldenen Windbeutel 2018 – Verbraucher wählen „Smartwater“ zur dreistesten Werbelüge des Jahres – foodwatch-Protestaktion heute am Firmensitz in Berlin]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/coca-cola-gewinnt-goldenen-windbeutel-2018-verbraucher-waehlen-smartwater-zur-dreistesten-werbeluege-des-jahres-foodwatch-protestaktion-heute-am-firmensitz-in-berlin/Tue, 04 Dec 2018 00:00:00 +0100

+++ Foto-Aktion heute 11 Uhr bei Coca-Cola, Stralauer Allee 4, 10245 Berlin +++ Bild- und Videomaterial unter www.foodwatch.de/material-windbeutel (ab ca. 14 Uhr auch von der Aktion) +++

Coca-Cola erhält den Negativpreis Goldener Windbeutel: Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation foodwatch wählte fast ein Drittel der rund 70.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das „Smartwater“ zur dreistesten Werbelüge des Jahres. Die Kritik: Anders als von Coca-Cola suggeriert, ist das „Smartwater“ nicht besser als herkömmliches Mineralwasser – kostet aber bis zu siebenmal mehr. Zur Begründung verweist der Getränkekonzern auf ein angeblich „von Wolken inspiriertes“ Herstellungsverfahren. foodwatch will den Goldenen Windbeutel heute um 11 Uhr bei der Firmenzentrale in Berlin überreichen.

„Coca-Cola betreibt dreiste Verbraucherabzocke mit dem Grundnahrungsmittel Nummer Eins. Um den Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen, hat sich Coca-Cola ein hanebüchenes Bearbeitungsverfahren ausgedacht, das wissenschaftlich klingt, aber völlig unsinnig ist. Das ‚Smartwater‘ ist einfach nur ein schnödes Wasser, teuer verkauft“, sagte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018. Die Verbraucherorganisation forderte Coca-Cola auf, das Werbemärchen zu stoppen – und nahm gleichzeitig den Lebensmittelhandel in die Pflicht: Unternehmen des deutschen Einzelhandels dürften die Werbelüge des Jahres nicht länger verkaufen. „Der Einzelhandel verdient an den wolkigen Werbeversprechen kräftig mit – damit muss Schluss sein. Die Händler müssen das Coca-Cola-Mogelprodukt aus den Regalen räumen“, so Sophie Unger.

Coca-Cola bewirbt sein Produkt „Smartwater“ als „dampfdestilliertes natürliches Mineralwasser für einen klaren, frischen Geschmack“. Hinter Werbesprüchen wie „von Wolken inspiriert“ steckt ein simpler Vorgang: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen, verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. foodwatch kritisierte das Verfahren als ernährungsphysiologisch völlig unnützen Trick, den Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als normales Mineralwasser.

Neben dem Coca-Cola-Wasser waren vier weitere Produkte für den Goldenen Windbeutel 2018 nominiert. Fast 70.000 gültige Stimmen gingen im Wahlzeitraum seit Anfang November ein. Das Ergebnis im Detail:

  1. Platz: Glacéau Smartwater von Coca-Cola (21.235 Stimmen, entspricht 30,5 Prozent der gültigen abgegebenen Stimmen)
  2. Platz: Kids Tomato Ketchup von Heinz (19.547 Stimmen, 28,1 Prozent)
  3. Platz: Corny Milch von Schwartau (10.889 Stimmen, 15,6 Prozent)
  4. Platz: Bratöl Olive von Dennree (9.398 Stimmen, 13,5 Prozent)
  5. Platz: Erbseneintopf Gut und Günstig von Edeka (8.546 Stimmen, 12,3 Prozent)

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Erstmals konnten in diesem Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher auf der foodwatch-Beschwerdeplattform Schummelmelder.de im Vorfeld der Wahl selber Kandidaten vorschlagen. Vier der fünf nominierten Produkte waren Vorschläge von Usern: die Produkte von Heinz, Schwartau, Dennree und Edeka. Das „Smartwater“ von Coca-Cola hatte foodwatch nominiert.

Mit der Online-Abstimmung zum Goldenen Windbeutel will foodwatch auf legale Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln erwirken. Die Verbraucherorganisation fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Babykeks der Firma Alete.

Ergebnisse der Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018: www.goldener-windbeutel.de

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<![CDATA[Illegale Vitamine mit gentechnisch veränderten Bakterien in Tierfutter gelangt – Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde warnt vor Gesundheitsgefahren für Verbraucher ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/illegale-vitamine-mit-gentechnisch-veraenderten-bakterien-in-tierfutter-gelangt-europaeische-lebensmittelsicherheitsbehoerde-warnt-vor-gesundheitsgefahren-fuer-verbraucher/Fri, 30 Nov 2018 15:36:00 +0100
  • Europaweit Tierfutter mit Vitaminzusätzen belastet, die verbotene, gentechnisch veränderte Bakterien enthalten
  • EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde: gentechnisch veränderte Bakterien in den Vitaminzusätzen sind gegen Antibiotika resistent und eine Gefahr für Tiere, Verbraucher und Umwelt
  • foodwatch kritisiert: Behörden und EU-Kommission wussten schon vor Jahren Bescheid

Berlin/Amsterdam/Paris, 30. November 2018. Verbotene Vitaminpräparate aus China, die gentechnisch veränderte, lebensfähige Bakterien enthalten, sind über einen niederländischen Importeur in großem Umfang in Tierfutter und damit in die Nahrungsmittelkette in Europa gelangt. Auch Deutschland ist betroffen. Das geht aus Daten des Europäischen Behörden-Schnellwarnsystems RASFF hervor, die von Belgien veröffentlicht wurden. Bei der verbotenen Substanz handelt es sich um Vitamin B2, auch bekannt als „Riboflavin 80%“, das als Zusatzstoff in Futtermittel für Nutztiere eingesetzt wird. Die in dem Vitamin enthaltenen gentechnisch veränderten Organismen sind laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Gefahr für Verbraucherinnen und Verbraucher, weil sie unter anderem antibiotikaresistente Gene enthalten.

Deutsche und britische Behörden hatten bereits 2014 ähnliche Belastungen von B2-Vitaminen mit nicht in der EU zugelassenen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und die EU informiert. Die EU-Kommission hat den Einsatz des Vitamins jedoch erst im September 2018 offiziell verboten – zugleich erlaubt die EU es Landwirten jedoch, die bereits mit dem belasteten Vitamin-Gemisch hergestellten Futtermittel noch für weitere sechs Monate, bis April 2019, an ihre Tiere zu verfüttern. Die Verbraucherorganisation foodwatch kritisierte das Vorgehen der EU als klaren Verstoß gegen das europäische Gentechnikrecht und das im Lebensmittelrecht verankerte Vorsorgeprinzip.

„Es ist erschütternd, wie die EU-Kommission nicht nur die gesundheitlichen Risiken gentechnisch veränderter Organismen ignoriert, sondern auch die völlig unnötige Verbreitung von Antibiotikaresistenzen durch illegale Futter-Zusatzstoffe jahrelang billigend in Kauf nimmt – obwohl sich die EU offiziell als Vorkämpferin gegen Antibiotikaresistenzen inszeniert. Wenn es ums Geld geht, hat die EU-Kommission trotz ausdrücklicher Warnung durch die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde offenbar kein Problem damit, dass vermehrungsfähige gentechnisch veränderte Bakterien, die noch dazu gegen antibiotikaresistent sind, an Europas Viehherden verfüttert werden“, erklärte Matthias Wolfschmidt, Kampagnendirektor von foodwatch International.

Nach Informationen von foodwatch sind in diesem Jahr mindestens acht Tonnen des mit gentechnisch veränderten Bakterien belasteten und damit illegalen Vitamin-B2-Präparates aus China über den niederländischen Futtermittelhersteller Trouw Nutrition nach Europa gelangt. Damit konnten Hunderttausende Tonnen Tierfutter produziert werden. Die Behörden in den betroffenen EU-Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und die Niederlande, rufen derzeit stillschweigend die Bestände der belasteten Futtermittel zurück. Die Öffentlichkeit wurde indes nicht informiert, wie foodwatch kritisierte.

Der Vorgang könnte weit zurückreichen: Behörden in Deutschland und England hatten bereits 2014 eine ähnliche Kontamination von Vitamin B2 mit illegalen gentechnisch veränderten Bakterien festgestellt und andere Mitgliedstaaten über das europäische Behörden-Warnsystem RASFF davor gewarnt. Im Oktober 2016 führten Experten des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und andere EU-Behörden eine gemeinsame Untersuchung durch, die zu dem Schluss kam, dass das betreffende Futtermittel nicht hätte verkauft werden dürfen. Damals wurden jedoch keine Maßnahmen ergriffen, um das Vitamin-B2-Präparat oder damit hergestellte Futtermittel vom Markt zu nehmen. Die Europäische Kommission hatte stattdessen im August 2016 die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit einer neuen Stellungnahme zur Sicherheit von Riboflavin 80% beauftragt. Am 7. März 2018 kam die EFSA zu dem Schluss, dass der Zusatzstoff ein Risiko für „die Zieltierart, die Verbraucher, die Verwender und die Umwelt“ darstellt. Die EU-Kommission hat den illegalen Vitamin-Zusatz offiziell erst am 19. September 2018 verboten. Die Verfütterung des damit hergestellten und somit  belasteten Tierfutters – vermutlich viele tausend Tonnen – erlaubt sie jedoch bis April 2019.

Das verunreinigte Futtermittel wurde laut dem Europäischen Schnellwarnsystem in 20 europäische Länder geliefert. Nach Informationen von foodwatch dauerte es mehrere Wochen, bis niederländische Behörden die Lieferwege zurückverfolgen konnten. Die französische Tageszeitung Le Monde schätzt, dass mindestens 150 Tonnen Futtermittel alleine in Frankreich mit dem gefährlichen Vitamin-Zusatzstoff verunreinigt wurden.

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<![CDATA[EU nimmt geplante Lockerung der Quecksilber-Grenzwerte für Fisch zurück – 80.000 Unterschriften bei Online-Protestaktion – foodwatch fordert Reduktion der Quecksilber-Belastung]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/eu-nimmt-geplante-lockerung-der-quecksilber-grenzwerte-fuer-fisch-zurueck-80000-unterschriften-bei-online-protestaktion-foodwatch-fordert-reduktion-der-quecksilber-belastung/Wed, 28 Nov 2018 10:13:00 +0100

Die Europäische Union will die Grenzwerte für Quecksilber in Fisch nun doch nicht lockern. Die EU-Generaldirektion für Gesundheit und Verbraucherschutz hat angekündigt, entsprechende Pläne nicht weiter zu verfolgen. Die EU-Kommission wollte eigentlich bei bestimmten Fischsorten eine deutlich höhere Dosis des Nervengifts erlauben und hatte dazu bereits vor drei Jahren einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. Die Verbraucherorganisation foodwatch hatte die geplante Lockerung der Grenzwerte damals öffentlich gemacht und scharf kritisiert. Fast 80.000 Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und den Niederlanden unterzeichneten eine Online-Protestaktion. Jetzt ist die Grenzwert-Anhebung vom Tisch, wie der zuständige EU-Ausschuss bestätigte. foodwatch begrüßte den Schritt, forderte aber gleichzeitig, Verbraucherinnen und Verbraucher besser vor Quecksilber in Lebensmitteln zu schützen.

„Die Quecksilber-Höchstwerte für einige Fischarten sind bereits deutlich höher als bei anderen Lebensmitteln – eine noch weitere Lockerung der Grenzwerte wäre absolut unverantwortlich gewesen, denn insbesondere Schwangere und kleine Kinder müssen viel konsequenter vor diesem Schwermetall geschützt werden“, erklärte Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor von foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte die Europäische Kommission auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Belastung der Bürgerinnen und Bürger mit Quecksilber zu senken. So müsse der Einsatz von schwermetallhaltigen Pflanzenschutzmitteln schnellstmöglich verboten und der Quecksilberausstoß durch Kohlekraftwerke reduziert werden. Beides sind Haupteintragswege für Quecksilber in der Lebensmittelkette. „Anstatt die Höchstwerte für die Quecksilber-Belastung einfach heraufzusetzen, nur damit weiterhin hochbelasteter Fisch verkauft werden darf, muss die EU-Kommission alles daran setzen, die Belastung für Menschen zu senken“, so Matthias Wolfschmidt.      

Die Europäische Kommission hatte geplant, den zulässigen Quecksilber-Höchstwert bei Raubfischen von einem auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch zu verdoppeln. Damit sollte erreicht werden, dass die Fischindustrie große Mengen ihres hochgradig mit Quecksilber belasteten Fangs legal vermarkten kann. Untersuchungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zeigen, dass insbesondere große Raubfische am Ende der Nahrungskette wie Schwert- und Thunfische oft deutlich höher mit Quecksilber belastet sind, als es die geltenden Grenzwerte eigentlich erlauben. Heute dürfen etwa 50 Prozent des Fangs nicht verkauft werden – die geplante Lockerung der Grenzwerte hätte zur Folge gehabt, dass nur noch 14,5 Prozent des Fangs als unverkäuflich eingestuft würden. Die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucherinnen und Verbraucher hätte sich dadurch deutlich erhöht, so foodwatch. In einem Arbeitsgruppen-Treffen im September im zuständigen SCOPAFF-Ausschuss (Ständiger Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel) kündigte die EU-Kommission allerdings an, die Grenzwerte nun doch nicht anzuheben. Das zeigt eine jetzt im November veröffentlichte offizielle Zusammenfassung des Treffens.

Quecksilber ist ein für den Menschen hochgiftiges Schwermetall. Es wird etwa von Kohlekraftwerken in die Luft oder als Bestandteil von Agrochemikalien in Böden und Gewässer freigesetzt. Im Meer wird daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches von Fischen aufgenommen wird. Die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift birgt ein gravierendes gesundheitliches Risiko, vor dem die deutsche Bundesregierung insbesondere Schwangere und (Klein-) Kinder warnt. Das Schwermetall kann zu Entwicklungsstörungen des Fötus führen und bei Erwachsenen für eine Reihe von Nervenstörungen verantwortlich sein. Besonders hoch mit Quecksilber belastet sind Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, wie Hai-, Schwert- und Thunfische.

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<![CDATA[„Tierschutz unerwünscht“: Ministerin Klöckner beruft Geheimtreffen zur Ferkelkastration fast ohne Kritiker ein – foodwatch: Lebensmittelhandel darf Verlängerung der betäubungslosen Kastration nicht zustimmen ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/tierschutz-unerwuenscht-ministerin-kloeckner-beruft-geheimtreffen-zur-ferkelkastration-fast-ohne-kritiker-ein-foodwatch-lebensmittelhandel-darf-verlaengerung-der-betaeubungslosen-kastration-nicht-zustimmen/Tue, 27 Nov 2018 09:49:00 +0100

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Julia Klöckner für ihren „Runden Tisch Ferkelkastration“ kritisiert. Die Bundesagrarministerin wirbt am Dienstag bei einem nicht öffentlichen Treffen mit der Agrarindustrie, dem Lebensmittehandel und mit Tierärzten für die Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration. Zugleich soll über die Alternativen zur betäubungslosen Kastration gesprochen werden. Tierschützer sind jedoch zu dem Treffen laut offizieller Einladung nicht eingeladen, wie foodwatch heute öffentlich machte.

„Die Bundesagrarministerin verweigert den deutschen Tierschutzorganisationen die Mitsprache am ‚Runden Tisch‘, weil sie Kritik an der Verlängerung der grausamen betäubungslosen Ferkelkastration nicht hören will“, erklärte Matthias Wolfschmidt von foodwatch. Die Verbraucherorganisation machte die Einladung zu dem „Runden Tisch Ferkelkastration“ heute öffentlich. Julia Klöckner hat für Dienstag, 27. November, unter anderem den gesamten Lebensmitteleinzelhandel, Unternehmen der Schlachtindustrie, den Bauernverband und Raiffeisenverband, die Bundestierärztekammer, den Bund der beamteten Tierärzte und den Bund der praktizierenden Tierärzte sowie eine Reihe Bundestagsabgeordneter aus dem Agrarausschuss in ihr Ministerium geladen, um über die zweijährige Verlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zu beraten und „gemeinsam die nächsten Schritte zur Umsetzung der Alternativen erörtern“. Vertreterinnen und Vertreter von Tierschutzorganisationen sind jedoch offenbar nicht eingeladen. „Frau Klöckner will den Lebensmittelhandel dazu bringen, den Verbraucherinnen und Verbrauchern noch zwei Jahre lang Fleisch von unbetäubt kastrierten Schweinen anzudienen. Was für eine armselige Farce. Wir fordern den Lebensmitteleinzelhandel auf, sich keinen Millimeter zurück ins Mittelalter drängen zu lassen. Die tierschonendste Alternative zur betäubungslosen Kastration ist die Impfung. Sie ist praxisfähig, sicher und wird von Frau Klöckners eigenen Wissenschaftlern gefordert“, so Matthias Wolfschmidt. Anders als von Agrar- und Fleischlobby behauptet, habe sich der Lebensmittelhandel in weiten Teilen längst deutlich für mehr Tierschutz und schonendere Alternativen ausgesprochen, darunter auch die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration.

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten "Ebergeruch" annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration). Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 85.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration unter www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de.

Link:

E-Mail-Aktion von foodwatch gegen Ferkelkastration: www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de

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<![CDATA[Gesund-Werbung für Schulkakao unzulässig: Landliebe muss Elternbroschüre zurückziehen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/gesund-werbung-fuer-schulkakao-unzulaessig-landliebe-muss-elternbroschuere-zurueckziehen/Fri, 23 Nov 2018 09:57:00 +0100
  • foodwatch fordert Subventionsstopp für gezuckerte Schulmilchprodukte
  • Verbraucherorganisation: Ernährungsministerin Julia Klöckner soll Stellung beziehen
  • Behörde hatte mit den rechtswidrigen Werbe-Behauptungen Landliebes das Festhalten an Förderung von gezuckerter Schulmilch in Berlin/Brandenburg begründet

Nach einer Abmahnung durch die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Molkerei Landliebe unerlaubte Werbeaussagen zu gezuckerter Schulmilch zurückgezogen. Das zum Friesland-Campina-Konzern gehörende Unternehmen bewarb in einer Elternbroschüre und im Internet gesüßte Schokomilch als gesundheitsförderlich – mit unzulässigen Aussagen, wie der größte Schulmilchlieferant nun einräumte. Um den wegen seines Zuckergehalts in der Kritik stehenden Schulkakao bei Eltern, Schülern und Lehrern zu bewerben, hatte Landliebe unter anderem behauptet: „Kakao steigert die Intelligenz“, „macht geistig fit“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. In einer Unterlassungserklärung verpflichtete sich die Molkerei, diese und weitere Aussagen nicht weiter zu verwenden. Sie zog die Elternbroschüre zum Schulmilchprogramm zurück und entfernte die unzulässige Werbung für den Kakao von seinen Internetseiten.

foodwatch bewertete dies auch als „Blamage“ für Berlin und Brandenburg. Denn die für das gemeinsame Schulmilchprogramm beider Länder zuständige Behörde hatte explizit mit den nun zurückgezogenen, unzulässigen Werbeaussagen Landliebes begründet, weshalb trotz aller Kritik weiterhin gezuckerte Milchprodukte subventioniert werden. „Um die staatlich geförderte Überdosis Zucker weiterhin gewinnbringend an die Schulen liefern zu dürfen, hat Landliebe jahrelang unzulässig Märchen über die vermeintlich positive Wirkung von Schokomilch verbreitet. Schlimm genug, dass einige Bundesländer das bis heute unkritisch mitgemacht haben – wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein“, sagte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Die Verbraucherorganisation forderte Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die im Rahmen ihrer Schulmilchprogramme noch an der steuerfinanzierten Förderung von gezuckerten Produkten wie Kakao festhalten. Auch von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner erwartet foodwatch ein deutliches Signal: „Es kann nicht sein, dass sich Frau Klöckner einerseits für Zuckerreduktion ausspricht und andererseits ohne mit der Wimper zu zucken hinnimmt, dass der Zuckerkonsum an den Schulen staatlich gefördert wird“, so Martin Rücker.

Landliebe ist der größte Schulmilch-Lieferant in Deutschland. Mit den Gesundheitsbotschaften rückte das Unternehmen seine gezuckerten Milchmischgetränke in ein positives Licht und bewarb diese gezielt bei Eltern, Schulen und auch bei Landesministerien. In einer Elternbroschüre behauptete Landliebe beispielsweise, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten Schokomilch in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Die Aussagen gehen auf Auftragsstudien zurück, die foodwatch als unseriös und wissenschaftlich nicht haltbar einstufte. Unzulässige Gesundheitsaussagen hatte der Molkereikonzern auch per Newsletter an Entscheidungsträger etwa in Landesministerien geschickt. Die für das Schulmilchprogramm in Berlin und Brandenburg zuständige Behörde, das Brandenburger Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF), verwies gegenüber foodwatch auf die Frage nach den Gründen für die Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten auch explizit auf diesen Newsletter.

Die Landliebe-Werbung zu gesüßter Schulmilch verstieß gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die abgemahnten Werbesprüche gehören jedoch nicht dazu – foodwatch ist auch nicht bekannt, dass das Unternehmen jemals versucht habe, die Aussagen überprüfen und genehmigen zu lassen. Landliebe erklärte jetzt, man werde „die Angaben künftig nicht mehr verwenden“ – verteidigte aber gleichzeitig seinen gesüßten Schul-Kakao. Zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten sprechen sich allerdings klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen aus gesundheitlichen Gründen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Brandenburg, Berlin und NRW jedoch haben eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter auch Kakao und Co. an Schulen fördern zu können. Alle anderen Bundesländer subventionieren, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

Anfang Oktober hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ veröffentlicht, der auf mehr als 80 Seiten die jahrzehntelangen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik entlarvt. Am Beispiel Nordrhein-Westfalen zeigt der foodwatch-Report, wie das Schulmilchprogramm alles einem Ziel unterordnet: der Förderung des Milchabsatzes.

E-Mail-Protestaktion von foodwatch: www.aktion-schulmilch.foodwatch.de

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<![CDATA[Nach Kritik: Nestlé, Unilever und Co. stoppen irreführende Industrie-Ampel – foodwatch fordert Einführung französischer Ampelkennzeichnung Nutri-Score ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-kritik-nestle-unilever-und-co-stoppen-irrefuehrende-industrie-ampel-foodwatch-fordert-einfuehrung-franzoesischer-ampelkennzeichnung-nutri-score/Wed, 21 Nov 2018 12:39:00 +0100

Fünf große Lebensmittelkonzerne, darunter Nestlé und Unilever, haben ihr Projekt für eine eigene Nährwert-Ampel gestoppt. foodwatch und weitere Verbraucherorganisationen hatten die „Industrie-Ampel“ zuvor als irreführend kritisiert, da sie Lebensmittel gesünder aussehen lässt als sie in Wirklichkeit sind. Selbst bei Produkten wie Nutella oder Tuc-Crackern hätte die Ampel nicht Rot gezeigt. foodwatch forderte die Konzerne auf, stattdessen das französische Ampel-Modell zu übernehmen, das von unabhängigen Experten entwickelt wurde. Iglo und Danone haben bereits angekündigt, den Nutri-Score in Deutschland zu verwenden. 

„Nestlé, Unilever und Co. wollten mit ihrer Industrie-Ampel Verbraucherinnen und Verbraucher an der Nase herumführen. Das ist der beste Beweis, dass sich die Lebensmittelindustrie ihre Nährwertkennzeichnung nicht selbst ausdenken darf. Die irreführende Fake-Ampel wurde zurecht auf Eis gelegt“, sagte Luise Molling von foodwatch. „Die Konzerne sollten sich ein Beispiel an Iglo und Danone nehmen und den verbraucherfreundlichen Nutri-Score verwenden, der von mehreren europäischen Regierungen offiziell unterstützt wird.“

Die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo, Unilever und Mars hatten Ende 2017 ihre Pläne für eine eigene Nährwert-Ampel vorgestellt. Im Gegensatz zu dem erstmals 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA konzipierten Original-Ampelsystem sollte das Modell der "Big Six" allerdings deutlich weniger rote Ampeln zeigen. Ein Vergleichstest von foodwatch hatte im Januar 2018 gezeigt, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit der geplanten Ampel der Industrie in die Irre geführt würden: Selbst eine Süßigkeit wie Nutella von Ferrero, das zu rund 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, hätte keine rote Ampel erhalten. Im März dieses Jahres war bereits Mars aus dem Industrie-Projekt ausgestiegen. Am Dienstag kündigten nun auch die verbliebenen fünf Konzerne an, den Testlauf für die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Industrie-Ampel abzubrechen. Für Getränke solle der Ampel-Test jedoch weitergeführt werden. 

Im Gegensatz zu den „Big Six“ setzen in Deutschland bereits zwei Unternehmen auf ein unabhängig entwickeltes Ampelmodell: Danone und Iglo haben angekündigt, den französischen Nutri-Score ab 2019 freiwillig einführen zu wollen. Der Nutri-Score nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Die Kennzeichnung wurde von französischen Wissenschaftlern entwickelt und wird von der französischen, der belgischen und auch der spanischen Regierung offiziell empfohlen.  

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner dürfe der Diskussion nicht länger tatenlos zusehen, forderte foodwatch. „Wenn Frau Klöckner Übergewicht und Fettleibigkeit effektiv bekämpfen will, muss sie dem Beispiel Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens und Belgiens folgen und ihren Widerstand gegen farbliche Kennzeichnungsmodelle aufgeben“, sagte Luise Molling von foodwatch. „Zusätzlich brauchen wir Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen.“

Seit Ende 2016 gilt für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. Zusätzlich können Lebensmittelhersteller auf der Vorderseite weiterführende Angaben machen. Über die Form und Ausgestaltung dieser Kennzeichnung auf der Vorderseite wird seit Jahren gestritten.

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<![CDATA[Presse-Statement: Klöckners „Strategie“ für weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln ist eine Kapitulationserklärung vor den Interessen der Ernährungsindustrie]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/presse-statement-kloeckners-strategie-fuer-weniger-zucker-fett-und-salz-in-lebensmitteln-ist-eine-kapitulationserklaerung-vor-den-interessen-der-ernaehrungsindustrie/Tue, 20 Nov 2018 16:34:00 +0100

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner hat ihre „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ vorgestellt. Erklärtes Ziel des Papiers ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Dazu erklärt Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Statt die Industrie in die Pflicht zu nehmen, setzt Frau Klöckner ihren Kuschelkurs mit der Lebensmittelwirtschaft fort. Andere Länder machen Ernst im Kampf gegen Übergewicht und Fettleibigkeit und führen Ampelkennzeichnungen ein, beschränken die Werbung an Kinder oder besteuern überzuckerte Limonaden. Frau Klöckner bittet die Hersteller freundlich, ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte zu kippen – und überlässt es den Unternehmen, ob sie mitmachen oder nicht. Bei der Lebensmittel–Lobby werden heute die Sektkorken knallen, denn unter Bundesernährungsministerin Klöckner haben Sie nichts zu befürchten.“

Hintergrund:

Das als „Strategie“ bezeichnete Papier von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bleibt meilenweit hinter den seit Jahren erhobenen Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Schon seit Jahren fordern medizinische Fachgesellschaften oder auch die Weltgesundheitsorganisation wirksame politische Maßnahmen ein. Noch im Mai dieses Jahres hatte ein breites Bündnis aus Fachorganisationen und mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzten in einem Offenen Brief von der Bundesregierung die Einführung einer Ampelkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung oder auch die Einführung einer Limo–Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens gefordert. All dies findet sich in Frau Klöckners Papier nicht wieder. Stattdessen setzt das Ministerium auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche. Dies ist aus Sicht von foodwatch eine Kapitulationserklärung vor den Interessen der Ernährungsindustrie. 

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<![CDATA[Supermarktketten sprechen sich für tierschonende Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration aus – Große Akzeptanz der Impfung gegen Ebergeruch]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/supermarktketten-sprechen-sich-fuer-tierschonende-alternativen-zur-betaeubungslosen-ferkelkastration-aus-grosse-akzeptanz-der-impfung-gegen-ebergeruch/Fri, 16 Nov 2018 10:12:00 +0100

Die meisten deutschen Supermarktketten sprechen sich gegen die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus. Aldi, Lidl & Co. haben keine Bedenken gegen tierschonende Alternativen wie die Impfung gegen Ebergeruch, die sogenannte Immunokastration. Das ergab eine Umfrage der Verbraucherorganisation foodwatch unter neun großen Handelsunternehmen. Die Angaben der Supermarktketten widerlegen laut foodwatch die Behauptung der Agrar- und Fleischlobby, wonach die Immunokastration vom Handel und den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht akzeptiert würde. 

„Der deutsche Lebensmittelhandel ist offen gegenüber der Impfung gegen Ebergeruch – das zeigt, dass Millionen von Ferkeln die mittelalterliche Tortur der betäubungslosen Kastration sofort erspart werden könnte. Alles andere sind nur faule Ausreden von Bauernverband und Fleischwirtschaft“, sagte Matthias Wolfschmidt von foodwatch. 

foodwatch hatte die Handelsunternehmen in Deutschland zum Umgang mit alternativen Methoden zur betäubungslosen Ferkelkastration befragt. Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl und Globus akzeptieren demnach ausdrücklich Fleisch von gegen Ebergeruch geimpften Schweinen. Rewe antwortete nicht auf die Anfrage der Verbraucherorganisation, sprach sich jedoch kürzlich öffentlich für die Immunokastration aus. Real und Kaufland gaben gegenüber foodwatch an, die Verbraucherakzeptanz der Methode zu prüfen, Edeka und Norma antworteten ausweichend. Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd erklärten außerdem, schon heute kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren zu verkaufen. Rewe hatte dies bereits 2015 angekündigt.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Loeffler-Institut), das dem Bundesernährungsministerium von Julia Klöckner unterstellt ist, bewertet die Impfung gegen Ebergeruch aus tierschutzfachlicher Sicht als „die mit Abstand geeignetste Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration“. Die Belastung der Tiere sei vergleichsweise gering und es gebe keine Risiken für Verbraucherinnen und Verbraucher. Rund 80.000 Menschen unterstützen eine E-Mail-Petition von foodwatch gegen die betäubungslose Ferkelkastration und für die Anwendung der Immunokastration unter www.aktion-ferkelkastration-protestieren.foodwatch.de

„Julia Klöckners eigenes Forschungsinstitut, weite Teile der Veterinärmedizin und die Tierschutz- und Verbraucherverbände stehen der Impfung gegen Ebergeruch uneingeschränkt positiv gegenüber. Die Ignoranz der Regierungskoalition gegenüber all diesen Fakten ist atemberaubend“, sagte Matthias Wolfschmidt.

Die Große Koalition will das Verbot der betäubungslosen Kastration männlicher Ferkel, das 2019 in Kraft treten sollte, um weitere zwei Jahre verschieben. Sie hat die Verlängerung der Übergangsfrist damit begründet, dass die derzeit verfügbaren Alternativen den Anforderungen der Praxis nicht gerecht würden. Die Tatsache, dass Lidl, Aldi Nord und Aldi Süd bereits heute nach eigenen Angaben kein Frischfleisch mehr von betäubungslos kastrierten Tieren verkauften, zeige jedoch, dass in der Praxis längst Alternativen verfügbar seien, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte alle Handelsketten auf, trotz Fristverlängerung ab 2019 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Ferkeln zu verkaufen und die Immunokastration als erwiesenermaßen tierschonendste Form der Ferkelkastration zu akzeptieren. 

In Deutschland werden jährlich etwa 20 Millionen männliche Ferkel geboren und meist ohne Betäubung kastriert, um zu verhindern, dass ihr Fleisch später den sogenannten „Ebergeruch“ annimmt. Als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration stehen aktuell drei Methoden zur Verfügung: die Kastration mit Betäubung, die Jungebermast und die Immunokastration. Bei der seit 2009 in der EU zugelassenen Immunokastration müssen die Schweine zweifach geimpft werden, um die Bildung der Hauptverursacher des Ebergeruchs zu unterdrücken. 

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<![CDATA[Iglo führt Lebensmittel-Ampel in Deutschland ein – foodwatch begrüßt Vorstoß und fordert verbindliche Ampel-Kennzeichnung für alle Hersteller]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/iglo-fuehrt-lebensmittel-ampel-in-deutschland-ein-foodwatch-begruesst-vorstoss-und-fordert-verbindliche-ampel-kennzeichnung-fuer-alle-hersteller/Thu, 15 Nov 2018 11:11:00 +0100Die Verbraucherorganisation foodwatch hat den Vorstoß des Lebensmittelkonzerns Iglo, auf seinen Produkten eine Lebensmittel-Ampel einzuführen, begrüßt. Andere Hersteller müssten dem Beispiel folgen, forderte foodwatch. Außerdem sei die Politik gefordert, eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben vorzuschreiben. Die Nährwertangaben aller Iglo-Produkte sollen dem Unternehmen zufolge schrittweise ab Anfang 2019 auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampel vereinfacht dargestellt werden. Iglo ist nach dem französischen Konzern Danone das zweite Unternehmen, das in Deutschland auf freiwilliger Basis eine Lebensmittel-Ampel einführen will.

„Erst Danone, jetzt Iglo - ein weiterer Lebensmittelhersteller erkennt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwert-Ampel wünschen", sagte Luise Molling von foodwatch. „Aber die farbliche Kennzeichnung ist nutzlos, wenn sie nur auf Produkten von Iglo und Danone zu sehen ist. Die Idee der Lebensmittel-Ampel ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können - dafür brauchen wir eine einheitliche und verpflichtende Ampel-Kennzeichnung für alle Hersteller. Bundesernährungsministerin Klöckner muss ihren Widerstand gegen die Ampel endlich aufgeben.“

Sowohl Iglo als auch Danone wollen die sogenannte Nutri-Score-Ampel auf ihre Produkte drucken. Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung – auf freiwilliger Basis – eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. Nutri-Score wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

Das Nutri-Score-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. foodwatch würde sowohl die Einführung des britischen Originals als auch des französischen Modells befürworten. Die Verbraucherorganisation kritisierte hingegen erneut von der Industrie selbst entwickelte Kennzeichnungsmodelle. So möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Selbst ein Produkt wie Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde mit dieser Industrie-Kennzeichnung jedoch keine einzige rote Ampel erhalten, kritisierte foodwatch. Mars war nach Kritik aus dem Bündnis ausgestiegen.

„Entscheidend ist, dass wir ein von unabhängigen Experten entwickeltes System haben, das die Nährwerte eines Produkts mit einer farblichen Kennzeichnung direkt auf der Produktvorderseite darstellt und die Vergleichbarkeit von Produkten gewährleistet“, sagte Luise Molling. „Die geplante Fake-Ampel von Nestlé, Cola & Co. ist nicht die Lösung. Da steht Ampel drauf, ist aber nur Verbrauchertäuschung drin.“

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt. Der deutsche Tiefkühlprodukte-Hersteller Frosta hatte auch schon einmal eine Ampelkennzeichnung freiwillig eingeführt, diese dann aber nach einigen Jahren wieder eingestellt, weil kein anderer Lebensmittelhersteller mitgezogen war. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“.

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. 

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Kindermarketing für überzuckerte Getränke – Ranking: Das sind die zehn zuckrigsten Kindergetränke – vier Produkte kommen von Lidl]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-kritisiert-kindermarketing-fuer-ueberzuckerte-getraenke-ranking-das-sind-die-zehn-zuckrigsten-kindergetraenke-vier-produkte-kommen-von-lidl/Wed, 14 Nov 2018 11:50:00 +0100
  • foodwatch veröffentlicht Ranking der zuckrigsten „Erfrischungsgetränke“ mit Comicfiguren
  • Unter den zehn zuckrigsten Getränken sind vier Produkte einer Lidl-Eigenmarke
  • foodwatch: Getränkeindustrie muss das an Kinder gerichtete Marketing für Zuckergetränke stoppen

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat Lebensmittelhersteller dafür kritisiert, überzuckerte „Erfrischungsgetränke“ mit Comicfiguren schon an Kleinkinder zu bewerben. Ein von foodwatch veröffentlichtes Ranking zeigt die zehn zuckrigsten Kindergetränke, die bei den fünf größten Handelsketten zu finden sind. Vier der zehn zuckrigsten Produkte stammen von Solevita, einer Eigenmarke von Lidl. Dabei hatte die Handelskette in der Vergangenheit wiederholt damit geworben, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert“, erklärte Luise Molling von foodwatch. Lidl hat sich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Verbraucherorganisation forderte die Getränke-Industrie auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf Filialen der größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. Die zehn zuckrigsten Kindergetränke im Überblick:

  1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml 
  2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
  3. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml
  4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
  5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml
  6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml
  7. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml
  8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml
  9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml
  10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.  

„Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden“, erklärte Luise Molling von foodwatch. „Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.“ 

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<![CDATA[ Report entlarvt gefährliche Schwachstellen im Lebensmittelrecht – foodwatch: Julia Klöckner versagt beim Schutz der Verbraucher vor Täuschung und vor Gesundheitsgefahren]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/report-entlarvt-gefaehrliche-schwachstellen-im-lebensmittelrecht-foodwatch-julia-kloeckner-versagt-beim-schutz-der-verbraucher-vor-taeuschung-und-vor-gesundheitsgefahren/Mon, 12 Nov 2018 10:04:00 +0100

Die Lebensmittelgesetze in Deutschland und der EU schützen die Bürgerinnen und Bürger nicht ausreichend vor Gesundheitsgefahren und Täuschung. Zu diesem Ergebnis kommt eine umfassende Analyse des europäischen und nationalen Lebensmittelrechts, die foodwatch am Montag in dem Report „Rechtlos im Supermarkt“ in Berlin vorstellte. Die Verbraucherorganisation warf Julia Klöckner Versagen beim Verbraucherschutz vor: Obwohl die eklatanten Schwachstellen im Lebensmittelrecht bekannt seien, arbeite die Bundesernährungsministerin nicht daran, diese zu beseitigen.

„Frau Klöckner hält ihre schützende Hand über Bauern und Unternehmen, aber sie kümmert sich nicht um den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wenn die verantwortliche Ministerin keine substanzielle Reform des Lebensmittelrechts angeht, macht sie ihren Job nicht. Indem sie es unterlässt, die offenkundigen Lücken und Schwachstellen in der Gesetzgebung zu beseitigen, arbeitet Julia Klöckner kräftig mit am nächsten Lebensmittelskandal“, sagte Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland. Die Verbraucherorganisation verlangte von Frau Klöckner, auf EU-Ebene eine Generalreform des europäischen Lebensmittelrechts anzustoßen und auf nationaler Ebene umgehend gesetzliche Änderungen anzugehen. Dazu gehöre es, die Lebensmittelbehörden zur Veröffentlichung von gesundheitsrelevanten Informationen wie von Betrugsfällen zu verpflichten und die Klagerechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu stärken. Diese müssten sich mit Sammelklagen gegen Unternehmen und mit Verbandsklagen gegen Behörden zur Wehr setzen können.

Der mehr als 50-seitige Report „Rechtlos im Supermarkt“ zeigt auf, wie entgegen dem Vorsorgeprinzip Grenzwerte gelockert, umstrittene Zusatzstoffe und Pestizide zugelassen werden und trotz der vorgeschriebenen Rückverfolgbarkeit die Kontrollbehörden regelmäßig im Dunkeln tappen, wohin welche Lebensmittel geliefert werden. Verantwortlich dafür wie auch für alle größeren Lebensmittelskandale der jüngeren Vergangenheit – EHEC, mit Fipronil oder Dioxin belastete Eier, Pferdefleisch, Salmonellen in Babyprodukten – seien erhebliche Schwächen des Lebensmittelrechts. „Natürlich haben wir im Vergleich zu früheren Zeiten oder zu anderen Erdteilen eine relativ hohe Sicherheit – aber eben auch unnötige, weil vermeidbare Risiken, die zu regelmäßigen Betrugsfällen und zu ernstzunehmenden gesundheitlichen Folgen führen“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Unser Lebensmittelrecht soll präventiv wirken – tatsächlich hat es aber all die Skandale nicht verhindert, weil es an entscheidenden Stellen viel zu schwach ist und Wirtschaftsinteressen den Vorrang vor dem Verbraucherschutz gibt. Wir benötigen ein Lebensmittelrecht, das Skandale im Vorfeld verhindert – dieses wird von der EU-Kommission oder der Bundesregierung aber noch nicht einmal als Ziel benannt.“

foodwatch kritisiert u.a. drei Punkte, die grundlegende Schwachstellen beim Gesundheitsschutz und beim Schutz vor Täuschung und Betrug darstellten:

Rückverfolgbarkeit: Obwohl im EU-Recht die lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette eindeutig vorgeschrieben ist, wurde diese Vorgabe nicht durchgesetzt. So seien bei vielen Lebensmittelskandalen der letzten Jahre – von Salmonellen in Babymilch des französischen Herstellers Lactalis bis zu mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eiern – jeweils Millionen Produkte auf den Markt gelangt, ohne dass Unternehmen und Behörden die Warenströme nachverfolgen und betroffene Produkte schnell aus dem Markt nehmen konnten. Rückverfolgbarkeit sicherzustellen ist Aufgabe der Lebensmittelbehörden in Deutschland.

Information der Verbraucherinnen und Verbraucher: Verbraucherinnen und Verbraucher werden bei Verstößen gegen das Lebensmittelrecht häufig entweder zu spät, nur unzureichend oder gar nicht gewarnt, kritisierte foodwatch. Bei Betrug und Täuschung sehe das EU-Recht überhaupt keine Verpflichtung für die Behörden vor, die Öffentlichkeit zu informieren. Aus diesem Grund sei zum Beispiel bis heute unbekannt, in welchen Produkten beim Pferdefleisch-Skandal statt Rindfleisch Pferdefleisch verarbeitet wurde. Auch Hygieneverstöße blieben in aller Regel geheim. Das Lebensmittelrecht entfalte daher kaum präventive Wirkung, so foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte, dass Behörden die Öffentlichkeit immer schnell und umfassend informieren müssen. Und zwar unter Nennung der Namen der Hersteller und Produkte sowohl in Fällen, in denen Gesundheitsgefahr besteht, wie auch bei Betrug. Erst wenn Lebensmittelunternehmen befürchten müssten, dass Verstöße öffentlich werden, hätten die Firmen einen Anreiz, sich an alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten. Aktive Informationspflichten für die Behörden könne die Bundesernährungsministerin sofort auf nationaler Ebene umsetzen, ohne auf eine Einigung in Brüssel zu warten, so foodwatch.

Klagerechte: Verbraucherinnen und Verbraucher hätten kaum Möglichkeiten, sich juristisch zur Wehr zu setzen, so die Kritik von foodwatch. Zum einen müssten Kläger nachweisen, dass etwa Gesundheitsschäden durch den Verzehr eines bestimmten Lebensmittels ausgelöst wurden. Ein solcher direkter Kausalzusammenhang sei aber bei Lebensmitteln fast unmöglich zu beweisen. Zum anderen könnten bei Täuschung und Betrug Verbraucherinnen und Verbraucher maximal eine Rückerstattung des Kaufpreises verlangen – ein kaum lohnenswerter Aufwand. Stattdessen müssten Verbraucherinnen und Verbraucher sich zu Sammelklagen gegen Unternehmen zusammenschließen können, forderte foodwatch. Nötig sei zudem ein effektives Verbandsklagerecht, wie es im Umweltbereich längst etabliert sei: Verbraucherverbände müssten gegen ungesetzliche Praktiken von Unternehmen klagen können und auch die rechtliche Möglichkeit bekommen, Behörden zu verklagen, wenn diese ihre Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts missachteten. Erst das schaffe das nötige Druckmittel und „Waffengleichheit“ – denn Unternehmen könnten bereits heute vor Gericht ziehen, wenn der Gesetzgeber oder Behörden in ihre Rechte eingriffen.

Die meisten Bestimmungen im Lebensmittelrecht sind auf europäischer Ebene geregelt, einige fallen unter die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Maßgeblich auf europäischer Ebene ist die sogenannte EU-Basisverordnung, die vor rund 15 Jahren als Antwort auf die BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) beschlossen wurde. Im Rahmen des „REFIT-Prozesses“ (Regulatory Fitness and Performance Programme) der Europäischen Kommission soll die EU-Basisverordnung jetzt überarbeitet werden. Die EU-Kommission hat dazu im April 2018 einen Reformvorschlag vorgelegt, der vor allem die Risikobewertung verbessern soll. So sollen etwa Studien zur Sicherheit von Unkrautvernichtungsmitteln wie Glyphosat zukünftig besser öffentlich zugänglich sein. Aus Sicht von foodwatch ist der Vorschlag unzureichend. Vielmehr müssten die grundlegenden Schwachstellen behoben werden.

foodwatch-Report „Rechtlos im Supermarkt – Gesundheitsgefahren, Täuschung, Betrug: Warum das Lebensmittelrecht Verbraucherinnen und Verbraucher nicht ausreichend schützt”: http://t1p.de/report-lebensmittelrecht

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<![CDATA[Nach Protest auf Beschwerdeplattform Schummelmelder: Bebivita kündigt Milchbrei ohne Zuckerzusatz an]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-protest-auf-beschwerdeplattform-schummelmelder-bebivita-kuendigt-milchbrei-ohne-zuckerzusatz-an/Fri, 09 Nov 2018 11:30:00 +0100

Der Babynahrungshersteller Bebivita hat angekündigt, keinen Milchbrei mehr mit zugesetztem Zucker zu verkaufen. Das erklärte das Tochterunternehmen von Hipp gegenüber der Verbraucherorganisation foodwatch. Zucker müsse grundsätzlich „kritisch betrachtet werden – insbesondere dann, wenn es sich um Produkte für Säuglinge und Kleinkinder handelt“. Deshalb habe Bebivita entschieden, „den zugesetzten Zucker aus allen Bebivita Milchbrei-Rezepturen zu entfernen“. Die Produkte mit den neuen Rezepturen sollen ab April 2019 im Handel erhältlich sein.

Der „Bebivita Milchbrei Keks“ war potentieller Kandidat für den Goldenen Windbeutel 2018, der Wahl zur dreisteten Werbelüge des Jahres. Gleich drei Verbraucherinnen und Verbraucher hatten das Produkt auf der Online-Beschwerdeplattform Schummelmelder eingereicht und damit als möglichen Kandidaten für den Negativpreis ins Spiel gebracht. Das Produkt werbe mit Calcium, Eisen und Jod sowie „einem gesunden Wachstum“ – sei zugleich aber eine Zuckerbombe, so die Kritik der Verbraucherinnen und Verbraucher. Aus 120 eingereichten Produkten auf dem Schummelmelder hatte foodwatch in dieser Woche fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel ausgewählt und auf www.goldener-windbeutel.de nominiert. Bebivita hatte die Rezepturänderung wenige Tage vor dem Wahlstart gegenüber foodwatch angekündigt. Eigenen Angaben zufolge soll sich das Unternehmen jedoch schon vor Monaten zu dem Schritt entschlossen haben.

„Zuckerzusatz hat in Babynahrung nichts verloren. Die angekündigte Rezepturänderung ist seit Jahren überfällig. Doch wer A sagt, muss auch B sagen: Bebivita sollte künftig alle Säuglingsprodukte ohne Zuckerzusatz herstellen“, erklärte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. Unger kritisierte, dass Babynahrung in vielen Fällen als gesund beworben wird, obwohl es nicht den Empfehlungen von Kinderärzten entspricht. „Die Babynahrungsindustrie darf nicht länger das Vertrauen der Eltern ausnutzen.“

Die fünf Kandidaten für den diesjährigen Goldenen Windbeutel stehen exemplarisch für Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt. Nominiert sind das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, das „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, der „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und der Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau.

foodwatch vergibt den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck auf die Politik machen. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de ihren Favoriten für die dreisteste Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

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<![CDATA[Einladung zum Pressegespräch: foodwatch-Report entlarvt gefährliche Schwachstellen im EU-Lebensmittelrecht – Was Bundesernährungsministerin Julia Klöckner jetzt tun muss]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zum-pressegespraech-foodwatch-report-entlarvt-gefaehrliche-schwachstellen-im-eu-lebensmittelrecht-was-bundesernaehrungsministerin-julia-kloeckner-jetzt-tun-muss/Thu, 08 Nov 2018 11:05:00 +0100

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie kann es sein, dass mit Insektengift belastete Eier millionenfach auf den Markt gelangen? Wieso sind Etikettenschwindel und Verbrauchertäuschung im Supermarkt noch immer ganz legal möglich? Und wieso schützt das Lebensmittelrecht Unternehmen besser als Verbraucherinnen und Verbraucher? Diesen Fragen ist foodwatch in dem umfassenden Report „Rechtlos im Supermarkt“ nachgegangen. Die Untersuchung liefert eine detaillierte Analyse des deutschen und EU-Lebensmittelrechts. Die Ergebnisse sowie die ganz konkreten politischen Forderungen an Bundesernährungsministerin Julia Klöckner möchten wir Ihnen gerne im Rahmen eines kleinen Frühstücks bei einem Pressegespräch vorstellen, zu dem wir Sie herzlich einladen:

Termin: 12. November 2018, 10:00 Uhr

Ort: Hotel Albrechtshof, Albrechtstraße 8, 10117 Berlin (Raum: Spener & Fliedner)

mit: 

- Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

- Lena Blanken, Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank! 

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit foodwatch

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<![CDATA[Nach Nominierung für Goldenen Windbeutel: Bio-Hersteller Dennree kündigt neues Etikett für Bratöl an]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-nominierung-fuer-goldenen-windbeutel-bio-hersteller-dennree-kuendigt-neues-etikett-fuer-bratoel-an/Wed, 07 Nov 2018 11:19:00 +0100

Bio-Hersteller Dennree hat nach der Nominierung für den Goldenen Windbeutel angekündigt, das Etikett seines Produkts „Bratöl Olive“ zu überarbeiten. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat das Öl für die Online-Wahl zur Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de nominiert, weil Name und Produktaufmachung suggerieren, es handele sich um reines Olivenöl – tatsächlich besteht das Produkt zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl. Das verrät bisher aber nur der Blick ins Kleingedruckte auf der Rückseite. Dennree schrieb nun an foodwatch: „Diese Nominierung enttäuscht uns sehr, da es nicht unsere Absicht war, unsere Kundinnen und Kunden zu täuschen.“ In dem Schreiben kündigte der Hersteller an, das Etikett zu ändern: Ab 2019 soll direkt auf der Verpackungsvorderseite angegeben werden, dass es sich um eine Mischung aus Sonnenblumenöl und Olivenöl handelt. Zudem soll künftig neben den groß abgebildeten Oliven auch eine Sonnenblume zu sehen sein.

„Was eigentlich selbstverständlich sein sollte, schafft Dennree erst nach öffentlicher Kritik: Auf dem Etikett soll künftig draufstehen, was drin ist. Gar nicht so schwer, sollte man meinen“, sagte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. „Die anderen Kandidaten für den Goldenen Windbeutel sollten sich an Dennree ein Beispiel nehmen.“

Neben dem Dennree-Produkt sind vier weitere Kandidaten nominiert, die exemplarisch für Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt stehen: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, der „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und der Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau. Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen.

Im Vorfeld der Wahl konnten Verbraucherinnen und Verbraucher beim „Schummelmelder“, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, selber Produkte einreichen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle der mehr als 100 ganz unterschiedlichen Vorschläge flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein.

2018 vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck machen für bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Kinderkeks der Firma Alete.

Link:

Die Wahl der Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de 

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<![CDATA[Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 gestartet: Verbraucher wählen Werbelüge des Jahres – fünf Produkte von Coca-Cola, Dennree, Edeka, Heinz und Schwartau nominiert]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/wahl-zum-goldenen-windbeutel-2018-gestartet-verbraucher-waehlen-werbeluege-des-jahres-fuenf-produkte-von-coca-cola-dennree-edeka-heinz-und-schwartau-nominiert/Tue, 06 Nov 2018 10:19:00 +0100

Die Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 ist eröffnet: Verbraucherinnen und Verbraucher können ab heute auf www.goldener-windbeutel.de abstimmen, welches Produkt aus dem Supermarkt den Negativpreis für die dreisteste Werbelüge des Jahres erhalten soll. Die Verbraucherorganisation foodwatch hat fünf Kandidaten nominiert, die exemplarisch für Etikettenschwindel im Lebensmittelmarkt stehen: das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, das „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, den Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, den „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und den Riegel „Corny Milch“ von Hersteller Schwartau. 

„Von Gesundheitsschwindel bis Eltern-Abzocke: Im hart umkämpften Lebensmittelmarkt lassen sich die Hersteller mit millionenschweren Marketingbudgets immer wieder neue Tricks einfallen, um den Kundinnen und Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das nervt! Die Lösung kann nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher lernen, sich im Täuschungs-Dschungel zurechtzufinden – sondern die Hersteller müssen ihre Produkte ehrlich und leicht verständlich kennzeichnen“, erklärte Sophie Unger von foodwatch, Wahlleiterin für den Goldenen Windbeutel. Mit 2,8 Milliarden Euro pro Jahr ist die Lebensmittelwirtschaft die Branche mit den höchsten Werbeausgaben in Deutschland. Die Politik sei in der Verantwortung, endlich für klare gesetzliche Kennzeichnungsvorgaben zu sorgen, forderte Sophie Unger. „Die alltägliche Verbrauchertäuschung im Supermarkt ist ganz legal. Hier ist die Politik gefragt. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner ist allerdings bisher eher durch einen Kuschelkurs gegenüber der Lebensmittelwirtschaft aufgefallen, als durch klare Kante gegen Schummler und Täuscher.“

Verbraucherinnen und Verbraucher hatten in den letzten Wochen auf www.schummelmelder.de, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, mehr als 100 ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein. 

Das sind die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018: 

Kandidat Nr. 1: Glacéau Smartwater von Coca-Cola

Hinter dem groß beworbenen „Dampf-destillierten“ Wasser steckt ein simpler Trick: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen. Verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Diesen ernährungsphysiologisch völlig unnützen Vorgang müssen Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als herkömmliches Mineralwasser – aus Sicht von foodwatch eine dreiste Abzocke mit dem Grundnahrungsmittel Wasser.

Kandidat Nr. 2: Bratöl Olive von Dennree

Bio-Pionier Dennree nennt sein Produkt „Bratöl Olive“ und spricht von „reinem Genuss“. Dabei besteht es zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl. Verbraucherin Nadine Z. hat das Produkt deshalb auf der Schummelmelder-Plattform eingereicht und kritisiert: „Der Name Bratöl Olive suggeriert einem, dass es sich ausschließlich um Olivenöl handelt. Leider enthält es aber nur 51% Olivenöl.“

Kandidat Nr. 3: Erbsen Eintopf Gut und Günstig von Edeka

Der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke Gut und Günstig kommt naturbelassen daher – auf der Vorderseite der grünen Dose verspricht Edeka werbewirksam „Garantiert ohne: geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Farbstoffe“ und suggeriert damit eine traditionelle Herstellungsweise. Was erst die Zutatenliste im Kleingedruckten auf der Rückseite offenbart: Trotzdem sind ganze zehn Zusatzstoffe enthalten, von einem naturbelassenen Eintopf ist das Produkt also weit entfernt. .

Kandidat Nr. 4: Kids Tomato Ketchup von Heinz

Mit dem Ketchup speziell für Kinder zockt Heinz Eltern ab: Die Kids-Variante kostet bis zu 40 Prozent mehr als das Pendant für Erwachsene, obwohl der Ketchup exakt der gleiche ist. Hinzu kommt: Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten gezuckerte Ketchups gar nicht an Kinder beworben werden.

Kandidat Nr. 5: Corny Milch von Schwartau  

Hersteller Schwartau bewirbt seinen Corny-Riegel wie eine gesunde Zwischenmahlzeit mit Aussagen wie „ideal für den kleinen Snack mit Milch zwischendurch“ oder „mit dem Plus an Calcium“. Tatsächlich besteht das Produkt zur Hälfte aus Zucker und Fett. Das Fazit von Verbraucher Holm T., der den Riegel auf Schummelmelder.de hochgeladen hat: „Das Produkt ist damit alles andere als gesund, sondern eine gewaltige Schummelei.“

Noch bis Anfang Dezember können Verbraucherinnen und Verbraucher auf www.goldener-windbeutel.de aus den fünf Kandidaten ihren Favoriten für den Preis der dreistesten Werbelüge wählen. Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen. 

2018 vergibt foodwatch den Goldenen Windbeutel zum achten Mal. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck machen für bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln. foodwatch fordert unter anderem eine verständliche Nährwert-Ampel, ein Verbot irreführender Gesundheitswerbung sowie realistische Produktabbildungen und -bezeichnungen.

Bisherige Windbeutel-Preisträger waren unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milch-Schnitte von Ferrero (2011) und ein Instant-Tee für Kinder von Hipp (2012). Vergangenes Jahr ging der Negativpreis an einen überzuckerten Kinderkeks der Firma Alete. 

Link: 

Die Wahl der dreistesten Werbelüge des Jahres auf www.goldener-windbeutel.de 

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<![CDATA[Pressekonferenz: foodwatch startet Wahl zum Goldenen Windbeutel 2018 und stellt Auswertung zur Beschwerdeplattform „Schummelmelder.de“ vor]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/pressekonferenz-foodwatch-startet-wahl-zum-goldenen-windbeutel-2018-und-stellt-auswertung-zur-beschwerdeplattform-schummelmelderde-vor/Tue, 30 Oct 2018 15:29:00 +0100+++ Möglichkeiten für Bildmotive sind gegeben +++

Sehr geehrte Damen und Herren,

von angeblichen Naturprodukten mit etlichen Zusatzstoffen bis zu vermeintlich „gesunden“ Zuckerbomben: Auf der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen unter www.schummelmelder.de haben Verbraucherinnen und Verbraucher in wenigen Wochen ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich im Supermarkt getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel ein, der Online-Wahl zur dreistesten Werbelüge des Jahres, die foodwatch in diesem Jahr zum achten Mal durchführt. Zum Start der diesjährigen Abstimmung am 6. November möchten wir Ihnen Produkte vom Schummelmelder und natürlich alle fünf Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018 auf einer Pressekonferenz vorstellen – und zudem die Frage beantworten: Was muss politisch passieren, damit die alltägliche, ganz legale Verbrauchertäuschung im Supermarkt ein Ende hat?

Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Pressekonferenz:

  • Termin: 6. November 2018, 10:30 Uhr
  • Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin, Raum 5
  • mit:
    - Sophie Unger, Wahlleiterin beim Goldenen Windbeutel 2018 und Projektverantwortliche für Schummelmelder.de
    - Oliver Huizinga
    , Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch 

Links:

- foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen: www.schummelmelder.de

- Die Wahl der Werbelüge des Jahres ab 6. November auf www.goldener-windbeutel.de

Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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<![CDATA[Bündnis fordert: CETA im Bundesrat stoppen – Übergabe von mehr als 70.000 Unterschriften an Hubert Aiwanger auf Landesparteitag der Freien Wähler]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/buendnis-fordert-ceta-im-bundesrat-stoppen-uebergabe-von-mehr-als-70000-unterschriften-an-hubert-aiwanger-auf-landesparteitag-der-freien-waehler/Sat, 27 Oct 2018 10:51:00 +0200Ein Bündnis aus sechs zivilgesellschaftlichen Organisationen hat dem Vorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, mehr als 70.000 Unterschriften gegen das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA überreicht. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fordern von den Freien Wählern, im Falle einer Regierungsbeteiligung die Zustimmung Bayerns zu CETA im Bundesrat zu verhindern. Träger des Aufrufes sind der BUND Naturschutz in Bayern, Campact, foodwatch, Mehr Demokratie Bayern, das Umweltinstitut München und das Netzwerk Gerechter Welthandel.

Die Freien Wähler haben sich in den letzten Jahren gegen Freihandelsabkommen wie CETA oder TTIP positioniert und unter anderem das Volksbegehren gegen CETA in Bayern unterstützt. Dabei haben sie immer wieder auf die Gefahren für Kommunen, Handwerk, Mittelstand und Landwirtschaft hingewiesen, sowie die Aufweichung unserer Standards in den Bereichen Umwelt und Soziales scharf kritisiert. Zentrale Punkte waren dabei der Liberalisierungsdruck im Bereich öffentlicher Dienstleistungen - zum Beispiel bei der Wasserversorgung - und die Paralleljustiz durch die CETA-Schiedsgerichte. Einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag von Campact zufolge, lehnen 69 Prozent der befragten Bayerinnen und Bayern die Sonderklagerechte für Konzerne vor solchen Schiedsgerichten ab. Nur 36 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass das Land Bayern CETA zustimmt.

Das Freihandelsabkommen CETA muss von allen 28 EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert werden, um nicht zu scheitern. In Deutschland muss darüber nicht nur der Bundestag, sondern auch der Bundesrat entscheiden. Die Abstimmungen werden voraussichtlich im nächsten Jahr stattfinden. Bayern kommt dabei mit sechs Stimmen im Bundesrat eine wichtige Rolle zu. Bleiben die Freien Wähler bei ihrer ablehnenden Haltung zu CETA, müsste Bayern sich im Bundesrat zumindest enthalten. Aufgrund der knappen Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat bestünde somit eine reale Chance, das Abkommen noch durch ein deutsches „Nein“ zu stoppen.

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<![CDATA[Wegen unzulässiger Gesundheitswerbung für zuckrigen Schul-Kakao: foodwatch mahnt Landliebe und Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW ab ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/wegen-unzulaessiger-gesundheitswerbung-fuer-zuckrigen-schul-kakao-foodwatch-mahnt-landliebe-und-landesvereinigung-der-milchwirtschaft-nrw-ab/Thu, 25 Oct 2018 10:50:00 +0200Der Molkereikonzern Landliebe und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW stellen gesüßte Schulmilch trotz ihres Zuckergehalts als gesund dar – und bedienen sich dabei unerlaubter Werbeaussagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine juristische Prüfung durch foodwatch. Die Verbraucherorganisation hat den größten Schulmilchlieferanten sowie den nordrhein-westfälischen Lobbyverband der Milchwirtschaft abgemahnt und aufgefordert, die Werbung zurückzuziehen. 

Mit den Gesundheitsbotschaften rücken Landliebe und die Vereinigung gezuckerte Milchmischgetränke wie den Kakao in ein positives Licht und bewerben diese gezielt bei Eltern oder Schulen. Nach Angaben des Landes Brandenburg waren die Gesundheitsaussagen der Molkerei sogar eine Grundlage für die Entscheidung, beim Schulmilchprogramm entgegen den offiziellen Ernährungsstandards weiterhin gezuckerte Milchgetränke mit Steuergeldern zu fördern. Die mit Landliebe verflochtene Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW ist sogar der zentrale Partner des Landes NRW beim Schulmilchprogramm, sie wird von der Landesregierung in die Schulen geschickt, um dort Unterricht und Werbung für Milchprodukte zu machen und erhält dafür zusätzliche Steuergelder.

„Die Kindergesundheit ist offenbar nur noch ein Kollateralschaden des Profitstrebens von Landliebe und der übergriffigen Absatzförderung von Milchlobbyisten. Wem jedes unseriöse Mittel recht ist, um weiterhin am Verkauf von zuckrigem Schulkakao an den Schulen zu verdienen, kann kein Partner für die Landesregierungen sein“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Er forderte NRW, Berlin und Brandenburg auf, keine Lobbyverbände mehr mit der Unterrichtsgestaltung zu beauftragen und die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die anderen Bundesländer fördern, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen. 

In einer Elternbroschüre stellt Landliebe dar, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten „Schokomilch“ in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Im Internet behauptet das Molkereiunternehmen: „Kakao steigert die Intelligenz“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Diese Aussagen hatte  das Unternehmen auch per Newsletter an Entscheidungsträger geschickt. Die für das Schulmilchprogramm zuständige Behörde in Brandenburg gab gegenüber foodwatch an, auch auf Basis dieser angeblichen Studienergebnisse entschieden zu haben, dass das Land weiter an der Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten festhält, obwohl die aus einem EU-Topf stammenden Zuschüsse nach den Vorgaben der EU grundsätzlich nur für ungesüßte Produkte verwendet werden sollen. 

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW wiederum behauptet auf Internetseiten unter anderem, dass gezuckerte Schokomilch den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“ und Milchprodukte die Zähne „schützen“. Der Lobbyverband ist der wesentliche Partner des Landes NRW bei der Umsetzung des Schulmilchprogramms: Er erhält Steuergelder, um in den Schulen Ernährungsunterricht zu gestalten, Lehrmaterialien zu erstellen und um Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme am Schulmilch- und Schulkakaoprogramm zu bewegen. 

Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden oder falschen Werbeversprechen müssen gesundheitsbezogene Werbeaussagen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 250 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören nicht dazu. Ohnehin basieren die Aussagen im Wesentlichen auf einer kleinen Zahl wissenschaftlich höchst fragwürdiger Studien im Auftrag der Milchwirtschaft. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus.

foodwatch forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die von ihr angekündigte „Elternbefragung“ zur Schulmilchförderung so auszugestalten, dass Eltern ihre Bedürfnisse zur Unterstützung einer ausgewogenen Ernährung der Kinder an den Schulen äußern können. „Es kann nicht sein, dass die Milchwirtschaft Eltern, Schulverantwortlichen und Kindern jahrelang einreden darf, Zuckermilch sei besonders gesund – und auf Basis einer solchen Desinformationskampagne werden Eltern plötzlich nur danach gefragt, ob der Kakao weiter gefördert werden soll“, so foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Alle Argumente liegen längst auf dem Tisch. Wenn NRW ernsthaft eine ausgewogene Ernährung an Schulen unterstützen will, dann gibt es viele Möglichkeiten: Die Zuckerförderung stoppen, die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung nach mehr als zehn Jahren endlich durchsetzen, das Obst- und Gemüseprogramm an allen Schulen zugänglich machen, Angebote für ausgewogene Schulfrühstücke machen – all das würde den Kindern helfen und nicht in erster Linie Milchindustrie. Die Elternbefragung ist eine Chance um herauszufinden, wo die Not am größten ist. Allerdings muss das Land auch dazu bereit sein, die nötigen Mittel bereitzustellen – anders als bisher.“ 

Anfang Oktober hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet die fragwürdigen Kakaostudien und insbesondere die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten. 

Der Landliebe-Schulkakao enthält in der fettarmen Variante 21,7 Gramm Zucker in einer Tagesportion (250-Milliter) – das entspricht umgerechnet mehr als 7 Stück Würfelzucker. Die ungesüßte, fettarme Trinkmilch enthält demgegenüber 12 Gramm Milchzucker pro Tagesportion. 

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<![CDATA[Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert: Freie Wähler in Bayern müssen CETA im Bundesrat stoppen – Freihandelsabkommen ist Gefahr für Demokratie]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/zivilgesellschaftliches-buendnis-fordert-freie-waehler-in-bayern-muessen-ceta-im-bundesrat-stoppen-freihandelsabkommen-ist-gefahr-fuer-demokratie/Fri, 19 Oct 2018 15:51:00 +0200Ein Bündnis aus fünf zivilgesellschaftlichen Organisationen hat zum Auftakt der Koalitionsgespräche in Bayern die Freien Wähler aufgefordert, das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA zu verhindern. „Sorgen Sie dafür, dass Bayern CETA im Bundesrat nicht zustimmt und sichern Sie dies im Koalitionsvertrag ab", heißt es in einem Appell an den Vorsitzenden der Freien Wähler, Hubert Aiwanger. CETA diene nicht der Allgemeinheit, sondern „bediene einseitig die Interessen von Großkonzernen“. Unterstützer des Appells sind der BUND Naturschutz in Bayern, das Umweltinstitut München, Campact, foodwatch und Mehr Demokratie. Die Organisationen haben eine Unterschriftenaktionen unter www.ceta-bayern.foodwatch.de gestartet.

„Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger hat sich bisher immer gegen das EU-Kanada-Abkommen ausgesprochen. Er darf jetzt nicht einknicken, sondern muss zu seinem Nein zu CETA stehen. Die Interessen großer Konzerne dürfen nicht über dem Gemeinwohl stehen“, erklärte Lena Blanken von foodwatch.

Die Freien Wähler hatten sich stets gegen das EU-Kanada-Abkommen ausgesprochen. In Deutschland müssen der Bundestag und der Bundesrat über CETA entscheiden. Ein Nein oder eine Enthaltung aus Bayern im Bundesrat könnte das Aus für den Handelsvertrag bedeuten. Am heutigen Freitag starten die Koalitionsgespräche zwischen der CSU und den Freien Wählern. Die bayerische Verfassung gibt vor, dass der Landtag 22 Tage nach der Wahl das erste Mal zusammentreten muss - das wäre der 5. November.

Das zivilgesellschaftliche Bündnis kritisiert CETA als eine Gefahr für die Demokratie und den Verbraucher- und Gesundheitsschutz. Das Abkommen bedrohe den Mittelstand, die Landwirtschaft und die kommunale Daseinsvorsorge. Mit seinen Regeln zum Investitionsschutz schaffe das Abkommen zudem eine Paralleljustiz ohne demokratische Legitimation.

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<![CDATA[ foodwatch: Klöckners Industrie-Vereinbarung für weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln zum Scheitern verurteilt]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-kloeckners-industrie-vereinbarung-fuer-weniger-zucker-fett-und-salz-in-lebensmitteln-zum-scheitern-verurteilt/Wed, 17 Oct 2018 10:01:00 +0200

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Grundsatzvereinbarung von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner mit Branchenverbänden zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln scharf kritisiert. Statt die Industrie endlich in die Pflicht zu nehmen setze die Ministerin nur auf Freiwilligkeit. Ein solcher „Kuschelkurs mit der Lebensmittelwirtschaft“ sei zum Scheitern verurteilt, erklärte die Verbraucherorganisation.

„Es ist geradezu lächerlich, was Frau Klöckner als großen Wurf verkauft. Offenbar denkt die Ministerin, sie muss nur möglichst dünne Strategiepapiere vorlegen und die Menschen nehmen automatisch ab. Die sogenannte Grundsatzvereinbarung überlässt es den Unternehmen selbst, welche Zielvorgaben sie sich setzen, um eine gesunde Ernährung zu fördern“, kritisierte Luise Molling von foodwatch. „Kinderärzte, Krankenkassen und die Weltgesundheitsorganisation fordern seit Jahren effektive Maßnahmen gegen Fehlernährung wie eine farbliche Nährwertkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und auch steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen. Anstatt auf die Experten zu hören, schlägt sich Frau Klöckner auf die Seite der Zucker-Lobby.“

Julia Klöckner ignoriere die Erfahrungen aus anderen Ländern, so foodwatch. Beispielsweise in den Niederlanden war ein ähnliches angelegtes Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert. 

Folgende Punkte der Grundsatzvereinbarung sieht foodwatch besonders kritisch:

  • Den Unternehmen wird es selbst überlassen, welche Zielvorgaben sie sich setzen. Es sei „eine Unternehmensentscheidung, welche der konkreten Maßnahmen, die in branchenbezogenen Prozess- und Zielvereinbarungen zu formulieren sind, umgesetzt werden und somit den Unternehmen überlassen“, heißt es in dem Papier. Für diese selbst gesetzten Ziele sollen die Unternehmen bis zum Jahr 2025 Zeit bekommen. 
  • Das geplante Verbot von Zuckerzusatz in Baby- und Kindertees sei ein Papiertiger: Aktuellen foodwatch-Recherchen zufolge würde diese Regelung nur etwa eine Handvoll Produkte aus dem Einzelhandel betreffen. Die Hersteller gezuckerter Babytees hatten bereits vor Jahren aufgrund von Kritik Rezepturen geändert und Produkte vom Markt genommen. Wie viele Produkte vom geplanten Verbot vom Zuckerzusatz in Kindermilch betroffen wären, lässt sich noch nicht bewerten. Eine Anfrage dazu beim Bundesernährungsministerium blieb bislang unbeantwortet. 
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<![CDATA[Schulmilchprogramm im Lobby-Sumpf: Report entlarvt jahrzehntelange Verflechtung zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik in NRW – foodwatch kritisiert Absatzförderung zu Lasten der Kindergesundheit]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilchprogramm-im-lobby-sumpf-report-entlarvt-jahrzehntelange-verflechtung-zwischen-milchwirtschaft-wissenschaftlern-und-politik-in-nrw-foodwatch-kritisiert-absatzfoerderung-zu-lasten-der-kindergesundheit/Wed, 10 Oct 2018 10:36:00 +0200

- Dubiose Auftragsstudien der Milchwirtschaft stellen zuckrigen Kakao als gesund dar
- NRW-Landesregierung finanziert Marketingaktionen der Milchwirtschaft an Schulen
- Bis zu 90 Prozent der Milchpäckchen für Schulen in NRW sind gezuckerter Kakao
- Interne Protokolle der Treffen zwischen Land und Milchlobby veröffentlicht

Eine Landesregierung beauftragt Lobbyisten, Werbung an Schulen zu machen – und stattet sie dafür mit Steuergeldern aus. Ein Abgeordneter kritisiert von der Oppositionsbank aus die gezuckerten Schulmilchprodukte, nur um später, als Minister, vom Kakao zu schwärmen – im Interview mit dem Molkereikonzern Friesland Campina („Landliebe“). Ein kleines Grüppchen Wissenschaftler zieht auf Werbetour für den Schulkakao und hantiert dabei mit dubiosen Auftragsstudien, die den Kakao als gesund darstellen. In ihrem am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Report „Im Kakao-Sumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ hat foodwatch auf mehr als 80 Seiten jahrzehntelange Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik entlarvt. Am Beispiel Nordrhein-Westfalen stellt die Verbraucherorganisation dar, wie das Schulmilchprogramm alles einem Ziel unterordnet: der Förderung des Milchabsatzes. 

„Bei der Schulkakaoförderung geht es zu allerletzt um die Gesundheit der Kinder – es ist ein durch und durch lobbyverseuchtes Absatzförderungsprogramm für die Milchwirtschaft. Weil sich Milch fast nur als Kakao an den Schulen verkaufen lässt, wird die Extraportion Zucker eben billigend in Kauf genommen“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Unsere Recherchen zeigen eine kaum vorstellbare Verflechtung zwischen Auftragsforschern, Milchwirtschaft und Politik – über Jahrzehnte und Parteigrenzen hinweg. Bei vielen Lobbyisten würden die Sektkorken knallen, wenn sie auch nur ein bisschen Werbung in den Schulen machen dürften – die Milchwirtschaft in NRW bekommt nicht nur den offiziellen Auftrag der Landesregierung, sondern auch noch Steuergelder, um Werbung für ihre Produkte direkt im Unterricht zu machen.“

Der foodwatch-Report geht der Frage nach, weshalb eine Landesregierung in ihrem Schulmilchprogramm weiterhin gezuckerten Kakao steuerlich fördert – obwohl Kinderärzte, Zahnmediziner und Ernährungsexperten das Gegenteil fordern. 

Die wichtigsten Rechercheergebnisse: 

- Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW hat den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Erlass des Landesumweltministeriums auf Basis eines Bundesgesetzes aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

- Das Land bezahlt der Milchlobby jährlich rund 350.000 Euro, um Unterrichtseinheiten und Lehrmaterialien zu gestalten, Marketingveranstaltungen in den Schulen durchzuführen und mit einem „Schulmilchteam“ das Schulmilchprogramm zu bewerben. Das im Gegenzug für die EU-Zuschüsse für Schulmilchprodukte geforderte pädagogische „Begleitprogramm“ wird praktisch vollständig von der Milchwirtschaft durchgeführt – was das Land erheblich billiger kommt als ein neutrales, interessenunabhängiges Programm zur Ernährungsbildung. 

- Bei gesundheitlichen Fragen zum Beispiel zum Zuckergehalt verweist das Land NRW auf interessengeleitete Informationen der Landesvereinigung der Milchwirtschaft. Bis vor wenigen Jahren war der Lobbyverband im Impressum der offiziellen Schulmilchseite des Umweltministeriums sogar ganz unverblümt als verantwortlich für die „inhaltliche Betreuung“ aufgeführt. Interne Protokolle von Treffen zwischen Ministerium und Milchlobby, die foodwatch über das Informationsfreiheitsgesetz erhalten hat, belegen, dass es auch bei der aktuellen Website eine enge Abstimmung gab. Zudem finden sich wortgleiche Passagen in Landespublikationen und auf PR-Seiten des Milchverbandes – in denen zum Beispiel erklärt wird, weshalb der Zucker in den Milchprodukten kein Problem sein soll. 

- Die Gewinne der Schulmilchlieferanten sind abhängig vom Kakao. Das Land hat bislang keine offiziellen Zahlen für Schulen genannt. Die Protokolle der Treffen zwischen dem Landesumweltministerium und Milchwirtschaft weisen jedoch darauf hin, dass zuletzt 80 bis 90 Prozent der an den Schulen verkauften Trinkpäckchen gezuckerte Milchprodukte waren. Lieferanten wie Landliebe drohen mit einem Stopp der Schulmilchlieferung, wenn Kakao nicht länger gefördert wird. Der Schulmilch-Kakao von Marktführer Landliebe hat einen Zuckergehalt von 8,7 Prozent und bewegt sich damit fast auf dem Niveau von Fanta. Viele Schulkinder nehmen über die 250-Milliliter-großen – mit Steuergeldern subventionierten – Kakao-Trinkpäckchen jeden Tag mehr als sieben Stück Würfelzucker zu sich.   

- Mit dubiosen Studien gibt die Milchwirtschaft vor, positive Effekte von gezuckertem Kakao für die „geistige Leistungsfähigkeit“ und die Zahngesundheit belegen zu können. Tatsächlich halten diese Studien – größtenteils Auftragsarbeiten für die Milchwirtschaft, die auf drei untereinander eng vernetzte Forscher zurückgehen – einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Sie arbeiten mit winzigen Probandenzahlen, stellen Ergebnisse grafisch verzerrt dar oder vergleichen beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit von Schülern nach dem Kakaokonsum gegenüber Schülern mit gänzlich nüchternem Magen. Auf solchen Grundlagen wird schließlich zum Beispiel behauptet, Kakao könne die Intelligenz der Kinder um „7 IQ-Punkte“ steigern, für bessere PISA-Test-Ergebnisse und bessere Schulnoten sorgen. Grundlage für solche Aussagen ist ein zweifelhaftes Messverfahren des unter Fachkollegen berüchtigten Psychologen Siegfried Lehrl – der bereits ein „Pflichtkaugummi“ im Unterricht forderte, weil auch das Kaugummikauen angeblich die Intelligenz der Schülerinnen und Schüler steigern soll. 

- Mit den Studienergebnissen gingen insbesondere zwei industrienahe Wissenschaftler auf Werbetour für den Kakao: der Arbeitswissenschaftler Günter Eissing, emeritierter Professor der TU Dortmund (die ihm vorwirft, das Renommee der Hochschule für Privatinteressen zu nutzen und die nach foodwatch-Informationen rechtliche Schritte prüft) und der Ökotrophologe Günter Wagner vom privatwirtschaftlichen „Deutschen Institut für Sporternährung“ in Bad Nauheim. Sie vermarkten die angeblichen Wirkungen von Kakao in Artikeln im Fachblatt „Schule NRW“, auf Schulleiterkongressen und Bildungsmessen und nutzen dafür teils werbliche Formulierungen. Landliebe nutzt die „Forschungsergebnisse“ offensiv für sein Marketing und behauptet, Kakao steigere nicht nur die „Intelligenz und Konzentration“, sondern verursache zum Frühstück „weniger Karies als Wasser“. Auch in einer Elternbroschüre wirbt Landliebe für den Kakao auf Basis der Studienergebnisse. Das Land Brandenburg hat gegenüber foodwatch angegeben, auch auf Basis dieser Kakao-Studien an der Förderung der gezuckerten Milchprodukte festzuhalten.

foodwatch bezeichnete es als inakzeptabel, dass das Land NRW ausgerechnet diejenigen mit der Ernährungsbildung in Schulen und der Gesundheitsaufklärung beauftrage, die mit solch dubiosen Studien versuchen, gezuckerte Produkte gesundzuwaschen. Die Verbraucherorganisation forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die steuerliche Förderung von gezuckerten Schulmilchgetränken unmittelbar zu stoppen und die Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft bei Schulprogrammen zu beenden. 

„Lobbyisten haben an den Schulen nichts verloren. Herr Laschet und Frau Heinen-Esser haben die Chance, als erste Landesregierung den Kakao-Sumpf trockenzulegen“, so foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Er kritisierte, dass sich das Land NRW vor der Verantwortung drücke, Schulbildung interessenunabhängig zu organisieren und Schülern an staatlichen Einrichtungen eine ausgewogene Ernährung anzubieten: „Wer ernsthaft eine gute Ernährung für Kinder fördern will, der investiert kein Steuergeld für zuckrigen Kakao, sondern kommt auf ganz andere Ideen: Der setzt die offiziellen Qualitätsstandards für die Mittagsverpflegung an allen Schulen durch, der lässt alle Schulen am Obst- und Gemüseprogramm teilnehmen oder fördert, wo nötig, ausgewogene Frühstücksangebote. Dafür aber stellt das Land die nötigen Mittel nicht zur Verfügung.“ Für die Förderung von zuckrigem Kakao sei auch die Kalziumversorgung von Kindern kein guter Grund – denn die lasse sich auf vielen Wegen sicherstellen. Bereits zwei bis drei Scheiben Käse decken laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung den Tagesbedarf von Kindern. 

Renommierte Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Vertreter von Lehrern und Eltern hatten im September an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen appelliert, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen eigentlich keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Nordrhein-Westfalen ist aber, neben Berlin und Brandenburg, das letzte Bundesland in Deutschland, das dennoch an der Förderung von gezuckerten Milchprodukten festhält und dafür eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen hat. Im August hatte die zuständige Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser nach Kritik von foodwatch angekündigt, die jahrelange Praxis der Kakao-Förderung im NRW-Schulmilchprogramm zu überprüfen.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

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<![CDATA[Beschwerdeplattform gegen Werbelügen: Verbraucher kritisieren Produkte von dm, Edeka & Co. auf Schummelmelder.de]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/beschwerdeplattform-gegen-werbeluegen-verbraucher-kritisieren-produkte-von-dm-edeka-co-auf-schummelmelderde/Fri, 05 Oct 2018 11:54:00 +0200Berlin, 5. Oktober 2018. Fruchtgetränke mit winzigem Fruchtanteil, vermeintliche Naturprodukte mit zahlreichen Zusatzstoffen, angeblich gesunde Zuckerbomben für Kinder – Verbraucherinnen und Verbraucher aus ganz Deutschland haben auf der Beschwerdeplattform www.schummelmelder.de irreführende Produkte eingereicht, von denen sie sich im Supermarkt getäuscht fühlen. Ins Leben gerufen wurde der „Schummelmelder“ von der Verbraucherorganisation foodwatch, um auf die massenhafte Täuschung im Supermarkt aufmerksam zu machen – und Politik und Lebensmittelwirtschaft zum Handeln bewegen. Alle eingereichten Produkte fließen ein in die Auswahl der Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018, den Negativpreis von foodwatch für die dreisteste Werbelüge des Jahres. 

Unter den bisher vorgeschlagenen Lebensmitteln sind Produkte von dm, Edeka und dem Getränkehersteller Franken Brunnen, die laut foodwatch exemplarisch für die legale Verbrauchertäuschung im Supermarkt stehen.

Franken Brunnen: Fruit2go Grapefruit-Himbeere

Der Verbraucher Daniel W. beschwert sich über das Produkt Fruit2go Grapefruit-Himbeere von Franken Brunnen, vor allem über den irreführenden Namen: „Das Produkt ‚fruit2go‘ zu nennen, ist für mich eine Frechheit. Wenn ein Produkt so heißen sollte, dann aber eines, das einen Hauptanteil an Frucht hat.“ Franken Brunnen bewirbt sein Getränk mit Bildern von Himbeeren und einer Grapefruit. Tatsächlich aber enthält es nur ein Prozent Himbeermark und fünf Prozent Grapefruitsaft. Das Urteil von Daniel: „Das Produkt ist praktisch eine Limonade.“

dm: Bio Apfel-Mango Fruchtschnitte ab 1. Jahr

Ines und Marc H. beschweren sich über die Bio Apfel-Mango Fruchtschnitte für Kinder ab einem Jahr von der Drogeriekette dm, insbesondere über die Auslobung „ohne Zuckerzusatz“ und über die Verpackungsgestaltung. „Die Inhaltsstoffe sind unter dem Streifen versteckt, der erst vor dem Verzehr entfernt wird“, merken sie an. Zudem kritisieren sie, „dass die Schnitte 52 Prozent Zucker enthält, da sie vor allem aus Fruchtkonzentraten hergestellt wird“. Der Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ hat offensichtlich andere Erwartungen bei Ines und Marc geweckt.

Edeka: Gut & Günstig Erbsen Eintopf mit Kasseler-Schulter und Rauchspeck

Christian B. hat bei Edeka den Gut & Günstig Erbsen Eintopf mit Kasseler-Schulter und Rauchspeck entdeckt und sich beim Schummelmelder über den Aufdruck beschwert: „Unser Versprechen garantiert ohne: geschmacksverstärkende Zusatzstoffe, Farbstoffe“. Christian hat ein Foto vom Kleingedruckten der Verpackungsrückseite hochgeladen, das zeigt: Der vermeintlich naturbelassene Eintopf enthält zehn Zusatzstoffe. Dem Verbraucher zufolge steht das im Kontrast zur Werbung auf der Vorderseite der Verpackung.

Beim Schummelmelder mitmachen ist einfach: Auf www.schummelmelder.de Foto von einem Produkt aus dem Supermarkt machen, hochladen auf dem Portal und in einem kurzen Kommentar erklären, warum man sich getäuscht oder in die Irre geführt fühlt. Seit dem Start der Mitmach-Plattform Mitte September haben Internetnutzer rund 50 Werbelügen kritisiert.

„Irreführende Werbung ist im Supermarkt leider an der Tagesordnung. Das muss sich ändern. Mit dem Schummelmelder wollen wir Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Plattform geben, auf der sie ihre Kritik an Werbelügen direkt öffentlich machen können. Denn die Erfahrung zeigt: Verbraucherprotest wirkt“, sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

foodwatch engagiert sich seit langem gegen Etikettenschwindel und fordert klarere Kennzeichnungsregeln. Die bisherigen Vorgaben schützten nicht vor irreführenden Angaben auf Lebensmittelpackungen, so foodwatch. Obwohl im EU-Lebensmittelrecht allgemein ein Verbot von Täuschung festgeschrieben sei, könnten in der Praxis Hersteller dennoch oft ganz legal schummeln und täuschen – weil zum Beispiel selbst Zuckerbomben mit Gesundheitsversprechen, unausgewogene Babyprodukte als kindgerecht oder hochverarbeitete Lebensmittel als „natürlich“ und „traditionell“ beworben werden dürften. Im Rahmen eines sogenannten REFIT-Prozesses soll das EU-Lebensmittelrecht (Basisverordnung 178/2002) zwar momentan überarbeitet werden. Der im April 2018 vorgelegte Reformvorschlag der Europäischen Kommission sieht allerdings keine Verbesserungen beim Schutz der Verbraucherinnen und Verbrauchern vor Täuschung vor, kritisierte foodwatch.

Um auf das Problem der legalen Verbrauchertäuschung im Lebensmittelbereich hinzuweisen, verleiht foodwatch seit 2009 den Goldenen Windbeutel. Bei der Online-Abstimmung können Verbraucherinnen und Verbraucher aus fünf nominierten Produkten die dreisteste Werbelüge des Jahres wählen. Auch für 2018 ist wieder eine Wahl zum Goldenen Windbeutel geplant.

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<![CDATA[Einladung zur Pressekonferenz – Vorstellung des Schulmilch-Reports von foodwatch: „Im Kakao-Sumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zur-pressekonferenz-vorstellung-des-schulmilch-reports-von-foodwatch-im-kakao-sumpf-von-gekauften-studien-bis-zur-wundersamen-partnerschaft-von-milchwirtschaft-und-politik/Thu, 04 Oct 2018 11:56:00 +0200

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine wesentliche Ursache für Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern ist ein zu hoher Zuckerkonsum, vor allem über Getränke. Aus gutem Grund sehen daher die offiziellen Qualitätsstandards für die Schulverpflegung in Deutschland genau wie das EU-Schulprogramm nur die Abgabe ungezuckerter Milchprodukte an Schulen vor. Doch einige Bundesländer  schaffen eigens Ausnahmeregelungen, um weiterhin Kakao und gezuckerte Erdbeer- und Vanillemilch zu verteilen. Wie kann das sein? Wozu ein staatliches Programm, das den ohnehin zu hohen Zuckerkonsum mit Steuergeldern fördert und somit der Fehlernährung von Kindern Vorschub leistet? Dieser Frage ist foodwatch mit dem Report: „Im Kakao-Sumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ auf den Grund gegangen. Die Recherchen entlarven ein enges Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik: Eine kleine Zahl bestens vernetzter Forscher, die mit dubiosen Forschungsmethoden – oft im Auftrag der Milchwirtschaft – Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen, und eine Politik, die tatkräftig Absatzförderung für die Milchwirtschaft betreibt, anstatt die Gesundheit der Kinder im Blick zu haben. Beispielhaft dafür steht insbesondere die nordrhein-westfälische Landesregierung, die Milchlobbyisten per Erlass beauftragt, Werbung in den Schulen zu machen sowie Unterrichtseinheiten zu gestalten und dafür auch noch mit Steuergeldern ausstattet.

Wir laden Sie herzlich ein zur Pressekonferenz, auf der wir Ihnen den foodwatch-Report vorstellen möchten:

Termin: 10. Oktober 2018, 10:30 Uhr

Ort: Design Offices, Elisabethstraße 11, 40217 Düsseldorf

mit: Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

Wir wären Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar, wenn Sie sich zu der Pressekonferenz anmelden – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Winkler

Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit foodwatch

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<![CDATA[Pressestatement zu Ferkelkastration / Tierhaltung / Landwirtschaft]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/pressestatement-zu-ferkelkastration-tierhaltung-landwirtschaft/Tue, 02 Oct 2018 14:04:00 +0200Die Spitzen von Union und SPD wollen das zum 1. Januar 2019 greifende Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln verschieben. Dazu erklärt Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor bei der Verbraucherorganisation foodwatch:

„Frau Nahles, Herr Dobrindt und Herr Brinkhaus wollen die Bundestagsabgeordneten allen Ernstes dazu nötigen, das grausame Mittelalter der betäubungslosen Ferkelkastration zu verlängern. Dabei kann diese blutige und schmerzliche Tortur  Millionen von männlichen Ferkeln sofort durch die Immunokastration erspart werden - ohne Risiken und Nebenwirkungen für aufgeklärte Verbraucherinnen und Verbraucher. Es ist einer modernen, aufgeklärten Demokratie unwürdig, faule Machtkompromisse auf Kosten wehrloser junger Tiere  zu schließen.“

Hintergrund 

Die Spitzen der Großen Koalition wollen das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln um zwei Jahre verschieben. Die Fraktionen sollen dafür im Bundestag eine entsprechende Initiative auf den Weg bringen. Der Bauernverband hatte angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter dringend für eine Verschiebung geworben und darauf verwiesen, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

In Deutschland werden Millionen Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese traditionelle Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt. dpa

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<![CDATA[Schulmilch: Koalition in Brandenburg prüft Förderstopp für gezuckerte Milchprodukte]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilch-koalition-in-brandenburg-prueft-foerderstopp-fuer-gezuckerte-milchprodukte/Thu, 27 Sep 2018 10:20:00 +0200

Nach Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch erwägt Brandenburg einen Subventionsstopp für gezuckerte Milchprodukte wie Vanillemilch und Kakao in seinem Schulmilchprogramm. Man sehe die finanzielle Förderung solcher Getränke „kritisch“, erklärte Marco Büchel, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Brandenburgischen Landtag, in einem Schreiben an foodwatch. „Wir werden uns in der nächsten Zeit damit befassen, welche Möglichkeiten zur Anpassung des EU-Schulmilchprogramms in Brandenburg in diesem Sinne bestehen“, so Büchel. Die Linkspartei stellt in Brandenburg gemeinsam mit der SPD die Regierung.

Zuvor hatte bereits der Berliner Senat angekündigt, die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milchprodukte in dem gemeinsam mit Brandenburg organisierten Schulmilchprogramm zu überprüfen. Die beiden Länder sind neben Nordrhein-Westfalen die einzigen, die noch an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhalten – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. Berlin, Brandenburg und NRW haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch forderte die Landesregierungen auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen.

„Bezeichnenderweise ist in Brandenburg weder das Bildungs- noch das Verbraucherschutzministerium für das Schulmilchprogramm zuständig, sondern das Landwirtschaftsministerium. Das zeigt, um was es bei der steuerfinanzierten Subvention eigentlich geht: Nicht um gesunde Ernährung, sondern um Absatzförderung für die Milchwirtschaft“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Das darf nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden. Bleiben die Steuergelder für Zuckermilch, betreibt Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger ein echtes Förderprogramm für Übergewicht und Diabetes. Ernährungsphysiologisch ist es so klar wie nur sonst etwas: Gezuckerte Milchprodukte als Pausensnack sind für die Kinder kontraproduktiv.“

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Brandenburg hat jedoch – neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Auch NRW hatte bereits eine Überprüfung der von foodwatch kritisierten „Lex Zucker“ angekündigt, Hessen hatte im August reagiert und einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. Berlin und Brandenburg fördern neben Kakao auch die sogar noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen die beiden Bundesländer in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder, wie foodwatch-Recherchen zeigen.

Kritik am Schulmilchprogramm äußerte auch die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Gegenüber foodwatch erklärte deren bildungspolitischer Sprecher, Gordon Hoffmann: „Wir sehen die Förderung von gezuckerten Milchprodukten mit öffentlichen Geldern ebenfalls kritisch.“ Man werde Gespräche führen und gegebenenfalls nach Ende des laufenden Schuljahres „Änderungen erreichen“.

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<![CDATA[Zuckerverbrauch über „Erfrischungsgetränke“: Deutschland auf Platz 3 in Europa – mehr Zucker durch Softdrinks als durch Süßigkeiten – foodwatch fordert Limo-Steuer]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/zuckerverbrauch-ueber-erfrischungsgetraenke-deutschland-auf-platz-3-in-europa-mehr-zucker-durch-softdrinks-als-durch-suessigkeiten-foodwatch-fordert-limo-steuer/Wed, 26 Sep 2018 10:17:00 +0200

In kaum einem europäischen Land nehmen die Menschen so viel Zucker über sogenannte Erfrischungsgetränke auf wie in Deutschland. Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International, die die Verbraucherorganisation foodwatch am Mittwoch veröffentlicht hat, lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Softdrinks im Jahr 2016 bei durchschnittlich 26 Gramm pro Tag beziehungsweise etwa 9,5 Kilogramm pro Jahr. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland damit auf Platz elf, hinter Ländern wie Argentinien, Chile, USA und Mexiko. In Europa wird nur in den Niederlanden und in der Slowakei noch mehr Zucker über sogenannte Erfrischungsgetränke verbraucht. Zum Vergleich: Der Zuckerverbrauch über Süßigkeiten lag in Deutschland bei 18 Gramm pro Tag beziehungsweise rund 6,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

„Die Zahlen zeigen: Limo & Co. sind ein wesentlicher Grund für den zu hohen Zuckerkonsum. Und gerade dieser flüssige Zucker macht uns besonders krank. Statt weiter darauf zu hoffen, dass die Industrie freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte kippt, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens einführen. Die Einführung hat dort zu einem wahren Zuckersturz im Getränkeregal geführt“, erklärte Luise Molling von foodwatch. Doch auch Getränke mit Süßstoffen seien keine gesunden Durstlöscher. Eine Limo-Steuer müsse deshalb sowohl Getränke mit Zucker als auch mit Süßstoffen umfassen, forderte Molling.

Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als fettleibig. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten. Die WHO empfiehlt zum Beispiel für eine erwachsene Frau eine maximale Zuckeraufnahme von 50 Gramm pro Tag, im Idealfall sogar bei weniger als 25 Gramm am Tag.

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer „nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“. Gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel soll die Strategie auf freiwilliger Basis umgesetzt werden. Ein dafür eingerichteter Runder Tisch mit Vertretern aus der Lebensmittelwirtschaft und von Gesundheits- und Verbraucherorganisationen trifft sich am heutigen Mittwoch zum dritten Mal.

Ankündigungen vieler Hersteller und Händler, den Zuckergehalt in ihren Produkten freiwillig zu senken, zeigen bislang kaum Wirkung. Eine vergangene Woche veröffentlichte foodwatch-Marktstudie zeigt: Jedes zweite Erfrischungsgetränk in Deutschland ist aktuell überzuckert. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als 50 Gramm Zucker je Liter. Damit hat sich der Anteil der überzuckerten Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert.  Damals lag der Anteil der Getränke mit mehr als 50 Gramm Zucker je Liter bei 59 Prozent.

foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild einzuführen. In Großbritannien müssen Hersteller seit April 2018 eine Abgabe für Getränke bezahlen, die mehr als 50 Gramm Zucker je Liter enthalten. Bei mehr als 80 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Ein Großteil der Anbieter, darunter Lidl, Tesco oder Coca-Cola, haben deshalb den Zuckergehalt ihrer Getränke deutlich reduziert. 

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<![CDATA[Hoeneß-Wurstfabrik zeigt: So geht sauber! – Nach Hygienemängeln in Landsberger Tönnies-Fabrik veröffentlicht foodwatch weitere Reports der bayerischen Lebensmittelkontrolle]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/hoeness-wurstfabrik-zeigt-so-geht-sauber-nach-hygienemaengeln-in-landsberger-toennies-fabrik-veroeffentlicht-foodwatch-weitere-reports-der-bayerischen-lebensmittelkontrolle/Mon, 24 Sep 2018 15:46:00 +0200
  • Andere Wurstfabriken mit erheblich geringeren Mängeln als „Landsberger Wurstspezialitäten“
  • Häufige Beanstandungen bei Obazda-Hersteller Alpenhain 
  • foodwatch: Behörden sollen Transparenz schaffen, damit Verbraucher die Wahl haben

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat erneut bisher unveröffentlichte Kontrollberichte der bayerischen Lebensmittelüberwachung online gestellt. Die amtlichen Dokumente zeigen ein unterschiedliches Bild: Während beispielsweise in der von Uli Hoeneß gegründeten Wurstfabrik die Kontrolleure zwischen 2013 und 2017 bei knapp 1.200 Besuchen lediglich neun Mal geringe Mängel feststellten, kam es bei dem Käsespezialitäten-Hersteller Alpenhain im gleichen Zeitraum bei fast jeder zweiten von insgesamt 31 Kontrollen zu Beanstandungen. foodwatch forderte, dass Behörden von sich aus grundsätzlich alle Kontrollberichte öffentlich machen müssen. Nur so könnten Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen, wo alles in Ordnung ist und welche Betriebe sich nicht an die Hygiene- und lebensmittelrechtlichen Vorgaben halten.

In der vergangenen Woche hatte foodwatch geheime Prüfberichte veröffentlicht, die über Monate hinweg schwere Hygienemängel in der zum größten deutschen Fleischkonzern Tönnies gehörenden Landsberger Wurstwaren-Fabrik aufzeigen. Obwohl die zuständige Behörde, das Landratsamt Landsberg, die Mängel bei zahlreichen Kontrollbesuchen dokumentierte, hatte sie kein Bußgeld verhängt und auch nicht die Öffentlichkeit informiert. Den Kundinnen und Kunden wurden dadurch Produkte aus einer Produktion mit teils ekelerregenden Zuständen zugemutet, kritisierte foodwatch. In Reaktion auf die Veröffentlichung der Kontrollberichte durch foodwatch hatte das auch für die Wirtschaftsförderung zuständige Landratsamt die Mängel nachträglich als geringfügig eingestuft, obwohl die Formulierungen des Amtskontrolleurs von wiederholt mangelhafter Betriebshygiene und teils deutlichen Verstößen gegen Hygienevorgaben zeugen.

„Wer die Kontrollberichte von Hoeneß neben die der Landsberger Wurstwaren legt, sieht den Unterschied: Die Probleme der Tönnies-Fabrik lassen sich nicht herunterspielen. Eine solch ekelerregende Produktion muss nicht sein und ist zum Glück auch kein Standard“, erklärte Johannes Heeg, von foodwatch. Für Qualitätsanbieter und für Verbraucherinnen und Verbraucher sei es gleichermaßen ein Problem, dass die Unterschiede zwischen den Betrieben nicht erkennbar seien und es keine Verlässlichkeit gebe, dass ein Landratsamt die Verstöße sanktioniert und Betriebshygiene durchsetzt. „Transparenz wirkt präventiv! Nach zahlreichen Lebensmittelskandalen im Freistaat sollte sich die bayerische Landesregierung als allererste für ein Gesetz stark machen, nach dem die Behörden alle Kontrollergebnisse öffentlich machen müssen – in den vergangenen Jahren waren es allerdings vor allem Bayern und Markus Söder, die das blockiert haben.“

foodwatch setzt sich seit langem dafür ein, dass Behörden per Gesetz verpflichtet werden, immer alle Kontrollberichte zu veröffentlichen. Sowohl Bundesernährungsministerin Julia Klöckner als auch die bayerische Landesregierung lehnen das bisher ab.

Die jetzt veröffentlichten Berichte hatte foodwatch durch Behördenanfragen über das sogenannte Verbraucherinformationsgesetz erhalten. Die Verbraucherorganisation stellte Kontrollergebnisse aus den Jahren 2013 bis 2017 von vier großen bayerischen Lebensmittelbetrieben online: Alpenhain Käsespezialitäten GmbH, Hans Kupfer & Sohn GmbH, HoWe Wurstwaren KG und Wolf Wurstspezialitäten GmbH – mit unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich Kontrolldichte und Beanstandungen. Bei der von Werner Weiß und Uli Hoeneß gegründeten HoWe Wurstwaren KG in Nürnberg fanden insgesamt 1.162 Kontrollen statt, dabei wurden lediglich neun Mal „geringe Hygienemängel“ festgestellt. Die Wolf Wurstspezialitäten mit Sitz in Schwandorf in der Oberpfalz wurden 246 Mal kontrolliert, bei etwa jeder fünften Untersuchung (51) monierten die Kontrolleure als geringfügige eingestufte Mängel, die bei der nachfolgenden Kontrolle behoben waren. Das Familienunternehmen Hans Kupfer, das unter anderem Nürnberger Rostbratwürste herstellt, bekam 367 Mal Besuch von der Lebensmittelüberwachung, dabei kam es zu vier Beanstandungen. Allerdings übermittelte das zuständige Landratsamt in Ansbach an foodwatch nur solche Beanstandungen, die „in irgendeiner Form für die Lebensmittelqualität oder -sicherheit relevant sind“. Demnach bleibt offen, wie häufig der Betrieb in dem Zeitraum zum Beispiel aufgrund von Hygienemängeln beanstandet wurde. Häufigere Verstöße dokumentieren die Prüfberichte vor allem bei der Alpenhain Käsespezialitäten GmbH: Das im oberbayerischen Pfaffing ansässige Unternehmen, das auch den bayerischen Brotzeitkäse „Obazda“ herstellt, wurde 31 Mal kontrolliert, bei 14 Kontrollen kam es zu Beanstandungen, wie etwa Mängel in der Reinigungsdokumentation oder schimmelartigen Flecken.

Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland erfahren in der Regel nicht, wenn Lebensmittelunternehmen bei Kontrollen auffallen. Anders beispielsweise in Dänemark: Dort sind alle Kontrollberichte im Internet einsehbar, Lebensmittelbetriebe mit direktem Kundenkontakt wie etwa Restaurants, Metzgereien und Bäckereien müssen die Berichte zudem an der Ladentür aushängen. Bewertet werden die Ergebnisse mit einem Smiley, von lachend bis weinend. Seit Einführung dieses „Smiley-Systems“ hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe in Dänemark halbiert. In Deutschland hingegen wird jedes Jahr ungefähr jeder vierte kontrollierte Lebensmittelbetrieb beanstandet, häufig aufgrund von Hygienemängeln.

In Landsberg hatten Lebensmittelkontrolleure zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 bei insgesamt 41 Überprüfungen der „Landsberger Wurstspezialitäten GmbH“ immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften beanstandet. Die Firma ist ein Unternehmen der „Zur Mühlen“-Gruppe, die wiederum zur Tönnies-Gruppe gehört. Die Firma hat am 1. Oktober 2017 die laufenden Geschäfte der zuvor insolvent gegangenen Firma „Lutz Fleischwaren“ übernommen, ohne die Produktion zu unterbrechen. Mitte Oktober stellte das Landratsamt Landsberg Altverschmutzungen fest. Über den aktuellen Hygienezustand bei Landsberger liegen foodwatch keine Informationen vor.

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<![CDATA[Nach Hygienemängeln in Landsberger Wurstfabrik von Tönnies: foodwatch legt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen drei Verantwortliche in bayerischer Kontrollbehörde ein ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-hygienemaengeln-in-landsberger-wurstfabrik-von-toennies-foodwatch-legt-dienstaufsichtsbeschwerde-gegen-drei-verantwortliche-in-bayerischer-kontrollbehoerde-ein/Fri, 21 Sep 2018 12:23:00 +0200

Nach Bekanntwerden schwerer Hygienemängel in der bayerischen Wurstfabrik „Landsberger Wurstwaren“ hat die Verbraucherorganisation foodwatch Aufsichtsbeschwerde gegen drei Leitungskräfte der zuständigen Lebensmittelbehörde eingelegt. Kontrolleure des Landratsamts Landsberg am Lech hatten die teils ekelerregenden Zustände in dem heute zum größten deutschen Fleischkonzern Tönnies gehörenden Betrieb über einen längeren Zeitraum hinweg zwar dokumentiert, die Behörde verzichtete jedoch auf Sanktionen. Die Beschwerde richtete foodwatch am Freitag an die für die Fach- bzw. Dienstaufsicht Verantwortlichen, Bayerns Verbraucherschutzminister Marcel Huber sowie den Landsberger Landrat Thomas Eichinger. 

„Trotz der zum Teil massiven Mängel und der wiederholt festgestellten Versäumnisse gegen die Betriebshygiene unterließ es das Landratsamt, die erforderlichen Bußgelder oder andere Sanktionen gegen das Unternehmen zu verhängen und die Öffentlichkeit über die Kontrollergebnisse zu informieren“, schrieb Johannes Heeg von foodwatch in der Aufsichtsbeschwerde. „Das Landratsamt ließ es zu, dass den Verbraucherinnen und Verbrauchern in großer Stückzahl und über einen langen Zeitraum Wurstwaren aus einer Produktion zugemutet wurden, in der es für die Kontrolleure erkennbar an den Voraussetzungen der Betriebshygiene mangelte.“ Die Verantwortlichen für Lebensmittelkontrollen, das Veterinär- und Gesundheitswesen im Landratsamt hätten somit in drastischer Weise gegen ihre Aufgabe verstoßen, die Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen.

foodwatch kritisierte, dass das Landratsamt die massiven Hygieneverstöße in der Landsberger Wurstfabrik nachträglich nur als geringfügige Mängel einstufte und damit den Beschreibungen des eigenen Lebensmittelkontrolleurs widersprach, der u.a. „schwere Fehler in der Handhabung der Basishygiene“ festhielt. Zwei von Landratsamt und Tönnies unabhängige frühere Lebensmittelkontrolleure, denen foodwatch die Kontrollberichte vorlegte, stuften die Mängel ebenfalls als schwerwiegend ein. Der ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller, sprach daher nicht nur von einem Betriebs-, sondern auch von einem Behördenversagen: Es sei „völlig unverständlich, warum das Landratsamt Landsberg noch nicht einmal Bußgelder verhängte und den Betrieb einfach monatelang weiter laufen ließ“. In einer Stellungnahme an foodwatch hatte das Landratsamt auch darauf verwiesen, dass die Mängel „in der Regel“ unmittelbar durch den Betrieb abgestellt worden seien – die Kontrollberichte zeugen jedoch von wiederholten Problemen. Darin heißt es u.a.: „Dieses Problem ist bereits sehr lange bekannt“, „zum wiederholten Mal“, „die übliche stinkende Brühe“, „genauso schmutzig wie am Montag“, „altverschmutzt“, „Ein Hauptkritikpunkt war, dass wenn Probleme festgestellt werden, keine Maßnahmen eingeleitet werden“, „So war das eigentlich nicht vereinbart“, „wieder nicht sauber“.

foodwatch warf dem auch für die Wirtschaftsförderung zuständigen Landratsamt mangelnde Unabhängigkeit vor. Nachdem es die Hygienemängel in der Fabrik vertuscht habe, sei es nicht verwunderlich, dass sich der Betreiber auch weiterhin vom Landratsamt Landsberg kontrollieren lassen möchte und nicht von einer womöglich konsequenteren Behörde. Tatsächlich wehrt sich Tönnies derzeit mit einer Klage dagegen, dass für die Lebensmittelkontrollen in seinem Landsberger Betrieb künftig die landesweit operierende Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (KBLV) zuständig sein soll. Das Unternehmen hat es bisher erreicht, dass statt der Spezialbehörde auch weiterhin das Landratsamt verantwortlich bleibt – von dem er bisher offenbar auch im Falle von Mängeln nichts zu befürchten hatte.

foodwatch forderte Konsequenzen auf politischer Ebene. „Behörden müssen dazu verpflichtet werden, immer alle Ergebnisse von Hygienekontrollen öffentlich zu machen – sonst ist der nächste Ekelskandal nur eine Frage der Zeit“, sagte Johannes Heeg von foodwatch. „Ministerpräsident Markus Söder muss seine Blockadehaltung gegen Transparenz in der Lebensmittelüberwachung aufgeben.“ Unter Markus Söders Verantwortung als Fachminister hatte der Freistaat in der Verbraucherschutzministerkonferenz 2011 als einziges Bundesland gegen eine Veröffentlichung von Hygienekontrollergebnissen gestimmt. Als 2012 der Hygieneskandal um die bayerische Großbäckerei Müller aufgedeckt wurde, war Markus Söder bayerischer Gesundheitsminister. Vorbild für Deutschland müsse das erfolgreiche Smiley-System aus Dänemark sein. Dort sind Lebensmittelbetriebe seit 2002 verpflichtet, die Kontrollergebnisse mithilfe eines Smiley-Schemas an der Eingangstür auszuhängen und im Internet zu veröffentlichen. Die Zahl der Beanstandungen ist seitdem deutlich zurückgegangen.

Lebensmittelkontrolleure des Landratsamts hatten zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 bei insgesamt 41 Überprüfungen der „Landsberger Wurstspezialitäten GmbH“ immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften beanstandet. Das belegen die amtlichen Kontrollberichte, die die Verbraucherorganisation am Donnerstag online gestellt hatte.

Die Firma „Landsberger Wurstspezialitäten“ ist ein Unternehmen der „Zur Mühlen“-Gruppe, die wiederum zur Tönnies-Gruppe gehört. Die Firma hat am 1. Oktober 2017 die laufenden Geschäfte der zuvor insolvent gegangenen Firma „Lutz Fleischwaren“ übernommen, ohne die Produktion zu unterbrechen. Mitte Oktober stellte das Landratsamt Landsberg Altverschmutzungen fest. Über den aktuellen Hygienezustand bei Landsberger liegen foodwatch keine Informationen vor.

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<![CDATA[foodwatch-Marktcheck: Freiwillige Zuckerreduktion bei Getränken gescheitert – Mehr als jedes zweite Produkt überzuckert – foodwatch fordert „Limo-Steuer“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-marktcheck-freiwillige-zuckerreduktion-bei-getraenken-gescheitert-mehr-als-jedes-zweite-produkt-ueberzuckert-foodwatch-fordert-limo-steuer/Fri, 21 Sep 2018 10:30:00 +0200
  • 600 „Erfrischungsgetränke“ im Test: Im Schnitt sechs Würfelzucker pro Glas
  • Der Zuckergehalt ist seit 2016 praktisch nicht gesunken
  • foodwatch fordert „Limo-Steuer“ nach dem Vorbild Großbritanniens
  • Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert – obwohl viele Hersteller und Händler angekündigt haben, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Das ist das Ergebnis einer umfassenden foodwatch-Marktstudie, die die Verbraucherorganisation am Freitag in Berlin vorgestellt hat. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter – das sind mehr als vier Zuckerwürfel pro 250-Millilter Glas. Damit hat sich der Anteil überzuckerter Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals enthielten 59 Prozent der Getränke mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter. foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, eine „Limo-Steuer“ wie in Großbritannien einzuführen. Dort werden Getränke mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent Zucker seit diesem Jahr mit einer Sonderabgabe belegt. Ein Großteil der Hersteller auf dem britischen Markt hat deshalb den Zuckergehalt seiner Getränke deutlich reduziert. In Deutschland lehnt Julia Klöckner eine steuerliche Regel bisher ab und setzt stattdessen auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie.

    „Zucker liefert nicht nur ‚leere Kalorien‘ ohne Mineralien und Mikronährstoffe, sondern trägt unmittelbar zur Entstehung einer Fettleber und Insulinresistenz bei“, sagte Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité Berlin. „Kinder nehmen relativ zum Körpergewicht noch mehr Zucker mit Limonaden auf als Erwachsene. Die Zuckerreduktion ist nach weltweiter Erfahrung nur durch gesetzliche Maßnahmen erfolgreich.“

    foodwatch hat zum zweiten Mal den deutschen Markt der sogenannten Erfrischungsgetränke untersucht und dafür alle auffindbaren Produkte aus dem Sortiment der drei größten Handelsketten Edeka, Rewe und Lidl auf Zuckergehalt und enthaltene Süßstoffe geprüft. Insgesamt wurden 600 Limonaden, Cola-Getränke, Energy Drinks, Saftschorlen, Brausen, Eistees, Near-Water- und Fruchtsaftgetränke unter die Lupe genommen. Im Schnitt enthalten die zuckergesüßten Getränke heute 7,3 Prozent Zucker oder sechs Stück Würfelzucker je 250 Milliliter – das ist nur minimal weniger als 2016 (7,5 Prozent).

    „Unsere Marktstudie beweist: Coca-Cola und Co. haben in Deutschland bisher kaum Anreize, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu senken“, sagte Luise Molling von foodwatch. „Der Kuschelkurs von Ernährungsministerin Julia Klöckner, die Lebensmittelindustrie freiwillig zu einer Zuckerreduktion zu bewegen, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn es Frau Klöckner ernst meint mit der Förderung gesunder Ernährung, muss sie eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild auf den Weg bringen, die sowohl zucker- als auch süßstoffgesüßte Getränke umfasst.“

    Einige Ergebnisse der foodwatch-Marktstudie im Überblick:

    • Die bei Kindern und Jugendlichen beliebten Energy Drinks weisen im Schnitt den höchsten Zuckergehalt auf (8,2 Prozent). Das zuckrigste Produkt auf dem deutschen Markt ist der Energy Drink „Monster Energy Assault“, vertrieben vom Marktführer Coca-Cola: Er enthält 83 Gramm Zucker beziehungsweise 27-einhalb Zuckerwürfel pro 500-Milliliter-Dose.
    • Gut ein Drittel (220) der untersuchten Getränke enthält mehr als 8 Prozent Zucker, also etwa sechseinhalb Zuckerwürfel pro Glas. Der Anteil dieser stark überzuckerten Getränke am Gesamtangebot ist mit 37 Prozent genauso hoch wie 2016.
    • Erfrischungsgetränke, die weder Zucker noch Süßstoffe enthalten, werden auf dem deutschen Getränkemarkt nach wie vor kaum angeboten: 2016 gab es gerade einmal sechs solcher Produkte (ein Prozent des Angebots), 2018 sind es nur 13 Produkte (zwei Prozent des Angebots).
    • Knapp einem Drittel (195) der untersuchten Getränke sind Süßstoffe zugesetzt. Laut foodwatch sind jedoch auch Getränke mit Süßstoffen keine gesunden Durstlöscher. Es gebe Hinweise darauf, dass auch süßstoffgesüßte Getränke die Entstehung von Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes fördern könnten.

    Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als fettleibig. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten.

    Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer „Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“. Sie soll gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel auf freiwilliger Basis umgesetzt werden. Steuerliche Anreize für eine Reduktion von Zucker, Fett und Salz lehnt die Bundesregierung jedoch bislang ab.

    In Großbritannien müssen Hersteller seit April 2018 eine Abgabe für Getränke bezahlen, die mehr als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten, bei mehr als 8 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Ein Großteil der Hersteller und auch mehrere Handelsketten haben deshalb den Zuckergehalt ihrer Softdrinks reduziert. Der Marktführer Coca-Cola hat den Zuckergehalt seiner Softdrinks Fanta und Sprite in Großbritannien beispielsweise von 6,9 beziehungsweise 6,6 Gramm auf 4,6 beziehungsweise 3,3 Gramm gesenkt. In Deutschland hingegen enthalten Fanta und Sprite noch mehr als 9 Gramm Zucker.

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    <![CDATA[Behörde vertuschte schwere Hygienemängel in Tönnies-Wurstfabrik – foodwatch wirft bayerischer Staatsregierung massive Versäumnisse vor – Bundesministerin Julia Klöckner muss Transparenz über Lebensmittelkontrollen schaffen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/behoerde-vertuschte-schwere-hygienemaengel-in-toennies-wurstfabrik-foodwatch-wirft-bayerischer-staatsregierung-massive-versaeumnisse-vor-bundesministerin-julia-kloeckner-muss-transparenz-ueber-lebensmittelkontrollen-schaffen/Thu, 20 Sep 2018 11:53:00 +0200
    • Bisher unveröffentlichte Kontrollberichte zeigen ekelerregende Zustände in Wurstfabrik 
    • Behörde verhängte keine Bußgelder und informierte nicht die Öffentlichkeit
    • foodwatch: Bayern hat aus Müller-Brot-Skandal nichts gelernt

    Schmutzpartikel in der Weißwurstlake, verdreckte Maschinen, Pfützen mit stinkendem Wasser: In einer bayerischen Wurstfabrik des größten deutschen Fleischkonzerns Tönnies herrschten über Monate hinweg ekelerregende Zustände. Obwohl die zuständige Kontrollbehörde Bescheid wusste, informierte sie die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht über die Hygienemängel. 

    Die Verbraucherorganisation foodwatch stellte am Donnerstag bisher unveröffentlichte amtliche Kontrollberichte online, die zeigen: Lebensmittelkontrolleure beanstandeten bei der „Landsberger Wurstspezialitäten GmbH“ in Oberbayern bei insgesamt 41 Überprüfungen zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften. In den Kontrollberichten ist zudem mehrfach von Darmbakterien an Maschinen die Rede. Das Unternehmen widerspricht in einer Stellungnahme dieser Darstellung. 

    Trotz der zum Teil eklatanten Mängel verhängte das zuständige Landratsamt in Landsberg am Lech keine Bußgelder und informierte die Öffentlichkeit nicht über die Zustände in der Wurstfabrik. foodwatch warf der bayerischen Landesregierung massive Versäumnisse bei der Durchsetzung von Hygienevorschriften in der Lebensmittelwirtschaft vor.

    „Markus Söder hat offenbar nichts aus Hygieneskandalen wie Müller-Brot gelernt“, kritisierte Johannes Heeg von foodwatch. Er verwies auf die Rolle des heutigen bayerischen Ministerpräsidenten als Gesundheitsminister während des Müller-Brot-Falls: Die Großbäckerei hatte bis 2012 jahrelang Millionen von Backwaren an Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft, obwohl die Behörden von den miserablen hygienischen Zuständen in der Fabrik wussten. Nun seien den Menschen erneut über Monate hinweg Lebensmittel aus Ekelproduktion untergejubelt worden – mit dem Wissen einer Kontrollbehörde, kritisierte foodwatch. „Der Fall Landsberger zeigt: Wenn die Ergebnisse von Hygienekontrollen nicht veröffentlicht werden müssen, haben Ekelbetriebe nichts zu befürchten. Nur Transparenz über die Kontrollen schafft Abschreckung“, erklärte Johannes Heeg. Er forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, ein Transparenzsystem einzuführen, das Behörden dazu verpflichtet, alle Lebensmittelkontrollergebnisse unverzüglich öffentlich zu machen. 

    Herr Söder müsse sich als Ministerpräsident für ein solches Gesetz stark machen, um den wiederkehrenden Hygieneskandalen in Bayern endlich ein Ende zu bereiten. Unter seiner Verantwortung als Fachminister hatte der Freistaat in der Verbraucherschutzministerkonferenz 2011 als einziges Bundesland gegen eine Veröffentlichung von Hygienekontrollergebnissen gestimmt. „Markus Söders Blockadehaltung gegen ein Transparenzsystem ist mitverantwortlich dafür, dass Hygieneskandale in Bayern immer wieder vorkommen. Er predigt Recht und Ordnung, drückt aber bei Verstößen gegen Hygienevorgaben beide Augen zu. Der bayerische Ministerpräsident darf nicht länger als Schutzpatron der Schmuddelbetriebe agieren, sondern muss sich für die Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse stark machen“, sagte Johannes Heeg von foodwatch. 

    Der ehemalige Vorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure, Martin Müller, stufte die Hygieneverstöße in der Tönnies-Wurstfabrik als gravierend ein und sprach nicht nur von einem Betriebs-, sondern auch von einem Behördenversagen: „Es ist völlig unverständlich, warum das Landratsamt Landsberg noch nicht einmal Bußgelder verhängte und den Betrieb einfach monatelang weiter laufen ließ. Bei dem Ausmaß der in den Kontrollberichten festgehaltenen Hygienemängel hätten zumindest die beanstandeten Maschinen zwecks Reinigung und Desinfektion stillgelegt werden müssen.“

    Behörden sind nicht verpflichtet, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen öffentlich zu machen. Aktuell wird auf Bundesebene darüber gestritten, welche Informationen Behörden veröffentlichen müssen. Doch auch mit dem von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner kürzlich vorgelegten Gesetzentwurf wären die Ekelzustände bei Landsberger nicht ans Licht gekommen, da der Vorschlag die weitreichenden Ermessensspielräume der Behörden aufrechterhält. Das Bundesverfassungsgericht hatte im März 2018 in einem Urteil ausdrücklich die Informationsrechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern gestärkt und ihnen verfassungsrechtliche Bedeutung beigemessen. Diese Grundsatzentscheidung werde aber von der Bundesregierung missachtet, so foodwatch. 

    Vorbild für Deutschland müsse das erfolgreiche Smiley-System aus Dänemark sein. Dort sind Lebensmittelbetriebe seit 2002 verpflichtet, die Kontrollergebnisse mithilfe eines Smiley-Schemas an der Eingangstür auszuhängen und im Internet zu veröffentlichen. Die Zahl der Beanstandungen ist seitdem deutlich zurückgegangen.

    foodwatch hatte die Kontrollberichte aus der Tönnies-Wurstfabrik über einen Antrag nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) erhalten. Die amtlichen Unterlagen dokumentieren über Monate hinweg immer wieder Verstöße gegen Hygienevorgaben. In den Berichten führen die Amtskontrolleure beispielsweise aus, dass in einem Bereich des Betriebs „die übliche stinkende Pfütze stand“, „Schinken in altverschmutzte, verkalkte Pressen verbracht“ wurde und sich in einem Raum „Grobschmutz am Boden und hinter den Wägen an der Wand“ befand. Auch ein sogenannter Pökelinjektor, mit dem Pökel-Lake direkt ins Fleisch gespritzt wird, war laut Prüfbericht wiederholt verunreinigt – nach Einschätzung von Lebensmittelkontrolleur Martin Müller hygienisch besonders sensibel, denn so könnten Keime direkt ins Fleisch gelangen. Zudem seien Enterobacter-Bakterien im Verpackungsbereich als besonders gravierend einzustufen. Enterobacter ist ein Darmbakterium, das beim Menschen Infektionen auslösen kann. In einer Stellungnahme bestreitet das Unternehmen die im Kontrollbericht beschriebenen Funde von Enterobacter und spricht von einem „guten mikrobiologischen Status in der Verpackungsabteilung“.

    Noch in einem Kontrollbericht von Februar 2018 vermerkte der zuständige Kontrolleur „schwere Fehler in der Handhabung der Basishygiene“. In einer Stellungnahme gegenüber foodwatch gab das Landratsamt Landsberg am Lech hingegen an, bei den Hygienemängeln handele es sich „nicht um gravierende, sondern in der Regel lediglich um geringfügige Verstöße“, die „in der Regel unmittelbar durch den Betrieb abgestellt wurden“. 

    Die Kontrolle der „Landsberger Wurstspezialitäten“ sollte eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der neu errichteten „Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen“ (KBLV) fallen. Die KBLV ist seit Januar 2018 für rund 600 Lebensmittelbetriebe in Bayern zuständig, die zuvor der Kontrolle der Landratsämter unterlagen. Die „Landsberger Wurstspezialitäten“ haben jedoch gegen den von der KBLV erlassenen Zuständigkeitsbescheid Klage erhoben – und werden deshalb weiterhin vom Landratsamt Landsberg kontrolliert. „Das setzt dem Ekel-Skandal die Krone auf: Erst redet das zuständige Landratsamt die Hygieneprobleme klein. Und dann verhindert das betroffene Unternehmen, dass eine andere, womöglich strengere Behörde die Kontrollen übernimmt. Will sich hier ein Schmuddelbetrieb seine Kontrolleure selbst aussuchen?“, so Johannes Heeg.  

    Die Firma „Landsberger Wurstspezialitäten“ ist ein Unternehmen der Zur Mühlen Gruppe, die wiederum zur Tönnies-Gruppe gehört. Die Firma hat am 1. Oktober 2017 die laufenden Geschäfte der zuvor insolvent gegangenen Firma „Lutz Fleischwaren“ übernommen, ohne die Produktion zu unterbrechen. Mitte Oktober stellte das Landratsamt Landsberg Altverschmutzungen fest. Über den aktuellen Hygienezustand bei Landsberger liegen foodwatch keine Informationen vor.

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    <![CDATA[foodwatch startet Beschwerdeplattform gegen Werbelügen – Verbraucher können auf Schummelmelder.de Produktfotos online stellen]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-startet-beschwerdeplattform-gegen-werbeluegen-verbraucher-koennen-auf-schummelmelderde-produktfotos-online-stellen/Wed, 19 Sep 2018 14:46:00 +0200

    Die Verbraucherorganisation foodwatch hat eine Mitmach-Plattform gegen Etikettenschwindel gestartet: Unter www.schummelmelder.de können Verbraucherinnen und Verbraucher ab sofort Lebensmittel, von denen sie sich im Supermarkt getäuscht fühlen, direkt online mit einem Foto und einem Kommentar hochladen. 

    „Es steht nicht drauf, was drin ist oder es ist nicht drin, was drauf steht – wer sich schon mal beim Lebensmitteleinkauf über Etikettenschwindel und Mogelpackungen geärgert hat, kann jetzt beim ‚Schummelmelder‘ seinem Ärger Luft machen“, sagte Sophie Unger, Projektleiterin bei foodwatch. Alle Produkte fließen auch ein in die Auswahl der Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2018, den Negativpreis von foodwatch für die Werbelüge des Jahres.

    Mitmachen ist einfach: Foto von einem Produkt aus dem Supermarkt machen, hochladen auf dem Portal und in einem kurzen Kommentar erklären, warum man sich getäuscht oder in die Irre geführt fühlt. 

    „Wir wollen Verbraucherinnen und Verbrauchern eine Plattform geben, auf der sie ihre Kritik an Werbelügen direkt öffentlich machen können. Denn: Täuschung ist leider eher die Regel als die Ausnahme im Supermarkt. Darauf wollen wir mit dem ‚Schummelmelder‘ aufmerksam machen – und Politik und Lebensmittelwirtschaft endlich zum Handeln bewegen“, erklärte Sophie Unger von foodwatch. Die Verbraucherorganisation setzt sich seit langem für klarere Kennzeichnungsregeln ein. Die bisherigen Vorgaben schützten nicht vor irreführenden Angaben auf Lebensmittelpackungen, so foodwatch. Obwohl im EU-Lebensmittelrecht allgemein ein Verbot von Täuschung festgeschrieben sei, könnten in der Praxis Hersteller dennoch oft ganz legal schummeln und täuschen – weil zum Beispiel selbst Zuckerbomben mit Gesundheitsversprechen, unausgewogene Babyprodukte als kindgerecht oder hochverarbeitete Lebensmittel als „natürlich“ und „traditionell“ beworben werden dürften. Im Rahmen eines sogenannten REFIT-Prozesses soll das EU-Lebensmittelrecht (Basisverordnung 178/2002) zwar momentan überarbeitet werden. Der im April 2018 vorgelegte Reformvorschlag der Europäischen Kommission sieht allerdings keine Verbesserungen beim Schutz der Verbraucherinnen und Verbrauchern vor Täuschung vor, kritisierte foodwatch.

    Um auf das Problem der legalen Verbrauchertäuschung im Lebensmittelbereich hinzuweisen, verleiht foodwatch seit 2009 den Goldenen Windbeutel. Bei der Online-Abstimmung können Verbraucherinnen und Verbraucher aus fünf nominierten Produkten die dreisteste Werbelüge des Jahres wählen. Auch für 2018 ist wieder eine Wahl zum Goldenen Windbeutel geplant. 

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    <![CDATA[foodwatch veröffentlicht Hygiene-Kontrollberichte zu Oktoberfest-Brauereien - Verbraucherorganisation kritisiert Intransparenz der bayerischen Lebensmittelüberwachung]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-veroeffentlicht-hygiene-kontrollberichte-zu-oktoberfest-brauereien-verbraucherorganisation-kritisiert-intransparenz-der-bayerischen-lebensmittelueberwachung/Tue, 18 Sep 2018 14:02:00 +0200
    • Bislang unveröffentlichte Kontrollergebnisse zeigen überwiegend guten Hygienezustand bei Münchner Brauereien, jedoch Beanstandungen bei Augustiner-Bräu 
    • Knapp 1.500 Hygienekontrollen beim Oktoberfest und 5 Prozent Beanstandungen
    • foodwatch: Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen dürfen nicht länger Geheimsache sein

    München/Berlin. Zum Start des Oktoberfestes hat die Verbraucherorganisation foodwatch bislang geheime Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen bei Münchner Brauereien veröffentlicht. Die Dokumente zeigen: In den Jahren 2013 bis 2017 gab es nur wenige Beanstandungen. Als einzige Oktoberfest-Brauerei kam es bei Augustiner-Bräu mehrfach zu Verstößen: 2015 und erneut 2017 beanstandeten die amtlichen Kontrolleure feuchte Wände und Schimmelbefall in den Produktionsstätten.

    „Die große Mehrzahl aller Lebensmittelbetriebe arbeitet sauber und hält sich an die Regeln. Das Problem ist: Die Verbraucherinnen und Verbraucher können die sauberen Betriebe nicht von den Schmuddelläden unterscheiden, weil Kontrollergebnisse wie ein Staatsgeheimnis behandelt werden. Das ist völlig unverständlich“, sagte Johannes Heeg von foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte, dass Lebensmittelbehörden per Gesetz dazu verpflichtet werden müssten, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen von sich aus zu veröffentlichen. Das würde sowohl den Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen als auch den sauber arbeitenden Betrieben. „Wenn alle Kontrollergebnisse öffentlich sind, wissen die Menschen, welche Betriebe sich nicht an die Regeln halten. Die Veröffentlichung von Kontrollergebnissen ist gut für die Verbraucher und gut für die ehrlichen Lebensmittelbetriebe, aber leider fehlt der bayerischen Landesregierung bisher der Mut, für mehr Transparenz einzutreten“, so Johannes Heeg.

    Am 22. September startet das 185. Münchner Oktoberfest. Traditionell darf in den „Wiesn“-Zelten nur Münchner Bier ausgeschenkt werden. Während des Oktoberfestes werden Lebensmittelkontrolleure im Dauereinsatz sein. Die für die Lebensmittelüberwachung auf dem Oktoberfest zuständige Landeshauptstadt München gab gegenüber foodwatch an, mit mehreren Kontrolleuren ständig auf dem Festgelände präsent zu sein. Jeder Lebensmittelstand und jedes Festzelt werde täglich kontrolliert, die großen Festzelte mehrmals täglich. Im Jahr 2017 gab es 1.491 Kontrollen auf dem Oktoberfest, bei 5 Prozent davon kam es zu Beanstandungen.

    foodwatch hatte bei den Behörden in München einen Antrag über das sogenannte Verbraucherinformationsgesetz gestellt und auf diese Weise Kontrollberichte aus den Jahren 2013 bis 2017 zu Augustiner-Bräu, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Spaten-Franziskaner-Bräu, der Paulaner Brauerei sowie dem Staatlichen Hofbräuhaus erhalten. Die amtlichen Dokumente zeigen in den vergangenen Jahren nur wenige Verstöße gegen Hygiene- und lebensmittelrechtliche Vorschriften. Bei Augustiner-Bräu monierten die Kontrolleure bei Untersuchungen 2015 und 2017 mehrfach einen „schwarzschimmelähnlichen Belag“ an den Wänden, zudem war etwa das „Kühlaggregat mit Schimmelrückständen behaftet“. Bei angekündigten Nachkontrollen waren laut Auskunft des zuständigen Münchner Kreisverwaltungsreferats jeweils „alle Beanstandungen“ bzw. „nahezu alle Mängel“ abgestellt. Eine neu eingebaute Lüftungsanlage hätte dann 2017 zu „deutlich sichtbar weniger Kondenswasserbildung“ geführt, die Wände waren jedoch noch immer „teilweise sehr feucht und durch einen schwarzschimmelähnlichen Belag verunreinigt“. Über die aktuellen Zustände in den Brauereien liegen foodwatch keine Informationen vor.


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    <![CDATA[Einladung zur Pressekonferenz: Vorstellung der foodwatch-Marktstudie Zuckerreduktion 2018: „So zuckrig sind Erfrischungsgetränke in Deutschland – immer noch“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zur-pressekonferenz-vorstellung-der-foodwatch-marktstudie-zuckerreduktion-2018-so-zuckrig-sind-erfrischungsgetraenke-in-deutschland-immer-noch/Fri, 14 Sep 2018 14:29:00 +0200

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    weniger Zucker in Coca-Cola, Pudding, Nudelsoßen – derzeit schreiben sich viele Handelsketten und Lebensmittelhersteller das Thema Zuckerreduktion auf die Fahnen. Seit einigen Jahren gibt es eine rege gesellschaftliche Debatte rund um den zu hohen Zuckerkonsum und die damit verbundene Fehlernährung. Auch auf politischer Ebene ist das Thema angekommen: Während andere Länder gesetzliche Maßnahmen gegen Fehlernährung auf den Weg gebracht haben, will Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bis zum Jahresende eine Strategie für weniger Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten vorlegen – auf freiwilliger Basis. 

    Da zuckergesüßte Getränke als eine der Hauptursachen für Fettleibigkeit und Diabetes gelten, hat foodwatch untersucht, ob sich die von vielen Herstellern und Händlern angekündigte Zuckerreduktion im Getränkeregal niederschlägt. In einer großen Marktstudie wurden 600 „Erfrischungsgetränke“ aus dem Sortiment der drei größten Handelsketten auf ihren Zuckergehalt geprüft – und mit den Ergebnissen des ersten foodwatch-Marktchecks von 2016 verglichen. Gemeinsam mit dem AOK-Bundesverband und dem Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité wollen wir die Ergebnisse vorstellen, über die Folgen des zu hohen Zuckerkonsums für den Einzelnen und das Gesundheitssystem aufklären und Handlungsempfehlungen für die Politik einbringen. Außerdem werden wir alle untersuchten Produkte aufstellen und den in den Getränken enthaltenen Zucker aufschütten.

    Wir laden Sie herzlich ein zur Pressekonferenz:

    Termin: 21. September 2018, 10:30 Uhr

    Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin

    mit:

    • Dr. Kai Kolpatzik, Leiter der Abteilung Prävention im AOK-Bundesverband
    • Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité Berlin und der Abteilung Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
    • Luise Molling, Autorin der Marktstudie, foodwatch
    • Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen, foodwatch

    Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de. Vielen Dank!

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    <![CDATA[Keinen gezuckerten Kakao mehr im NRW-Schulmilchprogramm: Ärzte, Wissenschaftler, Lehrer- und Elternvertreter appellieren an Landesregierung]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/keinen-gezuckerten-kakao-mehr-im-nrw-schulmilchprogramm-aerzte-wissenschaftler-lehrer-und-elternvertreter-appellieren-an-landesregierung/Fri, 14 Sep 2018 09:19:00 +0200
    • Experten für ausgewogene Mittagsverpflegung, Obst und Gemüse statt Zuckermilch
    • Kinderärzteverband, Adipositas-Gesellschaft, Bundeszahnärztekammer werben für Änderungen am Schulmilchprogramm in NRW
    • Auch Vorsitzende von GEW, Jungen Lehrern und Elternkonferenz zeichnen Appell

    Berlin, 14. September 2018. Renommierte Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Vertreter von Lehrern und Eltern appellieren an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. In einem von der Verbraucherorganisation foodwatch initiierten und am Freitag veröffentlichten Empfehlungsschreiben sprechen sie sich dafür aus, statt auf Subventionen für Milchprodukte mit zugesetztem Zucker auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an Schulen und Kindertagesstätten zu setzen. 

    Führende Diabetologen, Ernährungswissenschaftler, Zahnmediziner und Kinderärzte argumentieren in dem Schreiben, weshalb aus ihrer Sicht die Förderung von Milchprodukten mit Zuckerzusatz nachteilig ist. Auch die NRW-Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternkonferenz sowie der Jungen Lehrer zeichneten den Appell. 

    „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. 

    Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Prof. Dr. Helmut Heseker vom Institut für Ernährung der Universität Paderborn sagte: „In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den damals ‚schmächtigen‘ Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk. Leider ist es inzwischen eine reine Marketingmaßnahme, um den Milchabsatz zu erhöhen.“

    „Wir als Eltern wünschen uns im Lebensraum Schule, dass unseren Kindern ein gesundes und vollwertiges Nahrungsangebot für den Schultag unterbreitet wird“, formulierte Dr. Christina Herold, Vorsitzende der Landeselternkonferenz. 

    Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, argumentierte: „Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Kariesrisiko deutlich mit der Frequenz der Zuckeraufnahme zusammenhängt. Deshalb sollte auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke verzichtet werden.“

    Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der GEW: „Das Land NRW wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 andere Bundesländer gemacht haben. Von dem eingesparten Geld könnte zum Beispiel der Programmteil 'Schulobst- und Gemüse' erweitert werden.“

    Das Empfehlungsschreiben unterstützen zudem Dr. Roswitha Dickerhoff (Kinderärztin, ehemals Universitätsklinikum Düsseldorf), Dr. Thomas Fischbach (Kinderarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte), Dr. Marcus Heidemann (Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte), Dr. Jens Kröger (Vorstandsvorsitzender von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe), Prof. Dr. med Alfred Längler (Leitender Arzt der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin und Ärztlicher Direktor am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke), Prof. Dr. Volker Peinelt (Mönchengladbach; ehemaliger Hochschullehrer an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, zuständig für den Bereich Catering-Services mit dem Schwerpunkt Schulverpflegung), Univ. Prof. Dr. med. Andreas Pfeiffer (Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité und der Abt. Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke), Prof. Dr. Thomas Reinehr (Chefarzt der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Vestische Kinder- und Jugendklinik der Universität Witten/Herdecke) sowie Sarah Wanders (Vorsitzende junge lehrer nrw).

    foodwatch forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, den Argumenten der Experten zu folgen und im Sinne der Kindergesundheit die Kakao-Förderung mit Steuergeldern zu stoppen. Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW kündigte Ministerin Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien an. 

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Bundesregierung hat Zuckerreduktion zum politischen Ziel erklärt. Aus Sicht von foodwatch ist die Zucker-Förderung über das Schulmilchprogramm daher verfehlt. Stattdessen müsse das Land eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, über die auch die Kalziumversorgung gewährleistet werden kann. Zudem könne ein Schulobst- und Gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige in NRW angeboten werden. Nicht zuletzt sind die Schulmilchprodukte in NRW alles andere als günstig - wollen Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten, können sie dies über Produkte aus dem Handel deutlich preisgünstiger umsetzen.

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    <![CDATA[Protest in Brüssel: foodwatch wirft EU massive Versäumnisse beim Gesundheitsschutz vor – Offener Brief: Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ist „realitätsfern“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/protest-in-bruessel-foodwatch-wirft-eu-massive-versaeumnisse-beim-gesundheitsschutz-vor-offener-brief-kommissionspraesident-jean-claude-juncker-ist-realitaetsfern/Tue, 11 Sep 2018 09:37:00 +0200

    +++ Bildmaterial von Protestaktion in Brüssel +++

    Brüssel, 11. September 2018. Die europäische Verbraucherorganisation foodwatch hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker massive Versäumnisse beim Gesundheits- und Verbraucherschutz vorgeworfen. Regelmäßig werde Europa von Lebensmittelskandalen erschüttert, doch die Brüsseler Behörde versäume es, Verbraucherinnen und Verbraucher effektiv zu schützen, heißt es in einem Offenen Brief an EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Es sei „realitätsfern“ zu behaupten, dass das europäische Lebensmittelrecht ausreichend vor Gesundheitsgefahren schützt. Der nächste Lebensmittelskandal sei nur eine Frage der Zeit, sollte das EU-Lebensmittelrecht nicht umfassend reformiert werden, schrieb die Verbraucherorganisation. foodwatch-Aktivisten überreichten den Offenen Brief in Brüssel und protestierten vor dem Gebäude der EU-Kommission: Ein als Präsident Juncker verkleideter Demonstrant präsentierte europäischen Bürgerinnen und Bürgern bekannte Skandal-Lebensmittel der vergangenen Jahre – wie etwa Fipronil-Eier oder Pferdefleisch-Lasagne – als schmackhafte Delikatessen, die bedenkenlos verzehrt werden könnten. 

    „Egal ob Fipronil in Eiern, verseuchte Lactalis-Babymilch oder Pferdefleisch in der Rindfleisch-Lasagne: Europa wird immer wieder von Lebensmittelskandalen erschüttert, häufig verbunden mit Gesundheitsgefahren für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Statt die 500 Millionen Bürgerinnen und Bürger in Europa zu schützen und Schwachstellen im EU-Recht zu beheben, tut Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker so, als sei alles in bester Ordnung“, kritisierte foodwatch-Expertin Lena Blanken. 

    Die Verbraucherorganisation legte der Kommission eine Schwachstellenanalyse des EU-Lebensmittelrechts einschließlich konkreter Verbesserungsvorschläge vor. So müsse die EU beispielsweise die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln sicherstellen. Der Fipronil-Skandal etwa habe gezeigt, dass die im EU-Lebensmittelrecht eigentlich vorgeschriebene lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette bis heute nicht funktioniert. Zudem müssten Unternehmen dazu verpflichtet werden, ihre eigenen Produkte auf gesundheitliche Unbedenklichkeit zu testen. Auch das Warnsystem kritisierte foodwatch als mangelhaft: Im EU-Lebensmittelrecht müsse klar geregelt werden, dass Behörden bei Verstößen die Verbraucherinnen und Verbraucher schnell und umfassend informieren müssen – und zwar unter Nennung der Namen der Hersteller und Produkte und sowohl in Fällen, in denen Gesundheitsgefahr besteht als auch bei Betrug. Außerdem forderte foodwatch für Verbraucherverbände die rechtliche Möglichkeit, Behörden zu verklagen, wenn diese ihre Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts missachteten. Erst das schaffe das nötige Druckmittel für Verbraucherorganisationen.

    Jean-Claude Juncker selbst sieht jedoch offenbar kaum Handlungsbedarf: Erst kürzlich ließ er über eine Sprecherin mitteilen, dass Lebensmittel entlang der gesamten Produktionskette rückverfolgt werden könnten. Nur so habe der Fipronil-Skandal so schnell aufgearbeitet werden können. foodwatch kritisierte diese Behauptungen in dem Schreiben an Herrn Juncker als „komplett falsch und respektlos gegenüber den europäischen Bürgerinnen und Bürgern“. Bis heute wüsste niemand, wie viele Millionen Eier mit dem Insektengift Fipronil belastet sind und wohin diese geliefert wurden.

    Die Europäische Kommission hat zwar im April einen Reformvorschlag für das europäische Lebensmittelrecht vorgelegt. Dieser sieht aber lediglich neue Regeln bei der Risikobewertung von Pflanzenschutzmitteln vor – alle anderen Bereiche bleiben unberührt. foodwatch kritisierte den Vorschlag als nicht ausreichend. Vielmehr müssten die grundlegenden Schwachstellen im EU-Recht abgestellt werden. Das allgemeine europäische Lebensmittelrecht, die sogenannte EU-Basisverordnung 178/2002, wurde 2001 als Antwort auf die BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) beschlossen. Im Rahmen des „REFIT-Prozesses“ (Regulatory Fitness and Performance Programme) der Europäischen Kommission soll es jetzt überarbeitet werden. 

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    <![CDATA[Repräsentative Umfrage: Knappe Mehrheit der Eltern in NRW will Änderungen beim Schulmilch-Programm – foodwatch: Keine Steuergelder mehr für gezuckerten Kakao]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/repraesentative-umfrage-knappe-mehrheit-der-eltern-in-nrw-will-aenderungen-beim-schulmilch-programm-foodwatch-keine-steuergelder-mehr-fuer-gezuckerten-kakao/Fri, 07 Sep 2018 15:58:00 +0200

    Sollten Milch und Kakao an Schulen weiterhin mit Steuergeldern gefördert werden? Eltern in Nordrhein-Westfalen sind bei dieser Frage gespalten, wie eine repräsentative forsa-Befragung im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch zeigt: Eine knappe Mehrheit von insgesamt 51 Prozent spricht sich für Änderungen am Schulmilchprogramm und für ein Ende der Kakaosubvention aus. Während 32 Prozent der befragten Eltern schulpflichtiger Kinder nur die Förderung von gezuckertem Kakao beenden möchte, wollen 19 Prozent ein Ende der Subventionen sowohl für Kakao als auch für ungesüßte Trinkmilch. Demgegenüber sind 47 Prozent der Befragten der Meinung, NRW solle weiterhin sowohl ungesüßte Milch als auch gezuckerten Kakao bezuschussen. 

    foodwatch kritisierte, dass der Konsum gezuckerter Milchgetränke von der Milchwirtschaft und vom Land NRW immer wieder als unschädlich oder gar gesund dargestellt werde. Tatsächlich jedoch hat die EU ihre Förderrichtlinien beim Schulmilchprogramm gerade erst geändert: Mit Blick auf die Übergewichtsentwicklung bei Kindern sollen nur noch ungezuckerte Milchprodukte gefördert werden. Auch die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. NRW hat trotzdem eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin subventionierten Kakao an den Schulen zuzulassen.

    foodwatch forderte Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Subvention von gezuckertem Schul-Kakao mit Steuergeldern zu beenden. „Gezuckerte Milchprodukte wie Kakao sind eine völlig ungeeignete Pausenverpflegung“, erklärte Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch. „Statt gesunder Ernährung fördert der Staat den ohnehin bereits zu hohen Zuckerkonsum von Kindern. Die Landesregierung sollte dieses steuerfinanzierte Zuckerprogramm beenden und stattdessen dafür Sorge tragen, dass die Schulverpflegung insgesamt ausgewogener wird und zum Beispiel mehr Mittel für das Obst- und Gemüseprogramm zur Verfügung stehen. Eine Absatzförderung für die Milchwirtschaft auf Kosten der Gesundheit von Kindern ist völlig inakzeptabel.“

    Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte wie Kakao festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW plant Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht, die Eltern sollen in den Prozess aber mit einbezogen werden. 

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. 

    Redaktioneller Hinweis:

    Das Meinungsforschungsinstitut forsa führte im Auftrag von foodwatch die repräsentative Befragung durch. Dabei wurden insgesamt 1.008 nach einem systematischen Zufallsverfahren ausgewählte Mütter und Väter in Nordrhein-Westfalen befragt, die mindestens ein Kind haben, das eine allgemeinbildende Schule besucht. Die Erhebung wurde vom 28. August bis zum 3. September 2018 durchgeführt. Nähere Angaben zu den Ergebnissen und zur Fragestellungfinden Sie hier.

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    <![CDATA[Schulmilchprogramm: Berlin prüft Ausstieg aus Förderung von gezuckerten Milchprodukten – Berlin und Brandenburg „fördern“ Kinder mit elf Millionen Zuckerwürfeln]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilchprogramm-berlin-prueft-ausstieg-aus-foerderung-von-gezuckerten-milchprodukten-berlin-und-brandenburg-foerdern-kinder-mit-elf-millionen-zuckerwuerfeln/Fri, 07 Sep 2018 13:34:00 +0200

    Berlin, 7. September 2018. Nach Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch stellt nun auch das Land Berlin die Förderung gezuckerter Milchprodukte an Schulen in Frage. „Berlin prüft derzeit, zukünftig auf die Förderung von gezuckerten Milchmischgetränken zu verzichten und befindet sich dazu im Austausch mit der Bildungsverwaltung“, schrieb ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz an foodwatch. Berlin ist neben Brandenburg und Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das bisher an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhält – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. Berlin und Brandenburg haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch forderte Verbrauchersenator Dirk Behrendt und Bildungssenatorin Sandra Scheeres sowie den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen. 

    „Es kann nicht sein, dass der Staat in den Schulen als Zucker-Dealer auftritt und Schüler mit genau dem Stoff versorgt, der an anderer Stelle mit Reduktionsprogrammen und Ernährungsempfehlungen bekämpft werden soll. Es gibt keinen guten Grund dafür, Schüler mit der täglichen Portion Zuckermilch zu versorgen – es sei denn, Berlin und Brandenburg schreiben sich die Förderung von Übergewicht und Diabetes auf die Fahnen“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

    Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Berlin hat jedoch – neben Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. NRW hatte kürzlich bereits eine Überprüfung seines Schulmilchprogramms angekündigt, Hessen hatte im August nach öffentlicher Kritik einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch erklärt. Berlin und Brandenburg hingegen fördern mit Steuergeldern weiter stark zuckerhaltige Milchprodukte – als einzige Bundesländer werden neben Kakao auch die noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch an Schulen ausgegeben. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder der beiden Bundesländer, wie foodwatch-Recherchen zeigen. 

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. 

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    <![CDATA[Einladung zu foodwatch-Protestaktion bei EU-Kommission: EU verweigert Verbrauchern Schutz vor Lebensmittelskandalen – Offener Brief an Jean-Claude Juncker]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zu-foodwatch-protestaktion-bei-eu-kommission-eu-verweigert-verbrauchern-schutz-vor-lebensmittelskandalen-offener-brief-an-jean-claude-juncker/Tue, 04 Sep 2018 11:45:00 +0200

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    regelmäßig erschüttern Lebensmittelskandale die Öffentlichkeit – zuletzt etwa der Fall um verseuchte Lactalis-Babymilch oder Fipronil-belastete Eier. Immer wieder gelangen gesundheitsgefährdende, illegale und irreführende Produkte millionenfach auf den Markt. Weder die Hersteller und der Handel noch die zuständigen Behörden sind in der Lage, die genauen Warenströme nachzuverfolgen und betroffene Produkte sofort vom Markt zu nehmen. Europas Verbraucherinnen und Verbraucher werden nicht umgehend und umfassend gewarnt. Doch trotz dieser Missstände sieht die EU-Kommission keinen Handlungsbedarf, das europäische Lebensmittelrecht grundlegend zu reformieren. Die internationale Verbraucherorganisation foodwatch wird daher vor dem Gebäude der EU-Kommission mit einer bildstarken Aktion protestieren. Aktivisten werden dabei auch einen Offenen Brief sowie eine Schwachstellenanalyse des EU-Lebensmittelrechts einschließlich konkreter Verbesserungsvorschläge symbolisch an Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker überreichen. 

    Wir laden Sie herzlich ein, bei der Foto- und Protestaktion in Brüssel dabei zu sein:

    Termin: 11. September 2018, 11:00 Uhr

    Ort: vor der EU-Kommission, Rue de la Loi / Wetstraat 175-200, 1049 Brüssel

    Für Interviews und O-Töne stehen Ihnen vor Ort Lena Blanken von foodwatch Deutschland und Mégane Ghorbani von foodwatch Frankreich gerne zur Verfügung. 

    Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen zur besseren Planung sehr dankbar – telefonisch unter Tel.: +49 (0) 30 / 24 04 76 290 oder formlos per Mail an presse@foodwatch.de.

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    <![CDATA[Massenhaft kranke Tiere in deutschen Ställen: VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch fordern Maßnahmen für die Gesundheit von Nutztieren – Tiergesundheitsmonitoring nötig]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/massenhaft-kranke-tiere-in-deutschen-staellen-vier-pfoten-greenpeace-und-foodwatch-fordern-massnahmen-fuer-die-gesundheit-von-nutztieren-tiergesundheitsmonitoring-noetig/Mon, 03 Sep 2018 09:48:00 +0200

    VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch haben von der Bundesregierung wirksame Maßnahmen für die Gesundheit von Nutztieren in Deutschland gefordert. Ein großer Teil der Nutztiere leide unter vermeidbaren Erkrankungen: Kühe etwa unter Euterentzündungen, Mastschweine unter schmerzhaft verdickten Gelenken, Legehennen unter Knochenbrüchen. Trotzdem gelangten ihre Produkte massenhaft in den Handel. Die Bundesregierung habe bisher keine Maßnahmen vorgelegt, die diese Missstände beheben könnten. Das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner erarbeitete Tierwohlkennzeichen greife viel zu kurz, kritisierten die Organisationen auf einer Pressekonferenz am Montag in Berlin. Die millionenfach auftretenden Produktionskrankheiten von Tieren spielten bei den Plänen der Bundesregierung keine Rolle.

    „Egal, ob Eier, Schnitzel oder Milch: Fast jedes vierte tierische Lebensmittel stammt von einem kranken Tier – das ist ein Skandal. Statt mit dem Tierwohlkennzeichen lediglich Alibi-Maßnahmen vorzunehmen, muss Frau Klöckner sicherstellen, dass insgesamt nur Produkte von tiergerecht gehaltenen und gesunden Tieren in den Handel kommen“, sagte Rüdiger Jürgensen, Country Director, VIER PFOTEN Deutschland im Namen der drei Organisationen. 

    VIER PFOTEN, Greenpeace und foodwatch kritisierten, dass es bisher keine gesetzlichen Zielvorgaben für die Gesundheit von Nutztieren gibt und die Erkrankungsraten nicht systematisch erfasst werden. Die Organisationen forderten ein bundesweites, betriebsgenaues Tiergesundheitsmonitoring sowie verbindliche Vorgaben für die Verbesserung der Gesundheit von Nutztieren. Für Betriebe, deren Tiere wiederholt sehr schlechte Zustände aufweisen, müsse es rechtliche Konsequenzen geben. Umgekehrt sollten Betriebe, die ein hohes Maß an Tiergesundheit erreichen, dafür finanziell belohnt werden.

    Die Erkrankungsraten bei Nutztieren hängen von verschiedenen Faktoren ab – einen bisher kaum diskutierten, jedoch sehr großen Einfluss auf die Tiergesundheit hat das Management des Betriebs durch den Tierhalter. Der Gesundheitszustand der Tiere unterscheidet sich deshalb sehr stark von Betrieb zu Betrieb. 

    Das von Julia Klöckner vorgelegte freiwillige „Tierwohlkennzeichen“ könne die miserable Situation vieler Nutztiere nicht verbessern, kritisierten die drei Organisationen. Denn es setze lediglich Mindeststandards für formale Haltungsbedingungen wie etwa Auslauf und Herdengröße – Kriterien für die Tiergesundheit fehlten hingegen. Ohnehin könnten selbst optimistischen Schätzungen zufolge lediglich 20 Prozent der Nutztiere von dem freiwilligen Siegel profitieren. 

    Wissenschaftliche Studien gehen bei Mastschweinen von Lungenerkrankungsraten um die 50 Prozent und schmerzhaft verdickten Gelenken um die 40 Prozent aus. Bis zu 90 Prozent der Milchkühe erkranken im Durchschnitt einmal im Jahr, sei es am Euter, an Stoffwechsel-Störungen oder an den Klauen. Masthühner und Puten können am Ende der Mast aufgrund ihres schnellen Wachstums nicht mehr richtig laufen und verdursten deswegen zum Teil. Über 50 Prozent der Legehennen erleiden Knochenbrüche.

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    <![CDATA[Angeblich „günstige“ Schulmilch in NRW oft deutlich teurer als Milch im Supermarkt – Landliebe verlangt mehr Geld als in anderen Bundesländern – foodwatch kritisiert „Abzocke“]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/angeblich-guenstige-schulmilch-in-nrw-oft-deutlich-teurer-als-milch-im-supermarkt-landliebe-verlangt-mehr-geld-als-in-anderen-bundeslaendern-foodwatch-kritisiert-abzocke/Wed, 29 Aug 2018 00:00:00 +0200
    • Schulmilch ist in NRW pro Liter bis zu 97 Prozent teurer als Standardprodukte im Supermarkt
    • Auch frischer Kakao wird im Discounter billiger verkauft als über Schulmilchprogramm
    • Landliebe nimmt von Eltern in NRW mehr Geld als in Hessen, Berlin und Brandenburg

    Trotz der steuerfinanzierten Subventionen sind Schulmilchgetränke in NRW zum Teil deutlich teurer als Standardprodukte im Supermarkt. Das ergab ein Preisvergleich von foodwatch. Das staatliche Programm sei aufgrund von kleinen Verpackungen und einem hohen bürokratischen wie logistischen Aufwand so ineffizient, dass die Fördergelder vor allem im System versickerten, kritisierte die Verbraucherorganisation. So kostet frische Vollmilch derzeit im Handel 69 Cent und fettarme Frischmilch 61 Cent pro Liter. Für die täglichen Trinkpäckchen des Schulmilchprogramms dagegen zahlen Eltern 30 Cent pro 250 Milliliter, auf den Liter hochgerechnet sind das 1,20 Euro – ein Preisaufschlag von 74 Prozent bei Vollmilch und sogar 97 Prozent bei fettarmer Milch.

    Auch frische Kakao-Milch ist beim Discounter günstiger erhältlich als über das Schulmilchprogramm. Zudem verlangt der Molkereikonzern FrieslandCampina, mit seiner Marke „Landliebe“ der einzige überregionale Schulmilchlieferant, für die gleichen Produkte von den Eltern in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich mehr Geld als in anderen Bundesländern. Die Landliebe-Schulmilch ist in NRW zum Beispiel 50 Prozent teurer als in Hessen. „Von wegen billig: Wenn Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten wollen, können sie das erheblich günstiger organisieren als über das staatliche Schulmilchprogramm in NRW“, erklärte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

    Die Verbraucherorganisation kritisierte es als irreführend, dass die Landesregierung ihr Schulmilchprogramm mit dem Hinweis auf den angeblich „günstigen Preis“ bewerbe. So heißt es auf der Schulmilch-Internetseite des verantwortlichen Landesumweltministeriums: „Durch dieses Finanzierungsprogramm können Milch und Milchprodukte in Kindergärten und Schulen zu einem günstigen Preis angeboten werden.“ Bemerkenswerterweise wird diese Aussage wortgleich von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW verwendet. Martin Rücker von foodwatch: „Es ist schon eine Form von Abzocke, wenn die Schulmilchpackungen als besonders ‚günstig‘ beworben werden, obwohl Eltern im Supermarkt teilweise deutlich weniger zahlen würden. Das Schulmilchprogramm in NRW ist überzuckert und überteuert. Der Effekt: Hunderttausende Schüler trinken Schulkakao, der teurer ist als nötig und der wegen seines Zuckergehalts gesundheitlich auch noch mehr Schaden als Nutzen bringt.“

    Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Milchprodukte wie Kakao fördert. Nach Kritik von foodwatch hatte die verantwortliche Umweltministerin Ursula Heinen-Esser vergangene Woche eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien angekündigt, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht. Zuvor hatte Hessen auf die Kritik reagiert und angekündigt, die Kakao-Förderung zu stoppen. Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen ihres Schulprogramms fördern. Vier Bundesländer – NRW, Hessen, Berlin und Brandenburg – haben jedoch eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um doch noch gezuckerte Produkte subventionieren zu können.

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

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    <![CDATA[Einladung zur Pressekonferenz von Vier Pfoten, Greenpeace und foodwatch: Was in der Nutztierhaltung grundlegend falsch läuft ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/einladung-zur-pressekonferenz-von-vier-pfoten-greenpeace-und-foodwatch-was-in-der-nutztierhaltung-grundlegend-falsch-laeuft/Mon, 27 Aug 2018 16:15:00 +0200

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    die miserablen Zustände, unter denen viele Nutztiere in Deutschland leiden, werden in der Gesellschaft breit diskutiert. Auch auf politischer Ebene wird über die aktuelle Situation von Nutztieren in Deutschland debattiert. So berät beispielsweise am 3. September der Agrarausschuss über den Antrag Bayerns, eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Ferkelkastration zu erreichen.

    Doch egal, ob es um das freiwillige Tierwohllabel von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner geht oder um die Kennzeichnungsinitiativen der Discounter: Fast immer dreht sich die Debatte nur um die formalen Haltungsbedingungen. Warum diese Diskussion viel zu kurz greift und welche zentralen Stellschrauben für eine tiergerechte Haltung dabei ignoriert werden, möchten wir Ihnen auf einer Pressekonferenz erläutern. Die Organisationen Vier Pfoten, Greenpeace und foodwatch stellen konkrete politische Maßnahmen vor, die Julia Klöckner umsetzen muss, um Nutztiere vor vermeidbarem Leid zu schützen. 

    Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Pressekonferenz:

    Termin: 3. September 2018, 10:00 Uhr

    Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, 10117 Berlin, Raum 3 - 4 

    mit: 

    • Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor von foodwatch 
    • Martin Hofstetter, Agraringenieur und Political Advisor, Greenpeace 
    • Rüdiger Jürgensen, Country Director, Vier Pfoten Deutschland
    • Ina Müller-Arnke, Agraringenieurin und Nutztierexpertin, Vier Pfoten

    Für eine Rückmeldung, ob wir mit Ihrem Kommen rechnen dürfen, wären wir Ihnen sehr dankbar - telefonisch unter (0 30) 24 04 76 - 290 oder per Mail an presse@foodwatch.de

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    <![CDATA[Belgien führt Lebensmittelampel ein – „Nutriscore“-Modell soll gesunde Ernährung fördern – foodwatch: Ernährungsministerin Julia Klöckner muss Widerstand aufgeben!]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/belgien-fuehrt-lebensmittelampel-ein-nutriscore-modell-soll-gesunde-ernaehrung-foerdern-foodwatch-ernaehrungsministerin-julia-kloeckner-muss-widerstand-aufgeben/Thu, 23 Aug 2018 15:13:00 +0200

    Nach Großbritannien und Frankreich führt auch Belgien eine Nährwert-Ampel für Lebensmittel ein. Um es den Menschen „leichter zu machen, sich für eine gesunde Ernährung zu entscheiden“, sollen die Verpackungen belgischer Produkte in Kürze zusätzlich mit einer Ampelkennzeichnung dargestellt werden, erklärte die belgische Gesundheitsministerin am Dienstag. Die Verbraucherorganisation foodwatch forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, ihren Widerstand gegen eine Lebensmittelampel aufzugeben. Sie solle sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung stark machen. Weil die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung EU-weit einheitlich geregelt ist, können die Mitgliedsstaaten zusätzliche, farbbasierte Kennzeichnungsmodelle nur auf freiwilliger Basis einführen.

    „Erst Großbritannien, dann Frankreich, jetzt Belgien – immer mehr Länder in Europa führen Lebensmittelampeln ein. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich jedoch mit Händen und Füßen gegen eine farbliche Kennzeichnung von Zucker, Salz & Co. – und das, obwohl Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen ein Ampel-System schon seit Jahren fordern, und auch die Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Ampel will. Frau Klöckner sollte endlich den Appellen der Fachwelt folgen, statt nach der Pfeife der Lebensmittel-Lobby zu tanzen“, forderte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

    Die belgische Regierung will das sogenannte NutriScore-Modell nach französischem Vorbild übernehmen: Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung – auf freiwilliger Basis – eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. NutriScore wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

    Das NutriScore-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. foodwatch würde sowohl die Einführung des britischen Originals als auch des französischen Modells befürworten. Jedes der Modelle ermögliche es Verbraucherinnen und Verbraucher, die ernährungsphysiologische Qualität von Produkten auf dem ersten Blick miteinander vergleichen zu können, so foodwatch.

    „Ob NutriScore aus Frankreich oder die Original-Ampel aus Großbritannien: Entscheidend ist, dass wir ein von unabhängigen Experten entwickeltes System haben, das die Nährwerte eines Produkts mit einer farblichen Kennzeichnung direkt auf der Produktvorderseite darstellt und die Vergleichbarkeit von Produkten gewährleistet“, sagte Oliver Huizinga.

    Ernährungsministerin Julia Klöckner lehnt eine Lebensmittelampel für Deutschland bislang ab. Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD das System der Nährwertkennzeichnungen für verpackte und verarbeitete Lebensmittel jedoch weiterentwickeln, indem der Gehalt „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. Ein Modell dafür soll mit Lebensmittel- und Verbraucherverbänden sowie mit Rücksicht auf kleinere Anbieter bis Sommer 2019 erarbeitet werden.

    Der Lebensmittelhersteller Danone will in Deutschland bereits ab Anfang 2019 das von Frankreich und Belgien eingeführte Nutriscore-Modell auf seine Verpackungen drucken. foodwatch begrüßt den Vorstoß des Lebensmittelkonzerns, forderte aber zugleich eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben vorzuschreiben, damit andere Hersteller nachziehen: Die Idee der Lebensmittel-Ampel sei es, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können – das gehe nicht, wenn nur ein Hersteller die Ampel einführt.

    Die Verbraucherorganisation kritisierte erneut von der Industrie selbst entwickelte Kennzeichnungsmodelle. So möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Selbst ein Produkt wie Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde mit dieser Industrie-Kennzeichnung jedoch keine einzige rote Ampel erhalten, kritisierte foodwatch. „Die geplante Fake-Ampel von Nestlé, Cola & Co. ist nicht die Lösung. Da steht Ampel drauf, ist aber nur Verbrauchertäuschung drin“, erklärte Oliver Huizinga.

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    <![CDATA[Schulmilch in NRW: Aus für „Lex Kakao“? Ministerin Ursula Heinen-Esser stellt Förderung von Milch mit Zuckerzusatz auf den Prüfstand – Evaluation bis zu den Herbstferien angekündigt]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/schulmilch-in-nrw-aus-fuer-lex-kakao-ministerin-ursula-heinen-esser-stellt-foerderung-von-milch-mit-zuckerzusatz-auf-den-pruefstand-evaluation-bis-zu-den-herbstferien-angekuendigt/Wed, 22 Aug 2018 12:16:00 +0200

    Nach Kritik der Verbraucherorganisation foodwatch stellt die nordrhein-westfälische Landesregierung die Förderung von gezuckertem Kakao in seinem Schulmilchprogramm auf den Prüfstand. „Wir evaluieren bis zu den Herbstferien“, schrieb die verantwortliche Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am späten Dienstagabend auf twitter. Eine Entscheidung solle dann unter „Beteiligung der Eltern“ fallen. Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht. 

    „Die Lex Kakao muss weg – am besten sofort“, forderte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „So, wie die nordrhein-westfälische Landesregierung ihr Schulmilchprogramm organisiert, fördert es nur zweierlei: Übergewicht bei Kindern und Umsatz beim Molkereikonzern FrieslandCampina – das ist nicht zu verantworten.“ 

    Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen ihres Schulprogramms fördern. NRW hat jedoch - wie sonst nur noch Berlin und Brandenburg – eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um doch noch gezuckerte Produkte subventionieren zu können. Zuletzt hatte Hessen auf Kritik von foodwatch reagiert und Ende vergangener Woche angekündigt, die Kakao-Förderung zu stoppen. 

    Aus Sicht von foodwatch kann die nordrhein-westfälische Landesregierung die Evaluierung bereits heute vornehmen, da die wesentlichen Punkte feststehen: 

    • 15 Prozent der Kinder gelten als übergewichtig, 6 Prozent als fettleibig. Während sie zu wenig Obst und Gemüse verzehren, ist ihr Zuckerkonsum zu hoch.
    • Die EU hat ihr Schulmilchprogramm wegen der Zunahme von Fettleibigkeit bei Kindern umgestellt und will nur noch ungezuckerte Milchprodukte fördern.
    • Die Landesregierung hat für die Ausgestaltung des EU-Programmes in NRW jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, durch die Kakao mit Zuckerzusatz weiterhin gefördert wird.
    • Diese Förderung von Milch mit Zuckerzusatz widerspricht sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das Schulmilchprogramm in NRW fördert mit Steuergeldern ein Ernährungsangebot an Schulen, das den Empfehlungen zuwider läuft.
    • Ungesüßte Milchprodukte sind zwar fester Bestandteil der Ernährungsempfehlungen für Kinder. Allerdings sollten diese nur „mäßig“ verzehrt werden. Die durchschnittliche Kalziumaufnahme von Kindern in Deutschland liegt unter den Empfehlungen, der Bedarf kann jedoch auf verschiedene Art und Weise gedeckt werden – zum Beispiel durch ein ausgewogenes Mittagessenangebot mit Nüssen, Hülsenfrüchten und auch Milchprodukten. NRW hat die DGE-Standards für die Mittagverpflegung jedoch nicht verpflichtend erklärt, weshalb ein hochwertiges Angebot in den Schulkantinen nicht garantiert ist. Hier könnte die Landesregierung ansetzen, wenn sie die Ernährungssituation der Kinder verbessern möchte.
    • Wenn Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen, ist das problematisch – allerdings sind Ernährungsprobleme in den Familien nicht durch die Förderung von Zuckermilch zu lösen. Zielführender wären ausgewogene Frühstücksangebote in den Schulen – zumindest könnte das Schulobstprogramm an allen Schulen angeboten werden. Hierfür stehen in NRW jedoch nicht genügend Mittel zur Verfügung.
    • Nach wie vor gilt: Wenn Kinder nicht genug Obst essen, gibt man ihnen auch keine Obsttorte als Ersatz.
    • Dass das Schulmilchprogramm in NRW bislang nicht an den Ernährungsbedürfnissen der Kinder ausgerichtet ist, zeigt auch die offizielle Internetseite der Landesregierung zu dem Programm: Unter www.schulobst-milch.nrw.de verweist sie immer dann, wenn es um „gesunde Ernährung“ oder den „gesundheitlichen Stellenwert von Milch“ geht, auf ein Portal der Landesvereinigung der Milchwirtschaft, die naturgemäß ein Interesse an einem möglichst hohen Milchabsatz hat.

    Die jüngsten Angaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung zum Schulmilchprogramm stammen aus dem Schuljahr 2015/2016. Demnach seien in Schulen und Kitas zu 63 Prozent gezuckerte Milchprodukte und nur zu 37 Prozent ungesüßte Milch gefördert worden, wobei der Anteil von Zuckermilch an den Schulen noch deutlich größer sein dürfte. Die Landesregierung änderte inzwischen ihre Richtlinien, so dass weniger Kakao gefördert werden soll. foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker: „Wenn die Landesregierung zu Recht nicht möchte, dass Kinder zu viel gezuckerten Kakao trinken, dann sollte sie den einzig logischen Weg dorthin gehen und die staatliche Kakao-Förderung beenden. Es kann nicht sein, dass sie auf der einen Seite über die Verantwortung der Eltern für eine ausgewogene Ernährung philosophiert und auf der anderen Seite mit einem steuerfinanzierten Programm Zuckergetränke an Kinder verabreicht, von denen diese ohnehin schon zu viel verzehren.“ 

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    <![CDATA[foodwatch gibt Nestlé & Co. Mitschuld an Ausbreitung von Fettleibigkeit in Entwicklungsländern]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-gibt-nestle-co-mitschuld-an-ausbreitung-von-fettleibigkeit-in-entwicklungslaendern/Wed, 22 Aug 2018 09:35:00 +0200
    • Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes nehmen in Ländern des Globalen Südens stark zu
    • Lebensmittelkonzerne wie Nestlé drücken ihre ungesunden Produkte auf die Märkte 
    • Traditionelle Ernährungsweisen werden verdrängt

    Die Verbraucherorganisation foodwatch hat globalen Lebensmittelkonzernen wie Nestlé und Coca-Cola eine Mitverantwortung für die rasante Ausbreitung von Übergewicht, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes in Entwicklungs- und Schwellenländern vorgeworfen. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Armut und Mangelernährung würden die Unternehmen mit aggressiven Marketingmethoden und zwielichtigen Lobby-Allianzen hochkalorische und stark verarbeitete Lebensmittel auf die Märkte drücken und traditionelle Ernährungsweisen verdrängen – Fehlernährung und ernährungsbedingte Krankheiten seien die dramatischen Folgen. Zugleich nutzen die Konzerne laut foodwatch ihren politischen Einfluss, um eine effektive staatliche Regulierung zur Eindämmung der Fettleibigkeitsepidemie zu verhindern.

    „Nestlé, Coca-Cola & Co. präsentieren sich gerne als Wohltäter und Weltverbesserer. Doch in Wahrheit machen sie mit ihren Produkten Millionen von Menschen fett und krank und verursachen gigantische gesellschaftliche Folgekosten“, erklärte Thilo Bode, Geschäftsführer von foodwatch International. 

    Laut Weltgesundheitsorganisation hat sich in 73 Ländern der Erde der Anteil der Fettleibigen seit 1980 mindestens verdoppelt. Betroffen sind neben den westlichen Industrienationen auch Entwicklungs- und Schwellenländer in Asien, Afrika, Südamerika und dem Mittleren Osten. Besonders leiden junge Menschen: 124 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind fettleibig, etwa zehn Mal so viele wie 1975. Ähnlich erdrückende Zahlen gibt es zur Stoffwechselkrankheit Typ-2-Diabetes, die auch durch ungesunde Ernährung verursacht wird: Mit 422 Millionen Erkrankten hat sich die Zahl seit 1980 mehr als vervierfacht.

    In seinem heute im S. Fischer Verlag veröffentlichten Buch „Die Diktatur der Konzerne – Wie globale Unternehmen uns schaden und die Demokratie zerstören“ gibt foodwatch-Gründer Thilo Bode multinationalen Konzernen eine Mitschuld an der globalen Fettleibigkeitsepidemie. Weil die Märkte in den Industrieländern im wahrsten Wortsinne gesättigt seien, würden Lebensmittelunternehmen mit aller Macht in die Märkte des Globalen Südens drängen. Dort würden sie Profit mit krankmachenden Lebensmittel machen. Die schädlichen Folgen – mehr Erkrankungen und höhere Gesundheitskosten – würden andere tragen. Die Macht der Konzerne sei so groß, dass Parlamente und Regierungen davor zurückschreckten, regulierend einzugreifen.

    Drei Beispiele verdeutlichen, mit welchen Methoden große Lebensmittelkonzerne in Entwicklungs- und Schwellenländern Profit auf Kosten der Gesundheit machen: 

    • In Brasilien versucht Nestlé auch einkommensschwache Menschen in entlegenen Regionen für seine hochverarbeiteten Lebensmittel zu begeistern. So fuhr jahrelang ein Nestlé-Schiff etwa 1.000 Kilometer entlang des Amazonas und verkaufte die Produkte des Weltkonzerns in abgelegenen Ortschaften. Heute ziehen rund 7.000 Verkäuferinnen mit Nestlé-Handkarren in ärmeren Stadtvierteln von Tür zu Tür. Im Sortiment sind vornehmlich Produkte wie Eis, Kekse und Frühstücksflocken sowie ein „Frühstücks-Kit“ mit Milchpulver und Schokoflocken oder ein „Nachtisch-Kit“ mit Milchprodukten. Nestlé und andere Lebensmittelkonzerne pflegen derweil enge Kontakte zur Politik – unter anderem mit dem Ziel, verbraucherfreundliche und gesundheitspolitische Initiativen zu verhindern, so Bode. Als die brasilianische Regierung etwa Beschränkungen bei der Werbung an Kinder und eine transparente Lebensmittelkennzeichnung plante, seien beide Initiativen am Lobbydruck der großen Konzerne gescheitert. Dabei wäre ein Eingreifen der Politik dringend geboten: Der Anteil der erwachsenen Fettleibigen in Brasilien hat sich seit 1980 vervierfacht, bei Kindern fast verfünffacht. Jedes Jahr erkranken 300.000 Brasilianerinnen und Brasilianer an Typ-2-Diabetes.   
    • In Malaysia ist der Verkauf verarbeiteter Lebensmittel in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 100 Prozent gewachsen. Mehr als die Hälfte der Menschen ist übergewichtig oder fettleibig. Zugleich hätten globale Lebensmittelkonzerne die Ernährungswissenschaft des Landes unter ihrer Kontrolle, kritisierte Thilo Bode. Die führende Ernährungsgesellschaft Malaysias, die Nutrition Society of Malaysia, wurde zum Beispiel zu großen Teilen von Unternehmen wie Nestlé, Kellogg’s und PepsiCo finanziert. Einige ihrer Studien wurden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Konzerne vor Veröffentlichung begutachtet und freigegeben. Zudem veröffentlichte die Fachgesellschaft Broschüren unter anderem mit Anzeigen für überzuckerte Nestlé-Frühstücksflocken und wirbt für Nestlés Kinder-Programm in Schulen. 
    • In vielen Ländern in Afrika engagieren sich Lebensmittel- und Saatgutkonzerne in entwicklungspolitischen Allianzen. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Mangelernährung und Hunger reichern die Konzerne Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Pflanzenöle sowie verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen an. Dadurch sollen mangelernährte Menschen versorgt werden. Zwar sei es in akuten Notsituationen durchaus geboten, Grundnahrungsmittel anzureichern, doch die Konzerne verfolgten das Ziel, ihre Produkte langfristig, über Jahre hinweg auf den Märkten zu etablieren, kritisierte Bode. Lokale Alternativen und traditionelle Lebensmittel würden damit verdrängt – während die Konzerne mit ihren Produkten satte Gewinne machten. Um zum Beispiel Eisenmangel in Nigeria zu bekämpfen, bewarb Unilever – mit maßgeblicher Unterstützung durch Entwicklungshilfegelder – mit Eisen angereicherte Brühwürfel seiner Marke Knorr. Frauen wurden als Brühwürfel-Verkäuferinnen geschult. Zudem wurden Mütter und Töchter aufgefordert, beim Kochen Knorr-Würfel zu verwenden. In Kenia sponserte der Konzern TV-Kochshows, in denen Hobby-Köche Fertiggewürzmischungen der Unilever-Marke Royco verwenden mussten. Die globalen Konzerne investieren in Länder des afrikanischen Kontinents – und sichern sich damit Einfluss auf Regierungsprogramme in den betroffenen Ländern, schreibt Bode. Für die Investitions- und Hilfezusagen kämen die Regierungen den Unternehmen entgegen, etwa mit gentechnikfreundlichen Gesetzen und großzügigen Landnutzungsrechten. Die Konzerne würden zu einem scheinbar neutralen und unverzichtbaren Player in der Entwicklungshilfe, verfolgten in Wahrheit aber vor allem ihre eigenen Interessen. „Die Verlierer der neuen Lebens- und Essgewohnheiten, die mit den Konzernen aus den reichen Ländern Einzug halten, sind zuallererst die Armen“, kritisierte Bode. 

    In „Die Diktatur der Konzerne“ befasst sich foodwatch-Gründer Thilo Bode nicht nur mit den Machenschaften der globalen Lebensmittelkonzerne, sondern analysiert am Beispiel verschiedener Wirtschaftsbereiche – Banken, Energie- und Automobilkonzerne, Internetunternehmen – wie die Macht globaler Großunternehmen angewachsen ist. Internationale Konzerne zahlten kaum Steuern, schädigten die Umwelt, verstießen gegen Menschenrechte – und würden dafür selten zur Verantwortung gezogen.  

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    <![CDATA[Zahl der Woche: Berlin und Brandenburg „fördern“ Kinder mit elf Millionen Zuckerwürfeln – foodwatch kritisiert „Lex Zucker“ und fordert Stopp für staatliche Übergewichtsförderung über Schulmilchprogramm]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/zahl-der-woche-berlin-und-brandenburg-foerdern-kinder-mit-elf-millionen-zuckerwuerfeln-foodwatch-kritisiert-lex-zucker-und-fordert-stopp-fuer-staatliche-uebergewichtsfoerderung-ueber-schulmilchprogramm/Tue, 21 Aug 2018 11:06:00 +0200

    Mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm an die Kinder der beiden Bundesländer. Das ist das Ergebnis von Recherchen der Verbraucherorganisation foodwatch. Demnach erhalten Kinder an Kindergärten und vor allem Schulen der beiden Länder pro Jahr auf Staatskosten gut 33 Tonnen Zuckerzusatz über subventionierte Milchmischgetränke, obwohl beide Landesregierungen die Förderung gesunder Ernährung zum politischen Ziel erklären. Neben Berlin und Brandenburg hält nur noch NRW an einer eigens geschaffenen Ausnahmeregelung fest, um im Rahmen des EU-Schulprogrammes die Abgabe gezuckerter Milchgetränke an Kinder zu fördern. Die EU sieht eigentlich nur die Subvention ungezuckerter Milch vor. 

    Noch im Juni 2018 hatte der für das Schulmilchprogramm verantwortliche Berliner Verbrauchersenator Dirk Behrendt der Bundesregierung Versagen bei der Zuckerreduktion vorgeworfen – zugleich verantwortet er die Ausnahmeregelung, über die entgegen der Zielsetzung des EU-Programms weiterhin die Abgabe Zucker an Schulen gefördert wird. In Brandenburg untergräbt die Landesregierung mit einer entsprechenden „Lex Zucker“ ihre eigene „Qualitätsoffensive Schulverpflegung“, mit der „allen Kindern und Jugendlichen in Brandenburg der Zugang zu einer gesunden Ernährung ermöglicht werden“ soll. Die Förderung gezuckerter Milchgetränke widerspricht zudem den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). foodwatch forderte den Berliner Verbrauchersenator Dirk Behrendt und den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, ihr Schulmilchprogramm umgehend zu korrigieren und Zuckerzusätze auszuschließen. Eine entsprechende Petition unter www.aktion-schulmilch.foodwatch.de haben bereits mehr als 20.000 Menschen unterschrieben. 

    „Alle reden von gesunder Ernährung und Zuckerreduktion – Berlin und Brandenburg aber schaffen eigens Ausnahmeregelungen, damit Landliebe & Co. Extra-Zucker an die Schulen bringen dürfen. Mit diesem Übergewichtsförderungsprogramm auf Steuerzahlerkosten muss endlich Schluss sein“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Nach öffentlicher Kritik hatte in der vergangenen Woche bereits Hessen angekündigt, die Ausnahmeregelung für die Förderung gezuckerten Kakaos zu beenden. Nordrhein-Westfalen will sein Programm überprüfen. In den 12 anderen Bundesländern war die Förderung von Zuckermilch bereits zuvor ausgeschlossen.

    Als jüngste Zahlen für Berlin und Brandenburg hatte das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF) angegeben, dass Schuljahr 2016/17 insgesamt 837.668 Kilogramm Milchmischgetränke an Schulen und Kitas ausgeliefert wurden. Auf dieser Grundlage errechnete foodwatch die Angaben von etwa elf Millionen Zuckerwürfeln bzw. 33 Tonnen Zucker – wobei es sich allein um den zusätzlich zum natürlichen Milchzucker zugesetzten Zucker in Kakao, Vanille- oder Erdbeermilch handelt. Dabei ging foodwatch von der konservativen Annahme aus, dass die Produkte im Schnitt vier Prozent zugesetzten Zucker enthalten. 

    In einem Schriftwechsel mit foodwatch hatte das Brandenburger LELF erklärt, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der EU-Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina. FrieslandCampina tritt in den Berlin, Brandenburg und NRW als Schulmilchlieferant auf. 

    In Deutschland gelten 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen.

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    <![CDATA[Nach foodwatch-Kritik: Hessen stoppt Subvention gezuckerter Schulmilch – Verbraucherorganisation fordert: Andere Länder müssen nachziehen!]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/nach-foodwatch-kritik-hessen-stoppt-subvention-gezuckerter-schulmilch-verbraucherorganisation-fordert-andere-laender-muessen-nachziehen/Sun, 19 Aug 2018 11:06:00 +0200
    • EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern, mehrere Bundesländer schaffen jedoch Ausnahmeregelungen
    • Nach Kritik beschließt Hessen Aus für Förderung gezuckerter Schulmilch; Ministerin Hinz auf Twitter: „Wir nehmen Kakao aus dem Angebot!“
    • Mit Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fördern nur noch drei Bundesländer über Sonderregelungen weiterhin gezuckerte Milchprodukte

    foodwatch hat die Entscheidung der hessischen Verbraucherschutzministerin Priska Hinz begrüßt, gezuckerte Milchgetränke an Schulen des Bundeslandes nicht länger zu subventionieren. Die Verbraucherorganisation forderte die Regierungen in Berlin, Brandenburg, und Nordrhein-Westfalen als letzte verbliebene Bundesländer auf, diesem Beispiel zu folgen und die Förderung gezuckerter Milchprodukte ebenfalls umgehend zu beenden. Hessen hatte am vergangenen Freitag angekündigt, die entsprechende Richtlinie „schnellstmöglich“ ändern zu wollen. „Wir nehmen Kakao aus dem Angebot!“, schrieb Ministerin Priska Hinz auf twitter. Sie reagierte damit auf eine foodwatch-Kampagne. Die Organisation hatte die vier Bundesländer, die noch gezuckerte Schulmilch fördern, mit Offenen Briefen an die zuständigen Minister und Senatoren sowie mit einer E-Mail-Aktion unter www.aktion-schulmilch.foodwatch.de aufgefordert, die Zucker-Subvention zu stoppen.

    „Frau Hinz tut das einzig Richtige: Die absurde Praxis, mit Steuergeldern die Fehlernährung von Kindern zu fördern, hat in Hessen bald ein Ende. Daran sollten sich die Regierungen in Berlin, Brandenburg und NRW ein Beispiel nehmen und Zuckermilch nicht länger subventionieren“, forderte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch. „Kinder essen viel zu viel Zucker. Wer das mit Steuergeldern auch noch fördert, betreibt verantwortungslose Politik auf Kosten der Kindergesundheit“, so Huizinga.

    Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen des Schulprogramms fördern. foodwatch-Recherchen zufolge hatten jedoch die vier genannten Bundesländer Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiterhin auch gezuckerte Produkte subventionieren zu können – obwohl dies sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung widerspricht.

    Damit soll in Hessen nun bald Schluss sein. In einem Schriftwechsel mit foodwatch im Vorfeld der öffentlichen Kritik hatte das Ministerium von Priska Hinz noch erklärt, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“. Ähnlich hatte auch das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, gegenüber foodwatch argumentiert. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hatte erklärt, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Auf die Offenen Briefe sowie die öffentliche Kritik folgte bisher keine Reaktion aus Berlin, Brandenburg und NRW. Die E-Mail-Aktion an die zuständigen Landesminister unter www.aktion-schulmilch.foodwatch.de unterzeichneten in nur zwei Tagen bereits mehr als 15.000  Menschen.

    „Die verbliebenen drei Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein“, forderte Oliver Huizinga.

    Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Recherchen von foodwatch hatten ergeben, dass die meisten Bundesländer eine Förderung gezuckerter Milchprodukte ausschließen. Berlin, Brandenburg, Hessen und NRW haben jedoch entsprechende Ausnahmegenehmigungen zur Förderung gezuckerter Milchprodukte geschaffen. Es handelt sich dabei um jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen.

    Neben einer Korrektur der Schulmilchprogramme forderte foodwatch alle Bundesländer auf, Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schul- und Kitaessen verpflichtend einzuführen. Die meisten Bundesländer lehnten das bislang aus Kostengründen ab. Zudem müssten Werbe- und Sponsoringaktivitäten der Lebensmittelindustrie in den Schulgesetzen verboten werden.

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

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    <![CDATA[foodwatch fordert Subventions-Stopp für gezuckerte Schulmilch – Bundesländer begünstigen mit Steuergeldern Fehlernährung bei Kindern ]]>https://www.foodwatch.org/de/presse/pressemitteilungen/foodwatch-fordert-subventions-stopp-fuer-gezuckerte-schulmilch-bundeslaender-beguenstigen-mit-steuergeldern-fehlernaehrung-bei-kindern/Fri, 17 Aug 2018 00:00:00 +0200
    • EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern
    • Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben Ausnahmeregelungen geschaffen und subventionieren weiterhin gezuckerte Produkte wie Kakao
    • foodwatch kritisiert Lobbyeinfluss der Milchwirtschaft

    Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Bundesländer aufgefordert, nicht länger gezuckerte Milchgetränke an Schulen zu subventionieren. Das Vorgehen von Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen widerspreche den Ernährungsempfehlungen für Kinder und untergrabe die Absichten des neuen EU- Schulprogramms. Die Europäische Union möchte aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz fördern – foodwatch-Recherchen zufolge haben die vier Bundesländer jedoch Ausnahmeregelungen geschaffen, damit weiterhin auch gezuckerte Produkte subventioniert werden können. „Mit Ihrer Politik leisten Sie der Fehlernährung von Kindern Vorschub, anstatt sie zu verhindern“, kritisierte foodwatch in einem Offenen Brief an die zuständigen Ministerinnen und Minister. Die Verbraucherorganisation hat unter www.aktion-schulmilch.foodwatch.de eine E-Mail-Aktion an die vier entsprechenden Landesregierungen gestartet mit der Forderung, die Schulmilchprogramme schnellstmöglich zu korrigieren und den Zusatz von Zucker auszuschließen.

    „Der Zuckerkonsum von Kindern ist zu hoch und hat fatale gesundheitliche Auswirkungen. Mehrere Bundesländer tragen selbst dazu bei: Sie fördern die Abgabe gezuckerter Milchprodukte – auf Kosten des Steuerzahlers und auf Kosten der Kindergesundheit. Eine solche Politik ist verantwortungslos und widerspricht den Empfehlungen der Ernährungsfachleute“, kritisierte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

    Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. 

    Recherchen von foodwatch haben nun ergeben, dass die meisten Bundesländer eine Förderung gezuckerter Milchprodukte ausschließen. Berlin, Brandenburg, Hessen und NRW haben jedoch entsprechende Ausnahmegenehmigungen zur Förderung gezuckerter Milchprodukte geschaffen. Es handelt sich dabei um jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen. 

    Ein Großteil der geförderten Milchgetränke an Schulen in den vier Bundesländern ist gezuckert. Die Angaben der zuständigen Behörden umfassen auch Kindertagesstätten. Dort ist der Anteil von Kakao deutlich geringer. Das zuständige Ministerium in Hessen erklärte gegenüber foodwatch, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“. Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, argumentierte ähnlich. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina. Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erklärte, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

    „Mehrere Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein“, forderte Oliver Huizinga.

    Neben einer Korrektur der Schulmilchprogramme forderte foodwatch alle Bundesländer auf, Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schul- und Kitaessen verpflichtend einzuführen. Die meisten Bundesländer lehnten das bislang aus Kostengründen ab. Zudem müssten Werbe- und Sponsoringaktivitäten der Lebensmittelindustrie in den Schulgesetzen verboten werden.

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    Tue, 11 Dec 2018 16:41:00 +0100Wed, 12 Dec 2018 00:46:59 +0100