<![CDATA[foodwatch: Essen & Gesundheit]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[Eckart von Hirschhausen: „Jeder Dicke selber schuld? Quatsch!“]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/eckart-von-hirschhausen-jeder-dicke-selber-schuld-quatsch/Mon, 17 Dec 2018 14:37:00 +0100

foodwatch: Wir haben uns sehr über Ihren spontanen Besuch unserer Pressekonferenz zu überzuckerten Erfrischungsgetränken gefreut – warum liegt Ihnen das Thema am Herzen?

Eckart von Hirschhausen: Zucker ist schädlich. Das weiß man eigentlich schon lange, aber jetzt ist dieser Fakt wissenschaftlich noch klarer bewiesen und das Thema gewinnt an gesellschaftlicher Brisanz. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer „globalen Adipositas-Epidemie“. In Deutschland sind aktuell 15 Prozent der Kinder und etwa 60 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, etwa jeder vierte Erwachsene ist sogar fettleibig. Mehr als sechs Millionen Menschen sind zuckerkrank. Das sind doch alarmierende Zahlen, die wir als Gesellschaft ernst nehmen müssen! Wer einmal dick ist, hat es verdammt schwer, seinen Stoffwechsel wieder umzudrehen. Das Allerbeste ist: gesund bleiben. Von Anfang an.

Wenn Sie Ernährungsminister wären, welche Maßnahme würden Sie sofort auf den Weg bringen?

Wir brauchen dringend klare gesetzliche Rahmenbedingungen zur Prävention, die uns allen helfen, gesünder zu bleiben. Gesundheit ist ein Mix aus Eigenverantwortung, Aufklärung und gesellschaftlichen Regeln. Deshalb ist es höchste Zeit für eine wirksame Zuckersteuer, konsequente Werbeverbote und eine sinnliche und humorvolle Vermittlung von Gesundheitskompetenz in den Kindergärten und Schulen. Das Problem ist aber, dass Prävention kein Geschäftsmodell ist. Niemand verdient daran, wenn Menschen gesund bleiben. Aber viele, wenn sie krank sind. Das ist kein freier „Markt“, wenn die Anreize genau in die falsche Richtung gehen. 

Die Lebensmittelindustrie warnt gerne vor einem „Nanny-Staat“ – sind politische Maßnahmen für eine gesunde Ernährung bevormundend?

Erinnern Sie sich noch an den Aufschrei, als Rauchen in den Kneipen verboten wurde? Es gab aber keinen Weltuntergang, sondern mehr Leute, die in eine Kneipe gehen und da atmen können. Und die Herzinfarkte durch Rauchen und Passivrauchen gingen messbar runter. Ich bin auch nicht für einen medizinischen Überwachungsstaat, aber es gibt sinnvolle Forderungen, und dazu gehört neben einer klaren Lebensmittelkennzeichnung auch eine Zuckersteuer. Positiv gesprochen, bestimmt der Rahmen unser Verhalten, nicht die Vernunft. In Dänemark fahren viel mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit, weil die Radwege so breit sind wie die Straßen. Das sind alles politische Entscheidungen, die sich positiv auf die persönlichen Entscheidungen auswirken. Aber dieser Gedanke von „public health“ ist in Deutschland noch unterentwickelt, hier tut man so, als sei jeder Dicke an seinem Schicksal selber schuld, was vollkommener Quatsch ist.

Haben Sie Tipps für ein gesundes Leben?

Lassen Sie einfach alles weg, was es verkürzt. In meinem Liveprogramm „Endlich!“ bringe ich es ganz einfach auf den Punkt: 15 Jahre unseres Lebens hängen am Lebensstil. Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Creme, die uns besser schützt als fünf ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, bewegen, Gemüse, erwachsen werden und Kind bleiben. 

Welche Schwäche haben Sie?

Sie sollten mich nie mit einer Tafel Marzipan-Schokolade alleine in einem Raum lassen, da kann ich für nichts garantieren. Aber wer nicht genießt, wird ungenießbar!

Eckart von Hirschhausens neues Buch „Die Bessere Hälfte. Worauf wir uns mitten im Leben freuen können“ erschien im September 2018. Seit Dezember 2017 ist er mit seinem Bühnenprogramm „Endlich“ auf Tour. Gemeinsam mit mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen, Fachgesellschaften und foodwatch fordert er von der Bundesregierung in einem Offenen Brief wirksame Maßnahmen für die Prävention von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten. 

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Nach Abmahnung: Milch-Lobby stoppt Gesundheitswerbung für Schulkakao]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nach-abmahnung-milch-lobby-stoppt-gesundheitswerbung-fuer-schulkakao/Thu, 13 Dec 2018 11:13:00 +0100

Nach dem foodwatch bereits das Molkereiunternehmen Landliebe erfolgreich abgemahnt hatte, muss nun auch die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Werbeaussagen zu Schulkakao zurückziehen. Der Grund: Der Lobbyverband bewarb gezuckerte Schokomilch als gesundheitsförderlich – ein klarer Verstoß gegen Verbraucherschutzvorgaben. Der Fall der Landesvereinigung ist dabei besonders schwerwiegend, da es sich um den zentralen Partner des Landes NRW bei der Organisation des staatlichen Schulmilchprogramms handelt. 

Der Verband hatte Schokomilch unter anderem als positiv für die Zahngesundheit dargestellt und behauptet, dass sie den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“. Schulmilch - die in NRW zum Großteil in Form von gezuckertem Kakao ausgeliefert wird - bewarb die Milchvereinigung pauschal als „gesund“ und schrieb, mit ihr könne „man besser denken“. Für einen Teil der Aussagen gab die Lobbyvereinigung nun eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ab, andere Aussagen entfernte oder veränderte sie auf ihren Internetseiten. Zuvor musste bereits der Molkereikonzern Landliebe auf foodwatch-Kritik reagieren, unerlaubte Gesundheitswerbung für Schulkakao einräumen und eine Elternbroschüre zurückziehen.

Das Land NRW darf der Milchindustrie nicht länger auf den Kakao gehen. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser muss die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milch beenden und klarstellen, dass Lobbyisten nichts an den Schulen verloren haben. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft ist kein geeigneter Partner für die Ernährungsbildung im Unterricht. Mit Zucker lässt sich Milch in den Schulen einfach besser verkaufen - da schrecken Unternehmen wie Lobbyisten nicht einmal vor unerlaubter Werbung zurück, um zuckrigen Kakao bei Schülern, Eltern und Lehrern als gesund darzustellen. So geht das Schulmilchprogramm zu Lasten der Kindergesundheit.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

foodwatch kritisiert, dass das Land NRW auf seiner offiziellen Schulmilch-Website "bei Informationsbedarf zum gesundheitlichen Stellenwert" der Schulmilchprodukte auf genau jene Internetseite der Landesvereinigung der Milchwirtschaft verweist, auf denen diese entgegen der Verbraucherschutzvorgaben Schokomilch als gesund bewarb - offenbar ohne fachliche Überprüfung der Aussagen. Damit habe das Land ausgerechnet die Gesundheitsaufklärung in die Hände von Interessenvertretern gelegt.

Lobbynetzwerk rund um Schulkakao

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft ist seit Jahrzehnten Partner der NRW-Landesregierung bei der Umsetzung des Schulmilch- und Schulkakaoprogramms. Der Lobbyverband wird von der Landesregierung in die Schulen geschickt, um Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme an dem Programm zu bewegen, um Ernährungsunterricht zu gestalten und Lehrmaterialien zu erstellen – und erhält dafür sogar zusätzliche Steuergelder. Er finanziert sich über Umlagen von den Molkereien und profitiert damit direkt vom Verkauf des Schulkakaos. Gleichzeitig ist der Milchverband eng mit der Molkerei Landliebe verflochten, dem größten Schulmilch-Lieferanten in Deutschland. Landliebe hatte bereits vergangene Woche nach einer Abmahnung von foodwatch unzulässige Werbung für Schulkakao gestoppt.

Verstoß gegen EU-Recht

Die im Internet verbreiteten Werbesprüche der Landesverteidigung zu gesüßter Schulmilch verstoßen gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden - erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören jedoch nicht dazu. Der Verband verzichtet nun zwar auf die unzulässigen Aussagen, verteidigte aber gleichzeitig zuckrige Schulmilchprodukte. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. 

NRW, Berlin und Brandenburg müssen Kakao-Subvention stoppen!

Neben Nordrhein-Westfalen forderte foodwatch auch Berlin und Brandenburg auf, die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die noch Milchprodukte wie Kakao subventionieren. Andere Länder, die am Schulmilchprogramm teilnehmen, fördern ausschließlich ungesüßte Milch mit Steuergeldern. Gleichzeitig forderte foodwatch auch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, Stellung zu beziehen: NRW, Berlin und Brandenburg verteilen mit Steuergeldern Zucker-Milch an Schülerinnen und Schüler – und der Ministerin, die in Sonntagsreden so gerne über Zuckerreduktion redet, ist das offenbar egal.

Unterstützen Sie unsere E-Mail-Aktion gegen die Subventionierung von gezuckerter Schulmilch:

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Erfolg: Landliebe muss Kakao-Werbung stoppen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/erfolg-landliebe-muss-kakao-werbung-stoppen/Mon, 26 Nov 2018 10:35:00 +0100

Nach einer Abmahnung durch foodwatch hat die Molkerei Landliebe ihre haarsträubenden und zugleich unerlaubten Werbeaussagen zu gezuckerter Schulmilch zurückgezogen. Auf Slogans wie „Kakao steigert die Intelligenz“ wird das Unternehmen in Zukunft verzichten. Für Berlin und Brandenburg ist die Causa besonders peinlich. 

Das zum Friesland-Campina-Konzern gehörende Unternehmen Landliebe bewarb in einer Elternbroschüre und im Internet gesüßte Schokomilch als gesundheitsförderlich – mit unzulässigen Aussagen, wie „Kakao steigert die Intelligenz“, „macht geistig fit“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Die Aussagen gehen auf Auftragsstudien zurück, die foodwatch als unseriös und wissenschaftlich nicht haltbar einstufte.

In einer Unterlassungserklärung verpflichtete sich die Molkerei, diese Aussagen nicht weiter zu verwenden. Sie zog die Elternbroschüre zum Schulmilchprogramm zurück und entfernte die unzulässige Werbung für den Kakao von seinen Internetseiten.

Blamage für Berlin und Brandenburg

Berlin und Brandenburg hatte sein gemeinsames Schulmilchprogramm ausgerechnet mit den unerlaubten Werbeaussagen von Landliebe begründet, weshalb trotz aller Kritik weiterhin gezuckerte Milchprodukte staatlich subventioniert werden. 

foodwatch forderte Berlin und Brandenburg sowie Nordrhein-Westfalen auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die im Rahmen ihrer Schulmilchprogramme noch an der steuerfinanzierten Förderung von gezuckerten Produkten wie Kakao festhalten. 

„Um die staatlich geförderte Überdosis Zucker weiterhin gewinnbringend an die Schulen liefern zu dürfen, hat Landliebe jahrelang unzulässig Märchen über die vermeintlich positive Wirkung von Schokomilch verbreitet. Schlimm genug, dass einige Bundesländer das bis heute unkritisch mitgemacht haben – wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Verstoß gegen EU-Recht

Die Landliebe-Werbung zu gesüßter Schulmilch verstieß gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die abgemahnten Werbesprüche gehören jedoch nicht dazu.

Zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten sprechen sich klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen aus gesundheitlichen Gründen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Brandenburg, Berlin und NRW jedoch haben eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter auch Kakao und Co. an Schulen fördern zu können. Alle anderen Bundesländer subventionieren, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

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<![CDATA[Wie mit Comicfiguren die Kleinsten geködert werden]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/wie-mit-comicfiguren-die-kleinsten-gekoedert-werden/Wed, 14 Nov 2018 09:52:00 +0100

"Spongebob Schwammkopf", kleine Frucht-Monster oder passend zur Halloween die "Grusel-Fanta" – mit Comicfiguren auf zuckrigen Erfrischungsgetränken ködert die Lebensmittelindustrie schon die Kleinsten der Kleinen. foodwatch hat ein Ranking der zehn zuckrigsten Kindergetränke veröffentlicht, die mit Comicfiguren beworben werden. Ganz vorne dabei: die Handelskette Lidl mit gleich vier Produkten.

Obwohl Lidl in der Vergangenheit wiederholt damit geworben hat, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren, sind die Produkte der Eigenmarke Solevita gleich vier Mal im Ranking vertreten. Lidl hat sich ursprünglich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Produkte von Solevita tragen bislang wenig dazu bei. foodwatch fordert Lidl und andere Hersteller auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert.“

Luise Molling, Campaignerin bei foodwatch

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. 

14.11.2018

Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Fotogalerie (7 Bilder)

Die zehn zuckrigsten Getränke im Überblick

1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml
2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
2. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml 
6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml 
6. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml 
8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml 
9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml 
10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

Hohe Zahlen fettleibiger Kinder

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie gescheitert

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.

Julia Klöckner muss Kindermarketing für Zuckerbomben verbieten

foodwatch fordert: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden. Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.

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<![CDATA[Wie mit Comicfiguren die Kleinsten geködert werden]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/wie-mit-comicfiguren-die-kleinsten-gekoedert-werden/Wed, 14 Nov 2018 09:52:00 +0100

"Spongebob Schwammkopf", kleine Frucht-Monster oder passend zur Halloween die "Grusel-Fanta" – mit Comicfiguren auf zuckrigen Erfrischungsgetränken ködert die Lebensmittelindustrie schon die Kleinsten der Kleinen. foodwatch hat ein Ranking der zehn zuckrigsten Kindergetränke veröffentlicht, die mit Comicfiguren beworben werden. Ganz vorne dabei: die Handelskette Lidl mit gleich vier Produkten.

Obwohl Lidl in der Vergangenheit wiederholt damit geworben hat, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren, sind die Produkte der Eigenmarke Solevita gleich vier Mal im Ranking vertreten. Lidl hat sich ursprünglich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Produkte von Solevita tragen bislang wenig dazu bei. foodwatch fordert Lidl und andere Hersteller auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert.“

Luise Molling, Campaignerin bei foodwatch

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. 

14.11.2018

Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Fotogalerie (7 Bilder)

Die zehn zuckrigsten Getränke im Überblick

1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml
2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
2. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml 
6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml 
6. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml 
8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml 
9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml 
10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

Hohe Zahlen fettleibiger Kinder

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie gescheitert

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.

Julia Klöckner muss Kindermarketing für Zuckerbomben verbieten

foodwatch fordert: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden. Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.

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<![CDATA[„Schlau machender Kakao“: foodwatch mahnt Milch-Lobby ab ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/schlau-machender-kakao-foodwatch-mahnt-milch-lobby-ab/Thu, 25 Oct 2018 10:59:00 +0200

Landliebe und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW stellen gesüßte Schulmilch trotz ihres Zuckergehalts als gesund dar – und bedienen sich dabei unerlaubter Werbeaussagen. Das hat eine juristische Prüfung durch foodwatch ergeben. foodwatch hat den größten Schulmilchlieferanten sowie den nordrhein-westfälischen Lobbyverband der Milchwirtschaft abgemahnt und aufgefordert, die Werbung zurückzuziehen. 

„Kakao macht schlau“

In einer Elternbroschüre stellt Landliebe dar, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten „Schokomilch“ in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Im Internet behauptet das Molkereiunternehmen: „Kakao steigert die Intelligenz“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Diese Aussagen hatte das Unternehmen auch per Newsletter an Entscheidungsträger geschickt.

Brandenburg macht mit diesem Märchen Politik

Die für das Schulmilchprogramm zuständige Behörde in Brandenburg gab gegenüber foodwatch an, auch auf Basis dieser angeblichen Studienergebnisse entschieden zu haben, dass das Land weiter an der Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten festhält, obwohl die aus einem EU-Topf stammenden Zuschüsse nach den Vorgaben der EU grundsätzlich nur für ungesüßte Produkte verwendet werden sollen. 

Verflechtung der Milchwirtschaft mit der Landesregierung NRW

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW wiederum behauptet auf Internetseiten unter anderem, dass gezuckerte Schokomilch den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“ und Milchprodukte die Zähne „schützen“. Der Lobbyverband ist der wesentliche Partner des Landes NRW bei der Umsetzung des Schulmilchprogramms: Er erhält Steuergelder, um in den Schulen Ernährungsunterricht zu gestalten, Lehrmaterialien zu erstellen und um Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme am Schulmilch- und Schulkakaoprogramm zu bewegen. 

„Die Kindergesundheit ist offenbar nur noch ein Kollateralschaden des Profitstrebens von Landliebe und der übergriffigen Absatzförderung von Milchlobbyisten. Wem jedes unseriöse Mittel recht ist, um weiterhin am Verkauf von zuckrigem Schulkakao an den Schulen zu verdienen, kann kein Partner für die Landesregierungen sein“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Verbotene „Health Claims“ von Landliebe & Co.

Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden oder falschen Werbeversprechen müssen gesundheitsbezogene Werbeaussagen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 250 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören nicht dazu. Ohnehin basieren die Aussagen im Wesentlichen auf einer kleinen Zahl wissenschaftlich höchst fragwürdiger Studien im Auftrag der Milchwirtschaft. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus.

foodwatch fordert: Schluss mit Subvention für Schulkakao

foodwatch forderte NRW, Berlin und Brandenburg auf, keine Lobbyverbände mehr mit der Unterrichtsgestaltung zu beauftragen und die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die anderen Bundesländer fördern, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

NRW will zunächst Eltern befragen

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hält vorerst an der Subvention von zuckriger Schulmilch fest. Zunächst sollen die Eltern befragt werden. foodwatch forderte die Ministerin auf, die Befragung so auszugestalten, dass Eltern ihre Bedürfnisse zur Unterstützung einer ausgewogenen Ernährung der Kinder an den Schulen äußern können. Denn es kann nicht sein, dass die Milchwirtschaft Eltern, Schulverantwortlichen und Kindern jahrelang einreden darf, Zuckermilch sei besonders gesund – und auf Basis einer solchen Desinformationskampagne werden Eltern plötzlich nur danach gefragt, ob der Kakao weiter gefördert werden soll.

„Alle Argumente liegen längst auf dem Tisch. Wenn NRW ernsthaft eine ausgewogene Ernährung an Schulen unterstützen will, dann gibt es viele Möglichkeiten: Die Zuckerförderung stoppen, die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung nach mehr als zehn Jahren endlich durchsetzen, das Obst- und Gemüseprogramm an allen Schulen zugänglich machen, Angebote für ausgewogene Schulfrühstücke machen – all das würde den Kindern helfen und nicht in erster Linie Milchindustrie. Die Elternbefragung ist eine Chance um herauszufinden, wo die Not am größten ist. Allerdings muss das Land auch dazu bereit sein, die nötigen Mittel bereitzustellen – anders als bisher.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Der Landliebe-Schulkakao enthält in der fettarmen Variante 21,7 Gramm Zucker in einer Tagesportion (250-Milliter) – das entspricht umgerechnet mehr als 7 Stück Würfelzucker. Die ungesüßte, fettarme Trinkmilch enthält demgegenüber 12 Gramm Milchzucker pro Tagesportion. 

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<![CDATA[Neues Bündnis mit der AOK: „Aktion weniger Zucker“]]>https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/aktuelles-ueber-foodwatch/neues-buendnis-mit-der-aok-aktion-weniger-zucker/Wed, 17 Oct 2018 16:15:00 +0200

foodwatch hat sich mit dem AOK-Bundesverband, der Deutschen Allianz Nicht-übertragbare Krankheiten (DANK), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Ethnomedizinischen Zentrum in dem Bündnis „Aktion weniger Zucker“ zusammengeschlossen. Auf dem zweiten Zuckerreduktionsgipfel der AOK hat sich die „Aktion weniger Zucker“ vorgestellt. Das Bündnis fordert wirksame politische Maßnahmen zur Prävention von Fehlernährung. 

Die Organisationen fordern konkret vier Maßnahmen, um den hohen Zuckerkonsum zu senken und eine gesunde Ernährung zu fördern:

  1. Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für zuckerreiche oder andere hochkalorische Lebensmittel
  2. Für alle Bevölkerungsgruppen verständliche Lebensmittelkennzeichnung
  3. Steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln
  4. Verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung

Ziel ist, dass der Zuckergehalt von Lebensmitteln tatsächlich messbar sinkt und damit auch der Gesamtzuckerkonsum der Bevölkerung. 

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit

Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig, fast jeder vierte gilt als fettleibig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer „Fettleibigkeitsepidemie“. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung: Das Lebensmittelangebot hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt. Zucker- und fettreiche Lebensmittel sind jederzeit verfügbar, oft billiger als gesundes Essen und werden massiv beworben. Doch statt wirksame gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen, setzt die Bundesregierung auf Gespräche mit der Industrie und eine freiwillige Selbstverpflichtung. Erst vor zwei Tagen hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner eine sogenannte Grundsatzvereinbarung mit Wirtschaftsverbänden präsentiert, mit der sie unter anderem den Zuckergehalt von Lebensmitteln senken will. Doch die Vereinbarung überlässt es den Herstellern, selbst Ziele und Maßnahmen für die Förderung gesunder Ernährung festzulegen.

„Statt weiter darauf zu hoffen, dass die Industrie freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte mischt, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich die Branche in die Pflicht nehmen. Wir brauchen nicht nur freundliche Empfehlungen an die Hersteller, sonder klare Anreize: Eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und auch Steuern für gesündere Rezepturen. Dafür setzen wir uns nun auch in dem Bündnis 'Aktion weniger Zucker' ein.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen, foodwatch

Bündnis fordert gesetzliche Maßnahmen

Durch die Arbeit im Bündnis wollen die vier Organisationen erreichen, dass die Politik endlich wirksame Maßnahmen ergreift um eine gesunde Ernährung zu fördern. Dabei wollen sich die Partner zunächst auf den zu hohen Zuckergehalt in Fertigprodukten und sogenannten Erfrischungsgetränken konzentrieren. Denn schon ein Zuckergetränk am Tag erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit. Und noch immer ist mehr als jedes zweite Getränk in Deutschland überzuckert, wie eine aktuelle Marktstudie von foodwatch gezeigt hat.  

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<![CDATA[Kakao-Sumpf: Lobbyismus auf Kosten der Kindergesundheit]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/kakao-sumpf-lobbyismus-auf-kosten-der-kindergesundheit/Wed, 10 Oct 2018 10:36:00 +0200

Ein Schulmilchprogramm im Lobby-Sumpf: foodwatch hat den Schulmilch-Report in Düsseldorf vorgestellt. Dieser entlarvt jahrzehntelange Verflechtung zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik in NRW. Das Schulmilchprogramm ist vor allem Absatzförderung für die Milchwirtschaft. Die Leidtragenden davon sind die Kinder.

Eine Landesregierung beauftragt Lobbyisten, Werbung an Schulen zu machen – und stattet sie dafür mit Steuergeldern aus. Ein Abgeordneter kritisiert von der Oppositionsbank aus die gezuckerten Schulmilchprodukte, nur um später, als Minister, vom Kakao zu schwärmen – im Interview mit dem Molkereikonzern Friesland Campina („Landliebe“). Ein kleines Grüppchen Wissenschaftler zieht auf Werbetour für den Schulkakao und hantiert dabei mit dubiosen Auftragsstudien, die den Kakao als gesund darstellen. In ihrem am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Report „Im Kakao-Sumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ hat foodwatch auf mehr als 80 Seiten jahrzehntelange Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik entlarvt. Am Beispiel Nordrhein-Westfalen stellt die Verbraucherorganisation dar, wie das Schulmilchprogramm alles einem Ziel unterordnet: der Förderung des Milchabsatzes.

Bei der Schulkakaoförderung geht es zu allerletzt um die Gesundheit der Kinder – es ist ein durch und durch lobbyverseuchtes Absatzförderungsprogramm für die Milchwirtschaft. Weil sich Milch fast nur als Kakao an den Schulen verkaufen lässt, wird die Extraportion Zucker eben billigend in Kauf genommen. Unsere Recherchen zeigen eine kaum vorstellbare Verflechtung zwischen Auftragsforschern, Milchwirtschaft und Politik – über Jahrzehnte und Parteigrenzen hinweg. Bei vielen Lobbyisten würden die Sektkorken knallen, wenn sie auch nur ein bisschen Werbung in den Schulen machen dürften – die Milchwirtschaft in NRW bekommt nicht nur den offiziellen Auftrag der Landesregierung, sondern auch noch Steuergelder, um Werbung für ihre Produkte direkt im Unterricht zu machen.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Der foodwatch-Report geht der Frage nach, weshalb eine Landesregierung in ihrem Schulmilchprogramm weiterhin gezuckerten Kakao steuerlich fördert – obwohl Kinderärzte, Zahnmediziner und Ernährungsexperten das Gegenteil fordern.

Die wichtigsten Rechercheergebnisse

  • Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW hat den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Erlass des Landesumweltministeriums auf Basis eines Bundesgesetzes aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.
  • Das Land bezahlt der Milchlobby jährlich rund 350.000 Euro, um Unterrichtseinheiten und Lehrmaterialien zu gestalten, Marketingveranstaltungen in den Schulen durchzuführen und mit einem „Schulmilchteam“ das Schulmilchprogramm zu bewerben. Das im Gegenzug für die EU-Zuschüsse für Schulmilchprodukte geforderte pädagogische „Begleitprogramm“ wird praktisch vollständig von der Milchwirtschaft durchgeführt – was das Land erheblich billiger kommt als ein neutrales, interessenunabhängiges Programm zur Ernährungsbildung. 
  • Bei gesundheitlichen Fragen zum Beispiel zum Zuckergehalt verweist das Land NRW auf interessengeleitete Informationen der Landesvereinigung der Milchwirtschaft. Bis vor wenigen Jahren war der Lobbyverband im Impressum der offiziellen Schulmilchseite des Umweltministeriums sogar ganz unverblümt als verantwortlich für die „inhaltliche Betreuung“ aufgeführt. Interne Protokolle von Treffen zwischen Ministerium und Milchlobby, die foodwatch über das Informationsfreiheitsgesetz erhalten hat, belegen, dass es auch bei der aktuellen Website eine enge Abstimmung gab. Zudem finden sich wortgleiche Passagen in Landespublikationen und auf PR-Seiten des Milchverbandes – in denen zum Beispiel erklärt wird, weshalb der Zucker in den Milchprodukten kein Problem sein soll.

Der Schulmilch-Report: „Im Kakao-Sumpf“

Fotogalerie (7 Bilder)
  • Die Gewinne der Schulmilchlieferanten sind abhängig vom Kakao. Das Land hat bislang keine offiziellen Zahlen für Schulen genannt. Die Protokolle der Treffen zwischen dem Landesumweltministerium und Milchwirtschaft weisen jedoch darauf hin, dass zuletzt 80 bis 90 Prozent der an den Schulen verkauften Trinkpäckchen gezuckerte Milchprodukte waren. Lieferanten wie Landliebe drohen mit einem Stopp der Schulmilchlieferung, wenn Kakao nicht länger gefördert wird. Der Schulmilch-Kakao von Marktführer Landliebe hat einen Zuckergehalt von 8,7 Prozent und bewegt sich damit fast auf dem Niveau von Fanta. Viele Schulkinder nehmen über die 250-Milliliter-großen – mit Steuergeldern subventionierten – Kakao-Trinkpäckchen jeden Tag mehr als sieben Stück Würfelzucker zu sich.
  • Mit dubiosen Studien gibt die Milchwirtschaft vor, positive Effekte von gezuckertem Kakao für die „geistige Leistungsfähigkeit“ und die Zahngesundheit belegen zu können. Tatsächlich halten diese Studien – größtenteils Auftragsarbeiten für die Milchwirtschaft, die auf drei untereinander eng vernetzte Forscher zurückgehen – einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Sie arbeiten mit winzigen Probandenzahlen, stellen Ergebnisse grafisch verzerrt dar oder vergleichen beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit von Schülern nach dem Kakaokonsum gegenüber Schülern mit gänzlich nüchternem Magen. Auf solchen Grundlagen wird schließlich zum Beispiel behauptet, Kakao könne die Intelligenz der Kinder um „7 IQ-Punkte“ steigern, für bessere PISA-Test-Ergebnisse und bessere Schulnoten sorgen. Grundlage für solche Aussagen ist ein zweifelhaftes Messverfahren des unter Fachkollegen berüchtigten Psychologen Siegfried Lehrl – der bereits ein „Pflichtkaugummi“ im Unterricht forderte, weil auch das Kaugummikauen angeblich die Intelligenz der Schülerinnen und Schüler steigern soll.

Für foodwatch ist es inakzeptabel, dass das Land NRW ausgerechnet diejenigen mit der Ernährungsbildung in Schulen und der Gesundheitsaufklärung beauftragt, die mit solch dubiosen Studien versuchen, gezuckerte Produkte gesundzuwaschen.

Lobbyisten haben an den Schulen nichts verloren. Herr Laschet und Frau Heinen-Esser haben die Chance, als erste Landesregierung den Kakao-Sumpf trockenzulegenWer ernsthaft eine gute Ernährung für Kinder fördern will, der investiert kein Steuergeld für zuckrigen Kakao, sondern kommt auf ganz andere Ideen: Der setzt die offiziellen Qualitätsstandards für die Mittagsverpflegung an allen Schulen durch, der lässt alle Schulen am Obst- und Gemüseprogramm teilnehmen oder fördert, wo nötig, ausgewogene Frühstücksangebote. Dafür aber stellt das Land die nötigen Mittel nicht zur Verfügung.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Das fordert foodwatch

foodwatch forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die steuerliche Förderung von gezuckerten Schulmilchgetränken unmittelbar zu stoppen und die Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft bei Schulprogrammen zu beenden. 

Unterstützen Sie den Protest und nehmen Sie an unserer E-Mail-Aktion teil:

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Erfolg: Sauberes Trinkwasser für Sangerhausen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/uran-im-wasser/aktuelle-nachrichten/erfolg-sauberes-trinkwasser-fuer-sangerhausen/Fri, 28 Sep 2018 10:02:00 +0200

Seit dem 25. September fließt in Sangerhausen im Harz endlich Trinkwasser aus den Leitungen, das ohne Bedenken getrunken werden kann. Jahrelang war das Leitungswasser so stark mit Uran, Nitrat und Sulfat belastet, dass Eltern geraten wurde, dieses Wasser keinesfalls Kindern unter zwei Jahren zu geben. Gemeinsam mit einer Bürgerinitiative vor Ort machte foodwatch Druck beim lokalen Wasserverband. Mit Erfolg.

Nach jahrelangen Verzögerungen, stetigen Protesten einer Bürgerinitiative vor Ort und mehr als 26.000 Unterschriften bei einer E-Mail-Aktion von foodwatch hat der Wasserverband Südharz nun endlich vermeldet: Das Wasser in Sangerhausen ist sauber. Das ist ein großer Erfolg für die Menschen vor Ort, die Leitungswasser endlich trinken können, ohne Gesundheitsgefahren befürchten zu müssen. Dieser Erfolg zeigt, dass Engagement sich lohnt. 

Problem seit vielen Jahren bekannt

Schon seit vielen Jahren war bekannt, dass das Trinkwasser im Landkreis Mansfeld-Südharz mit Uran belastet ist. Besonders betroffen war Sangerhausen, denn hier enthielt das Wasser sowohl Uran als auch Nitrat und Sulfat. Jede Substanz ist für sich genommen bereits gesundheitsgefährdend. Und Wechselwirkungen verstärken die Gesundheitsgefahr noch zusätzlich. Gefährdet sind insbesondere Säuglinge und Kleinkinder.

Sangerhäuser Bürger setzen sich schon seit Jahren für uranfreies Trinkwasser für die Harzstadt ein.

Lösung jahrelang verzögert

Die Lösung für sauberes Wasser war ebenfalls schon jahrelang bekannt: Ein Anschluss an die Fernwasserleitung, um die Stadt mit ihren 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit sauberem Wasser aus der Rappbodetalsperre zu versorgen. Dafür waren gerade einmal acht Kilometer Leitung nötig. Bereits 2013 hatte sich der Stadtrat für den Bau dieser Leitung ausgesprochen, nur ein Jahr später stellte die Landesregierung drei Millionen Euro für den Bau bereit. Dennoch verzögerte der örtliche Wasserverband den Baubeginn immer wieder. Es dauerte fünf Jahre, bis das Projekt zum Abschluss kam und Sangerhausen nun endlich mit sauberem Wasser versorgt wird. 

Gesetzlicher Grenzwert ist zu hoch

Doch nicht nur im Südharz besteht das Problem: foodwatch deckte bereits 2008 auf, dass Trink- und Mineralwasser in Deutschland teilweise mit Uran belastet ist. Uran ist ein radioaktives und toxisches Schwermetall. Es ist allerdings nicht aufgrund seiner – ohnehin relativ geringen – Strahlung für den Menschen gefährlich, sondern aufgrund seiner chemischen Giftigkeit: In einer hohen Dosis über einen längeren Zeitraum aufgenommen, kann es dauerhaft Blut, Knochen und Nieren schädigen. Seit 2011 gilt für Trinkwasser ein Uran-Grenzwert. Dieser ist jedoch so hoch angesetzt, dass zwar Erwachsene, nicht aber Säuglinge und Kleinkinder ausreichend geschützt werden. Und für Mineralwasser in Flaschen fehlt ein Grenzwert bisher völlig.

Je mehr wir sind, desto mehr können wir bewegen – seien Sie dabei!

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<![CDATA[Brandenburg prüft Förderstopp für gezuckerte Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/brandenburg-prueft-foerderstopp-fuer-gezuckerte-schulmilch/Thu, 27 Sep 2018 11:14:00 +0200

Nach der Kritik von foodwatch erwägt nun auch Brandenburg einen Stopp der Subventionen für gezuckerten Kakao & Co als Schulmilch. Man sehe die Förderung „kritisch“, erklärte Marco Büchel, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Brandenburgischen Landtag, in einem Schreiben an foodwatch. „Wir werden uns in der nächsten Zeit damit befassen, welche Möglichkeiten zur Anpassung des EU-Schulmilchprogramms in Brandenburg in diesem Sinne bestehen.“

Zuvor hatte bereits der Berliner Senat angekündigt, die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milchprodukte in dem gemeinsam mit Brandenburg organisierten Schulmilchprogramm zu überprüfen. Die beiden Länder sind neben Nordrhein-Westfalen die einzigen, die noch an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhalten – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. foodwatch fordert die Landesregierungen auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen.

Bundesländer schaffen extra Ausnahmeregelungen

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Brandenburg hat jedoch – neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao und andere gezuckerte Milchprodukte zu fördern. In Reaktion auf die Kritik von foodwatch hatte NRW bereits angekündigt, die von foodwatch kritisierte „Lex Zucker“ zu überprüfen. Hessen hatte den Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. Berlin und Brandenburg fördern neben Kakao auch die sogar noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen die beiden Bundesländer in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder, wie foodwatch-Recherchen zeigen.

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

„Bezeichnenderweise ist in Brandenburg weder das Bildungs- noch das Verbraucherschutzministerium für das Schulmilchprogramm zuständig, sondern das Landwirtschaftsministerium. Das zeigt, um was es bei der steuerfinanzierten Subvention eigentlich geht: Nicht um gesunde Ernährung, sondern um Absatzförderung für die Milchwirtschaft.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker 

CDU kritisiert Förderung von Zuckermilch 

Kritik am Schulmilchprogramm äußerte auch die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Gegenüber foodwatch erklärte deren bildungspolitischer Sprecher, Gordon Hoffmann: „Wir sehen die Förderung von gezuckerten Milchprodukten mit öffentlichen Geldern ebenfalls kritisch.“ Man werde Gespräche führen und gegebenenfalls nach Ende des laufenden Schuljahres „Änderungen erreichen“.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Brandenburg prüft Förderstopp für gezuckerte Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/brandenburg-prueft-foerderstopp-fuer-gezuckerte-schulmilch/Thu, 27 Sep 2018 11:14:00 +0200

Nach der Kritik von foodwatch erwägt nun auch Brandenburg einen Stopp der Subventionen für gezuckerten Kakao & Co als Schulmilch. Man sehe die Förderung „kritisch“, erklärte Marco Büchel, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Brandenburgischen Landtag, in einem Schreiben an foodwatch. „Wir werden uns in der nächsten Zeit damit befassen, welche Möglichkeiten zur Anpassung des EU-Schulmilchprogramms in Brandenburg in diesem Sinne bestehen.“

Zuvor hatte bereits der Berliner Senat angekündigt, die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milchprodukte in dem gemeinsam mit Brandenburg organisierten Schulmilchprogramm zu überprüfen. Die beiden Länder sind neben Nordrhein-Westfalen die einzigen, die noch an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhalten – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. foodwatch fordert die Landesregierungen auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen.

Bundesländer schaffen extra Ausnahmeregelungen

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Brandenburg hat jedoch – neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao und andere gezuckerte Milchprodukte zu fördern. In Reaktion auf die Kritik von foodwatch hatte NRW bereits angekündigt, die von foodwatch kritisierte „Lex Zucker“ zu überprüfen. Hessen hatte den Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. Berlin und Brandenburg fördern neben Kakao auch die sogar noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen die beiden Bundesländer in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder, wie foodwatch-Recherchen zeigen.

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

„Bezeichnenderweise ist in Brandenburg weder das Bildungs- noch das Verbraucherschutzministerium für das Schulmilchprogramm zuständig, sondern das Landwirtschaftsministerium. Das zeigt, um was es bei der steuerfinanzierten Subvention eigentlich geht: Nicht um gesunde Ernährung, sondern um Absatzförderung für die Milchwirtschaft.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker 

CDU kritisiert Förderung von Zuckermilch 

Kritik am Schulmilchprogramm äußerte auch die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Gegenüber foodwatch erklärte deren bildungspolitischer Sprecher, Gordon Hoffmann: „Wir sehen die Förderung von gezuckerten Milchprodukten mit öffentlichen Geldern ebenfalls kritisch.“ Man werde Gespräche führen und gegebenenfalls nach Ende des laufenden Schuljahres „Änderungen erreichen“.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Mehr Zucker durch Softdrinks als durch Süßigkeiten]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/mehr-zucker-durch-softdrinks-als-durch-suessigkeiten/Wed, 26 Sep 2018 12:28:00 +0200

Wer glaubt, dass wir über Süßigkeiten den meisten Zucker zu uns nehmen, der irrt sich. 26 Gramm Zucker pro Tag, beziehungsweise etwa 9,5 Kilogramm pro Jahr, nehmen die Bundesdeutschen über sogenannte Erfrischungsgetränke zu uns. Das zeigen aktuelle Zahlen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International. In Europa wird nur in den Niederlanden und in der Slowakei noch mehr Zucker über sogenannte Erfrischungsgetränke verbraucht. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland auf Platz elf, hinter Ländern wie Argentinien, Chile, USA und Mexiko.

Gesundheitsgefahren durch Zuckergetränke

Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation und zahlreichen anderen Fachgesellschaften als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als fettleibig. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten. Die WHO empfiehlt zum Beispiel für eine erwachsene Frau eine maximale Zuckeraufnahme von 50 Gramm pro Tag, im Idealfall sogar bei weniger als 25 Gramm am Tag. 

„Limo & Co. sind ein wesentlicher Grund für den zu hohen Zuckerkonsum. Und gerade dieser flüssige Zucker macht uns besonders krank. Statt weiter darauf zu hoffen, dass die Industrie freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte kippt, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens einführen. Die Einführung hat dort zu einem wahren Zuckersturz im Getränkeregal geführt. Eine Limo-Steuer muss aber sowohl Getränke mit Zucker als auch mit Süßstoffen umfassen.“

Luise Molling von foodwatch

Freiwillige Zuckerreduktion zeigt bislang kaum Wirkung

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer „nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“. Gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel soll die Strategie auf freiwilliger Basis umgesetzt werden.

Ankündigungen vieler Hersteller und Händler, den Zuckergehalt in ihren Produkten freiwillig zu senken, zeigen bislang jedoch kaum Wirkung. Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Marktstudie von foodwatch zeigt: Jedes zweite Erfrischungsgetränk in Deutschland ist überzuckert. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als 50 Gramm Zucker je Liter. Damit hat sich der Anteil der überzuckerten Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals lag der Anteil der Getränke mit mehr als 50 Gramm Zucker je Liter bei 59 Prozent.

Vorreiter Großbritannien

Ernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild einführen. In Großbritannien müssen Hersteller seit April 2018 eine Abgabe für Getränke bezahlen, die mehr als 50 Gramm Zucker je Liter enthalten. Bei mehr als 80 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Ein Großteil der Anbieter, darunter Lidl, Tesco oder Coca-Cola, haben deshalb den Zuckergehalt ihrer Getränke deutlich gesenkt. 

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Marktcheck: Jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ überzuckert]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/marktcheck-jedes-zweite-erfrischungsgetraenk-ueberzuckert/Fri, 21 Sep 2018 09:47:00 +0200

Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert – obwohl viele Hersteller und Händler angekündigt haben, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Marktstudie, die foodwatch am Freitag in Berlin vorgestellt hat. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter – das sind mehr als vier Zuckerwürfel pro 250-Millilter Glas. 

Damit hat sich der Anteil überzuckerter Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals enthielten 59 Prozent der Getränke mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter. foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, eine „Limo-Steuer“ wie in Großbritannien einzuführen. Dort werden Getränke mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent Zucker seit diesem Jahr mit einer Sonderabgabe belegt. Ein Großteil der Hersteller auf dem britischen Markt hat deshalb den Zuckergehalt seiner Getränke deutlich reduziert. In Deutschland lehnt Julia Klöckner eine steuerliche Regel bisher ab und setzt stattdessen auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie.

„Zucker liefert nicht nur ‚leere Kalorien‘ ohne Mineralien und Mikronährstoffe, sondern trägt unmittelbar zur Entstehung einer Fettleber und Insulinresistenz bei. Kinder nehmen relativ zum Körpergewicht noch mehr Zucker mit Limonaden auf als Erwachsene. Die Zuckerreduktion ist nach weltweiter Erfahrung nur durch gesetzliche Maßnahmen erfolgreich.“

Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité Berlin

600 Erfrischungsgetränke unter die Lupe genommen

foodwatch hat zum zweiten Mal den deutschen Markt der sogenannten Erfrischungsgetränke untersucht und dafür alle auffindbaren Produkte aus dem Sortiment der drei größten Handelsketten Edeka, Rewe und Lidl auf Zuckergehalt und enthaltene Süßstoffe geprüft. Insgesamt wurden 600 Limonaden, Cola-Getränke, Energy Drinks, Saftschorlen, Brausen, Eistees, Near-Water- und Fruchtsaftgetränke unter die Lupe genommen. Im Schnitt enthalten die zuckergesüßten Getränke heute 7,3 Prozent Zucker oder sechs Stück Würfelzucker je 250 Milliliter – das ist nur minimal weniger als 2016 (7,5 Prozent).

21.09.2018

So zuckrig sind „Erfrischungsgetränke“ – immer noch

Fotogalerie (7 Bilder)

63 Milliarden Euro Folgekosten durch Fettleibigkeit

Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als fettleibig. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten.

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer „Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“. Sie soll gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel auf freiwilliger Basis umgesetzt werden. Steuerliche Anreize für eine Reduktion von Zucker, Fett und Salz lehnt die Bundesregierung jedoch bislang ab.

Luise Molling, foodwatch

„Unsere Marktstudie beweist: Coca-Cola und Co. haben in Deutschland bisher kaum Anreize, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu senken. Der Kuschelkurs von Ernährungsministerin Julia Klöckner, die Lebensmittelindustrie freiwillig zu einer Zuckerreduktion zu bewegen, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn es Frau Klöckner ernst meint mit der Förderung gesunder Ernährung, muss sie eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild auf den Weg bringen, die sowohl zucker- als auch süßstoffgesüßte Getränke umfasst.“

Luise Molling von foodwatch

Zuckerabgabe in Großbritannien wirkt

In Großbritannien müssen Hersteller seit April 2018 eine Abgabe für Getränke bezahlen, die mehr als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten, bei mehr als 8 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Ein Großteil der Hersteller und auch mehrere Handelsketten haben deshalb den Zuckergehalt ihrer Softdrinks reduziert. Der Marktführer Coca-Cola hat den Zuckergehalt seiner Softdrinks Fanta und Sprite in Großbritannien beispielsweise von 6,9 beziehungsweise 6,6 Gramm auf 4,6 beziehungsweise 3,3 Gramm gesenkt. In Deutschland hingegen enthalten Fanta und Sprite noch mehr als 9 Gramm Zucker.

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[NRW: Appell von Ärzten, Experten, Eltern und Lehrern zu Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-appell-von-aerzten-experten-eltern-und-lehrern-zu-schulmilch/Fri, 14 Sep 2018 09:36:00 +0200

Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Lehrer- und Elternvertreter appellieren an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. In einem von foodwatch initiierten Empfehlungsschreiben sprechen sie sich dafür aus, statt auf Subventionen für gezuckerte Milch auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an Schulen und Kitas zu setzen. 

Führende Diabetologen, Ernährungswissenschaftler, Zahnmediziner und Kinderärzte argumentieren in dem Schreiben, weshalb aus ihrer Sicht die Förderung von Milchprodukten mit Zuckerzusatz nachteilig ist. Auch die NRW-Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternkonferenz sowie der Jungen Lehrer zeichneten den Appell.

Zitate der Unterstützerinnen und Unterstützer

 „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Prof. Dr. Helmut Heseker vom Institut für Ernährung der Universität Paderborn sagte: „In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den damals ‚schmächtigen‘ Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk. Leider ist es inzwischen eine reine Marketingmaßnahme, um den Milchabsatz zu erhöhen.“

 „Wir als Eltern wünschen uns im Lebensraum Schule, dass unseren Kindern ein gesundes und vollwertiges Nahrungsangebot für den Schultag unterbreitet wird“, formulierte Dr. Christina Herold, Vorsitzende der Landeselternkonferenz.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, argumentierte: „Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Kariesrisiko deutlich mit der Frequenz der Zuckeraufnahme zusammenhängt. Deshalb sollte auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke verzichtet werden.“

Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der GEW: „Das Land NRW wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 andere Bundesländer gemacht haben. Von dem eingesparten Geld könnte zum Beispiel der Programmteil 'Schulobst- und Gemüse' erweitert werden.“

Nur NRW, Brandenburg und Berlin fördern weiter Zucker-Milch

foodwatch fordert die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, den Argumenten der Experten zu folgen und im Sinne der Kindergesundheit die Kakao-Förderung mit Steuergeldern zu stoppen. Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW kündigte Ministerin Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien an.

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Bundesregierung hat Zuckerreduktion zum politischen Ziel erklärt. Aus Sicht von foodwatch ist die Zucker-Förderung über das Schulmilchprogramm daher verfehlt. Stattdessen müsste NRW eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, über die auch die Kalziumversorgung gewährleistet werden kann. Zudem könne ein Schulobst- und Gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige in NRW angeboten werden. Nicht zuletzt sind die Schulmilchprodukte in NRW alles andere als günstig – wollen Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten, können sie dies über Produkte aus dem Handel deutlich preisgünstiger umsetzen.

Das Empfehlungsschreiben unterstützen zudem:

  • Dr. Roswitha Dickerhoff (Kinderärztin, ehemals Universitätsklinikum Düsseldorf)
  • Dr. Thomas Fischbach (Kinderarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Marcus Heidemann (Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Jens Kröger (Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)
  • Prof. Dr. med Alfred Längler (Leitender Arzt der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin und Ärztlicher Direktor am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke)
  • Prof. Dr. Volker Peinelt (Mönchengladbach; ehemaliger Hochschullehrer an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, zuständig für den Bereich Catering-Services mit dem Schwerpunkt Schulverpflegung)
  • Univ. Prof. Dr. med. Andreas Pfeiffer (Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité und der Abt. Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke)
  • Prof. Dr. Thomas Reinehr (Chefarzt der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Vestische Kinder- und Jugendklinik der Universität Witten/Herdecke)
  • Sarah Wanders (Vorsitzende junge lehrer nrw)

 

Bild: Fotolia.com/Brocreative

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[NRW: Appell von Ärzten, Experten, Eltern und Lehrern zu Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-appell-von-aerzten-experten-eltern-und-lehrern-zu-schulmilch/Fri, 14 Sep 2018 09:36:00 +0200

Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Lehrer- und Elternvertreter appellieren an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. In einem von foodwatch initiierten Empfehlungsschreiben sprechen sie sich dafür aus, statt auf Subventionen für gezuckerte Milch auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an Schulen und Kitas zu setzen. 

Führende Diabetologen, Ernährungswissenschaftler, Zahnmediziner und Kinderärzte argumentieren in dem Schreiben, weshalb aus ihrer Sicht die Förderung von Milchprodukten mit Zuckerzusatz nachteilig ist. Auch die NRW-Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternkonferenz sowie der Jungen Lehrer zeichneten den Appell.

Zitate der Unterstützerinnen und Unterstützer

 „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Prof. Dr. Helmut Heseker vom Institut für Ernährung der Universität Paderborn sagte: „In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den damals ‚schmächtigen‘ Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk. Leider ist es inzwischen eine reine Marketingmaßnahme, um den Milchabsatz zu erhöhen.“

 „Wir als Eltern wünschen uns im Lebensraum Schule, dass unseren Kindern ein gesundes und vollwertiges Nahrungsangebot für den Schultag unterbreitet wird“, formulierte Dr. Christina Herold, Vorsitzende der Landeselternkonferenz.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, argumentierte: „Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Kariesrisiko deutlich mit der Frequenz der Zuckeraufnahme zusammenhängt. Deshalb sollte auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke verzichtet werden.“

Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der GEW: „Das Land NRW wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 andere Bundesländer gemacht haben. Von dem eingesparten Geld könnte zum Beispiel der Programmteil 'Schulobst- und Gemüse' erweitert werden.“

Nur NRW, Brandenburg und Berlin fördern weiter Zucker-Milch

foodwatch fordert die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, den Argumenten der Experten zu folgen und im Sinne der Kindergesundheit die Kakao-Förderung mit Steuergeldern zu stoppen. Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW kündigte Ministerin Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien an.

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Bundesregierung hat Zuckerreduktion zum politischen Ziel erklärt. Aus Sicht von foodwatch ist die Zucker-Förderung über das Schulmilchprogramm daher verfehlt. Stattdessen müsste NRW eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, über die auch die Kalziumversorgung gewährleistet werden kann. Zudem könne ein Schulobst- und Gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige in NRW angeboten werden. Nicht zuletzt sind die Schulmilchprodukte in NRW alles andere als günstig – wollen Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten, können sie dies über Produkte aus dem Handel deutlich preisgünstiger umsetzen.

Das Empfehlungsschreiben unterstützen zudem:

  • Dr. Roswitha Dickerhoff (Kinderärztin, ehemals Universitätsklinikum Düsseldorf)
  • Dr. Thomas Fischbach (Kinderarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Marcus Heidemann (Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Jens Kröger (Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)
  • Prof. Dr. med Alfred Längler (Leitender Arzt der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin und Ärztlicher Direktor am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke)
  • Prof. Dr. Volker Peinelt (Mönchengladbach; ehemaliger Hochschullehrer an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, zuständig für den Bereich Catering-Services mit dem Schwerpunkt Schulverpflegung)
  • Univ. Prof. Dr. med. Andreas Pfeiffer (Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité und der Abt. Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke)
  • Prof. Dr. Thomas Reinehr (Chefarzt der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Vestische Kinder- und Jugendklinik der Universität Witten/Herdecke)
  • Sarah Wanders (Vorsitzende junge lehrer nrw)

 

Bild: Fotolia.com/Brocreative

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Rückruf: Glas in Brötchen-Verpackung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-glas-in-broetchen-verpackung/Thu, 13 Sep 2018 16:07:00 +0200

Die Münchner Bäckerei Panificio Italiano Veritas GmbH ruft vorgebackene Brötchen "REWE Beste Wahl Tomaten Oliven Brötchen" zurück. In der Verpackung könnten Glassplitter enthalten sein, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Der Rückruf erfolge rein vorsorglich. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in der Verpackung kleine transparente Glasstückchen enthalten sind. Vor dem Verzehr wird deshalb dringend abgeraten", sagte Vertriebsleiter Stefan Gaugigl auf Anfrage.

Betroffen sei die 400-Gramm-Packung mit Mindesthaltbarkeitsdatum 30.10.2018. Rund 500 Stück seien in Rewe-Läden in Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Schleswig-Holstein verkauft worden. Die Brötchen mit Oliven und Tomaten seien seit 20. August im Handel gewesen. Das Unternehmen habe sofort reagiert und die betroffene Ware aus dem Verkauf nehmen lassen. Wahrscheinlich sei es bei Wartungsarbeiten an Anlagen zu den Verunreinigungen gekommen. (dpa)

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[NRW: Knappe Mehrheit der Eltern will Änderungen bei Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-knappe-mehrheit-der-eltern-will-aenderungen-bei-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:51:00 +0200

Sollten Milch und Kakao an Schulen weiter mit Steuergeldern gefördert werden? Eltern in Nordrhein-Westfalen sind bei dieser Frage gespalten, wie eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag von foodwatch zeigt: Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent spricht sich für Änderungen am Schulmilchprogramm und ein Ende der Kakaosubvention aus. 47 Prozent sind dagegen der Meinung, NRW solle weiterhin sowohl ungesüßte Milch als auch gezuckerten Kakao bezuschussen. 

foodwatch kritisiert, dass dass der Konsum gezuckerter Milchgetränke von der Milchwirtschaft und vom Land NRW immer wieder als unschädlich oder gar gesund dargestellt wird. Tatsächlich jedoch hat die EU ihre Förderrichtlinien beim Schulmilchprogramm gerade erst geändert: Mit Blick auf die Übergewichtsentwicklung bei Kindern sollen nur noch ungezuckerte Milchprodukte gefördert werden. Auch die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. NRW hat trotzdem eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin subventionierten Kakao an den Schulen zuzulassen.

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Die Landesregierung sollte dieses steuerfinanzierte Zuckerprogramm beenden und stattdessen dafür Sorge tragen, dass die Schulverpflegung insgesamt ausgewogener wird und zum Beispiel mehr Mittel für das Obst- und Gemüseprogramm zur Verfügung stehen. Eine Absatzförderung für die Milchwirtschaft auf Kosten der Gesundheit von Kindern ist völlig inakzeptabel.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Hessen stoppt Zuckermilch-Förderung

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte wie Kakao festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW plant Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht, die Eltern sollen in den Prozess aber mit einbezogen werden. 

Kinder konsumieren viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. 

 

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[NRW: Knappe Mehrheit der Eltern will Änderungen bei Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-knappe-mehrheit-der-eltern-will-aenderungen-bei-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:51:00 +0200

Sollten Milch und Kakao an Schulen weiter mit Steuergeldern gefördert werden? Eltern in Nordrhein-Westfalen sind bei dieser Frage gespalten, wie eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag von foodwatch zeigt: Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent spricht sich für Änderungen am Schulmilchprogramm und ein Ende der Kakaosubvention aus. 47 Prozent sind dagegen der Meinung, NRW solle weiterhin sowohl ungesüßte Milch als auch gezuckerten Kakao bezuschussen. 

foodwatch kritisiert, dass dass der Konsum gezuckerter Milchgetränke von der Milchwirtschaft und vom Land NRW immer wieder als unschädlich oder gar gesund dargestellt wird. Tatsächlich jedoch hat die EU ihre Förderrichtlinien beim Schulmilchprogramm gerade erst geändert: Mit Blick auf die Übergewichtsentwicklung bei Kindern sollen nur noch ungezuckerte Milchprodukte gefördert werden. Auch die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. NRW hat trotzdem eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin subventionierten Kakao an den Schulen zuzulassen.

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Die Landesregierung sollte dieses steuerfinanzierte Zuckerprogramm beenden und stattdessen dafür Sorge tragen, dass die Schulverpflegung insgesamt ausgewogener wird und zum Beispiel mehr Mittel für das Obst- und Gemüseprogramm zur Verfügung stehen. Eine Absatzförderung für die Milchwirtschaft auf Kosten der Gesundheit von Kindern ist völlig inakzeptabel.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Hessen stoppt Zuckermilch-Förderung

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte wie Kakao festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW plant Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht, die Eltern sollen in den Prozess aber mit einbezogen werden. 

Kinder konsumieren viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. 

 

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Berlin prüft Ausstieg aus der Förderung gezuckerter Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/berlin-prueft-ausstieg-aus-der-foerderung-gezuckerter-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:19:00 +0200

Nach Kritik von foodwatch stellt nun auch das Land Berlin die Förderung gezuckerter Milchprodukte an Schulen in Frage. „Berlin prüft derzeit, zukünftig auf die Förderung von gezuckerten Milchmischgetränken zu verzichten und befindet sich dazu im Austausch mit der Bildungsverwaltung“, schrieb ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz an foodwatch. Berlin ist neben Brandenburg und Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das bisher an der Subvention gezuckerte Milch festhält.

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Berlin und Brandenburg haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch fordert Verbrauchersenator Dirk Behrendt und Bildungssenatorin Sandra Scheeres sowie den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen. 

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Es kann nicht sein, dass der Staat in den Schulen als Zucker-Dealer auftritt und Schüler mit genau dem Stoff versorgt, der an anderer Stelle mit Reduktionsprogrammen und Ernährungsempfehlungen bekämpft werden soll. Es gibt keinen guten Grund dafür, Schüler mit der täglichen Portion Zuckermilch zu versorgen – es sei denn, Berlin und Brandenburg schreiben sich die Förderung von Übergewicht und Diabetes auf die Fahnen.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch

NRW hatte kürzlich bereits eine Überprüfung seines Schulmilchprogramms angekündigt, Hessen hatte im August nach öffentlicher Kritik einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch erklärt. Berlin und Brandenburg hingegen fördern mit Steuergeldern weiter stark zuckerhaltige Milchprodukte – als einzige Bundesländer werden neben Kakao auch die noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch an Schulen ausgegeben. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder der beiden Bundesländer, wie foodwatch-Recherchen zeigen. 

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. 

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Berlin prüft Ausstieg aus der Förderung gezuckerter Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/berlin-prueft-ausstieg-aus-der-foerderung-gezuckerter-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:19:00 +0200

Nach Kritik von foodwatch stellt nun auch das Land Berlin die Förderung gezuckerter Milchprodukte an Schulen in Frage. „Berlin prüft derzeit, zukünftig auf die Förderung von gezuckerten Milchmischgetränken zu verzichten und befindet sich dazu im Austausch mit der Bildungsverwaltung“, schrieb ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz an foodwatch. Berlin ist neben Brandenburg und Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das bisher an der Subvention gezuckerte Milch festhält.

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Berlin und Brandenburg haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch fordert Verbrauchersenator Dirk Behrendt und Bildungssenatorin Sandra Scheeres sowie den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen. 

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Es kann nicht sein, dass der Staat in den Schulen als Zucker-Dealer auftritt und Schüler mit genau dem Stoff versorgt, der an anderer Stelle mit Reduktionsprogrammen und Ernährungsempfehlungen bekämpft werden soll. Es gibt keinen guten Grund dafür, Schüler mit der täglichen Portion Zuckermilch zu versorgen – es sei denn, Berlin und Brandenburg schreiben sich die Förderung von Übergewicht und Diabetes auf die Fahnen.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch

NRW hatte kürzlich bereits eine Überprüfung seines Schulmilchprogramms angekündigt, Hessen hatte im August nach öffentlicher Kritik einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch erklärt. Berlin und Brandenburg hingegen fördern mit Steuergeldern weiter stark zuckerhaltige Milchprodukte – als einzige Bundesländer werden neben Kakao auch die noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch an Schulen ausgegeben. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder der beiden Bundesländer, wie foodwatch-Recherchen zeigen. 

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. 

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Angeblich „günstige“ Schulmilch oft teurer als im Supermarkt ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/angeblich-guenstige-schulmilch-oft-teurer-als-im-supermarkt/Wed, 29 Aug 2018 15:41:00 +0200

Trotz der steuerfinanzierten Subventionen sind Schulmilchgetränke in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich teurer als Standardprodukte im Supermarkt, wie ein Preisvergleich von foodwatch zeigt. Das staatliche Programm ist aufgrund von kleinen Verpackungen und einem hohen bürokratischen wie logistischen Aufwand so ineffizient, dass die Fördergelder vor allem im System versickern.

Der Preis-Check von foodwatch zeigt: Frische Vollmilch kostet derzeit im Handel 69 Cent und fettarme Frischmilch 61 Cent pro Liter. Für die täglichen Trinkpäckchen des Schulmilchprogramms dagegen zahlen Eltern 30 Cent pro 250 Milliliter, auf den Liter hochgerechnet sind das 1,20 Euro – ein Preisaufschlag von 74 Prozent bei Vollmilch und sogar 97 Prozent bei fettarmer Milch. Auch frische Kakao-Milch ist beim Discounter günstiger erhältlich als über das Schulmilchprogramm. Zudem verlangt der Molkereikonzern FrieslandCampina, mit seiner Marke „Landliebe“ der einzige überregionale Schulmilchlieferant, für die gleichen Produkte von den Eltern in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich mehr Geld als in anderen Bundesländern. Die Landliebe-Schulmilch ist in NRW zum Beispiel 50 Prozent teurer als in Hessen.

Ministerium und Milchindustrie loben Schulmilchprogramm

Aus Sicht von foodwatch ist es irreführend, dass die Landesregierung ihr Schulmilchprogramm mit dem Hinweis auf den angeblich „günstigen Preis“ bewirbt. So heißt es auf der Schulmilch-Internetseite des verantwortlichen Landesumweltministeriums: „Durch dieses Finanzierungsprogramm können Milch und Milchprodukte in Kindergärten und Schulen zu einem günstigen Preis angeboten werden.“ Bemerkenswert: Diese Aussage wird wortgleich auch von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW verwendet.

„Von wegen billig: Wenn Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten wollen, können sie das erheblich günstiger organisieren als über das staatliche Schulmilchprogramm in NRW. Es ist schon eine Form von Abzocke, wenn die Schulmilchpackungen als besonders ‚günstig‘ beworben werden, obwohl Eltern im Supermarkt teilweise deutlich weniger zahlen würden. Das Schulmilchprogramm in NRW ist überzuckert und überteuert.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Nur noch drei Bundesländer fördern Zucker-Milch

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Milchprodukte wie Kakao fördert. Nach Kritik von foodwatch hatte die verantwortliche Umweltministerin Ursula Heinen-Esser vergangene Woche eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien angekündigt, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht. Zuvor hatte Hessen auf die Kritik reagiert und angekündigt, die Kakao-Förderung zu stoppen. Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen ihres Schulprogramms fördern. Vier Bundesländer – NRW, Hessen, Berlin und Brandenburg – haben jedoch eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um doch noch gezuckerte Produkte subventionieren zu können.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.


Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Angeblich „günstige“ Schulmilch oft teurer als im Supermarkt ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/angeblich-guenstige-schulmilch-oft-teurer-als-im-supermarkt/Wed, 29 Aug 2018 15:41:00 +0200

Trotz der steuerfinanzierten Subventionen sind Schulmilchgetränke in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich teurer als Standardprodukte im Supermarkt, wie ein Preisvergleich von foodwatch zeigt. Das staatliche Programm ist aufgrund von kleinen Verpackungen und einem hohen bürokratischen wie logistischen Aufwand so ineffizient, dass die Fördergelder vor allem im System versickern.

Der Preis-Check von foodwatch zeigt: Frische Vollmilch kostet derzeit im Handel 69 Cent und fettarme Frischmilch 61 Cent pro Liter. Für die täglichen Trinkpäckchen des Schulmilchprogramms dagegen zahlen Eltern 30 Cent pro 250 Milliliter, auf den Liter hochgerechnet sind das 1,20 Euro – ein Preisaufschlag von 74 Prozent bei Vollmilch und sogar 97 Prozent bei fettarmer Milch. Auch frische Kakao-Milch ist beim Discounter günstiger erhältlich als über das Schulmilchprogramm. Zudem verlangt der Molkereikonzern FrieslandCampina, mit seiner Marke „Landliebe“ der einzige überregionale Schulmilchlieferant, für die gleichen Produkte von den Eltern in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich mehr Geld als in anderen Bundesländern. Die Landliebe-Schulmilch ist in NRW zum Beispiel 50 Prozent teurer als in Hessen.

Ministerium und Milchindustrie loben Schulmilchprogramm

Aus Sicht von foodwatch ist es irreführend, dass die Landesregierung ihr Schulmilchprogramm mit dem Hinweis auf den angeblich „günstigen Preis“ bewirbt. So heißt es auf der Schulmilch-Internetseite des verantwortlichen Landesumweltministeriums: „Durch dieses Finanzierungsprogramm können Milch und Milchprodukte in Kindergärten und Schulen zu einem günstigen Preis angeboten werden.“ Bemerkenswert: Diese Aussage wird wortgleich auch von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW verwendet.

„Von wegen billig: Wenn Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten wollen, können sie das erheblich günstiger organisieren als über das staatliche Schulmilchprogramm in NRW. Es ist schon eine Form von Abzocke, wenn die Schulmilchpackungen als besonders ‚günstig‘ beworben werden, obwohl Eltern im Supermarkt teilweise deutlich weniger zahlen würden. Das Schulmilchprogramm in NRW ist überzuckert und überteuert.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Nur noch drei Bundesländer fördern Zucker-Milch

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Milchprodukte wie Kakao fördert. Nach Kritik von foodwatch hatte die verantwortliche Umweltministerin Ursula Heinen-Esser vergangene Woche eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien angekündigt, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht. Zuvor hatte Hessen auf die Kritik reagiert und angekündigt, die Kakao-Förderung zu stoppen. Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen ihres Schulprogramms fördern. Vier Bundesländer – NRW, Hessen, Berlin und Brandenburg – haben jedoch eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um doch noch gezuckerte Produkte subventionieren zu können.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.


Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Nestlé & Co. tragen Mitverantwortung für globale Fettleibigkeitsepidemie]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nestle-co-tragen-mitverantwortung-fuer-globale-fettleibigkeitsepidemie/Wed, 22 Aug 2018 10:00:00 +0200

Übergewicht, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes breiten sich in Entwicklungs- und Schwellenländern rasant aus. Globale Lebensmittelkonzerne wie Nestlé und Coca-Cola tragen dafür eine gehörige Mitverantwortung. 

Laut Weltgesundheitsorganisation hat sich in 73 Ländern der Erde der Anteil der Fettleibigen seit 1980 mindestens verdoppelt. Betroffen sind neben den westlichen Industrienationen auch Entwicklungs- und Schwellenländer in Asien, Afrika, Südamerika und dem Mittleren Osten. Besonders leiden junge Menschen: 124 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind fettleibig, etwa zehn Mal so viele wie 1975. Ähnlich erdrückende Zahlen gibt es zur Stoffwechselkrankheit Typ-2-Diabetes, die auch durch ungesunde Ernährung verursacht wird: Mit 422 Millionen Erkrankten hat sich die Zahl seit 1980 mehr als vervierfacht.

Profite mit krankmachenden Lebensmitteln

In seinem heute im S. Fischer Verlag veröffentlichten Buch „Die Diktatur der Konzerne – Wie globale Unternehmen uns schaden und die Demokratie zerstören“ gibt foodwatch-Gründer Thilo Bode multinationalen Konzernen eine Mitschuld an der globalen Fettleibigkeitsepidemie. Weil die Märkte in den Industrieländern im wahrsten Wortsinne gesättigt sind, drängen Lebensmittelunternehmen mit aller Macht in die Länder des Globalen Südens. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Armut und Mangelernährung drücken Nestlé, Coca-Cola & Co. mit aggressiven Marketingmethoden und zwielichtigen Lobby-Allianzen hochkalorische und stark verarbeitete Lebensmittel auf die Märkte und verdrängen traditionelle Ernährungsweisen – Fehlernährung und ernährungsbedingte Krankheiten sind die dramatischen Folgen. Zugleich nutzen die Konzerne ihren politischen Einfluss, um eine effektive staatliche Regulierung zur Eindämmung der Fettleibigkeitsepidemie zu verhindern. Die Konzerne machen Profit mit krankmachenden Lebensmitteln. Die schädlichen Folgen – mehr Erkrankungen und höhere Gesundheitskosten – tragen andere. Die Macht der Konzerne ist so groß, dass Parlamente und Regierungen davor zurückschreckten, regulierend einzugreifen.

„Nestlé, Coca-Cola & Co. präsentieren sich gerne als Wohltäter und Weltverbesserer. Doch in Wahrheit machen sie mit ihren Produkten Millionen von Menschen fett und krank und verursachen gigantische gesellschaftliche Folgekosten. Die Verlierer der neuen Lebens- und Essgewohnheiten, die mit den Konzernen aus den reichen Ländern Einzug halten, sind zuallererst die Armen.“

Thilo Bode, foodwatch-Gründer

Drei Beispiele verdeutlichen, mit welchen Methoden große Lebensmittelkonzerne in Entwicklungs- und Schwellenländern Profit auf Kosten der Gesundheit machen:

  • In Brasilien versucht Nestlé auch einkommensschwache Menschen in entlegenen Regionen für seine hochverarbeiteten Lebensmittel zu begeistern. So fuhr jahrelang ein Nestlé-Schiff etwa 1.000 Kilometer entlang des Amazonas und verkaufte die Produkte des Weltkonzerns in abgelegenen Ortschaften. Heute ziehen rund 7.000 Verkäuferinnen mit Nestlé-Handkarren in ärmeren Stadtvierteln von Tür zu Tür. Im Sortiment sind vornehmlich Produkte wie Eis, Kekse und Frühstücksflocken sowie ein „Frühstücks-Kit“ mit Milchpulver und Schokoflocken oder ein „Nachtisch-Kit“ mit Milchprodukten. Nestlé und andere Lebensmittelkonzerne pflegen derweil enge Kontakte zur Politik – unter anderem mit dem Ziel, verbraucherfreundliche und gesundheitspolitische Initiativen zu verhindern. Als die brasilianische Regierung etwa Beschränkungen bei der Werbung an Kinder und eine transparente Lebensmittelkennzeichnung plante, sind beide Initiativen am Lobbydruck der großen Konzerne gescheitert. Dabei wäre ein Eingreifen der Politik dringend geboten: Der Anteil der erwachsenen Fettleibigen in Brasilien hat sich seit 1980 vervierfacht, bei Kindern fast verfünffacht. Jedes Jahr erkranken 300.000 Brasilianerinnen und Brasilianer an Typ-2-Diabetes. 
  • In Malaysia ist der Verkauf verarbeiteter Lebensmittel in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 100 Prozent gewachsen. Mehr als die Hälfte der Menschen ist übergewichtig oder fettleibig. Zugleich haben globale Lebensmittelkonzerne die Ernährungswissenschaft des Landes unter ihrer Kontrolle. Die führende Ernährungsgesellschaft Malaysias, die Nutrition Society of Malaysia, wurde zum Beispiel zu großen Teilen von Unternehmen wie Nestlé, Kellogg’s und PepsiCo finanziert. Einige ihrer Studien wurden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Konzerne vor Veröffentlichung begutachtet und freigegeben. Zudem veröffentlichte die Fachgesellschaft Broschüren unter anderem mit Anzeigen für überzuckerte Nestlé-Frühstücksflocken und wirbt für Nestlés Kinder-Programm in Schulen.
  • In vielen Ländern in Afrika engagieren sich Lebensmittel- und Saatgutkonzerne in entwicklungspolitischen Allianzen. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Mangelernährung und Hunger reichern die Konzerne Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Pflanzenöle sowie verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen an. Dadurch sollen mangelernährte Menschen versorgt werden. Zwar ist es in akuten Notsituationen durchaus geboten, Grundnahrungsmittel anzureichern, doch die Konzerne verfolgen das Ziel, ihre Produkte langfristig, über Jahre hinweg auf den Märkten zu etablieren, wie Thilo Bode beschreibt. Lokale Alternativen und traditionelle Lebensmittel werden damit verdrängt – während die Konzerne mit ihren Produkten satte Gewinne machen. Um zum Beispiel Eisenmangel in Nigeria zu bekämpfen, bewarb Unilever – mit maßgeblicher Unterstützung durch Entwicklungshilfegelder – mit Eisen angereicherte Brühwürfel seiner Marke Knorr. Frauen wurden als Brühwürfel-Verkäuferinnen geschult. Zudem wurden Mütter und Töchter aufgefordert, beim Kochen Knorr-Würfel zu verwenden. In Kenia sponserte der Konzern TV-Kochshows, in denen Hobby-Köche Fertiggewürzmischungen der Unilever-Marke Royco verwenden mussten. Die globalen Konzerne investieren in Länder des afrikanischen Kontinents – und sichern sich damit Einfluss auf Regierungsprogramme in den betroffenen Ländern. Für die Investitions- und Hilfezusagen kommen die Regierungen den Unternehmen entgegen, etwa mit gentechnikfreundlichen Gesetzen und großzügigen Landnutzungsrechten. Die Konzerne werden zu einem scheinbar neutralen und unverzichtbaren Player in der Entwicklungshilfe, verfolgen in Wahrheit aber vor allem ihre eigenen Interessen.

Die Macht globaler Konzerne 

In „Die Diktatur der Konzerne“ befasst sich foodwatch-Gründer Thilo Bode nicht nur mit den Machenschaften der globalen Lebensmittelkonzerne, sondern analysiert am Beispiel verschiedener Wirtschaftsbereiche – Banken, Energie- und Automobilkonzerne, Internetunternehmen – wie die Macht globaler Großunternehmen angewachsen ist. Internationale Konzerne zahlen kaum Steuern, schädigen die Umwelt, verstoßen gegen Menschenrechte – und werden dafür selten zur Verantwortung gezogen.

Foto: fotolia.de/abcmedia

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<![CDATA[Erfolg: Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/erfolg-hessen-stoppt-subvention-von-zuckermilch/Wed, 22 Aug 2018 09:41:00 +0200

Hessen hat das Aus für die Förderung gezuckerter Milch in Schulen angekündigt. Nordrhein-Westfalen will einen solchen Schritt prüfen und die Eltern befragen. Damit reagierten die beiden Landesregierung auf einen Offenen Brief von foodwatch. Neben NRW fördern nun nur noch Berlin und Brandenburg weiterhin gezuckerte Milchprodukte. 

„Wir nehmen Kakao aus dem Angebot!“, schrieb die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz am Freitag auf Twitter. Sie reagierte damit auf eine foodwatch-Kampagne gegen die Subvention gezuckerter Schulmilch. foodwatch hatte die vier Bundesländer Hessen, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit Offenen Briefen an die zuständigen Minister und Senatoren sowie mit einer E-Mail-Aktion aufgefordert, die Zucker-Subvention zu stoppen.

 

Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen des Schulprogramms fördern. foodwatch-Recherchen zufolge hatten jedoch die vier genannten Bundesländer Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiterhin auch gezuckerte Produkte subventionieren zu können – obwohl dies sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung widerspricht.

„Frau Hinz tut das einzig Richtige: Die absurde Praxis, mit Steuergeldern die Fehlernährung von Kindern zu fördern, hat in Hessen bald ein Ende. Daran sollten sich die Regierungen in Berlin, Brandenburg und NRW ein Beispiel nehmen und Zuckermilch nicht länger subventionieren. Kinder essen viel zu viel Zucker. Wer das mit Steuergeldern auch noch fördert, betreibt verantwortungslose Politik auf Kosten der Kindergesundheit.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Förderung der Milchwirtschaft statt der Kindergesundheit

Mit der Subvention gezuckerter Schulmilch soll in Hessen nun bald Schluss sein. Auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat auf die öffentliche Kritik reagiert. So will das zuständige Umweltministerium die Förderung von gezuckertem Kakao in seinem Schulmilchprogramm auf den Prüfstand stellen. „Wir evaluieren bis zu den Herbstferien“, schrieb Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am späten Dienstagabend auf twitter. Eine Entscheidung solle dann unter „Beteiligung der Eltern“ fallen. Kriterien für die Evaluation nannte jedoch die Ministerin nicht. 

Von Berlin und Brandenburg gibt es bislang keine Stellungnahmen. Im Vorfeld der Kritik argumentierte das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer umsetzt, gegenüber foodwatch: Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ werden. 

Mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich (33 Tonnen Zuckerzusatz) erhalten Kinder an Kindergärten und vor allem Schulen in Berlin und Brandenburg auf Staatskosten über subventionierte Milchmischgetränke, obwohl beide Landesregierungen die Förderung gesunder Ernährung zum politischen Ziel erklären. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina. FrieslandCampina tritt in den Berlin, Brandenburg und NRW als Schulmilchlieferant auf.

EU-Förderprogramm für Schulessen erlaubt Ausnahmeregelungen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Recherchen von foodwatch hatten ergeben, dass die meisten Bundesländer eine Förderung gezuckerter Milchprodukte ausschließen. Berlin, Brandenburg, Hessen und NRW haben jedoch entsprechende Ausnahmegenehmigungen zur Förderung gezuckerter Milchprodukte geschaffen. Es handelt sich dabei um jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen.

foodwatch fordert Qualitätsstandards für Schulessen

Neben einer Korrektur der Schulmilchprogramme forderte foodwatch alle Bundesländer auf, Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schul- und Kitaessen verpflichtend einzuführen. Die meisten Bundesländer lehnten das bislang aus Kostengründen ab. Zudem müssten Werbe- und Sponsoringaktivitäten der Lebensmittelindustrie in den Schulgesetzen verboten werden.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

 

Bild: © Fotolia.com / Brocreative

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Erfolg: Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/erfolg-hessen-stoppt-subvention-von-zuckermilch/Wed, 22 Aug 2018 09:41:00 +0200

Hessen hat das Aus für die Förderung gezuckerter Milch in Schulen angekündigt. Nordrhein-Westfalen will einen solchen Schritt prüfen und die Eltern befragen. Damit reagierten die beiden Landesregierung auf einen Offenen Brief von foodwatch. Neben NRW fördern nun nur noch Berlin und Brandenburg weiterhin gezuckerte Milchprodukte. 

„Wir nehmen Kakao aus dem Angebot!“, schrieb die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz am Freitag auf Twitter. Sie reagierte damit auf eine foodwatch-Kampagne gegen die Subvention gezuckerter Schulmilch. foodwatch hatte die vier Bundesländer Hessen, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit Offenen Briefen an die zuständigen Minister und Senatoren sowie mit einer E-Mail-Aktion aufgefordert, die Zucker-Subvention zu stoppen.

 

Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen des Schulprogramms fördern. foodwatch-Recherchen zufolge hatten jedoch die vier genannten Bundesländer Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiterhin auch gezuckerte Produkte subventionieren zu können – obwohl dies sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung widerspricht.

„Frau Hinz tut das einzig Richtige: Die absurde Praxis, mit Steuergeldern die Fehlernährung von Kindern zu fördern, hat in Hessen bald ein Ende. Daran sollten sich die Regierungen in Berlin, Brandenburg und NRW ein Beispiel nehmen und Zuckermilch nicht länger subventionieren. Kinder essen viel zu viel Zucker. Wer das mit Steuergeldern auch noch fördert, betreibt verantwortungslose Politik auf Kosten der Kindergesundheit.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Förderung der Milchwirtschaft statt der Kindergesundheit

Mit der Subvention gezuckerter Schulmilch soll in Hessen nun bald Schluss sein. Auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat auf die öffentliche Kritik reagiert. So will das zuständige Umweltministerium die Förderung von gezuckertem Kakao in seinem Schulmilchprogramm auf den Prüfstand stellen. „Wir evaluieren bis zu den Herbstferien“, schrieb Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am späten Dienstagabend auf twitter. Eine Entscheidung solle dann unter „Beteiligung der Eltern“ fallen. Kriterien für die Evaluation nannte jedoch die Ministerin nicht. 

Von Berlin und Brandenburg gibt es bislang keine Stellungnahmen. Im Vorfeld der Kritik argumentierte das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer umsetzt, gegenüber foodwatch: Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ werden. 

Mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich (33 Tonnen Zuckerzusatz) erhalten Kinder an Kindergärten und vor allem Schulen in Berlin und Brandenburg auf Staatskosten über subventionierte Milchmischgetränke, obwohl beide Landesregierungen die Förderung gesunder Ernährung zum politischen Ziel erklären. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina. FrieslandCampina tritt in den Berlin, Brandenburg und NRW als Schulmilchlieferant auf.

EU-Förderprogramm für Schulessen erlaubt Ausnahmeregelungen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Recherchen von foodwatch hatten ergeben, dass die meisten Bundesländer eine Förderung gezuckerter Milchprodukte ausschließen. Berlin, Brandenburg, Hessen und NRW haben jedoch entsprechende Ausnahmegenehmigungen zur Förderung gezuckerter Milchprodukte geschaffen. Es handelt sich dabei um jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen.

foodwatch fordert Qualitätsstandards für Schulessen

Neben einer Korrektur der Schulmilchprogramme forderte foodwatch alle Bundesländer auf, Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schul- und Kitaessen verpflichtend einzuführen. Die meisten Bundesländer lehnten das bislang aus Kostengründen ab. Zudem müssten Werbe- und Sponsoringaktivitäten der Lebensmittelindustrie in den Schulgesetzen verboten werden.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

 

Bild: © Fotolia.com / Brocreative

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Zuckermilch in der Schule]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/zuckermilch-in-der-schule/Fri, 17 Aug 2018 15:19:00 +0200

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat auch die EU einen Kurswechsel in ihrem Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen vollzogen. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Künftig dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. In Deutschland sind die Bundesländer für die Schulverpflegung zuständig. Und vier Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen – haben sich entschieden, weiterhin auch gezuckerte Produkte wie Kakao subventioniert werden können. Dort ist der Großteil der geförderten Schul-Milchgetränke gezuckert. Die Angaben der zuständigen Behörden umfassen zwar auch Kindertagesstätten.  Doch dort ist der Anteil von Kakao deutlich geringer.

foodwatch hat den Ländern einen Offenen Brief geschrieben. Die klare Kritik: Mit Ihrer Politik leisten die Bundesländer der Fehlernährung von Kindern Vorschub, anstatt sie zu verhindern! foodwatch forderte die zuständigen Ministerinnen und Minister auf, die Schulmilchprogramme schnellstmöglich zu korrigieren und den Zusatz von Zucker auszuschließen.

„Der Zuckerkonsum von Kindern ist zu hoch und hat fatale gesundheitliche Auswirkungen. Mehrere Bundesländer tragen selbst dazu bei: Sie fördern die Abgabe gezuckerter Milchprodukte – auf Kosten des Steuerzahlers und auf Kosten der Kindergesundheit. Eine solche Politik ist verantwortungslos und widerspricht den Empfehlungen der Ernährungsfachleute.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Verflechtungen mit der Milchlobby

erlin, Brandenburg, Hessen und NRW sind ausgerechnet jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen. 

Das zuständige Ministerium in Hessen erklärte gegenüber foodwatch, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“.

Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, argumentierte ähnlich. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erklärte, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

Ministerien: Besser Zucker-Milch als keine Milch

foodwatch hält dieses Verhalten für verantwortungslos. Mehrere Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein!

 

Bild: © Fotolia.com / Gina Sanders

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Zuckermilch in der Schule]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/zuckermilch-in-der-schule/Fri, 17 Aug 2018 15:19:00 +0200

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat auch die EU einen Kurswechsel in ihrem Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen vollzogen. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Künftig dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. In Deutschland sind die Bundesländer für die Schulverpflegung zuständig. Und vier Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen – haben sich entschieden, weiterhin auch gezuckerte Produkte wie Kakao subventioniert werden können. Dort ist der Großteil der geförderten Schul-Milchgetränke gezuckert. Die Angaben der zuständigen Behörden umfassen zwar auch Kindertagesstätten.  Doch dort ist der Anteil von Kakao deutlich geringer.

foodwatch hat den Ländern einen Offenen Brief geschrieben. Die klare Kritik: Mit Ihrer Politik leisten die Bundesländer der Fehlernährung von Kindern Vorschub, anstatt sie zu verhindern! foodwatch forderte die zuständigen Ministerinnen und Minister auf, die Schulmilchprogramme schnellstmöglich zu korrigieren und den Zusatz von Zucker auszuschließen.

„Der Zuckerkonsum von Kindern ist zu hoch und hat fatale gesundheitliche Auswirkungen. Mehrere Bundesländer tragen selbst dazu bei: Sie fördern die Abgabe gezuckerter Milchprodukte – auf Kosten des Steuerzahlers und auf Kosten der Kindergesundheit. Eine solche Politik ist verantwortungslos und widerspricht den Empfehlungen der Ernährungsfachleute.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Verflechtungen mit der Milchlobby

erlin, Brandenburg, Hessen und NRW sind ausgerechnet jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen. 

Das zuständige Ministerium in Hessen erklärte gegenüber foodwatch, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“.

Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, argumentierte ähnlich. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erklärte, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

Ministerien: Besser Zucker-Milch als keine Milch

foodwatch hält dieses Verhalten für verantwortungslos. Mehrere Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein!

 

Bild: © Fotolia.com / Gina Sanders

Schulmilch: Kein Steuergeld für die Extraportion Zucker!
Die EU will aus gesundheitlichen Gründen keine gezuckerte Schulmilch mehr fördern. Doch vier deutsche Bundesländer hebeln diese Regelung aus. Jetzt protestieren!

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<![CDATA[Rückrufe konsequent in die Medien!]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckrufe-konsequent-in-die-medien/Mon, 13 Aug 2018 15:23:00 +0200

Haben Sie schon mal von einem Lebensmittelrückruf in der Zeitung gelesen? Wahrscheinlich eher selten. Denn bislang werden Verbraucherinnen und Verbraucher in den Medien nicht ausreichend darüber informiert, wenn zum Beispiel Lebensmittel mit Salmonellen verunreinigt sind oder Fremdkörper enthalten - obwohl dies erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann! Und das bei im Schnitt etwa drei Lebensmittelrückrufen pro Woche. Regelmäßige Hinweise, zum Beispiel in Zeitungen könnten dies ändern.

foodwatch hat in einem einem gemeinsamen Brief mit der Verbraucherzentrale Hamburg und den nicht-kommerziellen Rückrufportalen produktrueckrufe.de und produktwarnung.eu Chefredaktionen und leitende Journalistinnen und Journalisten aufgefordert, die Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung zu verstehen und über diese konsequent zu berichten. Denn zahlreiche Erkrankungs-, mitunter sogar Todesfälle, lassen sich vermeiden, wenn die Informationen über Rückrufaktionen schnell und zuverlässig verbreitet werden. In dem Schreiben haben die Verbraucherschützer Vorschläge für den redaktionellen Umgang mit Produktrückrufen gemacht, unter anderem:

  • Einrichten einer festen Rubrik und eines Ansprechpartners für Produktrückrufe in der Redaktion
  • Die Bekanntheit eines Herstellers, einer Produktmarke oder die Zahl der potenziell betroffenen Menschen darf nicht darüber entscheiden, ob ein Rückruf verbreitet wird oder nicht
  • Die potenziellen Gefahren der Produkte sollten möglichst klar und verständlich formuliert sein

Alle Empfehlungen gibt es hier: www.rueckrufe-empfehlungen.foodwatch.de

Denn auf Behörden und Unternehmen ist kein Verlass: Diese machen bislang bei weitem nicht alles dafür, betroffene Menschen zu warnen. Der Grund dafür ist die unzureichende Gesetzeslage und mangelhaften Standards in Deutschland. Diese erlauben es, dass Behörden, Hersteller und Handelskonzerne nur unzureichend über Lebensmittelrückrufe informieren. Während Behörden nur äußerst eingeschränkte Informationen hätten und daher selten offensiv an die Öffentlichkeit gingen, informieren Supermärkte in der Regel gar nicht oder nur mit unscheinbaren Aushängen im Markt über den Rückruf eines Markenproduktes aus ihrem Sortiment - selbst dann, wenn es sich um ernsthafte Gesundheitsrisiken handelt.

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[foodwatch fordert verpflichtende Standards für Schulessen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-fordert-verpflichtende-standards-fuer-schulessen/Mon, 13 Aug 2018 14:50:00 +0200

foodwatch hat die Bundesländer zum Start des neuen Schuljahres aufgefordert, verpflichtende Qualitätsstandards für die Verpflegung an allen Schulen und Kindergärten einzuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat schon 2007 im Auftrag der Bundesregierung erstmals Qualitätsstandards für eine ausgewogene Kost in den Schulkantinen veröffentlicht. Diese werden aber in der Regel nicht erfüllt. „Es ist ein Skandal, dass diese Kriterien gut zehn Jahre später noch immer an den meisten Schulen ignoriert werden“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker in der Passauer Neuen Presse. 

Nur drei Bundesländer - Berlin, Bremen und das Saarland - haben die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu verpflichtenden Kriterien zumindest bei Neu-Ausschreibungen für die Verpflegung gemacht. „Alle reden über gesunde Ernährung, aber in Schulen und Kitas wird Kindern zum Teil ein regelrechter Fraß vorgesetzt. Selbst in staatlichen Einrichtungen sind die Speisepläne oft zu süß, zu fettig, zu fleischlastig und enthalten zu wenig Obst und Gemüse“, sagte Rücker.

Bei den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung handelt es sich bisher nur um Empfehlungen, verpflichtend sind sie nicht.

mit dpa

Foto: © Fotolia.com/Natalie Board

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<![CDATA[Trinken wir Mikroplastik?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/trinken-wir-mikroplastik/Thu, 26 Jul 2018 08:12:00 +0200

Gerade in diesen heißen Sommertagen greift man häufig dazu: die eiskalte Flasche Mineralwasser. Doch was ist, wenn Mineralwasser – egal ob in Plastik- oder Glasflasche – winzige Plastikpartikel enthält, die wir mit dem bloßen Auge nicht sehen können?

Eine dem Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen unterstellte Behörde hat Ende 2017 eine Studie veröffentlicht, in der Mikroplastik-Partikel in Mineralwasser nachgewiesen wurden. Jedoch nennt das Ministerium auf Nachfrage von uns keine Hersteller- oder Produktnamen. Dabei ist es das Mindeste, dass Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren, in welchen Produkten Mikroplastik enthalten ist.

Mikroplastik auch in Meeresfrüchten und Salz

Zahlreiche Studien wiesen in den letzten Jahren nach, dass Lebensmittel winzige Plastikpartikel und -fasern enthalten, wie etwa Meeresfrüchten oder Meersalz „Fleur de Sel“. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) hat in einer Kooperation mit der Universität Münster in einer Laboranalyse von November 2017 nun auch in Mineralwasser Mikroplastik nachgewiesen. Getestet wurden dabei 38 Produkte, darunter sowohl Plastik- als auch Glasflaschen. Besonders hoch waren die Werte bei Wasser aus Mehrweg-Plastikflaschen. Doch auch in einigen Mineralwässern in Glasflaschen war eine erhöhte Zahl an Mikroplastik-Partikeln enthalten.

foodwatch hatte im Februar 2018 einen Antrag auf Herausgabe der Herstellernamen unter Berufung auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) gestellt. Doch das Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen lehnte den Antrag ab, unter anderem weil die betroffenen Analysen im Rahmen eines laufenden Promotionsverfahrens durchgeführt wurden.

„Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium stellt Wirtschaftsinteressen über Verbraucherinteressen, wenn es die Namen der Mineralwasser-Marken, die mit Mikroplastik belastet sind, geheim hält“, kritisierte Sophie Unger von foodwatch. „Wenn eine staatliche Behörde Tests durchführt, haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein Recht darauf, die Ergebnisse zu erfahren. Die Menschen wollen wissen, welche Wässer Mikroplastik enthalten. Doch dazu müssen erstmal alle Fakten auf Tisch. Besonders bei einem Lebensmittel wie Mineralwasser, das Viele jeden Tag in großen Mengen konsumieren.“

Sophie Unger, Campaignerin bei foodwatch

Risiken unklar

Ob Mikroplastik gesundheitliche Schäden hervorrufen kann, ist derzeit noch völlig unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzehr von Mikroplastik Entzündungen beim Menschen hervorrufen könnte. Obwohl die zuständigen Behörden – das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) – schon seit Jahren zu dem Thema arbeiten, gibt es bislang keine Risikobewertung zu Mikroplastik. Das liegt laut BfR daran, dass es bislang zu wenig belastbare Daten zu Mikroplastik in Lebensmitteln gibt. Trotzdem hat das BfR foodwatch gegenüber im Hinblick auf die Studie aus Nordrhein-Westfalen angegeben, dass „nach dem derzeitigen Stand der Kenntnis kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher angenommen“ werde.

Das heißt also: Einerseits kann das BfR keine gesundheitliche Bewertung von Mikroplastik in Lebensmitteln vornehmen, da hierfür die Daten fehlen – andererseits nimmt sie an, dass durch die Funde im Mineralwasser kein Risiko bestehe. Ja, was denn nun? Das BfR muss endlich Tacheles reden. Wir brauchen eine richtige Risikobewertung und keine Mutmaßungen. Wenn die Daten fehlen, müssen sie erhoben werden!

Wir wollen es wissen!

Möchten Sie auch wissen, in welchen Mineralwässern Mikroplastik enthalten ist? Dann wenden Sie sich hier an das Verbraucherministerium NRW und fordern Sie die Veröffentlichung der Herstellernamen und Produkte!

Mikroplastik in Mineralwasser - wir wollen wissen wo!
Mikroplastik in Mineralwässern gefunden! Doch bei welchen Marken, möchte uns das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen nicht sagen. Und das bei einem Lebensmittel, das viele von uns tagtäglich konsumieren. Wir fordern: Her mit den Daten!

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<![CDATA[Trinken wir Mikroplastik?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/trinken-wir-mikroplastik/Thu, 26 Jul 2018 08:12:00 +0200

Gerade in diesen heißen Sommertagen greift man häufig dazu: die eiskalte Flasche Mineralwasser. Doch was ist, wenn Mineralwasser – egal ob in Plastik- oder Glasflasche – winzige Plastikpartikel enthält, die wir mit dem bloßen Auge nicht sehen können?

Eine dem Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen unterstellte Behörde hat Ende 2017 eine Studie veröffentlicht, in der Mikroplastik-Partikel in Mineralwasser nachgewiesen wurden. Jedoch nennt das Ministerium auf Nachfrage von uns keine Hersteller- oder Produktnamen. Dabei ist es das Mindeste, dass Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren, in welchen Produkten Mikroplastik enthalten ist.

Mikroplastik auch in Meeresfrüchten und Salz

Zahlreiche Studien wiesen in den letzten Jahren nach, dass Lebensmittel winzige Plastikpartikel und -fasern enthalten, wie etwa Meeresfrüchten oder Meersalz „Fleur de Sel“. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) hat in einer Kooperation mit der Universität Münster in einer Laboranalyse von November 2017 nun auch in Mineralwasser Mikroplastik nachgewiesen. Getestet wurden dabei 38 Produkte, darunter sowohl Plastik- als auch Glasflaschen. Besonders hoch waren die Werte bei Wasser aus Mehrweg-Plastikflaschen. Doch auch in einigen Mineralwässern in Glasflaschen war eine erhöhte Zahl an Mikroplastik-Partikeln enthalten.

foodwatch hatte im Februar 2018 einen Antrag auf Herausgabe der Herstellernamen unter Berufung auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) gestellt. Doch das Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen lehnte den Antrag ab, unter anderem weil die betroffenen Analysen im Rahmen eines laufenden Promotionsverfahrens durchgeführt wurden.

„Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium stellt Wirtschaftsinteressen über Verbraucherinteressen, wenn es die Namen der Mineralwasser-Marken, die mit Mikroplastik belastet sind, geheim hält“, kritisierte Sophie Unger von foodwatch. „Wenn eine staatliche Behörde Tests durchführt, haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein Recht darauf, die Ergebnisse zu erfahren. Die Menschen wollen wissen, welche Wässer Mikroplastik enthalten. Doch dazu müssen erstmal alle Fakten auf Tisch. Besonders bei einem Lebensmittel wie Mineralwasser, das Viele jeden Tag in großen Mengen konsumieren.“

Sophie Unger, Campaignerin bei foodwatch

Risiken unklar

Ob Mikroplastik gesundheitliche Schäden hervorrufen kann, ist derzeit noch völlig unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzehr von Mikroplastik Entzündungen beim Menschen hervorrufen könnte. Obwohl die zuständigen Behörden – das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) – schon seit Jahren zu dem Thema arbeiten, gibt es bislang keine Risikobewertung zu Mikroplastik. Das liegt laut BfR daran, dass es bislang zu wenig belastbare Daten zu Mikroplastik in Lebensmitteln gibt. Trotzdem hat das BfR foodwatch gegenüber im Hinblick auf die Studie aus Nordrhein-Westfalen angegeben, dass „nach dem derzeitigen Stand der Kenntnis kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher angenommen“ werde.

Das heißt also: Einerseits kann das BfR keine gesundheitliche Bewertung von Mikroplastik in Lebensmitteln vornehmen, da hierfür die Daten fehlen – andererseits nimmt sie an, dass durch die Funde im Mineralwasser kein Risiko bestehe. Ja, was denn nun? Das BfR muss endlich Tacheles reden. Wir brauchen eine richtige Risikobewertung und keine Mutmaßungen. Wenn die Daten fehlen, müssen sie erhoben werden!

Wir wollen es wissen!

Möchten Sie auch wissen, in welchen Mineralwässern Mikroplastik enthalten ist? Dann wenden Sie sich hier an das Verbraucherministerium NRW und fordern Sie die Veröffentlichung der Herstellernamen und Produkte!

Mikroplastik in Mineralwasser - wir wollen wissen wo!
Mikroplastik in Mineralwässern gefunden! Doch bei welchen Marken, möchte uns das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen nicht sagen. Und das bei einem Lebensmittel, das viele von uns tagtäglich konsumieren. Wir fordern: Her mit den Daten!

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<![CDATA[Rückruf: Listerien in Tiefkühlgemüse]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-listerien-in-tiefkuehlgemuese/Fri, 06 Jul 2018 13:38:00 +0200

Der Hersteller Greenyard Frozen Belgium ruft bei Lidl verkauftes Tiefkühl-Gemüse zurück, betroffen sind alle Haltbarkeitsdaten. Das Gemüse kann mit Listerien verunreinigt sein, die schwere Magen-Darm-Erkrankungen verursachen können.

Der betroffene „Freshona Gemüsemix“ wurde bundesweit bei Lidl verkauft, aller Haltbarkeitsdaten werden zurückgerufen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Produkt mit Listeria monocytogenes verunreinigt ist. Dieser Erreger kann neben den Symptomen eines grippalen Infekts auch schwere Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen. 

Insbesondere Kleinkinder und Schwangere sind gefährdet

Lidl warnt, dass insbesondere bei „bestimmten Personengruppen (Schwangeren, kleineren Kindern, älteren Menschen und Immungeschwächten) [...] sehr ernste Krankheitsverläufe auftreten“ können. Verbraucher, die das Produkt gekauft haben, werden gebeten, es nicht zu verzehren und es an den Discounter zurückzugeben.

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Abstimmung zu Quecksilber-Grenzwerten verschoben]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/quecksilber-in-fisch/aktuelle-nachrichten/abstimmung-zu-quecksilber-grenzwerten-verschoben/Fri, 29 Jun 2018 12:08:00 +0200

Es ist ein Hin und Her: Nach unserem Protest gegen die geplante Lockerung der Quecksilber-Grenzwerte für Fisch, sah es zunächst so aus als würden die Grenzwerte – zumindest vorerst – nicht angehoben werden. Nun wurde die Abstimmung zum Thema jedoch verschoben und es soll in der EU-Kommission wieder Debatten dazu geben. Der Protest gegen eine Erhöhung der Grenzwerte muss weitergehen.

Über 50.000 Menschen in Deutschland und den Niederlanden haben sich bisher an unserem Protest gegen die Lockerung der Quecksilbergrenzwerte beteiligt. Und bislang sah es auch nach einem Erfolg für uns aus: In einem Gesetzesentwurf der Europäischen Kommission stand, dass die Grenzwerte nicht erhöht werden sollten. Nachdem die Abstimmung verschoben wurde, soll es nun auch wieder Debatten in der Kommission zum Thema geben. Das lässt befürchten, dass sich die Befürworter eines höheren Grenzwerts doch noch durchsetzen können. 

Hauptsächlich Raubfische mit Quecksilber belastet

Quecksilber gerät durch Kohlekraftwerke in großen Mengen in die Luft und somit in Weltmeere und Gewässer. Dort wandelt es sich in das 100-mal giftigere Methyl-Quecksilber um und wird von Fischen aufgenommen. Besonders Raubfische, wie Schwert- und Thunfische, sind hoch belastet. Sie stehen am Ende der Nahrungskette und verspeisen im Laufe ihres Lebens viele kleine, belastete Fische. Der Verzehr dieser Fische stellt für den Menschen ein gesundheitliches Risiko dar, Quecksilber kann die Entwicklung von Föten schädigen und auch bei Erwachsenen zu Nervenschäden führen und das Immunsystem angreifen. Nicht umsonst warnt die Bundesregierung Schwangere vor dem Verzehr einiger Fischsorten wie Aal, Heilbutt oder eben Schwert- und Thunfisch. 

Hintergrund der Entscheidung: Wirtschaftliche Interessen

Warum also die Grenzwerte lockern? Vor allem aus wirtschaftspolitischen Gründen! Der im Moment geltende Quecksilber-Grenzwert für größere Raubfische von einem Milligramm pro Kilogramm Fisch führt dazu, dass die Hälfte der Fische nicht verkauft werden darf, da sie zu hoch belastet sind. Die Idee, die im Raum steht: Man verdoppelt diesen Grenzwert einfach auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch – und schon dürfen die meisten Fische legal verkauft werden. 

Gegen diese Pläne der EU protestierten viele Verbraucherinnen und Verbraucher und der Erfolg schien schon zum Greifen nahe: In einem neuen Entwurf für das Gesetz war von einer Erhöhung der Grenzwerte keine Rede mehr. Doch anders als ursprünglich geplant, wurde im Juni noch nicht in der Expertengruppe abgestimmt und die Diskussionen über höhere Grenzwerte werden offenbar weiter geführt. Umso wichtiger ist unser Prostest jetzt. Lassen Sie und gemeinsam ein Zeichen setzen und unterschreiben Sie jetzt unsere E-Mail-Aktion an die EU-Kommission!

Grenzwerte für Quecksilber nicht lockern!
Die EU-Kommission diskutiert gerade erneut um die Grenzwerte für Quecksilber. Fordern Sie jetzt die Kommission auf: Die Grenzwerte dürfen keinesfalls gelockert werden! »

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<![CDATA[Werbung mit Coca-Cola und McDonald's: Kinderärzte kritisieren DFB]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/werbung-mit-coca-cola-und-mcdonald-s-kinderaerzte-kritisieren-dfb/Thu, 14 Jun 2018 10:38:00 +0200

Dass die Fußball-Weltmeisterschaft bevorsteht, ist in jedem Supermarkt zu erkennen. Viele Lebensmittelhersteller werben mit Fußball-Symbolen – überwiegend allerdings für ungesunde Produkte. Der Kinderärzteverband kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola.

Fußball-Nuggets, Kekse in Trikotform, die Mannschaftspackung Burger oder der Elferpack Bierdosen: Während die deutsche Mannschaft in Russland einen strengen Ernährungs- und Trainingsplan hat, stehen bei vielen Fans Bratwurst, Chips, Bier und viele Stunden vor dem Fernseher auf dem Programm. Wissenschaftler und Ärzte zeigen sich besorgt über mögliche Gesundheitsfolgen für WM-Zuschauer. So warnte die Medizinische Universität Wien davor, während der Spiele zu viele zuckerhaltige Getränke zu trinken. „An manchen Tagen finden drei Spiele statt. Da lassen sich mit Schorlen statt Limonaden und puren Säften viele Kalorien sparen“, rät die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Maria Wakolbinger. Sie empfiehlt, Softdrinks und Fruchtsäfte zumindest mit reichlich Wasser zu mischen.

Kinderärzte: DFB mitverantwortlich für Übergewicht bei Kindern

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola. Der Verband bezeichnete es als Skandal, dass der DFB sich in seiner Satzung zur Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung bekenne und sich gleichzeitig von den beiden Konzernen sponsern lasse. „Mit seinem Verhalten trägt der DFB mit dazu bei, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Übergewicht entwickeln, denn ein entscheidender Faktor für Übergewicht ist neben Bewegungsmangel zu fette und zu süße Ernährung“, sagte Verbandssprecher Josef Kahl. Auch die Brauerei Bitburger gehört zu den Premium-Partnern des DFB.


„McDonald's und Coca-Cola engagieren sich in karitativen Projekten sowie breitensportlichen Initiativen um Aufklärung zum Thema Ernährung und Bewegung“, erklärte der DFB zu der Kritik an seinen Sponsoren. „So ist McDonald's Förderer des DFB-Fußball-Abzeichens und unterstützt so die Bewegung von Kindern und Jugendlichen.“ Der Genuss eines Hamburgers mit Salat und Orangensaft stelle zudem nach ökotrophologischen Empfehlungen keine Fehlernährung dar.

„Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es natürlich nicht sinnvoll, dass die ungesunden Snacks als besonders WM-tauglich beworben werden“, sagte Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Letztlich komme es aber während der vier WM-Wochen auf das richtige Maß an.

(mit dpa)

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<![CDATA[Werbung mit Coca-Cola und McDonald's: Kinderärzte kritisieren DFB]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/werbung-mit-coca-cola-und-mcdonald-s-kinderaerzte-kritisieren-dfb/Thu, 14 Jun 2018 10:38:00 +0200

Dass die Fußball-Weltmeisterschaft bevorsteht, ist in jedem Supermarkt zu erkennen. Viele Lebensmittelhersteller werben mit Fußball-Symbolen – überwiegend allerdings für ungesunde Produkte. Der Kinderärzteverband kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola.

Fußball-Nuggets, Kekse in Trikotform, die Mannschaftspackung Burger oder der Elferpack Bierdosen: Während die deutsche Mannschaft in Russland einen strengen Ernährungs- und Trainingsplan hat, stehen bei vielen Fans Bratwurst, Chips, Bier und viele Stunden vor dem Fernseher auf dem Programm. Wissenschaftler und Ärzte zeigen sich besorgt über mögliche Gesundheitsfolgen für WM-Zuschauer. So warnte die Medizinische Universität Wien davor, während der Spiele zu viele zuckerhaltige Getränke zu trinken. „An manchen Tagen finden drei Spiele statt. Da lassen sich mit Schorlen statt Limonaden und puren Säften viele Kalorien sparen“, rät die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Maria Wakolbinger. Sie empfiehlt, Softdrinks und Fruchtsäfte zumindest mit reichlich Wasser zu mischen.

Kinderärzte: DFB mitverantwortlich für Übergewicht bei Kindern

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola. Der Verband bezeichnete es als Skandal, dass der DFB sich in seiner Satzung zur Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung bekenne und sich gleichzeitig von den beiden Konzernen sponsern lasse. „Mit seinem Verhalten trägt der DFB mit dazu bei, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Übergewicht entwickeln, denn ein entscheidender Faktor für Übergewicht ist neben Bewegungsmangel zu fette und zu süße Ernährung“, sagte Verbandssprecher Josef Kahl. Auch die Brauerei Bitburger gehört zu den Premium-Partnern des DFB.


„McDonald's und Coca-Cola engagieren sich in karitativen Projekten sowie breitensportlichen Initiativen um Aufklärung zum Thema Ernährung und Bewegung“, erklärte der DFB zu der Kritik an seinen Sponsoren. „So ist McDonald's Förderer des DFB-Fußball-Abzeichens und unterstützt so die Bewegung von Kindern und Jugendlichen.“ Der Genuss eines Hamburgers mit Salat und Orangensaft stelle zudem nach ökotrophologischen Empfehlungen keine Fehlernährung dar.

„Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es natürlich nicht sinnvoll, dass die ungesunden Snacks als besonders WM-tauglich beworben werden“, sagte Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Letztlich komme es aber während der vier WM-Wochen auf das richtige Maß an.

(mit dpa)

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<![CDATA[Debatte um Jugendschutz bei Energy Drinks]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/energy-drinks/aktuelle-nachrichten/debatte-um-jugendschutz-bei-energy-drinks/Fri, 08 Jun 2018 10:38:00 +0200

Es kommt Bewegung in die politische Debatte um eine Altersbeschränkung beim Verkauf von Energy Drinks. Während die SPD-Gesundheitspolitikerin Ursula Schulte ein Verkaufsverbot an Kinder und Jugendliche vorschlug, wies Gitta Connemann (CDU) diesen Vorschlag zurück. 

„Eine Altersbeschränkung muss es auch in Deutschland geben“, erklärte Schulte in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung. Sie verwies auf Großbritannien, wo einige Handelsketten, darunter auch die deutschen Unternehmen Aldi Süd und Lidl, den Verkauf an Jugendliche unter 16 Jahren bereits gestoppt haben. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützte den Vorstoß. Medizinerinnen und Mediziner warnen bereits seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren durch Energy Drinks, gerade bei jungen Menschen.

CDU gegen Altersbeschränkung bei Energy Drinks

Die Vizevorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion konterte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): „Verbote sind keine Antwort. Im Gegenteil: Diese erhöhen den Reiz. Was käme dann als nächstes? Kaffee, Cola, Burger oder Chips?“ Connemann erklärte außerdem, dass die europäischen Vorgaben für Energy Drinks 2014 mit Grenzwerten und Warnhinweisen weiter verschärft worden seien.

Warnhinweise reichen nicht

Dabei reichen Grenzwerte und Warnhinweise auf den Dosen nicht aus. Gerade Kinder und Jugendliche konsumieren immer wieder viel zu viel von den süßen Wachmachern. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) konsumieren 68 Prozent der Jugendlichen in der EU Energy Drinks. Und dabei bleibt es nicht nur bei einer Dose: Jeder vierte jugendliche Konsument trinkt drei oder mehr Dosen auf einmal. Damit überschreiten sie sogar die für Erwachsene empfohlene Maximaldosis Koffein von 200 Milligramm – entgegen den Warnhinweisen auf der Dose.

Bundesregierung muss handeln

Als bekannt wurde, dass Lidl und Aldi Süd in Großbritannien künftig keine Energy Drinks mehr an unter 16-Jährige verkaufen, startete foodwatch eine Protestaktion. Zehntausende Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligten sich an der E-Mail-Aktion und forderten die Discounter auf in Deutschland mit einer Altersbeschränkung nachzuziehen. Doch die Unternehmen bleiben stur. Zeit also, dass die Bundesregierung endlich handelt und den Jugendschutz nicht den Discountern überlässt. 

(mit dpa)

Keine Energy Drinks für Kinder!
Energy Drinks stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen und sogar Todesfälle zu verursachen. Sie dürfen nicht an Minderjährige verkauft werden! Jetzt unterzeichnen! >>

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<![CDATA[Rückruf: Ehec-Bakterien in Käse]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-ehec-bakterien-in-kaese/Wed, 23 May 2018 09:44:00 +0200

Die französische Firma Les Fromageries Occitanes ruft nach einem Ehec-Fund einen bundesweit verkauften Roquefort-Käse zurück. EHEC-Bakterien können zu Durchfall und Bauchkrämpfen bis hin zu Nierenversagen führen. 

Betroffen ist der „Roquefort AOP Cantorel 1,4 kg“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 30.6.2018, der Losnummer/Charge HH1261 und dem Identitätskennzeichen FR 12.203.022 CE.

Bei dieser Charge seien Shigatoxin-produzierende E.-coli-Bakterien (Ehec) nachgewiesen worden, teilte der Hersteller mit. Der Artikel sei bundesweit im sogenannten Offenverkauf, also an der Käsetheke, verkauft worden. 

Insbesondere Kleinkinder sind gefährdet

Unter Berufung auf das Robert-Koch-Institut hieß es von dem Unternehmen, eine Ehec-Erkrankung äußere sich meist innerhalb einer Woche nach der Infektion mit Durchfall und Bauchkrämpfen: „Insbesondere Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem können schwerere Krankheitsverläufe mit blutigen Durchfällen entwickeln. Selten kann es, vor allem bei Kleinkindern, in einem zweiten Krankheitsschub einige Tage nach Einsetzen des Durchfalls zu einem akuten Nierenversagen kommen.“

Verbraucher, die dieses Produkt gekauft haben, werden gebeten, es nicht zu verzehren und es an das Einkaufsgeschäft zurückzubringen. 

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Umfrage: Mehrheit für Limo-Steuer!]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/umfrage-mehrheit-fuer-limo-steuer/Tue, 15 May 2018 17:30:00 +0200

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland spricht sich für eine „Limo-Steuer“ aus. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von foodwatch ergab, dass 52 Prozent der Befragten eine Steuer auf überzuckerte Getränke befürworten. Bei der gleichen Umfrage vor zwei Jahren lag die Zustimmung noch bei lediglich 45 Prozent. foodwatch forderte die Bundesregierung auf, eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild einzuführen.

Anfang Mai hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte sowie ein Bündnis aus Fachgesellschaften und Krankenkassen die Bundesregierung aufgefordert, gegen Fehlernährung vorzugehen. Die Gesundheitsexperten forderten verbindliche Maßnahmen, darunter eine Steuer auf gesüßte Getränke sowie eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben und eine Einschränkung bei an Kinder gerichteter Werbung. Die Bundesregierung lehnt das bisher ab.

„Anstatt die Interessen der Getränke- und Zuckerindustrie zu schützen, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich auf die Ärztinnen und Ärzte in diesem Land hören: Wir brauchen eine Limo-Steuer, damit die Hersteller weniger Zucker in die sogenannten Erfrischungsgetränke kippen. Außerdem eine Ampelkennzeichnung, besseres Schul- und Kita-Essen sowie Beschränkungen der Kinderwerbung. Freiwillige Empfehlungen an die Ernährungswirtschaft, wie von der Regierung geplant, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Mehr Zustimmung zur Limo-Steuer als 2016

Für die aktuelle Erhebung befragte YouGov mehr als 2.000 Erwachsene, ob sie „eine Steuer auf besonders stark zuckerhaltige Getränke befürworten oder ablehnen“ würden. 28 Prozent gaben an, eine Steuer „voll und ganz“ zu befürworten, 24 Prozent sie „eher“ zu befürworten. 19 Prozent der Befragten lehnten eine Limosteuer „eher“ ab und 22 Prozent lehnten sie „ganz und gar“ ab. Mit diesem Ergebnis ist die Zustimmung mit zusammengenommen 52 Prozent deutlich höher als noch vor zwei Jahren: 2016 befürworteten die Maßnahme lediglich 45 Prozent der Befragten. Damals war foodwatch nicht Auftraggeber der Umfrage. Für die aktuelle Umfrage wurden Fragestellung und Erhebungsmethodik von der Umfrage aus dem Jahr 2016 unverändert übernommen.

Zuckerabgabe in Großbritannien wirkt

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gelten zuckergesüßte Getränke als eine Hauptursache für Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes. Zahlreiche Regierungen wie zum Beispiel in Großbritannien, Frankreich, Irland, Berkeley (USA) oder Mexiko haben bereits eine Sondersteuer oder -abgabe auf überzuckerte Getränke beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich senkten. In Berkeley oder auch Mexiko ging der Konsum der besteuerten Produkte zurück, der Konsum von Wasser nahm hingegen zu.

Anteil adipöser Kinder und Jugendlicher seit 1980er Jahren verdoppelt

Nach Angaben des Robert-Koch-Institus gelten 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als übergewichtig oder adipös. Damit hat der Anteil übergewichtiger Kinder im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren zugenommen, der Anteil adipöser Kinder hat sich verdoppelt. In den letzten zehn Jahren sind die Zahlen nicht weiter angestiegen, haben sich jedoch auf diesem hohen Niveau stabilisiert. Bei Erwachsenen gelten 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als übergewichtig sowie 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen als adipös. Besorgniserregend sind auch die Zahlen der Diabetes-Erkrankungen: In Deutschland leben derzeit 6,7 Millionen Menschen mit Diabetes - eine Steigerung um etwa 38 Prozent seit Beginn des Jahrtausends, altersbereinigt um etwa 24 Prozent.

Limo-Steuer: Jetzt Aktion unterzeichnen!

Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet eine Herstellerabgabe auf zuckrige Erfrischungsgetränke – machen Sie jetzt mit und unterstützen unsere Aktion an Gesundheitsminister Jens Spahn!

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<![CDATA[Sauberes Wasser für Sangerhausen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/uran-im-wasser/aktuelle-nachrichten/sauberes-wasser-fuer-sangerhausen/Tue, 15 May 2018 16:02:00 +0200

Sicheres Wasser – das sollte in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber nicht überall: In Sangerhausen zum Beispiel, einer kleinen Stadt im Harz, ist das Trinkwasser stark mit Uran, Nitrat und Sulfat belastet. Jahrelang warteten die Einwohnerinnen und Einwohner auf eine Leitung, die Trinkwasser aus einem nahegelegenen Stausee pumpt. Gemeinsam mit einer Bürgerinitiative machte foodwatch Druck bei dem lokalen Wasserverband. Mit Erfolg: Der Bau der Leitung hat begonnen, Ende September soll endlich sicheres Wasser fließen.

Es ist ein toller Erfolg: Mehr als 26.000 Menschen hatten sich innerhalb weniger Wochen an einer E-Mail-Aktion von foodwatch beteiligt, die den Wasserverband aufforderte, endlich einen verbindlichen Zeitplan für den Bau der Anschlussleitung vorzulegen. Und der Wasserverband reagierte: Nachdem zuvor jahrelang der Bau verzögert worden war, starteten Ende 2017 endlich die Bauarbeiten. Im September 2018 soll nun sauberes Wasser nach Sangerhausen fließen.

Problem seit vielen Jahren bekannt

Dass das Trinkwasser im Landkreis Mansfeld-Südharz mit Uran belastet ist, ist seit vielen Jahren bekannt. Besonders betroffen ist die Stadt Sangerhausen, denn hier kommen sowohl Uran als auch Nitrat und Sulfat vor. Die Substanzen sind für jede für sich genommen bereits stark gesundheitsgefährdend – Wechselwirkungen verstärken die Gesundheitsgefahr zusätzlich. Gefährdet sind insbesondere Säuglinge und Kleinkinder.

Lösung für Belastung jahrelang verzögert

Die Lösung für sauberes Wasser war ebenfalls schon jahrelang bekannt: Ein Anschluss an die Fernwasserleitung, um die Stadt mit ihren 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit sauberem Wasser zu versorgen. Dafür sind gerade einmal acht Kilometer Leitung nötig. Bereits 2013 hatte sich der Stadtrat für den Bau dieser Leitung ausgesprochen, nur ein Jahr später stellte die Landesregierung drei Millionen Euro für den Bau bereit. Dennoch verzögerte der örtliche Wasserverband den Baubeginn immer wieder. 

Gesetzlicher Grenzwert ist zu hoch

Doch nicht nur im Südharz besteht das Problem: foodwatch deckte bereits 2008 auf, dass Trink- und Mineralwasser in Deutschland teilweise mit Uran belastet ist. Uran ist ein radioaktives und toxisches Schwermetall. Es ist allerdings nicht aufgrund seiner – ohnehin relativ geringen – Strahlung für den Menschen gefährlich, sondern aufgrund seiner chemischen Giftigkeit: In einer hohen Dosis über einen längeren Zeitraum aufgenommen, kann es dauerhaft Blut, Knochen und Nieren schädigen. Seit 2011 gilt für Trinkwasser ein Uran-Grenzwert. Dieser ist jedoch so hoch angesetzt, dass zwar Erwachsene, nicht aber Säuglinge und Kleinkinder ausreichend geschützt werden. Und für Mineralwasser in Flaschen fehlt ein Grenzwert bisher völlig.

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<![CDATA[2.000 Ärzte fordern Maßnahmen gegen Fehlernährung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/2000-aerzte-fordern-massnahmen-gegen-fehlernaehrung/Wed, 02 May 2018 10:15:00 +0200

Mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte fordern von der Bundesregierung wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung. Es sei höchste Zeit, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die zuständigen Ministerinnen und Minister „ernst machen“ mit der Prävention von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten, heißt es in einem Offenen Brief, den ein breites Bündnis aus 15 Ärzteverbänden, Fachorganisationen und Krankenkassen unterstützt. 

In dem Offenen Brief fordern die mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte vier konkrete Maßnahmen gegen Fehlernährung: Eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung in Form einer Nährwert-Ampel, Beschränkungen der an Kinder gerichteten Lebensmittelwerbung, verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung sowie steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln – etwa durch eine Sonderabgabe auf gesüßte Getränke. Unter den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern sind allein mehr als 1.300 Kinder- und Jugendärzte, 222 Diabetologen und 58 Professoren der Medizin.

Breites Bündnis fordert Bundesregierung zum Handeln auf

Den Offenen Brief stellte foodwatch gemeinsam mit anderen Organisationen am heutigen Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Berlin vor. Die Unterschriftenaktion hatte foodwatch, die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) ins Leben gerufen. Zahlreiche Fachorganisationen haben sich angeschlossen: die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin, die Deutsche Adipositas Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, die Deutsche Herzstiftung, die Diakonie Deutschland, die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin, die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, die Bundesvertretung der Medizinstudierenden, der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe, der AOK-Bundesverband und die Techniker Krankenkasse.

Eckart von Hirschhausen

„Vermisst jemand von Ihnen in Restaurants die Raucher? Ich nicht. Ging das Abendland unter? Oder die freie Wirtschaft? Nein. Klare gesetzliche Rahmenbedingungen zur Prävention helfen uns allen, gesünder zu bleiben. Seit Jahren wird politisch gestritten und privat zugenommen. Gesundheit ist ein Mix aus Eigenverantwortung, Aufklärung und gesellschaftlichen Regeln. Deshalb ist es höchste Zeit für wirksame Zuckersteuer, konsequente Werbeverbote und eine sinnliche und humorvolle Vermittlung von Gesundheitskompetenz in den Schulen. Zucker-Getränke sind keine Durstlöscher, sondern Dickmacher. Wenn nur noch halb so viel Zucker in Limonade drin ist, bleibt sie immer noch süß. Und niemand wird etwas vermissen. Wetten?“

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Wissenschaftsjournalist

Übergewicht und Fettleibigkeit: Besorgniserregende Zahlen 

Laut Robert-Koch-Institut gelten 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland als übergewichtig oder adipös. Im Vergleich zu den 1980er- und 1990er-Jahren hatte der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent zugenommen, der Anteil adipöser Kinder hatte sich verdoppelt. Im letzten Jahrzehnt sind diese Zahlen nicht weiter angestiegen, haben sich jedoch auf dem hohen Niveau stabilisiert. Bei Erwachsenen gelten 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als übergewichtig sowie 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen als adipös. Besorgniserregend sind auch die Zahlen der Diabetes-Erkrankungen: In Deutschland leben derzeit 6,7 Millionen Menschen mit Diabetes – eine Steigerung um etwa 38 Prozent seit Beginn des Jahrtausends, altersbereinigt um etwa 24 Prozent.

Dietrich Garlichs

„Den Tsunami der Lebensstilerkrankungen kann man nicht mit kosmetischen Maßnahmen stoppen. Die Bundesregierung sollte endlich umsetzen, was Weltgesundheitsorganisation und Fachleute seit Jahren fordern: Die gesunde Wahl muss zur einfachen Wahl werden. Dazu gehören eine verständliche Lebensmittel-Ampel und eine Abgabe auf gesüßte Getränke“

Dietrich Garlichs, Beauftragter des Vorstands der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)

Dass die „Kehrtwende in der Adipositas-Epidemie“ nicht mithilfe „freiwilliger Selbstverpflichtungen der Lebensmittelwirtschaft“ gelingen werde, zeige etwa die „Erfahrung beim Thema an Kinder gerichtete Werbung“, erklärten die Autorinnen und Autoren des Offenen Briefs. Die von der Bundesregierung geplante Strategie zur freiwilligen Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln sei „zwar begrüßenswert“, der zu erwartende Effekt jedoch „sehr begrenzt“.

Limo-Steuer jetzt: mitmachen und unterschreiben!

Der Offene Brief ist zwar schon auf dem Weg zur Bundesregierung. Aber wir schreiben weiter an Gesundheitsminister Jens Spahn. Machen Sie mit bei unserer E-Mail-Aktion!


Bild: fotolia.com/BillionPhotos.com

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<![CDATA[Livestream der Pressekonferenz: Ärzte gegen Fehlernährung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/livestream-der-pressekonferenz-aerzte-gegen-fehlernaehrung/Wed, 02 May 2018 10:00:00 +0200

Ein Bündnis aus 15 Ärzteverbänden, Krankenkassen und Fachorganisationen und der bekannte „TV-Arzt“ Eckart von Hirschhausen fordern in einem Offenen Brief an die Bundesregierung und Kanzlerin Merkel konkrete Maßnahmen gegen Fehlernährung. Zahlreiche Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland haben sich dem Aufruf mit ihrer Unterschrift angeschlossen. Auf einer Pressekonferenz will das Bündnis die politischen Forderungen näher erläutern und die Gesamtzahl der Unterschriften verkünden. 

Livestream hier:

PERISCOPE DIREKT

Zweiter Teil der Pressekonferenz:

Erster Teil der Pressekonferenz:

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<![CDATA[Rückruf: Salamisticks von Wilhelm Brandenburg (Rewe) und Marten (Aldi Süd)]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-salamisticks-von-wilhelm-brandenburg-rewe-und-marten-aldi-sued/Wed, 25 Apr 2018 10:01:00 +0200

Die Zur Mühlen Gruppe Markenvertriebs GmbH ruft zwei Geflügelsalami-Produkte aus dem Sortiment von Aldi Süd und Rewe zurück. Grund: Bei Labor-Kontrollen wurden vereinzelt Salmonellen festgestellt. Die betroffen Produkte sollten deshalb nicht verzehrt werden.

Das Unternehmen hat - laut eigenen Angaben - umgehend reagiert und die betroffenen Artikel aus dem Verkauf nehmen lassen. 

Betroffen vom Rückruf sind folgende Produkte:

  • Die "Wilhelm Brandenburg - Geflügelsalami Sticks mit Pflanzenfett, luftgetrocknet, mit Edelschimmel, 90g" mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 05.06.2018, vertrieben bei REWE.
  • Die "Marten Salametti Minisalamis-Geflügel, 100g" (hergestellt von Gütersloher Fleischwaren Vertriebs GmbH & Co.KG) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.05.2018 und 18.05.2018. Vertrieben werden sie in Teilen des ALDI Süd-Gebietes.

Die zur Mühlen Gruppe warnt: "Der Verzehr von mit Salmonella-Bakterien belasteten Lebensmitteln kann unter anderem Unwohlsein, Durchfall, evtl. Erbrechen, Fieber, sowie Kopfweh auslösen." Das Unternehmen empfiehlt Personen, die schwere oder anhaltende Symptome entwickeln und dieses Lebensmittel gegessen haben, umgehend einen Arzt aufzusuchen.

Die Kunden können betroffenen Produkte gegen Erstattung des Kaufpreises im jeweiligen Markt zurückgeben.

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Aldi und Lidl: Keine Altersgrenze für Energy Drinks]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/energy-drinks/aktuelle-nachrichten/aldi-und-lidl-keine-altersgrenze-fuer-energy-drinks/Mon, 23 Apr 2018 13:49:00 +0200

In Großbritannien verkaufen Aldi Süd und Lidl keine Energy Drinks mehr an Kinder und Jugendliche. In Deutschland wollen die Discounter jedoch keine Altersbeschränkung für die gefährlichen Wachmacher einführen. In einer E-Mail-Aktion hatte foodwatch die Unternehmen aufgefordert, diese Doppelstandards zu beenden und auch hier eine Altersbegrenzung einzuführen. Aldi und Lidl bleiben aber stur. Jetzt muss endlich die Bundesregierung handeln!

Medizinerinnen und Mediziner warnen seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren von Energy Drinks, gerade für junge Menschen. Die Getränke können Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen verursachen. Sogar Todesfälle werden mit ihnen in Verbindung gebracht. Um so stärker ist die Initiative von Aldi Süd und Lidl in Großbritanninen: Seit dem 1. März 2018 verkaufen die Discounter keine Energy Drinks mehr an unter 16-Jährige. In den letzten Jahren hatten bereits Litauen und Lettland eine Altersgrenze für die Wachmacher eingeführt.

Jeder vierte Jugendliche trinkt zu viel

Denn gerade bei Kindern und Jugendlichen sind die süßen Wachmacher beliebt. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit konsumieren 68 Prozent der Jugendlichen in der EU Energy Drinks. Und dabei bleibt es nicht nur bei einer Dose: Jeder vierte jugendliche Konsument trinkt drei oder mehr Dosen auf einmal. Damit überschreiten sie sogar die für Erwachsene empfohlene Maximaldosis Koffein von 200 Milligramm. 

Bundesregierung muss endlich handeln

Zehntausende Verbraucherinnen und Verbraucher haben mit foodwatch protestiert und Aldi Süd und Lidl aufgefordert, auch in Deutschland keine Energy Drinks mehr an Kinder zu verkaufen. Doch die Discounter bleiben stur. Während Lidl gar nicht auf unsere Aktion antwortete, teilte Aldi Süd foodwatch mit: „Beim Verkauf von Energy Drinks sieht unsere Unternehmensgruppe in Deutschland aktuell keine Altersbeschränkung vor. Pläne, eine solche einzuführen, gibt es derzeit nicht.“

Wir finden: Nun muss die Bundesregierung endlich etwas tun! Der Jugendschutz darf nicht von den Discountern abhängig sein, sondern muss endlich gesetzlich geregelt werden. Ernährungsministerin Julia Klöckner muss Kinder und Jugendliche vor den gefährlichen Wachmachern schützen. Unterstützen Sie deshalb jetzt unsere Aktion an die Ministerin und fordern Sie Frau Klöckner auf, endlich zu handeln!

(Copyright: Adobe Stock: pete pahham/stock.adobe.com, Montage: Iris Kaschl/foodwatch)

Keine Energy Drinks für Kinder!
Energy Drinks stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen und sogar Todesfälle zu verursachen. Sie dürfen nicht an Minderjährige verkauft werden! Jetzt unterzeichnen! >>

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<![CDATA[Riskantes Pestizid: Zulassung für Glufosinat läuft aus]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/glyphosat/aktuelle-nachrichten/riskantes-pestizid-zulassung-fuer-glufosinat-laeuft-aus/Thu, 19 Apr 2018 14:45:00 +0200

Seltener eingesetzt als Glyphosat, aber noch bedenklicher: Glufosinat gilt als hochgefährlich. 2019 wird mit dem Einsatz des Herbizid-Wirkostoffs in der EU endlich Schluss sein. foodwatch-Recherchen zufolge wird es keine neue Zulassung von Glufosinat geben.

Selten ist die Einschätzung so eindeutig: Sowohl die Bundesregierung als auch die Europäische Kommission stufen Glufosinat als „reproduktionstoxisch“ ein. Dennoch ist der in Herbiziden (Unkrautvernichtungsmitteln) eingesetzte Wirkstoff noch bis zum 31. Juli 2018 in der Europäischen Union zugelassen.

Bereits 2014 hatte Bayer CropScience zudem eine Erneuerung der Zulassung beantragt – wie beim Neuzulassungsverfahren für den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat war Deutschland als Berichterstatter eingesetzt, hatte also erneut die zentrale Rolle bei der Risikobewertung. Doch inzwischen steht der Status des Antrags auf „withdrawn“, zurückgezogen. Eine Sprecherin des deutschen Konzerns bestätigte foodwatch: „Bayer hat im Dezember 2017 seinen Antrag auf erneute Zulassung des Wirkstoffs Glufosinat-Ammonium in der Europäischen Union […] zurückgezogen.“ Grund dafür seien „anhaltende regulatorische Unwägbarkeiten innerhalb der EU“ – was sich liest, als habe Bayer seine Entscheidung getroffen, um einer Ablehnung zuvor zu kommen.

Einsatz in Deutschland bereits seit 2017 verboten

„Konkret bedeutet dies, dass die Wirkstoffgenehmigung am 31.7.2018 endgültig ausläuft“, ergänzte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ergänzte in einer Mail an foodwatch. Nach einer Übergangsfrist für die Nutzung von Restbeständen darf Glufosinat demnach spätestens ab Mitte 2019 an nicht weiter in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

In Deutschland war die Anwendung von Glufosinat bereits seit dem vergangenen Jahr Geschichte. Denn anders als die Wirkstoffe (Glufosinat) müssen die anwendungsfertigen Präparate nicht von den EU-Behörden, sondern nationalstaatlich zugelassen werden. Die Zulassung des einzig relevanten glufosinathaltigen Mittels – Bayers „Basta“ – lief in Deutschland Ende 2015 ohne Neuantrag aus, noch bis Mitte 2017 durften Restbestände aufgebraucht werden. Bereits 2013 war der Glufosinat-Einsatz EU-weit massiv eingeschränkt worden – weil Herstellerstudien „die Bedenken nicht entkräften“ konnten und ein Risiko für Säugetiere und Insekten „nicht ausgeschlossen werden“ könne, wie es beim BVL heißt. 2017 hatte zudem die französische Lebensmittelbehörde ANSES die Zulassung des Bayer-Mittels „Basta“ zurückgezogen. In anderen EU-Staaten blieb die Nutzung erlaubt – bei Ackerfrüchten, die im Binnenmarkt frei gehandelt werden dürfen.

Verkauf an BASF vereinbart

Auch der im Zuge der geplanten Monsanto-Übernahme durch Bayer bereits vereinbarte Verkauf des Glufosinat-Geschäfts an BASF wird an einem Auslaufen der Zulassung nichts ändern. Sollte BASF Glufosinat in der EU in Zukunft nutzen wollen, müsste das Unternehmen einen Neuantrag stellen – und ein voraussichtliches jahrelanges Verfahren abwarten. Da der Verkauf noch nicht vollzogen ist, wollte BASF keine Fragen zum Thema Glufosinat beantworten.

Das Problem sind die Zulassungsverfahren

Die Bayer-Sprecherin erklärte gegenüber foodwatch: „Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass Produkte, die Glufosinat-Ammonium enthalten, bei verantwortungsvoller sowie ordnungsgemäßer Anwendung gemäß der Gebrauchsanleitung für Mensch, Tier und Umwelt unbedenklich sind.“ Offenbar sehen das die für die Risikobewertung zuständigen Behörden anders.

Der Fall zeigt aus Sicht von foodwatch, wie problematisch die Zulassungsverfahren für Pestizide sind: Selbst bei konkreten Hinweisen auf Risiken für Mensch und Umwelt, können Wirkstoffe und Mittel noch zugelassen bleiben. Statt das Vorsorgeprinzip ernst zu nehmen, dauert es oft Jahre, bis riskante Substanzen in der Landwirtschaft gestoppt werden. Wenn überhaupt – siehe Glyphosat. Zwar streiten sich die Wissenschaftler hier über die Risiken. Doch solange bleibt der Wirkstoff einfach zugelassen.

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<![CDATA[Neue EU-Regeln gegen Acrylamid starten ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/acrylamid/aktuelle-nachrichten/neue-eu-regeln-gegen-acrylamid-starten/Tue, 10 Apr 2018 11:45:00 +0200

Knusprig und gerne etwas dunkler: So lieben viele Deutsche Pommes, Brot und Chips. Von diesem Mittwoch gelten für Produzenten allerdings neue Regeln für die Herstellung. Grund ist das als krebserregend eingestufte Acrylamid.

Lebensmittelhersteller sowie Restaurants und Imbissbetriebe müssen von diesem Mittwoch an neue EU-Regeln zur Eindämmung des als krebserregend geltenden Stoffes Acrylamid einhalten. Die Vorgaben sehen unter anderem vor, ein übermäßiges Frittieren von Pommes frites zu vermeiden und Brot möglichst hell zu backen. Zudem müssen Produkte künftig bereits so hergestellt werden, dass bei ihrer Zubereitung so wenig Acrylamid wie möglich entstehen kann.

Acrylamid erhöht Krebsrisiko

Acrylamid bildet sich unter hohen Temperaturen beim Rösten, Backen, Braten oder Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln aus der Aminosäure Asparagin und aus Zuckern. Betroffen sind vor allem Produkte auf Kartoffel- oder Getreidebasis sowie Kaffee. 

Die neuen Regeln wurden im vergangenen Jahr beschlossen, weil angemahnte freiwillige Maßnahmen zur Reduzierung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln nicht den erhofften Erfolg gebracht hatten. Ein Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte zuvor bestätigt, dass Acrylamid in Lebensmitteln das Krebsrisiko für Verbraucher aller Altersgruppen potenziell erhöht.

Behörden kontrollieren Umsetzung

Dass die neuen EU-Regeln ordnungsgemäß angewandt werden, müssen nun die deutschen Behörden sicherstellen. Die Kontrolle vor Ort übernehmen dabei in der Regel die lokalen Lebensmittelüberwachungs- oder Veterinärämter. Halten sich Unternehmen nicht an die Regeln, können ihre Produkte aus dem Verkehr gezogen werden. Ob die Verordnung Erfolg hat, soll in den kommenden Jahren anhand von Richtwerten überprüft werden. Sie sollen regelmäßig von der EU-Kommission überprüft werden.

Gastronomie skeptisch

In der deutschen Gastronomie stößt die neue Verordnung vor allem wegen zusätzlichen Nachweis- und Dokumentationspflichten auf Skepsis. Gesundheitsexperten wie der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese sind allerdings zufrieden. „Acrylamid ist nicht nur wesentlich gefährlicher als das aus dem Eier-Skandal bekannte Fipronil und das Pflanzenschutzmittel Glyphosat, sondern auch beispielsweise als Stickoxide, die im Moment die Diskussion um die Fahrverbote in Deutschland bestimmen“, kommentiert er zum Start der neuen Regeln. Wichtig sei es aber auch, die Bürger besser aufzuklären.

Auch in der eigenen Küche nicht zu heiß frittieren

„Ein großer Teil der Acrylamidbelastung entsteht durch selbst zubereitete Speisen“, sagt der gesundheitspolitischer Sprecher der EVP-Fraktion. Wer bei der Zubereitung von Toast, Pommes oder Bratkartoffeln bestimmte Regeln beachte, könne auch selbst etwas für seine Gesundheit tun.

Konkrete Tipps dafür haben die Verbraucherzentralen. Sie empfehlen beispielsweise die Frittierzeit von Kartoffelprodukten auf etwa 3,5 Minuten zu begrenzen und die Fritteuse auf höchstens 175 Grad Celsius einzustellen. Bei der Zubereitung im Backofen bestehe im Vergleich zum Frittieren eine größere Gefahr der Acrylamidbildung.

(dpa)

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<![CDATA[Coca-Cola mitverantwortlich für Fettleibigkeit und Diabetes]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/coca-cola-mitverantwortlich-fuer-fettleibigkeit-und-diabetes/Wed, 04 Apr 2018 10:03:00 +0200

Unverantwortlich: Mit millionenschweren Marketingkampagnen nimmt Coca-Cola Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier. Gleichzeitig versucht der Konzern durch gezielte Lobbyarbeit und gekaufte Wissenschaftler wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern zu verhindern – Methoden, wie wir sie von der Tabakindustrie kennen. Das zeigt der „Coca-Cola-Report“, den foodwatch heute in Berlin, direkt neben dem Firmensitz von Coca-Cola vorgestellt hat.

Ein starker Konsum zuckerhaltiger Getränke fördert nachweislich die Entstehung zahlreicher Krankheiten, dazu gehören Fettleibigkeit (Adipositas), Typ-2-Diabetes und Karies. Auch Erkrankungen wie Gicht, die nicht-alkoholische Fettleber und Herzkrankheiten werden mit dem Konsum von gesüßten Getränken in Zusammenhang gebracht. 

Eine Dose am Tag erhöht Risiko für Fettleibigeit und Diabetes

Anders als beispielsweise Süßwaren, bei denen „eine Handvoll“ als unproblematisch gilt, sind Zuckergetränke schon in vergleichsweise geringen Mengen gesundheitsgefährdend: Eine Dose am Tag erhöht das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit oder Typ-2-Diabetes. Zuckergetränke liefern nur „leere Kalorien“ ohne wichtige Nährstoffe und ohne eine entsprechende Sättigung zu verursachen, was zu einer überhöhten Kalorienaufnahme führt. Kinder und Jugendliche in Deutschland – vor allem Jungen – trinken deutlich mehr Zuckergetränke als empfohlen. 

Keine Werbung an Kinder? 

Coca-Cola erweckt durch eine Selbstverpflichtung den Eindruck, keine Werbung an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. Doch die Praxis sieht ganz anders aus, wie der neue foodwatch-Report zeigt. Ob mit Fußballstars in der Werbung und Aktionen wie dem Coca-Cola-Adventskalender oder der Weihnachtstruck-Tour: Coca-Cola spricht gezielt Kinder und Jugendlich an.

„Wenn das Horn tutet und der leuchtende Coca-Cola Weihnachtstruck um die Ecke biegt, geht der Traum vieler Kinder in Erfüllung.“

Coca-Cola Deutschland


Youtube-Stars werben für Coke

Der Konzern hat zudem gleich eine ganze Reihe von vor allem bei jungen Menschen beliebten Youtube-Stars für seine Marketing-Aktionen eingespannt: Neun der 20 meistabonnierten „Youtuber“ in Deutschland traten bereits in dem Konzern-eigenen Youtube-Kanal „CokeTV“ auf. Sie präsentieren beispielsweise als Moderatoren lustige Videospots, in Stil und Machart geschickt an die erfolgreichsten Jugendkanäle angelehnt – die Marke Coca-Cola wird darin immer gut in Szene gesetzt. Das meist geklickte Video auf dem deutschen Coca-Cola-Kanal wurde mehr als 2,3 Millionen Mal angeschaut.

Screenshot youtube.com/cokeTV (2018)

foodwatch fordert Coca-Cola auf, sein an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing zu stoppen und nicht länger beliebte Youtube- und Instagram-Stars („Influencer“) für Werbezwecke einzuspannen.


04.04.2018

Deshalb ist Coca-Cola mitverantwortlich für Diabetes und Fettleibigkeit

Fotogalerie (6 Bilder)

Coca-Cola finanzierte Zucker-Forschung

Coca-Cola engagiert sich auch auf politischer Ebene, um Zweifel an der gesundheitsschädlichen Wirkung von Zuckergetränken zu säen und eine effektive Regulierung der Produkte zu verhindern. Ein Beispiel: Coca-Cola finanzierte mit 1,5 Millionen US-Dollar eine vermeintlich unabhängige Forschungseinrichtung. Diese vertrat – ganz im Sinne von Coca-Cola – öffentlich die Position, nicht ungesunde Ernährung, sondern Bewegungsmangel sei das zentrale Problem für Übergewicht.

Oliver Huizinga, Leiter Recherchen und Kampagnen bei foodwatch

Coca-Cola versteht es wie kaum ein anderer Konzern, ein positives Image zu kreieren – auch und gerade bei jungen Menschen. Dabei sind die Zuckergetränke von Coca-Cola flüssige Krankmacher. Natürlich weiß wohl jedes Kind, dass Cola und Limo nicht gesund sind. Aber es geht nicht um ein bisschen zu viel Zucker – schon eine Dose am Tag fördert ernsthafte Krankheiten wie Diabetes. 

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch und Autor des „Coca-Cola-Report“

Unterschiedliche Studienergebnisse je nach Auftraggeber

Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit untersucht, ob Zuckergetränke und Übergewicht zusammenhängen. Dabei finden 80 Prozent der von der Lebensmittelindustrie finanzierten Studien heraus, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Konsum von Zuckergetränken – während 80 Prozent der unabhängig finanzierten Studien zu dem gegenteiligen Ergebnis kommen. Interne E-Mails von Coca-Cola zeigen, dass der Konzern vor allem eine politische Maßnahme besonders fürchtet: Sonderabgaben oder -steuern auf zuckergesüßte Getränke. In einem Strategiepapier des Konzerns  wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt. Der klare Auftrag: „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Herstellerabgabe für Zuckergetränke einführen!

foodwatch fordert die Politik auf, den Konflikt mit Weltkonzernen wie Coca-Cola und der einflussreichen Lobby nicht länger zu scheuen und endlich konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um der Epidemie ernährungsbedingter Krankheiten etwas entgegenzusetzen. So muss die Bundesregierung die Hersteller von stark überzuckerten Getränken verpflichten, eine Abgabe zu zahlen. Zahlreiche Länder wie Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien oder Mexiko haben eine solche Sondersteuer oder -abgabe beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten den Zuckergehalt ihrer Produkte senkten.

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<![CDATA[Coca-Cola mitverantwortlich für Fettleibigkeit und Diabetes]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/coca-cola-mitverantwortlich-fuer-fettleibigkeit-und-diabetes/Wed, 04 Apr 2018 10:03:00 +0200

Unverantwortlich: Mit millionenschweren Marketingkampagnen nimmt Coca-Cola Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ins Visier. Gleichzeitig versucht der Konzern durch gezielte Lobbyarbeit und gekaufte Wissenschaftler wirksame Regulierungen wie Werbeverbote oder Sondersteuern zu verhindern – Methoden, wie wir sie von der Tabakindustrie kennen. Das zeigt der „Coca-Cola-Report“, den foodwatch heute in Berlin, direkt neben dem Firmensitz von Coca-Cola vorgestellt hat.

Ein starker Konsum zuckerhaltiger Getränke fördert nachweislich die Entstehung zahlreicher Krankheiten, dazu gehören Fettleibigkeit (Adipositas), Typ-2-Diabetes und Karies. Auch Erkrankungen wie Gicht, die nicht-alkoholische Fettleber und Herzkrankheiten werden mit dem Konsum von gesüßten Getränken in Zusammenhang gebracht. 

Eine Dose am Tag erhöht Risiko für Fettleibigeit und Diabetes

Anders als beispielsweise Süßwaren, bei denen „eine Handvoll“ als unproblematisch gilt, sind Zuckergetränke schon in vergleichsweise geringen Mengen gesundheitsgefährdend: Eine Dose am Tag erhöht das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit oder Typ-2-Diabetes. Zuckergetränke liefern nur „leere Kalorien“ ohne wichtige Nährstoffe und ohne eine entsprechende Sättigung zu verursachen, was zu einer überhöhten Kalorienaufnahme führt. Kinder und Jugendliche in Deutschland – vor allem Jungen – trinken deutlich mehr Zuckergetränke als empfohlen. 

Keine Werbung an Kinder? 

Coca-Cola erweckt durch eine Selbstverpflichtung den Eindruck, keine Werbung an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. Doch die Praxis sieht ganz anders aus, wie der neue foodwatch-Report zeigt. Ob mit Fußballstars in der Werbung und Aktionen wie dem Coca-Cola-Adventskalender oder der Weihnachtstruck-Tour: Coca-Cola spricht gezielt Kinder und Jugendlich an.

„Wenn das Horn tutet und der leuchtende Coca-Cola Weihnachtstruck um die Ecke biegt, geht der Traum vieler Kinder in Erfüllung.“

Coca-Cola Deutschland


Youtube-Stars werben für Coke

Der Konzern hat zudem gleich eine ganze Reihe von vor allem bei jungen Menschen beliebten Youtube-Stars für seine Marketing-Aktionen eingespannt: Neun der 20 meistabonnierten „Youtuber“ in Deutschland traten bereits in dem Konzern-eigenen Youtube-Kanal „CokeTV“ auf. Sie präsentieren beispielsweise als Moderatoren lustige Videospots, in Stil und Machart geschickt an die erfolgreichsten Jugendkanäle angelehnt – die Marke Coca-Cola wird darin immer gut in Szene gesetzt. Das meist geklickte Video auf dem deutschen Coca-Cola-Kanal wurde mehr als 2,3 Millionen Mal angeschaut.

Screenshot youtube.com/cokeTV (2018)

foodwatch fordert Coca-Cola auf, sein an Kinder und Jugendliche gerichtetes Marketing zu stoppen und nicht länger beliebte Youtube- und Instagram-Stars („Influencer“) für Werbezwecke einzuspannen.


04.04.2018

Deshalb ist Coca-Cola mitverantwortlich für Diabetes und Fettleibigkeit

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Coca-Cola finanzierte Zucker-Forschung

Coca-Cola engagiert sich auch auf politischer Ebene, um Zweifel an der gesundheitsschädlichen Wirkung von Zuckergetränken zu säen und eine effektive Regulierung der Produkte zu verhindern. Ein Beispiel: Coca-Cola finanzierte mit 1,5 Millionen US-Dollar eine vermeintlich unabhängige Forschungseinrichtung. Diese vertrat – ganz im Sinne von Coca-Cola – öffentlich die Position, nicht ungesunde Ernährung, sondern Bewegungsmangel sei das zentrale Problem für Übergewicht.

Oliver Huizinga, Leiter Recherchen und Kampagnen bei foodwatch

Coca-Cola versteht es wie kaum ein anderer Konzern, ein positives Image zu kreieren – auch und gerade bei jungen Menschen. Dabei sind die Zuckergetränke von Coca-Cola flüssige Krankmacher. Natürlich weiß wohl jedes Kind, dass Cola und Limo nicht gesund sind. Aber es geht nicht um ein bisschen zu viel Zucker – schon eine Dose am Tag fördert ernsthafte Krankheiten wie Diabetes. 

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch und Autor des „Coca-Cola-Report“

Unterschiedliche Studienergebnisse je nach Auftraggeber

Zahlreiche Studien haben in der Vergangenheit untersucht, ob Zuckergetränke und Übergewicht zusammenhängen. Dabei finden 80 Prozent der von der Lebensmittelindustrie finanzierten Studien heraus, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Übergewicht und dem Konsum von Zuckergetränken – während 80 Prozent der unabhängig finanzierten Studien zu dem gegenteiligen Ergebnis kommen. Interne E-Mails von Coca-Cola zeigen, dass der Konzern vor allem eine politische Maßnahme besonders fürchtet: Sonderabgaben oder -steuern auf zuckergesüßte Getränke. In einem Strategiepapier des Konzerns  wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt. Der klare Auftrag: „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Herstellerabgabe für Zuckergetränke einführen!

foodwatch fordert die Politik auf, den Konflikt mit Weltkonzernen wie Coca-Cola und der einflussreichen Lobby nicht länger zu scheuen und endlich konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um der Epidemie ernährungsbedingter Krankheiten etwas entgegenzusetzen. So muss die Bundesregierung die Hersteller von stark überzuckerten Getränken verpflichten, eine Abgabe zu zahlen. Zahlreiche Länder wie Großbritannien, Frankreich, Irland, Belgien oder Mexiko haben eine solche Sondersteuer oder -abgabe beschlossen. In Großbritannien führte dies dazu, dass führende Hersteller schon vor Inkrafttreten den Zuckergehalt ihrer Produkte senkten.

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<![CDATA[Mineralöle: Supermarkt-Konzern nimmt Politik in die Pflicht]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/mineraloel/aktuelle-nachrichten/mineraloele-supermarkt-konzern-nimmt-politik-in-die-pflicht/Wed, 28 Mar 2018 10:36:00 +0200

Ob Schokolade, Nudeln oder Reis: Immer wieder sind Lebensmittel mit Mineralölen verunreinigt. Darunter sind aromatische Mineralöle, die unter Verdacht stehen, krebserregend und erbgutverändernd zu sein. Die gesundheitsgefährdenden Substanzen können aus Recyclingpapier oder Druckfarben von der Verpackung auf die Lebensmittel übergehen. Oft findet die Verunreinigung aber auch schon während des Produktionsprozesses statt, etwa durch Schmier- und Hydrauliköle bei Ernte- oder Produktionsmaschinen

Obwohl das Problem schon seit etwa 25 Jahren bekannt ist, gibt es bisher keine Regulierung auf europäischer Ebene – und auch keine Gesetze in den einzelnen Mitgliedstaaten. Nun hat sich Michel-Edouard Leclerc in der Debatte zu Wort gemeldet: Er ist der Vorstandsvorsitzende von E.Leclerc, einer der größten französischen Einzelhandelsketten. Was er konkret fordert – und wie wir von foodwatch das einschätzen, seht Ihr in unserem Video.

 

Die Transparenz von E.Leclerc ist bemerkenswert. Ein Manager, der sich vor die Kamera stellt und über Maßnahmen gegen Mineralöle in Lebensmitteln spricht – in Deutschland ist das bislang kaum denkbar. Der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft in Deutschland, BLL, hält die Debatte um Mineralöle in Lebensmitteln weiterhin für „willkürliche Panikmache“. Unter den großen Einzelhandelsketten in Deutschland verlangen bislang lediglich Aldi Süd, Lidl und Kaufland von ihren Zulieferern, konkrete Höchstwerte für Mineralölverunreinigungen einzuhalten. Edeka und Metro verfolgen zwar eigene Minimierungsstrategien, machen allerdings keine konkreten Vorgaben für Grenzwerte. Rewe reagiert auf Anfragen von foodwatch überhaupt nicht.

„Gesetze verschärfen, und zwar auf europäischer Ebene“

Ganz anders die französische Handelskette E.Leclerc, die sich bei dem Thema gesprächsbereit zeigt. Nun gibt der Vorstandsvorsitzende offen zu, dass es schwierig sei, die großen Hersteller von Markenprodukten zum Umdenken zu zwingen. Der Grund: Es gibt keine gesetzlichen Grenzwerte. Er fordert daher schärfere Gesetze, und zwar auf europäischer Ebene. Die aktuelle gesetzliche Lage zu Mineralölen und anderen hormonähnlich wirksame Substanzen entspreche nicht dem Stand der Wissenschaft.

Gesetzliche Grenzwerte fehlen weiterhin

foodwatch fordert die deutschen Einzelhandelsketten auf, sich den Forderungen von E.Leclerc anzuschließen und eine gesetzliche Regelung einzufordern. Nötig ist eine Verpflichtung für alle Lebensmittelhersteller, bei Kartonverpackungen sogenannte funktionelle Barrieren einzusetzen: Mit einem geeigneten Innenbeutel oder einer Beschichtung der Verpackung wird der Übergang von Mineralölen und hunderten weiteren gesundheitsgefährdenden Chemikalien auf die Lebensmittel verhindert. Außerdem müssen gesetzliche Höchstwerte für Mineralöle in den Lebensmitteln selbst festgelegt werden. Für die besonders kritischen aromatischen Mineralöle (MOAH) muss eine Null-Toleranz gelten. Nur so kann erreicht werden, dass alle Hersteller dafür sorgen, dass auch aus anderen Quellen, wie Produktionsmaschinen und Transport-Umverpackungen, kein Mineralöl in Lebensmittel gelangt.

Frischfaserkarton und pflanzliche Druckfarben reichen nicht aus

Die von Michel-Edouard Leclerc vorgestellten Maßnahmen bei den Leclerc-Eigenmarken sind wichtige erste Schritte, gehen aber noch nicht weit genug. So hat er angekündigt, dass sein Unternehmen bei Eigenmarken nur noch Verpackungen aus Frischfaserkarton und pflanzliche Druckfarben ohne Mineralöle verwendet. Doch auch so bleibt ein Risiko: Denn Mineralöle und andere Substanzen können sogar aus den großen Umkartons, in denen die Lebensmittel transportiert werden, durch die Verpackung aus frischem Papier hindurch in das Lebensmittel übergehen. foodwatch fordert daher von E.Leclerc, funktionelle Barrieren einzusetzen, um den Übergang von Mineralölen und hunderten weiteren gesundheitsgefährden Substanzen auf die Lebensmittel zu unterbinden.

Giftige Mineralöle - raus aus Lebensmitteln!
Fordern Sie den zuständigen EU-Kommissar jetzt auf: Keine giftigen Mineralöle in Lebensmitteln! >>

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<![CDATA[Britische Hersteller-Abgabe auf Zuckergetränke wirkt]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/britische-hersteller-abgabe-auf-zuckergetraenke-wirkt/Tue, 27 Mar 2018 11:30:00 +0200

Bye bye, Zuckerbomben: Ab April gilt in Großbritannien eine Herstellerabgabe auf besonders zuckerhaltige Getränke. Bereits jetzt hat ein Großteil der Hersteller – darunter Coca-Cola, Lidl und Nestlé – auf dem britischen Markt den Zuckergehalt seiner Getränke drastisch gesenkt. Einen Haken hat die britische Regelung trotzdem.

Ab 6. April müssen Getränkehersteller in Großbritannien eine Abgabe bezahlen, wenn ihre Limonaden besonders viel Zucker enthalten. Bereits jetzt zeigt die Abgabe Wirkung: Die führenden Getränkeunternehmen Coca-Cola, Britvic, Lucozade Ribena Suntory, die Handelskonzerne Tesco und Lidl, der Nahrungsmittelkonzern Nestlé sowie mehrere kleinere Getränkehersteller haben seit Ankündigung der Herstellerabgabe vor zwei Jahren den Zuckergehalt etlicher Produkte deutlich gesenkt.

Coca-Cola & Co. senken Zuckergehalt

Fotogalerie (4 Bilder)

Bundesregierung muss aktiv werden

foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner und Finanzminister Olaf Scholz auf, in Deutschland ebenfalls eine Herstellerabgabe auf übersüßte Getränke einzuführen und im Gegenzug Obst und Gemüse von der Mehrwertsteuer zu befreien. Stark zuckerhaltige Getränke fördern nachweislich die Entstehung von Übergewicht und Typ-2-Diabetes, während der Konsum von Obst und Gemüse Krankheiten vorbeugen kann. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sich deshalb für Abgaben auf Zuckergetränke und Subventionen für Obst und Gemüse aus. 

Ernährungsministerin Julia Klöckner hält eine Zucker-Abgabe jedoch „für den falschen Weg“. Bisherige Versuche der Besteuerung hätten „wenig Erfolg“ gezeigt, erklärte sie gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 

„Großbritannien reiht sich neben Irland, Portugal, Estland, Belgien, Norwegen, Mexiko, Südafrika und Frankreich in die immer länger werdende Liste von Ländern ein, die mit steuerlichen Anreizen aktiv gegen Fehlernährung, Fettleibigkeit und Diabetes vorgehen. Nur Deutschland will sich anscheinend nicht mit der Getränkeindustrie anlegen und schaut lieber tatenlos zu, wie die Hersteller kiloweise Zucker in ihre Produkte kippen.“

Luise Molling von foodwatch

Zuckergehalt bei Fanta, Sprite, Orangina & Co. gesenkt

Die im März 2016 in Großbritannien angekündigte Regelung sieht Abgaben für die Hersteller von Getränken vor, die mehr als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten, bei mehr als 8 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Der britische Marktführer Coca-Cola hat den Zuckergehalt seiner Getränke Fanta und Sprite seitdem unter die 5-Gramm-Marke gesenkt (Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm und Sprite von 6,6 Gramm auf 3,3 Gramm). In Deutschland enthalten Fanta und Sprite aktuell mehr als 9 Gramm Zucker. Britvic, der Branchenzweite in Großbritannien, hat den Zuckergehalt vieler Produkte ebenfalls reduziert, so dass 94 Prozent seiner Markenprodukte nun weniger als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten.

Auch der Hersteller Lucozade Ribena Suntory hat den Zuckergehalt in sämtlichen Produkten unter die 5-Gramm-Marke gesenkt, darunter auch das in Deutschland bekannte Getränk Orangina. Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat angekündigt, dass drei seiner San Pellegrino-Limonaden ab April 2018 ebenfalls weniger als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten werden. In Deutschland enthalten die gleichen San Pellegrino-Produkte zwischen 9,7 und 11,8 Gramm Zucker. Nicht nur die Markenhersteller, auch zwei große Handelsunternehmen wurden aktiv: Sowohl Tesco als auch Lidl gaben an, dass nach Rezepturänderungen sämtliche Eigenmarken nicht von der Abgabe erfasst werden.

Süßstoffe kein guter Ersatz

foodwatch kritisierte, dass viele britische Hersteller den Zucker in ihren Getränken durch Süßstoffe ersetzt haben. Rezepturänderungen sollten darauf abzielen, nicht nur den Gehalt von Zucker, sondern den Süßgeschmack insgesamt zu verringern, um der allgemeinen Süßgewöhnung bei Kindern und Jugendlichen entgegen zu wirken. Daher sollte die Herstellerabgabe in Deutschland – genauso wie in Frankreich – auch süßstoffgesüßte Getränke mit einbeziehen.

Hersteller senken Zuckergehalt konsequenter als erwartet

Laut dem staatlichen Office for Budget Responsibility (OBR), das den britischen Staatshaushalt überwacht, haben die Hersteller den Zuckergehalt ihrer Getränke schneller und konsequenter gesenkt als erwartet. So erwartet das OBR in seinem aktuellen Report nur noch die Hälfte der ursprünglich berechneten Steuereinnahmen aus der Herstellerabgabe. Während die britische Regierung 2016 noch von 520 Millionen Pfund Steuereinnahmen für 2018-2019 ausging, rechnet das OBR nun mit weniger als 240 Millionen Pfund Einnahmen. Die britische Regierung hat angekündigt, die Steuereinnahmen zweckgebunden für die Förderung des Schulsports und des Schulessens verwenden zu wollen. 

Zuckergetränke fördern Fettleibigkeit und Diabetes

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) bei Kindern sowie Erwachsenen haben in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Adipositas wird inzwischen als das am schnellsten wachsende Gesundheitsproblem eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sprechen in diesem Zusammenhang von einer globalen „Adipositas-Epidemie“. Gesundheitsexperten schreiben zuckerhaltigen Getränken eine besondere Rolle in dieser Entwicklung zu. Der Konsum dieser Getränke fördert nachweislich die Entstehung von Übergewicht sowie Typ-2-Diabetes und wird zudem mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte in Verbindung gebracht. 

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<![CDATA[Keine Energy Drinks mehr für Kinder bei Aldi und Lidl – aber nicht in Deutschland]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/energy-drinks/aktuelle-nachrichten/keine-energy-drinks-mehr-fuer-kinder-bei-aldi-und-lidl-aber-nicht-in-deutschland/Fri, 23 Mar 2018 11:18:00 +0100

foodwatch fordert Aldi Süd und Lidl auf, auch in Deutschland keine Energy Drinks mehr an Kinder und Jugendliche zu verkaufen. Während die Discounter die gefährlichen Wachmacher in Großbritannien seit März nicht mehr an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verkaufen, sei für Deutschland keine Altersbeschränkung geplant. Mediziner warnen seit langem vor den Risiken der aufputschenden Getränke, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen sehr beliebt sind.

Auf Nachfrage von foodwatch erklärte Aldi Süd: „Beim Verkauf von Energydrinks sieht unsere Unternehmensgruppe aktuell keine Altersbeschränkung vor. Pläne, eine solche einzuführen, gibt es derzeit nicht.“ Lidl gab gegenüber der Deutschen Presse-Agentur an, Energy Drinks an Kunden aller Altersgruppen zu verkaufen. foodwatch hat eine E-Mail-Aktion an die Discounter gestartet. 

Luise Molling von foodwatch

„Die Doppelstandards von Aldi Süd und Lidl sind inakzeptabel: Während die Discounter in Großbritannien Verantwortung übernehmen, kann in Deutschland jeder Zehnjährige die gefährlichen Wachmacher bei Aldi und Lidl kaufen. Die Gesundheitsrisiken für die jungen Konsumentinnen und Konsumenten von Energy Drinks sind überall dieselben. Aldi und Lidl dürfen auch in Deutschland keine Energy Drinks mehr an Kinder verkaufen!“

Luise Molling, foodwatch. 

In Lettland und Litauen verboten, in Deutschland erlaubt

Energy Drinks können Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle und Nierenversagen verursachen. Sogar Todesfälle werden mit den Getränken in Verbindung gebracht. Die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen und Experten der Weltgesundheitsorganisation haben sich deshalb bereits für eine Altersgrenze für Energy Drinks ausgesprochen. In Lettland und Litauen ist der Verkauf von Energy Drinks an Jugendliche unter 18 Jahren gesetzlich verboten. foodwatch forderte die Bundesregierung auf, auch in Deutschland einen Verkaufsstopp der Getränke an Minderjährige umzusetzen. Das Bundesernährungsministerium lehnte dies jedoch bislang ab. Auch der Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD sieht keine Einschränkung des Verkaufs von Energy Drinks vor.

68 Prozent der Jugendlichen trinken Energy Drinks

Energy Drinks sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt: Der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge greifen 68 Prozent der Jugendlichen in der EU zu den Getränken. Laut EFSA verzehren Jugendliche nachweislich gefährlich große Mengen: Jeder vierte jugendliche Konsument trinkt drei oder mehr Dosen auf einmal und überschreitet damit selbst die für Erwachsene maximal empfohlene Koffein-Dosis von 200 Milligramm.

Die Konzerne Aldi Süd und Aldi Nord haben ihr internationales Geschäft nach Ländern aufgeteilt. Großbritannien gehört zur Unternehmensgruppe Aldi Süd.

(Copyright: Adobe Stock: pete pahham/stock.adobe.com, Montage: Iris Kaschl/foodwatch)

Aldi und Lidl: Sind Euch unsere Kinder egal?
In Großbritannien verkaufen Aldi Süd und Lidl keine Energy Drinks mehr an Kinder und Jugendliche. In Deutschland wollen die Discounter hingegen keine Altersbeschränkung einführen. Fordern Sie Aldi und Lidl auf, auch die Kinder hierzulande vor gefährlichen Energy Drinks zu schützen!>>

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Mon, 17 Dec 2018 14:37:00 +0100Wed, 19 Dec 2018 04:19:21 +0100