<![CDATA[foodwatch: Essen & Gesundheit]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[NRW-Landtagsdebatte zu Schulmilch: Zuckergehalt kleingeredet]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nrw-landtagsdebatte-zu-schulmilch-zuckergehalt-kleingeredet/Thu, 11 Apr 2019 12:27:00 +0200

Der nordrhein-westfälische Landtag diskutierte über die Zukunft der Schulkakao-Förderung – und gleich mehrere Rednerinnen und Redner trafen dabei falsche Aussagen und spielten den Zuckergehalt des Schulkakaos herunter.

Anlass für die Debatte im Düsseldorfer Landtag am 21. März war ein Antrag der AfD-Fraktion. Schon darin geht es drunter und drüber: Das Dokument enthält veraltete Zahlen sowie unpräzise oder schlicht falsche Beschreibungen des Schulmilchprogramms (so gehen die EU-Beihilfen nicht an die Schulen; Ziel ist es auch nicht, dass „jedes Kind“ täglich Milch erhält) und widersprüchliche Forderungen (während in der Überschrift von einem Subventionsstopp für gezuckerte Schulmilch die Rede ist, ist im Beschlussvorschlag selbst lediglich von Zuckerreduktion die Rede).

foodwatch-Faktencheck zur Landtagsdebatte

In der Debatte selbst zeigten sich Rednerinnen und Redner von CDU, SPD, FDP und AfD schlecht informiert oder wenig faktentreu, die zuständige Landesverbraucherministerin Ursula Heinen-Esser wiederholte zudem eine sehr geschönte Darstellung des Schulmilchprogramms. Für Eltern und anderen Bürgerinnen und Bürger wird damit ein falsches Bild erzeugt, der Zuckergehalt der subventionierten Produkte verniedlicht.

Ein kurzer Faktencheck (alle Zitate sind dem Plenarprotokoll entnommen):

  • „Tatsächlich liefern wir im Augenblick nicht nur Schulmilch subventioniert an die Schulen, sondern auch Milchmischprodukte, also Kakao, Vanillemilch oder Erdbeermilch“, sagte der AfD-Abgeordnete Dr. Martin Vincentz.

    Das ist falsch – zwar wird der zuckrige Kakao in NRW weiterhin mit Steuergeldern bezuschusst, die ebenfalls gesüßten Erdbeer- und Vanillemilchprodukte werden jedoch seit dem laufenden Schuljahr nicht mehr subventioniert.
  • „Seit den Sommerferien gibt es […] nur noch Zuschüsse für Milch und zuckerreduzierten Kakao mit maximal 4 % Zuckergehalt“, sagte die CDU-Abgeordnete Bianca Winkelmann. Auch der FDP-Abgeordnete Stephan Haupt – der die u.a. vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, der Bundeszahnärztekammer, der Deutschen Adipositasgesellschaft und zahlreichen Experten geteilten sowie im Einklang mit den Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung befindlichen Forderung nach einem Ende der Förderung gezuckerter Milchprodukte als „ideologisch geführte Kampagne von foodwatch gegen die Milchwirtschaft und gegen unsere Landwirte“ abtat – traf am Rednerpult die Aussage: „Die Landesregierung […] fördert […] ganz bewusst nur Produkte, die maximal 4 % Zucker enthalten.“

    Richtig ist: Der Zuckergehalt des geförderten Schulkakaos liegt deutlich höher. Die weit verbreitete Landliebe-Schokomilch etwa hat einen Zuckergehalt von 8,7 % (in der fettarmen Variante) und liegt damit – in dieser Kategorie – fast im Bereich von Fanta. Die genannten „4 %“ sind lediglich der zugesetzte Zucker, wie ihn das NRW-Verbraucherministerium als durchschnittlichen Wert für die geförderten Kakao-Produkte angibt.

    Als „zuckerreduziert“ lässt sich der Kakao auch nicht ernsthaft bezeichnen: Im Handel sind zwar Produkte mit höherem Zuckergehalt zu finden, aber auch zum Beispiel ein Standard-Kiosk- und Tankstellenkakao mit frischer Milch, der einen geringeren Zuckergehalt aufweist. Richtig ist allenfalls, dass der von der EU vorgegebene maximale Rahmen von 7 % Zuckerzusatz nicht ausgeschöpft wird. Dies ist aber keine Leistung und keine Besonderheit der Schulmilchförderung in NRW, sondern in Deutschland marktüblich.
  • „Die Europäische Union hat die Förderung für gezuckerte Milchprodukte allerdings inzwischen eingestellt. Bestandteil des Europäischen Schulmilchprogramms ist lediglich noch die Förderung für einen Viertelliter ungezuckerte Milch für Kinder“, behauptete die SPD-Parlamentarierin Christina Wenig.

    Nicht korrekt: Die EU fördert ja gerade den gezuckerten Schulkakao in NRW – weil es das Land so will. Die EU hat zwar in seinem Schulmilchprogramm das Ziel ausgegeben, dass nur ungezuckerte Milchprodukte subventioniert werden sollen, es aber den in den Mitgliedsstaaten zuständigen Behörden offen gelassen, davon abweichende Regelungen zu treffen. Auf diesem Weg leitet NRW die EU-Gelder an die Molkereien weiter – auch für den zuckrigen Kakao.
  • Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sprach ebenfalls vom „zuckerreduzierten Kakao“ (siehe dazu oben) – und stellte die Schulmilch abermals als „vergünstigt“ dar.

    Richtig ist: Zwar werden Schulmilchprodukte durch EU-Mittel bezuschusst, doch macht sich das im Preis für die Eltern nur begrenzt bemerkbar. Den Zuschüssen gegenüber stehen die Mehraufwände für kleine Verpackungseinheiten und die aufwändige Logistik (tägliche Lieferungen kleiner Mengen an zahlreiche Schulen). Das frisst die Vorteile der Subventionen auf. Ergebnis: Wollen Eltern ihren Kindern täglich Milch oder Kakao geben, können sie dies mit dem Einkauf im Laden günstiger erreichen als über die „vergünstigte“ Schulmilch, wie ein Preisvergleich von foodwatch ergab.

Die Plenardebatte reiht sich damit ein in eine Vielzahl von Falschdarstellungen und unzulässigen Werbeaussagen von Unternehmen, der Landesvereinigung der Milchwirtschaft und der Landespolitik über das Schulmilchprogramm, wie sie foodwatch in seinem Report „Im Kakao-Sumpf“ dargestellt hat.

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<![CDATA[foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ gegen Kakao-Förderung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-protestiert-mit-riesen-zuckerwuerfel-gegen-kakao-foerderung/Tue, 02 Apr 2019 15:39:00 +0200

Mit einem überdimensionalen Zuckerwürfel“ hat foodwatch in Düsseldorf gegen die Kakao-Förderung an Schulen in NRW protestiert. Mit Transparenten forderten die Aktivistinnen und Aktivisten: "Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“ und „Kinder fördern statt Landliebe“. Ein Sprecher des Ministeriums stellte sich dem Protest vor Ort.

274 Tonnen Extra-Zucker subventioniert Nordrhein-Westfalen über gesüßte Schulmilchgetränke in einem Schuljahr – umgerechnet mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Mit einer Protestaktion hat foodwatch dem Land diesen Zuckerberg zurückgebracht: direkt vor die Tür des zuständigen NRW-Verbraucherministeriums. Vor dem Bürokomplex in Düsseldorf baute die Verbraucherorganisation bei starkem Wind und Regen symbolisch einen überdimensionalen „Zuckerwürfel“ auf, der dem Volumen von 274 Tonnen Zucker entspricht: 6,8 Meter breit, 6,8 Meter lang, 6,8 Meter hoch.

NRW hält als letztes Bundesland an Kakao-Förderung fest

NRW ist das letzte Bundesland, das noch an Subventionen für gezuckerte Schulmilch festhält – entgegen dem Rat von Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungsexperten. Auch Vertreter von Eltern und Lehrern in NRW hatten sich gegen die Kakao-Förderung ausgesprochen. foodwatch forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Förderung gezuckerter Schulmilch spätestens zum neuen Schuljahr 2019/2020 zu beenden.

„Es geht nicht nur um ‚mal ein bisschen Kakao‘ oder um einen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten tollen Schulmilchprogramm – NRW subventioniert einen Riesenberg Extra-Zucker für Schulkinder. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, kurbelt die Landesregierung den ohnehin viel zu hohen Zuckerkonsum von Kindern auch noch zusätzlich an. Dieses irre staatliche Übergewichtsförderprogramm muss gestoppt werden.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

274 Tonnen subventionierter Zucker-Zusatz pro Jahr

Das Landesverbraucherministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW fast sieben Millionen Liter gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr.

© Mika Volkmann / foodwatch

NRW-Ministerium: werden „ergebnisoffen entscheiden“

Ein Sprecher des Ministeriums nahm von den foodwatch-Aktivisten eine besondere Überraschung entgegen: eine vergoldete Packung Zucker – gekennzeichnet als „das letzte Kilo Zucker für die Schulkakaoförderung NRW“ und versehen mit dem „Verzehrdatum: 12.7.2019“, dem letzten Schultag in diesem Schuljahr. Der Ministeriumssprecher erklärte, dass man nicht „von heute auf morgen“ aussteigen könne. Aber die Landesregierung werde „ergebnisoffen entscheiden, wie es mit dem Schulmilchprogramm im kommenden Schuljahr weitergeht“.

Alternativen zur Kakao-Förderung

foodwatch forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionen zu streichen und stattdessen endlich die erforderlichen Landesmittel zur Verfügung zu stellen, um eine gesunde Kinderernährung zu fördern. Das Land müsse zum Beispiel eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, das Schulobst- und -gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige anbieten, Wasserspender installieren, wirtschaftsunabhängigen Ernährungsunterricht organisieren und für ausgewogene Lebensmittel am Schulkiosk sorgen. An Schulen, in denen viele Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, könnten zudem ergänzende, ausgewogene Frühstücksangebote eingerichtet werden.

Breiter Protest auch von Ärzten und Eltern

In einem Appell an die NRW-Landesregierung hatten sich bereits im September vergangenen Jahres renommierte Ärzte und Ernährungsexperten sowie Vertreter von Lehrern und Eltern gegen zuckrigen Schulkakao ausgesprochen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch fordern zudem deutschlandweit fast 30.000 Menschen ein Ende der Schokomilch-Subventionen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

Hessen, Berlin und Brandenburg haben Kakao-Subvention gestoppt

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Zur Begründung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit ist NRW das einzige Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

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<![CDATA[foodwatch protestiert mit „Riesen-Zuckerwürfel“ gegen Kakao-Förderung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-protestiert-mit-riesen-zuckerwuerfel-gegen-kakao-foerderung/Tue, 02 Apr 2019 15:39:00 +0200

Mit einem überdimensionalen Zuckerwürfel“ hat foodwatch in Düsseldorf gegen die Kakao-Förderung an Schulen in NRW protestiert. Mit Transparenten forderten die Aktivistinnen und Aktivisten: "Kein Steuergeld mehr für zuckrigen Schulkakao!“ und „Kinder fördern statt Landliebe“. Ein Sprecher des Ministeriums stellte sich dem Protest vor Ort.

274 Tonnen Extra-Zucker subventioniert Nordrhein-Westfalen über gesüßte Schulmilchgetränke in einem Schuljahr – umgerechnet mehr als 90 Millionen Stück Würfelzucker. Mit einer Protestaktion hat foodwatch dem Land diesen Zuckerberg zurückgebracht: direkt vor die Tür des zuständigen NRW-Verbraucherministeriums. Vor dem Bürokomplex in Düsseldorf baute die Verbraucherorganisation bei starkem Wind und Regen symbolisch einen überdimensionalen „Zuckerwürfel“ auf, der dem Volumen von 274 Tonnen Zucker entspricht: 6,8 Meter breit, 6,8 Meter lang, 6,8 Meter hoch.

NRW hält als letztes Bundesland an Kakao-Förderung fest

NRW ist das letzte Bundesland, das noch an Subventionen für gezuckerte Schulmilch festhält – entgegen dem Rat von Kinder- und Zahnärzten, Diabetologen und Ernährungsexperten. Auch Vertreter von Eltern und Lehrern in NRW hatten sich gegen die Kakao-Förderung ausgesprochen. foodwatch forderte Verbraucherministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Förderung gezuckerter Schulmilch spätestens zum neuen Schuljahr 2019/2020 zu beenden.

„Es geht nicht nur um ‚mal ein bisschen Kakao‘ oder um einen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten tollen Schulmilchprogramm – NRW subventioniert einen Riesenberg Extra-Zucker für Schulkinder. Während alle über Zuckerreduktion sprechen, kurbelt die Landesregierung den ohnehin viel zu hohen Zuckerkonsum von Kindern auch noch zusätzlich an. Dieses irre staatliche Übergewichtsförderprogramm muss gestoppt werden.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

274 Tonnen subventionierter Zucker-Zusatz pro Jahr

Das Landesverbraucherministerium hatte zuletzt im September 2018 offiziell angegeben, dass im Schuljahr 2016/2017 in NRW fast sieben Millionen Liter gezuckerte Schulmilchgetränke ausgeliefert wurden. Bei dem vom Ministerium genannten durchschnittlichen Zuckerzusatz von vier Prozent beläuft sich die staatliche Förderung in NRW damit auf rund 274 Tonnen Zuckerzusatz im Schuljahr.

© Mika Volkmann / foodwatch

NRW-Ministerium: werden „ergebnisoffen entscheiden“

Ein Sprecher des Ministeriums nahm von den foodwatch-Aktivisten eine besondere Überraschung entgegen: eine vergoldete Packung Zucker – gekennzeichnet als „das letzte Kilo Zucker für die Schulkakaoförderung NRW“ und versehen mit dem „Verzehrdatum: 12.7.2019“, dem letzten Schultag in diesem Schuljahr. Der Ministeriumssprecher erklärte, dass man nicht „von heute auf morgen“ aussteigen könne. Aber die Landesregierung werde „ergebnisoffen entscheiden, wie es mit dem Schulmilchprogramm im kommenden Schuljahr weitergeht“.

Alternativen zur Kakao-Förderung

foodwatch forderte Ministerin Ursula Heinen-Esser auf, die Kakao-Subventionen zu streichen und stattdessen endlich die erforderlichen Landesmittel zur Verfügung zu stellen, um eine gesunde Kinderernährung zu fördern. Das Land müsse zum Beispiel eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, das Schulobst- und -gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige anbieten, Wasserspender installieren, wirtschaftsunabhängigen Ernährungsunterricht organisieren und für ausgewogene Lebensmittel am Schulkiosk sorgen. An Schulen, in denen viele Kinder ohne Frühstück zum Unterricht kommen, könnten zudem ergänzende, ausgewogene Frühstücksangebote eingerichtet werden.

Breiter Protest auch von Ärzten und Eltern

In einem Appell an die NRW-Landesregierung hatten sich bereits im September vergangenen Jahres renommierte Ärzte und Ernährungsexperten sowie Vertreter von Lehrern und Eltern gegen zuckrigen Schulkakao ausgesprochen. Über eine Online-Protestaktion von foodwatch fordern zudem deutschlandweit fast 30.000 Menschen ein Ende der Schokomilch-Subventionen. 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt.

Hessen, Berlin und Brandenburg haben Kakao-Subvention gestoppt

Im Rahmen des sogenannten Schulprogramms der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Zur Begründung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. In Deutschland hatten die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen allerdings eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch reagierte Hessen im August 2018 als erstes Bundesland und kündigte einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch an. Mittlerweile haben auch Berlin und Brandenburg beschlossen, an Schulen nur noch Milch ohne Zuckerzusatz zu fördern und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen zu organisieren. Damit ist NRW das einzige Bundesland, das an der Subvention von Schulkakao festhält.

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<![CDATA[Giftige Aflatoxine: dm ruft „babylove“-Produkte zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/giftige-aflatoxine-dm-ruft-babylove-produkte-zurueck/Fri, 29 Mar 2019 14:59:00 +0100

Wegen erhöhter Aflatoxin-Gehalte ruft die Drogeriekette dm mehrere Baby- und Kinderprodukte der Marke „babylove“ zurück. Aflatoxine sind krebsverdächtig und können Leber und Nieren schädigen.

Der Drogeriemarkt dm ruft verschiedene Gläschen und Quetschbeutel von „babylove“-Babynahrung zurück. Bei Eigenkontrollen wurden erhöhte Aflatoxin-Gehalte festgestellt.

Aflatoxine sind Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen und gehören zu den stärksten in der Natur vorkommenden Giften. Laut Bundesinistut für Risikobewertung (BfR) weisen sie ein hohes krebserzeugendes Potential auf. Bei oraler Aufnahme können sie in höheren Konzentrationen in erster Linie Nieren, Leber und das ungeborene Leben schädigen. Außerdem können Aflatoxine das Erbgut schädigen, das heißt sie wirken genotoxisch. Aflatoxine können die Gesundheit besonders dann beeinträchtigen, wenn sie über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden.

Folgende Produkte sind von dem dm-Rückruf betroffen:

  • „babylove Granatapfel-Mango in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 15.10.2020
  • „babylove Pfirsich-Maracuja in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.10.2020
  • „babylove Erdbeere & Himbeere in Apfel, 190 g, nach dem 4. Monat“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 16.10.2020
  • „babylove Erdbeere-Banane in Apfel mit Müsli, 90 g, ab 1 Jahr (Quetschbeutel)“ mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 16.10.2020 und 17.10.2020

Kunden können die Packungen ungeöffnet oder angebrochen in die dm-Märkte zurückzubringen, der Kaufpreis wird erstattet.

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<![CDATA[Lidl ruft Käse zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/lidl-ruft-kaese-zurueck/Thu, 14 Mar 2019 16:44:00 +0100

Der Discounter Lidl ruft einen Morbier-Rohmilchkäse wegen einer möglichen Belastung mit E.coli-Bakterien zurück. Die Bakterien können schwere Durchfallerkrankungen hervorrufen.

Wegen einer möglichen Belastung mit Kolibakterien ruft der Lebensmittel-Discounter Lidl einen Rohmilchkäse der Marke Morbier zurück. Laut einer Mitteilung vom Donnerstag geht es um das Produkt „Morbier AOP mit Rohmilch hergestellt, 250g“, sofern es das Mindesthaltbarkeitsdatum 17.03.2019, die Losnummer 042 und das Identitätskennzeichen FR 25-155-001 CE des französischen Herstellers SA Perrin Vermot trägt.

Bei einer Untersuchung seien sogenannte Shiga-Toxin bildende E.-coli-Bakterien (STEC) nachgewiesen worden. STEC können Auslöser von Durchfallerkrankungen sein. Bei bestimmten Personengruppen (Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem) können schwere Krankheitsverläufe auftreten. Wer den Käse gekauft hat, solle ihn keinesfalls essen, sondern bei Lidl zurückgeben.

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<![CDATA[foodwatch kritisiert Coca-Cola-Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaft]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/coca-cola-sponsert-die-eu/Mon, 25 Feb 2019 17:17:00 +0100

Coca-Cola finanziert als offizieller Partner die europäische Ratspräsidentschaft Rumäniens. foodwatch hat EU-Ratspräsident Donald Tusk und die rumänische Premierministerin Viorica Dăncilă aufgefordert, die Partnerschaft unverzüglich zu beenden. Angesichts grassierender Fettleibigkeit und Krankheiten wie Typ-2-Diabetes ist eine solche Sponsoring-Partnerschaft absolut unangebracht – und schwächt zudem das Vertrauen der Öffentlichkeit in die EU-Institutionen.

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union rotiert unter den 28 EU-Mitgliedstaaten im Halbjahres-Rhythmus. Im Januar 2019 hat ihn Rumänien übernommen. Coca-Cola ist einer von nur wenigen „Platin-Partnern“. Auch die rumänische Bierbrauereiorganisation Berarii und Mercedes unterstützen die Präsidentschaft. Journalisten von ZDF und ARD hatten sich überrascht darüber gezeigt, dass Coca-Cola als Sponsor auftritt. So wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des EU-Außenminister-Treffens in Bukarest mit Aufstellern begrüßt, auf denen es hieß: "Das Coca-Cola-System unterstützt stolz die erste rumänische EU-Ratspräsidentschaft". Es gab Coca-Cola-Sitzsäcke, Plakate und – wenig überraschend – Getränke.

Tweets von Journalisten, die das Sponsoring der rumänischen Präsidentschaft durch Coca-Cola zeigen.

Protestaktion gegen Coca-Cola-Sponsoring 

foodwatch kritisiert die Zusammenarbeit der EU mit dem größten Getränkekonzern der Welt in einem offenen Brief als absolut inakzeptabel. Es braucht endlich klare Regeln zum Sponsoring von EU-Organen durch Unternehmen, um Interessenkonflikte zu vermeiden! Unter www.aktion-coke-eu.foodwatch.de hat foodwatch eine Online-Protestaktion dazu gestartet.

Jetzt unterzeichnen!

„Die Sponsoring-Partnerschaft der EU mit Coca-Cola schadet der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Politik in Europa. In vielen EU-Staaten wird zum Beispiel gerade über eine stärke Besteuerung von zuckerhaltigen Getränken diskutiert – eine politische Maßnahme, gegen die Coca-Cola seit Jahren entschieden ankämpft. Es darf niemals der Fall sein – und auch nicht der Anschein erweckt werden –, dass ein Unternehmen Einfluss auf die politische Agenda der EU hat.“

Andreas Winkler von foodwatch

Coca-Cola-Sponsoring ist kein Einzelfall

Dass die EU-Ratspräsidentschaft von Unternehmen gesponsert wird, ist kein Einzelfall: 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW. Malta, das 2017 den Ratsvorsitz innehatte, bewarb seine „Partnerschaftsvereinbarungen“ damit, dass Unternehmen von „zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen“ profitieren würden: „Dadurch gewinnen Sie mehr Aufmerksamkeit und Ansehen, und Sie können den Bekanntheitsgrad für ihre Produkte und Dienstleistungen erhöhen.“ Coca-Cola hatte bereits 2011 die polnische Präsidentschaft unterstützt. Unter anderem lieferte der Konzern 140.000 Liter Getränke für die Meetings.

Sponsoring schwächt Vertrauen in die Politik

foodwatch kritisiert, dass Unternehmen in dieser Weise als Sponsor auftreten. Die Politik darf nicht von kommerziellen Interessen beeinflusst werden. Schon der Anschein eines Interessenkonflikts muss vermieden werden, da dies das Vertrauen in die Politik beeinträchtigt. Das Sponsoring von Coca-Cola ist nicht zuletzt deshalb problematisch, weil in Europa gerade intensiv über eine Lebensmittelampel und eine Sonderabgabe für die Hersteller stark zuckerhaltiger Getränke diskutiert wird – Regulierungen, gegen die sich Coca-Cola seit Jahren mit massiver Lobbyarbeit wehrt. Interne E-Mails des Getränkekonzerns, die im Jahr 2016 an die Öffentlichkeit gelangten, zeigen, dass Coca-Cola vor allem Steuern auf zuckergesüßte Getränke fürchtet. In einem Strategiepapier wird der Bekämpfung dieser Maßnahme die höchste Priorität eingeräumt – mit dem klaren Auftrag „Zurückschlagen“ (im englischen Original: „fight back“).

Jetzt Aktion unterzeichnen!

 

 

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<![CDATA[Alnatura ruft Kinder-Müsli und Kekse zurück]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/alnatura-ruft-kinder-muesli-und-kekse-zurueck/Thu, 21 Feb 2019 09:57:00 +0100

Die Supermarktkette Alnatura hat Kinder-Bircher-Müsli und Müslikekse wegen möglicher Gesundheitsgefahren zurückgerufen. In den Produkten könnten sich Teile von Apfelstielen befinden.

Das Handelsunternehmen Alnatura hat aus vorsorglichen Gründen zwei seiner Produkte zurückgerufen, in denen sich nach Angaben des Unternehmens Teile von Apfelstielen befinden können. Betroffen seien das Alnatura Kinder-Bircher-Müsli mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.10.2019 und 02.11.2019 sowie die Alnatura Müslikekse für Kinder ab dem 15. Monat mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 04.09.2019, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Die Ware sei aus dem Handel genommen worden, hieß es.

Folgende Produkte sind vom Rückruf betroffen:

  • das Alnatura Kinder-Bircher-Müsli (ab 1 Jahr) mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 11.10.2019 und 02.11.2019 sowie
  • die Alnatura Müslikekse (ab 15. Monat) mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 04.09.2019. 

Wer eine Packung mit einem der genannten Mindesthaltbarkeitsdaten zu Hause habe, könne diese zurückbringen und Ersatz erhalten. Andere Müslis oder Kekse oder Produkte mit einem anderen Mindesthaltbarkeitsdatum seien von dem Rückruf nicht betroffen, erklärte Alnatura.

dpa

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<![CDATA[Rückruf bei Lidl: Kunststoffe in geriebenem Käse]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-bei-lidl-kunststoffe-in-geriebenem-kaese/Wed, 13 Feb 2019 16:35:00 +0100

Beim Discounter Lidl wird geriebener Gouda der Marke Milbona zurückgerufen. Der niederländische Hersteller Delicateur könne nicht ausschließen, dass in dem betroffenen Produkt Kunststofffremdkörper enthalten sind, teilte Lidl Deutschland am Dienstag mit.

Betroffen sei das Produkt „Milbona Gouda jung gerieben, mindestens 7 Wochen gereift, 250g“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 21.04.2019, den Losnummern 834799538051020190121 und 834799538051021190121 und dem Identitätskennzeichen NL Z 0507 i EG.

Die Packungen wurden nach Angaben des Discountunternehmens in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz verkauft. Wegen der möglichen Verletzungsgefahr sollen Kunden den betroffenen Käse nicht konsumieren. Das Produkt könne in allen Lidl-Filialen zurückgegeben werden, teilte das Unternehmen weiter mit. Der Kaufpreis werde erstattet – auch ohne Vorlage des Kassenbons. Hier die offizielle Meldung auf lebensmittelwarnung.de

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

(mit dpa)

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Diabetesgesellschaft verlässt Klöckners Beratergremium für freiwillige Zuckerreduktion]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/diabetesgesellschaft-verlaesst-kloeckners-beratergremium-fuer-freiwillige-zuckerreduktion/Tue, 12 Feb 2019 10:10:00 +0100

Es war im Dezember vergangenen Jahres, als Julia Klöckner mit großem Tamtam ihre „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ ins Leben rief. Erklärtes Ziel: „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Statt dafür aber – wie von der medizinischen Fachwelt seit Jahren gefordert – verbindliche Maßnahmen wie eine Lebensmittelampel oder eine Limo-Steuer einzuführen, sollen die Hersteller von Fertigprodukten freiwillig weniger Zucker in ihre Produkte tun. 

„Praktisch wirkungslos“

Die Initiative überwachen soll ein Beraterkreis aus Verbraucherschützern, der Lebensmittelwirtschaft und wissenschaftlichen Fachorganisationen. Doch unmittelbar vor Arbeitsbeginn hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) das Gremium bereits wieder verlassen. 

Das Gremium sei „praktisch wirkungslos“, erklärte die DDG den Schritt. „Der deutsche Sonderweg, eine Reduktion nur freiwillig und im Konsens mit der Industrie zu erreichen, muss bereits jetzt als gescheitert angesehen werden.“

„Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems. Coca-Cola, Ferrero & Co. haben kein Interesse daran, eine gesunde Ernährung zu fördern – sie verdienen ihr Geld mit Zuckerbomben. Andere Länder zeigen längst, wie moderne Ernährungspolitik aussehen kann. Doch Frau Klöckner traut sich bisher nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Freiwillige Reduktionsstrategie in den Niederlanden gescheitert

Erst kürzlich etwa hatten führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report effektive Maßnahmen angemahnt, um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung sei zum Scheitern verurteilt, hieß es in der im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie. Auch Erfahrungen aus den Niederlanden zeigen, dass rein freiwillige Maßnahmen nicht ausreichen: Dort war ein Programm zur freiwilligen Zuckerreduktion gescheitert, wie das offizielle Monitoring der obersten staatlichen Gesundheitsbehörde gezeigt hat. Der Zuckergehalt aller untersuchten Produktgruppen blieb dort im Zeitraum 2011 bis 2016 unverändert.

In Deutschland fordern Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland schon lange zum Beispiel eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. 

Foto: © picture alliance / Sammy Minkoff

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Umfrage unter Supermärkten: Rückruf-Aktionen haben keine Priorität]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/umfrage-unter-supermaerkten-rueckruf-aktionen-haben-keine-prioritaet/Mon, 11 Feb 2019 12:30:00 +0100

Viele Menschen bekommen nicht mit, wenn beispielsweise Lebensmittel mit Salmonellen verunreinigt oder Fremdkörper enthalten sind – was erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann. Schuld ist auch die dürftige Informationspolitik der Handelsketten. 

Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hamburg und den Rückrufportalen Produktrückrufe.de und Produktwarnung.eu appeliert foodwatch an den Handel, konsequenter und einheitlicher über Lebensmittelwarnungen zu informieren. 

Eine von den Organisationen durchgeführte Umfrage unter Supermärkten und Discountern ergab: Bei einem Großteil der 35 befragten Handelsunternehmen haben Warnungen zum Schutz ihrer Kunden offenbar keine Priorität. 

„Lebensmittelgeschäfte spielen eine zentrale Rolle bei Lebensmittelwarnungen. Mit ihrer mangelhaften Informationspolitik machen sich Handelsunternehmen mitschuldig an vermeidbaren, teils schweren Erkrankungen. Ministerin Julia Klöckner muss dem Handel vorschreiben, Lebensmittelwarnungen immer und auf allen Kanälen zu verbreiten: im Laden, per Newsletter und auf Facebook, bei Fremdmarken genauso wie bei Eigenprodukten.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch Deutschland

Die fünf wichtigsten Ergebnisse der Umfrage

-  Das große Schweigen: 66 Prozent des Handels antworteten gar nicht auf die Nachfragen der Verbraucherschützer.

- Wenig Einheitlichkeit: Jeder Anbieter warnt anders. Ein erheblicher Anteil der befragten Unternehmen lässt sich nicht in die Karten blicken und verweist nur auf die rechtlichen Mindeststandards. Aus Sicht von foodwatch sollte die Kommunikation über alle Händler hinweg vereinheitlicht werden, zum Beispiel durch ein gleiches Layout und gleiche Platzierung der Warnmeldung immer am Eingang, am Regal und an der Kasse, um nur die wichtigsten zu nennen. Für einheitliche gesetzliche Regelungen sprachen sich dm, Lidl und die Bünting-Gruppe (z.B. Famila) aus. Kein Unternehmen nutzt alle verfügbaren Kanäle. Gerade soziale Medien oder E-Mail-Newsletter dienen meist nur der Marketing-Kommunikation, aber nicht zur Information über gefährliche Produkte und Rückrufaktionen.

- Gute Beispiele: Unscheinbare und kaum wahrnehmbare Plakate bei Lebensmittelwarnungen sind nicht kundenfreundlich. Vielversprechende Ansätze gibt es bei Aldi oder Lidl, so können sich Kunden nach deren Angaben über eine App informieren. Onlinekunden werden bei dm per Newsletter auf den neuesten Stand gesetzt. Ein Kommunikationsmix ist am wirkungsvollsten, um alle Zielgruppen zu erreichen.

- Unterscheidung von Eigen- und Fremdmarken: Verbraucher wollen sicher gehen, dass sie gleichermaßen lückenlos und zeitnah informiert werden. Zuweilen zeigte die Befragung, dass bei den Eigenmarken besser informiert wird, die Unterscheidung ist aus Verbrauchersicht jedoch nicht sinnvoll. Dass es auch anders geht, zeigen die Händler Norma oder Aldi, die keine Trennung zwischen Eigen- und Fremdmarken machen.

- Bereitschaft zur Kommunikation: Ein Lichtblick ist die Bereitschaft beispielsweise von dm oder Lidl, sich mit Verbraucherschützern auszutauschen.

Handelsunternehmen müssen konsequent informieren!

Jede Woche werden in Deutschland im Schnitt zwei Lebensmittel zurückgerufen. In schwerwiegenden Fällen kann es zu Verletzungen oder Erkrankungen kommen, in einigen Fällen besteht Lebensgefahr.

foodwatch fordert: Handelsunternehmen müssten die konsequente und kontinuierliche Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung und nicht als „notwendiges Übel“ sehen.

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Aus für gezuckerte Schulmilch in Berlin und Brandenburg]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/aus-fuer-gezuckerte-schulmilch-in-berlin-und-brandenburg/Thu, 31 Jan 2019 15:31:00 +0100

Künftig soll an Schulen in Brandenburg und Berlin nur noch Milch ohne Zuckerzusatz gefördert und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen organisiert werden. Das hat der Brandenburger Landtag am Dienstagabend beschlossen. Brandenburg organisiert sein Schulmilchprogramm gemeinsam mit Berlin. Nordrhein-Westfalen ist damit das einzige Bundesland, das an der Subventionierung gezuckerter Schulmilch festhält.

Nach der beschlossenen Änderung des Schulmilchprogramms in Berlin und Brandenburg hat foodwatch foodwatch Nordrhein-Westfalen aufgefordert, als nun letztes Bundesland ebenfalls die Förderung gezuckerter Milchprodukte zu stoppen. Bereits fast 30.000 Menschen haben über eine E-Mail-Aktion von foodwatch einen Stopp der Subventionen für gezuckerte Schulmilch gefordert. Hessen hat auf die öffentliche Kritik bereits reagiert und will keine Zuckermilch mehr fördern. Nur Nordrhein-Westfalen hält noch an der fragwürdigen Praxis fest.

„Frau Heinen-Esser muss ihr Absatzförderprogramm für die Milchwirtschaft stoppen und stattdessen ein Programm für ein gesundes Ernährungsangebot an den Schulen auflegen.“

Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

Die offiziellen Förderrichtlinien der Europäischen Union sehen eine Förderung gezuckerter Produkte nicht vor. Experten raten explizit von Kakao, Vanillemilch & Co. an Schulen ab. Gezuckerte Milch als Pausensnack widerspricht selbst den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

 

In einem öffentlichen Aufruf appellierten zuletzt renommierte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ernährungswissenschaften, Kinder- und Zahnmedizin sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lehrern, Eltern und der Bildungsgewerkschaft GEW an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie die Bundeszahnärztekammer unterstützten den von foodwatch initiierten Aufruf.

Eigens Ausnahmeregelungen geschaffen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die Europäische Union ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Seit der Reform sollen nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für diese Änderung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen hatten eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch hatte Hessen im August vergangenen Jahres als erstes Bundesland reagiert und einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. 

foodwatch-Report „Im Kakaosumpf“ 

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Aus für gezuckerte Schulmilch in Berlin und Brandenburg]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/aus-fuer-gezuckerte-schulmilch-in-berlin-und-brandenburg/Thu, 31 Jan 2019 15:31:00 +0100

Künftig soll an Schulen in Brandenburg und Berlin nur noch Milch ohne Zuckerzusatz gefördert und Ernährungsunterricht unabhängig von wirtschaftlichen Interessen organisiert werden. Das hat der Brandenburger Landtag am Dienstagabend beschlossen. Brandenburg organisiert sein Schulmilchprogramm gemeinsam mit Berlin. Nordrhein-Westfalen ist damit das einzige Bundesland, das an der Subventionierung gezuckerter Schulmilch festhält.

Nach der beschlossenen Änderung des Schulmilchprogramms in Berlin und Brandenburg hat foodwatch foodwatch Nordrhein-Westfalen aufgefordert, als nun letztes Bundesland ebenfalls die Förderung gezuckerter Milchprodukte zu stoppen. Bereits fast 30.000 Menschen haben über eine E-Mail-Aktion von foodwatch einen Stopp der Subventionen für gezuckerte Schulmilch gefordert. Hessen hat auf die öffentliche Kritik bereits reagiert und will keine Zuckermilch mehr fördern. Nur Nordrhein-Westfalen hält noch an der fragwürdigen Praxis fest.

„Frau Heinen-Esser muss ihr Absatzförderprogramm für die Milchwirtschaft stoppen und stattdessen ein Programm für ein gesundes Ernährungsangebot an den Schulen auflegen.“

Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

Die offiziellen Förderrichtlinien der Europäischen Union sehen eine Förderung gezuckerter Produkte nicht vor. Experten raten explizit von Kakao, Vanillemilch & Co. an Schulen ab. Gezuckerte Milch als Pausensnack widerspricht selbst den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards für Schulverpflegung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

 

In einem öffentlichen Aufruf appellierten zuletzt renommierte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Ernährungswissenschaften, Kinder- und Zahnmedizin sowie Vertreterinnen und Vertreter von Lehrern, Eltern und der Bildungsgewerkschaft GEW an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie die Bundeszahnärztekammer unterstützten den von foodwatch initiierten Aufruf.

Eigens Ausnahmeregelungen geschaffen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die Europäische Union ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Seit der Reform sollen nur noch Lebensmittel ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. In der Begründung für diese Änderung verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder. Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Die Bundesländer Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen hatten eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao & Co. zu fördern. Nach Kritik von foodwatch hatte Hessen im August vergangenen Jahres als erstes Bundesland reagiert und einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. 

foodwatch-Report „Im Kakaosumpf“ 

Im Oktober 2018 hatte foodwatch den umfassenden Report „Im Kakaosumpf“ veröffentlicht. Darin entlarvt die Verbraucherorganisation die engen Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, umstrittenen Wissenschaftlern und Politik am Beispiel Nordrhein-Westfalens. Der Report beleuchtet Studien, die den gezuckerten Kakao als intelligenzsteigernd und gesundheitsfördernd darstellen sowie die Rolle der Landesvereinigung der Milchwirtschaft in NRW. Diese hat per Ministererlass den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Bundesgesetz aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Report: Lebensmittellobby verhindert Maßnahmen gegen Fehlernährung ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/report-lebensmittellobby-verhindert-massnahmen-gegen-fehlernaehrung/Wed, 30 Jan 2019 16:20:00 +0100

Um Fettleibigkeit und Fehlernährung in den Griff zu bekommen, muss der Einfluss der Lebensmittelindustrie zurückgedrängt werden, fordern führende internationale Forscherinnen und Forscher in einem neuen Report. Die Lebensmittellobby untergrabe mit Einschüchterung und finanzieller Einflussnahme politische Maßnahmen zur Förderung einer gesunden Ernährung. Der Report ist auch eine schallende Ohrfeige für die Politik von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner.

Eine von der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ einberufene Expertenkommission bezeichnete in dem Report Fehlernährung als die „weltweit führende Ursache schlechter Gesundheit“. Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie seien gänzlich „ineffektiv“, um gegen Fehlernährung vorzugehen. Auch quasi-regulatorische Ansätze, in denen die Regierungen die Zielsetzung vorgeben und das Monitoring übernehmen, die Teilnahme der Industrie aber freiwillig ist, würden durch den Einfluss der Industrie verzögert und verwässert. Um wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung einzuführen, sollten Regierungen einen globalen Vertrag nach dem Vorbild der Anti-Tabak-Konvention der Weltgesundheitsorganisation errichten, forderte die Expertenkommission. Die Anti-Tabak-Konvention schließt die Tabakindustrie ausdrücklich von der Beteiligung an politischen Maßnahmen aus.

Freiwillige Selbstverpflichtung zum Scheitern verurteilt

Für foodwatch macht der Report deutlich: Die rein freiwillige „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“, die Bundesernährungsministerin Julia Klöckner gemeinsam mit den Lebensmittelkonzernen auf den Weg gebracht hat, kann nicht die Lösung sein. Stattdessen muss Frau Klöckner den Expertenempfehlungen folgen und die Zusammenarbeit mit der Ernährungsindustrie umgehend beenden. Die Strategie der freiwilligen Selbstverpflichtung ist zum Scheitern verurteilt.

„Der Report ist eine schallende Ohrfeige für die gesundheitsgefährdende Politik von Ernährungsministerin Julia Klöckner. Ihre Klüngelei mit der Lebensmittelindustrie ist nachweislich die falsche Strategie, um die grassierende Fehlernährung in den Griff zu bekommen – das ist jetzt von führenden Expertinnen und Experten bestätigt worden. Frau Klöckner traut sich nicht, sich mit der Industrie anzulegen. Sie nimmt Übergewicht, Diabeteserkrankungen und frühzeitige Todesfälle billigend in Kauf. Sie ignoriert die Stimmen von Medizinerinnen und Ernährungsexperten und trägt damit eine wesentliche Mitverantwortung für die Misere.“

Luise Molling von foodwatch

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen in Deutschland fordern schon lange wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung und Fettleibigkeit, wie eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Herstellerabgabe auf gesüßte Getränke. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzte die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Gegen diese Maßnahmen wehrt sich die Lebensmittelindustrie vehement.

Bundesregierung ignoriert Forderungen von Experten

Das Bundeskabinett hat stattdessen Ende 2018 die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf den Weg gebracht. Erklärtes Ziel der Strategie ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Das Papier von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner bleibt jedoch meilenweit hinter den Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas zurück. Stattdessen setzt das Ministerium auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Ernährungsbranche.

 

 

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<![CDATA[Klöckners Reduktionsstrategie: „Bitte bitte“ weniger Zucker]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/kloeckners-reduktionsstrategie-bitte-bitte-weniger-zucker/Wed, 19 Dec 2018 15:49:00 +0100

Das Bundeskabinett hat heute die „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten“ von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf den Weg gebracht. Erklärtes Ziel der Strategie ist es, „eine gesunde Lebensweise zu fördern“ und „den Anteil der Übergewichtigen und Adipösen in der Bevölkerung zu senken“. Dabei setzt Julia Klöckner aber auf freiwillige Selbstverpflichtungen der Lebensmittelwirtschaft statt auf wirksame gesetzliche Maßnahmen wie eine Lebensmittelampel.

Im kommenden Jahr sollen die Lebensmittelhersteller sich auf Ziele verpflichten, die dann bis zum Jahr 2025 umgesetzt werden sollen, kündigte Julia Klöckner heute auf einer Pressekonferenz an. Konkret benannte sie bisher nur wenige Zielvorgaben. So solle zum Beispiel bei Frühstücksflocken der Zuckergehalt um 20 Prozent gesenkt werden, bei Softdrinks um 15 bis 20 Prozent, hieß es. Auch Portionsgrößen sollen kleiner werden. Eine Internetplattform soll über die Änderungen informieren.

DAS wären wirklich wirksame Maßnahmen

Mit ihrem Papier ingoriert Bundernährungsministerin Julia Klöckner allerdings die Forderungen und Empfehlungen der medizinischen Fachwelt zur Bekämpfung von Übergewicht und Adipositas. Schon seit Jahren fordern medizinische Fachgesellschaften oder auch die Weltgesundheitsorganisation wirksame politische Maßnahmen ein. Im Mai dieses Jahres hatte ein breites Bündnis aus Fachorganisationen und mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzten in einem Offenen Brief von der Bundesregierung politische Maßnahmen gefordert. Dazu gehören:

  • eine Lebensmittelampel
  • die Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung
  • eine „Limo-Steuer“

Gesetzliche Maßnahmen wie diese lehnt Frau Klöckner jedoch ab. Andere Länder machen dagegen Ernst im Kampf gegen Fettleibigkeit: Frankreich und Spanien führen eine Lebensmittelampel ein, Chile beschränkt die Werbung an Kinder und Großbritannien besteuert überzuckerte Limonaden. Deutschland jedoch setzt darauf, die Industrie mit einer freiwilligen Selbstverpflichtung zu Änderungen zu bewegen. 

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

„Jetzt ist es also amtlich: Diese Ministerin ist gesundheitsgefährdend. Julia Klöckner hat es mit einem massiven Gesundheitsproblem zu tun und unterlässt es zu handeln – sie belässt es dabei, bei der Lebensmittelindustrie lieb 'Bittebitte' zu sagen. Die Zuckerlobby, Nestlé oder Coca-Cola dürften ihr Glück kaum fassen. Jeder weiß, dass freiwillige Selbstverpflichtungen scheitern – gerade erst ist die freiwillige Reduktionsstrategie in den Niederlanden gefloppt.“

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

Vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die Lebensmittellobby

Selbst die jetzt nur freiwillig gesetzten Ziele sind viel zu lasch. Überzuckerte Frühstücksflocken sind auch mit 20 Prozent weniger Zucker immer noch überzuckert. Fanta beispielsweise enthält in Deutschland etwa doppelt so viel Zucker wie in Großbritannien, nachdem dort eine Limo-Steuer eingeführt wurde. Selbst mit der jetzt versprochenen Reduktion würde Fanta in Deutschland immer noch viel mehr Zucker als nötig enthalten – und immer noch viel mehr als in Großbritannien. Mit ihrer Strategie, bei der es nur vorgeblich um ein gesünderes Lebensmittelangebot geht, macht die Ministerin der Lebensmittellobby letztlich ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. 

Fettleibigkeit: Die Herausforderung ist riesig

In Deutschland gelten knapp 47 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer als zu dick. Etwa ein Fünftel aller Erwachsenen ist sogar adipös, also fettleibig. Bei den Kindern sind etwa 15 Prozent zu dick, 5 Prozent sind fettleibig. Sie haben ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes und andere Krankheiten. Der wesentliche Grund für diese Entwicklung: Das Lebensmittelangebot hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt. Jederzeit und überall sind hochkalorische, hochgradig verarbeitete und zuckerreiche Lebensmittel im Übermaß verfügbar. Die Hersteller verstärken durch ihre Marketingaktivitäten das Problem: So enthalten 90 Prozent aller Lebensmittel und Getränke, die an Kinder vermarktet werden, zu viel Fett, Salz und Zucker.

 

Bild: BMEL/Janine Schmitz/photothek.net

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Eckart von Hirschhausen: „Jeder Dicke selber schuld? Quatsch!“]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/eckart-von-hirschhausen-jeder-dicke-selber-schuld-quatsch/Mon, 17 Dec 2018 14:37:00 +0100

foodwatch: Wir haben uns sehr über Ihren spontanen Besuch unserer Pressekonferenz zu überzuckerten Erfrischungsgetränken gefreut – warum liegt Ihnen das Thema am Herzen?

Eckart von Hirschhausen: Zucker ist schädlich. Das weiß man eigentlich schon lange, aber jetzt ist dieser Fakt wissenschaftlich noch klarer bewiesen und das Thema gewinnt an gesellschaftlicher Brisanz. Die Weltgesundheitsorganisation warnt vor einer „globalen Adipositas-Epidemie“. In Deutschland sind aktuell 15 Prozent der Kinder und etwa 60 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, etwa jeder vierte Erwachsene ist sogar fettleibig. Mehr als sechs Millionen Menschen sind zuckerkrank. Das sind doch alarmierende Zahlen, die wir als Gesellschaft ernst nehmen müssen! Wer einmal dick ist, hat es verdammt schwer, seinen Stoffwechsel wieder umzudrehen. Das Allerbeste ist: gesund bleiben. Von Anfang an.

Wenn Sie Ernährungsminister wären, welche Maßnahme würden Sie sofort auf den Weg bringen?

Wir brauchen dringend klare gesetzliche Rahmenbedingungen zur Prävention, die uns allen helfen, gesünder zu bleiben. Gesundheit ist ein Mix aus Eigenverantwortung, Aufklärung und gesellschaftlichen Regeln. Deshalb ist es höchste Zeit für eine wirksame Zuckersteuer, konsequente Werbeverbote und eine sinnliche und humorvolle Vermittlung von Gesundheitskompetenz in den Kindergärten und Schulen. Das Problem ist aber, dass Prävention kein Geschäftsmodell ist. Niemand verdient daran, wenn Menschen gesund bleiben. Aber viele, wenn sie krank sind. Das ist kein freier „Markt“, wenn die Anreize genau in die falsche Richtung gehen. 

Die Lebensmittelindustrie warnt gerne vor einem „Nanny-Staat“ – sind politische Maßnahmen für eine gesunde Ernährung bevormundend?

Erinnern Sie sich noch an den Aufschrei, als Rauchen in den Kneipen verboten wurde? Es gab aber keinen Weltuntergang, sondern mehr Leute, die in eine Kneipe gehen und da atmen können. Und die Herzinfarkte durch Rauchen und Passivrauchen gingen messbar runter. Ich bin auch nicht für einen medizinischen Überwachungsstaat, aber es gibt sinnvolle Forderungen, und dazu gehört neben einer klaren Lebensmittelkennzeichnung auch eine Zuckersteuer. Positiv gesprochen, bestimmt der Rahmen unser Verhalten, nicht die Vernunft. In Dänemark fahren viel mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit, weil die Radwege so breit sind wie die Straßen. Das sind alles politische Entscheidungen, die sich positiv auf die persönlichen Entscheidungen auswirken. Aber dieser Gedanke von „public health“ ist in Deutschland noch unterentwickelt, hier tut man so, als sei jeder Dicke an seinem Schicksal selber schuld, was vollkommener Quatsch ist.

Haben Sie Tipps für ein gesundes Leben?

Lassen Sie einfach alles weg, was es verkürzt. In meinem Liveprogramm „Endlich!“ bringe ich es ganz einfach auf den Punkt: 15 Jahre unseres Lebens hängen am Lebensstil. Es gibt keine Tablette, keine Operation und erst recht keine Creme, die uns besser schützt als fünf ganz einfache Dinge des Alltags: nicht rauchen, bewegen, Gemüse, erwachsen werden und Kind bleiben. 

Welche Schwäche haben Sie?

Sie sollten mich nie mit einer Tafel Marzipan-Schokolade alleine in einem Raum lassen, da kann ich für nichts garantieren. Aber wer nicht genießt, wird ungenießbar!

Eckart von Hirschhausens neues Buch „Die Bessere Hälfte. Worauf wir uns mitten im Leben freuen können“ erschien im September 2018. Seit Dezember 2017 ist er mit seinem Bühnenprogramm „Endlich“ auf Tour. Gemeinsam mit mehr als 2.000 Ärztinnen und Ärzten, Krankenkassen, Fachgesellschaften und foodwatch fordert er von der Bundesregierung in einem Offenen Brief wirksame Maßnahmen für die Prävention von Fettleibigkeit, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten. 

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Nach Abmahnung: Milch-Lobby stoppt Gesundheitswerbung für Schulkakao]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nach-abmahnung-milch-lobby-stoppt-gesundheitswerbung-fuer-schulkakao/Thu, 13 Dec 2018 11:13:00 +0100

Nach dem foodwatch bereits das Molkereiunternehmen Landliebe erfolgreich abgemahnt hatte, muss nun auch die Landesvereinigung der Milchwirtschaft Werbeaussagen zu Schulkakao zurückziehen. Der Grund: Der Lobbyverband bewarb gezuckerte Schokomilch als gesundheitsförderlich – ein klarer Verstoß gegen Verbraucherschutzvorgaben. Der Fall der Landesvereinigung ist dabei besonders schwerwiegend, da es sich um den zentralen Partner des Landes NRW bei der Organisation des staatlichen Schulmilchprogramms handelt. 

Der Verband hatte Schokomilch unter anderem als positiv für die Zahngesundheit dargestellt und behauptet, dass sie den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“. Schulmilch - die in NRW zum Großteil in Form von gezuckertem Kakao ausgeliefert wird - bewarb die Milchvereinigung pauschal als „gesund“ und schrieb, mit ihr könne „man besser denken“. Für einen Teil der Aussagen gab die Lobbyvereinigung nun eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ab, andere Aussagen entfernte oder veränderte sie auf ihren Internetseiten. Zuvor musste bereits der Molkereikonzern Landliebe auf foodwatch-Kritik reagieren, unerlaubte Gesundheitswerbung für Schulkakao einräumen und eine Elternbroschüre zurückziehen.

Das Land NRW darf der Milchindustrie nicht länger auf den Kakao gehen. Umweltministerin Ursula Heinen-Esser muss die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milch beenden und klarstellen, dass Lobbyisten nichts an den Schulen verloren haben. Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft ist kein geeigneter Partner für die Ernährungsbildung im Unterricht. Mit Zucker lässt sich Milch in den Schulen einfach besser verkaufen - da schrecken Unternehmen wie Lobbyisten nicht einmal vor unerlaubter Werbung zurück, um zuckrigen Kakao bei Schülern, Eltern und Lehrern als gesund darzustellen. So geht das Schulmilchprogramm zu Lasten der Kindergesundheit.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

foodwatch kritisiert, dass das Land NRW auf seiner offiziellen Schulmilch-Website "bei Informationsbedarf zum gesundheitlichen Stellenwert" der Schulmilchprodukte auf genau jene Internetseite der Landesvereinigung der Milchwirtschaft verweist, auf denen diese entgegen der Verbraucherschutzvorgaben Schokomilch als gesund bewarb - offenbar ohne fachliche Überprüfung der Aussagen. Damit habe das Land ausgerechnet die Gesundheitsaufklärung in die Hände von Interessenvertretern gelegt.

Lobbynetzwerk rund um Schulkakao

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft ist seit Jahrzehnten Partner der NRW-Landesregierung bei der Umsetzung des Schulmilch- und Schulkakaoprogramms. Der Lobbyverband wird von der Landesregierung in die Schulen geschickt, um Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme an dem Programm zu bewegen, um Ernährungsunterricht zu gestalten und Lehrmaterialien zu erstellen – und erhält dafür sogar zusätzliche Steuergelder. Er finanziert sich über Umlagen von den Molkereien und profitiert damit direkt vom Verkauf des Schulkakaos. Gleichzeitig ist der Milchverband eng mit der Molkerei Landliebe verflochten, dem größten Schulmilch-Lieferanten in Deutschland. Landliebe hatte bereits vergangene Woche nach einer Abmahnung von foodwatch unzulässige Werbung für Schulkakao gestoppt.

Verstoß gegen EU-Recht

Die im Internet verbreiteten Werbesprüche der Landesverteidigung zu gesüßter Schulmilch verstoßen gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden - erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören jedoch nicht dazu. Der Verband verzichtet nun zwar auf die unzulässigen Aussagen, verteidigte aber gleichzeitig zuckrige Schulmilchprodukte. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. 

NRW, Berlin und Brandenburg müssen Kakao-Subvention stoppen!

Neben Nordrhein-Westfalen forderte foodwatch auch Berlin und Brandenburg auf, die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die noch Milchprodukte wie Kakao subventionieren. Andere Länder, die am Schulmilchprogramm teilnehmen, fördern ausschließlich ungesüßte Milch mit Steuergeldern. Gleichzeitig forderte foodwatch auch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, Stellung zu beziehen: NRW, Berlin und Brandenburg verteilen mit Steuergeldern Zucker-Milch an Schülerinnen und Schüler – und der Ministerin, die in Sonntagsreden so gerne über Zuckerreduktion redet, ist das offenbar egal.

Unterstützen Sie unsere E-Mail-Aktion gegen die Subventionierung von gezuckerter Schulmilch:

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<![CDATA[Erfolg: Grenzwerte für Quecksilber in Fisch werden nicht gelockert]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/quecksilber-in-fisch/aktuelle-nachrichten/erfolg-grenzwerte-fuer-quecksilber-in-fisch-werden-nicht-gelockert/Wed, 28 Nov 2018 15:11:00 +0100

Die Europäische Union will die Grenzwerte für Quecksilber in Fisch nun doch nicht lockern. Ursprünglich sollte eine deutlich höhere Dosis des Nervengifts in bestimmten Fischsorten erlaubt werden. Die EU hatte vor drei Jahren einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt. foodwatch hatte die geplante Lockerung der Grenzwerte damals öffentlich gemacht und scharf kritisiert, fast 80.000 Menschen in Deutschland und den Niederlanden unterzeichneten eine Online-Protestaktion. Jetzt ist die Grenzwert-Anhebung vom Tisch.

Vielen Dank an alle Unterstützer und Unterstützerinnen!

„Die Quecksilber-Höchstwerte für einige Fischarten sind bereits deutlich höher als bei anderen Lebensmitteln – eine noch weitere Lockerung der Grenzwerte wäre absolut unverantwortlich gewesen, denn insbesondere Schwangere und kleine Kinder müssen viel konsequenter vor diesem Schwermetall geschützt werden. Anstatt die Höchstwerte für die Quecksilber-Belastung einfach heraufzusetzen, nur damit weiterhin hochbelasteter Fisch verkauft werden darf, muss die EU-Kommission alles daran setzen, die Belastung für Menschen zu senken.“

Matthias Wolfschmidt, internationaler Kampagnendirektor foodwatch

Die Arbeit von foodwatch wirkt

Die Europäische Kommission hatte ursprünglich geplant, den zulässigen Quecksilber-Höchstwert bei Raubfischen von einem auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch zu verdoppeln. Damit sollte erreicht werden, dass die Fischindustrie große Mengen ihres hochgradig mit Quecksilber belasteten Fangs legal vermarkten kann. Untersuchungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zeigen, dass insbesondere große Raubfische am Ende der Nahrungskette wie Schwert- und Thunfische oft deutlich höher mit Quecksilber belastet sind, als es die geltenden Grenzwerte eigentlich erlauben. Heute dürfen etwa 50 Prozent des Fangs nicht verkauft werden – die geplante Lockerung der Grenzwerte hätte zur Folge gehabt, dass nur noch 14,5 Prozent des Fangs als unverkäuflich eingestuft würden. Die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucherinnen und Verbraucher hätten sich dadurch deutlich erhöht. In einem Arbeitsgruppen-Treffen im September im zuständigen SCOPAFF-Ausschuss (Ständiger Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel) kündigte die EU-Kommission allerdings an, die Grenzwerte nun doch nicht anzuheben. Das zeigt eine jetzt im November veröffentlichte offizielle Zusammenfassung des Treffens.

Wie gefährlich ist Quecksilber?

Quecksilber ist ein für den Menschen hochgiftiges Schwermetall. Es wird etwa von Kohlekraftwerken in die Luft oder als Bestandteil von Agrochemikalien in Böden und Gewässer freigesetzt. Im Meer wird daraus das 100-fach giftigere Methyl-Quecksilber, welches von Fischen aufgenommen wird. Die Verschmutzung der Weltmeere mit dem Nervengift birgt ein gravierendes gesundheitliches Risiko, vor dem die deutsche Bundesregierung insbesondere Schwangere und (Klein-) Kinder warnt. Das Schwermetall kann zu Entwicklungsstörungen des Fötus führen und bei Erwachsenen für eine Reihe von Nervenstörungen verantwortlich sein. Besonders hoch mit Quecksilber belastet sind Raubfische, die am Ende der Nahrungskette stehen, wie Hai-, Schwert- und Thunfische.

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<![CDATA[Erfolg: Landliebe muss Kakao-Werbung stoppen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/erfolg-landliebe-muss-kakao-werbung-stoppen/Mon, 26 Nov 2018 10:35:00 +0100

Nach einer Abmahnung durch foodwatch hat die Molkerei Landliebe ihre haarsträubenden und zugleich unerlaubten Werbeaussagen zu gezuckerter Schulmilch zurückgezogen. Auf Slogans wie „Kakao steigert die Intelligenz“ wird das Unternehmen in Zukunft verzichten. Für Berlin und Brandenburg ist die Causa besonders peinlich. 

Das zum Friesland-Campina-Konzern gehörende Unternehmen Landliebe bewarb in einer Elternbroschüre und im Internet gesüßte Schokomilch als gesundheitsförderlich – mit unzulässigen Aussagen, wie „Kakao steigert die Intelligenz“, „macht geistig fit“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Die Aussagen gehen auf Auftragsstudien zurück, die foodwatch als unseriös und wissenschaftlich nicht haltbar einstufte.

In einer Unterlassungserklärung verpflichtete sich die Molkerei, diese Aussagen nicht weiter zu verwenden. Sie zog die Elternbroschüre zum Schulmilchprogramm zurück und entfernte die unzulässige Werbung für den Kakao von seinen Internetseiten.

Blamage für Berlin und Brandenburg

Berlin und Brandenburg hatte sein gemeinsames Schulmilchprogramm ausgerechnet mit den unerlaubten Werbeaussagen von Landliebe begründet, weshalb trotz aller Kritik weiterhin gezuckerte Milchprodukte staatlich subventioniert werden. 

foodwatch forderte Berlin und Brandenburg sowie Nordrhein-Westfalen auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die drei Bundesländer sind die einzigen, die im Rahmen ihrer Schulmilchprogramme noch an der steuerfinanzierten Förderung von gezuckerten Produkten wie Kakao festhalten. 

„Um die staatlich geförderte Überdosis Zucker weiterhin gewinnbringend an die Schulen liefern zu dürfen, hat Landliebe jahrelang unzulässig Märchen über die vermeintlich positive Wirkung von Schokomilch verbreitet. Schlimm genug, dass einige Bundesländer das bis heute unkritisch mitgemacht haben – wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Verstoß gegen EU-Recht

Die Landliebe-Werbung zu gesüßter Schulmilch verstieß gegen europäisches Lebensmittelrecht. Denn gesundheitsbezogene Werbeaussagen müssen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 260 solcher „Health Claims“. Die abgemahnten Werbesprüche gehören jedoch nicht dazu.

Zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten sprechen sich klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus. Auch die offiziellen Richtlinien der Europäischen Union für das Schulprogramm sehen aus gesundheitlichen Gründen keine Förderung mehr von gezuckerten Produkten vor. Brandenburg, Berlin und NRW jedoch haben eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter auch Kakao und Co. an Schulen fördern zu können. Alle anderen Bundesländer subventionieren, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

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<![CDATA[Wie mit Comicfiguren die Kleinsten geködert werden]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/wie-mit-comicfiguren-die-kleinsten-gekoedert-werden/Wed, 14 Nov 2018 09:52:00 +0100

"Spongebob Schwammkopf", kleine Frucht-Monster oder passend zur Halloween die "Grusel-Fanta" – mit Comicfiguren auf zuckrigen Erfrischungsgetränken ködert die Lebensmittelindustrie schon die Kleinsten der Kleinen. foodwatch hat ein Ranking der zehn zuckrigsten Kindergetränke veröffentlicht, die mit Comicfiguren beworben werden. Ganz vorne dabei: die Handelskette Lidl mit gleich vier Produkten.

Obwohl Lidl in der Vergangenheit wiederholt damit geworben hat, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren, sind die Produkte der Eigenmarke Solevita gleich vier Mal im Ranking vertreten. Lidl hat sich ursprünglich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Produkte von Solevita tragen bislang wenig dazu bei. foodwatch fordert Lidl und andere Hersteller auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert.“

Luise Molling, Campaignerin bei foodwatch

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. 

14.11.2018

Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Fotogalerie (7 Bilder)

Die zehn zuckrigsten Getränke im Überblick

1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml
2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
2. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml 
6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml 
6. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml 
8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml 
9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml 
10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

Hohe Zahlen fettleibiger Kinder

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie gescheitert

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.

Julia Klöckner muss Kindermarketing für Zuckerbomben verbieten

foodwatch fordert: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden. Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.

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<![CDATA[Wie mit Comicfiguren die Kleinsten geködert werden]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/wie-mit-comicfiguren-die-kleinsten-gekoedert-werden/Wed, 14 Nov 2018 09:52:00 +0100

"Spongebob Schwammkopf", kleine Frucht-Monster oder passend zur Halloween die "Grusel-Fanta" – mit Comicfiguren auf zuckrigen Erfrischungsgetränken ködert die Lebensmittelindustrie schon die Kleinsten der Kleinen. foodwatch hat ein Ranking der zehn zuckrigsten Kindergetränke veröffentlicht, die mit Comicfiguren beworben werden. Ganz vorne dabei: die Handelskette Lidl mit gleich vier Produkten.

Obwohl Lidl in der Vergangenheit wiederholt damit geworben hat, den Zuckergehalt im Eigenmarken-Sortiment zu reduzieren, sind die Produkte der Eigenmarke Solevita gleich vier Mal im Ranking vertreten. Lidl hat sich ursprünglich das Ziel gesetzt, bis 2025 den Zucker im Eigenmarken-Sortiment um 20 Prozent zu reduzieren. Die Produkte von Solevita tragen bislang wenig dazu bei. foodwatch fordert Lidl und andere Hersteller auf, das Kindermarketing für Zuckergetränke umgehend zu beenden.

„Die Lebensmittelindustrie nutzt Comicfiguren, um schon die kleinsten Kinder zu ködern und ihnen flüssige Zuckerbomben anzudrehen. Die Hersteller torpedieren damit die Bemühungen von Eltern und Lehrern, Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern. Ganz vorne dabei ist ausgerechnet Lidl – eine Handelskette, die sich als Vorreiterin der Zuckerreduktion feiert.“

Luise Molling, Campaignerin bei foodwatch

Für die aktuelle Recherche hatte foodwatch bei den fünf größten Handelsunternehmen sämtliche sogenannten Erfrischungsgetränke, die mit Comicfiguren auf der Verpackung an Kinder beworben werden, ermittelt und auf ihren Zuckergehalt geprüft. 

14.11.2018

Die zehn zuckrigsten Kindergetränke

Fotogalerie (7 Bilder)

Die zehn zuckrigsten Getränke im Überblick

1. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Apfel-Kirsch“; Zuckergehalt: 10,2g/100ml
2. Sonic-Drink: „Spongebob Schwammkopf Kids Cola“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
2. Solevita (Lidl): „Orange“; Zuckergehalt: 10g/100ml 
4. Capri Sun: „Safari Fruits“; Zuckergehalt: 9,4g/100ml
5. Solevita (Lidl): „Multivitamin“; Zuckergehalt: 9,3g/100ml 
6. Coca Cola: „Fanta Orange“; Zuckergehalt 9,1g/100ml 
6. Solevita (Lidl): Trinkpäckchen „Orange“; Zuckergehalt: 9,1g/100ml 
8. Rauch: „Yippy Multivitamin“; Zuckergehalt: 8,9g/100ml 
9. Rauch: „Yippy Kirsche“; Zuckergehalt 8,8g/100ml 
10. Capri Sun: „Monster Alarm“, Zuckergehalt 8,7g/100ml 

Hohe Zahlen fettleibiger Kinder

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig oder fettleibig. Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent gestiegen. Zuletzt hat sich der Anteil auf dem hohen Niveau stabilisiert. Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Die WHO empfiehlt daher, gesüßte Getränke generell nicht an Kinder zu bewerben.

Freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie gescheitert

Die weltweit führenden Lebensmittelunternehmen haben bereits 2007 in einer freiwilligen Selbstverpflichtung versprochen, Werbung an Kinder verantwortungsvoll zu gestalten. In dem sogenannten „EU Pledge“ haben Coca-Cola, Ferrero, Nestlé & Co zugesichert nur noch Lebensmittel, die bestimmte Nährwertanforderungen erfüllen, an Kinder unter zwölf Jahren zu bewerben. Mehrere unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass solche freiwilligen Selbstverpflichtungen das Marketing für unausgewogene Produkte an Kinder nicht verhindern.

Julia Klöckner muss Kindermarketing für Zuckerbomben verbieten

foodwatch fordert: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich dafür sorgen, dass Zuckerbomben und Snacks nicht mehr aggressiv an Kinder vermarktet werden. Wenn die Ministerin es ernst meint mit dem Kampf gegen Fehlernährung, muss sie das Kindermarketing für unausgewogene Lebensmittel verbieten und die Kinder vor dem Profitinteresse der Konzerne schützen.

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<![CDATA[„Schlau machender Kakao“: foodwatch mahnt Milch-Lobby ab ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/schlau-machender-kakao-foodwatch-mahnt-milch-lobby-ab/Thu, 25 Oct 2018 10:59:00 +0200

Landliebe und die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW stellen gesüßte Schulmilch trotz ihres Zuckergehalts als gesund dar – und bedienen sich dabei unerlaubter Werbeaussagen. Das hat eine juristische Prüfung durch foodwatch ergeben. foodwatch hat den größten Schulmilchlieferanten sowie den nordrhein-westfälischen Lobbyverband der Milchwirtschaft abgemahnt und aufgefordert, die Werbung zurückzuziehen. 

„Kakao macht schlau“

In einer Elternbroschüre stellt Landliebe dar, dass Schüler durch den Verzehr der gezuckerten „Schokomilch“ in den „Bereich optimaler geistiger Leistungsfähigkeit“ gelangten. Im Internet behauptet das Molkereiunternehmen: „Kakao steigert die Intelligenz“ und „Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser“. Diese Aussagen hatte das Unternehmen auch per Newsletter an Entscheidungsträger geschickt.

Brandenburg macht mit diesem Märchen Politik

Die für das Schulmilchprogramm zuständige Behörde in Brandenburg gab gegenüber foodwatch an, auch auf Basis dieser angeblichen Studienergebnisse entschieden zu haben, dass das Land weiter an der Förderung von gezuckerten Schulmilchprodukten festhält, obwohl die aus einem EU-Topf stammenden Zuschüsse nach den Vorgaben der EU grundsätzlich nur für ungesüßte Produkte verwendet werden sollen. 

Verflechtung der Milchwirtschaft mit der Landesregierung NRW

Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW wiederum behauptet auf Internetseiten unter anderem, dass gezuckerte Schokomilch den Blutzuckerspiegel „optimal beeinflusst“ und Milchprodukte die Zähne „schützen“. Der Lobbyverband ist der wesentliche Partner des Landes NRW bei der Umsetzung des Schulmilchprogramms: Er erhält Steuergelder, um in den Schulen Ernährungsunterricht zu gestalten, Lehrmaterialien zu erstellen und um Schulen, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern zu einer Teilnahme am Schulmilch- und Schulkakaoprogramm zu bewegen. 

„Die Kindergesundheit ist offenbar nur noch ein Kollateralschaden des Profitstrebens von Landliebe und der übergriffigen Absatzförderung von Milchlobbyisten. Wem jedes unseriöse Mittel recht ist, um weiterhin am Verkauf von zuckrigem Schulkakao an den Schulen zu verdienen, kann kein Partner für die Landesregierungen sein“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Verbotene „Health Claims“ von Landliebe & Co.

Zum Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher vor irreführenden oder falschen Werbeversprechen müssen gesundheitsbezogene Werbeaussagen seit 2012 durch EU-Behörden genehmigt werden – erlaubt sind derzeit rund 250 solcher „Health Claims“. Die von foodwatch abgemahnten Werbesprüche der Milchwirtschaft gehören nicht dazu. Ohnehin basieren die Aussagen im Wesentlichen auf einer kleinen Zahl wissenschaftlich höchst fragwürdiger Studien im Auftrag der Milchwirtschaft. Demgegenüber sprechen sich zahlreiche Zahnmediziner, Kinderärzte und Ernährungsexperten klar gegen die Abgabe von gezuckerter Milch an Schulen aus.

foodwatch fordert: Schluss mit Subvention für Schulkakao

foodwatch forderte NRW, Berlin und Brandenburg auf, keine Lobbyverbände mehr mit der Unterrichtsgestaltung zu beauftragen und die Subventionen für gezuckerte Milchgetränke zu stoppen. Die anderen Bundesländer fördern, wenn überhaupt, nur noch ungesüßte Trinkmilch. Zuletzt hatte Hessen auf die Kritik an der Zuckersubvention reagiert und angekündigt, gesüßten Kakao aus der Förderung zu streichen.

NRW will zunächst Eltern befragen

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser hält vorerst an der Subvention von zuckriger Schulmilch fest. Zunächst sollen die Eltern befragt werden. foodwatch forderte die Ministerin auf, die Befragung so auszugestalten, dass Eltern ihre Bedürfnisse zur Unterstützung einer ausgewogenen Ernährung der Kinder an den Schulen äußern können. Denn es kann nicht sein, dass die Milchwirtschaft Eltern, Schulverantwortlichen und Kindern jahrelang einreden darf, Zuckermilch sei besonders gesund – und auf Basis einer solchen Desinformationskampagne werden Eltern plötzlich nur danach gefragt, ob der Kakao weiter gefördert werden soll.

„Alle Argumente liegen längst auf dem Tisch. Wenn NRW ernsthaft eine ausgewogene Ernährung an Schulen unterstützen will, dann gibt es viele Möglichkeiten: Die Zuckerförderung stoppen, die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung nach mehr als zehn Jahren endlich durchsetzen, das Obst- und Gemüseprogramm an allen Schulen zugänglich machen, Angebote für ausgewogene Schulfrühstücke machen – all das würde den Kindern helfen und nicht in erster Linie Milchindustrie. Die Elternbefragung ist eine Chance um herauszufinden, wo die Not am größten ist. Allerdings muss das Land auch dazu bereit sein, die nötigen Mittel bereitzustellen – anders als bisher.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Der Landliebe-Schulkakao enthält in der fettarmen Variante 21,7 Gramm Zucker in einer Tagesportion (250-Milliter) – das entspricht umgerechnet mehr als 7 Stück Würfelzucker. Die ungesüßte, fettarme Trinkmilch enthält demgegenüber 12 Gramm Milchzucker pro Tagesportion. 

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<![CDATA[Neues Bündnis mit der AOK: „Aktion weniger Zucker“]]>https://www.foodwatch.org/de/ueber-foodwatch/aktuelles-ueber-foodwatch/neues-buendnis-mit-der-aok-aktion-weniger-zucker/Wed, 17 Oct 2018 16:15:00 +0200

foodwatch hat sich mit dem AOK-Bundesverband, der Deutschen Allianz Nicht-übertragbare Krankheiten (DANK), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Ethnomedizinischen Zentrum in dem Bündnis „Aktion weniger Zucker“ zusammengeschlossen. Auf dem zweiten Zuckerreduktionsgipfel der AOK hat sich die „Aktion weniger Zucker“ vorgestellt. Das Bündnis fordert wirksame politische Maßnahmen zur Prävention von Fehlernährung. 

Die Organisationen fordern konkret vier Maßnahmen, um den hohen Zuckerkonsum zu senken und eine gesunde Ernährung zu fördern:

  1. Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für zuckerreiche oder andere hochkalorische Lebensmittel
  2. Für alle Bevölkerungsgruppen verständliche Lebensmittelkennzeichnung
  3. Steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln
  4. Verbindliche Standards für die Kita- und Schulverpflegung

Ziel ist, dass der Zuckergehalt von Lebensmitteln tatsächlich messbar sinkt und damit auch der Gesamtzuckerkonsum der Bevölkerung. 

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit

Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig, fast jeder vierte gilt als fettleibig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer „Fettleibigkeitsepidemie“. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung: Das Lebensmittelangebot hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt. Zucker- und fettreiche Lebensmittel sind jederzeit verfügbar, oft billiger als gesundes Essen und werden massiv beworben. Doch statt wirksame gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen, setzt die Bundesregierung auf Gespräche mit der Industrie und eine freiwillige Selbstverpflichtung. Erst vor zwei Tagen hat Bundesernährungsministerin Julia Klöckner eine sogenannte Grundsatzvereinbarung mit Wirtschaftsverbänden präsentiert, mit der sie unter anderem den Zuckergehalt von Lebensmitteln senken will. Doch die Vereinbarung überlässt es den Herstellern, selbst Ziele und Maßnahmen für die Förderung gesunder Ernährung festzulegen.

„Statt weiter darauf zu hoffen, dass die Industrie freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte mischt, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich die Branche in die Pflicht nehmen. Wir brauchen nicht nur freundliche Empfehlungen an die Hersteller, sonder klare Anreize: Eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung, gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und auch Steuern für gesündere Rezepturen. Dafür setzen wir uns nun auch in dem Bündnis 'Aktion weniger Zucker' ein.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen, foodwatch

Bündnis fordert gesetzliche Maßnahmen

Durch die Arbeit im Bündnis wollen die vier Organisationen erreichen, dass die Politik endlich wirksame Maßnahmen ergreift um eine gesunde Ernährung zu fördern. Dabei wollen sich die Partner zunächst auf den zu hohen Zuckergehalt in Fertigprodukten und sogenannten Erfrischungsgetränken konzentrieren. Denn schon ein Zuckergetränk am Tag erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit. Und noch immer ist mehr als jedes zweite Getränk in Deutschland überzuckert, wie eine aktuelle Marktstudie von foodwatch gezeigt hat.  

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<![CDATA[Kakao-Sumpf: Lobbyismus auf Kosten der Kindergesundheit]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/kakao-sumpf-lobbyismus-auf-kosten-der-kindergesundheit/Wed, 10 Oct 2018 10:36:00 +0200

Ein Schulmilchprogramm im Lobby-Sumpf: foodwatch hat den Schulmilch-Report in Düsseldorf vorgestellt. Dieser entlarvt jahrzehntelange Verflechtung zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik in NRW. Das Schulmilchprogramm ist vor allem Absatzförderung für die Milchwirtschaft. Die Leidtragenden davon sind die Kinder.

Eine Landesregierung beauftragt Lobbyisten, Werbung an Schulen zu machen – und stattet sie dafür mit Steuergeldern aus. Ein Abgeordneter kritisiert von der Oppositionsbank aus die gezuckerten Schulmilchprodukte, nur um später, als Minister, vom Kakao zu schwärmen – im Interview mit dem Molkereikonzern Friesland Campina („Landliebe“). Ein kleines Grüppchen Wissenschaftler zieht auf Werbetour für den Schulkakao und hantiert dabei mit dubiosen Auftragsstudien, die den Kakao als gesund darstellen. In ihrem am Mittwoch in Düsseldorf vorgestellten Report „Im Kakao-Sumpf: Von gekauften Studien bis zur wundersamen Partnerschaft von Milchwirtschaft und Politik“ hat foodwatch auf mehr als 80 Seiten jahrzehntelange Verflechtungen zwischen Milchwirtschaft, Wissenschaftlern und Politik entlarvt. Am Beispiel Nordrhein-Westfalen stellt die Verbraucherorganisation dar, wie das Schulmilchprogramm alles einem Ziel unterordnet: der Förderung des Milchabsatzes.

Bei der Schulkakaoförderung geht es zu allerletzt um die Gesundheit der Kinder – es ist ein durch und durch lobbyverseuchtes Absatzförderungsprogramm für die Milchwirtschaft. Weil sich Milch fast nur als Kakao an den Schulen verkaufen lässt, wird die Extraportion Zucker eben billigend in Kauf genommen. Unsere Recherchen zeigen eine kaum vorstellbare Verflechtung zwischen Auftragsforschern, Milchwirtschaft und Politik – über Jahrzehnte und Parteigrenzen hinweg. Bei vielen Lobbyisten würden die Sektkorken knallen, wenn sie auch nur ein bisschen Werbung in den Schulen machen dürften – die Milchwirtschaft in NRW bekommt nicht nur den offiziellen Auftrag der Landesregierung, sondern auch noch Steuergelder, um Werbung für ihre Produkte direkt im Unterricht zu machen.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Der foodwatch-Report geht der Frage nach, weshalb eine Landesregierung in ihrem Schulmilchprogramm weiterhin gezuckerten Kakao steuerlich fördert – obwohl Kinderärzte, Zahnmediziner und Ernährungsexperten das Gegenteil fordern.

Die wichtigsten Rechercheergebnisse

  • Die Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW hat den offiziellen Auftrag der Landesregierung, „Werbung zur Erhöhung des Verbrauchs von Milch“ zu machen – „insbesondere“ auch durch „Förderung des Schulmilchabsatzes“. Grundlage dafür ist ein Erlass des Landesumweltministeriums auf Basis eines Bundesgesetzes aus der Nachkriegszeit, als die Milchwirtschaft gefördert und Kinder gepäppelt werden sollten.
  • Das Land bezahlt der Milchlobby jährlich rund 350.000 Euro, um Unterrichtseinheiten und Lehrmaterialien zu gestalten, Marketingveranstaltungen in den Schulen durchzuführen und mit einem „Schulmilchteam“ das Schulmilchprogramm zu bewerben. Das im Gegenzug für die EU-Zuschüsse für Schulmilchprodukte geforderte pädagogische „Begleitprogramm“ wird praktisch vollständig von der Milchwirtschaft durchgeführt – was das Land erheblich billiger kommt als ein neutrales, interessenunabhängiges Programm zur Ernährungsbildung. 
  • Bei gesundheitlichen Fragen zum Beispiel zum Zuckergehalt verweist das Land NRW auf interessengeleitete Informationen der Landesvereinigung der Milchwirtschaft. Bis vor wenigen Jahren war der Lobbyverband im Impressum der offiziellen Schulmilchseite des Umweltministeriums sogar ganz unverblümt als verantwortlich für die „inhaltliche Betreuung“ aufgeführt. Interne Protokolle von Treffen zwischen Ministerium und Milchlobby, die foodwatch über das Informationsfreiheitsgesetz erhalten hat, belegen, dass es auch bei der aktuellen Website eine enge Abstimmung gab. Zudem finden sich wortgleiche Passagen in Landespublikationen und auf PR-Seiten des Milchverbandes – in denen zum Beispiel erklärt wird, weshalb der Zucker in den Milchprodukten kein Problem sein soll.

Der Schulmilch-Report: „Im Kakao-Sumpf“

Fotogalerie (7 Bilder)
  • Die Gewinne der Schulmilchlieferanten sind abhängig vom Kakao. Das Land hat bislang keine offiziellen Zahlen für Schulen genannt. Die Protokolle der Treffen zwischen dem Landesumweltministerium und Milchwirtschaft weisen jedoch darauf hin, dass zuletzt 80 bis 90 Prozent der an den Schulen verkauften Trinkpäckchen gezuckerte Milchprodukte waren. Lieferanten wie Landliebe drohen mit einem Stopp der Schulmilchlieferung, wenn Kakao nicht länger gefördert wird. Der Schulmilch-Kakao von Marktführer Landliebe hat einen Zuckergehalt von 8,7 Prozent und bewegt sich damit fast auf dem Niveau von Fanta. Viele Schulkinder nehmen über die 250-Milliliter-großen – mit Steuergeldern subventionierten – Kakao-Trinkpäckchen jeden Tag mehr als sieben Stück Würfelzucker zu sich.
  • Mit dubiosen Studien gibt die Milchwirtschaft vor, positive Effekte von gezuckertem Kakao für die „geistige Leistungsfähigkeit“ und die Zahngesundheit belegen zu können. Tatsächlich halten diese Studien – größtenteils Auftragsarbeiten für die Milchwirtschaft, die auf drei untereinander eng vernetzte Forscher zurückgehen – einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Sie arbeiten mit winzigen Probandenzahlen, stellen Ergebnisse grafisch verzerrt dar oder vergleichen beispielsweise die Konzentrationsfähigkeit von Schülern nach dem Kakaokonsum gegenüber Schülern mit gänzlich nüchternem Magen. Auf solchen Grundlagen wird schließlich zum Beispiel behauptet, Kakao könne die Intelligenz der Kinder um „7 IQ-Punkte“ steigern, für bessere PISA-Test-Ergebnisse und bessere Schulnoten sorgen. Grundlage für solche Aussagen ist ein zweifelhaftes Messverfahren des unter Fachkollegen berüchtigten Psychologen Siegfried Lehrl – der bereits ein „Pflichtkaugummi“ im Unterricht forderte, weil auch das Kaugummikauen angeblich die Intelligenz der Schülerinnen und Schüler steigern soll.

Für foodwatch ist es inakzeptabel, dass das Land NRW ausgerechnet diejenigen mit der Ernährungsbildung in Schulen und der Gesundheitsaufklärung beauftragt, die mit solch dubiosen Studien versuchen, gezuckerte Produkte gesundzuwaschen.

Lobbyisten haben an den Schulen nichts verloren. Herr Laschet und Frau Heinen-Esser haben die Chance, als erste Landesregierung den Kakao-Sumpf trockenzulegenWer ernsthaft eine gute Ernährung für Kinder fördern will, der investiert kein Steuergeld für zuckrigen Kakao, sondern kommt auf ganz andere Ideen: Der setzt die offiziellen Qualitätsstandards für die Mittagsverpflegung an allen Schulen durch, der lässt alle Schulen am Obst- und Gemüseprogramm teilnehmen oder fördert, wo nötig, ausgewogene Frühstücksangebote. Dafür aber stellt das Land die nötigen Mittel nicht zur Verfügung.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Das fordert foodwatch

foodwatch forderte die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, die steuerliche Förderung von gezuckerten Schulmilchgetränken unmittelbar zu stoppen und die Zusammenarbeit mit der Landesvereinigung der Milchwirtschaft bei Schulprogrammen zu beenden. 

Unterstützen Sie den Protest und nehmen Sie an unserer E-Mail-Aktion teil:

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<![CDATA[Erfolg: Sauberes Trinkwasser für Sangerhausen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/uran-im-wasser/aktuelle-nachrichten/erfolg-sauberes-trinkwasser-fuer-sangerhausen/Fri, 28 Sep 2018 10:02:00 +0200

Seit dem 25. September fließt in Sangerhausen im Harz endlich Trinkwasser aus den Leitungen, das ohne Bedenken getrunken werden kann. Jahrelang war das Leitungswasser so stark mit Uran, Nitrat und Sulfat belastet, dass Eltern geraten wurde, dieses Wasser keinesfalls Kindern unter zwei Jahren zu geben. Gemeinsam mit einer Bürgerinitiative vor Ort machte foodwatch Druck beim lokalen Wasserverband. Mit Erfolg.

Nach jahrelangen Verzögerungen, stetigen Protesten einer Bürgerinitiative vor Ort und mehr als 26.000 Unterschriften bei einer E-Mail-Aktion von foodwatch hat der Wasserverband Südharz nun endlich vermeldet: Das Wasser in Sangerhausen ist sauber. Das ist ein großer Erfolg für die Menschen vor Ort, die Leitungswasser endlich trinken können, ohne Gesundheitsgefahren befürchten zu müssen. Dieser Erfolg zeigt, dass Engagement sich lohnt. 

Problem seit vielen Jahren bekannt

Schon seit vielen Jahren war bekannt, dass das Trinkwasser im Landkreis Mansfeld-Südharz mit Uran belastet ist. Besonders betroffen war Sangerhausen, denn hier enthielt das Wasser sowohl Uran als auch Nitrat und Sulfat. Jede Substanz ist für sich genommen bereits gesundheitsgefährdend. Und Wechselwirkungen verstärken die Gesundheitsgefahr noch zusätzlich. Gefährdet sind insbesondere Säuglinge und Kleinkinder.

Sangerhäuser Bürger setzen sich schon seit Jahren für uranfreies Trinkwasser für die Harzstadt ein.

Lösung jahrelang verzögert

Die Lösung für sauberes Wasser war ebenfalls schon jahrelang bekannt: Ein Anschluss an die Fernwasserleitung, um die Stadt mit ihren 30.000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit sauberem Wasser aus der Rappbodetalsperre zu versorgen. Dafür waren gerade einmal acht Kilometer Leitung nötig. Bereits 2013 hatte sich der Stadtrat für den Bau dieser Leitung ausgesprochen, nur ein Jahr später stellte die Landesregierung drei Millionen Euro für den Bau bereit. Dennoch verzögerte der örtliche Wasserverband den Baubeginn immer wieder. Es dauerte fünf Jahre, bis das Projekt zum Abschluss kam und Sangerhausen nun endlich mit sauberem Wasser versorgt wird. 

Gesetzlicher Grenzwert ist zu hoch

Doch nicht nur im Südharz besteht das Problem: foodwatch deckte bereits 2008 auf, dass Trink- und Mineralwasser in Deutschland teilweise mit Uran belastet ist. Uran ist ein radioaktives und toxisches Schwermetall. Es ist allerdings nicht aufgrund seiner – ohnehin relativ geringen – Strahlung für den Menschen gefährlich, sondern aufgrund seiner chemischen Giftigkeit: In einer hohen Dosis über einen längeren Zeitraum aufgenommen, kann es dauerhaft Blut, Knochen und Nieren schädigen. Seit 2011 gilt für Trinkwasser ein Uran-Grenzwert. Dieser ist jedoch so hoch angesetzt, dass zwar Erwachsene, nicht aber Säuglinge und Kleinkinder ausreichend geschützt werden. Und für Mineralwasser in Flaschen fehlt ein Grenzwert bisher völlig.

Je mehr wir sind, desto mehr können wir bewegen – seien Sie dabei!

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<![CDATA[Brandenburg prüft Förderstopp für gezuckerte Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/brandenburg-prueft-foerderstopp-fuer-gezuckerte-schulmilch/Thu, 27 Sep 2018 11:14:00 +0200

Nach der Kritik von foodwatch erwägt nun auch Brandenburg einen Stopp der Subventionen für gezuckerten Kakao & Co als Schulmilch. Man sehe die Förderung „kritisch“, erklärte Marco Büchel, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Brandenburgischen Landtag, in einem Schreiben an foodwatch. „Wir werden uns in der nächsten Zeit damit befassen, welche Möglichkeiten zur Anpassung des EU-Schulmilchprogramms in Brandenburg in diesem Sinne bestehen.“

Zuvor hatte bereits der Berliner Senat angekündigt, die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milchprodukte in dem gemeinsam mit Brandenburg organisierten Schulmilchprogramm zu überprüfen. Die beiden Länder sind neben Nordrhein-Westfalen die einzigen, die noch an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhalten – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. foodwatch fordert die Landesregierungen auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen.

Bundesländer schaffen extra Ausnahmeregelungen

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Brandenburg hat jedoch – neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao und andere gezuckerte Milchprodukte zu fördern. In Reaktion auf die Kritik von foodwatch hatte NRW bereits angekündigt, die von foodwatch kritisierte „Lex Zucker“ zu überprüfen. Hessen hatte den Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. Berlin und Brandenburg fördern neben Kakao auch die sogar noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen die beiden Bundesländer in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder, wie foodwatch-Recherchen zeigen.

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

„Bezeichnenderweise ist in Brandenburg weder das Bildungs- noch das Verbraucherschutzministerium für das Schulmilchprogramm zuständig, sondern das Landwirtschaftsministerium. Das zeigt, um was es bei der steuerfinanzierten Subvention eigentlich geht: Nicht um gesunde Ernährung, sondern um Absatzförderung für die Milchwirtschaft.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker 

CDU kritisiert Förderung von Zuckermilch 

Kritik am Schulmilchprogramm äußerte auch die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Gegenüber foodwatch erklärte deren bildungspolitischer Sprecher, Gordon Hoffmann: „Wir sehen die Förderung von gezuckerten Milchprodukten mit öffentlichen Geldern ebenfalls kritisch.“ Man werde Gespräche führen und gegebenenfalls nach Ende des laufenden Schuljahres „Änderungen erreichen“.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Brandenburg prüft Förderstopp für gezuckerte Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/brandenburg-prueft-foerderstopp-fuer-gezuckerte-schulmilch/Thu, 27 Sep 2018 11:14:00 +0200

Nach der Kritik von foodwatch erwägt nun auch Brandenburg einen Stopp der Subventionen für gezuckerten Kakao & Co als Schulmilch. Man sehe die Förderung „kritisch“, erklärte Marco Büchel, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion im Brandenburgischen Landtag, in einem Schreiben an foodwatch. „Wir werden uns in der nächsten Zeit damit befassen, welche Möglichkeiten zur Anpassung des EU-Schulmilchprogramms in Brandenburg in diesem Sinne bestehen.“

Zuvor hatte bereits der Berliner Senat angekündigt, die steuerfinanzierte Förderung für gezuckerte Milchprodukte in dem gemeinsam mit Brandenburg organisierten Schulmilchprogramm zu überprüfen. Die beiden Länder sind neben Nordrhein-Westfalen die einzigen, die noch an der Subvention von gezuckerter Milch an Schulen festhalten – obwohl dies gegen die offiziellen Qualitätsstandards für Schulverpflegung verstößt, Ärzte und Ernährungsexperten davon abraten und das überarbeitete EU-Schulprogramm grundsätzlich nur die Förderung von ungezuckerten Produkten vorsieht. foodwatch fordert die Landesregierungen auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen.

Bundesländer schaffen extra Ausnahmeregelungen

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Brandenburg hat jedoch – neben Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen – eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiter Kakao und andere gezuckerte Milchprodukte zu fördern. In Reaktion auf die Kritik von foodwatch hatte NRW bereits angekündigt, die von foodwatch kritisierte „Lex Zucker“ zu überprüfen. Hessen hatte den Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch angekündigt. Berlin und Brandenburg fördern neben Kakao auch die sogar noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen die beiden Bundesländer in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder, wie foodwatch-Recherchen zeigen.

Martin Rücker, foodwatch-Geschäftsführer

„Bezeichnenderweise ist in Brandenburg weder das Bildungs- noch das Verbraucherschutzministerium für das Schulmilchprogramm zuständig, sondern das Landwirtschaftsministerium. Das zeigt, um was es bei der steuerfinanzierten Subvention eigentlich geht: Nicht um gesunde Ernährung, sondern um Absatzförderung für die Milchwirtschaft.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker 

CDU kritisiert Förderung von Zuckermilch 

Kritik am Schulmilchprogramm äußerte auch die CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag. Gegenüber foodwatch erklärte deren bildungspolitischer Sprecher, Gordon Hoffmann: „Wir sehen die Förderung von gezuckerten Milchprodukten mit öffentlichen Geldern ebenfalls kritisch.“ Man werde Gespräche führen und gegebenenfalls nach Ende des laufenden Schuljahres „Änderungen erreichen“.

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Mehr Zucker durch Softdrinks als durch Süßigkeiten]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/mehr-zucker-durch-softdrinks-als-durch-suessigkeiten/Wed, 26 Sep 2018 12:28:00 +0200

Wer glaubt, dass wir über Süßigkeiten den meisten Zucker zu uns nehmen, der irrt sich. 26 Gramm Zucker pro Tag, beziehungsweise etwa 9,5 Kilogramm pro Jahr, nehmen die Bundesdeutschen über sogenannte Erfrischungsgetränke zu uns. Das zeigen aktuelle Zahlen des Marktforschungsinstituts Euromonitor International. In Europa wird nur in den Niederlanden und in der Slowakei noch mehr Zucker über sogenannte Erfrischungsgetränke verbraucht. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland auf Platz elf, hinter Ländern wie Argentinien, Chile, USA und Mexiko.

Gesundheitsgefahren durch Zuckergetränke

Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation und zahlreichen anderen Fachgesellschaften als eine der Hauptursachen für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als fettleibig. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten. Die WHO empfiehlt zum Beispiel für eine erwachsene Frau eine maximale Zuckeraufnahme von 50 Gramm pro Tag, im Idealfall sogar bei weniger als 25 Gramm am Tag. 

„Limo & Co. sind ein wesentlicher Grund für den zu hohen Zuckerkonsum. Und gerade dieser flüssige Zucker macht uns besonders krank. Statt weiter darauf zu hoffen, dass die Industrie freiwillig ein bisschen weniger Zucker in ihre Produkte kippt, muss Bundesernährungsministerin Julia Klöckner endlich eine Limo-Steuer nach dem Vorbild Großbritanniens einführen. Die Einführung hat dort zu einem wahren Zuckersturz im Getränkeregal geführt. Eine Limo-Steuer muss aber sowohl Getränke mit Zucker als auch mit Süßstoffen umfassen.“

Luise Molling von foodwatch

Freiwillige Zuckerreduktion zeigt bislang kaum Wirkung

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer „nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“. Gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel soll die Strategie auf freiwilliger Basis umgesetzt werden.

Ankündigungen vieler Hersteller und Händler, den Zuckergehalt in ihren Produkten freiwillig zu senken, zeigen bislang jedoch kaum Wirkung. Eine in der vergangenen Woche veröffentlichte Marktstudie von foodwatch zeigt: Jedes zweite Erfrischungsgetränk in Deutschland ist überzuckert. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als 50 Gramm Zucker je Liter. Damit hat sich der Anteil der überzuckerten Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals lag der Anteil der Getränke mit mehr als 50 Gramm Zucker je Liter bei 59 Prozent.

Vorreiter Großbritannien

Ernährungsministerin Julia Klöckner muss endlich eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild einführen. In Großbritannien müssen Hersteller seit April 2018 eine Abgabe für Getränke bezahlen, die mehr als 50 Gramm Zucker je Liter enthalten. Bei mehr als 80 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Ein Großteil der Anbieter, darunter Lidl, Tesco oder Coca-Cola, haben deshalb den Zuckergehalt ihrer Getränke deutlich gesenkt. 

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Marktcheck: Jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ überzuckert]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/marktcheck-jedes-zweite-erfrischungsgetraenk-ueberzuckert/Fri, 21 Sep 2018 09:47:00 +0200

Mehr als jedes zweite „Erfrischungsgetränk“ ist überzuckert – obwohl viele Hersteller und Händler angekündigt haben, den Zuckergehalt in ihren Produkten zu senken. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Marktstudie, die foodwatch am Freitag in Berlin vorgestellt hat. Demnach enthalten 345 von insgesamt 600 untersuchten Getränken (58 Prozent) mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter – das sind mehr als vier Zuckerwürfel pro 250-Millilter Glas. 

Damit hat sich der Anteil überzuckerter Getränke auf dem deutschen Markt seit einer ersten Marktstudie von foodwatch im Jahr 2016 praktisch nicht verändert. Damals enthielten 59 Prozent der Getränke mehr als fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter. foodwatch forderte Ernährungsministerin Julia Klöckner auf, eine „Limo-Steuer“ wie in Großbritannien einzuführen. Dort werden Getränke mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent Zucker seit diesem Jahr mit einer Sonderabgabe belegt. Ein Großteil der Hersteller auf dem britischen Markt hat deshalb den Zuckergehalt seiner Getränke deutlich reduziert. In Deutschland lehnt Julia Klöckner eine steuerliche Regel bisher ab und setzt stattdessen auf freiwillige Vereinbarungen mit der Lebensmittelindustrie.

„Zucker liefert nicht nur ‚leere Kalorien‘ ohne Mineralien und Mikronährstoffe, sondern trägt unmittelbar zur Entstehung einer Fettleber und Insulinresistenz bei. Kinder nehmen relativ zum Körpergewicht noch mehr Zucker mit Limonaden auf als Erwachsene. Die Zuckerreduktion ist nach weltweiter Erfahrung nur durch gesetzliche Maßnahmen erfolgreich.“

Prof. Dr. Andreas Pfeiffer, Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité Berlin

600 Erfrischungsgetränke unter die Lupe genommen

foodwatch hat zum zweiten Mal den deutschen Markt der sogenannten Erfrischungsgetränke untersucht und dafür alle auffindbaren Produkte aus dem Sortiment der drei größten Handelsketten Edeka, Rewe und Lidl auf Zuckergehalt und enthaltene Süßstoffe geprüft. Insgesamt wurden 600 Limonaden, Cola-Getränke, Energy Drinks, Saftschorlen, Brausen, Eistees, Near-Water- und Fruchtsaftgetränke unter die Lupe genommen. Im Schnitt enthalten die zuckergesüßten Getränke heute 7,3 Prozent Zucker oder sechs Stück Würfelzucker je 250 Milliliter – das ist nur minimal weniger als 2016 (7,5 Prozent).

21.09.2018

So zuckrig sind „Erfrischungsgetränke“ – immer noch

Fotogalerie (7 Bilder)

63 Milliarden Euro Folgekosten durch Fettleibigkeit

Zuckergesüßte Getränke gelten laut der Weltgesundheitsorganisation als „eine der Hauptursachen“ für die Entstehung von Adipositas (Fettleibigkeit) und Typ-2-Diabetes. Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Typ-2-Diabetes erkrankt und etwa jeder vierte Erwachsene gilt als fettleibig. Allein durch Fettleibigkeit entstehen in Deutschland jährlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten.

Bundesregierung setzt auf Freiwilligkeit

Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einer „Nationalen Strategie zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Fertigprodukten“. Sie soll gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmitteleinzelhandel auf freiwilliger Basis umgesetzt werden. Steuerliche Anreize für eine Reduktion von Zucker, Fett und Salz lehnt die Bundesregierung jedoch bislang ab.

Luise Molling, foodwatch

„Unsere Marktstudie beweist: Coca-Cola und Co. haben in Deutschland bisher kaum Anreize, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu senken. Der Kuschelkurs von Ernährungsministerin Julia Klöckner, die Lebensmittelindustrie freiwillig zu einer Zuckerreduktion zu bewegen, ist zum Scheitern verurteilt. Wenn es Frau Klöckner ernst meint mit der Förderung gesunder Ernährung, muss sie eine Limo-Steuer nach britischem Vorbild auf den Weg bringen, die sowohl zucker- als auch süßstoffgesüßte Getränke umfasst.“

Luise Molling von foodwatch

Zuckerabgabe in Großbritannien wirkt

In Großbritannien müssen Hersteller seit April 2018 eine Abgabe für Getränke bezahlen, die mehr als 5 Gramm Zucker je 100 Milliliter enthalten, bei mehr als 8 Gramm wird eine höhere Abgabe fällig. Ein Großteil der Hersteller und auch mehrere Handelsketten haben deshalb den Zuckergehalt ihrer Softdrinks reduziert. Der Marktführer Coca-Cola hat den Zuckergehalt seiner Softdrinks Fanta und Sprite in Großbritannien beispielsweise von 6,9 beziehungsweise 6,6 Gramm auf 4,6 beziehungsweise 3,3 Gramm gesenkt. In Deutschland hingegen enthalten Fanta und Sprite noch mehr als 9 Gramm Zucker.

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[NRW: Appell von Ärzten, Experten, Eltern und Lehrern zu Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-appell-von-aerzten-experten-eltern-und-lehrern-zu-schulmilch/Fri, 14 Sep 2018 09:36:00 +0200

Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Lehrer- und Elternvertreter appellieren an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. In einem von foodwatch initiierten Empfehlungsschreiben sprechen sie sich dafür aus, statt auf Subventionen für gezuckerte Milch auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an Schulen und Kitas zu setzen. 

Führende Diabetologen, Ernährungswissenschaftler, Zahnmediziner und Kinderärzte argumentieren in dem Schreiben, weshalb aus ihrer Sicht die Förderung von Milchprodukten mit Zuckerzusatz nachteilig ist. Auch die NRW-Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternkonferenz sowie der Jungen Lehrer zeichneten den Appell.

Zitate der Unterstützerinnen und Unterstützer

 „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Prof. Dr. Helmut Heseker vom Institut für Ernährung der Universität Paderborn sagte: „In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den damals ‚schmächtigen‘ Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk. Leider ist es inzwischen eine reine Marketingmaßnahme, um den Milchabsatz zu erhöhen.“

 „Wir als Eltern wünschen uns im Lebensraum Schule, dass unseren Kindern ein gesundes und vollwertiges Nahrungsangebot für den Schultag unterbreitet wird“, formulierte Dr. Christina Herold, Vorsitzende der Landeselternkonferenz.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, argumentierte: „Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Kariesrisiko deutlich mit der Frequenz der Zuckeraufnahme zusammenhängt. Deshalb sollte auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke verzichtet werden.“

Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der GEW: „Das Land NRW wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 andere Bundesländer gemacht haben. Von dem eingesparten Geld könnte zum Beispiel der Programmteil 'Schulobst- und Gemüse' erweitert werden.“

Nur NRW, Brandenburg und Berlin fördern weiter Zucker-Milch

foodwatch fordert die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, den Argumenten der Experten zu folgen und im Sinne der Kindergesundheit die Kakao-Förderung mit Steuergeldern zu stoppen. Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW kündigte Ministerin Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien an.

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Bundesregierung hat Zuckerreduktion zum politischen Ziel erklärt. Aus Sicht von foodwatch ist die Zucker-Förderung über das Schulmilchprogramm daher verfehlt. Stattdessen müsste NRW eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, über die auch die Kalziumversorgung gewährleistet werden kann. Zudem könne ein Schulobst- und Gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige in NRW angeboten werden. Nicht zuletzt sind die Schulmilchprodukte in NRW alles andere als günstig – wollen Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten, können sie dies über Produkte aus dem Handel deutlich preisgünstiger umsetzen.

Das Empfehlungsschreiben unterstützen zudem:

  • Dr. Roswitha Dickerhoff (Kinderärztin, ehemals Universitätsklinikum Düsseldorf)
  • Dr. Thomas Fischbach (Kinderarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Marcus Heidemann (Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Jens Kröger (Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)
  • Prof. Dr. med Alfred Längler (Leitender Arzt der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin und Ärztlicher Direktor am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke)
  • Prof. Dr. Volker Peinelt (Mönchengladbach; ehemaliger Hochschullehrer an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, zuständig für den Bereich Catering-Services mit dem Schwerpunkt Schulverpflegung)
  • Univ. Prof. Dr. med. Andreas Pfeiffer (Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité und der Abt. Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke)
  • Prof. Dr. Thomas Reinehr (Chefarzt der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Vestische Kinder- und Jugendklinik der Universität Witten/Herdecke)
  • Sarah Wanders (Vorsitzende junge lehrer nrw)

 

Bild: Fotolia.com/Brocreative

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<![CDATA[NRW: Appell von Ärzten, Experten, Eltern und Lehrern zu Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-appell-von-aerzten-experten-eltern-und-lehrern-zu-schulmilch/Fri, 14 Sep 2018 09:36:00 +0200

Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler sowie Lehrer- und Elternvertreter appellieren an die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, die steuerfinanzierte Förderung von gezuckertem Kakao im Schulmilchprogramm zu beenden. In einem von foodwatch initiierten Empfehlungsschreiben sprechen sie sich dafür aus, statt auf Subventionen für gezuckerte Milch auf eine ausgewogene Mittagsverpflegung und ausreichend Obst und Gemüse an Schulen und Kitas zu setzen. 

Führende Diabetologen, Ernährungswissenschaftler, Zahnmediziner und Kinderärzte argumentieren in dem Schreiben, weshalb aus ihrer Sicht die Förderung von Milchprodukten mit Zuckerzusatz nachteilig ist. Auch die NRW-Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Landeselternkonferenz sowie der Jungen Lehrer zeichneten den Appell.

Zitate der Unterstützerinnen und Unterstützer

 „Die Verteilung gezuckerter Schulmilchen ist antiquiert und schädlich für die Gesundheit der Kinder – sie sollte nicht mehr gefördert werden“, erklärte zum Beispiel Prof. Dr. Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), Prof. Dr. Helmut Heseker vom Institut für Ernährung der Universität Paderborn sagte: „In den 60er Jahren hat es sicherlich Sinn gemacht, den damals ‚schmächtigen‘ Kindern eine preisreduzierte, energie- und nährstoffreiche Pausennahrung zukommen zu lassen. Aber heute benötigen Kinder und Jugendliche kein energiehaltiges Pausengetränk. Leider ist es inzwischen eine reine Marketingmaßnahme, um den Milchabsatz zu erhöhen.“

 „Wir als Eltern wünschen uns im Lebensraum Schule, dass unseren Kindern ein gesundes und vollwertiges Nahrungsangebot für den Schultag unterbreitet wird“, formulierte Dr. Christina Herold, Vorsitzende der Landeselternkonferenz.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, argumentierte: „Wissenschaftliche Forschungen belegen, dass das Kariesrisiko deutlich mit der Frequenz der Zuckeraufnahme zusammenhängt. Deshalb sollte auf zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten oder Getränke verzichtet werden.“

Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der GEW: „Das Land NRW wäre gut beraten, das Schulmilchprogramm auf nicht gezuckerte Milch zu reduzieren, so wie es bereits 13 andere Bundesländer gemacht haben. Von dem eingesparten Geld könnte zum Beispiel der Programmteil 'Schulobst- und Gemüse' erweitert werden.“

Nur NRW, Brandenburg und Berlin fördern weiter Zucker-Milch

foodwatch fordert die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auf, den Argumenten der Experten zu folgen und im Sinne der Kindergesundheit die Kakao-Förderung mit Steuergeldern zu stoppen. Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW kündigte Ministerin Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien an.

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Bundesregierung hat Zuckerreduktion zum politischen Ziel erklärt. Aus Sicht von foodwatch ist die Zucker-Förderung über das Schulmilchprogramm daher verfehlt. Stattdessen müsste NRW eine ausgewogene Mittagsverpflegung mit verpflichtenden Qualitätsstandards durchsetzen, über die auch die Kalziumversorgung gewährleistet werden kann. Zudem könne ein Schulobst- und Gemüse-Programm für alle Schulen statt nur für einige in NRW angeboten werden. Nicht zuletzt sind die Schulmilchprodukte in NRW alles andere als günstig – wollen Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten, können sie dies über Produkte aus dem Handel deutlich preisgünstiger umsetzen.

Das Empfehlungsschreiben unterstützen zudem:

  • Dr. Roswitha Dickerhoff (Kinderärztin, ehemals Universitätsklinikum Düsseldorf)
  • Dr. Thomas Fischbach (Kinderarzt in Solingen und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Marcus Heidemann (Sprecher der Bielefelder Kinder- und Jugendärzte)
  • Dr. Jens Kröger (Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe)
  • Prof. Dr. med Alfred Längler (Leitender Arzt der Abteilung für Kinder und Jugendmedizin und Ärztlicher Direktor am Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke)
  • Prof. Dr. Volker Peinelt (Mönchengladbach; ehemaliger Hochschullehrer an der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Oecotrophologie, zuständig für den Bereich Catering-Services mit dem Schwerpunkt Schulverpflegung)
  • Univ. Prof. Dr. med. Andreas Pfeiffer (Direktor der Abteilung Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin der Charité und der Abt. Klinische Ernährung am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke)
  • Prof. Dr. Thomas Reinehr (Chefarzt der Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin, Vestische Kinder- und Jugendklinik der Universität Witten/Herdecke)
  • Sarah Wanders (Vorsitzende junge lehrer nrw)

 

Bild: Fotolia.com/Brocreative

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<![CDATA[Rückruf: Glas in Brötchen-Verpackung]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-glas-in-broetchen-verpackung/Thu, 13 Sep 2018 16:07:00 +0200

Die Münchner Bäckerei Panificio Italiano Veritas GmbH ruft vorgebackene Brötchen "REWE Beste Wahl Tomaten Oliven Brötchen" zurück. In der Verpackung könnten Glassplitter enthalten sein, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Der Rückruf erfolge rein vorsorglich. "Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass in der Verpackung kleine transparente Glasstückchen enthalten sind. Vor dem Verzehr wird deshalb dringend abgeraten", sagte Vertriebsleiter Stefan Gaugigl auf Anfrage.

Betroffen sei die 400-Gramm-Packung mit Mindesthaltbarkeitsdatum 30.10.2018. Rund 500 Stück seien in Rewe-Läden in Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Schleswig-Holstein verkauft worden. Die Brötchen mit Oliven und Tomaten seien seit 20. August im Handel gewesen. Das Unternehmen habe sofort reagiert und die betroffene Ware aus dem Verkauf nehmen lassen. Wahrscheinlich sei es bei Wartungsarbeiten an Anlagen zu den Verunreinigungen gekommen. (dpa)

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[NRW: Knappe Mehrheit der Eltern will Änderungen bei Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-knappe-mehrheit-der-eltern-will-aenderungen-bei-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:51:00 +0200

Sollten Milch und Kakao an Schulen weiter mit Steuergeldern gefördert werden? Eltern in Nordrhein-Westfalen sind bei dieser Frage gespalten, wie eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag von foodwatch zeigt: Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent spricht sich für Änderungen am Schulmilchprogramm und ein Ende der Kakaosubvention aus. 47 Prozent sind dagegen der Meinung, NRW solle weiterhin sowohl ungesüßte Milch als auch gezuckerten Kakao bezuschussen. 

foodwatch kritisiert, dass dass der Konsum gezuckerter Milchgetränke von der Milchwirtschaft und vom Land NRW immer wieder als unschädlich oder gar gesund dargestellt wird. Tatsächlich jedoch hat die EU ihre Förderrichtlinien beim Schulmilchprogramm gerade erst geändert: Mit Blick auf die Übergewichtsentwicklung bei Kindern sollen nur noch ungezuckerte Milchprodukte gefördert werden. Auch die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. NRW hat trotzdem eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin subventionierten Kakao an den Schulen zuzulassen.

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Die Landesregierung sollte dieses steuerfinanzierte Zuckerprogramm beenden und stattdessen dafür Sorge tragen, dass die Schulverpflegung insgesamt ausgewogener wird und zum Beispiel mehr Mittel für das Obst- und Gemüseprogramm zur Verfügung stehen. Eine Absatzförderung für die Milchwirtschaft auf Kosten der Gesundheit von Kindern ist völlig inakzeptabel.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Hessen stoppt Zuckermilch-Förderung

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte wie Kakao festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW plant Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht, die Eltern sollen in den Prozess aber mit einbezogen werden. 

Kinder konsumieren viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. 

 

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[NRW: Knappe Mehrheit der Eltern will Änderungen bei Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/nrw-knappe-mehrheit-der-eltern-will-aenderungen-bei-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:51:00 +0200

Sollten Milch und Kakao an Schulen weiter mit Steuergeldern gefördert werden? Eltern in Nordrhein-Westfalen sind bei dieser Frage gespalten, wie eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag von foodwatch zeigt: Eine knappe Mehrheit von 51 Prozent spricht sich für Änderungen am Schulmilchprogramm und ein Ende der Kakaosubvention aus. 47 Prozent sind dagegen der Meinung, NRW solle weiterhin sowohl ungesüßte Milch als auch gezuckerten Kakao bezuschussen. 

foodwatch kritisiert, dass dass der Konsum gezuckerter Milchgetränke von der Milchwirtschaft und vom Land NRW immer wieder als unschädlich oder gar gesund dargestellt wird. Tatsächlich jedoch hat die EU ihre Förderrichtlinien beim Schulmilchprogramm gerade erst geändert: Mit Blick auf die Übergewichtsentwicklung bei Kindern sollen nur noch ungezuckerte Milchprodukte gefördert werden. Auch die offiziellen, von der Bundesregierung initiierten, Qualitätsstandards für Schulverpflegung von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sehen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. NRW hat trotzdem eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin subventionierten Kakao an den Schulen zuzulassen.

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Die Landesregierung sollte dieses steuerfinanzierte Zuckerprogramm beenden und stattdessen dafür Sorge tragen, dass die Schulverpflegung insgesamt ausgewogener wird und zum Beispiel mehr Mittel für das Obst- und Gemüseprogramm zur Verfügung stehen. Eine Absatzförderung für die Milchwirtschaft auf Kosten der Gesundheit von Kindern ist völlig inakzeptabel.“

Martin Rücker, Geschäftsführer von foodwatch

Hessen stoppt Zuckermilch-Förderung

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das an der Förderung gezuckerter Milchprodukte wie Kakao festhält. Nach Kritik von foodwatch hatte zuletzt Hessen ein Ende der Kakao-Förderung verkündet. In NRW plant Umweltministerin Ursula Heinen-Esser eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht, die Eltern sollen in den Prozess aber mit einbezogen werden. 

Kinder konsumieren viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. 

 

Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Berlin prüft Ausstieg aus der Förderung gezuckerter Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/berlin-prueft-ausstieg-aus-der-foerderung-gezuckerter-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:19:00 +0200

Nach Kritik von foodwatch stellt nun auch das Land Berlin die Förderung gezuckerter Milchprodukte an Schulen in Frage. „Berlin prüft derzeit, zukünftig auf die Förderung von gezuckerten Milchmischgetränken zu verzichten und befindet sich dazu im Austausch mit der Bildungsverwaltung“, schrieb ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz an foodwatch. Berlin ist neben Brandenburg und Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das bisher an der Subvention gezuckerte Milch festhält.

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Berlin und Brandenburg haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch fordert Verbrauchersenator Dirk Behrendt und Bildungssenatorin Sandra Scheeres sowie den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen. 

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Es kann nicht sein, dass der Staat in den Schulen als Zucker-Dealer auftritt und Schüler mit genau dem Stoff versorgt, der an anderer Stelle mit Reduktionsprogrammen und Ernährungsempfehlungen bekämpft werden soll. Es gibt keinen guten Grund dafür, Schüler mit der täglichen Portion Zuckermilch zu versorgen – es sei denn, Berlin und Brandenburg schreiben sich die Förderung von Übergewicht und Diabetes auf die Fahnen.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch

NRW hatte kürzlich bereits eine Überprüfung seines Schulmilchprogramms angekündigt, Hessen hatte im August nach öffentlicher Kritik einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch erklärt. Berlin und Brandenburg hingegen fördern mit Steuergeldern weiter stark zuckerhaltige Milchprodukte – als einzige Bundesländer werden neben Kakao auch die noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch an Schulen ausgegeben. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder der beiden Bundesländer, wie foodwatch-Recherchen zeigen. 

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. 

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<![CDATA[Berlin prüft Ausstieg aus der Förderung gezuckerter Schulmilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/berlin-prueft-ausstieg-aus-der-foerderung-gezuckerter-schulmilch/Fri, 07 Sep 2018 16:19:00 +0200

Nach Kritik von foodwatch stellt nun auch das Land Berlin die Förderung gezuckerter Milchprodukte an Schulen in Frage. „Berlin prüft derzeit, zukünftig auf die Förderung von gezuckerten Milchmischgetränken zu verzichten und befindet sich dazu im Austausch mit der Bildungsverwaltung“, schrieb ein Sprecher der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz an foodwatch. Berlin ist neben Brandenburg und Nordrhein-Westfalen das einzige Bundesland, das bisher an der Subvention gezuckerte Milch festhält.

Über das Schulprogramm der Europäischen Union sollen eigentlich nur noch Produkte ohne zugesetzten Zucker subventioniert werden. Berlin und Brandenburg haben jedoch eigens eine Ausnahmeregelung geschaffen, um weiterhin Zuckermilch mit Steuergeldern zu fördern. foodwatch fordert Verbrauchersenator Dirk Behrendt und Bildungssenatorin Sandra Scheeres sowie den Brandenburgischen Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger auf, die Förderung von gezuckerter Milch an Schulen umgehend zu stoppen. 

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

„Es kann nicht sein, dass der Staat in den Schulen als Zucker-Dealer auftritt und Schüler mit genau dem Stoff versorgt, der an anderer Stelle mit Reduktionsprogrammen und Ernährungsempfehlungen bekämpft werden soll. Es gibt keinen guten Grund dafür, Schüler mit der täglichen Portion Zuckermilch zu versorgen – es sei denn, Berlin und Brandenburg schreiben sich die Förderung von Übergewicht und Diabetes auf die Fahnen.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch

NRW hatte kürzlich bereits eine Überprüfung seines Schulmilchprogramms angekündigt, Hessen hatte im August nach öffentlicher Kritik einen Stopp der Subvention gezuckerter Schulmilch erklärt. Berlin und Brandenburg hingegen fördern mit Steuergeldern weiter stark zuckerhaltige Milchprodukte – als einzige Bundesländer werden neben Kakao auch die noch zuckrigere Vanillemilch und Erdbeermilch an Schulen ausgegeben. Umgerechnet mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich verteilen Berlin und Brandenburg in ihrem gemeinsamen Schulmilchprogramm somit an die Kinder der beiden Bundesländer, wie foodwatch-Recherchen zeigen. 

Kinder essen viel zu viel Zucker

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor. 

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<![CDATA[Angeblich „günstige“ Schulmilch oft teurer als im Supermarkt ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/angeblich-guenstige-schulmilch-oft-teurer-als-im-supermarkt/Wed, 29 Aug 2018 15:41:00 +0200

Trotz der steuerfinanzierten Subventionen sind Schulmilchgetränke in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich teurer als Standardprodukte im Supermarkt, wie ein Preisvergleich von foodwatch zeigt. Das staatliche Programm ist aufgrund von kleinen Verpackungen und einem hohen bürokratischen wie logistischen Aufwand so ineffizient, dass die Fördergelder vor allem im System versickern.

Der Preis-Check von foodwatch zeigt: Frische Vollmilch kostet derzeit im Handel 69 Cent und fettarme Frischmilch 61 Cent pro Liter. Für die täglichen Trinkpäckchen des Schulmilchprogramms dagegen zahlen Eltern 30 Cent pro 250 Milliliter, auf den Liter hochgerechnet sind das 1,20 Euro – ein Preisaufschlag von 74 Prozent bei Vollmilch und sogar 97 Prozent bei fettarmer Milch. Auch frische Kakao-Milch ist beim Discounter günstiger erhältlich als über das Schulmilchprogramm. Zudem verlangt der Molkereikonzern FrieslandCampina, mit seiner Marke „Landliebe“ der einzige überregionale Schulmilchlieferant, für die gleichen Produkte von den Eltern in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich mehr Geld als in anderen Bundesländern. Die Landliebe-Schulmilch ist in NRW zum Beispiel 50 Prozent teurer als in Hessen.

Ministerium und Milchindustrie loben Schulmilchprogramm

Aus Sicht von foodwatch ist es irreführend, dass die Landesregierung ihr Schulmilchprogramm mit dem Hinweis auf den angeblich „günstigen Preis“ bewirbt. So heißt es auf der Schulmilch-Internetseite des verantwortlichen Landesumweltministeriums: „Durch dieses Finanzierungsprogramm können Milch und Milchprodukte in Kindergärten und Schulen zu einem günstigen Preis angeboten werden.“ Bemerkenswert: Diese Aussage wird wortgleich auch von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW verwendet.

„Von wegen billig: Wenn Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten wollen, können sie das erheblich günstiger organisieren als über das staatliche Schulmilchprogramm in NRW. Es ist schon eine Form von Abzocke, wenn die Schulmilchpackungen als besonders ‚günstig‘ beworben werden, obwohl Eltern im Supermarkt teilweise deutlich weniger zahlen würden. Das Schulmilchprogramm in NRW ist überzuckert und überteuert.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Nur noch drei Bundesländer fördern Zucker-Milch

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Milchprodukte wie Kakao fördert. Nach Kritik von foodwatch hatte die verantwortliche Umweltministerin Ursula Heinen-Esser vergangene Woche eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien angekündigt, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht. Zuvor hatte Hessen auf die Kritik reagiert und angekündigt, die Kakao-Förderung zu stoppen. Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen ihres Schulprogramms fördern. Vier Bundesländer – NRW, Hessen, Berlin und Brandenburg – haben jedoch eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um doch noch gezuckerte Produkte subventionieren zu können.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.


Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Angeblich „günstige“ Schulmilch oft teurer als im Supermarkt ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/angeblich-guenstige-schulmilch-oft-teurer-als-im-supermarkt/Wed, 29 Aug 2018 15:41:00 +0200

Trotz der steuerfinanzierten Subventionen sind Schulmilchgetränke in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich teurer als Standardprodukte im Supermarkt, wie ein Preisvergleich von foodwatch zeigt. Das staatliche Programm ist aufgrund von kleinen Verpackungen und einem hohen bürokratischen wie logistischen Aufwand so ineffizient, dass die Fördergelder vor allem im System versickern.

Der Preis-Check von foodwatch zeigt: Frische Vollmilch kostet derzeit im Handel 69 Cent und fettarme Frischmilch 61 Cent pro Liter. Für die täglichen Trinkpäckchen des Schulmilchprogramms dagegen zahlen Eltern 30 Cent pro 250 Milliliter, auf den Liter hochgerechnet sind das 1,20 Euro – ein Preisaufschlag von 74 Prozent bei Vollmilch und sogar 97 Prozent bei fettarmer Milch. Auch frische Kakao-Milch ist beim Discounter günstiger erhältlich als über das Schulmilchprogramm. Zudem verlangt der Molkereikonzern FrieslandCampina, mit seiner Marke „Landliebe“ der einzige überregionale Schulmilchlieferant, für die gleichen Produkte von den Eltern in Nordrhein-Westfalen zum Teil deutlich mehr Geld als in anderen Bundesländern. Die Landliebe-Schulmilch ist in NRW zum Beispiel 50 Prozent teurer als in Hessen.

Ministerium und Milchindustrie loben Schulmilchprogramm

Aus Sicht von foodwatch ist es irreführend, dass die Landesregierung ihr Schulmilchprogramm mit dem Hinweis auf den angeblich „günstigen Preis“ bewirbt. So heißt es auf der Schulmilch-Internetseite des verantwortlichen Landesumweltministeriums: „Durch dieses Finanzierungsprogramm können Milch und Milchprodukte in Kindergärten und Schulen zu einem günstigen Preis angeboten werden.“ Bemerkenswert: Diese Aussage wird wortgleich auch von der Landesvereinigung der Milchwirtschaft NRW verwendet.

„Von wegen billig: Wenn Eltern oder Schulen den Kindern regelmäßig Milch anbieten wollen, können sie das erheblich günstiger organisieren als über das staatliche Schulmilchprogramm in NRW. Es ist schon eine Form von Abzocke, wenn die Schulmilchpackungen als besonders ‚günstig‘ beworben werden, obwohl Eltern im Supermarkt teilweise deutlich weniger zahlen würden. Das Schulmilchprogramm in NRW ist überzuckert und überteuert.“

foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker

Nur noch drei Bundesländer fördern Zucker-Milch

Nordrhein-Westfalen ist neben Berlin und Brandenburg das einzige Bundesland, das noch gezuckerte Milchprodukte wie Kakao fördert. Nach Kritik von foodwatch hatte die verantwortliche Umweltministerin Ursula Heinen-Esser vergangene Woche eine Evaluation des Schulmilchprogramms bis zu den Herbstferien angekündigt, dann solle eine Entscheidung fallen. Genaue Kriterien für die Evaluation nannte die Ministerin nicht. Zuvor hatte Hessen auf die Kritik reagiert und angekündigt, die Kakao-Förderung zu stoppen. Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen ihres Schulprogramms fördern. Vier Bundesländer – NRW, Hessen, Berlin und Brandenburg – haben jedoch eigens Ausnahmeregelungen geschaffen, um doch noch gezuckerte Produkte subventionieren zu können.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.


Foto: © Christian Schwier, MP2 – fotolia.com/Montage: Roland Koletzki - foodwatch

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<![CDATA[Nestlé & Co. tragen Mitverantwortung für globale Fettleibigkeitsepidemie]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/zucker-fett-co/aktuelle-nachrichten/nestle-co-tragen-mitverantwortung-fuer-globale-fettleibigkeitsepidemie/Wed, 22 Aug 2018 10:00:00 +0200

Übergewicht, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes breiten sich in Entwicklungs- und Schwellenländern rasant aus. Globale Lebensmittelkonzerne wie Nestlé und Coca-Cola tragen dafür eine gehörige Mitverantwortung. 

Laut Weltgesundheitsorganisation hat sich in 73 Ländern der Erde der Anteil der Fettleibigen seit 1980 mindestens verdoppelt. Betroffen sind neben den westlichen Industrienationen auch Entwicklungs- und Schwellenländer in Asien, Afrika, Südamerika und dem Mittleren Osten. Besonders leiden junge Menschen: 124 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit sind fettleibig, etwa zehn Mal so viele wie 1975. Ähnlich erdrückende Zahlen gibt es zur Stoffwechselkrankheit Typ-2-Diabetes, die auch durch ungesunde Ernährung verursacht wird: Mit 422 Millionen Erkrankten hat sich die Zahl seit 1980 mehr als vervierfacht.

Profite mit krankmachenden Lebensmitteln

In seinem heute im S. Fischer Verlag veröffentlichten Buch „Die Diktatur der Konzerne – Wie globale Unternehmen uns schaden und die Demokratie zerstören“ gibt foodwatch-Gründer Thilo Bode multinationalen Konzernen eine Mitschuld an der globalen Fettleibigkeitsepidemie. Weil die Märkte in den Industrieländern im wahrsten Wortsinne gesättigt sind, drängen Lebensmittelunternehmen mit aller Macht in die Länder des Globalen Südens. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Armut und Mangelernährung drücken Nestlé, Coca-Cola & Co. mit aggressiven Marketingmethoden und zwielichtigen Lobby-Allianzen hochkalorische und stark verarbeitete Lebensmittel auf die Märkte und verdrängen traditionelle Ernährungsweisen – Fehlernährung und ernährungsbedingte Krankheiten sind die dramatischen Folgen. Zugleich nutzen die Konzerne ihren politischen Einfluss, um eine effektive staatliche Regulierung zur Eindämmung der Fettleibigkeitsepidemie zu verhindern. Die Konzerne machen Profit mit krankmachenden Lebensmitteln. Die schädlichen Folgen – mehr Erkrankungen und höhere Gesundheitskosten – tragen andere. Die Macht der Konzerne ist so groß, dass Parlamente und Regierungen davor zurückschreckten, regulierend einzugreifen.

„Nestlé, Coca-Cola & Co. präsentieren sich gerne als Wohltäter und Weltverbesserer. Doch in Wahrheit machen sie mit ihren Produkten Millionen von Menschen fett und krank und verursachen gigantische gesellschaftliche Folgekosten. Die Verlierer der neuen Lebens- und Essgewohnheiten, die mit den Konzernen aus den reichen Ländern Einzug halten, sind zuallererst die Armen.“

Thilo Bode, foodwatch-Gründer

Drei Beispiele verdeutlichen, mit welchen Methoden große Lebensmittelkonzerne in Entwicklungs- und Schwellenländern Profit auf Kosten der Gesundheit machen:

  • In Brasilien versucht Nestlé auch einkommensschwache Menschen in entlegenen Regionen für seine hochverarbeiteten Lebensmittel zu begeistern. So fuhr jahrelang ein Nestlé-Schiff etwa 1.000 Kilometer entlang des Amazonas und verkaufte die Produkte des Weltkonzerns in abgelegenen Ortschaften. Heute ziehen rund 7.000 Verkäuferinnen mit Nestlé-Handkarren in ärmeren Stadtvierteln von Tür zu Tür. Im Sortiment sind vornehmlich Produkte wie Eis, Kekse und Frühstücksflocken sowie ein „Frühstücks-Kit“ mit Milchpulver und Schokoflocken oder ein „Nachtisch-Kit“ mit Milchprodukten. Nestlé und andere Lebensmittelkonzerne pflegen derweil enge Kontakte zur Politik – unter anderem mit dem Ziel, verbraucherfreundliche und gesundheitspolitische Initiativen zu verhindern. Als die brasilianische Regierung etwa Beschränkungen bei der Werbung an Kinder und eine transparente Lebensmittelkennzeichnung plante, sind beide Initiativen am Lobbydruck der großen Konzerne gescheitert. Dabei wäre ein Eingreifen der Politik dringend geboten: Der Anteil der erwachsenen Fettleibigen in Brasilien hat sich seit 1980 vervierfacht, bei Kindern fast verfünffacht. Jedes Jahr erkranken 300.000 Brasilianerinnen und Brasilianer an Typ-2-Diabetes. 
  • In Malaysia ist der Verkauf verarbeiteter Lebensmittel in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 100 Prozent gewachsen. Mehr als die Hälfte der Menschen ist übergewichtig oder fettleibig. Zugleich haben globale Lebensmittelkonzerne die Ernährungswissenschaft des Landes unter ihrer Kontrolle. Die führende Ernährungsgesellschaft Malaysias, die Nutrition Society of Malaysia, wurde zum Beispiel zu großen Teilen von Unternehmen wie Nestlé, Kellogg’s und PepsiCo finanziert. Einige ihrer Studien wurden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Konzerne vor Veröffentlichung begutachtet und freigegeben. Zudem veröffentlichte die Fachgesellschaft Broschüren unter anderem mit Anzeigen für überzuckerte Nestlé-Frühstücksflocken und wirbt für Nestlés Kinder-Programm in Schulen.
  • In vielen Ländern in Afrika engagieren sich Lebensmittel- und Saatgutkonzerne in entwicklungspolitischen Allianzen. Unter dem Deckmantel der Bekämpfung von Mangelernährung und Hunger reichern die Konzerne Grundnahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Pflanzenöle sowie verarbeitete Lebensmittel mit künstlichen Vitaminen und Mineralstoffen an. Dadurch sollen mangelernährte Menschen versorgt werden. Zwar ist es in akuten Notsituationen durchaus geboten, Grundnahrungsmittel anzureichern, doch die Konzerne verfolgen das Ziel, ihre Produkte langfristig, über Jahre hinweg auf den Märkten zu etablieren, wie Thilo Bode beschreibt. Lokale Alternativen und traditionelle Lebensmittel werden damit verdrängt – während die Konzerne mit ihren Produkten satte Gewinne machen. Um zum Beispiel Eisenmangel in Nigeria zu bekämpfen, bewarb Unilever – mit maßgeblicher Unterstützung durch Entwicklungshilfegelder – mit Eisen angereicherte Brühwürfel seiner Marke Knorr. Frauen wurden als Brühwürfel-Verkäuferinnen geschult. Zudem wurden Mütter und Töchter aufgefordert, beim Kochen Knorr-Würfel zu verwenden. In Kenia sponserte der Konzern TV-Kochshows, in denen Hobby-Köche Fertiggewürzmischungen der Unilever-Marke Royco verwenden mussten. Die globalen Konzerne investieren in Länder des afrikanischen Kontinents – und sichern sich damit Einfluss auf Regierungsprogramme in den betroffenen Ländern. Für die Investitions- und Hilfezusagen kommen die Regierungen den Unternehmen entgegen, etwa mit gentechnikfreundlichen Gesetzen und großzügigen Landnutzungsrechten. Die Konzerne werden zu einem scheinbar neutralen und unverzichtbaren Player in der Entwicklungshilfe, verfolgen in Wahrheit aber vor allem ihre eigenen Interessen.

Die Macht globaler Konzerne 

In „Die Diktatur der Konzerne“ befasst sich foodwatch-Gründer Thilo Bode nicht nur mit den Machenschaften der globalen Lebensmittelkonzerne, sondern analysiert am Beispiel verschiedener Wirtschaftsbereiche – Banken, Energie- und Automobilkonzerne, Internetunternehmen – wie die Macht globaler Großunternehmen angewachsen ist. Internationale Konzerne zahlen kaum Steuern, schädigen die Umwelt, verstoßen gegen Menschenrechte – und werden dafür selten zur Verantwortung gezogen.

Foto: fotolia.de/abcmedia

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<![CDATA[Erfolg: Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/erfolg-hessen-stoppt-subvention-von-zuckermilch/Wed, 22 Aug 2018 09:41:00 +0200

Hessen hat das Aus für die Förderung gezuckerter Milch in Schulen angekündigt. Nordrhein-Westfalen will einen solchen Schritt prüfen und die Eltern befragen. Damit reagierten die beiden Landesregierung auf einen Offenen Brief von foodwatch. Neben NRW fördern nun nur noch Berlin und Brandenburg weiterhin gezuckerte Milchprodukte. 

„Wir nehmen Kakao aus dem Angebot!“, schrieb die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz am Freitag auf Twitter. Sie reagierte damit auf eine foodwatch-Kampagne gegen die Subvention gezuckerter Schulmilch. foodwatch hatte die vier Bundesländer Hessen, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit Offenen Briefen an die zuständigen Minister und Senatoren sowie mit einer E-Mail-Aktion aufgefordert, die Zucker-Subvention zu stoppen.

 

Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen des Schulprogramms fördern. foodwatch-Recherchen zufolge hatten jedoch die vier genannten Bundesländer Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiterhin auch gezuckerte Produkte subventionieren zu können – obwohl dies sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung widerspricht.

„Frau Hinz tut das einzig Richtige: Die absurde Praxis, mit Steuergeldern die Fehlernährung von Kindern zu fördern, hat in Hessen bald ein Ende. Daran sollten sich die Regierungen in Berlin, Brandenburg und NRW ein Beispiel nehmen und Zuckermilch nicht länger subventionieren. Kinder essen viel zu viel Zucker. Wer das mit Steuergeldern auch noch fördert, betreibt verantwortungslose Politik auf Kosten der Kindergesundheit.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Förderung der Milchwirtschaft statt der Kindergesundheit

Mit der Subvention gezuckerter Schulmilch soll in Hessen nun bald Schluss sein. Auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat auf die öffentliche Kritik reagiert. So will das zuständige Umweltministerium die Förderung von gezuckertem Kakao in seinem Schulmilchprogramm auf den Prüfstand stellen. „Wir evaluieren bis zu den Herbstferien“, schrieb Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am späten Dienstagabend auf twitter. Eine Entscheidung solle dann unter „Beteiligung der Eltern“ fallen. Kriterien für die Evaluation nannte jedoch die Ministerin nicht. 

Von Berlin und Brandenburg gibt es bislang keine Stellungnahmen. Im Vorfeld der Kritik argumentierte das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer umsetzt, gegenüber foodwatch: Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ werden. 

Mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich (33 Tonnen Zuckerzusatz) erhalten Kinder an Kindergärten und vor allem Schulen in Berlin und Brandenburg auf Staatskosten über subventionierte Milchmischgetränke, obwohl beide Landesregierungen die Förderung gesunder Ernährung zum politischen Ziel erklären. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina. FrieslandCampina tritt in den Berlin, Brandenburg und NRW als Schulmilchlieferant auf.

EU-Förderprogramm für Schulessen erlaubt Ausnahmeregelungen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Recherchen von foodwatch hatten ergeben, dass die meisten Bundesländer eine Förderung gezuckerter Milchprodukte ausschließen. Berlin, Brandenburg, Hessen und NRW haben jedoch entsprechende Ausnahmegenehmigungen zur Förderung gezuckerter Milchprodukte geschaffen. Es handelt sich dabei um jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen.

foodwatch fordert Qualitätsstandards für Schulessen

Neben einer Korrektur der Schulmilchprogramme forderte foodwatch alle Bundesländer auf, Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schul- und Kitaessen verpflichtend einzuführen. Die meisten Bundesländer lehnten das bislang aus Kostengründen ab. Zudem müssten Werbe- und Sponsoringaktivitäten der Lebensmittelindustrie in den Schulgesetzen verboten werden.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

 

Bild: © Fotolia.com / Brocreative

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<![CDATA[Erfolg: Hessen stoppt Subvention von Zuckermilch]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/erfolg-hessen-stoppt-subvention-von-zuckermilch/Wed, 22 Aug 2018 09:41:00 +0200

Hessen hat das Aus für die Förderung gezuckerter Milch in Schulen angekündigt. Nordrhein-Westfalen will einen solchen Schritt prüfen und die Eltern befragen. Damit reagierten die beiden Landesregierung auf einen Offenen Brief von foodwatch. Neben NRW fördern nun nur noch Berlin und Brandenburg weiterhin gezuckerte Milchprodukte. 

„Wir nehmen Kakao aus dem Angebot!“, schrieb die hessische Verbraucherschutzministerin Priska Hinz am Freitag auf Twitter. Sie reagierte damit auf eine foodwatch-Kampagne gegen die Subvention gezuckerter Schulmilch. foodwatch hatte die vier Bundesländer Hessen, Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen mit Offenen Briefen an die zuständigen Minister und Senatoren sowie mit einer E-Mail-Aktion aufgefordert, die Zucker-Subvention zu stoppen.

 

Die Europäische Union will aus gesundheitlichen Gründen nur noch Produkte ohne Zuckerzusatz im Rahmen des Schulprogramms fördern. foodwatch-Recherchen zufolge hatten jedoch die vier genannten Bundesländer Ausnahmeregelungen geschaffen, um weiterhin auch gezuckerte Produkte subventionieren zu können – obwohl dies sogar den offiziellen, von der Bundesregierung initiierten Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Schulverpflegung widerspricht.

„Frau Hinz tut das einzig Richtige: Die absurde Praxis, mit Steuergeldern die Fehlernährung von Kindern zu fördern, hat in Hessen bald ein Ende. Daran sollten sich die Regierungen in Berlin, Brandenburg und NRW ein Beispiel nehmen und Zuckermilch nicht länger subventionieren. Kinder essen viel zu viel Zucker. Wer das mit Steuergeldern auch noch fördert, betreibt verantwortungslose Politik auf Kosten der Kindergesundheit.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Förderung der Milchwirtschaft statt der Kindergesundheit

Mit der Subvention gezuckerter Schulmilch soll in Hessen nun bald Schluss sein. Auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat auf die öffentliche Kritik reagiert. So will das zuständige Umweltministerium die Förderung von gezuckertem Kakao in seinem Schulmilchprogramm auf den Prüfstand stellen. „Wir evaluieren bis zu den Herbstferien“, schrieb Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am späten Dienstagabend auf twitter. Eine Entscheidung solle dann unter „Beteiligung der Eltern“ fallen. Kriterien für die Evaluation nannte jedoch die Ministerin nicht. 

Von Berlin und Brandenburg gibt es bislang keine Stellungnahmen. Im Vorfeld der Kritik argumentierte das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer umsetzt, gegenüber foodwatch: Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ werden. 

Mehr als elf Millionen Zuckerwürfel jährlich (33 Tonnen Zuckerzusatz) erhalten Kinder an Kindergärten und vor allem Schulen in Berlin und Brandenburg auf Staatskosten über subventionierte Milchmischgetränke, obwohl beide Landesregierungen die Förderung gesunder Ernährung zum politischen Ziel erklären. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina. FrieslandCampina tritt in den Berlin, Brandenburg und NRW als Schulmilchlieferant auf.

EU-Förderprogramm für Schulessen erlaubt Ausnahmeregelungen

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat die EU ihr Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen überarbeitet. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Die in Deutschland zuständigen Bundesländer können die Mittel dafür bei der EU beantragen, wovon die meisten auch Gebrauch machen. Seit der Reform dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. Recherchen von foodwatch hatten ergeben, dass die meisten Bundesländer eine Förderung gezuckerter Milchprodukte ausschließen. Berlin, Brandenburg, Hessen und NRW haben jedoch entsprechende Ausnahmegenehmigungen zur Förderung gezuckerter Milchprodukte geschaffen. Es handelt sich dabei um jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen.

foodwatch fordert Qualitätsstandards für Schulessen

Neben einer Korrektur der Schulmilchprogramme forderte foodwatch alle Bundesländer auf, Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Schul- und Kitaessen verpflichtend einzuführen. Die meisten Bundesländer lehnten das bislang aus Kostengründen ab. Zudem müssten Werbe- und Sponsoringaktivitäten der Lebensmittelindustrie in den Schulgesetzen verboten werden.

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig – ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

 

Bild: © Fotolia.com / Brocreative

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<![CDATA[Zuckermilch in der Schule]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/zuckermilch-in-der-schule/Fri, 17 Aug 2018 15:19:00 +0200

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat auch die EU einen Kurswechsel in ihrem Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen vollzogen. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Künftig dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. In Deutschland sind die Bundesländer für die Schulverpflegung zuständig. Und vier Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen – haben sich entschieden, weiterhin auch gezuckerte Produkte wie Kakao subventioniert werden können. Dort ist der Großteil der geförderten Schul-Milchgetränke gezuckert. Die Angaben der zuständigen Behörden umfassen zwar auch Kindertagesstätten.  Doch dort ist der Anteil von Kakao deutlich geringer.

foodwatch hat den Ländern einen Offenen Brief geschrieben. Die klare Kritik: Mit Ihrer Politik leisten die Bundesländer der Fehlernährung von Kindern Vorschub, anstatt sie zu verhindern! foodwatch forderte die zuständigen Ministerinnen und Minister auf, die Schulmilchprogramme schnellstmöglich zu korrigieren und den Zusatz von Zucker auszuschließen.

„Der Zuckerkonsum von Kindern ist zu hoch und hat fatale gesundheitliche Auswirkungen. Mehrere Bundesländer tragen selbst dazu bei: Sie fördern die Abgabe gezuckerter Milchprodukte – auf Kosten des Steuerzahlers und auf Kosten der Kindergesundheit. Eine solche Politik ist verantwortungslos und widerspricht den Empfehlungen der Ernährungsfachleute.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Verflechtungen mit der Milchlobby

erlin, Brandenburg, Hessen und NRW sind ausgerechnet jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen. 

Das zuständige Ministerium in Hessen erklärte gegenüber foodwatch, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“.

Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, argumentierte ähnlich. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erklärte, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

Ministerien: Besser Zucker-Milch als keine Milch

foodwatch hält dieses Verhalten für verantwortungslos. Mehrere Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein!

 

Bild: © Fotolia.com / Gina Sanders

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<![CDATA[Zuckermilch in der Schule]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/zuckermilch-in-der-schule/Fri, 17 Aug 2018 15:19:00 +0200

15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig - ein wesentlicher Grund dafür ist eine unausgewogene Ernährung. Besonders der zu hohe Konsum gezuckerter Lebensmittel wird von Ernährungswissenschaftlern, der Ärzteschaft und der Weltgesundheitsorganisation gleichermaßen bemängelt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht in ihren offiziellen Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen keine Abgabe von Milchprodukten mit Zuckerzusatz vor.

Zu Beginn des Schuljahres 2017/2018 hat auch die EU einen Kurswechsel in ihrem Förderprogramm für das Schul- und Kitaessen vollzogen. Im Rahmen dieses Programms fördert die EU die vergünstigte oder kostenlose Abgabe von Obst, Gemüse und Milchprodukten in Schulen und vorschulischen Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten. Künftig dürfen die subventionierten Lebensmittel keine Zusätze von Zucker, Salz, Fett oder Süßungsmitteln enthalten. In der Begründung für diese Änderungen verweist die EU ausdrücklich auf die Zunahme der Zahl fettleibiger Kinder.

Allerdings lässt die EU-Verordnung es zu, dass Mitgliedstaaten Ausnahmen von dieser Regelung schaffen. In Deutschland sind die Bundesländer für die Schulverpflegung zuständig. Und vier Bundesländer – Berlin, Brandenburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen – haben sich entschieden, weiterhin auch gezuckerte Produkte wie Kakao subventioniert werden können. Dort ist der Großteil der geförderten Schul-Milchgetränke gezuckert. Die Angaben der zuständigen Behörden umfassen zwar auch Kindertagesstätten.  Doch dort ist der Anteil von Kakao deutlich geringer.

foodwatch hat den Ländern einen Offenen Brief geschrieben. Die klare Kritik: Mit Ihrer Politik leisten die Bundesländer der Fehlernährung von Kindern Vorschub, anstatt sie zu verhindern! foodwatch forderte die zuständigen Ministerinnen und Minister auf, die Schulmilchprogramme schnellstmöglich zu korrigieren und den Zusatz von Zucker auszuschließen.

„Der Zuckerkonsum von Kindern ist zu hoch und hat fatale gesundheitliche Auswirkungen. Mehrere Bundesländer tragen selbst dazu bei: Sie fördern die Abgabe gezuckerter Milchprodukte – auf Kosten des Steuerzahlers und auf Kosten der Kindergesundheit. Eine solche Politik ist verantwortungslos und widerspricht den Empfehlungen der Ernährungsfachleute.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch

Verflechtungen mit der Milchlobby

erlin, Brandenburg, Hessen und NRW sind ausgerechnet jene vier Länder, in denen FrieslandCampina als Schulmilchlieferant auftritt. Das Unternehmen – einer der größten Molkereien Deutschlands – beliefert insgesamt rund 5.000 Schulen. 

Das zuständige Ministerium in Hessen erklärte gegenüber foodwatch, dass die Subvention von Kakao als erforderlich angesehen werde, „um das Angebot insbesondere für Schulen und Lieferanten attraktiv zu halten“.

Das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung in Brandenburg (LELF), das das Programm für die Bundesländer Berlin und Brandenburg umsetzt, argumentierte ähnlich. Die „Überlegung“ sei, dass bei „Ausschluss der Milchmischgetränke“ von der Förderung „noch weniger Schulmilchprodukte nachgefragt“ würden. Zudem würden „alternativ wohl eher andere Produkte, mit höherem Zuckergehalt als Milchmischgetränke“ gewählt. Das LELF verwies auf eine Studie, wonach Kakao ein Beitrag zur gesunden Ernährung leiste. Als Beleg nannte die Behörde einen PR-Newsletter des „Informationsbüro Schulmilch“ mit zahlreichen Verweisen auf das „Netzwerk Schulmilch“ – hinter beiden Initiativen steht die Landliebe Molkereiprodukte GmbH, ein Tochterunternehmen von FrieslandCampina.

Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen erklärte, dass „viele Kinder keine Milch, sondern Kakao“ trinken würden. „Insbesondere diese Kinder sollen mit dem weiterhin bestehenden Angebot von Kakao unterstützt werden“, so das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz.

Ministerien: Besser Zucker-Milch als keine Milch

foodwatch hält dieses Verhalten für verantwortungslos. Mehrere Bundesländer folgen offenbar der Logik: Besser Zucker-Milch als keine Milch. Das ist hanebüchen. Wenn Kinder kein Obst essen möchten, gibt man ihnen doch auch keine Obsttorte als Ersatz. Offensichtlich haben die Landesregierungen vor allem die Absatzförderung für die Milchwirtschaft im Blick und nicht die Gesundheit der Kinder. Damit muss Schluss sein!

 

Bild: © Fotolia.com / Gina Sanders

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<![CDATA[Rückrufe konsequent in die Medien!]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckrufe-konsequent-in-die-medien/Mon, 13 Aug 2018 15:23:00 +0200

Haben Sie schon mal von einem Lebensmittelrückruf in der Zeitung gelesen? Wahrscheinlich eher selten. Denn bislang werden Verbraucherinnen und Verbraucher in den Medien nicht ausreichend darüber informiert, wenn zum Beispiel Lebensmittel mit Salmonellen verunreinigt sind oder Fremdkörper enthalten - obwohl dies erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann! Und das bei im Schnitt etwa drei Lebensmittelrückrufen pro Woche. Regelmäßige Hinweise, zum Beispiel in Zeitungen könnten dies ändern.

foodwatch hat in einem einem gemeinsamen Brief mit der Verbraucherzentrale Hamburg und den nicht-kommerziellen Rückrufportalen produktrueckrufe.de und produktwarnung.eu Chefredaktionen und leitende Journalistinnen und Journalisten aufgefordert, die Veröffentlichung von Produktwarnungen als ihre Verantwortung zu verstehen und über diese konsequent zu berichten. Denn zahlreiche Erkrankungs-, mitunter sogar Todesfälle, lassen sich vermeiden, wenn die Informationen über Rückrufaktionen schnell und zuverlässig verbreitet werden. In dem Schreiben haben die Verbraucherschützer Vorschläge für den redaktionellen Umgang mit Produktrückrufen gemacht, unter anderem:

  • Einrichten einer festen Rubrik und eines Ansprechpartners für Produktrückrufe in der Redaktion
  • Die Bekanntheit eines Herstellers, einer Produktmarke oder die Zahl der potenziell betroffenen Menschen darf nicht darüber entscheiden, ob ein Rückruf verbreitet wird oder nicht
  • Die potenziellen Gefahren der Produkte sollten möglichst klar und verständlich formuliert sein

Alle Empfehlungen gibt es hier: www.rueckrufe-empfehlungen.foodwatch.de

Denn auf Behörden und Unternehmen ist kein Verlass: Diese machen bislang bei weitem nicht alles dafür, betroffene Menschen zu warnen. Der Grund dafür ist die unzureichende Gesetzeslage und mangelhaften Standards in Deutschland. Diese erlauben es, dass Behörden, Hersteller und Handelskonzerne nur unzureichend über Lebensmittelrückrufe informieren. Während Behörden nur äußerst eingeschränkte Informationen hätten und daher selten offensiv an die Öffentlichkeit gingen, informieren Supermärkte in der Regel gar nicht oder nur mit unscheinbaren Aushängen im Markt über den Rückruf eines Markenproduktes aus ihrem Sortiment - selbst dann, wenn es sich um ernsthafte Gesundheitsrisiken handelt.

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[foodwatch fordert verpflichtende Standards für Schulessen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/foodwatch-fordert-verpflichtende-standards-fuer-schulessen/Mon, 13 Aug 2018 14:50:00 +0200

foodwatch hat die Bundesländer zum Start des neuen Schuljahres aufgefordert, verpflichtende Qualitätsstandards für die Verpflegung an allen Schulen und Kindergärten einzuführen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat schon 2007 im Auftrag der Bundesregierung erstmals Qualitätsstandards für eine ausgewogene Kost in den Schulkantinen veröffentlicht. Diese werden aber in der Regel nicht erfüllt. „Es ist ein Skandal, dass diese Kriterien gut zehn Jahre später noch immer an den meisten Schulen ignoriert werden“, kritisierte foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker in der Passauer Neuen Presse. 

Nur drei Bundesländer - Berlin, Bremen und das Saarland - haben die Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu verpflichtenden Kriterien zumindest bei Neu-Ausschreibungen für die Verpflegung gemacht. „Alle reden über gesunde Ernährung, aber in Schulen und Kitas wird Kindern zum Teil ein regelrechter Fraß vorgesetzt. Selbst in staatlichen Einrichtungen sind die Speisepläne oft zu süß, zu fettig, zu fleischlastig und enthalten zu wenig Obst und Gemüse“, sagte Rücker.

Bei den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung handelt es sich bisher nur um Empfehlungen, verpflichtend sind sie nicht.

mit dpa

Foto: © Fotolia.com/Natalie Board

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<![CDATA[Trinken wir Mikroplastik?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/trinken-wir-mikroplastik/Thu, 26 Jul 2018 08:12:00 +0200

Gerade in diesen heißen Sommertagen greift man häufig dazu: die eiskalte Flasche Mineralwasser. Doch was ist, wenn Mineralwasser – egal ob in Plastik- oder Glasflasche – winzige Plastikpartikel enthält, die wir mit dem bloßen Auge nicht sehen können?

Eine dem Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen unterstellte Behörde hat Ende 2017 eine Studie veröffentlicht, in der Mikroplastik-Partikel in Mineralwasser nachgewiesen wurden. Jedoch nennt das Ministerium auf Nachfrage von uns keine Hersteller- oder Produktnamen. Dabei ist es das Mindeste, dass Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren, in welchen Produkten Mikroplastik enthalten ist.

Mikroplastik auch in Meeresfrüchten und Salz

Zahlreiche Studien wiesen in den letzten Jahren nach, dass Lebensmittel winzige Plastikpartikel und -fasern enthalten, wie etwa Meeresfrüchten oder Meersalz „Fleur de Sel“. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) hat in einer Kooperation mit der Universität Münster in einer Laboranalyse von November 2017 nun auch in Mineralwasser Mikroplastik nachgewiesen. Getestet wurden dabei 38 Produkte, darunter sowohl Plastik- als auch Glasflaschen. Besonders hoch waren die Werte bei Wasser aus Mehrweg-Plastikflaschen. Doch auch in einigen Mineralwässern in Glasflaschen war eine erhöhte Zahl an Mikroplastik-Partikeln enthalten.

foodwatch hatte im Februar 2018 einen Antrag auf Herausgabe der Herstellernamen unter Berufung auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) gestellt. Doch das Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen lehnte den Antrag ab, unter anderem weil die betroffenen Analysen im Rahmen eines laufenden Promotionsverfahrens durchgeführt wurden.

„Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium stellt Wirtschaftsinteressen über Verbraucherinteressen, wenn es die Namen der Mineralwasser-Marken, die mit Mikroplastik belastet sind, geheim hält“, kritisierte Sophie Unger von foodwatch. „Wenn eine staatliche Behörde Tests durchführt, haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein Recht darauf, die Ergebnisse zu erfahren. Die Menschen wollen wissen, welche Wässer Mikroplastik enthalten. Doch dazu müssen erstmal alle Fakten auf Tisch. Besonders bei einem Lebensmittel wie Mineralwasser, das Viele jeden Tag in großen Mengen konsumieren.“

Sophie Unger, Campaignerin bei foodwatch

Risiken unklar

Ob Mikroplastik gesundheitliche Schäden hervorrufen kann, ist derzeit noch völlig unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzehr von Mikroplastik Entzündungen beim Menschen hervorrufen könnte. Obwohl die zuständigen Behörden – das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) – schon seit Jahren zu dem Thema arbeiten, gibt es bislang keine Risikobewertung zu Mikroplastik. Das liegt laut BfR daran, dass es bislang zu wenig belastbare Daten zu Mikroplastik in Lebensmitteln gibt. Trotzdem hat das BfR foodwatch gegenüber im Hinblick auf die Studie aus Nordrhein-Westfalen angegeben, dass „nach dem derzeitigen Stand der Kenntnis kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher angenommen“ werde.

Das heißt also: Einerseits kann das BfR keine gesundheitliche Bewertung von Mikroplastik in Lebensmitteln vornehmen, da hierfür die Daten fehlen – andererseits nimmt sie an, dass durch die Funde im Mineralwasser kein Risiko bestehe. Ja, was denn nun? Das BfR muss endlich Tacheles reden. Wir brauchen eine richtige Risikobewertung und keine Mutmaßungen. Wenn die Daten fehlen, müssen sie erhoben werden!

Wir wollen es wissen!

Möchten Sie auch wissen, in welchen Mineralwässern Mikroplastik enthalten ist? Dann wenden Sie sich hier an das Verbraucherministerium NRW und fordern Sie die Veröffentlichung der Herstellernamen und Produkte!

Mikroplastik in Mineralwasser - wir wollen wissen wo!
Mikroplastik in Mineralwässern gefunden! Doch bei welchen Marken, möchte uns das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen nicht sagen. Und das bei einem Lebensmittel, das viele von uns tagtäglich konsumieren. Wir fordern: Her mit den Daten!

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<![CDATA[Trinken wir Mikroplastik?]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/trinken-wir-mikroplastik/Thu, 26 Jul 2018 08:12:00 +0200

Gerade in diesen heißen Sommertagen greift man häufig dazu: die eiskalte Flasche Mineralwasser. Doch was ist, wenn Mineralwasser – egal ob in Plastik- oder Glasflasche – winzige Plastikpartikel enthält, die wir mit dem bloßen Auge nicht sehen können?

Eine dem Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen unterstellte Behörde hat Ende 2017 eine Studie veröffentlicht, in der Mikroplastik-Partikel in Mineralwasser nachgewiesen wurden. Jedoch nennt das Ministerium auf Nachfrage von uns keine Hersteller- oder Produktnamen. Dabei ist es das Mindeste, dass Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren, in welchen Produkten Mikroplastik enthalten ist.

Mikroplastik auch in Meeresfrüchten und Salz

Zahlreiche Studien wiesen in den letzten Jahren nach, dass Lebensmittel winzige Plastikpartikel und -fasern enthalten, wie etwa Meeresfrüchten oder Meersalz „Fleur de Sel“. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe (CVUA-MEL) hat in einer Kooperation mit der Universität Münster in einer Laboranalyse von November 2017 nun auch in Mineralwasser Mikroplastik nachgewiesen. Getestet wurden dabei 38 Produkte, darunter sowohl Plastik- als auch Glasflaschen. Besonders hoch waren die Werte bei Wasser aus Mehrweg-Plastikflaschen. Doch auch in einigen Mineralwässern in Glasflaschen war eine erhöhte Zahl an Mikroplastik-Partikeln enthalten.

foodwatch hatte im Februar 2018 einen Antrag auf Herausgabe der Herstellernamen unter Berufung auf das Verbraucherinformationsgesetz (VIG) gestellt. Doch das Verbraucherschutzministerium Nordrhein-Westfalen lehnte den Antrag ab, unter anderem weil die betroffenen Analysen im Rahmen eines laufenden Promotionsverfahrens durchgeführt wurden.

„Das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium stellt Wirtschaftsinteressen über Verbraucherinteressen, wenn es die Namen der Mineralwasser-Marken, die mit Mikroplastik belastet sind, geheim hält“, kritisierte Sophie Unger von foodwatch. „Wenn eine staatliche Behörde Tests durchführt, haben Verbraucherinnen und Verbraucher ein Recht darauf, die Ergebnisse zu erfahren. Die Menschen wollen wissen, welche Wässer Mikroplastik enthalten. Doch dazu müssen erstmal alle Fakten auf Tisch. Besonders bei einem Lebensmittel wie Mineralwasser, das Viele jeden Tag in großen Mengen konsumieren.“

Sophie Unger, Campaignerin bei foodwatch

Risiken unklar

Ob Mikroplastik gesundheitliche Schäden hervorrufen kann, ist derzeit noch völlig unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass der Verzehr von Mikroplastik Entzündungen beim Menschen hervorrufen könnte. Obwohl die zuständigen Behörden – das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) – schon seit Jahren zu dem Thema arbeiten, gibt es bislang keine Risikobewertung zu Mikroplastik. Das liegt laut BfR daran, dass es bislang zu wenig belastbare Daten zu Mikroplastik in Lebensmitteln gibt. Trotzdem hat das BfR foodwatch gegenüber im Hinblick auf die Studie aus Nordrhein-Westfalen angegeben, dass „nach dem derzeitigen Stand der Kenntnis kein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher angenommen“ werde.

Das heißt also: Einerseits kann das BfR keine gesundheitliche Bewertung von Mikroplastik in Lebensmitteln vornehmen, da hierfür die Daten fehlen – andererseits nimmt sie an, dass durch die Funde im Mineralwasser kein Risiko bestehe. Ja, was denn nun? Das BfR muss endlich Tacheles reden. Wir brauchen eine richtige Risikobewertung und keine Mutmaßungen. Wenn die Daten fehlen, müssen sie erhoben werden!

Wir wollen es wissen!

Möchten Sie auch wissen, in welchen Mineralwässern Mikroplastik enthalten ist? Dann wenden Sie sich hier an das Verbraucherministerium NRW und fordern Sie die Veröffentlichung der Herstellernamen und Produkte!

Mikroplastik in Mineralwasser - wir wollen wissen wo!
Mikroplastik in Mineralwässern gefunden! Doch bei welchen Marken, möchte uns das Verbraucherschutzministerium in Nordrhein-Westfalen nicht sagen. Und das bei einem Lebensmittel, das viele von uns tagtäglich konsumieren. Wir fordern: Her mit den Daten!

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<![CDATA[Rückruf: Listerien in Tiefkühlgemüse]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/rueckrufe/aktuelle-nachrichten/rueckruf-listerien-in-tiefkuehlgemuese/Fri, 06 Jul 2018 13:38:00 +0200

Der Hersteller Greenyard Frozen Belgium ruft bei Lidl verkauftes Tiefkühl-Gemüse zurück, betroffen sind alle Haltbarkeitsdaten. Das Gemüse kann mit Listerien verunreinigt sein, die schwere Magen-Darm-Erkrankungen verursachen können.

Der betroffene „Freshona Gemüsemix“ wurde bundesweit bei Lidl verkauft, aller Haltbarkeitsdaten werden zurückgerufen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Produkt mit Listeria monocytogenes verunreinigt ist. Dieser Erreger kann neben den Symptomen eines grippalen Infekts auch schwere Magen-Darm-Erkrankungen hervorrufen. 

Insbesondere Kleinkinder und Schwangere sind gefährdet

Lidl warnt, dass insbesondere bei „bestimmten Personengruppen (Schwangeren, kleineren Kindern, älteren Menschen und Immungeschwächten) [...] sehr ernste Krankheitsverläufe auftreten“ können. Verbraucher, die das Produkt gekauft haben, werden gebeten, es nicht zu verzehren und es an den Discounter zurückzugeben.

Drei Lebensmittel-Rückrufe jede Woche!

Wussten Sie, dass es im Schnitt drei Lebensmittelrückrufe pro Woche in Deutschland gibt? Viel zu oft erfahren wir Verbraucherinnen und Verbraucher davon allerdings nichts.

foodwatch fordert: Supermärkte und Discounter müssen gut sichtbar am Regal, an der Kasse, am schwarzen Brett, per Newsletter und über ihre sozialen Netzwerke vor allen gesundheitsgefährdenden Lebensmitteln aus ihrem Sortiment warnen! Es kann nicht sein, dass Menschen nur zufällig von Lebensmittelrückrufen erfahren. 

Unterstützen Sie daher jetzt unsere Aktion für bessere Lebensmittelwarnungen!

Wir wollen gewarnt werden!
Pro Woche gibt es durchschnittlich zwei Lebensmittelwarnungen wegen drohender Gesundheitsgefahr. Von vielen Rückrufaktionen bekommen wir Verbraucherinnen und Verbraucher nichts mit. Supermärkte und Discounter müssen Rückrufe endlich so verbreiten, dass wirklich jeder die Chance hat zu erfahren, von welchen Produkten Gefahren ausgehen! >>

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<![CDATA[Abstimmung zu Quecksilber-Grenzwerten verschoben]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/quecksilber-in-fisch/aktuelle-nachrichten/abstimmung-zu-quecksilber-grenzwerten-verschoben/Fri, 29 Jun 2018 12:08:00 +0200

Es ist ein Hin und Her: Nach unserem Protest gegen die geplante Lockerung der Quecksilber-Grenzwerte für Fisch, sah es zunächst so aus als würden die Grenzwerte – zumindest vorerst – nicht angehoben werden. Nun wurde die Abstimmung zum Thema jedoch verschoben und es soll in der EU-Kommission wieder Debatten dazu geben. Der Protest gegen eine Erhöhung der Grenzwerte muss weitergehen.

Über 50.000 Menschen in Deutschland und den Niederlanden haben sich bisher an unserem Protest gegen die Lockerung der Quecksilbergrenzwerte beteiligt. Und bislang sah es auch nach einem Erfolg für uns aus: In einem Gesetzesentwurf der Europäischen Kommission stand, dass die Grenzwerte nicht erhöht werden sollten. Nachdem die Abstimmung verschoben wurde, soll es nun auch wieder Debatten in der Kommission zum Thema geben. Das lässt befürchten, dass sich die Befürworter eines höheren Grenzwerts doch noch durchsetzen können. 

Hauptsächlich Raubfische mit Quecksilber belastet

Quecksilber gerät durch Kohlekraftwerke in großen Mengen in die Luft und somit in Weltmeere und Gewässer. Dort wandelt es sich in das 100-mal giftigere Methyl-Quecksilber um und wird von Fischen aufgenommen. Besonders Raubfische, wie Schwert- und Thunfische, sind hoch belastet. Sie stehen am Ende der Nahrungskette und verspeisen im Laufe ihres Lebens viele kleine, belastete Fische. Der Verzehr dieser Fische stellt für den Menschen ein gesundheitliches Risiko dar, Quecksilber kann die Entwicklung von Föten schädigen und auch bei Erwachsenen zu Nervenschäden führen und das Immunsystem angreifen. Nicht umsonst warnt die Bundesregierung Schwangere vor dem Verzehr einiger Fischsorten wie Aal, Heilbutt oder eben Schwert- und Thunfisch. 

Hintergrund der Entscheidung: Wirtschaftliche Interessen

Warum also die Grenzwerte lockern? Vor allem aus wirtschaftspolitischen Gründen! Der im Moment geltende Quecksilber-Grenzwert für größere Raubfische von einem Milligramm pro Kilogramm Fisch führt dazu, dass die Hälfte der Fische nicht verkauft werden darf, da sie zu hoch belastet sind. Die Idee, die im Raum steht: Man verdoppelt diesen Grenzwert einfach auf zwei Milligramm pro Kilogramm Fisch – und schon dürfen die meisten Fische legal verkauft werden. 

Gegen diese Pläne der EU protestierten viele Verbraucherinnen und Verbraucher und der Erfolg schien schon zum Greifen nahe: In einem neuen Entwurf für das Gesetz war von einer Erhöhung der Grenzwerte keine Rede mehr. Doch anders als ursprünglich geplant, wurde im Juni noch nicht in der Expertengruppe abgestimmt und die Diskussionen über höhere Grenzwerte werden offenbar weiter geführt. Umso wichtiger ist unser Prostest jetzt. Lassen Sie und gemeinsam ein Zeichen setzen und unterschreiben Sie jetzt unsere E-Mail-Aktion an die EU-Kommission!

Grenzwerte für Quecksilber nicht lockern!
Die EU-Kommission diskutiert gerade erneut um die Grenzwerte für Quecksilber. Fordern Sie jetzt die Kommission auf: Die Grenzwerte dürfen keinesfalls gelockert werden! »

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<![CDATA[Werbung mit Coca-Cola und McDonald's: Kinderärzte kritisieren DFB]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/werbung-mit-coca-cola-und-mcdonald-s-kinderaerzte-kritisieren-dfb/Thu, 14 Jun 2018 10:38:00 +0200

Dass die Fußball-Weltmeisterschaft bevorsteht, ist in jedem Supermarkt zu erkennen. Viele Lebensmittelhersteller werben mit Fußball-Symbolen – überwiegend allerdings für ungesunde Produkte. Der Kinderärzteverband kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola.

Fußball-Nuggets, Kekse in Trikotform, die Mannschaftspackung Burger oder der Elferpack Bierdosen: Während die deutsche Mannschaft in Russland einen strengen Ernährungs- und Trainingsplan hat, stehen bei vielen Fans Bratwurst, Chips, Bier und viele Stunden vor dem Fernseher auf dem Programm. Wissenschaftler und Ärzte zeigen sich besorgt über mögliche Gesundheitsfolgen für WM-Zuschauer. So warnte die Medizinische Universität Wien davor, während der Spiele zu viele zuckerhaltige Getränke zu trinken. „An manchen Tagen finden drei Spiele statt. Da lassen sich mit Schorlen statt Limonaden und puren Säften viele Kalorien sparen“, rät die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Maria Wakolbinger. Sie empfiehlt, Softdrinks und Fruchtsäfte zumindest mit reichlich Wasser zu mischen.

Kinderärzte: DFB mitverantwortlich für Übergewicht bei Kindern

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola. Der Verband bezeichnete es als Skandal, dass der DFB sich in seiner Satzung zur Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung bekenne und sich gleichzeitig von den beiden Konzernen sponsern lasse. „Mit seinem Verhalten trägt der DFB mit dazu bei, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Übergewicht entwickeln, denn ein entscheidender Faktor für Übergewicht ist neben Bewegungsmangel zu fette und zu süße Ernährung“, sagte Verbandssprecher Josef Kahl. Auch die Brauerei Bitburger gehört zu den Premium-Partnern des DFB.


„McDonald's und Coca-Cola engagieren sich in karitativen Projekten sowie breitensportlichen Initiativen um Aufklärung zum Thema Ernährung und Bewegung“, erklärte der DFB zu der Kritik an seinen Sponsoren. „So ist McDonald's Förderer des DFB-Fußball-Abzeichens und unterstützt so die Bewegung von Kindern und Jugendlichen.“ Der Genuss eines Hamburgers mit Salat und Orangensaft stelle zudem nach ökotrophologischen Empfehlungen keine Fehlernährung dar.

„Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es natürlich nicht sinnvoll, dass die ungesunden Snacks als besonders WM-tauglich beworben werden“, sagte Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Letztlich komme es aber während der vier WM-Wochen auf das richtige Maß an.

(mit dpa)

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<![CDATA[Werbung mit Coca-Cola und McDonald's: Kinderärzte kritisieren DFB]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/kinderernaehrung/aktuelle-nachrichten/werbung-mit-coca-cola-und-mcdonald-s-kinderaerzte-kritisieren-dfb/Thu, 14 Jun 2018 10:38:00 +0200

Dass die Fußball-Weltmeisterschaft bevorsteht, ist in jedem Supermarkt zu erkennen. Viele Lebensmittelhersteller werben mit Fußball-Symbolen – überwiegend allerdings für ungesunde Produkte. Der Kinderärzteverband kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola.

Fußball-Nuggets, Kekse in Trikotform, die Mannschaftspackung Burger oder der Elferpack Bierdosen: Während die deutsche Mannschaft in Russland einen strengen Ernährungs- und Trainingsplan hat, stehen bei vielen Fans Bratwurst, Chips, Bier und viele Stunden vor dem Fernseher auf dem Programm. Wissenschaftler und Ärzte zeigen sich besorgt über mögliche Gesundheitsfolgen für WM-Zuschauer. So warnte die Medizinische Universität Wien davor, während der Spiele zu viele zuckerhaltige Getränke zu trinken. „An manchen Tagen finden drei Spiele statt. Da lassen sich mit Schorlen statt Limonaden und puren Säften viele Kalorien sparen“, rät die Wiener Ernährungswissenschaftlerin Maria Wakolbinger. Sie empfiehlt, Softdrinks und Fruchtsäfte zumindest mit reichlich Wasser zu mischen.

Kinderärzte: DFB mitverantwortlich für Übergewicht bei Kindern

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert zudem den DFB für seine Werbedeals mit McDonald's und Coca-Cola. Der Verband bezeichnete es als Skandal, dass der DFB sich in seiner Satzung zur Förderung gesunder Ernährung und ausreichender Bewegung bekenne und sich gleichzeitig von den beiden Konzernen sponsern lasse. „Mit seinem Verhalten trägt der DFB mit dazu bei, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Übergewicht entwickeln, denn ein entscheidender Faktor für Übergewicht ist neben Bewegungsmangel zu fette und zu süße Ernährung“, sagte Verbandssprecher Josef Kahl. Auch die Brauerei Bitburger gehört zu den Premium-Partnern des DFB.


„McDonald's und Coca-Cola engagieren sich in karitativen Projekten sowie breitensportlichen Initiativen um Aufklärung zum Thema Ernährung und Bewegung“, erklärte der DFB zu der Kritik an seinen Sponsoren. „So ist McDonald's Förderer des DFB-Fußball-Abzeichens und unterstützt so die Bewegung von Kindern und Jugendlichen.“ Der Genuss eines Hamburgers mit Salat und Orangensaft stelle zudem nach ökotrophologischen Empfehlungen keine Fehlernährung dar.

„Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es natürlich nicht sinnvoll, dass die ungesunden Snacks als besonders WM-tauglich beworben werden“, sagte Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Letztlich komme es aber während der vier WM-Wochen auf das richtige Maß an.

(mit dpa)

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Thu, 11 Apr 2019 12:27:00 +0200Sat, 20 Apr 2019 08:28:09 +0200