<![CDATA[foodwatch: Kennzeichnung & Siegel]]>https://www.foodwatch.org/<![CDATA[Nestlé, Unilever und Co. stoppen irreführende Industrie-Ampel]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/nestle-unilever-und-co-stoppen-irrefuehrende-industrie-ampel/Wed, 21 Nov 2018 15:21:00 +0100

Fünf große Lebensmittelkonzerne, darunter Nestlé und Unilever, haben ihr Projekt für eine eigene Nährwert-Ampel gestoppt. foodwatch und weitere Verbraucherorganisationen hatten die „Industrie-Ampel“ zuvor als irreführend kritisiert, da sie Lebensmittel gesünder aussehen lässt als sie in Wirklichkeit sind. Selbst bei Produkten wie Nutella oder Tuc-Crackern hätte die Ampel nicht Rot gezeigt.

Die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever kündigten am Dienstag an, den Testlauf für die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Industrie-Ampel abzubrechen. Mars war bereits im März dieses Jahres aus dem Industrie-Projekt ausgestiegen. foodwatch forderte die Konzerne auf, stattdessen das französische Ampel-Modell Nutri-Score zu übernehmen, das von unabhängigen Experten entwickelt wurde. Iglo und Danone haben bereits angekündigt, den Nutri-Score in Deutschland zu verwenden.

„Nestlé, Unilever und Co. wollten mit ihrer Industrie-Ampel Verbraucherinnen und Verbraucher an der Nase herumführen. Das ist der beste Beweis, dass sich die Lebensmittelindustrie ihre Nährwert-Kennzeichnung nicht selbst ausdenken darf. Die irreführende Fake-Ampel wurde zurecht auf Eis gelegt. Die Konzerne sollten sich ein Beispiel an Iglo und Danone nehmen und den verbraucherfreundlichen Nutri-Score verwenden, der von mehreren europäischen Regierungen offiziell unterstützt wird.“

Luise Molling, foodwatch

Die sechs großen Lebensmittelkonzerne hatten Ende 2017 ihre Pläne für eine eigene Nährwert-Ampel vorgestellt. Im Gegensatz zu dem erstmals 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA konzipierten Original-Ampelsystem sollte das Modell der "Big Six" allerdings deutlich weniger rote Ampeln zeigen. Ein Vergleichstest von foodwatch hatte im Januar 2018 gezeigt, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit der geplanten Ampel der Industrie in die Irre geführt würden: Selbst eine Süßigkeit wie Nutella von Ferrero, das zu rund 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, hätte keine rote Ampel erhalten.

Im Gegensatz zu den „Big Six“ setzen in Deutschland bereits zwei Unternehmen auf ein unabhängig entwickeltes Ampelmodell: Danone und Iglo haben angekündigt, den französischen Nutri-Score ab 2019 freiwillig einführen zu wollen. Der Nutri-Score nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Die Kennzeichnung wurde von französischen Wissenschaftlern entwickelt und wird von der französischen, der belgischen und auch der spanischen Regierung offiziell empfohlen.  

foodwatch forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, der Diskussion nicht länger tatenlos zuzusehen. Wenn die Ministerin Übergewicht und Fettleibigkeit effektiv bekämpfen will, muss sie dem Beispiel Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens und Belgiens folgen und ihren Widerstand gegen farbliche Kennzeichnungsmodelle aufgeben. Zusätzlich brauchen wir Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung und steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen.

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<![CDATA[Iglo führt Lebensmittel-Ampel ein]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/iglo-fuehrt-lebensmittel-ampel-ein/Thu, 15 Nov 2018 13:02:00 +0100

Iglo will seine Produkte in Deutschland schrittweise ab 2019 mit einer Nährwert-Ampel nach französischem Vorbild bedrucken. Iglo ist nach Danone das zweite Unternehmen, das in Deutschland einen solchen Schritt plant. Ein guter Vorstoß – aber die Kennzeichnung ist nutzlos, wenn nur zwei Hersteller mitmachen.

Die Nährwertangaben aller Iglo-Produkte sollen dem Unternehmen zufolge schrittweise ab Anfang 2019 auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampel vereinfacht dargestellt werden. Iglo ist nach dem französischen Konzern Danone das zweite Unternehmen, das in Deutschland auf freiwilliger Basis eine Lebensmittel-Ampel einführen will. 

Französisches Vorbild: Nutri-Score

Sowohl Iglo als auch Danone wollen die sogenannte Nutri-Score-Ampel auf ihre Produkte drucken. Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung – auf freiwilliger Basis – eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen.

Nutri-Score wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E. 

Vergleichstest zeigt: Ampel führt zu gesünderem Einkauf

Das Nutri-Score-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. foodwatch würde sowohl die Einführung des britischen Originals als auch des französischen Modells befürworten.

„Erst Danone, jetzt Iglo – ein weiterer Lebensmittelhersteller erkennt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwert-Ampel wünschen. Aber die farbliche Kennzeichnung ist nutzlos, wenn sie nur auf Produkten von Iglo und Danone zu sehen ist. Die Idee der Lebensmittel-Ampel ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können – dafür brauchen wir eine einheitliche und verpflichtende Ampel-Kennzeichnung für alle Hersteller. Bundesernährungsministerin Klöckner muss ihren Widerstand gegen die Ampel endlich aufgeben.

Luise Molling von foodwatch

Experten fordern gesetzliche Maßnahmen gegen Fehlernährung

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt.

Der deutsche Tiefkühlprodukte-Hersteller Frosta hatte auch schon einmal eine Ampelkennzeichnung freiwillig eingeführt, diese dann aber nach einigen Jahren wieder eingestellt, weil kein anderer Lebensmittelhersteller mitgezogen war. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. 

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. 

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<![CDATA[foodwatch stellt Kritik von Tönnies richtig]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/informationsgesetz/aktuelle-nachrichten/foodwatch-stellt-kritik-von-toennies-richtig/Fri, 28 Sep 2018 11:17:00 +0200

Nachdem foodwatch amtliche Kontrollberichte veröffentlicht hatte, die wiederholte Hygienemängel bei den „Landsberger Wurstwaren“ zeigen, warf die Firma Tönnies foodwatch „Falschbehauptungen“ vor. Der größte Fleischkonzern Deutschlands, zu dem der Betrieb in Landsberg in Bayern gehört, suggerierte zudem in einer Pressemitteilung, dass foodwatch ein Gesprächsangebot abgelehnt hatte – beides ist nachweislich nicht richtig.

Vergangene Woche stellte foodwatch bisher unveröffentlichte Kontrollberichte der bayerischen Lebensmittelüberwachung online, die zeigen: In einer Landsberger Wurstfabrik des Fleischkonzerns Tönnies herrschten über Monate hinweg ekelerregende Zustände. Obwohl die zuständige Kontrollbehörde Bescheid wusste, informierte sie die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht über die Hygienemängel.

20.09.2018

Ekel in Tönnies-Wurstfabrik

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„Falschbehauptungen“ und „haltlose Vorwürfe“? Von wegen!

Nach der Veröffentlichung sprach Tönnies von „Falschbehauptungen“ und „haltlosen Vorwürfen“. Was der Fleischkonzern verschwieg: Es handelt sich bei den Vorwürfen nicht um „Behauptungen“ von foodwatch, sondern um offizielle, interne Kontrollberichte der bayerischen Lebensmittelüberwachung – diese hatte foodwatch öffentlich gemacht und daraus zitiert.

Gespräch und Besichtigung war bereits vereinbart

In einer Pressemitteilung suggerierte Tönnies zudem, dass foodwatch ein Gesprächsangebot abgelehnt hatte – in Wahrheit waren ein Gespräch und eine Besichtigung des Betriebs zum Zeitpunkt der Pressemitteilung bereits vereinbart, sogar ein konkreter Termin stand bereits fest. Dass ein Gespräch nicht früher zustande kam, lag an Schwierigkeiten auf beiden Seiten, einen gemeinsamen Termin zu finden. Aus Sicht von foodwatch war ein Termin vor der Veröffentlichung der Kontrollberichte auch nicht zwingend nötig gewesen, denn eine abgesprochene Betriebsbesichtigung zu einem fest vereinbarten Termin sagt nichts darüber aus, wie der Hygienezustand in dem Betrieb Monate vorher war – darüber geben die amtlichen Kontrollberichte Auskunft. 

"Nicht foodwatch erhebt hier Vorwürfe, sondern der amtliche Lebensmittelkontrolleur dokumentierte schwere Mängel in der Basishygiene. Tönnies tut nun so, als hätte es die Hygienemängel nie gegeben – dabei belegen die amtlichen Dokumente das Gegenteil. Wer dermaßen in seiner eigenen Realität lebt, mit dem macht ein Gespräch wenig Sinn."

Johannes Heeg von foodwatch

Keine Gesprächsgrundlage mehr

Aufgrund der Kommunikation von Tönnies im aktuellen Hygieneskandal und dem Umgang mit den Mängeln, hat foodwatch den vereinbarten Termin jetzt in einem Schreiben an das Unternehmen abgesagt. Auf dieser Basis sieht foodwatch keine gemeinsame Gesprächsgrundlage.

foodwatch kritisiert außerdem, dass das Landratsamt in Landsberg die Mängel nachträglich herunterspielen will und somit den eigenen Kontrollberichten widerspricht.

 

Bilder: Landratsamt Landsberg am Lech

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<![CDATA[Behörde verschweigt Hygienemängel]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/smiley-system/aktuelle-nachrichten/ekel-in-toennies-wurstfabrik/Thu, 20 Sep 2018 14:26:00 +0200

In einer bayerischen Wurstfabrik des größten deutschen Fleischkonzerns Tönnies herrschten über Monate hinweg ekelerregende Zustände. Obwohl die zuständige Kontrollbehörde Bescheid wusste, informierte sie die Verbraucherinnen und Verbraucher nicht über die Hygienemängel. Der Fall zeigt: Wenn die Ergebnisse von Hygienekontrollen nicht veröffentlicht werden müssen, haben Ekelbetriebe nichts zu befürchten.  

Schmutzpartikel in der Weißwurstlake, verdreckte Maschinen, Pfützen mit stinkendem Wasser: In einer Wurstfabrik des größten deutschen Fleischkonzerns Tönnies war über Monate hinweg Ekel an der Tagesordnung. Das zeigen geheime amtliche Kontrollberichte, die von foodwatch jüngst veröffentlicht wurden. Demnach beanstandeten Lebensmittelkontrolleure bei der „Landsberger Wurstspezialitäten GmbH“ in Oberbayern bei insgesamt 41 Überprüfungen zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 immer wieder Verstöße gegen Hygienevorschriften. In den Kontrollberichten ist zudem mehrfach von Darmbakterien an Maschinen die Rede. Das Unternehmen widerspricht in einer Stellungnahme dieser Darstellung. 

20.09.2018

Ekel in Tönnies-Wurstfabrik

Fotogalerie (9 Bilder)

Keine Bußgelder, keine Information der Öffentlichkeit

Doch trotz der zum Teil eklatanten Mängel verhängte das zuständige Landratsamt in Landsberg am Lech keine Bußgelder und informierte die Öffentlichkeit nicht über die Zustände in der Wurstfabrik. foodwatch sieht hier auch die bayerische Landesregierung in der Verantwortung: Sie hat sich immer wieder gegen mehr Transparenz in der Lebensmittelüberwachung ausgesprochen. Aus vergangenen Hygiene-Skandalen wie Müller-Brot hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder offenbar nichts gelernt.

Johannes Heeg, foodwatch

Der Fall Landsberger zeigt: Wenn die Ergebnisse von Hygienekontrollen nicht veröffentlicht werden müssen, haben Ekelbetriebe nichts zu befürchten. Nur Transparenz über die Kontrollen schafft Abschreckung.“

Johannes Heeg, foodwatch

foodwatch fordert, dass Behörden per Gesetz dazu verpflichtet werden, immer alle Kontrollergebnisse zu veröffentlichen. Der Zeitpunkt dafür könnte eigentlich nicht günstiger sein: Bundesernährungsministerin Julia Klöckner kann bei den ohnehin anstehenden Änderungen am Lebensmittelrecht ein Transparenzsystem einführen, das Behörden dazu verpflichtet, alle Lebensmittelkontrollergebnisse unverzüglich öffentlich zu machen.

Aktueller Gesetzesvorschlag nicht ausreichend

Es ist jedoch fraglich, ob es dazu kommen wird. Denn auch mit dem von Julia Klöckner kürzlich vorgelegten Gesetzentwurf wären die Ekelzustände bei Landsberger nicht ans Licht gekommen, da der Vorschlag die weitreichenden Ermessensspielräume der Behörden aufrechterhält. Das Bundesverfassungsgericht hatte im März 2018 in einem Urteil ausdrücklich die Informationsrechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern gestärkt und ihnen verfassungsrechtliche Bedeutung beigemessen. Diese Grundsatzentscheidung wird von der Bundesregierung jedoch missachtet.

Erfolgreiches Smiley-System in Dänemark

Vorbild für Deutschland muss das erfolgreiche Smiley-System aus Dänemark sein. Dort sind Lebensmittelbetriebe seit 2002 verpflichtet, die Kontrollergebnisse mithilfe eines Smiley-Schemas an der Eingangstür auszuhängen und im Internet zu veröffentlichen. Die Zahl der Beanstandungen ist seitdem deutlich zurückgegangen.

Aus „Müller-Brot“ nichts gelernt

Die bayerische Großbäckerei Müller-Brot hatte bis 2012 jahrelang Millionen von Backwaren an Verbraucherinnen und Verbraucher verkauft, obwohl die Behörden von den miserablen hygienischen Zuständen in der Fabrik wussten. Nun sind den Menschen erneut über Monate hinweg Lebensmittel aus Ekelproduktion untergejubelt worden – mit dem Wissen einer Kontrollbehörde. 

Daher sollte insbesondere Markus Söder sich als Ministerpräsident für ein solches Gesetz stark machen, um den wiederkehrenden Hygieneskandalen in Bayern endlich ein Ende zu bereiten. Doch bislang weigert er sich: Unter seiner Verantwortung als Fachminister hatte der Freistaat in der Verbraucherschutzministerkonferenz 2011 als einziges Bundesland gegen eine Veröffentlichung von Hygienekontrollergebnissen gestimmt.

„Markus Söders Blockadehaltung gegen ein Transparenzsystem ist mitverantwortlich dafür, dass Hygieneskandale in Bayern immer wieder vorkommen. Er predigt Recht und Ordnung, drückt aber bei Verstößen gegen Hygienevorgaben beide Augen zu. Der bayerische Ministerpräsident darf nicht länger als Schutzpatron der Schmuddelbetriebe agieren, sondern muss sich für die Veröffentlichung aller Kontrollergebnisse stark machen.“ 

Johannes Heeg, foodwatch 

Nach Klage kontrolliert weiter das Landratsamt 

Die Kontrolle der „Landsberger Wurstspezialitäten“ sollte eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der neu errichteten „Bayerischen Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen“ (KBLV) fallen. Die KBLV ist seit Januar 2018 für rund 600 Lebensmittelbetriebe in Bayern zuständig, die zuvor der Kontrolle der Landratsämter unterlagen. Die „Landsberger Wurstspezialitäten“ haben jedoch gegen den von der KBLV erlassenen Zuständigkeitsbescheid Klage erhoben – und werden deshalb weiterhin vom Landratsamt Landsberg kontrolliert.

Johannes Heeg, foodwatch

„Das setzt dem Ekel-Skandal die Krone auf: Erst redet das zuständige Landratsamt die Hygieneprobleme klein. Und dann verhindert das betroffene Unternehmen, dass eine andere, womöglich strengere Behörde die Kontrollen übernimmt. Will sich hier ein Schmuddelbetrieb seine Kontrolleure selbst aussuchen?“

Johannes Heeg, Campaigner bei foodwatch

Trotz Ekel keine Reaktion der zuständigen Behörde

Behörden sind nicht verpflichtet, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen öffentlich zu machen. Um die Kontrollberichte der Tönnies-Wurstfabrik zu erhalten, hat foodwatch einen Antrag nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) gestellt. Die Unterlagen, die wir daraufhin erhalten haben dokumentieren über Monate hinweg immer wieder Verstöße gegen Hygienevorgaben. In den Berichten führen die Kontrolleure beispielsweise aus, dass in einem Bereich des Betriebs „die übliche stinkende Pfütze stand“, „Schinken in altverschmutzte, verkalkte Pressen verbracht“ wurde und sich in einem Raum „Grobschmutz am Boden und hinter den Wägen an der Wand“ befand. In einer Stellungnahme gegenüber foodwatch gab das Landratsamt Landsberg am Lech hingegen an, bei den Hygienemängeln handele es sich „nicht um gravierende, sondern in der Regel lediglich um geringfügige Verstöße“, die „in der Regel unmittelbar durch den Betrieb abgestellt wurden“. 

Martin Müller, ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure

„Es ist völlig unverständlich, warum das Landratsamt Landsberg noch nicht einmal Bußgelder verhängte und den Betrieb einfach monatelang weiter laufen ließ. Bei dem Ausmaß der in den Kontrollberichten festgehaltenen Hygienemängel hätten zumindest die beanstandeten Maschinen zwecks Reinigung und Desinfektion stillgelegt werden müssen.“

Martin Müller, ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure

Hinweis: Die in diesem Artikel verwendeten Fotos stammen vom Landratsamt Landsberg am Lech. Sie zeigen Originalbilder aus der Tönnies Wurstfabrik. Sie waren Teil von Informationen, die foodwatch im Rahmen der Anfrage nach dem Verbraucherinformationsgesetz übermittelt wurden.

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<![CDATA[Auch Belgien führt Lebensmittelampel ein]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/auch-belgien-fuehrt-lebensmittelampel-ein/Thu, 23 Aug 2018 17:00:00 +0200

Nach Großbritannien und Frankreich führt auch Belgien eine Nährwert-Ampel für Lebensmittel ein. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich hingegen mit Händen und Füßen gegen eine farbliche Kennzeichnung von Zucker, Salz & Co – und das, obwohl Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen ein Ampel-System schon seit Jahren fordern, und auch die Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Ampel will. 

foodwatch forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, ihren Widerstand gegen eine Lebensmittelampel aufzugeben. Stattdessen soll sie sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung stark machen. Weil die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung EU-weit einheitlich geregelt ist, können Mitgliedsstaaten zusätzliche, farbbasierte Kennzeichnungsmodelle nur auf freiwilliger Basis einführen. Eine freiwillige Ampel haben Großbritannien und Frankreich – und nun auch Belgien.

Die neue belgische Ampel ist das sogenannte NutriScore-Modell: Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. 

NutriScore wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

Das NutriScore-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. 

„Ob NutriScore aus Frankreich oder die Original-Ampel aus Großbritannien: Entscheidend ist, dass wir ein von unabhängigen Experten entwickeltes System haben, das die Nährwerte eines Produkts mit einer farblichen Kennzeichnung direkt auf der Produktvorderseite darstellt und die Vergleichbarkeit von Produkten gewährleistet.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Ernährungsministerin Klöckner lehnt Ampel kategorisch ab

Ernährungsministerin Julia Klöckner lehnt eine Lebensmittelampel für Deutschland bislang ab. Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD das System der Nährwertkennzeichnungen für verpackte und verarbeitete Lebensmittel jedoch weiterentwickeln, indem der Gehalt „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. Ein Modell dafür soll mit Lebensmittel- und Verbraucherverbänden sowie mit Rücksicht auf kleinere Anbieter bis Sommer 2019 erarbeitet werden.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt. 

Danone führt NutriScore in Deutschland ein

Der Lebensmittelhersteller Danone will in Deutschland bereits ab Anfang 2019 das von Frankreich und Belgien eingeführte Nutriscore-Modell auf seine Verpackungen drucken. foodwatch begrüßt den Vorstoß des Lebensmittelkonzerns, forderte aber zugleich eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben vorzuschreiben, damit andere Hersteller nachziehen: Die Idee der Lebensmittel-Ampel sei es, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können – das gehe nicht, wenn nur ein Hersteller die Ampel einführt.

„Pseudo-Ampel“ von Nestlé & Co

foodwatch warnt indes erneut vor dem von der Industrie selbst entwickelten Kennzeichnungsmodell – die Industrie-Ampel- So möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Selbst ein Produkt wie Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde mit dieser Industrie-Kennzeichnung jedoch keine einzige rote Ampel erhalten. Die geplante Fake-Ampel von Nestlé, Cola & Co. ist deshalb nicht die Lösung. Dort steht lediglich Ampel drauf, ist aber nur Verbrauchertäuschung drin!

05.01.2018

So trickst die Industrie-Ampel

Fotogalerie (8 Bilder)

Zucker runter in Limo!
In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!

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<![CDATA[Nächster Lebensmittelskandal ist nur eine Frage der Zeit]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/lebensmittelpolitik/aktuelle-nachrichten/naechster-lebensmittelskandal-ist-nur-eine-frage-der-zeit/Tue, 10 Jul 2018 10:38:00 +0200

Egal ob Fipronil in Eiern, verseuchte Lactalis-Babymilch in 86 Ländern oder Pferdefleisch in der Rindfleich-Lasagne: Immer wieder kommt es in Europa zu Lebensmittelskandalen. Das EU-Recht bietet den Verbraucherinnen und Verbrauchern keinen ausreichenden Schutz, weder vor Täuschung noch vor Gesundheitsgefahrenfoodwatch fordert eine grundlegende Überarbeitung des EU-Lebensmittelrechts, damit Bürgerinnen und Bürger besser vor Lebensmittelskandalen geschützt werden.

Jüngste Fälle wie etwa der Skandal um Fipronil-verseuchte Eier zeigen, dass beispielsweise die Rückverfolgbarkeit von Nahrungsmitteln entlang der Lieferkette nicht gegeben ist. Behörden sind bisher nicht verpflichtet, Verbraucherinnen und Verbraucher schnell und umfassend bei Gesundheitsgefahren von Lebensmitteln zu informieren. Das heißt, bei Betrug und Täuschung sieht das EU-Recht überhaupt keine Verpflichtung für die Behörden vor, die Öffentlichkeit zu informieren. foodwatch fordert die EU-Kommission auf, diese Schwachstellen bei der anstehenden Reform des Lebensmittelrechts zu beseitigen. 

EU will lediglich Risikobewertung verbessern

Um die Vorschriften des Lebensmittelrechts effektiv umzusetzen, braucht es darüber hinaus für Verbraucherverbände kollektive Klagerechte – ähnlich wie es beispielsweise für Umweltschutzorganisationen im EU-Recht verankert ist. Die Pläne der EU-Kommission für eine Reform des europäischen Lebensmittelrechts sehen bisher lediglich Verbesserungen der Risikobewertung von riskanten Stoffen vor, zum Beispiel bei der Zulassung von Unkrautvernichtungsmitteln.

„Die EU schafft es nicht, 500 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher in Europa vor Gesundheitsgefahren und Täuschung im Lebensmittelmarkt zu schützen. Schlimmer noch: Die Europäische Union tut nichts, um die Situation zu verbessern, sondern schützt weiterhin die Interessen der Industrie.“

Thilo Bode, Geschäftsführer von foodwatch International

Rückverfolgbarkeit nicht gegeben 

Bislang wurde die im EU-Recht eindeutig vorgeschriebene lückenlose Rückverfolgbarkeit in der Lebensmittelkette niemals durchgesetzt. So sind bei allen größeren Lebensmittelskandalen der letzten Jahre – von Salmonellen in Babymilch des französischen Herstellers Lactalis über mit dem Insektengift Fipronil belastete Eier bis zum Pferdefleischskandal – jeweils Millionen Produkte auf den Markt gelangt, ohne dass die Unternehmen und zuständigen Behörden die genauen Warenströme nachverfolgen konnten und betroffene Produkte aus dem Markt genommen haben.

Unzureichende Information der Öffentlichkeit  

Zudem wurden die Verbraucherinnen und Verbraucher in der Vergangenheit regelmäßig völlig unzureichend gewarnt. Daher muss im EU-Lebensmittelrecht klar geregelt werden, dass die Behörden bei Verstößen schnell und umfassend die Öffentlichkeit informieren müssen – und zwar unter Nennung der Namen der Hersteller und Produkte und sowohl in Fällen, in denen Gesundheitsgefahr besteht als auch bei Betrug. Außerdem muss es für Verbraucherverbände die rechtliche Möglichkeit geben, Behörden zu verklagen, wenn diese ihre Verpflichtungen im Rahmen des EU-Rechts missachten. Erst das schafft das nötige Druckmittel für Verbraucherorganisationen.

Das allgemeine europäische Lebensmittelrecht, die sogenannte EU-Basisverordnung, wurde 2001 als Antwort auf die BSE-Krise („Rinderwahnsinn“) beschlossen. Im Rahmen des „REFIT-Prozesses“ (Regulatory Fitness and Performance Programme) der Europäischen Kommission soll es jetzt überarbeitet werden. Die EU-Kommission hat dazu im April 2018 einen Reformvorschlag vorgelegt, der vor allem die Risikobewertung verbessern soll. So sollen etwa Studien zur Sicherheit von Unkrautvernichtungsmitteln wie Glyphosat zukünftig besser öffentlich zugänglich sein. Dieser Vorschlag ist nicht ausreichend. Es müssen endlich die grundlegenden Schwachstellen im EU-Lebensmittelrecht abgestellt werden. foodwatch hat dazu acht konkrete Forderungen vorgelegt.

Bild Lebensmittelkontrolleur: © Branex

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<![CDATA[Julia Klöckner will Verbraucherrechte beschneiden]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/smiley-system/aktuelle-nachrichten/julia-kloeckner-will-verbraucherrechte-beschneiden/Wed, 04 Jul 2018 14:35:00 +0200

Die Bundesernährungsministerin will mit ihrer geplanten Reform des Lebensmittelrechts Verbraucherrechte beschneiden, obwohl das Bundesverfassungsgericht erst vor wenigen Monaten ausdrücklich die Informationsrechte von Verbraucherinnen und Verbrauchern anerkannt hat. 

foodwatch hat eine von Bundernährungsministerin Julia Klöckner geplante Änderung des Lebensmittelgesetzes als Geschenk an die Lebensmittelbranche kritisiert. Der Gesetzentwurf der Ministerin schützt Betriebe, die gegen Hygienevorgaben verstoßen. Darüber hinaus wird er einem aktuellen Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht gerecht, das kürzlich eindeutig den Informationsrechten der Verbraucherinnen und Verbraucher verfassungsrechtliche Bedeutung beigemessen hatte. Die jetzt vorgelegte Gesetzesänderung stellt aus Verbrauchersicht sogar noch eine Verschlechterung dar. Kundinnen und Kunden erfahren damit weiterhin in aller Regel nicht, wenn Lebensmittelbetriebe bei Kontrollen beanstandet werden.

„Julia Klöckner macht ihren Job nicht. Das höchste deutsche Gericht stärkt mit seinem Beschluss die Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher, aber Frau Ministerin Klöckner ist das offenbar herzlich egal. Der Gesetzentwurf ist ein Geschenk an Schmuddelbetriebe und Gammelfleischhändler, die weiter darauf hoffen können, von den Behörden gedeckt zu werden“,

Johannes Heeg, Campaigner bei foodwatch

Smiley-System als Vorbild

foodwatch fordert Julia Klöckner auf, dringend nachzubessern und eine echte Erneuerung des Gesetzes vorzulegen: Anstatt – je nach Ermessen der Behörden – nur einzelne Hygieneverstöße von Betrieben zu veröffentlichen, muss die Ministerin die rechtliche Grundlage für ein Transparenzsystem schaffen, das ausnahmslos alle Ergebnisse amtlicher Lebensmittelkontrollen öffentlich macht. Vorbild sollte das erfolgreiche „Smiley-System“ aus Dänemark sein, wo seit mehr als 15 Jahren alle Kontrollergebnisse öffentlich einsehbar sind. Sie können dort sowohl im Internet als auch direkt an der Tür von Restaurants, Metzgereien oder Kantinen eingesehen werden. foodwatch hat zu dem aktuellen Gesetzesentwurf eine ausführliche Stellungnahme beim Bundesernährungsministerium eingereicht.

Nehmen Sie jetzt an unserer E-Mail-Aktion teil und fordern Sie die Einführung eines Smiley-Systems für Deutschland!

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<![CDATA[Danone führt Lebensmittel-Ampel ein ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/danone-fuehrt-lebensmittel-ampel-ein/Thu, 14 Jun 2018 16:00:00 +0200

Die Nährwertangaben aller Danone-Produkte sollen schrittweise ab 2019 auf den Verpackungsvorderseiten zusätzlich mit einer Ampel vereinfacht dargestellt werden. Zudem unterstütze man eine verbindliche Regelung. Das erklärte der französische Lebensmittelkonzern am Donnerstag bei einer Veranstaltung im Bundestag. Ein richtiger Schritt – dem jetzt andere Hersteller folgen müssen! Außerdem ist die Politik gefordert, endlich eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben vorzuschreiben.

Auf dem französischen Markt druckt Danone bereits das gleiche Ampel-System auf seine Produkte: das sogenannte NutriScore-Modell. Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung – auf freiwilliger Basis – eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. NutriScore wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

Das NutriScore-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen.

„Danone hat erkannt, dass sich die Verbraucherinnen und Verbraucher die Nährwert-Ampel wünschen. Aber wenn Danone alleine vorprescht, ist die Kennzeichnung nutzlos. Die Idee der Lebensmittel-Ampel ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können – das geht nicht, wenn nur ein Hersteller die Ampel einführt. Wir brauchen eine einheitliche und verpflichtende Ampel, kein Kennzeichnungs-Wirrwarr.“

Luise Molling, foodwatch

Selbst Nutella ohne rote Ampel

foodwatch würde sowohl die Einführung des britischen Originals als auch des französischen Modells befürworten. Die von der Industrie selbst entwickelten Kennzeichnungsmodelle sind hingegen nicht mehr als Verbrauchertäuschung. So möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Aber selbst ein Produkt wie Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde mit dieser Industrie-Kennzeichnung keine einzige rote Ampel erhalten.

Industrie wehrt sich gegen Ampel & Co.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt. Der deutsche Tiefkühlprodukte-Hersteller Frosta hatte auch schon einmal eine Ampelkennzeichnung freiwillig eingeführt, diese dann aber nach einigen Jahren wieder eingestellt, weil kein anderer Lebensmittelhersteller mitgezogen war. Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein eigenes Modell zur Nährwertkennzeichnung zu erarbeiten, das „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“.

Seit Ende 2016 gilt zwar für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen.

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<![CDATA[foodwatch gewinnt Rechtstreit gegen Online-Supermarkt]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/foodwatch-gewinnt-rechtstreit-gegen-online-supermarkt/Fri, 27 Apr 2018 15:54:00 +0200

Nach einem Rechtstreit mit foodwatch muss der Lebensmittelhändler supermarkt24h.de Kundinnen und Kunden über den Zucker-, Fett- und Salzgehalt seiner Produkte informieren. 

foodwatch hatte den Betreiber zuvor mehrfach abgemahnt und verklagt, weil er verschiedene Produkte bewarb, ohne Informationen zum Nährwertgehalt anzugeben – ursprünglich auf der Seite edeka-lebensmittel.de. Dieser Shop wurde eingestellt, der Betreiber verkaufte unter supermarkt24h.de aber weiterhin zahlreiche Lebensmittel ohne Nährwertangaben – ein klarer Verstoß gegen europäisches Lebensmittelrecht. Jetzt gab das Unternehmen eine Unterlassungserklärung ab und ergänzte die Angaben zum Kalorien-, Fett- oder Zuckergehalt. 

„Es kann nicht sein, dass eine Verbraucherorganisation erst abmahnen und klagen muss, bis sich Online-Händler an geltendes Recht halten. Genauso wie im Supermarkt um die Ecke muss auch beim Einkauf im Internet sichergestellt sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher alle vorgeschriebenen Produktinformationen schnell und einfach finden können. Die Bundesregierung muss die Lebensmittelüberwachung zeitgemäß aufstellen und das Kontrolldefizit im Online-Handel beheben.“

Luise Molling, foodwatch

Händler lenkt erst nach mehreren Abmahnungen und einer Klage ein

foodwatch hatte den in Hamburg ansässigen Betreiber des Online-Supermarkts bereits im September 2017 wegen fehlender Pflichtangaben abgemahnt – damals für fehlende Angaben im Shop edeka-lebensmittel.de, nach eigenen Angaben der „größte Onlineshop für Lebensmittel und den täglichen Bedarf“. Nachdem das Unternehmen – trotz mehrfacher Fristverlängerungen – die Unterlassungserklärung nicht unterzeichnet und weiterhin etliche Lebensmittel ohne Nährwertangaben auf seiner Webseite gelistet hatte, reichte foodwatch Ende Oktober Klage beim Landgericht Hamburg ein. Das Gericht gab foodwatch Recht und verurteilte den Händler dazu, online über die Nährwertangaben seiner Lebensmittel zu informieren. Der Betreiber stellte die Seite edeka-lebensmittel.de ein, verkaufte jedoch mit dem neuen Shop supermarkt24h.de wieder etliche Produkte ohne entsprechende Nährwertkennzeichnung. foodwatch mahnte den Online-Händler deshalb erneut ab, der daraufhin die Unterlassungserklärung unterschrieb und zusicherte, bis Ende März 2018 alle fehlenden Nährwertangaben nachzutragen. 

Behörden mit Kontrolle des Onlinehandels überfordert

foodwatch kritisiert: Die kommunal organisierten Kontrollbehörden sind mit der Überprüfung des Online-Lebensmittelhandels überfordert. Die Bundesregierung muss die Zuständigkeit für die Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern von den Ländern und kommunalen Behörden auf den Bund übertragen. Online-Supermärkte müssen systematisch auf die Einhaltung von Kennzeichnungspflichten und auf Produktsicherheit geprüft werden. 

Anfang März hatte foodwatch in einem Vergleichstest die fünf großen Online-Lebensmittelhändler Amazon Fresh, Rewe Online, Allyouneedfresh, Mytime und Bringmeister unter die Lupe genommen und Lücken bei der Produktkennzeichnung sowie bei der Kontrolle der Shops durch die Lebensmittelbehörden aufgezeigt. Die Herkunftsangaben zu Obst und Gemüse waren bei vier der fünf Anbieter unzureichend oder fehlten ganz.

EU-Gesetz schreibt Nährwertkennzeichnung vor

Seit Ende 2016 schreibt die „EU-Lebensmittel-Informationsverordnung“ Herstellern eine verbindliche Nährwertkennzeichnung auf der Verpackung von Lebensmitteln vor. Werden Lebensmittel im Internet angeboten, gilt diese Informationspflicht auch für die Shop-Seiten der Online-Händler. Die sieben Pflichtangaben der Nährwertkennzeichnung umfassen den Brennwert sowie die Gehalte an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Salz. Diese Werte müssen sich auf 100 Gramm oder 100 Milliliter des Lebensmittels beziehen.

Foto: © Ljupco Smokovski / shutterstock

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<![CDATA[Frontal 21: Gepanschte Wurst erhält DLG-Medaille]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/separatorenfleisch/aktuelle-nachrichten/frontal-21-gepanschte-wurst-erhaelt-dlg-medaille/Wed, 11 Apr 2018 10:13:00 +0200

Journalistinnen und Journalisten des ZDF-Politmagazins „Frontal 21“ haben selbst eine Wurst hergestellt: aus 9 Prozent Fleisch, 27 Prozent Wasser und 46 Prozent Separatorenfleisch, also billigen Fleischresten, die eigentlich gekennzeichnet werden müssten. Und die Deutsche-Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat diese gepanschte Wurst sogar noch mit einer silbernen Medaille geehrt.  

Natürlich ist es grundsätzlich sinnvoll und richtig, alle Teile vom Tier für die Herstellung von Nahrungsmitteln zu verwenden – auch Separatorenfleisch, also maschinell vom Knochen abgelöste Fleischreste. Aber nur dann, wenn bei dessen Verarbeitung hohe Hygienestandards eingehalten werden, denn Separatorenfleisch ist besonders anfällig für Verunreinigungen. Und wenn für Verbraucherinnen und Verbraucher klar erkennbar ist, dass Separatorenfleisch als minderwertige Zutat enthalten ist – eine Kennzeichnung ist gesetzlich vorgeschrieben.Der Frontal 21-Beitrag zeigt, wie leicht sich die gesetzlichen Vorgaben umgehen lassen.

Die zuständigen Behörden müssen die Lieferketten nachverfolgen, um sicherzustellen, dass Separatorenfleisch hygienisch einwandfrei verarbeitet und ordnungsgemäß gekennzeichnet wird. Dass die von den Frontal-21-Machern gepanschte Wurst sogar noch das silberne DLG-Siegel erhält, zeigt wie nichtssagend eine Auszeichnung ist, die sich die Industrie selbst verleiht!

Frontal 21-Beitrag ansehen

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<![CDATA[Unklare Herkunftsangaben: Amazon Fresh abgemahnt]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/herkunftsangaben/aktuelle-nachrichten/unklare-herkunftsangaben-amazon-fresh-abgemahnt/Fri, 16 Mar 2018 11:01:00 +0100

foodwatch hat den Online-Lebensmittelhändler Amazon Fresh wegen unzulässiger Herkunftsangaben für Obst und Gemüse abgemahnt. Denn Amazon führt in seinem Online-Shop für zahlreiche Produkte wie Weintrauben, Kopfsalat oder Tomaten mehrere mögliche Herkunftsländer auf – ein klarer Verstoß gegen europäisches Recht. 

Viele Menschen möchten wissen, wo ein Lebensmittel herkommt. Im Supermarkt um die Ecke ist das kein Problem: Hier erkennt man auf einen Blick, ob ein Apfel aus Deutschland oder Neuseeland stammt. Beim Einkauf im Internet sieht es häufig anders aus: So gibt Amazon Fresh für Weintrauben gleich 13 mögliche Herkunftsländer an. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch rechtswidrig, denn die Herkunftskennzeichnung vieler Obst- und Gemüsesorten ist gesetzlich vorgeschrieben. Werden die Produkte im Internet angeboten, gilt diese Informationspflicht auch für die Shop-Seiten der Händler.

foodwatch hat Amazon Fresh deshalb abgemahnt und aufgefordert, diese unzulässigen Herkunftsangaben zu unterlassen. Die Politik ist außerdem gefragt, für eine bessere Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern zu sorgen. Denn die kommunal und offline organisierten Kontrollbehörden sind noch nicht im Online-Zeitalter angekommen und mit der Überprüfung großer Online-Shops überfordert. foodwatch forderte die neue Bundesregierung deshalb auf, die Zuständigkeit für die Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern von den Ländern und kommunalen Behörden auf den Bund zu übertragen. 

Anfang März hatte foodwatch in einem Vergleichstest die fünf großen Online-Lebensmittelhändler Amazon Fresh, Rewe Online, Allyouneedfresh, Mytime und Bringmeister unter die Lupe genommen und Lücken bei der Produktkennzeichnung sowie bei der Kontrolle der Shops durch die Lebensmittelbehörden aufgezeigt. Die Herkunftsangaben zu Obst und Gemüse waren bei vier der fünf Anbieter unzureichend oder fehlten ganz.

foodwatch mahnte Amazon Fresh wegen sieben Artikeln ab, die der Online-Händler ohne eindeutige Herkunftsangaben anbietet (Kopfsalat, Paprika Tricolor, Äpfel Braeburn 1kg, Trauben hell kernlos 500g, Tomaten Rispe Aromatico 250g, Orangen 2kg und Zitronen 500g).

Foto: (c) VRD Fotolia.com

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<![CDATA[Bringt's das? Lebensmittel-Onlinehändler im Vergleich]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/herkunftsangaben/aktuelle-nachrichten/bringt-s-das-lebensmittel-onlinehaendler-im-vergleich/Thu, 08 Mar 2018 10:00:00 +0100

Draußen ist es nass und kalt, die Familie liegt hustend im Bett – warum also nicht mal den Wocheneinkauf online machen, statt im Supermarkt? Zwar kaufen in Deutschland die meisten noch selbst im Laden ein, doch der Onlinehandel mit Lebensmitteln gilt als Zukunftstrend. foodwatch hat das zum Anlass genommen, fünf Online-Lebensmittelhändler mit Testeinkäufen unter die Lupe zu nehmen. Probleme gab es vor allem bei Angaben zur Herkunft. Auch Verpackungsmüll war ein großes Thema. 

Eingekauft haben die Testkäufer beim Rewe-Lieferdienst, Amazon Fresh, Allyouneedfresh, Mytime und dem zu Edeka gehörenden Anbieter Bringmeister. Bei Aspekten wie Pünktlichkeit, Vollständigkeit oder Zustand der gelieferten Produkte schnitten die Shops überwiegend gut ab. Allerdings verstießen sie in vielen Fällen gegen Informations- und Kennzeichnungsvorgaben.

13 mögliche Herkunftsländer für Trauben bei Amazon

So muss bei frischem Obst und Gemüse eigentlich das Herkunftsland angegeben werden. Gezielt Früchte aus bestimmten Ländern zu kaufen oder zu meiden, ist beim Einkauf online aber oft nicht möglich, denn häufig werden mehrere mögliche Herkunftsländer angegeben – bei Weintrauben im Amazon-Shop sogar 13. Bei Bringmeister fehlten die gesetzlich vorgeschriebenen Herkunftsangaben teilweise komplett. Alle Anbieter zeigten zudem deutliche Defizite im Umgang mit Nutzerdaten und der Barrierefreiheit. Und nicht zuletzt hinterließen die Testkäufe teilweise sehr viel Verpackungsmüll, vor allem Mytime fiel hier negativ auf.


Lebensmittel-Onlinehändler im Vergleich

Fotogalerie (8 Bilder)

So haben wir getestet

Für den Vergleichstest bestellte foodwatch im November 2017 bei allen Online-Shops jeweils drei Mal einen vorab festgelegten Warenkorb von 21 Produkten – darunter gekühlte Lebensmittel, Tiefkühlprodukte, Obst und Gemüse.

Mehr Verpackungsmüll bei Lieferung auf dem Land

Bei den Lieferbedingungen zeigten sich dabei große Unterschiede: Während man in städtischen Regionen aus bequemen und schnellen Lieferoptionen wählen kann, müssen Menschen auf dem Land mit langen Lieferzeitfenstern, höheren Versandkosten und mehr Verpackungsmüll durch die Paketzustellung rechnen.

„Im Onlinehandel besteht ein echtes Kontrolldefizit, weil die Lebensmittelüberwachung nicht zeitgemäß aufgestellt ist. Die kommunal und offline organisierten Kontrollbehörden sind noch nicht im globalen Online-Zeitalter angekommen. Die zuständigen Lebensmittelkontrolleure schaffen es schlichtweg nicht, neben dem Bäcker vor Ort auch noch die großen Online-Supermärkte und die unzähligen Nischenanbieter im Internet zu kontrollieren, die zufällig ihren Sitz in diesem Ort haben.“

Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

Das kostet die Lieferung

Der Warenkorb war bei Allyouneedfresh mit durchschnittlich 49,68 Euro der teuerste, bei Amazon Fresh mit 41,41 Euro der billigste, Rewe und Bringmeister lagen mit 45-46 Euro im Mittelfeld. Ein Preisvergleich der fünf Anbieter ist allerdings nur bedingt möglich, denn die Unterschiede relativieren sich, wenn man Lieferkosten und sonstige Aufschläge mit einbezieht. Bei Amazon Fresh etwa kann nur bestellen, wer eine „Prime“-Mitgliedschaft für 69,90 Euro jährlich und ein „Fresh“-Abonnement für 9,99 Euro monatlich abschließt. Bei Bringmeister, Rewe und Allyouneedfresh hängen die Liefergebühren maßgeblich davon ab, wie viel bestellt wird und in welchem Zeitfenster geliefert werden soll. 

Datenschutz und Barrierefreiheit

Beim Datenschutz hatten sämtliche Anbieter Defizite: Jede Datenschutzerklärung wies Mängel oder unklare Formulierungen auf. Alle Shops verlangten zum Beispiel die Angabe des Geburtsdatums – obwohl dies nur bei einer Bonitätsprüfung (zum Beispiel für eine Zahlung auf Rechnung) erforderlich ist. Bis auf Allyouneedfresh setzten zudem alle Webseiten eine erstaunlich hohe Zahl sogenannter Tracker ein, die – meist völlig unbemerkt –  Informationen über das Nutzerverhalten sammeln und auswerten. Auch bei der Barrierefreiheit fielen durchweg alle Anbieter durch, wie eine Prüfung der Webseiten durch den Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) für foodwatch ergab. 

Kurzübersicht über die fünf Online-Shops im Test

Allyouneedfresh

Der Anbieter mit dem teuersten Warenkorb, die Verfügbarkeit der Waren ließ beim Testkauf zu wünschen übrig und es gab Mängel bei der Kennzeichnung von Obst und Gemüse. Dafür liefert Allyouneedfresh deutschlandweit und im Hinblick auf die geprüften Datenschutzaspekte schnitt der Anbieter zwar nicht gut, aber insgesamt noch am besten ab. Die Lieferoptionen und der mit der Lieferung verbundene Verpackungsmüll sind von der belieferten Region abhängig.

Amazon Fresh

Kann mit dem größten Sortiment, dem günstigsten Warenkorb und schnellen und bequemen Lieferoptionen überzeugen und zeigte auch beim Testkauf bis auf einen Patzer eine gute Leistung. Dafür entstehen hohe Fixkosten für das benötigte Abo und die Prime-Mitgliedschaft, die Informationen zu Kosten und Liefermodalitäten sind schwer auffindbar, Obst und Gemüse sind teils mangelhaft gekennzeichnet und es werden viele Tracker eingesetzt.

Bringmeister

Die Online-Preise der bestellten Produkte entsprechen in etwa den Preisen im Edeka Markt und die Lieferoptionen sind schnell und bequem, Bringmeister ermöglicht als einziger Anbieter die datenschutzfreundliche Bar- oder EC-Zahlung an der Tür und leistete sich beim Testkauf nur kleine Fehler. Dafür verstößt dieser Anbieter mehrfach gegen Kennzeichnungspflichten, hat Mängel in den AGB und setzt viele Tracker ein. 

Mytime

Im Vergleich hat Mytime die schlechtesten Lieferoptionen und auch beim Testkauf schnitt dieser deutschlandweite Anbieter am schlechtesten ab. Die Lieferung kam zudem mit massenhaft Verpackungsmüll, der nur kostenpflichtig zurückgesendet werden kann und auch der Einsatz zahlreicher Tracker schlägt negativ zu Buche. Positiv fiel Mytime im Hinblick auf die – eigentlich selbstverständliche – Einhaltung gesetzlicher Kennzeichnungspflichten auf. 

Rewe online

Die Preise der Produkte aus dem Warenkorb entsprechen bei Rewe online etwa den Preisen im Markt, die Lieferoptionen sind komfortabel und beim Testkauf konnte Rewe mit wenigen Patzern und der sparsamsten Verpackung überzeugen. Allerdings nutzt Rewe die mit Abstand höchste Anzahl von Trackern, kennzeichnet die Herkunftsländer bei Obst und Gemüse nicht eindeutig und auch in den AGB gab es Mängel.

Gesetzliche Kennzeichnungsvorgaben einhalten! 

foodwatch fordert die Onlinehändler auf, ihrer gesetzlichen Kennzeichnungspflicht nachzukommen: Alle Informationen, die Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt zu einem Produkt erhalten, müssen auch im Internet leicht auffindbar sein. Zudem ist die Politik gefordert, die Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern auf Bundesebene neu zu organisieren. 

Bild: shutterstock.com/Ljupo Smokovski - Montage: foodwatch

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<![CDATA[Bringt's das? Lebensmittel-Onlinehändler im Vergleich]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/herkunftsangaben/aktuelle-nachrichten/bringt-s-das-lebensmittel-onlinehaendler-im-vergleich/Thu, 08 Mar 2018 10:00:00 +0100

Draußen ist es nass und kalt, die Familie liegt hustend im Bett – warum also nicht mal den Wocheneinkauf online machen, statt im Supermarkt? Zwar kaufen in Deutschland die meisten noch selbst im Laden ein, doch der Onlinehandel mit Lebensmitteln gilt als Zukunftstrend. foodwatch hat das zum Anlass genommen, fünf Online-Lebensmittelhändler mit Testeinkäufen unter die Lupe zu nehmen. Probleme gab es vor allem bei Angaben zur Herkunft. Auch Verpackungsmüll war ein großes Thema. 

Eingekauft haben die Testkäufer beim Rewe-Lieferdienst, Amazon Fresh, Allyouneedfresh, Mytime und dem zu Edeka gehörenden Anbieter Bringmeister. Bei Aspekten wie Pünktlichkeit, Vollständigkeit oder Zustand der gelieferten Produkte schnitten die Shops überwiegend gut ab. Allerdings verstießen sie in vielen Fällen gegen Informations- und Kennzeichnungsvorgaben.

13 mögliche Herkunftsländer für Trauben bei Amazon

So muss bei frischem Obst und Gemüse eigentlich das Herkunftsland angegeben werden. Gezielt Früchte aus bestimmten Ländern zu kaufen oder zu meiden, ist beim Einkauf online aber oft nicht möglich, denn häufig werden mehrere mögliche Herkunftsländer angegeben – bei Weintrauben im Amazon-Shop sogar 13. Bei Bringmeister fehlten die gesetzlich vorgeschriebenen Herkunftsangaben teilweise komplett. Alle Anbieter zeigten zudem deutliche Defizite im Umgang mit Nutzerdaten und der Barrierefreiheit. Und nicht zuletzt hinterließen die Testkäufe teilweise sehr viel Verpackungsmüll, vor allem Mytime fiel hier negativ auf.


Lebensmittel-Onlinehändler im Vergleich

Fotogalerie (8 Bilder)

So haben wir getestet

Für den Vergleichstest bestellte foodwatch im November 2017 bei allen Online-Shops jeweils drei Mal einen vorab festgelegten Warenkorb von 21 Produkten – darunter gekühlte Lebensmittel, Tiefkühlprodukte, Obst und Gemüse.

Mehr Verpackungsmüll bei Lieferung auf dem Land

Bei den Lieferbedingungen zeigten sich dabei große Unterschiede: Während man in städtischen Regionen aus bequemen und schnellen Lieferoptionen wählen kann, müssen Menschen auf dem Land mit langen Lieferzeitfenstern, höheren Versandkosten und mehr Verpackungsmüll durch die Paketzustellung rechnen.

„Im Onlinehandel besteht ein echtes Kontrolldefizit, weil die Lebensmittelüberwachung nicht zeitgemäß aufgestellt ist. Die kommunal und offline organisierten Kontrollbehörden sind noch nicht im globalen Online-Zeitalter angekommen. Die zuständigen Lebensmittelkontrolleure schaffen es schlichtweg nicht, neben dem Bäcker vor Ort auch noch die großen Online-Supermärkte und die unzähligen Nischenanbieter im Internet zu kontrollieren, die zufällig ihren Sitz in diesem Ort haben.“

Martin Rücker, Geschäftsführer foodwatch Deutschland

Das kostet die Lieferung

Der Warenkorb war bei Allyouneedfresh mit durchschnittlich 49,68 Euro der teuerste, bei Amazon Fresh mit 41,41 Euro der billigste, Rewe und Bringmeister lagen mit 45-46 Euro im Mittelfeld. Ein Preisvergleich der fünf Anbieter ist allerdings nur bedingt möglich, denn die Unterschiede relativieren sich, wenn man Lieferkosten und sonstige Aufschläge mit einbezieht. Bei Amazon Fresh etwa kann nur bestellen, wer eine „Prime“-Mitgliedschaft für 69,90 Euro jährlich und ein „Fresh“-Abonnement für 9,99 Euro monatlich abschließt. Bei Bringmeister, Rewe und Allyouneedfresh hängen die Liefergebühren maßgeblich davon ab, wie viel bestellt wird und in welchem Zeitfenster geliefert werden soll. 

Datenschutz und Barrierefreiheit

Beim Datenschutz hatten sämtliche Anbieter Defizite: Jede Datenschutzerklärung wies Mängel oder unklare Formulierungen auf. Alle Shops verlangten zum Beispiel die Angabe des Geburtsdatums – obwohl dies nur bei einer Bonitätsprüfung (zum Beispiel für eine Zahlung auf Rechnung) erforderlich ist. Bis auf Allyouneedfresh setzten zudem alle Webseiten eine erstaunlich hohe Zahl sogenannter Tracker ein, die – meist völlig unbemerkt –  Informationen über das Nutzerverhalten sammeln und auswerten. Auch bei der Barrierefreiheit fielen durchweg alle Anbieter durch, wie eine Prüfung der Webseiten durch den Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg (BSVH) für foodwatch ergab. 

Kurzübersicht über die fünf Online-Shops im Test

Allyouneedfresh

Der Anbieter mit dem teuersten Warenkorb, die Verfügbarkeit der Waren ließ beim Testkauf zu wünschen übrig und es gab Mängel bei der Kennzeichnung von Obst und Gemüse. Dafür liefert Allyouneedfresh deutschlandweit und im Hinblick auf die geprüften Datenschutzaspekte schnitt der Anbieter zwar nicht gut, aber insgesamt noch am besten ab. Die Lieferoptionen und der mit der Lieferung verbundene Verpackungsmüll sind von der belieferten Region abhängig.

Amazon Fresh

Kann mit dem größten Sortiment, dem günstigsten Warenkorb und schnellen und bequemen Lieferoptionen überzeugen und zeigte auch beim Testkauf bis auf einen Patzer eine gute Leistung. Dafür entstehen hohe Fixkosten für das benötigte Abo und die Prime-Mitgliedschaft, die Informationen zu Kosten und Liefermodalitäten sind schwer auffindbar, Obst und Gemüse sind teils mangelhaft gekennzeichnet und es werden viele Tracker eingesetzt.

Bringmeister

Die Online-Preise der bestellten Produkte entsprechen in etwa den Preisen im Edeka Markt und die Lieferoptionen sind schnell und bequem, Bringmeister ermöglicht als einziger Anbieter die datenschutzfreundliche Bar- oder EC-Zahlung an der Tür und leistete sich beim Testkauf nur kleine Fehler. Dafür verstößt dieser Anbieter mehrfach gegen Kennzeichnungspflichten, hat Mängel in den AGB und setzt viele Tracker ein. 

Mytime

Im Vergleich hat Mytime die schlechtesten Lieferoptionen und auch beim Testkauf schnitt dieser deutschlandweite Anbieter am schlechtesten ab. Die Lieferung kam zudem mit massenhaft Verpackungsmüll, der nur kostenpflichtig zurückgesendet werden kann und auch der Einsatz zahlreicher Tracker schlägt negativ zu Buche. Positiv fiel Mytime im Hinblick auf die – eigentlich selbstverständliche – Einhaltung gesetzlicher Kennzeichnungspflichten auf. 

Rewe online

Die Preise der Produkte aus dem Warenkorb entsprechen bei Rewe online etwa den Preisen im Markt, die Lieferoptionen sind komfortabel und beim Testkauf konnte Rewe mit wenigen Patzern und der sparsamsten Verpackung überzeugen. Allerdings nutzt Rewe die mit Abstand höchste Anzahl von Trackern, kennzeichnet die Herkunftsländer bei Obst und Gemüse nicht eindeutig und auch in den AGB gab es Mängel.

Gesetzliche Kennzeichnungsvorgaben einhalten! 

foodwatch fordert die Onlinehändler auf, ihrer gesetzlichen Kennzeichnungspflicht nachzukommen: Alle Informationen, die Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt zu einem Produkt erhalten, müssen auch im Internet leicht auffindbar sein. Zudem ist die Politik gefordert, die Überwachung von Online-Lebensmittelhändlern auf Bundesebene neu zu organisieren. 

Bild: shutterstock.com/Ljupo Smokovski - Montage: foodwatch

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<![CDATA[Mars will doch keine Industrie-Ampel]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/mars-will-doch-keine-industrie-ampel/Fri, 02 Mar 2018 11:58:00 +0100

Mars ist aus einem Projekt der Lebensmittelindustrie zur Einführung einer eigenen Ampel-Kennzeichnung ausgestiegen. Der Konzern sprach sich stattdessen für eine EU-weite gesetzliche Regelung aus. foodwatch begrüßte die Entscheidung von Mars und forderte Nestlé, Coca-Cola, Pepsi, Unilever und Mondelez auf, ihre Pläne für ein eigenes Ampel-Modell zu stoppen. 

Die Lebensmittelkonzerne Mars, Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever hatten Ende 2017 ihre Pläne für eine eigene Nährwert-Ampel vorgestellt. Ein Vergleichstest von foodwatch hatte im Januar 2018 gezeigt, wie Verbraucherinnen und Verbraucher mit der geplanten Ampel der Industrie in die Irre geführt würden: Selbst eine Süßigkeit wie Nutella von Ferrero würde keine rote Ampel erhalten. Mit dem Original-Ampel-System der britischen Lebensmittelbehörde FSA bekäme Nutella hingegen drei rote Ampeln, die auf einen hohen Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren und Zucker hinweisen. Auch Tuc-Cracker des Herstellers Mondelez hätten mit dem Industrie-Modell statt zwei überhaupt keine rote Ampel. Ähnlich bei den Nesquik-Frühstücksflocken von Nestlé: Auch hier würde durch das Modell der großen Lebensmittelkonzerne die rote Ampel für den hohen Zuckergehalt verschwinden.

Mars hat sich jetzt aus dem Projekt zurückgezogen und die EU aufgefordert, auf europäischer Ebene eine gesetzliche Regelung für Nährwertangaben in Ampelfarben zu erlassen. 

„Glückwunsch, Mars ist zur Vernunft gekommen! Wir brauchen keine irreführende Industrie-Ampel, die Zuckerbomben gesünder darstellt, als sie wirklich sind. Wir brauchen eine verbraucherfreundliche Ampelkennzeichnung, die EU-weit verbindlich ist und von unabhängigen Experten entwickelt wird. Nestlé, Coca-Cola, Pepsi, Unilever und Mondelez sollten sich ein Beispiel an Mars nehmen und ihre geplante Fake-Ampel beerdigen."

Oliver Huizinga, foodwatch

Der Portions-Trick der Industrie

Grund für die geringere Anzahl roter Ampeln ist ein Trick: Bei der Originalampel der FSA richtet sich die Ampelfarbe nach den Nährwertgehalten auf Grundlage von einheitlich 100 Gramm. Sie springt zum Beispiel beim Zuckergehalt auf Rot, sobald ein Produkt mehr als 15 Prozent Zucker enthält. Im Gegensatz dazu berechnet die Industrie-Ampel die Farbgebung auf Basis von kleineren Portionsgrößen. Bei Portionen bis 60 Gramm zeigt die Industrie-Ampel erst Rot, wenn mehr als 13,5 Gramm Zucker enthalten sind. Bei Frühstücksflocken mit einer 40-Gramm-Portion ist dies erst bei einem Zuckergehalt von mehr als 33,7 Prozent der Fall. Bei dem Industriemodell muss also in Frühstücksflocken mehr als doppelt so viel Zucker enthalten sein wie beim Originalmodell, bevor die Ampel auf Rot springt. Bei süßen Brotaufstrichen wie Nutella mit einer vorgesehenen Portion von 15 Gramm müsste mehr als 90 Prozent Zucker enthalten sein, damit die Ampel Rot zeigt.

Ampel-Vorbilder Großbritannien und Frankreich

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon lange eine verständliche Nährwertkennzeichnung, etwa nach dem Modell der britischen FSA: Für jedes Produkt sollte der Gehalt an den wichtigsten Nährwerten (Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz) in absoluten Grammzahlen angegeben werden – und zwar einheitlich pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Zur Orientierung sollte jeder dieser vier Werte mit einer der bekannten Signalfarben Rot, Gelb und Grün hinterlegt werden. 

Seit Ende 2016 gilt für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. Mittlerweile haben jedoch zwei EU-Länder, Frankreich und Großbritannien, eine farbige Nährwertkennzeichnung auf freiwilliger Basis eingeführt.

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<![CDATA[Wiederholte Hygienemängel in Lebensmittelbetrieben ]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/smiley-system/aktuelle-nachrichten/wiederholte-hygienemaengel-in-lebensmittelbetrieben/Tue, 13 Feb 2018 21:10:00 +0100

Verschmutzte Arbeitsgeräte, verschimmelte Lagerräume, Käferbefall: foodwatch hat bislang unveröffentlichte amtliche Kontrollberichte online gestellt, die ekelerregende Zustände in bayerischen Lebensmittelbetrieben offenbaren. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erfuhren davon nichts.

Es handelt sich um 14 Betriebe aus ganz Bayern, die bereits einmal gegen lebensmittelrechtliche Vorgaben verstoßen hatten – und dann erneut bei Kontrollen auffällig wurden. Die zuständige Landesbehörde hatte 2016 und 2017 gezielt Sonderkontrollen in 30 Lebensmittelbetrieben durchgeführt, bei denen in der Vergangenheit gravierende Mängel beanstandet wurden – bei jedem zweiten dieser Betriebe stellten die Kontrolleure abermals Verstöße fest. Aus den Kontrollberichten geht etwa hervor, dass Schlachtereien mit verschmutzten Arbeitsgeräten und unhygienischer Arbeitskleidung arbeiteten, in einer Obstkelterei standen offene Lagertanks in einem stark verschimmelten Kellergewölbe, in einer Backstube tummelten sich Käfer und Mäuse. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erfuhren davon jedoch nichts. Das Problem besteht nicht nur in Bayern: Bundesweit wird jährlich etwa jeder vierte Lebensmittelbetrieb bei amtlichen Kontrollen beanstandet – welche Betriebe betroffen sind, bleibt aber in der Regel geheim.

„Hygieneverstöße in Lebensmittelbetrieben sind ein bundesweites Problem. Die Ergebnisse aus Bayern machen deutlich: Ohne Transparenz funktioniert das Kontrollsystem nicht. Jeder zweite kontrollierte Betrieb wies wiederholt Hygienemängel auf – Lebensmittelkontrollen wirken kaum abschreckend, wenn ihre Ergebnisse nicht veröffentlicht werden. Die Behörden in Deutschland decken die Schmuddelbetriebe – auf Kosten der Verbraucherinnen und Verbraucher und der sauber arbeitenden Unternehmen. Die Landesregierungen müssen per Landesgesetz für Transparenz sorgen, dass wie in Dänemark alle Ergebnisse von Hygienekontrollen veröffentlicht werden müssen. Erst ein Aushang der Kontrollergebnisse an der Ladentür schafft einen Anreiz für Lebensmittelbetriebe, sich jeden Tag an die Hygieneregeln zu halten“

Johannes Heeg, Campaigner bei foodwatch

Schmuddelbetriebe bleiben geheim

Die zuständigen Behörden hatten zwar Maßnahmen zur Behebung der Hygienemängel angeordnet. Die Namen und Kontrollberichte der betroffenen Betriebe blieben allerdings unter Verschluss. foodwatch fordert die Bundesländer auf, für mehr Transparenz in der Lebensmittelüberwachung zu sorgen. Vorbild müsse das erfolgreiche „Smiley-System“ aus Dänemark sein. Dort sind Lebensmittelbetriebe verpflichtet, die Kontrollergebnisse mithilfe eines Smiley-Schemas an der Eingangstür auszuhängen.

2016 und Anfang 2017 hatte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) im Schwerpunkt-Kontrollprogramm „Betriebe mit ehemals gravierenden Mängeln“ insgesamt 30 Betriebe überprüft, die bereits in der Vergangenheit negativ aufgefallen waren. In 15 Betrieben stellten die Kontrollteams erneut „mittelgradige“ oder „gravierende“ Mängel fest. Das geht aus dem LGL-Jahresbericht 2016 und aus Angaben des LGL gegenüber foodwatch hervor. Im August 2017 hatte foodwatch mit einem Antrag nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) die Herausgabe der Kontrollberichte beim LGL beantragt und 14 Berichte im Dezember 2017 bzw. Januar 2018 erhalten. Bei einem Betrieb entschied das LGL, den Kontrollbericht nicht herauszugeben, da der Inhaber des Betriebes verstorben sei und keine Rechtsnachfolge existiere.

Unhygienische Zustände in Lebensmittelbetrieben

Die Kontrollberichte zeigen zahlreiche Verstöße gegen Hygienevorgaben und lebensmittelrechtliche Bestimmungen: In einer Obstkelterei beispielsweise wurden „gravierende Mängel“ in allen Bereichen festgestellt: „Dabei sind vor allem die stark verschimmelten und feuchten Kellergewölbe zu erwähnen, in denen in nur unzureichend abgedeckten, offenen Lagertanks unterschiedlicher Größe Säfte, Weine und Zuckerlösungen vermischt werden.“ Bei einem Pizzaservice klagten die Kontrolleure über die „chaotische Lagerung von Lebensmitteln“. In einer Metzgerei war „ein Großteil der Arbeitskleidung (v.a. Schuhe und Schürzen) (…) zum Zeitpunkt der Kontrolle altverschmutzt bzw. verschlissen.“ In einem anderen Schlachtbetrieb wurden „Altverschmutzungen an Arbeitsgerätschaften, Bedarfsgegenständen, Arbeitskleidung und im Bereich des Bodens“ beanstandet. So wiesen die „Schneidebretter (…) neben den frischen Verschmutzungen von der morgendlichen Zerlegung auch Altverschmutzungen in Form von bräunlichen, teils schwärzlichen Belägen auf.“ Das Braumalzlager einer Brauerei glich laut den Kontrolleuren „eher einem ausgelagerten Wohnzimmer mit Teppichboden und Geschirrschränken etc. als einer Lebensmittelproduktionsstätte“. Ebenso waren in „den meisten Produktionsräumlichkeiten an Decken und Wänden Schwarzschimmel- und Salpeterbildung festzustellen“.

Information direkt an der Ladentür

In Dänemark können sich Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an der Ladentür und im Internet über alle Lebensmittelkontrollergebnisse informieren. Seit Einführung des Smileys-Systems im Jahr 2002 hat sich die Quote der beanstandeten Betriebe halbiert, von 30 auf 15 Prozent. In Deutschland verharrt die Beanstandungsquote hingegen seit Jahren bei rund 25 Prozent. Nordrhein-Westfalen hatte als erstes Bundesland überhaupt ein Transparenzgesetz beschlossen – die schwarz-gelbe Landesregierung will das Vorhaben wieder stoppen.

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<![CDATA[„Nicht schlecht nach“: Neues Haltbarkeitsdatum in Norwegen]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/aktuelle-nachrichten/nicht-schlecht-nach-neues-haltbarkeitsdatum-in-norwegen/Tue, 09 Jan 2018 15:50:00 +0100

Viele Milch-Packungen in Norwegen tragen bald ein neues Haltbarkeitsdatum. „Mindestens haltbar bis, aber nicht schlecht nach“, steht ab der kommenden Woche auch auf Sahne, Saft und Joghurt, wie die Molkerei Tine am Dienstag mitteilte. Auch die Q-Molkerei und der Ei-Händler Prior haben diese Angaben bereits eingeführt. Den Verbrauchern solle so bewusst gemacht werden, dass „mindestens haltbar bis“ nicht bedeute, dass man die Produkte nach Ablauf wegwerfen müsse.

Nach Angaben der Q-Molkerei hat fast jeder dritte Norweger bereits abgelaufene Milch weggeworfen ohne zu prüfen, ob sie noch gut ist. Auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) hatte im vergangenen Jahr ins Gespräch gebracht, zusätzlich zum Mindesthaltbarkeits- ein „Verbrauchsverfallsdatum“ anzugeben.

dpa

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<![CDATA[Industrie-Ampel rechnet Produkte gesund]]>https://www.foodwatch.org/de/informieren/ampelkennzeichnung/aktuelle-nachrichten/industrie-ampel-rechnet-produkte-gesund/Fri, 05 Jan 2018 09:20:00 +0100

Die Lebensmittel-Ampel hat eine überraschende Fürsprecherin gefunden: die Lebensmittelindustrie. Nachdem die Konzerne jahrelang erbittert gegen eine farbliche Nährwert-Kennzeichnung auf Lebensmittelverpackungen kämpfte, wollen Nestlé, Coca-Cola und Co. nun eine EU-weite Ampelkennzeichnung nach eigenem Modell einführen. Doch die Kriterien sind viel zu lasch – die Industrie-Ampel lässt Produkte gesünder aussehen, als sie sind.

Die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mars, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever hatten kürzlich ihre genauen Pläne für eine eigene Nährwert-Ampel vorgestellt. Im Gegensatz zu dem erstmals 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA konzipierten Original-Ampelsystem zeigt die Industrie-Kennzeichnung allerdings deutlich weniger rote Ampeln. Selbst eine Süßigkeit wie Nutella von Ferrero würde keine rote Ampel erhalten. Mit dem System der FSA bekäme Nutella hingegen drei rote Ampeln, die auf einen hohen Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren und Zucker hinweisen. Auch Tuc-Cracker des Herstellers Mondelez hätten mit dem Industrie-Modell statt zwei überhaupt keine rote Ampel. Ähnlich bei den Nesquik-Frühstücksflocken von Nestlé: Auch hier würde durch das Modell der großen Lebensmittelkonzerne die rote Ampel für den hohen Zuckergehalt verschwinden. Das zeigt ein Ampel-Vergleichstest von foodwatch.

05.01.2018

So trickst die Industrie-Ampel

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Mit ihrem Ampel-Gegenentwurf wollen die Lebensmittelkonzerne der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen – helfen Sie mit, dass sie damit nicht durchkommen! Bitte empfehlen Sie diesen Text jetzt weiter:



Grund für die geringere Anzahl roter Ampeln ist ein Trick: Die Originalampel der FSA berechnet die Ampelfarbe auf Grundlage von einheitlich 100 Gramm. Sie springt zum Beispiel beim Zuckergehalt auf Rot, sobald ein Produkt mehr als 15 Prozent Zucker enthält. Im Gegensatz dazu berechnet die Industrie-Ampel die Farbgebung auf Basis von Portionsgrößen. Bei allen Portionen bis zu 60 Gramm zeigt die Industrie-Ampel erst dann Rot, wenn mehr als 13,5 Gramm Zucker in einer Portion enthalten sind. Bei Frühstücksflocken mit einer 40-Gramm-Portion ist dies erst bei einem Zuckergehalt von mehr als 33,7 Prozent der Fall. Bei dem Industriemodell muss also in Frühstücksflocken mehr als doppelt so viel Zucker enthalten sein wie beim Originalmodell, bevor die Ampel auf Rot springt. Ein süßer Brotaufstrich wie Nutella mit einer vorgesehenen Portionsgröße von 15 Gramm müsste demnach zu mehr als 90 Prozent aus Zucker bestehen, damit die Ampel Rot zeigt.

Beispiellose Lobbykampagne gegen die Nährwert-Ampel

Noch im Jahr 2010 verhinderte die Lebensmittelwirtschaft infolge einer beispiellosen Lobbykampagne erfolgreich eine EU-weit verbindliche Ampelkennzeichnung für den Nährwertgehalt bei verarbeiteten Lebensmitteln. Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen forderten damals die Umsetzung des Modells der britischen FSA: Für jedes Produkt sollte der Gehalt an den wichtigsten Nährwerten (Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz) in absoluten Grammzahlen angegeben werden – und zwar einheitlich pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Zur Orientierung sollte jeder dieser vier Werte mit einer der bekannten Signalfarben Rot, Gelb und Grün hinterlegt werden. Die Industrie entwarf hingegen für die Verpackungsvorderseite ein eigenes, sogenanntes GDA-Modell (Guideline Daily Amounts), das oft auf unrealistisch kleinen Portionsgrößen basiert und in Prozentangaben Anteile am selbstgewählten „Richtwert für die Tageszufuhr“ für verschiedene Nährwerte angibt. Das Europäische Parlament stimmte 2010 gegen die Einführung der Ampelkennzeichnung und übernahm das GDA-Modell der Industrie. Mittlerweile haben jedoch zwei EU-Länder, Frankreich und Großbritannien, eine farbige Nährwertkennzeichnung auf freiwilliger Basis eingeführt. 

Seit Ende 2016 gilt für alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der Nährwerte Fett, gesättigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiweiß und Salz. Außerdem muss über den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben müssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung erfolgen. 

So täuscht die Industrie mit ihrer Pseudo-Ampel: Jetzt weitersagen!

Mit ihrem Ampel-Gegenentwurf wollen die Lebensmittelkonzerne der Öffentlichkeit Sand in die Augen streuen – helfen Sie mit, dass sie damit nicht durchkommen! Bitte empfehlen Sie diesen Text jetzt weiter:

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Konzerne wie Coca-Cola, Nestlé und Unilever kontern die Forderung nach einer klaren Kennzeichnung für Fett, Zucker und Salz jetzt mit einem eigenen Entwurf für eine Ampelkennzeichnung: Doch man muss gesehen haben, welche Wirkung der Vorschlag hat – bei Nutella beispielsweise springt die Ampel von drei mal rot bei der Original-Ampel auf drei mal gelb! Zuckerbomben will die Industrie so schön rechnen. Damit wollen wir die Konzerne nicht durchkommen lassen: Deshalb nicht für dumm verkaufen lassen, selbst lesen und weiterschicken!

www.industrie-ampel.foodwatch.de

Viele Grüße

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Wed, 21 Nov 2018 15:21:00 +0100Wed, 19 Dec 2018 04:20:19 +0100