Die nächste Razzia

Dieser Beitrag wurde am 29.05.2026 über den foodwatch-Newsletter versendet.

Letzte Woche durchsuchten Strafverfolgungsbehörden zum zweiten Mal eine Nestlé-Wassermarke – auf unsere Initiative. Was dahintersteckt, ist größer als ein Konzernskandal.
Benedikt Sylvester Fundraising

Es wird Sie nicht wundern, dass ich glaube: Nestlé ist ein skrupelloser Konzern. Überraschender sollte sein, dass wir dem Schweizer Riesen schon fast dankbar sein müssen. Denn er macht vieles, was in der Lebensmittelindustrie schiefläuft, glasklar sichtbar.

Werfen wir einen Blick auf den Skandal um die Marken von Nestlé Waters:

  • September 2024: foodwatch macht öffentlich, dass Nestlé verunreinigtes Wasser illegal filtert und trotzdem als teures Quellwasser verkauft. Wir verklagen den Konzern. [1]
  • Mai 2025: Nestlé lässt sich hinter verschlossenen Türen allgemein zum Verkauf seiner Wassersparte beraten. [2]
  • Juli 2025: Auf Basis der foodwatch-Anzeige durchsuchen Strafverfolgungsbehörden das Hauptquartier von Nestlé Waters. [3]
  • März 2026: Erneut sucht Nestlé Investoren für seine Wassersparte – auch die Marke Perrier soll mit abgestoßen werden. [4]
  • Mai 2026: Eine weitere Razzia auf Basis unserer Anzeige – diesmal bei Perrier. [5]

Das wirft Fragen auf: Warum will Nestlé Geschäftsbereiche verkaufen, kurz bevor Behörden diese durchsuchen? Wie kann das gleich zweimal passieren? Warum treten die Behörden nur dann in Aktion, wenn wir sie dazu anhalten?

Konzerne wie Nestlé können nur deshalb so handeln, weil Politik und Behörden sie gewähren lassen. Der französische Staat wusste lange vor der Öffentlichkeit von den illegalen Methoden Nestlés. Und schwieg. [6]

Politik und Behörden stehen bestenfalls halbherzig für Sie als Verbraucher:in ein. Genau deshalb geht foodwatch jetzt in die nächste Runde. Nicht nur gegen Nestlé, sondern gegen die Strukturen, die solche Konzerne einfach machen lassen. Verglichen mit dem Budget der Industrie für Lobby, Anwälte und Stimmungsmache ist foodwatch winzig. Damit aus diesem Fall echte Konsequenzen werden, brauchen wir viele Menschen, die uns dauerhaft den Rücken stärken. Dabei zählen wir auf Sie. 

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Statt Verantwortung zu übernehmen, will Nestlé das Problem einfach abstoßen. Und damit auch noch Kasse machen: Für die Wassersparte des Konzerns sind mehrere Milliarden Euro im Gespräch. [7]

Das bestätigt ein bekanntes Muster: Konzerne halten an zwielichtigen Geschäftspraktiken fest, solange sie damit durchkommen. Sobald es ungemütlich wird, wollen sie mit dem Ganzen nichts mehr zu tun haben.

Unsere jahrelangen Recherchen, Öffentlichkeitsarbeit und juristischen Schritte haben dafür gesorgt, dass Nestlé den Skandal endlich nicht mehr nur aussitzen kann. Nun will sich selbst dieser Megakonzern schrittweise aus einem ganzen Geschäftsbereich zurückziehen. Das zeigt: Wir können ihnen wirklich schaden, auch wenn sie oft unantastbar scheinen.

Perrier und Co. sind nur die Spitze des Eisbergs. Sie sind eines von zahllosen Symptomen einer kaputten, verbraucherfeindlichen Lebensmittelindustrie. Wir haben noch so viel mehr Arbeit vor uns. Und die schaffen wir nur mit Ihnen an unserer Seite. 

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Anfang 2026 hat der Rückruf von giftiger Babynahrung Nestlé bereits rund 200 Millionen Franken gekostet. [8] Auch hier sind wir juristisch gegen den Konzern vorgegangen. Ganz klar: Mit Ihnen an unsere Seite können wir selbst den stärksten Akteur der Lebensmittelindustrie in seine Schranken weisen.

Quellen

[1] foodwatch: „Nestlé-Wasserskandal wird zur Staatsaffäre in Frankreich“, 19.05.2025

[2] Reuters: „Nestle lines up Rothschild for water unit sale, sources say”, 08.05.2025

[3] foodwatch: „Mineralwasser-Skandal: Razzia bei Nestlé-Hauptsitz nach foodwatch-Klage“, 11.07.2025

[4] Wirtschaftswoche: „Nestlé plant laut Medienbericht Teilverkauf des Wassergeschäfts“, 27.03.2026

[5] Spiegel Wirtschaft: „Razzia bei Nestlé-Tochter Perrier in Frankreich“, 20.05.2026

[6] foodwatch: „Mineralwasser-Skandal um Nestlé: EU-Prüfbericht kritisiert französische Behörden scharf“, 26.07.2024

[7] Wirtschaftswoche: „Nestlé plant laut Medienbericht Teilverkauf des Wassergeschäfts“, 27.03.2026

[8] Tages-Anzeiger: „Nach dem Babymilch-Skandal will der Nestlé-Chef das Vertrauen der Eltern zurückgewinnen“, 19.02.2026