Grundwasser lieber für Konzernprofite statt Verbraucher:innen
Aldi, Red Bull, Nestlé – Konzerne bereichern sich an unserem Grundwasser. foodwatch recherchiert, wer wie viel abpumpt. Und stößt dabei auf ungeahnte Widerstände: Es sind absurde Vorwände, mit denen Behörden uns abzuwimmeln versuchen.
Ein Kommentar von foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann.
Bei Aldi läuft’s: Im bayerischen Treuchtlingen pumpt der Discounter jährlich 250 Millionen Liter Grundwasser aus dem Boden. Kostenlos. Abgefüllt in PET-Flaschen steht das Wasser dann deutschlandweit in Supermärkten, z.B. als Mineralwasser aus der „Altmühltaler Quelle“. Bei Aldi kostet Flaschenwasser gerne mal das 99-fache der gleichen Menge Leitungswasser.
Dabei ist Wasser aus der heimischen Leitung in Deutschland nicht nur günstiger – sondern auch sicher. Trotzdem stehen in jedem Supermarkt ganze Regale voller Flaschenwasser. Kein Wunder: Aldi & Co. verdienen mit abgefülltem Grundwasser viel Geld. „Kann mir egal sein, kaufe ich eh nicht“, denken Sie jetzt vielleicht. Das stimmt aber leider nicht.
Denn Grundwasser ist ein Allgemeingut – und wird immer knapper. Bereits heute kämpft jeder zweite deutsche Landkreis mit strukturellem oder akutem Grundwasserstress. Also achtet doch sicher auch jemand darauf, dass die Entnahme öffentlichen Grundwassers zugunsten privater Profite nicht außer Kontrolle gerät – oder?
Wer kontrolliert die Konzerne?
Wenn Aldi in Treuchtlingen trotz medialem Aufschrei ungehindert abpumpt, drängt sich der Verdacht auf: Irgendjemand macht hier seinen Job nicht. Und wenn das schon dort passiert, wo alle hinschauen … wie sieht es dann erst anderswo aus? Also wollten wir von den zuständigen Behörden genauer wissen: Wer pumpt wo und wie viel Grundwasser ab – und unter welchen Bedingungen?
Zurück kamen dicke Amtsbriefe. Seiten voller Behördendeutsch, die nur eines klarmachen: Man will uns nichts sagen. Ämter, die das Allgemeinwohl schützen sollten, decken lieber die Konzerne: „Die tatsächliche Wasserentnahmemenge im Jahr 2024 stellt ein Geschäftsgeheimnis des Unternehmens dar, weshalb wir Ihnen diese Information nicht zur Verfügung stellen können.“ Andere Auskünfte verstecken Ämter hinter Zuständigkeitsfragen und verweisen auf andere Behörden. Wenn sich endlich jemand bereit erklärt, Antworten zu geben, kostet das: 300 Euro für zwei Fragen.
Es geht hier um die Wasserreserven unserer Nachkommen. Und niemand will zuständig sein. Je tiefer wir bohren, desto klarer wird: Wir legen uns mit einem etablierten System an, das politisch neu geregelt werden muss.
Gegen Konzerne und Behörden brauchen wir Ihre Hilfe. Werden Sie Teil dieser Recherche!
Die üblichen Verdächtigen
In Brandenburg – wo Brunnen versiegen und Böden austrocknen – sicherte sich Red Bull eine Quelle und pumpt 92 Prozent des verfügbaren Wassers ab. Für die lokale Bevölkerung bleiben acht Prozent – und die Anweisung, doch bitte Wasser zu sparen. Dahinter steckt dieselbe Logik wie bei Aldi: Privater Profit aus öffentlichem Wasser. Und wer das aufdecken will, stößt auf behördlichen Widerstand.
Aus Erfahrung wissen wir: Gerade jetzt lohnt es sich, dranzubleiben.Als foodwatch den Nestlé-Wasserskandal öffentlich machte, mussten dieselben Behörden handeln, die Nestlé zuvor gedeckt hatten. Es folgte eine Razzia der Nestlé-Zentrale. Und in Treuchtlingen? Ab Juli 2026 kostet die Grundwasserentnahme in Bayern erstmals Geld – zehn Cent für 1.000 Liter.
Kleine Schritte, zum Schutz des Grundwassers bei weitem nicht genug. Aber sie zeigen: Wer hinschaut und nachbohrt, bewegt etwas. Unser Ziel: Kein Konzern darf in Regionen mit Wassermangel weiter umsonst abpumpen.
Gemeinsam können wir noch mehr Fragen stellen
Jede Anfrage an die Behörden kostet uns Geld: 300 Euro für zwei Fragen. Und in Anbetracht der Geschäftspraktiken von Aldi & Co. haben wir noch sehr viele davon: Mit Ihrer Fördermitgliedschaft helfen Sie uns, dranzubleiben!
Quellen
- zdf heute: „Aldi-Tochter fördert Wasser zum Nulltarif - kein Einzelfall“, 02.04.2026
- NN: „Es geht wieder ums Wasser: Wer bekommt wie lange wie viel?“, 15.10.2025
- foodwatch Berechnungen, basierend auf Ökotest: „Was kostet eigentlich 1 Liter Wasser? 14 Cent, 4 Cent oder 0,4 Cent?“ (15.04.2024) und Aldi „QUELLBRUNN Aqua Select (Preis für 1-L-Flasche Stand 14.04.2026: 0,39 €)
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: „Wasser – Das Grundnahrungsmittel Nummer eins“, 2026
- gwf Wasser | Abwasser: „Deutschland ist von akutem oder strukturellem Grundwasserstress bedroht“, 20.06.2025
- BR24: „Getränkehersteller vs. Bürger: Debatte ums Treuchtlinger Wasser“, 14.10.2025
- TAZ: „Kampf ums Wasser – Red Bull verleiht Dürre“, 29.3.2025
- RBB 24: „Potsdam ruft zum Wassersparen auf“, 05.08.2024
- foodwatch: „Nach foodwatch-Klage: Razzia in Nestlé-Zentrale“, 11.07.2025
- BR24: „Getränkehersteller vs. Bürger: Debatte ums Treuchtlinger Wasser“, 14.10.2025