Rabattcode statt Rezept

Bild im Profil von Dr. Chris Methmann
Konzerne dichten ihren Produkten illegale Heilversprechen an. Die Behörden schauen tatenlos zu. Um die Marken zur Verantwortung zu ziehen, geht foodwatch jetzt in die Offensive: Wir klagen gegen dreiste Werbelügen. Lesen Sie hier, was wir konkret unternehmen – und warum wir Ihre Unterstützung brauchen.
Dr. Chris Methmann Geschäftsführer von foodwatch e.V.

„Online-Sprechstunde“ auf Instagram: Eine Frau schaut in die Kamera. Wie eine gute Freundin empfiehlt sie Produkte gegen hohes Cholesterin, für Leber und Darm, zur Bindung von Toxinen. Ohne Diagnose, ohne Aufklärung, ohne Verantwortung – dafür mit viel Selbstbewusstsein: „Was ich euch hier aufschreibe, ist GOLDWERT.“ [1] Für die Konzerne hinter den Mitteln ist das Video Gold wert, ja – für Verbraucher:innen kann Vertrauen in die Ratschläge zu Leberschäden, Nervenschäden, Herzrhythmusstörungen führen. [2]

„Kreatin gegen Krebs und Depressionen“ wäre ein Werbeplakat, das kein Konzern in der Stadt aufhängen würde. Aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Online ist das anders. Denn Konzerne wie Herbal Talentsoder ESN, deren Produkte in jedem Supermarkt stehen, werben nicht selbst. Sie bezahlen Accounts mit Millionenpublikum, statten sie mit Rabattcodes aus und lassen sie die falschen Versprechen machen. [3]

Über drei Wochen haben wir Tausende dieser Videos gesichtet: Fast alle enthielten rechtswidrige Gesundheitsversprechen. Das hat uns nicht überrascht. Erschreckend ist aber: 309 Kontrollbehörden haben zusammen in acht Monaten gerade einmal 30 Gesundheitsversprechen geprüft – während täglich tausende solcher Videos online gehen. [2]

Wie kann das sein? Wir haben bei den Ämtern nachgefragt. Das Ergebnis: Nur ein Bruchteil der Kontrollbehörden prüft regelmäßig Inhalte in den sozialen Medien. Das Amt in Cloppenburg schreibt, dass es nicht einmal Zugang zu Instagram hat. [2]

Wer online lügt, hat unter diesen Umständen nichts zu befürchten. Die Behörden sind massiv überfordert. Und wir können nicht länger auf sie warten. Denn den Preis für ihre Untätigkeit zahlen wir mit unserem Vertrauen, unserem Geldbeutel und im schlimmsten Fall unserer Gesundheit. Die Konzerne müssen jetzt gestoppt werden. Sie müssen jetzt zur Rechenschaft gezogen werden. Unsere Hoffnung: Verlieren ein paar namhafte Hersteller vor Gericht, nimmt sich die Branche zurück.

Darum schafft foodwatch schon heute Tatsachen. Wir dokumentieren Verstöße, machen sie öffentlich, mahnen ab – und ziehen die Verantwortlichen vor Gericht. Bitte unterstützen Sie uns dabei! Denn nur mit Ihrer Hilfe gelten die Regeln für die Lebensmittelindustrie auch im Internet. 

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Noch herrscht in den sozialen Medien Wildwest-Atmosphäre – und der Sheriff schaut weg. Das wollen wir mit Klagen ändern. Nicht nur, um Einzelfälle zu bestrafen, sondern um Präzedenzfälle zu schaffen.

Wenn Unternehmen gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden, dürfen sie solche Werbeaussagen nicht wiederholen. Egal, ob sie sie selbst machen oder andere Accounts dafür bezahlen. Der Trick, Falschinformationen über Dritte zu verbreiten und dabei sauber dazustehen, wird mit jedem Urteil teurer, riskanter und schließlich untragbar für die Konzerne.

Wir sorgen dafür, dass die Lebensmittelindustrie Konsequenzen fürchten muss – für jedes falsche Versprechen, für jeden Verstoß. Die dafür notwendigen Klagen können sich über Jahre hinziehen und uns dementsprechend viel kosten. Darum bitte ich Sie: Werden Sie Fördermitglied.

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Politische Lösungen haben wir schon ausgearbeitet: Lebensmittelkontrollen auf Bundesebene, Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe, Zulassungsverfahren für Nahrungsergänzungsmittel. [4] Aber solange diese Mindeststandards nicht durchgesetzt werden, können wir Gesundheitsversprechen nicht vertrauen – ob online oder in der Drogerie.

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Quellen

[1] foodwatch: Hintergrundpapier zur Recherche „Lebensmittelbehörden versagen bei der Kontrolle von 
Influencer-Werbung für Nahrungsergänzungsmittel“, 17.02.2026

[2] foodwatch: „Lebensmittelbehörden versagen bei der Kontrolle von Influencer-Werbung für Nahrungsergänzungsmittel“, 17.02.2026

[3]: foodwatch: „Zu #gesund um wahr zu sein? Wie Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit falschen Versprechen Kasse machen“, 05.2025

[4]: foodwatch: „Check: Behörden kontrollieren Instagram-Werbung für Nahrungsergänzungsmittel kaum“, 12.03.2026