Ich möchte Ihnen zeigen, wie grausam die Lachsindustrie wirklich ist. Begleiten Sie mich bei meiner Investigativrecherche durch Schottlands Gewässer.Kampagnen und Recherchen
Als mein Kajak an den Netzen durchs Wasser gleitet, startet die Kamera – und was wir festhalten, lässt keine Ausreden mehr zu. Das hier ist mehr als ein Bericht. Es ist eine Beweissammlung über die millionenfache Tortur der Lachse in der Lebensmittelindustrie.
Unter der Wasseroberfläche verbirgt sich eine grausame Realität: In den Netzen der Lachsindustrie leiden und sterben Millionen Fische.
Die Anreise
Doch zunächst beginne ich am Anfang: Donnerstagnachmittag, Abreise aus Berlin nach Schottland, gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen.
Spät am Abend rollen wir in einem Mietwagen auf der linken Spur Richtung Küste. Ein Hostel, feuchte Luft, Nieselregen über grünen Hängen, die im Dunst verschwinden. Wilde Urlaubspostkarten-Natur. Und doch: Hinter dieser Schönheit liegt etwas Brutales, das wir zeigen müssen.
Der erste Blick ins Netz
Um fünf Uhr morgens ist der Himmel milchig, irgendwo in der Gegend nördlich von Edinburgh. Ich mache mir einen Kaffee, bevor ich mich auf einer einsamen Straße auf den Weg zum Treffpunkt mit Don mache. Er ist ein lokaler Aktivist und Experte für die Region, schon seit Jahren im Konflikt mit der Lachsindustrie.
Don wurde wegen seines Umweltaktivismus mehrfach verklagt, aber hat sich davon nie beirren lassen. Ohne ihn wäre es sehr schwierig herauszufinden, wo wir überhaupt suchen müssen. Er hat die nächsten Schritte für mich und den Fotografen geplant und stellt zwei Kajaks bereit.
Genau wie Don legt sich auch foodwatch regelmäßig mit der Industrie an. Dafür brauchen wir die nötigen finanziellen Mittel, um uns im Notfall zu wehren, auch vor Gericht. Unterstützen Sie uns mit einer regelmäßigen Spende?
Um sechs Uhr gleiten die Boote ins kalte Wasser. Fünfzehn Minuten und einige kräftige Paddelschläge später liegen Netze vor uns. Große Käfige, die trügerisch sanft auf der Wasseroberfläche schaukeln.
Die Netze sind nicht weit vom Ufer entfernt. Dazu liegen sie in öffentlichen Gewässern, weswegen wir sie so leicht erreichen können. In diesem Moment bin ich dankbar für meine warme Jacke, weil mir ein kalter Schauer den Rücken hinunterläuft.
Dort angekommen, sehe ich: Alle paar Sekunden schießt ein Lachs nach oben. Was schön aussieht, hat einen traurigen Grund: Die Fische wollen durch das Springen Parasiten abschütteln, die sich in ihre Haut bohren: Lachsläuse. Auch dieser Käfig ist befallen.
Der Kontrast schockt
Es ist eigentlich ein schöner Samstagmorgen. Und doch ist da dieses stumme Leid, das von der Oberfläche aus unhörbar bleibt. Wir hören einen Motor und entfernen uns von den Netzen. Ein Arbeitsboot fährt vorbei; ein einzelner Mitarbeiter lässt das Futter ein – ferngesteuert, per Technik überwacht.
Was da unter unseren Kajaks liegt, ist eine industrielle Großoperation: zigtausende Fische, massenweise tote Tiere, die regelmäßig abgepumpt werden müssen. Kein einziger „glücklicher“ Fisch.
Solche internationalen Undercover-Recherchen sind sehr aufwendig, teuer und oft nur spontan in kurzen Zeitfenstern möglich. Wir können nur so schnell handeln, weil uns Menschen mit einer regelmäßigen Spende den Rücken stärken – sind Sie dabei?
Meine Recherche ist mit dem Besuch der Netze aber noch nicht vorbei: Gemeinsam mit Don fahre ich zu einer anderen Anlage, einem stillen Gewässer zwischen Bergen. Diesmal bleiben wir aber an Land. Angekommen, schauen wir uns um. Kein Mensch vor Ort.
Wir entdecken einen Verbrennungsofen für tote Lachse. Die verendeten Lachse werden einfach wie Müll verbrannt. Ein trauriges Ende für ein qualvolles Leben.
Das überrascht sogar Don, der die Industrie schon lang beobachtet.
Daneben: Kisten mit gärender Brühe. Die Dimension dieser Grausamkeiten wird immer offensichtlicher. Und es zeigt klar: Tiere werden wie Rohstoff behandelt.
Haltungsbedingungen? Eindeutig Nebensache für profitgierige Konzerne. Der Beweis ist das Geschäftsmodell, das täglich Berge toter Fische produziert. Eine Firma vergrub Tiere sogar tonnenweise am Strand. Das Grundproblem der Industrie ist banal und gleichzeitig brutal: Wohin mit den Kadavern?
Die Konzerne, die hinter diesen Grausamkeiten stecken, produzieren in den verschiedensten Ländern. Und überall ist es das gleiche Problem: Solange der Profit stimmt, spielt das Tierwohl keine Rolle. Damit wir nachhaltig gegen diese Industrie vorgehen können, brauchen wir Ihre regelmäßige Unterstützung.
Ursprung und Ende einer Lieferkette
Am Sonntag besuchen wir eine riesige Brüterei: mehrere Hallen, Ursprung von rund 70 Prozent der Junglachse für die Region. Hier werden Millionen Fische chemisch behandelt und dann im ganzen Land verteilt. Auf einem der Behälter, die wir später sehen, steht: „hazardous“, englisch für „gefährlich“. Eine Anwohnerin kämpft seit Jahren dagegen, dass das mit Chemie verseuchte Abwasser in die örtliche Lagune geleitet wird - der Abfluss führt direkt vor ihrer Haustür ins Wasser.
Später stehen wir vor einer Verarbeitungsanlage eines der größten und auch skandalreichen Unternehmen der Branche, Mowi. Sicherheitsleute und Kameras überwachen jeden Quadratzentimeter. Etwas weiter entfernt von der Anlage stehen LKWs mit fünf Plastiktanks und der Aufschrift „live fish“. Es riecht seltsam. Durch Dons Erfahrung und die gemeinsamen Recherchen wissen wir, wo wir hinschauen müssen: In den Tanks sind wilde Lippfische. Als „Putzerfisch“ gefangen, werden sie in die Netze eingesetzt, um Lachsläuse zu fressen. Ein Fisch, der aus seinem Ökosystem gerissen und zur Wartungskolonne degradiert wird. Und oft genauso zugrunde geht wie die Lachse.
Per Jacob Blut
Wenn wir gegen diese Industrie vorgehen wollen, schaffen wir das nur gemeinsam!
Täuschende Labels im Supermarkt
Wie es sich für eine foodwatch-Recherche gehört, darf der Blick in den Supermarkt nicht fehlen: Überall die grünen Versprechen auf der Verpackung, die ich auch aus deutschen Regalen kenne – groß neben eingeschweißten, orangenen Lachsfilets. Hinter buntgedruckten Nachhaltigkeitslabels verschwindet das grauenvolle Leid, was wir gerade gesehen haben, einfach so.
Auf einem Parkplatz unterhalten wir uns deswegen mit den Menschen, fragen sie, ob sie die Zustände kennen, zeigen unsere Bilder und Videos. Es fühlt sich an, wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir werden direkt von zwei Mitarbeiter:innen beobachtet – mein Begleiter Don ist eben kein Unbekannter.
Marketing wird zur Vertuschung
Zurück im Auto erklärt mir Don, dass in deutschen Supermarktregalen der gleiche Lachs zu finden ist. In Europa kommt er oft aus Schottland oder Norwegen. Hinter den verschiedenen Marken stehen in vielen Fällen dieselben Konzerne und dieselbe Logik der Intensivhaltung im Wasser. Aber wer an „guten“ Zuchtlachs glaubt, kennt nicht die quälerische Mechanik dieses Systems: extreme Besatzdichten, Krankheiten und Parasiten, Chemiebehandlungen, lausfressende Putzerfische als Verbrauchsmaterial und täglich anfallende Kadaver.
Wie Sie Teil dieser Recherche werden können
Norwegen, Schottland – es sind die gleichen Konzerne, das gleiche brutale System. Wer glaubt, es gäbe irgendwo "guten" Zuchtlachs, wird von der Industrie getäuscht. Deshalb nehmen wir als nächstes Island ins Visier.
Doch niemand sonst macht unsere Arbeit in Deutschland. Während Industrie-Lobbys fragwürdige Gutachten bezahlt, steigen wir ins Kajak und halten die Kamera drauf.
Schließen Sie sich uns an!
Wir dokumentieren vor Ort, sammeln Beweise, arbeiten mit Aktivist:innen wie Don, die einen hohen Preis für ihren Widerstand zahlen, zusammen. Für seinen mehrtägigen Einsatz haben wir ihm eine kleine Aufwandsentschädigung überwiesen – mehr wollte er nicht. Aber solche Reisen sind wichtig und brauchen Ausrüstung, Reisekosten, Unterkünfte, Zeit.
Das alles funktioniert nur, wenn wir unabhängig bleiben – von Konzernen, von Lobbys, von der Industrie, die uns am liebsten mundtot sähe. Was wir jetzt brauchen: Menschen wie Sie, die uns dauerhaft den Rücken stärken. Ihre Fördermitgliedschaft ermöglicht diese Undercover-Recherchen. Sie sorgt dafür, dass wir Greenwashing entlarven, Konzerne und Handel unter Druck setzen – und das Leiden unter der Wasseroberfläche ans Licht bringen.
Die Undercover-Recherche als Videocast
Wie leiden die Fische wirklich in Schottlands Lachsfarmen und welche Folgen hat das für Umwelt und Verbraucher:innen? Wieder zurück in Berlin habe ich mit meinem Kollegen Andreas Winkler gesprochen. Das Video fasst die wichtigsten Ergebnisse der Undercover-Recherche zusammen. Perfekt, wenn Sie lieber schauen statt lesen möchten.
Nur gemeinsam kommen wir gegen das Leid der Lachse an. Sind Sie dabei?
3 weitere gute Gründe für Ihre Mitgliedschaft
Meine Rechte finden Gehör.
Wir mahnen Unternehmen ab, klären die Politik auf und betreiben Öffentlichkeitsarbeit, damit noch mehr Verbraucher:innen Ihre Rechte kennen und durchsetzen können.
Kostenlose Ernährungsberatung!
Wir wollen, dass es Ihnen gut geht: Sie bekommen als Dankeschön für den Abschluss eine kostenlose Ernärhungsberatung einer Ökotrophologin.
Exklusive Einblicke durchs Mitgliedermagazin.
Wir informieren Sie über die laufenden Kampagnen sowie aktuelle Themen und geben Einblicke darüber, wie wir verbraucherfeindliche Praktiken aufdecken.
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