Hintergrund

„Ich unterstütze foodwatch, weil du bist, was du isst – also solltest du auch wissen, was du zu dir nimmst.“

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foodwatch/J. Töller

Dagmar Geerken

... blickt auf eine bewegte Berufslaufbahn zurück: Zunächst war sie Lehrerin am Gymnasium, dann Fachfrau für Marketing in Betrieben der verarbeitenden Industrie, heute arbeitet sie als Übersetzerin. Immer wieder greift sie zu den Ernährungsfachbüchern in ihrer umfangreichen Bibliothek und arbeitet sich tief in Themen ein, die sie interessieren. Sie ist Fördermitglied von foodwatch seit 2009.

Wie begann Ihr Engagement bei foodwatch? 

Ich habe foodwatch über eine Freundin kennengelernt und wurde dann recht schnell selbst Mitglied. Mein Antrieb ist, aufzuklären. Viele Leute bekommen bestimmte Informationen einfach nicht, wenn sie nicht selbst danach suchen. Es gibt doch den schönen Spruch: „Du bist, was du isst“. Und manchmal brauchst du jemanden, der dir erklärt, was du eigentlich isst.  
 

Warum ist Ihnen foodwatch wichtig? 

foodwatch ist mir wichtig, weil ich mich schon immer für Ernährung interessiert habe, für gutes Essen und für ehrliche Lebensmittel. foodwatch zeigt auf, wo Verbraucher:innen über Inhaltsstoffe getäuscht werden und wo Firmen vielleicht zu viel Macht haben. Zur Machtkonzentration in der Lebensmittelbranche braucht es ein Gegengewicht. Ich glaube, dass foodwatch dieses Gegengewicht ist. Und gemeinsam können wir es größer machen. 

Was gefällt Ihnen an der Arbeit von foodwatch? 

Dass ein David wie foodwatch sich schon so lange gegen den Goliath Lebensmittelindustrie behauptet, ist eine Erfolgsgeschichte. Gerade auch, weil so eine Bewegung nicht von heute auf morgen funktioniert. Ernährung hat ganz viel mit Gewohnheiten zu tun, da dauert ein Bewusstseinswandel ziemlich lange. Das geht nur mit vielen Menschen, denen das wichtig ist und die das unterstützen. Und da möchte ich auch selbst gerne dabeibleiben.

Nach wie vor toll finde ich außerdem den Goldenen Windbeutel, weil er humorvoll ist und nicht verbissen oder missionarisch. Ich glaube, so kann man Menschen eher darauf hinweisen, was bei der Lebensmittelindustrie im Argen liegt. 

Gemeinsam für Gutes Essen: Werden Sie foodwatch-Mitglied!

Ob Pestizide im Essen, versteckter Zucker in Kinderprodukten oder Tierleid im Supermarkt – Verbraucher:innen haben ein Recht auf gesunde, faire und transparente Lebensmittel. Zusammen bündeln wir unsere Kraft!

Mitglied werden

Darf ich fragen, für welche Produkte Sie beim Goldenen Windbeutel stimmen?

Beim Goldenen Windbeutel von foodwatch stimme ich fast immer für das Produkt mit besonders perfidem Kindermarketing. Die Kinder werden geködert mit bunten Bildern und wissen noch gar nicht, was sie da essen. Auch viele Erwachsene denken nicht darüber nach und nehmen immer mehr Dinge zu sich, die ihnen nicht guttun. Das ist ein gesellschaftliches Problem.

Deshalb finde ich wichtig, dass es Organisationen wie foodwatch gibt, die darauf hinweisen, wie ungesund manche Produkte sind und dass man mit wenig Aufwand vielleicht auch etwas anderes essen kann, das mindestens genauso lecker ist. 

Der Verbraucherschutz-Evergreen

Seit wann interessieren Sie sich für das Thema Lebensmittel?

Ich komme aus einer Kleinstadt, wir hatten früher einen Gemüsegarten. Damals war Chemie in Lebensmitteln noch kein großes Thema. Bei mir fing das in den 80er-Jahren an, als ich ein Buch gekauft habe, das so gut wie immer auf unserem Küchentisch lag. Da haben wir dann nachgeschlagen: Was ist eigentlich in den Produkten drin, die wir kaufen, und steht das überhaupt drauf? Mittlerweile tut es das, wenn auch oft sehr kleingedruckt. Und wenn ich im Supermarkt lese, dass da mehr als fünf „Feinde“ drin sind, stell’ ich das Produkt gleich wieder ins Regal. 

Wenn Sie zurückdenken, fallen Ihnen bestimmte Skandale ein, die Sie geschockt haben?

Seit den 80er-Jahren gab es ja einige Lebensmittelskandale: Darunter Rinderwahnsinn (BSE) oder das Frostschutzmittel Glykol im Wein. So wie ich haben auch viele andere in dieser Zeit angefangen, sich mit unserer Ernährung genauer zu beschäftigen. Erstmals gab es breite Resonanz und öffentlichen Druck.

Der Industrie bescherte das eklatante Umsatzeinbrüche, dadurch hat sich viel getan. Viele Weingüter haben beispielsweise umgeschwenkt und wirtschaften heute biologisch. Mit foodwatch ist das Aufpassen, Aufdecken, Aufklären und auch das Druckmachen seit knapp 25 Jahren gut organisiert. Darauf können und sollten wir nicht mehr verzichten. 

Wir haben viel über die Vergangenheit gesprochen. Was denken Sie über die Zukunft?

In den Anfängen von foodwatch ging es viel um die Tricksereien der Lebensmittelindustrie. Heute ist die Arbeit ein bisschen politischer geworden: Zum Beispiel sind Tierhaltung oder generell Produktionsbedingungen von Lebensmitteln mehr in den Fokus gerückt. Neben neuen Themen beobachte ich auch einen Zuwachs an Professionalität und Know-how. Ich denke, das geht mit der natürlichen Verjüngung des Teams einher. Über diese Entwicklungen freue ich mich und hoffe, dass sie weitergehen.