„Damit sich meine und alle anderen Kinder auch in fünfzig Jahren noch gesund ernähren können.“
foodwatch/J. Töller
Paul Predatsch
... lebt in Berlin, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern – seither setzt er sich noch engagierter für gute und nachhaltige Ernährung ein. Der studierte Lehrer und promovierte Geschichtswissenschaftler leitete einen Schulträgerverein und ist heute Geschäftsführer eines politischen Verbands. Er ist Fördermitglied von foodwatch seit 2023.
Wie begann Ihr Engagement bei foodwatch?
Ich kann mich gut erinnern an den Goldenen Windbeutel 2017, wo es um diesen Zuckerkeks für Babys ging. Das hat mich damals sehr aufgeregt, weil ich selbst gerade Vater geworden war und es so absurd fand, dass da quasi reiner Zucker in Keks-Verkleidung angeboten wird.
Gleichzeitig fand ich gut, dass foodwatch darauf hinweist, wie schädlich solche Produkte sind. Das war sozusagen die Initialzündung. Und als mir später klar wurde, dass foodwatch nicht nur das Keksregal, sondern das Ernährungssystem als Ganzes in den Blick nimmt, habe ich beschlossen, foodwatch als Fördermitglied zu unterstützen.
Warum ist Ihnen foodwatch wichtig?
Essen müssen wir alle. Manche von uns haben genug Zeit, Wissen und Geld, für eine gesunde Ernährung zu sorgen. Und andere haben sie nicht und leiden darunter. Für mich ist Solidarität ganz wichtig, also diese Ungleichheit zu bekämpfen und die Menschen zu unterstützen, die Unterstützung brauchen. Und das macht foodwatch auf eine ganz besondere, eigene Art.
Was gefällt Ihnen an der Arbeit von foodwatch?
Ich kann nicht tatenlos zuschauen, wenn das Grundrecht auf eine gesunde und bezahlbare Ernährung zugunsten unglaublicher Profite geopfert wird.
Diese Ungerechtigkeit betrifft jedes Kind, jeden zukünftigen Erwachsenen ab dem ersten Tag. Als junger Vater ist mir das immer präsent.
Und ganz konkret fand ich die Energy-Drink-Kampagne von foodwatch ziemlich beeindruckend. Von den ersten Aktionen vor dem Kiez-Supermarkt hat sie ihren Weg genommen, hat sich immer weiter gesteigert und ist jetzt im EU-Parlament angekommen, wo tatsächlich etwas entschieden werden könnte.
Gemeinsam für Gutes Essen: Werden Sie foodwatch-Mitglied!
Ob Pestizide im Essen, versteckter Zucker in Kinderprodukten oder Tierleid im Supermarkt – Verbraucher:innen haben ein Recht auf gesunde, faire und transparente Lebensmittel. Zusammen bündeln wir unsere Kraft!
Sie erwähnen Ihre Kinder. Was fällt Ihnen in diesem Zusammenhang auf?
Ich habe früher in einer freien Schule gearbeitet. Da hatten wir eine eigene Küche, die jeden Tag fünfzig, sechzig Leute mit einem gesunden, vegetarischen Mittag versorgt hat.
Heute höre ich von meinen Kindern, dass das Lunchpaket in ihrer Schule entweder ein Stück kalte Pizza ist oder eine Brezel. Insofern mache ich mir schon Gedanken über Schul- und überhaupt Gemeinschaftsverpflegung. Die ist oft nicht gut, um es vorsichtig zu sagen.
Dabei wäre dies ein sinnvoller Weg, viele Menschen günstig mit gesundem Essen zu versorgen, genau wie Garküchen, Mensen oder Kiezkantinen. Tiefkühlpizzen und Fast Food laufen ja gerade deswegen so gut, weil es aus verschiedenen Gründen manchmal nicht möglich ist, frisch zu kochen.
Deshalb finde ich großartig, dass es eine Organisation wie foodwatch gibt, die genau diese Profitlogik aufdeckt und benennt, wie sie vom Acker über die Produktion bis zum Handel reicht und auf Kosten unserer Körper, unserer Zukunft, unseres sozialen Zusammenhalts geht.
Welche Gedanken kommen Ihnen, wenn Sie an die Zukunft denken?
Eine bezahlbare, gesunde Ernährung ist nur dann auch in fünfzig oder hundert Jahren noch möglich, wenn unsere Äcker gesund sind und das Klima nicht weiter außer Rand und Band gerät. Wahrscheinlich muss man sogar sagen: Ob wir in Zukunft überhaupt noch etwas zu essen haben, entscheidet sich an der heutigen Klimapolitik. Es geht hier um ein Grundrecht, und das gilt für alle jetzigen und auch alle zukünftigen Menschen.
Den Generationen nach uns sollten wir einen Planeten hinterlassen, der sie auch ernähren kann. Unser Parlament und unsere Regierung scheint das im Moment nicht so furchtbar zu interessieren. Aber eine Organisation wie foodwatch kann hier eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielen, indem sie die Zusammenhänge transparent macht.