Was für eine perfide Strategie!
Hallo und guten Tag,
seit Jahren entlarven mein Team und ich erfolgreich die Werbelügen der Lebensmittelkonzerne. Eine spannende Aufgabe, die mich allerdings oft fassungslos macht und noch öfter ärgert. Manche Werbelügen konnten wir stoppen, etliche Produkte mussten die Essensfälscher aus den Regalen nehmen. Kürzlich hat der Bundesgerichtshof (BGH) sogar entschieden, dass keine Himbeeren auf der Verpackung prangen dürfen, wenn gar keine Himbeeren im Produkt - in diesem Fall im Tee - drin sind. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sollte man meinen. Aber das Urteil ist das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreites der Verbraucherzentralen.
Jetzt müssten eigentlich tausende von Verpackungen geändert werden. Denn der BGH hat auch entschieden, dass auf der Vorderseite der Verpackung nicht alles erlaubt ist, nur weil auf der Rückseite ein korrektes Zutatenverzeichnis vorkommt. Dass das wirklich geschieht, darf bezweifelt werden, denn Lernfähigkeit gehört nicht zu den herausragenden Eigenschaften der Lebensmittelindustrie:
Gebetsmühlenartig schäumt sie: "Reine Skandalisierung! Bevormundung des Verbrauchers! Der mündige Verbraucher kann entscheiden, denn es steht alles drauf, was drin ist"!
Schön wäre es, können wir da nur sagen. Wie sollen denn Verbraucher mündig entscheiden, wenn sie permanent von der Lebensmittelindustrie in die Irre geführt werden?
Beispiele gefällig?
1. Gentechnik: Verbraucher können nicht feststellen, ob Fleisch, Milch, Eier, Joghurt oder Käse MIT Gentechnik hergestellt werden, also von Tieren stammen, die mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden. Das bedeutet: Wir werden entmündigt - wir können NICHT wählen, ob wir Gentechnik im Essen unterstützen wollen oder nicht!
2. Das Smiley-System: Lebensmittelkontrolleure beanstanden seit vielen Jahren jeden vierten (!) Lebensmittelbetrieb vor allem wegen hygienischer Mängel. Doch wir dürfen nicht wissen, bei welchen Restaurants die Kontrolleure Mäusekot in der Küche gefunden haben, weil die Lebensmittelwirtschaft gegen jede Veröffentlichung Sturm läuft. Das bedeutet: Wir werden entmündigt! Wir können NICHT (wie in Dänemark) das saubere Restaurant aufsuchen und die Schmuddelbuden meiden.
3. Versteckte Tiere: in Produkten wie Limonade oder Chips sind häufig Tierbestandteile
versteckt! Auszüge aus Schweineborsten in der Brotherstellung oder Schweinegelatine in der Saftherstellung müssen nicht immer deklariert werden. Das bedeutet: Wir werden in einer ganz fundamentalen Frage entmündigt - wir können NICHT bewusst auf tierische Produkte verzichten!
4. Qual-Tierhaltung: Kranke, verhaltensgestörte und verstümmelte Tiere sind in der "Nutztierhaltung" trauriger Alltag und betreffen alle Haltungsformen. Es gibt bisher keine verbindlichen Zielvorgaben für die Gesundheit der Tiere. Das bedeutet: Wir Verbraucher können nicht feststellen, welcher Käse oder welche Eier von gesunden Tieren stammen und welche von kranken. Das bedeutet, wir werden entmündigt und ungewollt zu Unterstützern von Tierquälerei!
5. Herkunftsangaben: Das Fleisch für den Schwarzwälder Schinken darf, solange es im Schwarzwald verarbeitet wird, aus ganz Europa (ja sogar aus Neuseeland!) kommen - wir erfahren es nicht. Und die Früchte der Marmelade können aus Südamerika kommen - wir erfahren es nicht. Wo regional drauf steht, muss noch lange nicht regional drin sein. Das bedeutet: Wir werden entmündigt! Wir können uns nicht verlässlich mit regionalen Produkten ernähren.
Liebe foodwatch-Interessierte, diese Liste ist bei weitem nicht vollständig. Aber sie macht deutlich: Die Appelle der Industrie an die vermeintlich mündigen Verbraucher sind plumpe Ablenkungsmanöver.
Wie sollen denn mündige Verbraucher mündig entscheiden, wenn ihnen permanent und vorsätzlich Informationen vorenthalten werden?
Wir von foodwatch wollen, dass Schluss ist mit der Irreführung! Wir wollen, dass mündige Verbraucher endlich mündig entscheiden können. Aber dazu müssen die Politiker die Vorschriften ändern. Und das, liebe foodwatch-Interessierte, machen sie nicht freiwillig. Das funktioniert nur mit Druck. Aus diesem Grund habe ich foodwatch gegründet! Und aus diesem Grund bitte ich Sie: Helfen Sie uns dabei und werden Sie Förderin/Förderer von foodwatch!
Denn das ist eine gewaltige Aufgabe. Wir sind lediglich eine Handvoll hochmotivierte Aktivisten, die mit verschwindend geringen Mitteln gegen übermächtige Gegner antreten. Bitte unterstützen Sie mich und das gesamte foodwatch-Team, damit unsere Organisation noch stärker wird.
Helfen Sie uns dabei, den Druck auf Politik und Konzerne zu verstärken, indem Sie sich foodwatch als Förderer/Förderin anschließen. Damit strikte Regeln Pferdefleisch in der Rindfleisch-Lasagne verhindern und unmoralische Werbemethoden in Schulen und Kindergärten unterbinden. Damit Sie nicht mehr getäuscht und in die Irre geführt werden!
Jedes neue foodwatch Mitglied ist ein Stachel im Fleisch der Nahrungsmittelkonzerne! Werden Sie deshalb Förderin/Förderer von foodwatch!
Um wirksam die Gesetzgebung beeinflussen zu können, müssen wir unser hochqualifiziertes Team, Gutachten und Studien aber auch teure Gerichtsverfahren finanzieren. Deshalb brauchen wir Ihre Hilfe. Gehen Sie diese Ziele gemeinsam mit uns an!
Wir Verbraucher müssen uns zusammentun, damit unsere Stimme endlich gehört wird!
Deshalb bitte ich Sie ganz persönlich: Werden Sie foodwatch-Förderer/Förderin.
Vielen Dank und herzliche Grüße,
Ihr Thilo Bode