Sarah Häuser von foodwatch antwortet:
foodwatch/Sabrina Weniger
Das Geschäft mit dem angeblichen Wundermittel boomt: Die Produktpalette ist riesig und reicht von Nahrungsergänzungsmitteln wie Trinkampullen und Pulver bis zu Kollagen-Gummibärchen und -Teebeuteln.
Der Körper macht sein Kollagen selbst
Dabei muss man wissen: Kollagen ist ein körpereigenes Strukturprotein. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes und der Haut. Unser Körper stellt es aus Aminosäuren selbst her. Ein abwechslungsreicher Speiseplan versorgt den Körper mit allen Eiweißbausteinen und mit Vitamin C, die der Körper zur Kollagenbildung benötigt. Kollagen in Lebensmitteln stammt meist aus tierischen Abfällen (z. B. Schweineschwarte, Rinderhaut). Kollagenpräparate werden als hydrolysierte Peptide eingenommen und im Darm wieder in Aminosäuren zerlegt. Ob der Körper diese dann tatsächlich wieder zu Kollagen zusammenfügt – und wo –, ist wissenschaftlich ungeklärt.
Mehr Schein als Sein
Die positive Wirkung von Kollagenpräparaten ist wissenschaftlich kaum belegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit Sitz in Parma ist dafür zuständig, gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln – sogenannte Health Claims – zu überprüfen. Für Kollagen hat sie bisher kein einziges Gesundheitsversprechen zugelassen. Das gibt die Studienlage nicht her.
Einige Studien zeigen zwar eine geringe Verbesserung der Feuchtigkeit, Elastizität und Ebenheit der Haut. Aber: Messbare Ergebnisse bedeuten nicht unbedingt, dass auch mit dem bloßen Auge ein Effekt zu erkennen ist. Eine im September 2025 veröffentlichte Metaanalyse zeigt, dass es keine klinisch gesicherte Wirkung von Kollagen-Supplementen auf die Hautalterung gibt.
Einige Hersteller versprechen stärkere Nägel und kräftigere Haare durch Kollagen. Tatsächlich gibt es gerade einmal eine einzige kleine Studie, die die Effekte einer Kollageneinnahme auf die Nägelbrüchigkeit bei 25 Teilnehmerinnen untersucht hat – ohne dabei aber die Ergebnisse mit einer Placebo-Kontrollgruppe zu vergleichen. Bei Gelenkbeschwerden wie Arthrose ist die Studienlage ebenso schwach und inkonsistent.
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Werbelüge: Veganes Kollagen
Erfinderisch zeigen sich manche Hersteller bei der Darstellung und Bewerbung veganer „Kollagenprodukte”. Kollagen kann ausschließlich aus tierischen Quellen, in der Regel Schlachtabfällen, gewonnen werden. Veganes Kollagen gibt es nicht. Dennoch werden auch vegane Produkte mit dem Trendbegriff „Kollagen” vermarktet. Wenn diese tatsächlich ohne tierische Zusätze sind, können sie jedoch lediglich ein Gemisch aus pflanzlichen Aminosäuren enthalten, die bestenfalls die körpereigene Kollagenbildung unterstützen.
Fazit: Gesunde Lebensführung statt Lifestyle-Produkte
Statt viel Geld für vermeintliche Wundermittel auszugeben, profitieren unsere Haut, Knochen und Gelenke am meisten von Altbewährtem: einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung, Krafttraining, Sonnenschutz, Schlaf sowie einem Verzicht auf Rauchen und Alkohol.
Quellen und weitere Informationen:
- Effects of Collagen Supplements on Skin Aging: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials - PubMed
- Heldt-Döpel R, Berling N: Could collagen supplementation improve bodily functions? Physiological aspects of collagen supplementation: a narrative review. Ernahrungs Umschau 2023
- Hexsel, D., Zague, V., Schunck, M., Siega, C., Camozzato, F. O., & Oesser, S. (2017). Oral supplementation with specific bioactive collagen peptides improves nail growth and reduces symptoms of brittle nails. Journal of cosmetic dermatology, 16(4), 520–526.
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies; Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to collagen hydrolysate and maintenance of joints pursuant to Article 13(5) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 2011; 9(7):2291. [11 pp.].
- EFSA NDA Panel (EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies), 2013. Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to VeriSol®P and a change in skin elasticity leading to an improvement in skin function pursuant to Article 13(5) of Regulation (EC) No 1924/2006. EFSA Journal 2013; 11(6):3257, 10 pp.
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