Frage des Monats 01.12.2025

Was ist dran am Kollagen-Hype?

Glatte Haut, glänzendes Haar, kräftige Nägel – die Lebensmittelindustrie bewirbt Produkte mit Kollagen als unverzichtbar für ein schönes Äußeres. Zu Recht?

Sarah Häuser von foodwatch antwortet:

foodwatch/Sabrina Weniger

Das Geschäft mit dem angeblichen Wundermittel boomt: Die Produktpalette ist riesig und reicht von Nahrungsergänzungsmitteln wie Trinkampullen und Pulver bis zu Kollagen-Gummibärchen und -Teebeuteln.  

Der Körper macht sein Kollagen selbst  

Dabei muss man wissen: Kollagen ist ein körpereigenes Strukturprotein. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes und der Haut. Unser Körper stellt es aus Aminosäuren selbst her. Ein abwechslungsreicher Speiseplan versorgt den Körper mit allen Eiweißbausteinen und mit Vitamin C, die der Körper zur Kollagenbildung benötigt. Kollagen in Lebensmitteln stammt meist aus tierischen Abfällen (z. B. Schweineschwarte, Rinderhaut). Kollagenpräparate werden als hydrolysierte Peptide eingenommen und im Darm wieder in Aminosäuren zerlegt. Ob der Körper diese dann tatsächlich wieder zu Kollagen zusammenfügt – und wo –, ist wissenschaftlich ungeklärt.  

Mehr Schein als Sein 

Die positive Wirkung von Kollagenpräparaten ist wissenschaftlich kaum belegt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit Sitz in Parma ist dafür zuständig, gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln – sogenannte Health Claims – zu überprüfen. Für Kollagen hat sie bisher kein einziges Gesundheitsversprechen zugelassen. Das gibt die Studienlage nicht her.  

Einige Studien zeigen zwar eine geringe Verbesserung der Feuchtigkeit, Elastizität und Ebenheit der Haut. Aber: Messbare Ergebnisse bedeuten nicht unbedingt, dass auch mit dem bloßen Auge ein Effekt zu erkennen ist. Eine im September 2025 veröffentlichte Metaanalyse zeigt, dass es keine klinisch gesicherte Wirkung von Kollagen-Supplementen auf die Hautalterung gibt.   

Einige Hersteller versprechen stärkere Nägel und kräftigere Haare durch Kollagen. Tatsächlich gibt es gerade einmal eine einzige kleine Studie, die die Effekte einer Kollageneinnahme auf die Nägelbrüchigkeit bei 25 Teilnehmerinnen untersucht hat – ohne dabei aber die Ergebnisse mit einer Placebo-Kontrollgruppe zu vergleichen. Bei Gelenkbeschwerden wie Arthrose ist die Studienlage ebenso schwach und inkonsistent.

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Werbelüge: Veganes Kollagen 

Erfinderisch zeigen sich manche Hersteller bei der Darstellung und Bewerbung veganer „Kollagenprodukte”. Kollagen kann ausschließlich aus tierischen Quellen, in der Regel Schlachtabfällen, gewonnen werden. Veganes Kollagen gibt es nicht. Dennoch werden auch vegane Produkte mit dem Trendbegriff „Kollagen” vermarktet. Wenn diese tatsächlich ohne tierische Zusätze sind, können sie jedoch lediglich ein Gemisch aus pflanzlichen Aminosäuren enthalten, die bestenfalls die körpereigene Kollagenbildung unterstützen. 

Fazit: Gesunde Lebensführung statt Lifestyle-Produkte 

Statt viel Geld für vermeintliche Wundermittel auszugeben, profitieren unsere Haut, Knochen und Gelenke am meisten von Altbewährtem: einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung, Krafttraining, Sonnenschutz, Schlaf sowie einem Verzicht auf Rauchen und Alkohol.