Deutschland gibt im EU-Vergleich am meisten Geld pro Kopf für sein Gesundheitssystem aus. Doch bei der Lebenserwartung zählt Deutschland unter den westeuropäischen Ländern trotzdem zu den Schlusslichtern. Ein Problem: Das deutsche Gesundheitssystem ist eher ein Krankheitssystem – so formuliert es Dr. Patrick Bode im foodwatch-Podcast. Was er damit meint: Deutschland gibt deutlich mehr Geld für die Behandlung für Krankheiten aus als für die Prävention von Krankheiten.
Umso wichtiger ist es – so der Appell von Dr. Patrick Bode –, auch selbst auf eine gute Gesundheitsprävention zu achten. Dazu hat der Kardiologe konkrete Tipps parat:
1. Keine Zuckergetränke
Sein wichtigstes Anliegen: zuckrige Getränke vermeiden! Wer täglich Softdrinks trinkt, erhöht nachweislich das Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Fettleber. Das Tückische: Über Cola, Limos und Co. trinkt man schnell große Mengen Zucker – ohne es zu merken. Süßgetränke lassen den Blutzucker rasant ansteigen und werden vom Körper kaum als Sättigung wahrgenommen.
Die klare Empfehlung von Dr. Patrick Bode: Im Alltag ausschließlich ungesüßte Getränke zu sich nehmen. Wasser, Kaffee, Tee sind ok. Gezuckerte Getränke – und übrigens auch Säfte – sollten die absolute Ausnahme sein. Das Feierabendbier oder das Glas Wein am Abend auch.
2. Mehr Bewegung im Alltag
Der Einfluss von Sport auf das Gewicht wird oft überschätzt. Was hingegen die meisten unterschätzen: Was für einen großen Unterschied es macht, sich im Alltag mehr zu bewegen. Die sogenannte NEAT (Non-Exercise Activity Thermogenesis) – also die Energie, die der Körper für alle Aktivitäten verbraucht, die kein Sport, kein Schlafen oder Essen sind, sondern alltägliche Bewegungen wie Gehen, Stehen oder Hausarbeit – machen einen erstaunlich großen Teil unseres täglichen Kalorienverbrauchs aus, erklärt Dr. Bode. Sein Rat: Bewegung in den Alltag einbauen, statt sie auf ein Feierabend-Workout zu verschieben. Also zum Beispiel: Treppe statt Fahrstuhl. Das Auto weiter entfernt parken und zum Termin laufen. Einen Stehschreibtisch anschaffen.
3. Auf gute Erholung achten
Was in unserer hektischen Gesellschaft ebenfalls vernachlässigt wird: Welche negativen Folgen zu viel Stress hat. Viele bearbeiten spätabends noch Büro-Mails oder können nach der Arbeit nicht abschalten. Auch Eltern stehen oft unter dem Druck, überall perfekt zu funktionieren.
Das Problem: Ist der Cortisol-Spiegel durch Stress dauerhaft erhöht, baut der Körper schlechter Fett ab. Er schaltet in eine Art Überlebensmodus und verbrennt weniger Kalorien. Evolutionär war das sinnvoll, im Alltag von heute aber hinderlich.
Der Rat von Dr. Bode: sich bewusst abgrenzen und kleine Pausen in den Arbeitsalltag einbauen. Schon ein kurzer Fünf-Minuten-Spaziergang an der frischen Luft wirkt Wunder. Außerdem: Schlaf priorisieren. Und er empfiehlt im Übrigen auch allen, die abnehmen wollen, nicht streng Kalorien zu zählen – denn das erzeugt zusätzlichen Stress.
Weitere Tipps – auch zur psychischen Gesundheit – gibt es in der ausführlichen Podcast-Folge mit Dr. Patrick Bode:
Politische Maßnahmen nötig
So hilfreich diese Tipps sind – sie lösen nicht das strukturelle Problem, das Patrick Bode auch beschreibt: Deutschland versagt in weiten Teilen bei der Prävention von Krankheiten. Klar ist: Jede:r kann selbst einiges für die eigene Gesundheit tun, aber das entlässt die Politik nicht aus der Verantwortung. Prävention beginnt nicht erst beim Individuum, sondern bei den Rahmenbedingungen, die Politik und Industrie schaffen. foodwatch fordert deshalb zum Beispiel eine Zuckersteuer auf stark gesüßte Getränke, Werbeschranken für ungesunde Lebensmittel und eine verbindliche Nährwert-Ampelkennzeichnung.
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