Wenige Absätze sollen „umfassende Studie“ ersetzen
Ein knapper Frage/Antwort-Text auf der Website – das reicht der Deutschen Bank als Begründung für ihre umstrittene Entscheidung, weiterhin Finanzanlagen auf Agrarprodukte anbieten. Dabei hatte sie versprochen, eine eigene „umfassende Studie“ als Entscheidungsgrundlage vorzulegen. foodwatch hat Vorstandschef Jürgen Fitschen aufgefordert, die Studie zu veröffentlichen.
Josef Ackermann, der Vorgänger von Jürgen Fitschen und Anshu Jain in der Chefetage der Deutschen Bank, reagierte seinerzeit umgehend: Nachdem im Oktober 2011 foodwatch den umfassenden Report „Die Hungermacher“ über die schädlichen Auswirkungen der Agrar-Spekulation veröffentlicht und Deutschlands größte Bank zum Ausstieg aus den umstrittenen Geschäften aufgefordert hatte, antwortete Herr Ackermann bereits am nächsten Tag. In einem Brief an foodwatch sicherte er eine Überprüfung der Spekulationsgeschäfte zu. Im Januar 2012 versprach die Deutsche Bank, zur Entscheidungsfindung eine eigene "umfassende Studie zum Thema Handel mit Agrarrohstoffen und Hunger" zu erarbeiten und die Ergebnisse mit internationalen Experten, Wissenschaftlern und Organisationen wie foodwatch zu diskutieren.
Wo ist die „umfassende Studie“ der Deutschen Bank?
Ein Jahr später wollen Ackermanns Nachfolger von dieser Zusage nicht mehr viel wissen: Die zugesicherte „umfassende Studie“ hat die Deutsche Bank nie veröffentlicht. Lediglich in einem knapp gehalten Frage/Antwort-Text auf der eigenen Homepage begründet das Geldhaus jetzt die Entscheidung, auch in Zukunft seinen Kunden Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anzubieten. Ob dieser kurze Katalog von Fragen und Antworten auf einer eigenen ausführlichen Studie basiert, und falls ja, um welche Studie es sich handelt, bleibt unklar. Auch eine Einladung an foodwatch und andere Organisationen, die Entscheidung der Bank zu diskutieren, ist bisher nicht erfolgt. Niemand kann so überprüfen, auf welcher Grundlage die Deutsche Bank entschied. Überzeugende Belege für die Unschädlichkeit ihrer Finanzprodukte scheint sie jedenfalls nicht vorweisen zu können.
Brief an Deutsche-Bank-Chef
foodwatch hat in einem Brief den Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen aufgefordert, offenzulegen, ob die Entscheidung seines Hauses auf einer detaillierten eigenen Studie beruht, um welche Studie es sich handelt und diese öffentlich zu machen.
Die exzessiven Spekulationen mit Agrar-Rohstoffen können schwerwiegende Konsequenzen haben – insbesondere in armen Ländern, in denen jede Preissteigerung bei Lebensmitteln zusätzlichen Hunger bedeuten kann. foodwatch hält es daher für völlig inakzeptabel, dass die Deutsche Bank ihre umstrittene Entscheidung, die unmoralischen Geschäfte fortzuführen, nicht einmal ausführlich begründet und wissenschaftlich fundiert veröffentlicht.