Frage des Monats 01.10.2025

Wie erkenne ich, ob es im Restaurant sauber ist?

Lieblingsitaliener, Imbissbude oder Bäcker um die Ecke: Wie kann ich erkennen, ob es sauber zugeht und der Betrieb sich an alle Vorgaben hält? Und was machen andere Länder besser?

Andreas Winkler von foodwatch antwortet:

Das Gefühl kennen wohl viele von uns: Man geht irgendwo essen, kauft ein oder macht einen Stopp an der Imbissbude und fragt sich – wie sauber ist der Laden eigentlich? Hält sich der Lebensmittelbetrieb an alle Vorgaben, zum Beispiel bei der Kühlung von Lebensmitteln oder der Hygiene in der Küche? Wir wissen es meistens nicht. Kein gutes Gefühl.

Vorbild Dänemark

Ganz anders hingegen als ich neulich im Urlaub in Dänemark war. Dort konnte ich live erleben, was unser Nachbarland besser macht: An jedem Restaurant, an jeder Eisdiele hängt das Ergebnis der letzten Lebensmittelkontrolle. Für alle sichtbar. Und für alle verständlich in Form eines Smileys – von lachend bis weinend.

Seit 20 Jahren gibt es dieses Smiley-System in Dänemark. Alle Kontrollergebnisse müssen vor Ort ausgehängt werden und sind zudem auf einer zentralen Onlineplattform einsehbar  – richtig gut! So kann jede:r sehen, welche Betriebe sauber arbeiten und welche nicht.

Zudem schafft die Transparenz-Pflicht einen Anreiz für Betriebe, alle lebensmittelrechtlichen Vorgaben einzuhalten: Seit der Einführung hat sich die Quote der Beanstandungen halbiert!

In Deutschland? Transparenz: Fehlanzeige!

Und bei uns in Deutschland? Fehlanzeige. Welche Betriebe sauber arbeiten und wo es immer wieder Probleme gibt – wir erfahren es in aller Regel nicht. Zwar gibt es Anhaltspunkte: Wie sauber ist das Restaurant? Gibt es den Betrieb schon lange? Kann ich die Küche einsehen? Aber das kann natürlich eine echte Transparenzpflicht wie in Dänemark nicht ersetzen. 

Kontrollergebnisse bleiben geheim

In Deutschland fehlt eine gesetzliche Pflicht für die Behörden, ihre Kontrollergebnisse zu veröffentlichen. Bisher gibt es nur wenige Modellprojekte, wie zum Beispiel das Online-Portal des Berliner Bezirks Pankow.  

foodwatch setzt sich daher seit Langem dafür ein, dass auch bei uns immer alle Kontrollergebnisse veröffentlicht werden müssen. Das wäre nicht nur gut für uns Verbraucher:innen, sondern auch für die die große Mehrheit der ehrlich arbeitenden Betriebe.

Jede dritte Kontrolle fällt aus

Mehr Transparenz hätte noch einen weiteren Effekt: Es würde endlich öffentlich, wo und wann die Behörden überhaupt kontrollieren. Denn auch das bleibt bisher im Verborgenen. Eine ausführliche foodwatch-Recherche zeigte schon 2019: Viele Ämter sind total überlastet, nur zehn Prozent schaffen das Soll bei Betriebskontrollen, jede dritte Lebensmittelkontrolle fällt aus. 

Fazit: Solange es kein Smiley-System wie in Dänemark gibt, tappen wir also leider ziemlich im Dunkeln. Um etwas Licht hineinzubringen, hat foodwatch gemeinsam mit „Frag den Staat“ das Portal „Topf Secret“ gestartet: Hier kann jede:r online die Kontrollergebnisse von Lebensmittelbetrieben bei den Behörden abfragen. 

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