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Aus den Medien

Faktencheck: Wie Nestlé seine Produkte schönredet

25.07.2012

Nestlés Kinder-Frühstücksflocken sind „keine Süßigkeiten, sondern ein vollwertiger Start in den Tag“, schreibt Gerhard Berssenbrügge in Reaktion auf die foodwatch-Protestaktion. Doch diese bemerkenswerte These des Nestlé-Chefs hält einem Faktencheck nicht stand - wie auch in einem kleinen Videoclip von foodwatch deutlich wird.

Mehr als 10.000 Verbraucher haben bereits eine E-Mail-Aktion von foodwatch unterzeichnet und sich über Nestlés zuckrige Kinder-Frühstücksflocken beschwert. Konzernchef Gerhard Berssenbrügge antwortete in einem persönlichen Schreiben: „Ich kann Sie beruhigen: Unsere Frühstücks-Cerealien sind keine Süßigkeiten, sondern ein vollwertiger Start in den Tag.“

Süßigkeiten und kein vollwertiges Frühstück für Kinder

Mit dieser Einschätzung steht der Nestlé-Chef allerdings ziemlich alleine da. Vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte bis zur Deutschen Gesellschaft für Ernährung – Experten sind sich einig: Allenfalls sehr wenig oder gar nicht gesüßte Flocken eignen sich als Kinderfrühstück. Produkte mit rund einem Drittel Zucker hingegen sind kein vollwertiges Frühstück, sondern schlicht Süßigkeiten. Auch das beschwichtigende Antwortschreiben von Herrn Berssenbrügge ändert nichts daran: Nestlés Kinderflocken haben mit einem gesunden Frühstück so viel zu tun wie Schokokekse, Kuchen oder Eis.

Es ist interessant, mit welchen Halbwahrheiten, Ausflüchten und schiefen Vergleichen der Nestlé-Chef seine Produkte verteidigt:

So gesund wie Erdbeertorte?

Alles sei ja nicht so schlimm, schreibt Herr Berssenbrügge etwa, schließlich stecke in den Nestlé-Produkten viel Vollkorn. Und außerdem würden die Kinder über die Flocken ermutigt, Obst und Milchprodukte zu verzehren. Schon richtig, die Frühstücksflocken enthalten Vollkornmehlanteile – allerdings oft weniger als Zucker. Und ein bisschen Vollkornmehl oder Milch macht noch kein gesundes Produkt. Nach dieser Logik wäre auch Erdbeertorte ein ideales Frühstück – weil Obst drauf ist. Oder ein „Tequila Sunrise“-Cocktail ein guter Start in den Tag, weil er gesunden Orangensaft enthält, wie eine Unterzeichnerin unserer E-Mail-Aktion süffisant an Herrn Berssenbrügge schrieb. Selbst wenn die Cerealien komplett aus Vollkorn bestünden: Wenn gleichzeitig 30 Prozent Zucker drinstecken, macht sie das lediglich zu Vollkorn-Süßigkeiten.

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Das sagt die Weltgesundheitsorganisation wirklich

Besonders dreist: Nestlé suggeriert, die zuckersüßen Frühstücksflocken entsprächen in irgendeiner Weise den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Zwar empfiehlt die WHO in der Tat, dass nicht mehr als 10 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien aus zugesetztem Zucker stammen sollten. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie Frühstücksflocken mit 30 Prozent Zucker für ein geeignetes und ausgewogenes Produkt hält. Im Gegenteil: Die WHO hat mehrfach festgestellt, dass gerade jene Produkte, die von der Lebensmittelindustrie an Kinder vermarktet werden – ausdrücklich auch „gezuckerte Frühstückscerealien“ – in Widerspruch zu jeglichen Ernährungsempfehlungen stehen.   

Ausreden anstatt ausgewogener Produkte für Kinder

Mit einer Portion von Nestlés Cini-Minis hätte ein 7- bis 9-jähriges Kind etwa 20 Prozent der täglich erlaubten Zuckermenge aufgenommen, schreibt Gerhard Berssenbrügge. Soll das ernsthaft ein Argument FÜR die Produkte sein? Zumal Nestlé die Werte mit Mini-Portiongsrößen schönrechnet. Frühstücksflocken kann man mit sehr viel weniger Zucker herstellen. Aber statt dafür zu sorgen, dass sein Unternehmen tatsächlich kindgerechte Produkte anbietet, tischt der Nestlé-Chef den Verbrauchern nur Ausreden auf.

„Konstruktiver Dialog“ anstatt Verbraucherprotest?

Zudem schreibt Herr Berssenbrügge an die Unterzeichner der foodwatch-Protestaktion, er sei „verwundert, dass foodwatch diese E-Mail-Kampagne startet“. Schließlich habe man in Frankfurt ein „konstruktives Gespräch“ Gespräch geführt, bei dem man „einige Gemeinsamkeiten und natürlich auch unterschiedliche Auffassungen“ gehabt habe.

Natürlich steht foodwatch auch immer wieder im Dialog mit der Lebensmittelindustrie. Regelmäßig gibt es vertrauliche oder auch öffentliche Gespräche mit Herstellern. Ein solcher Austausch ist wichtig. Nur: Allein mit einem „konstruktiven Dialog“ wird foodwatch als kleine Organisation nichts erreichen und verändern. Für Unternehmen ist es leicht, solche Treffen als PR-Erfolg zu verkaufen – ohne dass sich tatsächlich etwas Entscheidendes verändert.

foodwatch versucht daher, auch und vor allem über öffentlichen und medienwirksamen Protest, Unternehmen und Politik zum Handeln zu bewegen. In unseren Augen braucht es beides, um etwas im Lebensmittelmarkt zu verändern: Das persönliche Gespräch, um Argumente auszutauschen UND den öffentlichen Protest von uns Verbrauchern.

Verbraucher lassen Nestlé die Ausreden nicht durchgehen

Die Ausflüchte und Ausreden des Nestlé-Chefs haben viele Verbraucher durchschaut – wie zum Beispiel die vielen wütenden Zuschriften an Herrn Berssenbrügge zeigen, die wir in Kopie erhalten haben.