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Verbandschef der Lebensmittelkontrolleure: „Kontrollen veröffentlichen“

12.03.2010

In Deutschland sind rund 2.500 Lebensmittelkontrolleure unterwegs. Ihre Stimme ist Martin Müller, der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Lebensmittelkontrolleure. Im Interview mit foodwatch spricht auch er sich für die Einführung des Smiley-Systems aus.

foodwatch: Herr Müller, wann haben Sie das letzten Mal auswärts gegessen?

Martin Müller: Das ist nicht lange her: Auf der Internationalen Fleischer-Fachausstellung in Frankfurt und ich habe mich da gut bedient gefühlt.  

foodwatch: Lassen Sie sich bei der Wahl eines Restaurants von den Ergebnissen Ihrer Kontrollen beeinflussen?

Martin Müller: Grundsätzlich vermeide ich es, in meinem Kontrollgebiet essen zu gehen, weil da immer eine angespannte Situation herrscht – dort kennt man mich als Kontrolleur. Aber natürlich, wenn ich weiß, dass ein Lokal nicht gut abgeschnitten hat, dann gehe ich da nicht hin. Auch meine Ekelschwelle hat noch ein ganz bestimmtes Level.

foodwatch: Sollten diese Informationen nicht jedem Kunden zustehen?

Martin Müller: Ja sicher, alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen sollten veröffentlicht werden. Der Verbraucher will wissen, was er isst, ob er es mit Genuss essen kann. Das ist sein Recht. Deshalb fordern wir für alle Betriebe - egal ob Fleischerei, Supermarkt, Imbiss oder Restaurant – das dänische Smiley-System. Dann werden die Kontrollergebnisse direkt vor Ort ausgehängt. Wer ein negativen Smiley bekommen hat, muss befürchten, dass die Kunden wegbleiben. Wenn diese Form der Abschreckung hilft, dann finden wir sie gut.

foodwatch: Der Berliner Senat hat angekündigt, das Smiley-System in der Hauptstadt einzuführen.

Martin Müller: Wir freuen uns, wenn dafür gesorgt wird, dass die Bundesregierung und die Verbraucherschutzministerkonferenz wach werden. Vielleicht bekommen wir den dänischen Smiley zeitgleich in der ganzen Republik – und wir essen ab morgen alle nur noch glücklich.

foodwatch: Transparenz-Gegner argumentieren, dass die Arbeit mit der Einführung des Smiley-Systems für die Kontrolleure zunehmen würde.

Martin Müller: Das stimmt so nicht. Das Smiley ist das Ergebnis einer Kontrolle, die sowieso stattgefunden hat. Vielleicht würde die Arbeit am Anfang etwas zunehmen, weil man alle Betriebe mit einer dicken Akte möglichst zeitgleich kontrollieren müsste. Aber wenn ein Betrieb länger gut abschneidet, dann wird das Risiko geringer bewertet und es werden weniger Kontrollen nötig. 

foodwatch: Wie oft wird ein Betrieb im Schnitt inspiziert?

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Martin Müller: Das richtet sich nach der so genannten Risikobewertung. Ein Hackfleischbetrieb wird häufiger kontrolliert als ein Getränkemarkt. Ein Gastronomiebetrieb sollte ein- bis zweimal im Jahr kontrolliert werden. Die Frequenz hängt aber auch davon ab, wie er in der Vergangenheit bewertet wurde.

foodwatch: Jahr für Jahr wird in Deutschland fast jeder vierte Betrieb beanstandet – weshalb geht die Quote nicht zurück?

Martin Müller: Das hat verschiedene Ursachen. Wir haben zu wenige Lebensmittelkontrolleure. Mehr Kontrolleure und damit eine höhere Frequenz der Kontrollen würden die Situation verbessern. Es gibt aber Bereiche in der Gastronomie, da passiert trotz Abmahnungen und Bußgeldern seit Jahren nichts. Zum Beispiel in den Pizzerien. Da wird der Kunde nicht selten bewusst mit billigen Imitat-Lebensmitteln getäuscht. Hier geht es nur um das schnelle Geldverdienen.

foodwatch: Sind Bußgelder kein ausreichendes Mittel?

Martin Müller: Ein Verstoß muss weh tun. Bußgelder tun das nicht immer. Die unredlich erwirtschafteten Gewinne müssen abgeschöpft werden, dann würden wir etwas erreichen.