Tierhaltung
Kategorie(n):Welternährung & Umwelt
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Tierrechte nur auf dem Papier: Wenn Haltung zur Qual wird

© Martina Berg - Fotolia.com

Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika in der Hähnchenmast macht auch deutlich: In deutschen Ställen wird systematisch gegen Tierrechte verstoßen. Ein Herumdoktern an Symptomen hilft nicht weiter. Das System der Nutztierhaltung muss generell auf den Prüfstand.

Tierschutz ist Staatsziel – so steht es jedenfalls seit 2002 in der Verfassung. Das muss auch für jedes einzelne Nutztier gelten. Egal, ob es in großen oder kleinen Ställen steht, egal ob konventionell oder nach den Regeln des Ökolandbaus gewirtschaftet wird. Doch die Realität sieht ganz anders aus: Die meisten Tiere stehen in überfüllten Ställen, die Mastgeschwindigkeit ist so hoch, dass Skelett und Kreislaufsystem der Tiere nicht hinterher kommen; Schweine knabbern sich gegenseitig aus Stress die Schwänze ab, in Geflügelställen ist Kannibalismus „normal“.

Statt aber die Haltungsbedingungen den Tieren anzupassen, werden die Tiere dem System angepasst: Hühnern werden die Schnäbel gekürzt und Schweinen die Ringelschwänze abgeschnitten. Das ist zwar grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen erlaubt. Doch was eigentlich die Ausnahme sein sollte, ist kläglicher Standard. Schweine- und Hühnerfleisch wird schon deshalb flächendeckend gesetzeswidrig erzeugt.

Tierrechte müssen Vorrang haben

foodwatch fordert vom Bundeslandwirtschaftsministerium, die verfassungsmäßigen Rechte der Tiere endlich durchzusetzen. Das geht nur, wenn als Zielvorgabe klipp und klar formuliert wird, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: Alle Nutztiere müssen sich artgemäß verhalten dürfen. Und sie dürfen nicht durch die Haltungsbedingungen krank gemacht werden. Bis heute hat keine Bundesregierung dies konsequent verfolgt, geschweige denn durchgesetzt.

Benchmarks für Tiergesundheit vorschreiben

Entscheidende Vorgabe für jeden Tierhalter muss sein, dass er Tiere aus gesundheitlich robusten Rassen hält, ihnen artgemäßes Verhalten ermöglicht und dafür sorgt, dass sie gesund bleiben. Das klingt banal, ist es aber nicht. Nicht nur die (betäubungslose) Amputation von Körperteilen ist die Norm, sondern auch eine Vielzahl von Organerkrankungen und Todesfällen, die eindeutig auf schlechte Bedingungen bei der Haltung zurückgehen. Deshalb müssen betriebsgenau erfassbare Mindestvorgaben für die wichtigsten Gesundheits-Indikatoren festgelegt und durchgesetzt werden:

  • Wie viel Prozent der Tiere aus einem Stall wurden behandelt und wie häufig (Tierbehandlungsindex)?
  • Wie viele Tiere sterben während der Mastdauer?
  • Welche und wie viele Schlachthofbefunde über Organkrankheiten werden an den Schlachttieren jedes Haltungsbetriebes erhoben?

Diese Daten müssen für jeden einzelnen Nutztierhaltungsbetrieb erhoben, automatisch an die amtliche Überwachung gemeldet und dort ausgewertet werden. Der Gesetzgeber ist in der Pflicht, dafür klare Zielmarken zu formulieren. Die Regierungen haben für Überwachungskapazitäten zu sorgen. Werden die Zielmarken nicht erreicht, müssen die Amtsveterinäre eingreifen – Tierhaltern Vorgaben machen und als letzte Maßnahme auch Betriebe schließen.

Tiergerechte Haltung und Betriebsgröße

Wie viele Tiere in einem Betrieb gemeinsam gehalten werden, ist nicht die entscheidende Frage, wenn es um die Durchsetzung der Rechte von Nutztieren geht. Denn Missstände kommen in sehr großen, aber auch in kleineren Ställen vor. Auch die ökologische Tierhaltung ist bezogen auf die Gesundheit der Tiere nicht per se erfolgreicher als die konventionelle, obwohl die Tiere hier artgerechter gehalten werden. Das allein stellt offenbar noch nicht sicher, dass Tiere nicht erkranken. Die Tierhaltung muss in jedem einzelnen Betrieb so lange optimiert werden, bis die Vorgaben zu Platz, Ausgestaltung der Ställe, Stall-Hygiene und Stall-Klima, sowie die Benchmarks für die Tiergesundheit erreicht werden. Tiergerechte Nutztierhaltung muss für jede Tierart, für jede Haltungsform und für jeden einzelnen Betrieb durchgesetzt werden.

Tiergerechte Haltung wird Fleisch teurer machen

Wer die gesellschaftliche Debatte über Tierhaltung ernsthaft führen will, darf eine Wahrheit nicht verschweigen: Fleisch wird teurer, wenn die Rechte der Nutztiere auf allen Produktionsstufen konsequent respektiert werden. Gilt dies mit klaren Regeln für die gesamte Nutztierhaltung, wird Fleisch deshalb nicht unbezahlbar. Mit Sicherheit würde sich jedoch der Fleischkonsum verringern – der heute mit 90 Kilogramm pro Jahr dreimal so hoch ist wie ernährungsphysiologisch sinnvoll. Die Rechte der Tiere müssen konsequent gewahrt werden, Ausnahmen darf es nicht mehr geben. Denn jede Ausnahme bedeutet: Tierquälerei wird zugelassen. Dies ist auch die große Schwäche aller Versuche, mit freiwilligen Kennzeichnungssystemen die Tierqual wenigstens etwas zu verringern.

Zuletzt geändert am 09.11.2012

© fotolia.com

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