Wo funny-frisch, albi und Co. Tiere verstecken

Bestandteile von Wild und Lab in Chips, Auszüge aus Schweineborsten in der Brot- und Gelatine in der Saftherstellung: In vielen Lebensmitteln verstecken sich tierische Bestandteile oder Tierprodukte. Entdeckt werden können sie nur schwer oder gar nicht – eine Gesetzeslücke macht's möglich.

Ob sich Verbraucherinnen und Verbraucher vegetarisch oder vegan ernähren wollen, aus religiösen Gründen auf Schweine-Produkte verzichten möchten oder einfach durch bewusste Kaufentscheidungen nur bestimmte Formen der Tierhaltung unterstützen wollen: Eine Gesetzeslücke schränkt die Wahlfreiheit erheblich ein. Ohne dass sie es merken, werden Konsumentinnen und Konsumenten Gelatine oder tierische Aromen untergejubelt – deklariert werden müssen die tierischen Zusätze nicht oder nur unzureichend.


  • 24.11.2016

    In diesen Produkten verstecken sich Tiere

    Fotostrecke (8 Bilder)
    • Sei es Kälberlab oder Wild – in einigen salzigen Snacks von funny-frisch sind tierische Bestandteile enthalten, ohne entsprechende Kennzeichnung auf der Verpackung. Das verrät der Hersteller auf Nachfrage von foodwatch. 
    • Frischkäse ist Frischkäse ist Frischkäse ist Frischkäse? Von wegen. Bei einigen kommt als Verdickungsmittel tierische Gelatine zum Einsatz, so bei Bresso und Rotkäppchen. Das muss zwar im Kleingedruckten gekennzeichnet werden. Doch wer erwartet bei Frischkäse schon Schweinehaut im Innern? Dass es auch ohne Gelatine geht, zeigt Konkurrent Philadelphia.
    • Laut Rezeptur ist Ritter Sports Marzipan-Schokolade vegan. Dennoch kann Milchzucker drin sein, weil auf denselben Anlagen auch Milchschokolade produziert wird. Der Hersteller empfahl das Produkt im Firmenblog trotzdem Veganern mit dem Hinweis: enthält „keine Milchbestandteile“ – bis foodwatch das kritisierte. 
    • Lange Zeit stellte Katjes parallel Fruchtgummis <i>mit</i> als auch <i>ohne</i> Gelatine her und bewarb letztere mit einer „Veggie-Kampagne“ – obwohl trotz mehrfacher Nachfrage von foodwatch unklar blieb, inwiefern der Hersteller eine Verunreinigung mit Gelatine ausschließen konnte. Seit August 2016 werden jedoch laut Herstellerangaben <i>alle</i> Katjes-Produkte ohne Verwendung von Gelatine hergestellt.
    • Neuerdings kennzeichnet Maggi (Nestlé) auch auf der Vorderseite, was man bei der alten Verpackung nur dem Kleingedruckten der Zutatenliste entnehmen konnte: Diese Tomatencremesuppe enthält Speck. Speck meint im Lebensmittelrecht Schweinespeck. Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf den Konsum bestimmter Tiere verzichten möchten, wäre eine unmissverständliche Angabe der Tierart allerdings hilfreich.
    • <p style="margin-left:0cm">Die ersten Unternehmen haben bereits auf die Kritik am „Tiere-Verstecken“ reagiert: Bei hohes C kam früher Fischgelatine als Trägerstoff für Vitamine zum Einsatz –&nbsp;neuerdings verwendet der Hersteller eine stärkebasierten und damit veganen Trägerstoff. Auch der Milram Frühlingsquark leicht beinhaltet keine Gelatine mehr – der Hersteller wirbt jetzt sogar mit dem Clean Label „ohne Zusatz von Gelatine“.&nbsp;</p>
    • <p style="margin-left:0cm">Das nächste Unternehmen hat reagiert: Der Valensina Orange-Mango-Ananas Saft wurde bis vor kurzem mit Schweinegelatine von Trübstoffen befreit (Klärung). Beim Multivitaminsaft kam Fischgelatine als Trägerstoff für Provitamin A zum Einsatz. Seit Dezember 2013 hat der Hersteller die Produktionsweise geändert. Die Säfte sind laut Hersteller nun vegan. Ein weiterer Erfolg des Verbraucherprotests.&nbsp;</p>
    • Schluss mit versteckten Tieren! Unterzeichnen Sie jetzt unsere E-Mail-Aktion an die zuständigen Minister in Bund und Ländern:&nbsp;<link https://www.foodwatch.org/de/informieren/versteckte-tiere/e-mail-aktion/>Fordern Sie eine lückenlose Kennzeichnungspflicht für alle versteckten Tierprodukte und Tierbestandteile!</link>

Gelatine im Frischkäse

Auf zahlreichen Wegen gelangen „versteckte Tiere“ in die Produkte. Frischkäse von Bresso und Rotkäppchen etwa enthalten Gelatine als Verdickungsmittel. Hier weichen die Hersteller von klassischen Rezepturen ab. Allerdings dürften nur die wenigsten Verbraucherinnen und Verbraucher nicht-vegetarische Tierbestandteile im Frischkäse vermuten. Doch bei den genannten Beispielen gibt es immerhin noch die Möglichkeit, anhand der Zutatenliste im Kleingedruckten von den überraschenden Beigaben zu erfahren.

Tierische Aromen und Zusatzstoffe

Hinter dem Begriff „Aroma“ oder auch hinter Zusatzstoffen (E-Nummern) können sich Tierprodukte verbergen – ohne, dass dies auf der Verpackung angegeben werden muss. So enthält das „Aroma“ einiger funny-frisch Knabberartikel Bestandteile von Wild oder Lab. Auch müssen Hersteller von Süßwaren oder Getränken nicht kenntlich machen, dass ein weit verbreiteter Farbstoff aus Scharlach-Schildläusen gewonnen wird – eine Kennzeichnung des Zusatzstoffs als „Echtes Karmin“ oder „E 120d“ ist ausreichend. Diese Problematik betrifft zahlreiche weitere Zusatzstoffe. Verbraucherinnen und Verbraucher werden hier im Dunkeln gelassen.

Auszüge aus Schweineborsten im Mehl 

Eine weitere Kennzeichnungslücke betrifft sogenannte technische Hilfsstoffe, die in der Herstellung vieler Lebensmittel eingesetzt werden.

Beispiel Backwaren: Seit Jahren ist bekannt, dass in Bäckereien L-Cystein als Mehlbehandlungsmittel eingesetzt wird. Die Aminosäure wirkt sich auf Konsistenz und Verarbeitungseigenschaften des Teigs aus und wird zum Beispiel aus Schweineborsten oder Federn gewonnen.

Gelatine in der Saftherstellung

Beispiel Säfte und Wein: Um Trübstoffe aus Wein und Saft zu filtern, wird von manchen Herstellern Gelatine eingesetzt. Gelatine dient zum Teil auch als sogenannter Trägerstoff für zugefügte Vitamine. So enthielt Valensinas Multivitaminsaft lange Zeit Fischgelatine – ohne, dass dies auf der Verpackung angegeben war. Auch verwendete Valensina Schweinegelatine zur Klärung der Säfte. Nach Verbraucherprotesten hat der Hersteller mittlerweile reagiert, ähnlich wie Wettbewerber Eckes Granini (hohes C): Beide Hersteller verzichten inzwischen auf Gelatine in ihren Säften. 

Andere Hersteller wie albi oder Sachsen-Obst nutzen weiterhin Gelatine zur Klärung, wie ein foodwatch-Marktcheck zu klaren Apfelsäften und -schorlen zeigt: Noch rund ein Drittel der überprüften Produkte wurde unter Einsatz von Schweinegelatine hergestellt – ohne, dass dies entsprechend gekennzeichnet wurde.  Das zeigt: Eine gesetzliche Regelung, die Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher schafft, ist längst überfällig! 

Kennzeichnungslücken im Gesetz

Die Gesetzeslücken bestehen weiterhin: Enthält ein Lebensmittel tierische Bestandteile oder wurde mit Hilfe dieser hergestellt, muss dies nicht immer auf der Verpackung angegeben werden. Bundesernährungsminister Christian Schmidt sollte die Kennzeichnungslücken dringend schließen, um echte Wahlfreiheit beim Einkauf möglich zu machen.

Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ nicht definiert

Selbst die Begriffe „vegetarisch“ oder „vegan“ bieten keine Verlässlichkeit: Sie sind lebensmittelrechtlich nicht definiert. Zwar haben sich die Verbraucherministerinnen und -minister der Bundesländer im April 2016 auf eine gemeinsame Definition der Begriffe geeinigt, die auch bei der Herstellung eingesetzte Substanzen berücksichtigt – rechtsverbindlich sind die Begrifflichkeiten allerdings noch nicht. Theoretisch können also auch als „vegan“ oder „vegetarisch“ beworbene Produkte tierische Bestandteile enthalten oder mit Hilfe dieser hergestellt sein. 

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Die Gesetzeslücken bestehen weiterhin: Enthält ein Lebensmittel tierische Bestandteile oder wurde mit Hilfe dieser hergestellt, muss dies nicht immer auf der Verpackung angegeben werden. Bundesernährungsminister Christian Schmidt sollte die Kennzeichnungslücken dringend schließen, um echte Wahlfreiheit beim Einkauf möglich zu machen.

Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ nicht definiert

Selbst die Begriffe „vegetarisch“ oder „vegan“ bieten keine Verlässlichkeit: Sie sind lebensmittelrechtlich nicht definiert. Zwar haben sich die Verbraucherministerinnen und -minister der Bundesländer im April 2016 auf eine gemeinsame Definition der Begriffe geeinigt, die auch bei der Herstellung eingesetzte Substanzen berücksichtigt – rechtsverbindlich sind die Begrifflichkeiten allerdings noch nicht. Theoretisch können also auch als „vegan“ oder „vegetarisch“ beworbene Produkte tierische Bestandteile enthalten oder mit Hilfe dieser hergestellt sein. 

Zuletzt geändert am 24.11.2016

 
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