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Verbraucher kämpfen gemeinsam für ihre Rechte – seien Sie dabei!

Nur jedes dritte Unternehmen reagiert auf Kritik

25.11.2012

In vielen Fällen haben Verbraucher durch öffentliche Kritik und direkte Beschwerden bei Herstellern Verbesserungen erreicht, ob an den Produkten oder der Werbung. Doch zwei Drittel der kritisierten Unter­nehmen reagieren gar nicht oder nur mit Alibi-Änderungen. Das ist die Bilanz nach fünf Jahren foodwatch-Kampagne auf abgespeist.de.

Etwa jedes dritte Unternehmen verändert nach öffentlicher Kritik und Verbraucherprotest sein Produkt oder seinen Werbeauftritt. Ein Drittel der kritisierten Unternehmen reagiert jedoch nur mit Alibi-Änderungen, ein Drittel ignoriert die Kritik. Diese Bilanz zieht foodwatch fünf Jahre nach dem Start der Kampagne abgespeist.de gegen legale Verbrauchertäuschung. Noch immer ist Verbrauchertäuschung damit an der Tagesordnung – und in den meisten Fällen ganz legal.


  • 25.11.2012

    Bilanz abgespeist.de: Gut ein Drittel der Unternehmen reagiert auf Kritik

    Fotostrecke (10 Bilder)
    • Insgesamt 37 Produkte hat foodwatch auf abgespeist.de als Beispiele für legale Verbrauchertäuschung vorgestellt und Protest-Aktionen dazu gestartet. Bei 15 Produkten änderte sich Rezeptur oder Werbung – oder die Produkte verschwanden vom Markt.
    • Aktuellstes Beispiel ist Hipp. Im Sommer erhielt das Unternehmen den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge des Jahres 2012. Im Herbst kündigte Hipp an, den kritisierten Zucker-Granulat-Tee für Kleinkinder vom Markt zu nehmen.
    • In der „Puten Cervelatwurst“ von Gutfried schmückte sich ein Schwein mit fremden Federn: Knapp zur Hälfte bestand die Putenwurst aus Schweinefleisch. Etwa 10.000 Verbraucherbeschwerden später ist kein Schweinefleisch mehr enthalten.
    • Die Rezeptur des „Gourmetproduktes“ ähnelte der einer Standard-Pulversuppe, mit einem „Fond“ aus Salzwasser, Hefeextrakt und Aromen in der Dose. Nach mehr als 4.000 Beschwerde-E-Mails steckt in der Dose nach Angaben des Herstellers ein klassischer Fond.
    • Bongrain bewarb den „Saint Albray Klosterkäse“ mit dem Hinweis auf die angeblich „essbare Rinde“ – obwohl diese das Anti-Pilzmittel Natamycin (E235) enthält. Mehr als 14.000 Verbraucherbeschwerden später rät der Hersteller nun vom Verzehr der Rinde ab.
    • „Ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker“ hieß es auf der Maggi Natur Pur Gemüsesuppe Bio von Nestlé, drin steckte Hefeextrakt – das unter anderem Glutamat enthält. Nach mehr als 4.000 Verbraucherbeschwerden stellte Nestlé die Produktion der Tütensuppen ein.
    • Das Wellness-Teegetränk „Der Gelbe Zitrone-Physalis“ enthielt wenig Gelben Tee und keine Spur Physalis dafür umso mehr Zucker, so die Kritik von foodwatch. Geändert hat sich daran wenig. Eine winzige Alibi-Dosis Physalis macht daraus noch kein ehrliches Produkt.
    • „Natürliche Zutaten“ verspricht Teekanne für „Landlust Mirabelle & Birne“. Dabei enthalten die Teebeutel nur billigen Standard-Früchtetee und „natürliches Aroma“, nicht aber die namensgebende Mirabelle. Mehr als 13.000 Verbraucherbeschwerden blieben ohne Erfolg.
    • Die Lebensmittel-Industrie reagiert auf die massive öffentliche Kritik und gründet den Verein „Die Lebensmittelwirtschaft“. Sie setzt vor allem auf eine bessere Kommunikation – als müsste man den Verbraucher die tägliche Täuschung nur besser erklären.
    • Auch die Politik reagiert auf die immer lauter werdende Kritik: Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner startet die 975.000 Euro schwere Initiative „Klarheit und Wahrheit“. Doch die angekündigten gesetzgeberischen Maßnahmen stehen weiter aus. <link 357>Jetzt protestieren»</link>

„Wissens- und Erfahrungsaustausch“ statt Handeln

Doch statt endlich die eklatanten Gesetzeslücken zu schließen, lädt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner am 27. und 28. November in Berlin erst einmal zu einer Konferenz ein. Thema: „Schutz vor Irreführung und Täuschung bei Lebensmitteln. Erfahrungen – Herausforderungen – Lösungsansätze“. Ziel laut Einladungsschreiben: „Wissens- und Erfahrungsaustausch“. Doch durch Podiumsdiskussionen auf Konferenzen lässt sich das Problem der alltäglichen Täuschung im Supermarkt nicht lösen. Frau Aigner muss die Hersteller endlich per Gesetz zu mehr Ehrlichkeit zwingen.

Bereits Ende 2010, zum Start der Initiative „Klarheit und Wahrheit“ des Bundesverbraucherministeriums, hatte Ilse Aigner gesetzgeberische Maßnahmen gegen Verbrauchertäuschung in Erwägung gezogen. Zwei Jahre später und mehr als ein Jahr nach dem Start des Verbraucherportals lebensmittelklarheit.de im Juli 2011 hat die Bundesministerin noch immer keine Vorschläge für konkrete gesetzliche Änderungen vorgelegt.

15-Punkte-Plan gegen Verbrauchertäuschung

foodwatch hat in einem 15-Punkte-Plan dargestellt, wie die häufigsten Fälle von Verbrauchertäuschung verhindert werden könnten. Dieser enthält sowohl Kennzeichnungsvorschriften und Regeln für lesbare Angaben auf Verpackungen als auch grundsätzliche Regelungen beispielsweise für Kinderlebensmittel oder zu Gesundheitsaussagen. Fordern Sie Bundesministerin Aigner auf, endlich per Gesetz gegen die flächendeckende Täuschung im Supermarkt vorzugehen!

15-Punkte-Plan gegen Verbrauchertäuschung

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Entweder ist nicht drin, was drauf steht, oder es steht nicht drauf, was drin ist. foodwatch fordert: Schluss mit Etikettenschwindel und irreführenden Werbeaus­sagen! Machen Sie mit! Mehr erfahren

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