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Verbraucher kämpfen gemeinsam für ihre Rechte – seien Sie dabei!

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  • 17.03.2014

    „Leitsätze“ zur Lebensmittelkennzeichnung führen Verbraucher in die Irre

    Fotostrecke (8 Bilder)
    • Auch wenn der Name und die Farbe den Anschein erwecken: Der sogenannte Alaska-Seelachs ist kein Lachs und noch nicht einmal damit verwandt. Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission erlaubt, dass Hersteller die kostengünstigere Fischart Pollack lachsähnlich einfärben und als „Alaska-Seelachs“ verkaufen. 
    • „Geflügelwürstchen“ werden ausschließlich aus Geflügel hergestellt? Mitnichten: Die Deutsche-Lebensmittelbuchkommission erlaubt, Schweinespeck beizumischen, ohne dass das in der Produktbezeichnung oder auf der Schauseite steht. Dass Schweinespeck enthalten ist, kann der Verbraucher also nur im Kleingedruckten nachvollziehen. Doch wer erwartet das schon bei einem „Geflügelwürstchen“?
    • Aromatisierte „Früchte“-Tees werben gern mit vielversprechenden Abbildungen von Früchten auf der Vorderseite der Verpackung. Die Leitsätze der Deutschen-Lebensmittelkommission lassen jedoch zu, dass die angepriesenen Früchte gar nicht oder nur zu einem verschwindend geringen Teil enthalten sind. Nicht einmal die namensgebende Frucht muss sich im Teebeutel wiederfinden. Stattdessen werden oft billigere Alternativen eingesetzt und der Geschmack der beworbenen Früchte durch Aromen imitiert.
    • Für die Bezeichnung „Kalbfleisch-Leberwurst“ reicht gemäß der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission ein Kalbfleischanteil von 15 Prozent aus. Der Rest darf vom Schwein kommen – bis hin zur Leber. Das kommt den Herstellern gelegen: Zutaten vom Schwein sind billiger. Doch welcher Verbraucher erwartet bei einer „Kalbfleisch-Leberwurst“ schon eine Schweineleberwurst mit 15 Prozent Kalbfleischanteil?
    • Der Name Zitronenlimonade, ein Etikett mit vollmundigen Abbildungen von Zitronen – und trotzdem keine Zutat Zitrone in der Limonade. Stattdessen erlaubt die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission den zahnschädigenden Zusatzstoff Citronensäure (E330) und Aromen aus dem Labor, um einen zitronenartigen Geschmack zu imitieren.
    • Bei Sardellenpaste macht die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission besonders vage Vorgaben. So sieht die Kommission vor, dass Sardellenpaste für eine bessere Streichfähigkeit Schweineschmalz beigemischt werden darf, das nicht auf der Schauseite der Verpackung kenntlich gemacht werden muss. Es gibt nicht einmal eine Mindestmenge an Sardellen, die die Paste zur „Sardellenpaste“ macht. 
    • Wer würde vermuten, dass in „Rindfleisch im eigenen Saft“ Scheineschwarten versteckt sind? Wahrscheinlich niemand, denn auf der Vorderseite muss der Schweinebestandteil nicht kenntlich gemacht werden. Der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission reicht es nämlich aus, wenn lediglich im Kleingedruckten ersichtlich wird, dass Schweinfleisch in der Rinderkonserve steckt. 
    • Obwohl es der Name anders vermuten lässt, muss „Kakaocreme“ nur zu einem minimalen Teil aus Kakao bestehen: Die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission befindet einen Anteil von 2,5 Prozent als ausreichend. Das führt dazu, dass Backwarenhersteller mit „Kakaocreme-Füllung“ werben dürfen, der Kakaoanteil im Endprodukt aber zum Teil weniger als 1 Prozent beträgt.

    Alaska-Seelachs aus gefärbtem Lachs-Imitat, Geflügelwürstchen mit Schweine-Speck oder Zitronen-Limo ohne einen Hauch Zitronensaft: Die geltenden „Leitsätze“ zur Kennzeichnung von Lebensmitteln führen Verbraucher oft in die Irre.

  • 17.01.2014

    „Danke Wolfgang!“ – foodwatch-Aktion vor dem Bundesfinanzministerium

    Fotostrecke (9 Bilder)
    • Das Bundesministerium der Finanzen, "eine Filiale der Deutschen Bank" – diese Namensergänzung namen foodwatch-Aktivisten, verkleidet als Deutsche-Bank-Mitarbeiter, am Amtssitz von Wolfgang Schäuble vor...
    • ...und kommentierten damit, wie Schäubles Haltung bei der Regulierung der Nahrungsmittelspekulation zu werten ist: Alles bleibt beim Alten, die Deutsche Bank darf weiter machen wie bisher – und der Minister stimmt zu.
    • "Danke, Wolfgang" lautet daher das ironische Motto der Demonstration...
    • ...die sich am Morgen des 17. Januar 2014 auf den Weg zum Bundesfinanzministerium in Berlin Mitte gemacht hatte.
    • Vor dem mächtigen Gebäude in der Berliner Wilhelmstraße bedankten sich die falschen DeutschBanker für Schäubles Engagement. Denn die Geschäfte mit der Agrarspekulation dürfen weitergehen...
    • ...weshalb die Wahl zum „Mitarbeiter des Monats“ der Deutschen Bank nur auf einen fallen konnte: Finanzminister Wolfgang Schäuble.
    • Dessen Haltung und die Bewertung der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID muss erklärt werden, wie hier im Interview mit foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode. 
    • Aber eigentlich sagen diese Bilder schon alles: Das Bundesfinanzministerium, eine Filiale der Deutschen Bank...
    • ...und Minister Schäuble als Mitarbeiter des Monats.&nbsp; <i>[Alle Fotos: foodwatch/Mike Auerbach]</i>

    „Danke, Wolfgang!“ Mit einer sarkastischen Protestaktion sind foodwatch-Aktivisten, verkleidet als Mitarbeiter der Deutschen Bank, am 17. Januar 2014 vor das Bundesfinanzministerium gezogen. Sie zeichneten Wolfgang Schäuble als Mitarbeiter des Monats der Bank aus – als „Dank“ dafür, dass der Minister eine strenge Regulierung der Agrarspekulation mit verhindert hat.

  • 12.12.2013

    Schmuddelbetriebe, Gammelfleisch & Co.: Das Versagen der Lebensmittelüberwachung

    Fotostrecke (10 Bilder)
    • Diese Eiswürfelmaschine ist verdreckt – Bakterien können über das Eis  auch in Getränke gelangen. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit  (BVL) erklärte vergangenes Jahr, dass in 15 Prozent der untersuchten  Eiswürfel coliforme Keime nachgewiesen werden konnten.
    • Einen besonders ekligen Fund machten Lebensmittelkontrolleure in diesem Betrieb: Eine mumifizierte Ratte.
    • Seit Jahren wird jeder vierte kontrollierte Betrieb beanstandet – ohne dass sich an dieser traurigen Quote irgendetwas ändert, und ohne dass Verbraucher erfahren, wer die betroffenen Betriebe sind. Hier werden Krapfen in pechschwarzem Frittier-Fett zubereitet. Das ist nicht nur ekelhaft sondern auch potenziell krebserregend.
    • Dieser Kühlschrank ist nach dem Auslaufen von Lebensmitteln offenbar nicht gereinigt worden. Innenraum, Tür, Scharniere und Dichtungen des&nbsp; Kühlschranks sind stark verdreckt.
    • Ein weiteres Beispiel:&nbsp;Völlig verschmutzte und verschimmelte Eierbehälter.
    • Andere Länder zeigen längst wie es besser geht: In Dänemark oder Toronto beispielsweise werden die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen veröffentlicht – mit Erfolg: Seither ist dort die Quote der Beanstandungen deutlich zurückgegangen.&nbsp;
    • Häufigster Beanstandungsgrund bei Kontrollen: Verstöße gegen Hygienevorschriften. In dieser Pfanne sollten besser keine Lebensmittel zubereitet werden.
    • Roher Lachs darf bei höchstens 2°C gelagert werden. In diesem hier verbreiten sich potenziell gesundheitsschädliche Keime ungestört bei 17,5°C. Wird der Fisch roh verzehrt, zum Beispiel als Sushi, besteht ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko.
    • Diese Teigmaschine ist verklebt und völlig verdreckt – Verbraucher erfahren von solchen Zuständen nichts. Eine Veröffentlichung würde jedoch abschreckender wirken als Bußgelder und Strafen.
    • Verbraucher haben auch auf Nachfrage wenige Chancen, von den Behörden schnell, einfach und kostengünstig Informationen zu Lebensmittelkontrollergebnissen zu bekommen – wie es das sogenannte Verbraucherinformationsgesetz eigentlich verspricht. foodwatch hat getestet: Von 54 Anfragen an zuständige Lebensmittelbehörden wurden gerade einmal sieben vollständig und kostenfrei beantwortet.

    Gammelfleisch, Schmuddelbetriebe, Betrug: Aufnahmen von Lebensmittelkontrolleuren, die foodwatch zugespielt wurden, zeugen von teilweise schlimmen hygienischen Zuständen in Restaurants und Betrieben.

  • 09.12.2013

    Die Health Claims-Verordnung schützt die Verbraucher nicht vor Täuschung

    Fotostrecke (9 Bilder)
    • Früher warb Actimel von Danone mit probiotischen Kulturen, die angeblich das Immunsystem schützen sollten. Nachdem das von der EU verboten wurde, dienen nun Vitamin-Zusätze als Schlupfloch für die Image-Bewahrung – für Vitamin B6 und D hat die EU Werbeaussagen zum Immunsystem erlaubt. Doch künstlich zugefügte Vitamine machen aus einer Zuckerbombe kein gesundes Produkt. Actimel Classic enthält in etwa so viel Zucker wie Coca Cola.
    • Der Frühstückskeks belvita (Honig &amp; Nüsse) von Mondelez (ehem. Kraft Foods) enthält mehr Zucker (26%) und Fett (17%) als ein gewöhnlicher Butterkeks (z.B. von Leibnitz, 22% Zucker und 11% Fett). Dennoch darf diese unausgewogene Süßigkeit beworben werden als sei sie ein lange sättigendes Frühstück („Energie für den ganzen Vormittag“). Der Hersteller freut sich unverblümt darüber, mit diesem sogenannten „Frühstückskeks“ einen „ganz neuen Verwendungsanlass für Kekse etabliert“ zu haben.
    • Die Ferdi Fuchs Mini Salami von Stockmeyer ist alles andere als ausgewogen: Mit etwa 4 Gramm Salz je 100g ist sie eine wahre Salzbombe. Dazu kommt ein hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren (16,3%). Weil Stockmeyer einen Vitamin-Cocktail zusetzt, darf der Hersteller die Wurst dennoch als „täglichen Beitrag für eine gesunde Ernährung“ bewerben. Dabei essen Kinder bereits deutlich mehr Wurst als Ernährungsempfehlungen vorsehen.
    • Bei <b>Active O2</b> von <b>Adelholzener </b>handelt es sich um einen Soft-Drink (Zuckergehalt: 4%). Diese gelten als eigener Risikofaktor für Übergewicht und damit verbundene Krankheiten. Indem der Hersteller Mineralstoffe wie Calcium oder Magnesium zusetzt, darf er die Getränke jedoch ganz legal mit Gesundheitswerbung für die „Muskelfunktion“ beziehungsweise „Knochenstruktur“ bewerben.
    • <b>Unilever</b> suggeriert, <b>Becel pro.activ</b> schütze wegen seiner cholesterinsenkenden Wirkung vor Herzkrankheiten. Das kann Unilever nicht belegen. Mehr noch: Das Produkt steht sogar im Verdacht, selbst Ablagerungen in Gefäßen zu verursachen und damit das Risiko für Herzkrankheiten zu erhöhen. Trotz dieser Risiken hat die EU den Werbeaussagen zugestimmt. Ein weiterer Beleg dafür, dass die sogenannte Health-Claims-Verordnung die Verbraucher nicht vor Irreführung schützt.
    • <b>LC1</b> von <b>Nestlé</b> wurde jahrelang mit Aussagen zu Probiotika und dem Immunsystem beworben. Seitdem das verboten ist, wirbt Nestlé nun mit dem Versprechen „Für Ihr Wohlbefinden“. Die Begründung: Der Joghurt enthält Calcium. Dabei ist LC1 nicht mehr und nicht weniger als ein Naturjoghurt. Vom Preis mal abgesehen: LC1 kostet mehr als das doppelte eines normalen Joghurts.
    • <b>Red Bull</b> bewirbt seinen <b>Energy Drink</b> wie ein Sportgetränk, da es „von Spitzensportlern geschätzt“ werde und „Geist und Körper“ belebe. Als Soft-Drink mit 11 % Zucker ist Red Bull aber hypertonisch und kann weder Flüssigkeits- noch Mineralstoffverlust ausgleichen. Schlimmer noch: Wissenschaftler warnen vor gefährlichen Nebenwirkungen – gerade in Zusammenhang mit Sport oder auch Alkohol.
    • Der jüngst zugelassene Health Claim für <b>Fruktose</b> erlaubt es, Soft-Drinks mit Gesundheitswerbung zu versehen, obwohl diese nachweislich ein Risikofaktor für Übergewicht und für damit verbundene Krankheiten sind. Fruktose ist unter Wissenschaftlern besonders umstritten. Das staatliche Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt sogar, Fruktose nicht als Zuckeraustauschstoff in Lebensmitteln zu verwenden. Dennoch wäre es legal, einen Fruktose-Soft-Drink mit Aussagen zum Blutzuckerspiegel zu bewerben.
    • Höchstens eine Handvoll Süßigkeiten am Tag – das gilt als einhellige Ernährungsempfehlung. Der seit September 2013 zugelassene Health Claim für dunkle <b>Schokolade</b> kann jedoch schnell dazu führen, dass Menschen getreu dem Motto „viel hilft viel“ deutlich mehr verzehren, als sie sollten. Der weltgrößte Kakao- und Schokoladenhersteller Barry Callebaut hat sich einen Claim zu der positiven Wirkung auf Blutgefäße für seine Schokolade schützen lassen.

    Verbraucher werden beim Lebensmitteleinkauf regelmäßig mit irreführenden Gesundheitsver­spre­chen getäuscht – obwohl sie davor eigentlich seit einem Jahr durch eine EU-Verordnung geschützt sein sollten.