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Dioxine in Freilandeiern gefunden

18.01.2005

Bei Freilandeiern wurden erhöhte Dioxinwerte gemessen. Ursache waren dioxinbelastete Böden. Beim Picken nehmen die Hennen im Freien auch Erde und damit Dioxin auf und geben es über die Eier weiter.

In Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen sowie in Belgien und den Niederlanden wurden Anfang 2005 erhöhte Dioxinwerte bei Freilandeiern gemessen. Bild am Sonntag berichtete gar von erhöhten Werten in 28 Prozent aller Freilandeier. Zwar gilt seit 2002 in der Europäischen Union (EU) ein Dioxingrenzwert für Eier. Freilandeier waren davon jedoch bis zum 01.01.2005 ausgenommen.

Erhöhte Dioxinbelastungen von Freilandeiern

Freilandeier können tatsächlich dioxinbelastet sein. Als Ursache gelten dioxinbelastete Böden. Beim Picken nehmen die Hennen im Freien auch Erde und damit Dioxin auf - und geben es über die Eier weiter. In Regionen mit hohen Dioxin-Hintergrundbelastungen werden in Eiern deshalb höhere Dioxinwerte gemessen. Auch das Verbrennen ungeeigneter Materialien in privaten Heizungsanlagen kann zur Dioxinentstehung führen. Zudem führt das zum Teil höhere Lebensalter der Freiland-Legehennen zu höheren Belastungen im Ei. Denn Dioxin reichert sich im Fettgewebe des Körpers nach und nach an (Bioakkumulation).

Bei einigen Eiern aus Freilandhaltung wurden erhöhte Werte gemessen. Allerdings überschritt beispielsweise in Niedersachsen, wo die größte Geflügeldichte Deutschlands herrscht, nur eine von 70 im Jahr 2004 insgesamt genommenen Proben den Grenzwert. Diese Probe stammte tatsächlich aus Freilandhaltung. In der Region um Kehl (Baden-Württemberg) herrscht wegen einer Müllverbrennungsanlage auf französischer Seite eine hohe Dioxin-Hintergrundbelastung. Hier wurden 18 Bestände untersucht, 16 davon waren Kleinstbetriebe, die zwischen zehn und 30 Hühner halten. Acht Proben überschritten den Dioxingrenzwert. Grund hierfür ist die starke Belastung des Bodens.

Dioxin kann aber auch über das Futter aufgenommen werden. Auch bei Eiern aus Käfighaltung wurden zum Teil erhöhte Dioxinwerte gemessen. Hierfür sind dioxinbelastete Futtermittel verantwortlich.

Der Dioxin-Grenzwert für Eier

Schon 2002 hat die Europäische Kommission Dioxingrenzwerte für Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milch und Eier festgelegt. Freilandeier waren jedoch bis Ende 2004 von dieser Regelung ausgenommen. Seit 01.01.2005 ist die verbraucherfeindliche Ausnahmeregelung außer Kraft. Nun gilt der Grenzwert von drei Pikogramm (Billionstel Gramm) je Gramm Fett für alle Eier. Ein Ei enthält etwa drei bis vier Gramm Fett. Somit darf ein Ei zwischen neun und zwölf Pikogramm an Dioxinen enthalten. Der laut Bild am Sonntag gemessene höchste Wert lag bei 50 bis 65 Pikogramm (Bild am Sonntag, 16.01.2005: "Dioxin-Alarm bei Freiland-Eiern"). Ein 70 Kilogramm schwerer Erwachsener soll pro Woche nicht mehr als 980 Pikogramm Dioxine aufnehmen. Um diesen Wert allein durch Eier zu erreichen, müsste er also 16 bis 20 extrem belastete Eier essen.

Die foodwatch-Position

Das Problem der teils erhöhten Dioxinbelastung von Freilandeiern ist seit längerem bekannt. Hühnereier sind allerdings nicht die problematischsten Lebensmittel. Die Dioxinbelastung ist beispielsweise bei Fisch aus der Ostsee um Einiges höher. Trotzdem war es aus Verbrauchersicht höchste Zeit, dass endlich der gleiche Grenzwert für alle Eier gilt und mit Hilfe von regelmäßigen Proben durchgesetzt wird. Es ist die falsche Politik, bei Problemen Ausnahmetatbestände zu schaffen, anstatt Verbesserungen zu verlangen. Die tierfreundliche Freilandhaltung muss und kann in Sachen Dioxinbelastung verbessert werden. Die aufgetretenen Überschreitungen rechtfertigen es jedoch nicht, die tierquälerische Käfighaltung zu propagieren.

foodwatch fordert:

  • regelmäßige Überprüfung der Dioxinbelastung aller Lebensmittel, die an bekanntermaßen dioxinbelasteten Standorten erzeugt wurden
  • umfassende Reduzierung des Dioxineintrags in die Futter- und Lebensmittelkette
  • konsequente Beibehaltung der Grenzwerte unter Einbeziehung von dioxinähnlichen PCB (polychlorierte Biphenyle)
  • Beseitigung aller Ausnahmeregelungen bei der Grenzwertfestsetzung für Dioxine und dioxinähnliche PCB

Tipp: Die meisten Lebensmittelskandale haben ihren Ursprung im Futter. Ob das die Rinderkrankheit BSE ist, Nitrofen in Bio-Eiern oder Dioxin im Essen. foodwatch hat ausführlich recherchiert, wie Giftstoffe über Futtermittel ins Essen gelangen können. Die Ergebnisse der Recherchen sind im Futtermittel-Report "Lug und Trog" dokumentiert.