Wenn von „75 Prozent“ fast nichts mehr übrig bleibt...

Rechenschieber – Bild: fotolia.com/marcelgabor39

Komplizierte Prozentangaben, unrealistisch kleine Portionsgrößen: Zahlen auf der Verpackung suggerieren handfeste, unbestechliche Information. Doch mit allerlei Rechentricks lassen Hersteller wie durch Zauberei den Anteil von Qualitätszutaten in ihren Produkten größer werden – oder den Zuckergehalt kleiner... 

Lebensmittelhersteller werben auf Verpackungen gern mit Zahlen. Die wirken besonders seriös und deshalb verkaufsfördernd. Dabei hat die Lebensmittelindustrie unterschiedlichste Rechentricks entwickelt, um ihre Produkte in ein besseres Licht zu rücken. Die Tricks lassen sich oft erst nach einem genauen Blick in die Zutatenliste und einigen Rechenschritten enträtseln. Das Entziffern von Zutaten und Nährwerten kann dabei schon mal zum Mathematik-Test werden.

Aus 75 % werden 1,875 % – und 1+1=3?

Ein besonders beliebter Trick: Man picke die eine hochwertige Zutat eines Produkts heraus und lasse es auf dem Etikett so aussehen, also ob diese Zutat in extra großen Mengen in dem Produkt enthalten ist. Beim genauen Nachrechnen entpuppen sich derartige versprechen oft als Mogelpackung. Haribo-Fruchtgummi zum Beispiel, wirbt mit dem Versprechen „35% Frucht in der Füllung“. Die Füllung macht aber gerade einmal 12,3% des Fruchtgummis aus. Somit befindet sich also nur 4,3 % Fruchtanteil im Gesamtprodukt.

Dr. Oetker hatte lange den Schokoladenpudding „Pur Crema Choc Tansania Edelbitter“ im Angebot, Name und Aufmachung verprachen bereits eine besondere Qualität. Doch damit nicht genug: Ein großer Hinweis auf 75 % Kakao lockte die Kunden. Wer genau hinsah, las die Aussage „enthält Schokolade mit 75 % Kakao“. Dumm nur, dass das Produkt gerade einmal 2,5 Prozent Schokolade enthielt. Einen Dreisatz später ließ sich dann auch der Anteil an Kakao aus Tansania im gesamten Produkt ausrechnen: üppige 1,875 Prozent. Klingt schon anders als „75%“, das hatte sich wohl auch Dr. Oetker gedacht. 

15.12.2009

„Ausgerechnet“ – Prozentangaben auf Etiketten

Woher „Light“-Produkte ihre Leichtigkeit bekommen

Auch bei „Light“-Lebensmitteln wird gern mit Zahlen jongliert: Sie liest man oft Versprechen wie „30 % weniger Fett“ – das wirkt tatsächlich ganz leicht im Vergleich zu herkömmlichen Produkten.

Kellogg's Frosties beispielsweise werben mit „1/3 weniger Zucker als Frosties Original“ und suggerieren so, die Frühstücksflocken seien besonders kalorienarm. In Wahrheit handelt es sich aber nach wie vor um eine Zuckerbombe: Die „leichte“ Version von Kelloggs Frosties kommt immer noch auf 25 Gramm Zucker auf 100 Gramm Frosties und bleibt damit eine Süßigkeit. Ein Drittel weniger Zucker bedeutet eben immer noch, dass das Produkt zu einem Viertel aus Zucker bestehen kann. 

Mini-Portiönchen

Ein anderer beliebter Weg, um Kalorien schönzurechnen: Nährwertangaben auf Mini-Portiönchen herunterrechnen. Wie zum Bespiel Nestlé, die sich ihre „Fitness Fruits“ gehörig schöngerechnet haben: 14,1 Gramm Zucker, das war der Wert, der auf der Vorderseite der Verpackung stand. Und der ließ die Flocken ausgewogener und fitter aussehen, als sie waren. Doch diese Angabe bezog sich lediglich auf ein Portiönchen von 40 Gramm – ohne Milch. Auf 100 Gramm enthielt das Produkt nämlich 35,3 Gramm Zucker. Nährwertangaben in kleinen Portionsgrößen machen Lebensmittel schwer vergleichbar. Und sie erleichtern den Herstellern, vor allem den Zucker- und Fettgehalt zu schönen. Von 40 Gramm Frühstücksflocken jedenfalls werden die Wenigsten satt. Und wenn andere Hersteller den Fettgehalt nur für die halbe Pizza oder für nur eine Handvoll Kartoffelchips angeben dürfen, darf sich niemand wundern, wenn selbst die fettreichsten Produkte beinahe schlank daherkommen. Das ist dann angewandte Mathematik – zur Irreführung der Verbraucher.

Zuletzt geändert am 09.04.2014

 
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