Braucht der Mensch Zucker?

13.07.2017

Oliver Huizinga von foodwatch antwortet:

Als Zucker gelten in der EU alle sogenannten Mono- und Disaccharide, also Ein- und Zweifachzucker. Anders als häufig vermutet und vom Bundesernährungsministerium unterstellt wird, gibt es keine Notwendigkeit, Zucker als Lebensmittel aufzunehmen.

Richtig ist: Das menschliche Gehirn benötigt etwa 130 Gramm vom Einfachzucker Glucose am Tag. Der Körper ist jedoch in der Lage, diese Glucose aus Polysacchariden (Stärke) aufzuspalten, die beispielsweise in Brot oder Nudeln enthalten ist.  

Von einer hohen Zufuhr von Zucker wird abgeraten, da dies die Entstehung von Übergewicht, Fettleibigkeit und andere chronische Erkrankungen fördern kann. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, nicht mehr als 10 Prozent der täglichen Energiemenge durch sogenannte „freie Zucker“ aufzunehmen, besser noch wären maximal 5 Prozent. Freie Zucker sind alle in Form von Mono- oder Disaccharide zugesetzten Zucker sowie Zucker aus Honig, Sirup und Säften. Einfach ausgedrückt heißt das für eine erwachsene Frau mit einem Energiebedarf von 2000 kcal maximal 50 Gramm beziehungsweise besser noch 25 Gramm Zucker am Tag. 

Konsum zuckersüßer Limos viel zu hoch

Die Amerikanische Herzgesellschaft (American Heart Association) empfiehlt für Kinder und Jugendliche maximal 25 Gramm zugesetzte Zucker am Tag. Zudem hat sie eine konkrete Empfehlung für den Verzehr von zuckergesüßten Getränken durch Kinder und Jugendliche: maximal 240 Milliliter pro Woche.  Von dieser Empfehlung ist der tatsächliche Verzehr weit entfernt. Jungen zwischen 12 und 17 Jahren konsumieren in Deutschland durchschnittlich knapp einen halben Liter (484 Milliliter) zuckergesüßte Limonaden pro Tag.  Das ist etwa 14 Mal so viel wie empfohlen! 

Es ist wenig verwunderlich, dass gerade Kinder und Jugendliche sich unausgewogen ernähren: Die Lebensmittelwirtschaft betreibt gezieltes Marketing mit Comicfiguren und Fußballstars, was nachweislich deren Geschmacksvorlieben beeinflusst. foodwatch setzt sich unter anderem dafür ein, dass diese an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung nur noch für gesunde, ausgewogene Lebensmittel erlaubt ist. 

 
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