FAQ

Nutri-Score: Fragen & Antworten

foodwatch/ Ronald Talasz

Was ist der Nutri-Score? Wie funktioniert diese Kennzeichnung für Lebensmittel in den Ampelfarben? Lies hier die Antworten von foodwatch auf diese und andere Fragen.

Der Nutri-Score ist eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben auf der Packungsvorderseite. Er macht es uns leichter zu erkennen, wie ausgewogen oder unausgewogen ein Lebensmittel ist. Das ist besonders bei verarbeiteten Lebensmitteln hilfreich. Er kann dir als Orientierungshilfe dienen, um dich für das ausgewogenere Lebensmittel einer Produktkategorie zu entscheiden. Du kannst anhand der Ampelfarbe das Joghurt mit wenig Zucker und Fett leichter von seinen fetten und übersüßten Konkurrenten unterscheiden.

Im Supermarkt können wir nicht auf einen Blick erkennen, wie ausgewogen ein Lebensmittel ist. Die Nährwerttabellen mit Angaben zu Zucker, Fett und Salz finden sich in der Regel im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung. Für Laien sind sie kaum verständlich und schwer zu interpretieren. Die Nährwertqualität verschiedener Produkte lässt sich so nur schwer miteinander vergleichen. Das trägt dazu bei, dass Fehlernährung weit verbreitet ist – und in der EU mehr als die Hälfte der Erwachsenen und etwa jedes fünfte Schulkind übergewichtig oder sogar fettleibig sind. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Nutri-Score die verständlichste Form der Nährwertkennzeichnung ist. Er hilft uns dabei, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen.

Für die Erstellung des Nutri-Scores werden günstige Nährstoffe, die wir reichlich zu uns nehmen sollten, mit ungünstigen Nährstoffen, die wir nur in kleinen Mengen verzehren sollten, verrechnet. Gerechnet wird auf 100 Gramm oder 100 Milliliter. Positiv zu Buche schlagen sich Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse. Negativ bewertet werden etwa gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz. Das Ergebnis wird in eine fünfstufige Farbskala übersetzt, die mit den Buchstaben A bis E hinterlegt ist. Eher ausgewogene Produkte bekommen ein dunkelgrünes A oder ein hellgrünes B, im mittleren Bereich gibt es ein gelbes C, und eher unausgewogene Produkte wie Süßigkeiten oder fette Snacks bekommen ein oranges D oder sogar ein rotes E.

Die französische Regierung hat in einer groß angelegten Studie  unter realen Einkaufsbedingungen gezeigt, dass der Nutri-Score nachweislich zu einem gesünderen Einkaufsverhalten führt. Dafür wurden in 60 Supermärkten fast zwei Millionen Verpackungen mit verschiedenen Nährwertkennzeichnungen versehen – der Nutri-Score hat dabei den stärksten positiven Einfluss auf das Einkaufsverhalten gezeigt: Die Menschen kauften gesündere Produkte.

Derzeit sind in Österreich nur einzelne Produkte verschiedener Hersteller mit dem Nutri-Score gekennzeichnet. Die österreichische Regierung hat den Nutri-Score bisher nicht offiziell als erweiterte Nährwertkennzeichnung empfohlen. Das bedeutet auch, dass Unternehmen, die den Nutri-Score verwenden wollen, das nicht – wie beispielsweise in Frankreich, Belgien oder Deutschland – rechtssicher tun können. Das muss sich ändern, damit auch österreichische Konsument*innen mithilfe des Nutri-Scores gesündere Kaufentscheidungen treffen können.

Bisher hat die Einführung des Nutri-Score-Systems vielen Herstellern einen Anreiz geboten, den Zucker-, Fett- und Salzgehalt ihrer Produkte zu reduzieren. Die Unternehmen haben auch den Nutri-Score ihrer Produkte verbessert, indem sie den Obst- und Gemüseanteil erhöht und mehr Ballaststoffe hinzugefügt haben. Das sind wünschenswerte Ergebnisse. Expert*innen sind sich einig, dass der Konsum von Zucker, Fett und Salz reduziert werden soll, während Obst, Gemüse und Ballaststoffe in größeren Mengen gegessen werden sollen.

Die Lebensmittelunternehmen suchen aber auch nach kostengünstigen Lösungen, um den Nutri-Score ihrer Produkte zu verbessern. Obwohl es noch keine schlüssigen Studien zu diesem Thema gibt, ist der vermehrte Einsatz von Zusatzstoffen, wie Süßungsmittel und Geschmacksverstärker, in bestimmten Produktgruppen wahrscheinlich.

Der Nutri-Score kann nicht alle Mängel der Lebensmittelgesetze beheben

Als Nährwertkennzeichnung enthält der Nutri-Score keine Informationen über Zusatzstoffe. Klar ist, dass das Label nicht alle Mängel in der europäischen Lebensmittelgesetzgebung beheben kann. Um die europäischen Konsument*innen vor der übermäßigen Verwendung von Zusatzstoffen und den damit verbundenen möglichen Gesundheitsrisiken zu schützen, brauchen wir eine entsprechende Gesetzgebung: Sie muss die Verwendung und Kennzeichnung von Zusatzstoffen in unseren Lebensmitteln streng regeln – foodwatch fordert das seit vielen Jahren.

Der Nutri-Score bewertet die in Getränken enthaltenen Nährstoffe – positive wie negative. Apfelsaft wird mit einem gelben C bewertet, denn er enthält zwar viel Frucht und damit günstige Nährwerte, aber mit 110 Gramm je Liter auch sehr viel Zucker. Das ist fast doppelt so viel, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Getränke festlegt. Expert*innen empfehlen deshalb, Fruchtsäfte mit Wasser gespritzt zu trinken.

Coke light bekommt ein hellgrünes B. Der Grund: Das Produkt ist zuckerfrei und enthält schlicht gar keine Nährwerte – weder günstige noch ungünstige. Lediglich Wasser erhält ein dunkelgrünes A, also den besten Nutri-Score. Zum Vergleich: Ein normales Cola enthält ähnlich viel Zucker wie Apfelsaft (106 Gramm je Liter), aber im Gegensatz zum Saft keine gesundheitsförderlichen Bestandteile. Cola wird deshalb mit einem roten E gekennzeichnet.

Und was ist mit Getränken mit Süßstoff? Auch süßstoffgesüßte Getränke sind keine gesunden Durstlöscher, Süßstoffe fördern nämlich die Gewöhnung an Süßes. Außerdem sind ihre langfristigen gesundheitlichen Wirkungen noch nicht erforscht. foodwatch fordert daher, dass Süßstoffe bei der Berechnung des Nutri-Scores für Getränke zu einer Abwertung führen.

Eine Expert*innenkommission aus allen Ländern, die den Nutri-Score als offizielles Kennzeichnungssystem verwenden, wird die Bewertungskriterien des Nutri-Scores überarbeiten. 

Teile der Lebensmittelindustrie lobbyieren immer noch massiv gegen die verpflichtende Einführung des Nutri-Scores. Andere versuchen den Nutri-Score zu verwässern. foodwatch wird genau beobachten, ob die Kommission ausschließlich aus unabhängigen Expert*innen besteht und frei von wirtschaftlichen Einflüssen bleibt. Denn nur ein Lebensmittelkennzeichnungssystem jenseits von Lobbyinteressen einzelner Konzerne kann objektiv sein.

Länder wie Deutschland, Frankreich oder Belgien haben den Nutri-Score schon freiwillig eingeführt. In Österreich zeigten bisherige Bundesregierungen noch keine Bemühungen, eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung auf Lebensmitteln einzuführen. Wir von foodwatch finden: Es ist höchste Zeit, dass der Nutri-Score auch in Österreich eingeführt wird. Wir fordern die österreichische Bundesregierung auf, das schnellstmöglich zu tun.

Nein, die Unternehmen müssen für die Nutzung des Nutri-Scores nichts zahlen. Es gibt für sie keine Lizenzgebühren.