Hintergrund

Warum es den Nutri-Score dringend braucht

foodwatch/ Ronald Talasz

Übergewicht und Adipositas – also sehr starkes Übergewicht – haben in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Die Zahl der Menschen, die an der Krankheit Adipositas leiden, hat sich zwischen 1980 und 2008 weltweit beinahe verdoppelt. In Österreich ist schon fast jeder zweite Erwachsene übergewichtig oder sogar adipös. Das besagt der letzte österreichische Ernährungsbericht  aus dem Jahr 2017.

Die Lebensmittelindustrie hat ihren Anteil daran

Ein wesentlicher Grund dafür ist Fehlernährung. Die Lebensmittelindustrie trägt teils erheblich dazu bei, indem sie unausgewogene, viel zu süße Produkte vermarktet, an denen sie meist gut verdient. Und indem sie durch oftmals irreführende Produktverpackungen die gesündere Wahl am Regal erschwert. foodwatch findet: Eine leicht verständliche Ampelkennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung würde es uns Konsument*innen wesentlich erleichtern, uns für ausgewogenere Lebensmittel zu entscheiden.

Im Alltag wird es uns unnötig schwer gemacht, uns gesund zu ernähren: Kalorienreiche, stark verarbeitete, überzuckerte Lebensmittel werden immer wieder und immer wieder angepriesen und sind fast überall verfügbar. Die Nährwerttabellen auf den Verpackungen sind für uns Laien schwer verständlich. Sie helfen uns nicht, uns im Supermarkt schnell für das ausgewogenere Produkt zu entscheiden. Die Lebensmittelindustrie tut ihr Übriges: Schon an Kinder und Jugendliche vermarkten viele Hersteller fast ausschließlich unausgewogene Lebensmittel. Das trägt sehr viel zur massiven Verbreitung von Fettleibigkeit bei. Die Folgen sind oft Diabetes Typ-2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

foodwatch fordert: 

Um eine gesündere Ernährung im Alltag zu fördern, muss die gesunde Wahl die einfachste Wahl sein. Statt freiwilliger Selbstverpflichtungen von Unternehmen brauchen wir verbindliche gesetzliche Regelungen: 

  • Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel beschränken! An Kinder gerichtetes Marketing sollte nur noch für ausgewogene Lebensmittel zugelassen werden, gemessen an den Nährwertkriterien der WHO-Europa.
  • Sonderabgaben auf gezuckerte Getränke müssen eingeführt werden! Stark gezuckerte Getränke sollen nach dem Vorbild Großbritanniens mit einer mengenorientierten Sonderabgabe belegt werden, damit die Hersteller den Zuckergehalt reduzieren. 
  • Eine verbindliche Ampelkennzeichnung muss EU-weit eingeführt werden! ​​​​​​​Eine gesetzlich verpflichtende vereinfachte Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben erleichtert uns Konsument*innen eine gesündere Kaufentscheidung. Der Nutri-Score​​​​​​​ ist das bislang beste Modell und europaweit im Kommen. Die Bundesregierung muss den Nutri-Score auch in Österreich einführen und sich auf EU-Ebene für eine verpflichtende Nutri-Score-Kennzeichnung stark machen.