Artikel 10.06.2021

Dein EM-Snack im Nutri-Score-Check

Fotos: Rotraud Priesner // Montage: foodwatch/Ronald Talasz

Tor für Team Tortilla-Chips – sie erhalten nach Maiswaffeln den besten Nutri-Score

10. Juni 2021 - Rechtzeitig zum Start der Fußball-EM hat sich foodwatch in den Supermarkt begeben und die Regale mit den Knabber-Sachen gecheckt. Wir haben zum Beispiel beliebte Chips, Popcorn und Nüsse auf ihren Nährwert abgeklopft und für sie den Nutri-Score errechnet.

EM-Snack im Nutri-Score Check

Bildergalerie 10.06.2021

Bald wird um die Fußball-Matches herum wieder ausgiebig Werbung für Kaltgetränke und dazu passende Snacks gemacht. Gekauft wird wohl, was schmeckt – und ein kleines bisschen mag bei dem einen oder der anderen auch das Gewissen mitspielen. Vielleicht diesmal doch die Fett-reduzierten Chips? Oder lieber zu den Grissini greifen?

Werbung und Aufmachung können Konsument*innen leicht in die Irre führen. Gerne präsentieren einige Hersteller ihre Snacks ausgewogener, als sie es vielleicht sind. Für diejenigen, die wissen wollen, wie ausgewogen ihre Lieblings-Knabbereien wirklich sind, hat foodwatch den Nutri-Score berechnet. Der „übersetzt“ die Nährstoffzusammensetzung in Ampelfarben. Und da kommt so manches Unerwartetes zu Tage. Wer zum Beispiel gedacht hat, Salzcracker schneiden auf jeden Fall besser ab als Chips, wird überrascht sein: Manchmal haben die Chips sogar die Nase vorne.

Klassische Chips spielen oft im Mittelfeld – und sind besser als manche Gemüse-Chips

Klarer Sieger im foodwatch EM-Check sind die einfachen Maiswaffeln. Sie bekommen als einzige ein dunkelgrünes A. Bei den klassischen Knabber-Sachen schneiden Tortilla-Chips am besten ab: drei von vier bekommen ein hellgrünes B.  Kartoffel-Chips spielen oft im Mittelfeld: ein Teil bekommt ein gelbes C, ein Teil ein oranges D. Ganz schlecht schaut’s nur bei Erdnüssen im Teigmantel aus. Die bekommen ein dunkelrotes E.

Wie kann das sein?

Um einen Gesamteindruck über die Nährstoffzusammensetzung zu bekommen, hat ein Team von Wissenschafter*innen in Frankreich vor ein paar Jahren den Nutri-Score entwickelt. Er rechnet günstige Nährstoffe und Zutaten wie Obst, Gemüse, Eiweiß und Ballaststoffe gegen ungünstige wie gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker auf. Auch der Energiegehalt fällt ins Gewicht. Es kommt also nicht nur auf den Fettanteil in den Chips an. Auch der Salzgehalt spielt eine Rolle. Und bei „kreativen“ Knabbereien geben Hersteller gerne mal Zucker in die Zutatenliste, um den Geschmack aufzupeppen.

Die „rote Karte“ gibt’s nur beim Fußball

Anders als beim Fußball muss aber keine Knabberei das Feld – sprich das Snackbuffet – räumen. Auch nicht, wenn es ein rotes E gibt. Die Entwickler*innen des Nutri-Score weisen darauf hin, dass solche Produkte einfach weniger konsumiert werden sollten. Auch foodwatch gibt mit dem EM-Snack-Check keine Empfehlung für oder gegen ein bestimmtes Produkt ab.

Herr Minister Mückstein, bringen Sie den Nutri-Score auf den Weg – damit auch österreichische Hersteller „mitspielen“ dürfen!

Dass foodwatch derzeit noch selber rechnen muss, liegt daran, dass Unternehmen derzeit noch keine Rechtssicherheit in Österreich haben, wenn sie den Nutri-Score verwenden wollen. foodwatch hat vor einigen Wochen Minister Mückstein getroffen und ihm vermittelt, wie dringend es diese Rechtssicherheit braucht. Im Gegensatz zu Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden dürfen heimische Hersteller den Nutri-Score derzeit noch nicht verwenden. Mit diesem EM-Snack -Check haben wir Minister Mückstein noch einmal öffentlich dazu aufgefordert, rasch die nächsten Schritte einzuleiten, damit es bald auch in österreichischen Supermarktregalen mehr Produkte mit dem Nutri-Score gibt. Wir bleiben dran!