Artikel 06.05.2022

Stoppen wir gemeinsam die Gentechnik-Lobby!

foodwatch/Ronald Talasz

Die Gentechnik-Lobby arbeitet an ihrem nächsten Coup: Sie setzt gerade alles daran, dass „neue“ Gentechnik ohne Sicherheitsprüfung und ohne Kennzeichnung in den Supermarktregalen landet. Die EU-Kommission hat ihr Ohr sehr nah bei der Gentechnik-Lobby. Bald schon könnte sie den Lobbyisten nachgeben. Noch kann Österreichs Regierung das verhindern.

Schon bald könnten gentechnisch veränderte Lebensmittel in den Supermarktregalen landen – ohne dass wir es erfahren. Das wollen wir nicht zulassen.

Die Gentechnik-Lobby will die verpflichtende Risikoprüfung und Kennzeichnung für „neue“ gentechnisch veränderte Pflanzen, Tiere und Lebensmittel abschaffen. Sie bearbeitet gerade mit Hochdruck die EU-Kommission. Kommt sie damit durch, kaufen wir bald gentechnisch veränderte Lebensmittel, ohne es zu wissen.

Mehr noch: Selbst Bauern und Bäuerinnen wissen dann nicht mehr, ob sie Gentechnik anbauen. Lebensmittelhersteller erfahren nicht mehr, ob ihre Zutaten gentechnisch verändert sind. Und wir Konsument*innen haben keine Chance mehr herauszufinden, wo Gentechnik drin ist und wo nicht.

Die Gentechnik-Lobby setzt gerade alles daran, die EU-weiten Gesetze aufzubrechen. Und sie könnte Erfolg haben. Die EU-Kommission hat ihr Ohr sehr nah an denjenigen, die von der „neuen“ Gentechnik profitieren. Schon bald könnte sich entscheiden, ob die Gesetze – entsprechend den Wünschen der Gentechnik-Industrie – neu geschrieben werden. Die nächsten Wochen sind entscheidend.

Noch kann die österreichische Bundesregierung etwas dagegen tun. Sie muss sich jetzt bei der EU-Kommission für unsere Rechte als Konsument*innen einsetzen: für sichere Lebensmittel, klare Informationen und die Möglichkeit, sich zu entscheiden. Die zuständigen Ministerinnen Leonore Gewessler und Elisabeth Köstinger sowie Minister Johannes Rauch müssen sich für ein klares Nein zum Aufbrechen der Gentechnikgesetze aussprechen.

Was wurde uns nicht alles versprochen: Als die Gentechnik-Industrie in den 1990ern die ersten Trans-Gen-Pflanzen auf den Markt bringen wollte, kündigte sie wahre Wunder an. Die Gentechnik würde beständig mehr Erträge liefern, die Pflanzen würden Dürre standhalten, sogar der Welthunger wäre mit Gentechnik zu besiegen. Nichts davon ist eingetroffen. Stattdessen wachsen auf den Gentechnik-Feldern kaum bezwingbare Super-Unkräuter. Der Pestizid-Einsatz ist massiv gestiegen. Bauern und Bäuerinnen haben ihr Saatgut, ihre Ernte und ihre Lebensgrundlage verloren.

2012 ist eine neue Gentechnik aufgetaucht: CRISPR/Cas. Wieder sollen die tollsten Dinge möglich sein: von der Wiederauferstehung des Mammuts bis zur klimafitten Pflanze. Nichts davon ist bisher gelungen. Auf unerwünschte Nebenwirkungen wird viel zu wenig geachtet. Dabei gibt es schon jetzt Hinweise auf unbeabsichtigte Veränderungen bei Pflanzen und Tieren.

Doch die Gentechnik-Lobby wittert ihre neue Chance. Weil die „alte“ Gentechnik nicht sehr beliebt ist, versucht man aus der „neuen“ Profite zu schlagen. Möglichst unerkannt soll sie in die Supermarktregale wandern. Ohne Risikoprüfung, ohne Kennzeichnung. Damit das gelingt, versuchen die Gentechnik-Konzerne mit aller Kraft, die „neue“ Gentechnik aus dem EU-Gentechnik-Gesetz raus zu lobbyieren.

Das EU-Gentechnik-Gesetz besagt: gentechnisch veränderten Organismen müssen auf ihre Risiken für Mensch, Tier und Umwelt überprüft werden. Sie müssen ein Zulassungsverfahren durchlaufen und sie müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Egal ob „alte“ oder „neue“ Gentechnik: auf dem Saatgutsack beim Großhändler, auf dem Futtermittelsack für die Schweine oder auf der verpackten Schokolade muss draufstehen, wenn Gentechnik drin ist.

Geht es nach der Gentechnik-Lobby, soll das für die „neue“ Gentechnik nicht mehr gelten. Lassen wir nicht zu, dass sie mit ihren Plänen durchkommen. Wo Gentechnik drin ist, muss auch Gentechnik draufstehen. Egal ob „alt“ oder „neu“.

Die „neue" Gentechnik bringt absurde Dinge hervor: Im Jänner 2021 haben die japanischen Behörden eine CRISPR-Tomate zum Verzehr freigegeben. Die gentechnisch veränderte Tomate soll den Blutdruck senken. Dafür verantwortlich ist die γ-Aminobuttersäure (GABA). Sie wirkt auf das Zentralnervensystem. Ob der Verzehr der Tomate auch unerwünschte Nebenwirkungen hat, darauf wurde nicht geachtet. Geht es nach den Wünschen der Gentechnik-Lobby, wären die jetzt noch verpflichtenden Sicherheits-Checks auch in der EU bald Geschichte. Doch die österreichische Regierung kann das noch verhindern. Denn egal ob alte oder neue Methoden: Gentechnik-Lebensmittel müssen weiterhin auf ihre Risiken geprüft und klar gekennzeichnet werden!

Unterzeichne jetzt unsere Petition!

Weil wir Konsument*innen ein Recht auf klare Informationen zu unseren Lebensmitteln haben.