Auch Belgien führt Lebensmittelampel ein

23.08.2018

Nach Großbritannien und Frankreich führt auch Belgien eine Nährwert-Ampel für Lebensmittel ein. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner wehrt sich hingegen mit Händen und Füßen gegen eine farbliche Kennzeichnung von Zucker, Salz & Co – und das, obwohl Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen ein Ampel-System schon seit Jahren fordern, und auch die Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Ampel will. 

foodwatch forderte Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, ihren Widerstand gegen eine Lebensmittelampel aufzugeben. Stattdessen soll sie sich auf europäischer Ebene für eine verpflichtende Kennzeichnung stark machen. Weil die Pflicht zur Nährwertkennzeichnung EU-weit einheitlich geregelt ist, können Mitgliedsstaaten zusätzliche, farbbasierte Kennzeichnungsmodelle nur auf freiwilliger Basis einführen. Eine freiwillige Ampel haben Großbritannien und Frankreich – und nun auch Belgien.

Die neue belgische Ampel ist das sogenannte NutriScore-Modell: Das Modell wurde vergangenes Jahr von der französischen Regierung eingeführt und bereits von zahlreichen Unternehmen übernommen. 

NutriScore wurde von Wissenschaftlern entwickelt und nimmt eine Gesamtbewertung des Nährwertprofils eines Produktes vor, indem günstige und ungünstige Nährwertbestandteile mit Punkten bewertet und dann miteinander verrechnet werden. Schließlich wird das Ergebnis mit einer fünfstufigen Farbskala dargestellt, die zugleich mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist. Ein Produkt mit einem günstigen, ausgewogenen Nährwertprofil erhält somit eine grüne Einordnung und den Buchstaben A, ein sehr unausgewogenes Produkt enthält eine rote Bewertung und den Buchstaben E.

Das NutriScore-Modell unterscheidet sich damit von dem Ampel-Modell, das die englische Lebensmittelbehörde FSA bereits 2007 entwickelt hatte. Diese „Original-Ampel“ zeigt nicht eine einzige Farbskala, sondern vier: jeweils für die Zutaten Fett, gesättigte Fette, Zucker, Salz. Beide Systeme haben in einem großen Vergleichstest der französischen Regierung dazu geführt, dass Menschen gesünder einkaufen. 

„Ob NutriScore aus Frankreich oder die Original-Ampel aus Großbritannien: Entscheidend ist, dass wir ein von unabhängigen Experten entwickeltes System haben, das die Nährwerte eines Produkts mit einer farblichen Kennzeichnung direkt auf der Produktvorderseite darstellt und die Vergleichbarkeit von Produkten gewährleistet.“

Oliver Huizinga, Leiter Recherche & Kampagnen bei foodwatch

Ernährungsministerin Klöckner lehnt Ampel kategorisch ab

Ernährungsministerin Julia Klöckner lehnt eine Lebensmittelampel für Deutschland bislang ab. Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD das System der Nährwertkennzeichnungen für verpackte und verarbeitete Lebensmittel jedoch weiterentwickeln, indem der Gehalt „gegebenenfalls vereinfacht visualisiert wird“. Ein Modell dafür soll mit Lebensmittel- und Verbraucherverbänden sowie mit Rücksicht auf kleinere Anbieter bis Sommer 2019 erarbeitet werden.

Ärzteverbände, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen fordern schon länger verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht, etwa eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben oder auch eine Beschränkung der Lebensmittelwerbung an Kinder sowie eine Steuer auf gesüßte Getränke – wogegen sich die Lebensmittelindustrie vehement wehrt. 

Zucker runter in Limo!

Unterschriften

In Großbritannien müssen Hersteller überzuckerter Getränke ab 2018 eine Abgabe zahlen, mit der gesundes Schulessen finanziert wird. Diesem Beispiel sollte Deutschland folgen!  Mehr erfahren

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Danone führt NutriScore in Deutschland ein

Der Lebensmittelhersteller Danone will in Deutschland bereits ab Anfang 2019 das von Frankreich und Belgien eingeführte Nutriscore-Modell auf seine Verpackungen drucken. foodwatch begrüßt den Vorstoß des Lebensmittelkonzerns, forderte aber zugleich eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben vorzuschreiben, damit andere Hersteller nachziehen: Die Idee der Lebensmittel-Ampel sei es, dass Verbraucherinnen und Verbraucher im Supermarkt verschiedene Produkte schnell miteinander vergleichen können – das gehe nicht, wenn nur ein Hersteller die Ampel einführt.

„Pseudo-Ampel“ von Nestlé & Co

foodwatch warnt indes erneut vor dem von der Industrie selbst entwickelten Kennzeichnungsmodell – die Industrie-Ampel- So möchten die fünf großen Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mondelez, Nestlé, PepsiCo und Unilever ein eigenes Ampel-System einführen, das auf Basis von Portionsgrößen berechnet wird. Selbst ein Produkt wie Nutella, das zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, würde mit dieser Industrie-Kennzeichnung jedoch keine einzige rote Ampel erhalten. Die geplante Fake-Ampel von Nestlé, Cola & Co. ist deshalb nicht die Lösung. Dort steht lediglich Ampel drauf, ist aber nur Verbrauchertäuschung drin!

05.01.2018

So trickst die Industrie-Ampel

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