Erster Hersteller nennt Herkunft aller Zutaten auf dem Etikett

07.09.2015

Der Tiefkühlkosthersteller Frosta hat als erster deutscher Lebensmittelproduzent angekündigt, die Herkunft seiner Zutaten auf der Verpackung auszuweisen. Ab sofort soll nach und nach aufgelistet werden, aus welchen Ländern die Rohstoffe für das entsprechende Gericht bezogen wurden. foodwatch fordert seit langem eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für die wichtigsten Zutaten.

Woher kommen meine Lebensmittel? Fast jeder Verbraucher möchte das wissen. 88 Prozent der Befragten stufen Angaben zur Herkunft der wichtigsten Zutaten eines Produkts als wichtig ein – der höchste Wert nach einer Information über alle verwendeten Zutaten, wie eine repräsentative Umfrage von TNS Emnid für foodwatch im August 2014 ergab. Allein: Die Herkunft der Zutaten veratten die meisten Etiketten nicht.

Seit langer Zeit sind die EU-weiten Vorgaben zur Herkunftskennzeichnung Gegenstand eines erbitterten Streits. Vor einigen Jahren scheiterte eine Initiative des EU-Parlaments zu mehr Transparenz bei Lebensmitteln am Druck der Lebensmittellobby. Das Hauptargument der Industrielobbyisten: Zu hohe Kosten. Die Europäische Kommission machte sich das zu eigen, sprach in einem im Mai 2015 veröffentlichten Bericht an das Europaparlament von 10 bis 30 Prozent Mehrkosten für die Hersteller pro Produkt. 

Geht nicht gibt's nicht mehr

Die Frosta-Initiative zeigt: Gehnt nicht gibt's nicht mehr. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sagte der Chef des Bremerhavener Mitteelständlers: „Der Aufwand ist überschaubar. Wir drucken die Zutatenliste jetzt einfach direkt auf die schon vorhandene Verpackung, das kostet pro Verpackung nur wenige Cent.“ Frosta straft damit die gesamte europäische Lebensmittelbranche sowie die Europäische Kommission Lügen.

Rückverfolgbarkeit mangelhaft umgesetzt

An den Kosten kann es also nicht liegen – eher schon an der mangelhaft umgesetzten Rückverfolgbarkeit. Das europäische Lebensmittelrecht verpflichtet die Branche eigentlich zu einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit. Zuletzt hatte der Pferdefleischskandal gezeigt, wie es darum bestellt ist: Tagelange, mühsame Recherchen waren erforderlich, um die Lieferwege für die Zutaten von Fertiggerichten zu ermitteln. Denn de facto haben viele Hersteller keinen Überblick darüber, wo ihre Zutaten herkommen, zu viele Lieferanten und Sub-Lieferanten stehen zwischen ihnen und den Erzeugern. Lückenlose Rückverfolgbarkeit aber heißt, die gesamte Kette nachvollziehen zu können. Offenbar weil dies nicht umgesetzt ist, wehrt sich die Branche gegen eine transparente Kennzeichnung der Herkunft auf der Verpackung.

foodwatch fordert verbindlichen EU-Standard

foodwatch meint: Der Frosta-Standard muss umgehend zum EU-Standard werden. Wir brauchen gesetzlich verpflichtende Herkunftsangaben für die Hauptzutaten von Lebensmitteln, damit alle Verbraucher wissen, woran sie sind. Das bringt auch ein Mehr an Lebensmittelsicherheit, weil eine Kennzeichnungspflicht die Lebensmittelwirtschaft endlich dazu zwingen würde, lückenlos funktionierende Rückverfolgbarkeitssyteme einzurichten.

 

(mit dpa; Foto: Screenshot Frosta-Website zutatentracker.de)

 
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