Schädliche Transfette in Donuts, Berliner & Co

19.04.2017

foodwatch hat bei einem Labortest nur geringe Mengen industrieller Transfette in Donuts, Berlinern und Croissants von Bäckerei- und Fastfood-Ketten festgestellt. Doch Grund zur Entwarnung gibt es nicht: Laut Behörden-Tests sind „Fettgebäcke aus Hefe“ (also Krapfen, Berliner oder Schmalzkuchen) noch immer zum Teil stark mit schädlichen Transfetten belastet.  Der WHO zufolge erhöht kein anderer Nährstoff je Kalorie das Risiko für Herzkrankheiten so sehr wie Transfette.

foodwatch hat beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Messdaten aus den Jahren 2014-2017 abgefragt und die Ergebnisse zu insgesamt 2.633 Proben erhalten. „Fettgebäcke aus Hefe“ enthielten im Durchschnitt mehr als zehn Prozent Transfettsäuren im Fettanteil, in manchen Fällen sogar mehr als 30 Prozent. Der in Dänemark und zahlreichen anderen Ländern geltende Grenzwert für industrielle Transfette liegt hingegen bei lediglich zwei Prozent. Margarinen und Streichfette enthielten geringe Mengen an Transfettsäuren, Pommes frites hingehen erhöhte Mengen.

foodwatch-Test findet nur leicht erhöhte Werte 

Auch bei den von foodwatch getesteten Donuts und Berlinern von unter anderem McDonald's, Burger King, Dunkin' Donuts, Back Factory und Kamps lag der Anteil der Transfettsäuren am Fettanteil bei unter zwei Prozent. Die großen Bäckerei- und Fastfoodketten haben das Problem offenbar im Griff. Leicht erhöhte Werte wurden bei Butter-Croissants gefunden. Diese sind auf die natürlicherweise in Butter enthaltenen Transfettsäuren zurückzuführen. Nach aktuellem Wissenstand sind natürlich vorkommende Transfette weniger kritisch als industrielle Transfette. Industrielle Fette entstehen vor allem durch das Härten pflanzlicher Öle. Lebensmittel wie Popcorn, Kekse, Croissants, Pommes, Berliner oder Donuts können beispielsweise höhere Mengen enthalten.

Deutschland wehrt sich gegen verbindliche Grenzwerte

In Deutschland sind die Gehalte von industriellen Transfettsäuren und der Anteil an Transfettsäuren in der Ernährung in den vergangenen Jahren gesunken. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist die Höhe der derzeitigen Aufnahme von Transfetten unbedenklich. Nichtsdestotrotz nehmen etwa acht Millionen Menschen in Deutschland mehr Transfettsäuren über Lebensmittel auf als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen. Weitere Anstrengungen zur Reduzierung der Gesamtzufuhr von Transfettsäuren seien dementsprechend sinnvoll, erklärte die DGE noch im Mai 2016.

Das Europäische Parlament, die Europäische Verbraucherschutzorganisation BEUC, das European Heart Network und auch die Lebensmittelkonzerne Mondelez, Kellogg’s, Mars und Nestlé haben sich für verbindliche, EU-weite Grenzwerte nach dem Vorbild Dänemarks ausgesprochen. Auch foodwatch schließt sich der Forderung an. Die EU-Kommission hat in einem Bericht deutlich gemacht, dass gesetzliche Grenzwerte der beste Weg sind, um die Verbraucherinnen und Verbraucher vor schädlichen Transfetten zu schützen.

„Die Minimierung von industriellen Transfetten in Backwaren ist problemlos möglich, das zeigt unser Labortest. Aber deutsche Behörden finden in Krapfen und Co. noch immer hohe Mengen der gefährlichen Fette. Solange es keine Grenzwerte gibt, haben die Behörden in diesen Fällen keine Handhabe. Die EU-Kommission, das Europaparlament, ja sogar große Lebensmittelkonzerne haben sich für EU-weite Höchstwerte für industrielle Transfettsäuren ausgesprochen. Nur Deutschland sträubt sich, klar Position zu beziehen.“

Oliver Huizinga, Campaigner bei foodwatch

 
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