FAQ

„Nutri-Score“: Fragen & Antworten

Der Nutri-Score ist eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben. Verbraucherinnen und Verbraucher können damit auf der Packungsvorderseite auf einen Blick erkennen, wie ausgewogen oder unausgewogen ein Lebensmittel ist – insbesondere bei verarbeiteten Produkten. Was der Nutri-Score bringt – und wieso die Kritik der Lebensmittellobby ins Leere läuft, erklären wir in diesen Fragen & Antworten.

Fotostrecke: So entlarvt die Nutri-Score-Ampel ungesunde Produkte

18.03.2019

Der Nutri-Score ist eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben. Verbraucherinnen und Verbraucher können damit auf der Packungsvorderseite auf einen Blick erkennen, wie ausgewogen oder unausgewogen ein Lebensmittel ist – insbesondere bei verarbeiteten Produkten.

Im Supermarkt können Verbraucherinnen und Verbraucher nicht auf einen Blick erkennen, wie ausgewogen ein Lebensmittel ist. Denn die Nährwerttabellen mit Angaben zu Zucker, Fett, Salz oder Kohlenhydraten finden sich in der Regel im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung. Für den Laien sind sie kaum verständlich. Die Nährwertqualität verschiedener Produkte lässt sich so nur schwer miteinander vergleichen. Das trägt dazu bei, dass Fehlernährung weit verbreitet ist – und mehr als die Hälfte der Erwachsenen sowie etwa jedes fünfte Schulkind in der EU übergewichtig oder sogar fettleibig sind. Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Nutri-Score die verständlichste Form der Nährwertkennzeichnung ist. Er hilft Verbraucherinnen und Verbrauchern dabei, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen.

Für die Berechnung des Nutri-Scores werden günstige Nährstoffe, die man reichlich zu sich nehmen sollte, mit ungünstigen Nährstoffen, die nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten, verrechnet. Positiv zu Buche schlagen Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gemüse, negativ bewertet werden etwa gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz. Das Ergebnis wird in eine fünfstufige Farbskala, die mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist, übersetzt. Eher ausgewogene Produkte erhalten ein dunkelgrünes A oder hellgrünes B, im mittleren Bereich gibt es ein gelbes C und eher unausgewogene Produkte wie Süßwaren oder fettige Snacks bekommen ein orangenes D oder gar ein rotes E

Im Gegenteil: Der Nutri-Score trägt zur Mündigkeit von Verbraucherinnen und Verbrauchern bei. Denn er bietet auf einen Blick Informationen darüber, wie ausgewogen oder unausgewogen ein Produkt ist. Der Nutri-Score spricht keine Verbote aus. Sondern er hilft – insbesondere bei verarbeiteten Produkten wie Fruchtjoghurts, Tiefkühlpizzen oder Frühstücksflocken – auf einen Blick das ausgewogenere Produkt zu erkennen, ohne mit viel Zeitaufwand und Fachwissen Nährwerttabellen studieren zu müssen.

Innerhalb einer Produktkategorie gibt es mitunter große Unterschiede bei den Nährwerten: Ein Erdbeerjoghurt kann doppelt so viel Zucker, doppelt so viel Kalorien und vier Mal so viel gesättigte Fette wie der Erdbeerjoghurt einer anderen Marke enthalten – der Nutri-Score zeigt das unausgewogenere Produkt auf einen Blick. Nicht zuletzt macht es der Nutri-Score Anbietern schwerer, Verbraucherinnen und Verbraucher mit irreführenden Werbeversprechen zu täuschen. Denn die Nutri-Score-Ampel entlarvt auf einen Blick, wenn Zuckerbomben als gesund beworben werden.

Ja, die Nutri-Score-Bewertung stimmt beispielsweise mit den allgemeinen Ernährungs-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bei den allermeisten Produkten überein. Das hat die Auswertung von rund 8.500 Lebensmitteln auf dem deutschen Markt ergeben. Lebensmittel, deren Verzehr die DGE empfiehlt, wurden auch vom Nutri-Score als die bessere Wahl eingestuft. So erhielten rund 80 Prozent der Produkte, die vor allem aus Obst und Gemüse bestehen, den Nutri-Score A oder B. Demgegenüber wurden Produkte, deren Verzehr laut DGE eingeschränkt werden sollte, schlechter bewertet, zum Beispiel erhielt ein Großteil der zuckrigen Snacks (93 Prozent) den Nutri-Score D oder E

Eine hundertprozentige Übereinstimmung ist weder möglich noch wünschenswert, denn allgemeine Ernährungsleitlinien und eine vereinfachte Nährwertkennzeichnung wie der Nutri-Score haben unterschiedliche Zielsetzungen und verhalten sich eher komplementär zueinander. 

Wenn beispielsweise Ernährungsrichtlinien empfehlen, regelmäßig Fisch und Joghurt zu essen, dann hilft der Nutri-Score beim Einkauf dabei, den weniger stark gesalzenen Fisch oder den zuckerärmeren Joghurt zu wählen. 
 

Der Nutri-Score bewertet die in Getränken enthaltenen Nährstoffe – positive wie negative. Ein Apfelsaft wird mit einem gelben C bewertet, denn er enthält zwar viel Frucht und damit auch günstige Nährwerte, aber mit 110 Gramm je Liter auch extrem viel Zucker. Saft ist nun mal kein gesunder Durstlöscher und sollte nur in kleinen Mengen oder stark mit Wasser verdünnt getrunken werden. Coke light bekommt ein B. Denn das Produkt ist zuckerfrei und enthält schlicht gar keine Nährwerte – weder günstige noch ungünstige. Lediglich Wasser erhält den besten Nutri-Score „A“.

Zum Vergleich: Eine reguläre Coca-Cola enthält ähnlich viel Zucker wie Apfelsaft (106 Gramm je Liter), aber im Gegensatz zu Saft keinerlei gesundheitsförderlichen Bestandteile. Coca-Cola wird deshalb mit einem roten „E“ gekennzeichnet.

Wichtig zu wissen: Auch süßstoffgesüßte Getränke sind keine gesunden Durstlöscher, denn Süßstoffe fördern die allgemeine Süßgewöhnung. Zudem sind ihre langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen noch nicht erforscht. Um Fehlanreize zu vermeiden, fordert foodwatch daher, dass die Verwendung von Süßstoffen bei der Berechnung des Nutri-Scores für Getränke zu einer Abwertung führt.

Der Nutri-Score bewertet die Nährwerte des Produkts, so wie es im Regal liegt. Die tiefgekühlten Pommes-Frites sind zunächst nur ungesalzene Kartoffeln mit ein wenig Öl und daher durchaus ausgewogen. Man kann Pommes ohne zusätzliches Fett und Salz im Ofen zubereiten, oder sie frittieren und reichlich salzen – dann erst werden sie zu einem unausgewogenen, da fettigem und salzigem Snack. Ähnlich verhält es sich bei Fischstäbchen, die in der Zubereitung entweder im Ofen (ohne extra Fett) oder in der Pfanne (mit Öl) zubereitet werden können. Den Einfluss verschiedener Zubereitungsarten auf die Nährwertqualität kann der Nutri-Score nicht abbilden, aber er hilft sehr gut dabei, das ausgewogenere Produkt zu wählen: So gibt es Vollkorn-Fischstäbchen mit der Note „A“, herkömmliche Fischstächen mit einem „B“ und Backfischstäbchen mit der Bewertung „C“.

Die mediterrane Küche gilt als besonders gesund und ausgewogen, da sie sich durch den hohen Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und (Vollkorn-) Getreide, den mäßigen Verzehr von Fisch und Milchprodukten, sowie den geringen Verzehr von Fleisch und sehr zuckrigen, fettigen und salzigen Produkten auszeichnet. Bei Ölen werden zudem Pflanzenöle wie Olivenöl bevorzugt. Dies stimmt gänzlich mit der Klassifizierung durch den Nutri-Score überein, der fett-, zucker- und salzarme Lebensmittel sowie ballaststoffreiche Gerichte, Obst und Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse günstiger bewertet. Olivenöl bekommt wie Raps- und Walnussöl ein gelbes C, was die beste Bewertung innerhalb der Kategorie „Öle“ ist (denn auch wenn Olivenöl ein vergleichsweise gesundes Öl ist, sollte es z.B. im Vergleich zu Obst und Gemüse eher in kleineren Mengen konsumiert werden). Wenn z.B. einige italienische Politiker behaupten, der Nutri-Score wäre ein Angriff auf die mediterrane Diät, weil traditionell hergestellte Produkte wie Prosciutto, Parmesan oder Gorgonzola eine schlechte Bewertung bekommen, dann ist das irreführend. Der Nutri-Score gibt lediglich die Nährwertqualität dieser Produkte wieder, die eben tatsächlich sehr fettig und salzig sind und daher auch innerhalb der mediterranen Ernährung in geringeren Mengen konsumiert werden sollten.

Bislang hat die Einführung des Nutri-Score-Systems vielen Herstellern einen Anreiz geboten, den Zucker-, Fett- und Salzgehalt ihrer Produkte zu reduzieren. Die Unternehmen haben auch den Nutri-Score ihrer Produkte verbessert, indem sie den Obst- und Gemüseanteil erhöht und mehr Ballaststoffe hinzugefügt haben. Dies sind wünschenswerte Ergebnisse, denn Experten sind sich einig, dass der Konsum von Zucker, Fett und Salz reduziert werden sollte, während Obst, Gemüse und Ballaststoffe in größeren Mengen verzehrt werden sollten.

Die Lebensmittelunternehmen suchen jedoch auch nach kostengünstigen Lösungen, um den Nutri-Score ihrer Produkte zu verbessern. Obwohl es noch keine schlüssigen Studien zu diesem Thema gibt, ist der vermehrte Einsatz von Zusatzstoffen, wie Süßungsmittel und Geschmacksverstärker, in gewissen Produktgruppen wahrscheinlich. Als Nährwertkennzeichnung enthält der Nutri-Score keine Informationen über Zusatzstoffe. Offensichtlich kann das Label nicht alle Mängel in der europäischen Lebensmittelgesetzgebung beheben. Um die europäischen Verbraucher vor der übermäßigen Verwendung von Zusatzstoffen und den damit verbundenen Gesundheitsrisiken zu schützen, brauchen wir eine entsprechende Gesetzgebung, die die Verwendung und Kennzeichnung von Zusatzstoffen in unseren Lebensmitteln streng regelt - eine Maßnahme, die von foodwatch seit vielen Jahren gefordert wird.
 

Die französische Regierung hat in einer groß angelegten Studie unter realen Einkaufsbedingungen gezeigt, dass der Nutri-Score nachweislich zu einem gesünderen Einkaufsverhalten führt. Dafür wurden fast zwei Millionen Verpackungen in 60 Supermärkten mit verschiedenen Nährwertkennzeichnungen versehen – der Nutri-Score zeigte den stärksten positiven Einfluss auf das Einkaufsverhalten. Die Menschen kauften gesündere Produkte.

Die Nutri-Score-Bewertung eines Lebensmittels stimmt mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) überein. Das hat die Auswertung von rund 8.500 Lebensmitteln auf dem deutschen Markt ergeben. Lebensmittel, deren Verzehr die DGE empfiehlt, wurden auch vom Nutri-Score als die bessere Wahl eingestuft. So erhielten rund 80 Prozent der Produkte, die vor allem aus Obst und Gemüse bestehen, den Nutri-Score A oder B. Demgegenüber wurden Produkte, deren Verzehr laut DGE eingeschränkt werden sollte, schlechter bewertet, zum Beispiel erhielt ein Großteil der zuckrigen Snacks (93 Prozent) den Nutri-Score D oder E.

Die 2007 von der britischen Lebensmittelbehörde FSA entwickelte „Original-Ampel“ wurde mittlerweile durch den Lobbyeinfluss der Industrie stark verwässert. Der Referenzwert für Zucker wurde zum Beispiel von 50 auf 90 Gramm erhöht – was dazu führt, dass die britische Ampel viel seltener beim Zuckergehalt auf „rot“ springt als ursprünglich vorgesehen.

Eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung sollte nach Ansicht von foodwatch:

  • jenseits von Lobbyinteressen von unabhängigen Wissenschaftlern entwickelt,
  • farblich gekennzeichnet,
  • auf der Verpackungsvorderseite,
  • auf einheitlichen Mengenangaben von 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter berechnet und
  • für alle Hersteller verpflichtend sein.

foodwatch begrüßt jedes Modell, das diese Kriterien erfüllt.

Der Nutri-Score berücksichtigt keine Portionsgrößen, da dies die Vergleichbarkeit gewährleistet. Der Nutri-Score wird einheitlich auf Basis von 100 Gramm / Milliliter berechnet, so können Verbraucherinnen und Verbraucher verschiedene Lebensmittel objektiv miteinander vergleichen. Würde der Nutri-Score je nach Portionsgröße anders berechnet, könnten Hersteller ihre Produkte durch die willkürliche Definition kleiner Portionen schön rechnen. Zudem führt ein portionsbasierter Ansatz dazu, dass vor allem Süßwaren oder süße Brotaufstriche plötzlich gesünder erscheinen als sie sind. Beispiel Industrie-Ampel: Bei dem portionsbasierten, von der Industrie entwickelten „Evolved Nutrition Label“ hätte nicht mal Nutella eine rote Ampel bekommen, obwohl es zu fast 90 Prozent aus Fett und Zucker besteht.

Die Registrierung für die Nutzung des Nutri-Scores ist kostenlos, und auch das Drucken des Logos auf die Verpackung eines Produkts ist relativ kostengünstig. Daher ist die Annahme, dass nur große Unternehmen das Label übernehmen werden, ein Trugschluss. Viele der mehr als 400 Hersteller, die das Nutri-Score-Label in Frankreich bereits verwenden, sind kleine oder mittlere Unternehmen sind. Die Einführung des Labels scheint also für Unternehmen mit kleineren Budgets keine großen Herausforderungen darzustellen.  

Außerdem muss die Rezeptur eines Produktes nicht geändert werden, um den Nutri-Score verwenden zu können. Ein Hersteller kann jedoch in der Regel einen besseren Score erzielen, indem er einfach den Zucker-, Fett- oder Salzgehalt reduziert und/oder den Obst- und Gemüseanteil erhöht. Teure technische Prozesse sind dabei jedoch nicht erforderlich.