Nährwert-Ampel: Damit Lebensmittel Farbe bekennen

Transparenz durch die Nährwert-Ampel – Bild: foodwatch/frankweinert.com

Das ist das Problem

Verbraucherinnen und Verbrauchern ist es im Supermarkt nicht möglich, auf den ersten Blick den Zucker- oder Fettgehalt von Produkten zu vergleichen. Die EU-weit gesetzlich vorgeschriebenen Nährwertangaben reichen nicht aus, um informierte Kaufentscheidungen zu treffen.

Die Nährwerttabellen mit Angaben zu Fett, Salz oder Kohlenhydraten finden sich in der Regel versteckt im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung. Auf der Verpackungsvorderseite dagegen stehen, werblich hervorgehoben, verwirrende Prozentangaben und irreführende Portionsgrößen, um selbst die größten Zuckerbombe wie eine ausgewogene Zwischenmahlzeit wirken zu lassen.

Irreführende Nährwertangaben tragen damit ihren Teil dazu bei, dass Fehlernährung weit verbreitet ist – und mehr als die Hälfte der Erwachsenen sowie etwa jedes fünfte Schulkind in der EU übergewichtig oder sogar fettleibig sind.

Das ist der Stand

Wissenschaftliche Studien belegen es: Farbliche Nährwertkennzeichnungensind am verständlichsten und können dazu beitragen, dass Verbraucherinnen und Verbraucher sich gesünder ernähren.

Ärzteverbände und Krankenkassen haben sich ebenso dafür ausgesprochen wie Patienten- und Verbraucherorganisationen und die OECD. In Deutschland fordert eine große Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ampel. Doch als die EU-Verordnung zur Lebensmittelkennzeichnung ausgehandelt wurde, haben sich die europäischen Politiker unter dem massiven Lobbydruck der Lebensmittelindustrie gegen eine verpflichtende, standardisierte Farbkennzeichnung ausgesprochen.

In Ermangelung einer EU-weiten Ampelkennzeichnung haben Frankreich und Großbritannien farbbasierte Kennzeichnungsmodelle als freiwillige Selbstverpflichtung eingeführt. Einige Lebensmittelkonzerne entwickeln jedoch ihr eigenes Kennzeichnungsmodell, um dieses einer tatsächlich verbraucherfreundlichen Kennzeichnung entgegen stellen zu können. Diese „Industrie-Ampel“ setzt auf Täuschung mit Portionsgrößen, um die Anzahl von „roten“ Produkten so gering wie möglich zu halten.

Das fordert foodwatch

Nährwertangaben müssen klar und verständlich sein – und zwar auf einen Blick auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Und sie müssen vergleichbar sein. Die besten Kennzeichnungssysteme entstanden auf Grundlage von unabhängiger Forschung und jenseits von Lobbyinteressen. Sie setzen auf Farbcodierung, wie zum Beispiel die britische Ampelkennzeichnung auf Grundlage der ursprünglichen Richtlinien der Foods Standards Agency oder die französische fünf-farbige „NutriScore“.

foodwatch fordert darum eine EU-weit verpflichtende Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben auf der Verpackungsvorderseite und die entsprechende Novellierung der EU-Verordnung zur Lebensmittel-kennzeichnung. Wir dürfen uns aber nicht täuschen lassen und diese sinnvollen und wirksamen Kennzeichnungssysteme mit der „Industrie-Ampel“ verwechseln. Diese ist lediglich der Versuch der Lebensmittelindustrie, ungesunde Produkte mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt gesünder aussehen zu lassen.

Zuletzt geändert am 10.03.2017

Willi will die Ampel

 
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