Sind glutenfreie, laktosefreie oder vegane Lebensmittel automatisch gesund?

13.03.2019

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp:

Glutenfrei, laktosefrei, vegan – im Supermarkt gibt es ein immer größeres Angebot an Lebensmitteln, die damit werben, frei von bestimmten Inhaltsstoffen zu sein. Für die Lebensmittelindustrie ist das ein wichtiger Trend. Für viele Verbraucherinnen und Verbraucher hören sich diese Produkte gesund an – doch sind sie das wirklich?

Die meisten Menschen vertragen Gluten und Laktose

Zunächst einmal: Der Anteil der Menschen, die Gluten oder Laktose nicht vertragen, ist relativ gering. In Deutschland ist etwa ein Prozent der Menschen von Zöliakie betroffen, einer entzündlichen Erkrankung der Darmschleimhaut, die durch Gluten hervorgerufen wird. Das Klebereiweiß ist in den Samen bestimmter Getreidesorten enthalten, zum Beispiel in Weizen, Roggen oder Dinkel. Darüber hinaus gibt es das neue Krankheitsbild der Glutensensitivität. Das betrifft Menschen, die zwar keine Zölikalie haben, aber trotzdem empfindlich auf glutenhaltiges Getreide reagieren, etwa mit Magen-Darm-Beschwerden. Aber auch hiervon sind längst nicht so viele Menschen betroffen, wie die Vielzahl der Produkte im Supermarkt vermuten lässt. Der Großteil der Menschen verträgt Gluten ohne Probleme.

Gesunde Menschen sollten nicht auf glutenhaltiges Getreide verzichten

Für Menschen, die tatsächlich kein Gluten vertragen, ist die neue Produktvielfalt toll. Und auch bei Gesunden können natürlicherweise glutenfreie Zutaten eine Bereicherung des Speiseplans darstellen. Die so genannten Pseudogetreide Quinoa, Amaranth oder Buchweizen etwa punkten mit einem hohen Eiweißgehalt und wertvollen Mineralien. Für gesunde Menschen bringt es jedoch keinen gesundheitlichen Vorteil, grundsätzlich auf Gluten zu verzichten. Im Gegenteil: Ein gutes Vollkornbrot vom Bäcker ist in der Regel gesünder als industriell hergestellte glutenfreie Produkte wie Reiswaffeln oder abgepackte Brote aus Maisstärke oder Sojamehl. Auch der Ersatz eines Müslis aus Getreideflocken durch Reisflocken macht ernährungsphysiologisch wenig Sinn. Denn Vollkorn enthält viele Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe. Zudem sind glutenfreie Produkte oft deutlich teurer.

Milchprodukte enthalten wertvolle Nährstoffe

Menschen, die an Laktoseintoleranz leiden (hierzulande etwa 15 Prozent), sind auf Produkte ohne den Milchzucker angewiesen. Für alle, die Laktose vertragen, können Milchprodukte die tägliche Ernährung bereichern. Denn sie enthalten wertvolle Bestandteile wie Kalzium und Eiweiß. Zudem drosselt der Körper die Produktion des zur Verdauung von Laktose nötigen Enzyms Laktase, sobald es nicht mehr gebraucht wird. Verzichtet man freiwillig völlig auf Milchprodukte, züchtet man sich unter Umständen eine Laktoseintoleranz an. Da viele verarbeitete Produkte Milch enthalten, könnte dies zum Problem werden. Wenn man Milchprodukte gut verträgt, sollte man also am besten nicht vollständig auf sie verzichten. Etwas absurd finde ich es, wenn Hersteller den „Laktosefrei-Trend“ dazu nutzen, von Natur aus laktosefreie Lebensmittel wie etwa Parmesan als laktosefrei zu bewerben.

Vor Menschen, die aus ethischen Gründen auf tierische Lebensmittel verzichten, habe ich großen Respekt. Denn es ist ja leider wahr: Die Zustände in der Nutztierhaltung sind häufig miserabel. Aus gesundheitlicher Perspektive hat die vegane Ernährung Vorteile und Nachteile. Wichtig ist, dass man sich genauer mit ihr beschäftigt. Denn es ist gar nicht so einfach, alle Nährstoffe, die wir aus tierischen Quellen aufnehmen können, durch pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen. (Wobei ich damit nicht sagen will, dass sich Fleischesser automatisch ausgewogen ernähren). Ein Risiko ist zum Beispiel eine Mangelversorgung mit dem Vitamin B12, dessen Supplementierung für Veganerinnen und Veganer immer empfohlen wird. 

Vegane Produkte können Speiseplan bereichern

Den meisten von uns würde es gut tun, weniger Fleisch und tierische Fette zu verzehren. Auch für „Allesfresser“ spricht also nichts dagegen, vegane Lebensmittel auszutesten. Das trifft auf Obst und Gemüse natürlich ohnehin zu, aber auch verarbeitete Produkte im Supermarkt können den Speiseplan erweitern. Gerade im Bereich der Milchersatzprodukte wird nun eine Vielzahl von Varianten angeboten, wie Hafer-, Mandel-, oder Cashewdrinks. Es gibt sie auch in der mit Kalzium angereicherten Variante. Auch traditionelle Produkte wie Tofu können eine leckere und gesunde Bereicherung des Speiseplans sein. Für Vegetarierinnen und Veganer, denen es schwerfällt, auf ihr Wurstbrot zu verzichten, finde ich Fleischersatzprodukte eine gute Sache. Und auch für Menschen, die weniger tierische Fette konsumieren möchten, sind sie eine Alternative. Beachten sollte man jedoch, dass vegan nicht automatisch natürlich bedeutet. Häufig sind die Produkte hochverarbeitet und enthalten viele Zusatzstoffe. Ein aktueller Marktcheck der Stiftung Warentest zeigt, dass Veggie-Salami und Veggie-Lyoner im Durchschnitt viel weniger Fett als ihre fleischlichen Pendants enthalten. Allerdings: Ein magerer Kochschinken aus Fleisch ist meistens die fettärmste Variante. Bei Veggie-Aufschnitt lohnt es sich, auf die Qualität des Öls zu achten. Produkte mit Rapsöl punkten mit gesunden Omega-3-Fettsäuren. Kokos- oder Palmfett sind durch hohe Gehalte an gesättigten Fettsäuren nachteilig. 

Wenn man es verträgt, gerne von allem etwas

Fazit: Lebensmittel, die damit werben, glutenfrei, laktosefrei oder vegan zu sein, können den Speiseplan bereichern. Zu einer ausgewogenen Ernährung von gesunden Menschen gehören jedoch auch Getreideprodukte. Für alle Nicht-Veganerinnen und Veganer sind Milchprodukte wertvoller Bestandteil des täglichen Speiseplans. Und auch Fleisch kann zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, so lange man Maß hält.

Foto: © industrieblick / adobeStock

 
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