Bundesregierung plant Tierwohl-Label

14.11.2016

Bundesagrarminister Christian Schmidt will in Kürze ein freiwilliges staatliches Tierwohllabel einführen. Zunächst soll es nur Schweinefleisch erfassen. Ob das Label das Leben der Tiere nachhaltig verbessern kann, wird bezweifelt. foodwatch kritisiert zudem, dass Verbraucherinnen und Verbraucher vor eine ethisch höchst problematische Entscheidung gestellt werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat ein freiwilliges staatliches Tierwohllabel angekündigt. Die Eckpunkte des Labels hat die Süddeutsche Zeitung veröffentlicht. Schmidt will das Siegel Anfang 2017 bei der weltgrößten Agrarmesse "Grüne Woche" in Berlin vorstellen. Damit soll Fleisch von Tieren gekennzeichnet werden können, deren Haltungsbedingungen über dem gesetzlichen Standard liegen.

Das Label funktioniere damit „vergleichbar wie das staatliche Bio-Siegel“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. „Andere privatwirtschaftliche Tierschutzlabel können neben dem freiwilligen staatlichen Label weiterexistieren.“

Um eine Präsenz auf dem breiten Markt zu ermöglichen, soll Bauern eine erste Stufe des Labels „ohne zu hohe Einstiegsinvestitionen“ ermöglicht werden. Es gehe aber um „klare Zielsetzungen mit verbindlicher Perspektive“ – zum Beispiel um einen Verzicht auf das routinemäßige Kürzen von Schwänzen bei Ferkeln. Umgesetzt werden soll das Label den Eckpunkten zufolge „auf gesetzlicher Basis“, aber auch mit einer Zertifizierung durch private Dienstleister.

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik des Bundesernährungsministeriums prognostiziert für das Tierwohl-Label einen Marktanteil von maximal 20 Prozent. Für 80 Prozent der Tiere bedeutet das im Umkehrschluss weiterhin tägliches Leid, das zu einem großen Teil vermeidbar wäre.

foodwatch kritisierte daher die Pläne des Bundesministers. Jedes vierte Tier in deutschen Ställen leidet an meist vermeidbaren Krankheiten und Verhaltensstörungen. Ein freiwilliges Siegel bedeutet, dass zwischen Tierqual und Tiergerechtheit ausgewählt wird, selbst wenn die Kriterien sachgerecht sein sollten.

Eine solche "Wahlfreiheit ist zynisch und lässt sich weder ethisch noch politisch rechtfertigen. Herrn Schmidt fehlt offensichtlich der Mut, durch klare Vorgaben und Gesetze dafür zu sorgen, dass nur noch Lebensmittel aus nachweislich tiergerechter Produktion angeboten werden. Sein freiwilliges Siegel bedeutet für 80 bis 90 Prozent der Nutztiere: Der Wettbewerb wird den Nutztieren weiterhin millionenfache Schmerzen und Leiden aufbürden.“

Matthias Wolfschmidt, stellvertretender foodwatch-Geschäftsführer

Bild: Fotolia / fotomaster, grafikplusfoto, shishiga, vlad klok

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(mit dpa)

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