Nachricht 03.03.2021

Erst Coca-Cola, jetzt PepsiCo: Bündnis kritisiert Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaft

Das Sponsoring von EU-Ratspräsidentschaften durch private Unternehmen ist gang und gäbe. foodwatch und weitere europäische Organisationen fordern ein Verbot dieser fragwürdigen Praxis.

Gemeinsam mit der Brüsseler NGO Corporate Europe Observatory (CEO) und der portugiesischen Organisation Climáximo kritisiert foodwatch das Sponsoring der EU-Ratspräsidentschaften durch große Unternehmen. Zuvor hatte die portugiesische Regierung, die aktuell die Ratspräsidentschaft innehat, mehrere Sponsorenverträge unterzeichnet: mit Sumol + Compal, dem Vertriebspartner von PepsiCo in Portugal, sowie mit The Navigator Company, einem Unternehmen für Papierprodukte, das von Umweltorganisationen mit Monokulturplantagen und Waldbränden in Portugal sowie Landgrabbing in Mosambik in Verbindung gebracht wird.

Klares Verbot nötig

Das NGO-Bündnis fordert von der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft, angeführt von Premierminister António Costa, und den EU-Botschaftern der 27 Mitgliedsstaaten ein klares Verbot solcher Sponsorings. Mögliche Interessenkonflikte müssen ausgeschlossen werden. foodwatch, CEO und Climáximo haben eine entsprechende Online-Petition unter  aktion.eusponsoring.foodwatch.de gestartet.

Der Green Deal, die Farm-to-Fork-Strategie und der EU-Plan zur Krebsbekämpfung erkennen an: Was wir konsumieren, hat direkte Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt – dennoch lassen sich unsere Entscheidungsträger von Softdrink-Herstellen sponsern.
Suzy Sumner foodwatch Brüssel

Der Vorsitz im Rat der Europäischen Union rotiert unter den EU-Mitgliedstaaten im Halbjahres-Rhythmus. Im Januar 2021 hat ihn Portugal übernommen. Dass sich die portugiesische Ratspräsidentschaft sponsern lässt, ist kein Einzelfall: Der Getränkekonzern Coca-Cola war 2019 „Platin-Partner“ der rumänischen Ratspräsidentschaft. 2018 hat sich Österreich zum Beispiel von Audi und der Versicherungsgruppe VIG sponsern lassen, Bulgarien vom Verband der bulgarischen Getränkeindustrie und von BMW.

EU-Bürgerbeauftragte kritisiert Sponsoring

Im vergangenen Jahr hatte eine foodwatch-Beschwerde bei der Europäischen Bürgerbeauftragten Emily O'Reilly Erfolg: Sie stellte fest, dass die Sponsoren-Deals der Reputation der EU schaden und sprach sich dafür aus, dass Regeln eingeführt werden sollten.

Sechs Monate später haben sich die 27 Regierungen der Mitgliedsstaaten jedoch immer noch nicht auf Regeln verständigt. Offenbar wollen sie sich nur freiwilligen Regeln unterwerfen. Vom Europäischen Rat vorgeschlagene „Best-Practice-Leitlinien“ sollen in Kürze bei einem Treffen der EU-Botschafter im Rat, COREPER, diskutiert werden.