Frage des Monats 19.11.2019

Apfeldicksaft – gesünder als Zucker?

Adobe Stock / Madele

Manuel Wiemann von foodwatch antwortet:

Viele Menschen wissen mittlerweile, dass zu viel Zucker ungesund ist. Lebensmittelhersteller weichen deshalb zum Süßen auf Alternativen wie Apfeldicksaft aus. Das Fruchtsaftkonzentrat hört sich schließlich deutlich gesünder an als Zucker. Doch ist Apfeldicksaft tatsächlich der bessere Zucker?

Auch der Bio-Hersteller Zwergenwiese setzt auf Apfeldicksaft. Seine „Kinder-Tomatensauce“ ist einer der Kandidaten für den Goldenen Windbeutel 2019, mit dem foodwatch regelmäßig die dreisteste Werbelüge des Jahres auszeichnet. Denn die Tomatensauce für Kinder enthält mehr als doppelt so viel Zucker wie die Erwachsenen-Version. Gesüßt ist die Sauce mit Apfeldicksaft. Zwergenwiese sagt dazu: „Generell setzen wir keinen raffinierten Kristallzucker (Haushaltszucker) in unseren Naturprodukten ein, da dies unserer Philosophie widerspricht.“ 

Apfeldicksaft nicht besser als Rübenzucker

Apfeldicksaft ist ein stark konzentrierter Apfelsaft, der zu einer zähflüssigen Masse eingekocht wurde. Während ein durchschnittlicher Apfel etwa 10 Prozent Zucker enthält, besteht Apfeldicksaft zu etwa 80 Prozent aus Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt auch den Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten wie Apfeldicksaft zu den freien Zuckern, deren Konsum eingeschränkt werden sollte.  Das bestätigt auch Professor Hans Hauner, der Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin in München: „Dieser Zucker gehört zu den ‚freien Zuckerarten‘ und ist deshalb nicht viel anders einzuschätzen als kristalliner Rübenzucker. Einen besonderen Gesundheitswert oder relevanten Vorteil gegenüber Haushaltszucker kann ich nicht erkennen“.

Keine gesunde Vitaminquelle

Apfeldicksaft enthält deutlich mehr Zucker als ein Apfel. Positive Bestandteile wie Vitamine oder Mineralstoffe machen die negativen Wirkungen des hochkonzentrierten Zuckers nicht wett. Apfeldicksaft eignet sich deshalb nicht als gesunde Vitaminquelle oder gar als Ersatz für frisches Obst.

Die meisten von uns – vor allem Kinder und Jugendliche – essen zu viel Zucker. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt​​​​​​​ deshalb, dass Tomatensoßen, die für Kinder beworben werden, gar keinen zugesetzten Zucker enthalten sollten – also auch keinen Apfeldicksaft.