Frage des Monats 20.08.2019

Haben Menschen einen Zuckerbedarf?


Adobe Stock / Bowonpat

Oliver Huizinga von foodwatch antwortet:

Anders als häufig vermutet gibt es keine Notwendigkeit, Zucker als Lebensmittel aufzunehmen. Richtig ist: Das menschliche Gehirn benötigt etwa 130 Gramm vom Einfachzucker Glucose am Tag. Der Körper ist jedoch in der Lage, diese Glucose aus Stärke aufzuspalten, die beispielsweise in Brot oder Nudeln enthalten ist.  

Ärztinnen und Ärzte raten von einer hohen Zufuhr von Zucker ab, da dies die Entstehung von Übergewicht, Fettleibigkeit und anderen chronischen Erkrankungen fördern kann. Hierzulande gelten etwa jeder vierte Erwachsene und jeder zehnte Jugendliche als fettleibig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, nicht mehr als zehn Prozent der täglichen Energiemenge über sogenannte „freie Zucker“ aufzunehmen, besser noch wären maximal fünf Prozent . Freie Zucker sind alle Zucker, die Lebensmitteln zugesetzt wurden, sowie Zucker aus Honig, Sirup und Säften. Eine erwachsene Frau mit einem Energiebedarf von 2.000 Kalorien sollte am Tag also höchstens 50 Gramm beziehungsweise besser noch maximal 25 Gramm freien Zucker zu sich nehmen.

Wir essen zu viel Zucker

Zur Einordnung: Trinkt diese Frau eine Halbliter-Flasche Cola pro Tag, nimmt sie allein darüber bereits etwa 50 Gramm Zucker zu sich. Eine durchschnittliche Portion Frosties-Frühstücksflocken schlägt mit 22,2 Gramm Zucker zu Buche. Das zeigt: Zahlreiche Lebensmittel, die von vielen Menschen noch nicht einmal zu den klassischen Süßigkeiten gezählt werden, enthalten sehr viel Zucker. Kein Wunder, dass viele Menschen mehr Zucker verzehren, als die WHO rät. In Deutschland nehmen Kinder etwa 60 Prozent mehr und Erwachsene 30-40 Prozent mehr Zucker auf, als die WHO empfiehlt .

Ärztinnen und Ärzte, medizinische Fachorganisation und Verbraucherverbände fordern deshalb schon lange wirksame politische Maßnahmen gegen Fehlernährung. Dazu gehören eine Herstellerabgabe auf überzuckerte Limonaden, ein Verbot des Marketings überzuckerter Lebensmittel an Kinder und die verständliche Kennzeichnung von Nährwerten in Form einer Lebensmittelampel.