Sind Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert für eine gesunde Ernährung?

21.08.2018

Antwort der Ernährungsberaterin Alice Luttropp:

Die Antwort auf diese Frage ist eigentlich ganz einfach: Für gesunde Menschen sind zusätzliche Nährstoffe überflüssig – egal ob in Tabletten-, Kapsel- oder Pulverform. Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt über die Nahrung genug Vitamine und Nährstoffe auf. Ausgenommen von dieser Regel sind nur einige Personengruppen, die einen erhöhten Nährstoffbedarf haben. Und es gibt zwei Stoffe, mit denen Menschen in Deutschland häufig unterversorgt sind. 

Vitaminpillen ersetzen keine ausgewogene Ernährung

Doch der Reihe nach: Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) benötigen gesunde Menschen, die sich abwechslungsreich ernähren, keine Nahrungsergänzungsmittel. Empfehlenswert sind täglich zwei Portionen Obst und mindestens drei Portionen Gemüse sowie Vollkornprodukte, Nüsse und pflanzliche Öle. Auch Milchprodukte und Fisch liefern wertvolle Nährstoffe. Fleisch kann ebenfalls zu einer ausgewogenen Ernährung gehören, sollte allerdings in Maßen genossen werden. Ein solch bunter Speiseplan macht die zusätzliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln überflüssig. Ohnehin können diese niemals eine ausgewogene Kost ersetzen.

Denn wer denkt, er könnte seinen Mangel an pflanzlicher Nahrung einfach durch die Einnahme einer Vitaminpille ausgleichen, ist auf dem Holzweg. Isolierte Inhaltsstoffe wie Vitamine können nicht die Karotte oder den Grünkohl ersetzen, in denen sie enthalten sind. Denn heute weiß man, dass die Vielfalt der in Obst und Gemüse enthaltenen biologisch aktiven Substanzen wertvoll ist. Dazu gehören zum Beispiel auch sekundäre Pflanzenstoffe oder Ballaststoffe. Es ist technisch unmöglich, alle diese Stoffe zu extrahieren und in Kapselform zu pressen. Die komplette Bandbreite der Stoffe nimmt nur auf, wer die Früchte oder Gemüse in ihrer natürlichen Form verzehrt. Positiv ist auch, dass der Genuss von pflanzlichen Nahrungsmitteln sättigt – im Gegensatz zum Einwerfen einer Kapsel. Wer auf Gemüse und Obst verzichtet und stattdessen eine Tablette einwirft, wird höhere Mengen kalorienreicherer Lebensmittel verzehren müssen, um satt zu werden.

Einige Menschen benötigen Nahrungsergänzungsmittel

Es gibt jedoch Personengruppen, die einen erhöhten Nährstoffbedarf haben und für die die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfehlenswert ist. Dazu gehören Frauen mit Kinderwunsch oder in der frühen Schwangerschaft, die Folsäure benötigen. Bei vegan lebenden Menschen steigt das Risiko für eine Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen, vor allem mit Vitamin B12, das nur in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Auch für Menschen, die krankheitsbedingt oder nach operativen Eingriffen bestimmte Nährstoffe schlecht aufnehmen, können Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert sein. Am besten klärt man den individuellen Nährstoffbedarf mit einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin ab. 

Grundsätzlich ist wichtig zu wissen: Deutschland ist kein Land, in dem Vitaminmangel herrscht. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung, Max-Rubner-Institut und Deutscher Gesellschaft für Ernährung  könnte jedoch die Versorgung der Bevölkerung mit Vitamin D besser sein. Vitamin D wirkt sich zum Beispiel positiv auf die Knochenhärte aus. Das Vitamin wird vor allem durch Sonneneinstrahlung auf der Haut gebildet, die Aufnahme über die Ernährung spielt eine geringe Rolle. In diesem Hitzesommer müssen sich wahrscheinlich die wenigsten über ihren Vitamin-D-Haushalt Sorgen machen, wenn sie täglich leicht bekleidet an der frischen Luft unterwegs sind. In grauen Wintern, in denen die Menschen nur dick eingemummelt vor die Tür gehen, kann das anders aussehen, auch wenn der Körper Vitamin D über Monate speichern kann. Und auch alte Menschen kommen häufig nicht mehr sehr oft vor die Tür. Für sie kann eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin D sinnvoll sein. 

Auch die Versorgung der Bevölkerung mit dem Spurenelement Jod ist in Deutschland nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung nicht optimal.  Deshalb ist es empfehlenswert, jodiertes Speisesalz zu verwenden. Auch Milchprodukte oder Speisefisch enthalten Jod. 

Viel hilft viel? Leider nein.

Bei Nahrungsergänzungsmittel, die unnötigerweise eingenommen werden, ist es nicht nur schade um das Geld – schlimmstenfalls kann auch eine Überdosierung drohen. Viel zu hohe Dosen können sogar zu einer „Hypervitaminose“ führen: Fettlösliche Vitamine wie A und D können sich im Körper anreichern und Kopfschmerzen oder Magenprobleme verursachen. Studien belegen, dass isoliertes Beta-Carotin, auch Provitamin A genannt, bei Rauchern zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko führt.  Also: es gibt nichts Gutes, außer man tut es. In diesem Fall: Möhrchen knabbern statt Pillen einwerfen.

Bild: © fotolia / pat hastings

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