Nachricht 03.12.2019

Zwergenwiese nimmt den Goldenen Windbeutel an – als erster Hersteller!

foodwatch/picture alliance/Udo Fischer

Als erster Hersteller überhaupt hat Zwergenwiese den Negativpreis Goldener Windbeutel akzeptiert. Der Bio-Pionier kündigte eine Rezepturänderung für seine zuckrige Kinder-Tomatensauce an. foodwatch begrüßte das Versprechen – betonte aber gleichzeitig, Zielmarke müsse sein, dass alle Zwergenwiese-Produkte die Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation für gesunde Kinderlebensmittel einhalten.

Ein Hersteller, der den Schmähpreis annimmt – das gab es noch nie in der Geschichte des Goldenen Windbeutels! foodwatch war heute (3.12.2019) beim Zwergenwiese-Firmensitz in Schleswig-Holstein vor Ort, um den Negativpreis zu überreichen. Als die Aktivistinnen und Aktivisten mit dem Goldenen Windbeutel vor dem Haupteingang standen, nahm Geschäftsleiter Jochen Walz die Trophäe vor laufenden Kameras persönlich entgegen und versprach, die Rezeptur der Kinder-Tomatensauce überarbeiten zu wollen.

Tomatensaucen ohne Zuckerzusatz herzustellen ist keine Raketenwissenschaft – und Zwergenwiese hat sie für Erwachsene doch längst im Sortiment.
Manuel Wiemann Wahlleiter beim Goldenen Windbeutel 2019

Alle Kinderlebensmittel im Sortiment kämen „auf den Prüfstand“, erklärte das Bio-Unternehmen. Auf Details wollte sich der Hersteller allerdings nicht festlegen. „Noch werden wir den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation nicht gerecht, aber wir sind auf einem guten Weg. Wir brauchen halt ein wenig Zeit dafür“, sagte Jochen Walz. „Wir arbeiten mit einem dreiköpfigen Entwicklerteam mit Hochdruck daran.“ 

foodwatch kündigte an, die weiteren Schritte von Zwergenwiese genau zu beobachten. Das Bio-Unternehmen wiederum versprach, foodwatch umgehend über Neuigkeiten zu informieren. Als „Zeichen der Kooperation“, wie es Zwergenwiese ausdrückte, überreichte der Bio-Hersteller foodwatch eine goldene Zwergenmütze. 

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Sehen Sie im Video, wie Zwergenwiese auf den Goldenen Windbeutel reagiert hat.

53 Prozent aller Stimmen für Zwergenwiese

Fast 70.000 Verbraucherinnen und Verbraucher hatten bei der Online-Abstimmung von foodwatch mitgemacht und unter fünf Kandidaten mit großer Mehrheit das Zwergenwiese-Produkt zur Werbelüge des Jahres gewählt. Die für Kinder beworbene Tomatensauce enthält mehr als doppelt so viel Zucker wie die Erwachsenen-Version – dabei empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, dass Saucen für Kinder gar keinen zugesetzten Zucker enthalten sollten. 

Das Wahlergebnis im Detail

1. Platz: „Kinder-Tomatensauce“ von Zwergenwiese (36.721 Stimmen, rund 53,2 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen), 2. Platz: Yakult Original von Yakult  (18.036 Stimmen, 26,1 Prozent), 3. Platz: „100% Bio Direktsaft Karotte“ von Hipp  (5133 Stimmen, 7,4 Prozent) , 4. Platz:  Wasabi Erdnüsse von Rewe Beste Wahl  (4635, 6,7 Prozent), 5. Platz: „Corny Protein Lower Carb“ von Schwartau  (4477, 6,5 Prozent)

foodwatch engagiert sich seit Langem für eine gesetzliche Beschränkung des Kindermarketings als einen Baustein im Kampf gegen Fehlernährung und ernährungsbedingte Krankheiten. Gemäß den Empfehlungen der WHO für Kindermarketing sollten nur ausgewogene Produkte an Kinder beworben werden dürfen. Marktstudien haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass ein Großteil der an Kinder beworbenen Lebensmittel zu viel Zucker enthält. 

Kinderärztepräsident: Kinderlebensmittel oft versteckte Zuckerbomben

„Geschmack wird anerzogen, und zwar schon im frühkindlichen Alter“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Dr. Thomas Fischbach. „Sogenannte Kinderlebensmittel sind viel zu oft versteckte Zuckerbomben. Damit muss Schluss sein! Die Politik darf nicht weiter tatenlos zusehen, wie die Kindergesundheit wirtschaftlichen Interessen geopfert wird. Wir brauchen Verbote, um die Kinder effektiv vor irreführender Werbung zu schützen.“

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