Aus dem Mixer der Kulturen

16.11.2016

Die Paare könnten gegensätzlicher nicht sein: Mit bis zu drei Sternen dekorierte Spitzenköche treffen auf Geflüchtete aus Syrien, Gambia oder dem Libanon – und werfen im Topf zusammen, was für sie mit „Heimat“ in Verbindung steht. Das Ergebnis ist ein ungewöhnliches Kochbuch, das auch noch einen guten Zweck erfüllt. Herausgegeben hat es der Verein Über den Tellerrand, der mit dem Verkaufserlös Integrationsprojekte finanziert.

Wie lassen sich Afghaninnen oder Syrer, gerade aus dem Kriegsgeschehen ihrer Heimatländer geflohen, in Kontakt bringen mit Menschen, die schon lange in Deutschland wohnen? Das treibt den Verein Über den Tellerand kochen um. Bei der Suche nach Antworten kam die einstige Studenteninitiative schnell aufs Thema Essen: Was verbindet mehr, als ein gemeinsames Mahl – oder besser noch: das gemeinsame Kochen? Integration geht durch den Magen: Mit Kochkursen, allerlei Projekten und ungezwungenen Events bringt „Über den Tellerrand“ nun schon seit Jahren Menschen aus unterschiedlichsten Esskulturen zusammen.

Man nehme zwei Köche...

Aus den Begegnungen ist mit „Eine Prise Heimat“ nun bereits das dritte Kochbuch entstanden. Es kommt international daher – alle Texte und Rezepte sind zweisprachig in Deutsch und Englisch abgedruckt –, enthält kurze Geschichten zu den Menschen hinter den Gerichten und hebt sich auch sonst von anderen Kochbüchern ab. Statt einfach Rezept an Rezept zu reihen, versteht sich das Werk als „Fusions-Kochbuch“: Man nehme zwei Köche – einen professionellen Spitzenkoch und einen nach Deutschland Geflüchteten – und lasse die beiden einfach mal machen. Das Ergebnis sind ägyptisch-österreichische, syrisch-französische und gambisch-deutsche Kreationen, die wohl nur auf diese Weise zustande kommen konnten: Schokoküchlein mit Mango-Tapioka, karamellisierte Karotten-Griessnocken, Hirschgulasch mit Kabsa-Gemüsereis. Beteiligt haben sich einige Promis der europäischen Küchenszene, von Ralf Zacherl (auf dem Foto oben mit der Syrierin Alaa Abu Hashem) über Michael Kempf bis hin zu Drei-Sterne-Koch Sven Elverfeld.

Eine schmackhafte Reise durch die Welt

Jeder Köche-Combo ist ein Kapitel, und das heißt: ein mehrgängiges Menü gewidmet, präsentiert in tollem Grafikdesign, ansprechenden Food- und ausgelassen Koch-Fotos. Es braucht ein wenig Zeit, sich in diesem ungewöhnlichen Kochbuch zurechtzufinden. Wer sich darauf einlässt, für den ist „Eine Prise Heimat“ eine kleine Reise durch die Welt – und zwar eine ziemlich schmackhafte. Dass mit dem Kaufpreis die Integrationsprojekte für Geflüchtete finanziert werden, rundet das Ganze ab.

  • Eine Prise Heimat | A pinch of home; herausgegeben von Über den Tellerrand kochen e.V., 224 Seiten, 29.95 Euro – mit dem Kaufpreis werden Projekte des Vereins unterstützt. Mehr Informationen und Bestellung hier

foodwatch erhält für diese Rezension kein Geld und ist am Absatz des Buches in keiner Weise beteiligt. Wir stehen in persönlichem Kontakt mit dem Verein „Über den Tellerrand“ und halten dessen Arbeit für unterstützenswert.

[Bilder: Carina Adam/Über den Tellerrand e.V.]